FG079 Wüstenforschung (Teil 2)

Weitere Einblicke in die verborgene Welt der Wüsten

Stefan Kröpelin
Stefan Kröpelin
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Seit vielen Jahren zieht es Stefan Kröpelin in die Wüste. Denn sie ist nicht nur eine faszinierende Landschaft, sondern auch ein einzigartiges Forschungslabor: Der Geoarchäologe und Klimawissenschaftler von der Universität zu Köln untersucht dort, welche Spuren die Natur und der Mensch in dem heute so lebensfeindlichen Raum hinterlassen haben.

Vor allem die östliche Sahara im Schnittpunkt zwischen Libyen, Ägypten, dem Tschad und dem Sudan hat es Kröpelin angetan. Es ist das trockenste Gebiet der Erde mit statistisch weniger als zwei Millimetern Niederschlag pro Jahr -– und einer Hitze, die die 500-fache Menge verdunsten ließe. Auf seinen Forschungsexpeditionen spürt er beispielsweise Felsbilder auf – farbige Malereien oder einfache Gravuren, die in den Sandstein geritzt wurden. Teilweise sind diese Zeugnisse nomadischer Kultur Jahrtausende alt, konnten sich aber durch die besonderen klimatischen Bedingungen bis heute erhalten.

Einst war die Wüste von Tausenden Oasen durchzogen. Jetzt sind nur noch wenige übrig. Und ihre Zeit ist gezählt, denn sie graben sich buchstäblich selbst das Wasser ab. Sie speisen sich aus sogenanntem fossilen Grundwassser, der vom Regen von vor 100.000 Jahren stammt. Ist diese Quelle erst einmal versiegt, kommt nichts nach.

Die Wüste ist ein großartiger Platz, um Klimaveränderungen zu studieren. Aber auch viele andere Wissenschaften profitieren von den Forschungsergebnissen. Stefan Kröpelin berichtet auch von Marsmeteoriten, die im Sandmeer zu finden sind. Und darüber, dass es eine Fata Morgana, wie man sie aus Filmen kennt, tatsächlich gibt.

Diese Episode knüpft an Folge 047 an, in der Stefan Kröpelin bereits zu Gast war.

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13 Gedanken zu „FG079 Wüstenforschung (Teil 2)

  1. Wie immer sehr interessante Sendung. Anmerkung zum Vergleich mit Mars: Am Mars gibt es keine Sandstürme sondern Staubstürme. Der Mars hat nur ca. 1% der Atmosphäre der Erde und somit fühlt sich der stärkste Sturm nur wie ein kleines Lüftchen an. Es wird halt alles ganz langsam in einer talkartigen Staubschicht begraben. Auch gibt es keinen Sauerstoff in der Atmosphäre der irgendwas korroidieren kann. Also frag mich ob das so einfach sein würde, in der Wüste.

  2. Herr Kröpelin brennt für seine Sache und es macht wahnsinnig Spaß im dabei zuzuhören! Nach einer so langen Karriere in dem Bereich könnte er bestimmt noch Stunden weitererzählen. Vielleicht gibt’s ja noch n dritten Teil. Danke für diesen zweiten Teil zum Thema Wüstenforschung!!!

  3. Eine Frage stellt sich mir allerdings noch…..warum wird in diese Regionen nicht hineingeflogen? Sobald ein kleiner Trupp eine notdürftig eingerichtete Lande und Startbahn ausgemacht hat, sollte dies, ausser den Kosten, dem nichts entgegen stehen?!

    • Hallo Stefan, bei unseren Reisetagesätzen von 25€ / Tag / Person war das leider nie eine Option. Zum anderen gibt es z.B. im Tschad oder Sudan gar keine geeigneten Kleinflugzeuge, die man mieten könnte, und wenn müsste man vorher mit LKWs Kerosin-Depots anlegen für den Rückflug. Auch gibt es in den interessanten Gebieten kaum geeignete Landeplätze. Vor Ort bräuchte man dann sowieso Fahrzeuge, um zu den Einsatzorten zu kommen. Einmal bekamen wir einen uralten Militärhubschrauber zur Verfügung gestellt … und hatten damit eine Notlandung. Der Pilot erzählte später, er hätte nie gedacht, dass wir noch heil zurückkommen. Freue mich über die freundlichen Kommentare! Stefan K.

      • Aus meiner Blickweise vom heimischen Sofa wäre ich erstmal nicht drauf gekommen, dass es nicht mal ein Flugzeug vor Ort gibt.
        Vielen Dank für die zusätzlichen Informationen!!

  4. Vielen Dank für diese super Folge! Gute Fragen und Einblicke in ein interessantes Thema. Am liebsten würde ich bei der nächsten Expedition gleich mitfahren, aber leider fehlen mir wohl die dafür notwendigen Fachkenntnisse :(

  5. Wieder ein sehr aufschlussreicher und unterhaltsamer Podcast mit einem Gast, der fesselnd erzählen kann. Umso betrüblicher finde ich es, dass Stefan Kröpelin sich von dem AfD-nahen Klimawandelleugnerverein “EIKE” hat einspannen lassen…

    • Hallo Florian,
      der anscheinend gemeinte (nach einer sehr kurzen Nacht in wenigen Stunden zusammengebaute) Vortrag auf der Klimakonferenz von EIKE ist eher zufällig zustande gekommen, weil ich am Vorabend schon einen anderen Vortrag in München hatte. Obwohl nur einer von rund 250 Vorträgen, wurde er wegen der für einen Fachvortrag überraschend zahlreichen Aufrufe des Mitschnitts und der daraus resultierenden Positionierung bei Google erst so sichtbar. Inhaltlich stehe ich zu meinen Aussagen, die ich seit langem vertrete (z.B. https://www.wsj.com/articles/how-will-climate-change-affect-the-sahara-1401489555 ).
      Dabei befand ich mich in guter Gesellschaft mit renommierten Wissenschaftlern wie dem schwedischen Ozeanographen Nils Axel Mörner, dessen lebenslange Forschung auf keinen schnellen rezenten Meerespiegelanstieg deutet. Oder den führenden Schweizer und österreichischen Hochgebirgs- und Polarforschern Christian Schlüchter und Gernot Patzelt, deren Lebenswerk belegt, dass es seit dem letzteiszeitlichen Maximum vor etwa 20 000 Jahren schon mehrfach größere Gletscherschmelzen gegeben hat als im letzten Jahrhundert. Um hier nur drei von vielen internationalen Kollegen zu nennen. Dass es sich oft um emeritierte Professoren handelt, könnte zu denken geben.
      Nach über 40 Jahren hauptberuflicher Beschäftigung mit der Paläoklimatologie heutiger Wüstenregionen bilde ich mir ein, etwas mehr Hintergrundwissen und eine längere zeitliche Perspektive auf die Klimaentwicklung zu haben als die meisten Politiker und Journalisten und Aktivisten und auch fachfremden Wissenschaftler. Gerne, und ohne Scheuklappen, präsentiere ich diese Kenntnisse der Öffentlichkeit überall da, wo sie gehört werden wollen, und bitte um Widerspruch. Seit der Leitung eines internationalen Paläoklima-Projekts in den 1990er Jahren kenne ich einige der wissenschaftlichen Hauptakteure und Institute persönlich und habe deshalb auch gewisse Einblicke hinter die Kulissen. Wissenschaftler sind auch nur Menschen. Und Politik ist nur so gut wie ihre Berater.
      Im Übrigen wird niemand den Klima- und Umweltwandel leugnen, der seit Beginn der Erde anhält. Es geht aktuell um die Frage, ob die Zunahme eines einzigen Spurengases, an dem die Menschheit nur einen relativ geringen Anteil hat, allein für die naturgemäße Erwärmung seit der um 1850 zu Ende gegangenen „Kleinen Eiszeit“ verantwortlich ist und ob die von Klimamodellierern prophezeiten Szenarien aus historischer Sicht realistisch erscheinen. Diese leider völlig polarisierten – wenn auch mit COVID-19 schlagartig aus dem öffentlichen, politischen und medialen Interesse verschwundenen – Themen müssen weiterdiskutiert werden dürfen, ohne Diffamierungen. Dabei sollten überprüfbare Argumente zählen, und nicht wo, sondern was gesagt wurde.
      Es ist immer einfacher, mit dem Strom zu schwimmen, aber man kommt dann nicht zur Quelle.
      Gruß – SK

      • Danke für die ausführliche Rückmeldung. Inhaltlich kann ich nicht viel dazu sagen, Sie haben da auf jeden Fall viel Expertise. Leider machen die Verstrickungen des Vereins mit der afd aber das ganze sehr fragwürdig und man sollte aufpassen, dass man sich nicht von den Nazis vereinnahmen lässt.

  6. Normalerweise schreibe ich keine Kommentare zu Podcasts, und bin ein “stiller Genießer“, aber bei diesen beiden Folgen der Wüstenforschung mit Stefan Kröpelin musste ich es einfach tun, weil diese Beiträge so unglaublich interessant waren.
    Eigentlich bin ich eine regelmäßiger Hörer des Raumzeit Podcasts, aber hin und wieder schau ich mal bei dem Forschergeist Folgen nach, ob dort was interessantes für mich dabei ist.
    Als ich kürzlich gesehen habe das es einen zweiten Teil zum Thema Wüstenforschung gibt habe ich sofort mit der ersten angefangen.
    Ich war von Anfang an von der Erzählung von Dr. Stefan Kröpelin so gefangen das jede Sekunde ein Genuss war diesem Wissenschaftler zuzuhören.
    Sofort nach der ersten Folge habe ich mir die Sendung vom WDR “Wenn Weiden zu Wüsten werden“ angeschaut und war sehr beeindruckt zu sehen was für ein großes Abenteuer diese Menschen auf sich nehmen um die Sahara zu erforschen.
    Ich lebe bereits seit 20 Jahren im mittleren Osten und weiß wie tödlich und erbarmungslos die Hitze in der Wüste sein kann.
    Nachdem was ich kürzlich über Stefan Kröpelin erfahren habe, ist er für mich, ohne Zweifel, der Alexander von Humboldt der Neuzeit.
    Vielen herzlich Dank für diese sehr interessanten Podcast Folgen.

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