Thomas Klingner
Sowohl als auch. Einerseits ist die Methodik der Plasmabeobachtung durchaus
ein Forschungsgebiet, was sich ständig in Entwicklung befindet,
wo man die Genauigkeit, aber auch die Auflösung sowohl im Raum wie auch in Zeit
immer wieder erhöht, die Aussagekraft erhöht.
Und weil es auch durchaus schwierige Techniken sind und schwierige Methoden
sind, physikalische Methoden sind, braucht man wiederum Redundanz.
Also das heißt, man beobachtet die eine Größe nicht nur mit einer Methode,
sondern auch gerne mal mit zwei oder mit drei verschiedenen Methoden,
um sicherzustellen, dass die übereinander liegen, dass die die gleiche Aussage machen.
Also nur dann kann man im strengen experimentalfysikalischen Sinne seinen Daten
auch wirklich trauen, wenn man mit völlig unterschiedlichen Methoden,
mit völlig unterschiedlichen Blickwinkeln zum gleichen Ergebnis kommt.
So streng ist ja Wissenschaft. Ähm,
multipliziert schon die Anzahl der Instrumente. Also dass man da einen mehrfachen
Blick auf die gleiche Größe nimmt.
Dann werden diese Methoden alle weiterentwickelt. Und da gibt es eben passive
Methoden, die einfach das Licht angucken, aus dem Licht selber Schlüsse ziehen.
Dann gibt es aktive Methoden, die mit starken Lasern arbeiten.
Dann etwa Streuung oder Interferometrie machen. Das heißt also Veränderung der
Wellenlänge des Laserlichtes.
Also wie gesagt, ein ganz breites Methodenspektrum, was man denn dort abdeckt.
Einige Methoden funktionieren nur am Rand, andere Methoden funktionieren nur
im Zentrum, andere Methoden funktionieren im Übergangsbereich.
Es gibt auch nicht one size fits all, nicht sozusagen die magische Plasma-Beobachtungsmethode,
die einem einfach alles liefert, was man wissen möchte, die gibt es nicht.
Sondern man muss da wirklich einen Indizienprozess führen, also ganz viele Puzzlesteine
zusammenfügen, die auch manchmal nicht so richtig zusammenpassen wollen,
weil es alles mit so ein bisschen schwammig, auch mit Unsicherheiten so versehen ist.
Und dann braucht man den Puzzlestein eben auch gleich mehrfach,
damit man da so sagen kann, okay, ist das jetzt wirklich der Richtige?
Und aus daraus ergibt sich so ein Gesamtbild.
Und dieses Gesamtbild, also dieses ganze Spektrum, was sich da aus dem Gesamtbild
ergibt, also das Methodenspektrum, das bezeichnen wir als Plasma-Diagnostik.
Das ist so ein bisschen so ein Eigenbegriff, der sich hier bei uns so etabliert hat.
Und er dann immer so ein bisschen wie an so einem patienten
der diagnostiziert wird mit ganz vielen
instrumenten von allen seiten wo versucht wird
herauszufinden wie es diesen patienten dann so geht also das heißt die vielfachheit
der methode und die jeweilige spezialisierung der methode auf bestimmte bereiche
oder bestimmte fragestellungen ist ganz ganz essentiell um ein gesamtbild dafür
zu geben und die sache wird dann besonders.
Ja, besonders delikat, wenn man dann noch den Zeitaspekt reinbringt.
Denn das musste man auch erstmal lernen, dass dieses Gas gar nicht mal so friedlich
ist, also einfach nicht so als Gas dort fröhlich sitzt und nichts macht,
sondern dass es ein hochdynamischer Prozess ist.
Dadurch, dass es ein geladenes Gas ist, was einem Magnetfeld ausgesetzt ist,
ist dieses geladene Gas auch in der Lage, elektrische Felder zu bilden.
Also kleine Abweichungen zwischen der Dichte der Elektronen und der Ionen erzeugt
sofort starke elektrische Felder.
Und die in Kombination mit den magnetischen Feldern, und diese elektrischen
Felder können sich nur für kurze Zeit bilden, erzeugt etwas,
was wir als Dynamiken bezeichnen.
Das heißt, es wird ein dynamisches System, es beginnt sich räumlich und zeitlich zu entwickeln.
Und zwar auf Skalen, die können von Millimeter reichen bis Meter reichen,
also alles mögliche passiert da.
Und die Königsdisziplin da drin ist dann die Plasmaturbulenz,
auch das musste man mühsam lernen, dass dieses Plasma sogar sich wie ein turbulentes
Medium entwickelt, wie wir es etwa vom Wetter her kennen.
Also wenn wir draußen einen schönen Nordoststurm haben und hier Bäume und,
Menschen durchgeschüttelt werden, dann merkt man diese Turbulenz dieses Gases
und ein Plasma ist am Ende genauso ein turbulentes Gas.
Das kann Wirbel bilden, das kann starke Strömungen bilden, die mal von links,
mal von rechts kommen, die manchmal aufweilen, dann wieder verschwinden,
die also eine starke zeitliche Entwicklung haben, die aber auch eine räumliche
Komponente hat, eine stark ausgeprägte räumliche Komponente.
Und auch das muss man alles durch seine Instrumente abdecken.
Nämlich erst mit diesem dynamischen Bild, also das Plasma als dynamisches Phänomen,
hat man tatsächlich die ganze Geschichte.
Und da kommt dann auch wieder die Kunst rein, die zu verfolgen ist,
nämlich dieses Plasma tatsächlich und die Dynamiken dieses Plasmas unter Kontrolle
zu haben, so dass man einen kontrollierten Zustand herstellt,
also einen möglichst ruhigen Zustand herstellt.