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NOTE
Podcast: Forschergeist
Episode: FG100 Stellarator
Publishing Date: 2026-01-11T21:38:00+01:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg100-stellarator/

00:00:42.556 --> 00:00:48.196
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast über Forschung und Bildung.

00:00:48.656 --> 00:00:52.476
<v Tim Pritlove>Und ja, mein Name ist Tim Brittlaff und ich begrüße alle hier zur,

00:00:52.696 --> 00:00:54.436
<v Tim Pritlove>man mag es nicht glauben, 100.

00:00:54.736 --> 00:01:02.136
<v Tim Pritlove>Ausgabe dieser Reihe, die eine Weile auf sich hat warten lassen, weil es eine Pause gab.

00:01:02.136 --> 00:01:06.956
<v Tim Pritlove>Ich betreibe jetzt diesen Podcast alleine weiter. Ja, hat eine Weile gedauert,

00:01:07.076 --> 00:01:12.616
<v Tim Pritlove>bis ich hier mir darüber im Klaren war, wie ich das jetzt hier fortsetzen möchte.

00:01:13.136 --> 00:01:16.176
<v Tim Pritlove>Und ja, eigentlich möchte ich es so fortsetzen, wie ich es auch bisher gemacht habe.

00:01:16.256 --> 00:01:19.396
<v Tim Pritlove>Das heißt, es geht hier auch weiterhin um Wissenschaft, es geht um Forschung,

00:01:19.516 --> 00:01:25.316
<v Tim Pritlove>es geht um Bildung und all diese Themen werde mich allerdings,

00:01:25.656 --> 00:01:30.856
<v Tim Pritlove>denke ich mal, in der nächsten Zeit vor allem nicht nur, aber auch um viel,

00:01:30.956 --> 00:01:33.996
<v Tim Pritlove>was um Energie sich dreht, hier thematisieren.

00:01:33.996 --> 00:01:37.216
<v Tim Pritlove>Und da dachte ich mir, zur hundertsten Folge, die jetzt so eine Weile hat auf

00:01:37.216 --> 00:01:40.856
<v Tim Pritlove>sich warten lassen, nehme ich mir mal ein ganz besonderes Thema heraus und bin

00:01:40.856 --> 00:01:45.296
<v Tim Pritlove>nach Greifswald gefahren zum Max-Planck-Institut für Plasmaphysik,

00:01:45.616 --> 00:01:48.036
<v Tim Pritlove>einem der beiden Standorte dieses Instituts.

00:01:49.096 --> 00:01:52.296
<v Tim Pritlove>Und ja, da bin ich jetzt und begrüße erstmal meinen Gesprächspartner,

00:01:52.316 --> 00:01:53.996
<v Tim Pritlove>nämlich Thomas Klinger. Schönen guten Tag.

00:01:54.196 --> 00:01:55.096
<v Thomas Klingner>Ja, schönen guten Tag.

00:01:55.096 --> 00:02:01.916
<v Tim Pritlove>Ja, Sie sind ja hier der Leiter der, jetzt habe ich die Formulierung natürlich

00:02:01.916 --> 00:02:08.856
<v Tim Pritlove>wieder mal nicht parat, Stelleratordynamik und Transport. Das klingt ja ein bisschen speziell.

00:02:10.756 --> 00:02:14.656
<v Thomas Klingner>Wie Wissenschaft so ist, das ist der Name meines wissenschaftlichen Bereichs.

00:02:14.856 --> 00:02:19.676
<v Thomas Klingner>Das ist eine Aufgabe. Die andere Aufgabe ist, dass ich mich mit meinem ganzen

00:02:19.676 --> 00:02:24.936
<v Thomas Klingner>Team um den Wendelstein 7X Stellarator selber als solches technisch und vom

00:02:24.936 --> 00:02:26.236
<v Thomas Klingner>Betrieblichen her kümmere.

00:02:26.716 --> 00:02:28.516
<v Thomas Klingner>Also ich habe da zwei Hüte auf.

00:02:29.403 --> 00:02:36.403
<v Tim Pritlove>Ja, dieser Standort, das ist der Ort, wo der große Prototyp steht für Fusionsenergie

00:02:36.403 --> 00:02:41.123
<v Tim Pritlove>und nach der Stellarator-Technik, deswegen halt auch der Name.

00:02:43.423 --> 00:02:48.623
<v Tim Pritlove>Vielleicht schauen wir erstmal, was macht eigentlich das Max-Planck-Institut

00:02:48.623 --> 00:02:55.963
<v Tim Pritlove>für Plasmaphysik und speziell, was macht dieser Standort, worauf konzentriert man sich hier?

00:02:56.923 --> 00:03:00.723
<v Thomas Klingner>Naja, wir konzentrieren uns wirklich komplett auf den Stellarator.

00:03:00.943 --> 00:03:03.303
<v Thomas Klingner>Also wir haben nur dieses eine Thema.

00:03:03.663 --> 00:03:11.043
<v Thomas Klingner>Nur, das ist eine große, sehr komplexe Maschine, die auch unsere gesamte Aufmerksamkeit

00:03:11.043 --> 00:03:15.963
<v Thomas Klingner>sowohl technisch wie organisatorisch wie auch von der Wissenschaft her beansprucht.

00:03:17.743 --> 00:03:20.883
<v Thomas Klingner>Insofern brauchen wir da gar nicht groß drüber philosophieren,

00:03:20.903 --> 00:03:26.163
<v Thomas Klingner>was unser Schwerpunkt ist. Unser Schwerpunkt ist alles, was den technischen

00:03:26.163 --> 00:03:31.223
<v Thomas Klingner>und wissenschaftlichen Betrieb dieser wissenschaftlichen Großanlage betrifft.

00:03:32.402 --> 00:03:35.982
<v Tim Pritlove>Und groß ist sie ja auch, also ich glaube der Standort hier hat in etwa genauso

00:03:35.982 --> 00:03:40.142
<v Tim Pritlove>viele forschende Mitarbeiter wie in Garching an dem Hauptstandort,

00:03:40.222 --> 00:03:43.862
<v Tim Pritlove>größtenordnungsmäßig, ein bisschen weniger Verwaltung.

00:03:45.982 --> 00:03:49.602
<v Thomas Klingner>Nein, also es gibt auch in Garching noch etwas mehr technische Infrastruktur

00:03:49.602 --> 00:03:54.002
<v Thomas Klingner>und noch ein paar andere Aktivitäten, die für die Fusion wichtig sind,

00:03:54.262 --> 00:03:56.342
<v Thomas Klingner>die aber nicht direkt an die Maschinen gebunden sind.

00:03:57.122 --> 00:04:00.202
<v Thomas Klingner>Das sind so technologische Entwicklungen, sehr große Materialforschung,

00:04:00.262 --> 00:04:01.302
<v Thomas Klingner>die wir in Garching haben.

00:04:01.522 --> 00:04:06.422
<v Thomas Klingner>Also das ist einfach etwas anders aufgestellt, aber wir haben eben dort Themen,

00:04:06.562 --> 00:04:10.862
<v Thomas Klingner>die für uns hier in Greifswald mindestens genauso wichtig sind wie in Garching.

00:04:11.442 --> 00:04:14.362
<v Thomas Klingner>Aber die in Garching aus Strukturgründen angesiedelt sind.

00:04:15.662 --> 00:04:18.942
<v Tim Pritlove>Genau, aber dafür ist also sozusagen Greifswald dann im Wesentlichen gegründet

00:04:18.942 --> 00:04:21.422
<v Tim Pritlove>worden, um dieses Thema voranzubringen.

00:04:22.182 --> 00:04:24.262
<v Tim Pritlove>Da wird ja auch schon eine ganze Weile dran gearbeitet. Ich glaube,

00:04:24.362 --> 00:04:28.042
<v Tim Pritlove>den Standort gibt es hier seit 2010 ungefähr. Stimmt das?

00:04:28.422 --> 00:04:28.822
<v Thomas Klingner>Nein.

00:04:29.002 --> 00:04:30.042
<v Tim Pritlove>Nein? Bisschen länger noch?

00:04:30.242 --> 00:04:35.462
<v Thomas Klingner>Die Gründung des Standortes ist 1996 erfolgt, der Gründungsbeschluss.

00:04:37.062 --> 00:04:40.382
<v Thomas Klingner>Dann ist das Gebäude, in dem wir hier sitzen,

00:04:40.482 --> 00:04:47.022
<v Thomas Klingner>2000 in Betrieb genommen worden und seit

00:04:47.022 --> 00:04:57.462
<v Thomas Klingner>1996 aufwärts ist die Realisierung dieser Maschine die Hauptaufgabe gewesen

00:04:57.462 --> 00:05:01.022
<v Thomas Klingner>und jetzt der Betrieb und Weiterentwicklung, Weiterausbau der Maschine.

00:05:01.022 --> 00:05:05.182
<v Tim Pritlove>Ja, wie sind Sie denn selber so zur Physik gekommen?

00:05:05.322 --> 00:05:10.862
<v Tim Pritlove>Wird mich ja mal interessieren, wie nimmt man denn da Fahrt auf in die Richtung?

00:05:11.202 --> 00:05:14.322
<v Thomas Klingner>Also in der Schule habe ich schon ganz gerne Physik gemacht.

00:05:16.066 --> 00:05:19.966
<v Thomas Klingner>Es war jetzt nicht so, dass das meine einzige Leidenschaft war.

00:05:20.206 --> 00:05:25.346
<v Thomas Klingner>Es war so ein bisschen undefiniert, wie das immer so ist. Ein bisschen die Berufsentscheidung,

00:05:25.506 --> 00:05:28.086
<v Thomas Klingner>das ist dann auch so ein mehrandreierender Prozess.

00:05:28.986 --> 00:05:32.926
<v Thomas Klingner>Eigentlich wollte ich mal zur See fahren, bin dann auch anderthalb Jahre zur See gefahren.

00:05:33.026 --> 00:05:33.306
<v Tim Pritlove>Ach echt?

00:05:33.426 --> 00:05:34.406
<v Thomas Klingner>Und da hatte ich die Nase voll.

00:05:35.546 --> 00:05:36.226
<v Tim Pritlove>Seekrank geworden?

00:05:36.466 --> 00:05:37.566
<v Thomas Klingner>Nee, ich werde nicht seekrank.

00:05:38.326 --> 00:05:39.926
<v Tim Pritlove>Okay, was war da nicht so schön?

00:05:40.126 --> 00:05:41.126
<v Thomas Klingner>Es war sehr kalt.

00:05:43.746 --> 00:05:47.346
<v Thomas Klingner>Und habe mich dann entschieden, doch zu studieren. Also das heißt,

00:05:47.546 --> 00:05:51.986
<v Thomas Klingner>ja, tatsächlich etwas zu studieren und habe mich dann für Physik entschieden.

00:05:52.186 --> 00:05:53.586
<v Thomas Klingner>In dem Sinne etwas zufällig.

00:05:54.686 --> 00:05:55.826
<v Tim Pritlove>Und dann war das einfach so?

00:05:56.386 --> 00:05:59.186
<v Thomas Klingner>Ja, ich hätte auch Ingenieurwissenschaften machen können, aber mein Bruder ist

00:05:59.186 --> 00:06:01.666
<v Thomas Klingner>Ingenieur und man macht niemals das, was der ältere Bruder macht.

00:06:03.526 --> 00:06:07.126
<v Tim Pritlove>Okay, aber wie kommt man dann so zur Plasmaphysik im Speziellen?

00:06:07.326 --> 00:06:08.666
<v Thomas Klingner>Da bin ich auch so reingeschlittert.

00:06:08.906 --> 00:06:09.826
<v Tim Pritlove>Einfach Zufall?

00:06:09.826 --> 00:06:13.466
<v Thomas Klingner>Ja, ich hätte auch elementarteilig ein Physiker werden können,

00:06:13.806 --> 00:06:18.166
<v Thomas Klingner>war ich fast, also durch schlichte Zufälle, auf die ich jetzt gar nicht eingehen will.

00:06:18.246 --> 00:06:18.506
<v Tim Pritlove>Okay.

00:06:19.186 --> 00:06:23.626
<v Thomas Klingner>Bin ich dann einmal umgeschwenkt und dann in der Plasmaphysik erstmal gelandet

00:06:23.626 --> 00:06:28.966
<v Thomas Klingner>und über die Plasmaphysik dann in die Fusionsforschung so hinein geglitten.

00:06:30.446 --> 00:06:33.706
<v Tim Pritlove>Und wann sind Sie dann hier dazugekommen?

00:06:34.386 --> 00:06:39.726
<v Thomas Klingner>Nach Greifswald bin ich 1999 gekommen. Da hatte ich eine Professur an der Universität

00:06:39.726 --> 00:06:41.166
<v Thomas Klingner>bekommen für Plasmaphysik.

00:06:41.486 --> 00:06:45.066
<v Thomas Klingner>Plasmaphysik ist ja größer als Fusionsforschung. Das ist ja ein ganzes Gebiet.

00:06:46.306 --> 00:06:50.106
<v Thomas Klingner>Und habe dann hier angefangen, eine Arbeitsgruppe aufzubauen,

00:06:50.246 --> 00:06:53.766
<v Thomas Klingner>die sich mit Grundlagenaspekten der Plasmaphysik beschäftigt hat.

00:06:55.146 --> 00:07:00.626
<v Thomas Klingner>Und kurz danach, also schon kurz danach, ich hatte sowieso schon von früher

00:07:00.626 --> 00:07:05.816
<v Thomas Klingner>her Kontakte zum Max-Planck-Institut und nach zwei Jahren wurde ich da einfach

00:07:05.816 --> 00:07:08.016
<v Thomas Klingner>vom Max-Planck-Institut gefragt, ob ich hier nicht mitmachen will.

00:07:09.462 --> 00:07:10.622
<v Tim Pritlove>Und so kam es dann einfach.

00:07:10.922 --> 00:07:11.042
<v Thomas Klingner>Ja.

00:07:12.542 --> 00:07:17.402
<v Tim Pritlove>Ich will jetzt mal so ein bisschen auf die Kernfusion selbst gehen.

00:07:18.162 --> 00:07:24.262
<v Tim Pritlove>Das ist ja, ich weiß nicht, ob man davon reden kann, dass es ein relativ neues Feld der Physik ist.

00:07:24.902 --> 00:07:27.662
<v Tim Pritlove>Also seit wann...

00:07:28.925 --> 00:07:34.465
<v Tim Pritlove>Weiß man denn, wie Kernfusion abläuft?

00:07:34.565 --> 00:07:41.885
<v Tim Pritlove>Also wodurch hat sich sozusagen das Wissen gebildet, dass Kernfusion stattfindet,

00:07:42.045 --> 00:07:45.045
<v Tim Pritlove>möglich ist und wie es in der Sonne abläuft?

00:07:46.165 --> 00:07:54.285
<v Thomas Klingner>Ja, ich bin nur kein Kernphysiker, insofern bleibe ich da mal ein bisschen an

00:07:54.285 --> 00:07:57.325
<v Thomas Klingner>der Oberfläche, so in der Physikhistorie.

00:07:57.905 --> 00:08:07.005
<v Thomas Klingner>Das Ganze geht ja zurück auf das Verständnis der Struktur der Atomkerne überhaupt.

00:08:08.725 --> 00:08:13.025
<v Thomas Klingner>Kann man so hier Namen wie Ernest Rutherford nennen, der erstmal festgestellt

00:08:13.025 --> 00:08:19.005
<v Thomas Klingner>hat, dass so ein Atomkern super klein ist und dass furchtbar viel Platz ist zwischen der Materie.

00:08:19.805 --> 00:08:23.325
<v Thomas Klingner>Das war so der erste Schritt, die Rutherfordischen Streuversuche,

00:08:23.405 --> 00:08:24.805
<v Thomas Klingner>damit fing das so langsam an.

00:08:25.405 --> 00:08:29.645
<v Thomas Klingner>Natürlich war ein großer Schritt, als festgestellt wurde, dass man,

00:08:29.725 --> 00:08:34.085
<v Thomas Klingner>also rein aus Zufall festgestellt wurde, dass man Kerne durch Beschuss,

00:08:34.245 --> 00:08:35.885
<v Thomas Klingner>durch Neutronenbeschuss spalten kann.

00:08:37.345 --> 00:08:41.245
<v Thomas Klingner>Und da war der Umkehrschluss natürlich sehr naheliegend. Alles,

00:08:41.365 --> 00:08:43.425
<v Thomas Klingner>was man spalten kann, kann man auch wieder zusammenfügen.

00:08:44.165 --> 00:08:47.905
<v Thomas Klingner>Und man hat dann relativ schnell dann schon vermutet, dass da auch der umgekehrte

00:08:47.905 --> 00:08:49.105
<v Thomas Klingner>Prozess geht. Warum nicht?

00:08:49.565 --> 00:08:52.925
<v Thomas Klingner>Also da gibt es überhaupt kein physikalisches Argument, dass der Rückwärtsgang nicht geht.

00:08:55.185 --> 00:08:59.905
<v Thomas Klingner>Und hat sich diese Sache auch angeschaut, erstmal so rein spekulativ,

00:09:00.025 --> 00:09:03.505
<v Thomas Klingner>das war erstmal ein bisschen schwieriger zu erkunden.

00:09:04.105 --> 00:09:09.265
<v Thomas Klingner>Das Ganze war auch verbunden mit der großen offenen Frage, wie eigentlich die Sterne funktionieren.

00:09:11.725 --> 00:09:17.705
<v Thomas Klingner>Denn Kernspaltung fiel aus, dass die über Kernspaltung ihre Energie erzeugen.

00:09:17.885 --> 00:09:21.065
<v Thomas Klingner>Das konnte man einfach durch ein paar quantitative Rechnungen,

00:09:21.325 --> 00:09:23.985
<v Thomas Klingner>durch ein paar Zahlen konnte man das relativ schnell ausschließen,

00:09:23.985 --> 00:09:28.145
<v Thomas Klingner>dass das der Fall ist, chemische Verbrennung auch, kommt viel zu wenig bei rum.

00:09:29.275 --> 00:09:33.775
<v Thomas Klingner>Und dann blieb bloß noch die Fusion übrig. Das war dann so die Hypothese.

00:09:35.055 --> 00:09:38.455
<v Thomas Klingner>Und ich denke, das war Hans Beete, der der Sache dann wirklich auf die Spur

00:09:38.455 --> 00:09:40.895
<v Thomas Klingner>gekommen ist. Dann gab es noch etliche, die dann verwickelt waren,

00:09:40.955 --> 00:09:41.875
<v Thomas Klingner>später auch Weizsäcker.

00:09:43.015 --> 00:09:48.295
<v Thomas Klingner>George Gamow hat auch eine wichtige Rolle gespielt. Der russisch-amerikanische

00:09:48.295 --> 00:09:50.115
<v Thomas Klingner>Wissenschaftler, der oft schon vergessen ist.

00:09:50.595 --> 00:09:53.495
<v Thomas Klingner>Und da mussten eben viele Puzzlesteine zusammengesetzt werden,

00:09:53.935 --> 00:09:57.755
<v Thomas Klingner>bis man dann diese Zyklen,

00:09:58.335 --> 00:10:02.255
<v Thomas Klingner>diese Prozesse, diese Prozessketten, die im Inneren der Sterne stattfinden,

00:10:02.535 --> 00:10:07.655
<v Thomas Klingner>bis man die mal so hypothetisch aufstellen konnte und auf der Basis dieser Hypothese

00:10:07.655 --> 00:10:13.655
<v Thomas Klingner>dann eben Rechnungen durchführt, die wie üblich in der Physik mit Beobachtungen abgleicht.

00:10:15.495 --> 00:10:18.835
<v Thomas Klingner>Mit Plausibilitäten, mit Stabilität, mit Massebetrachtung und so weiter und

00:10:18.835 --> 00:10:20.235
<v Thomas Klingner>so weiter, ob das alles zusammenpasst.

00:10:20.815 --> 00:10:23.975
<v Thomas Klingner>Und das war im Prinzip dann überhaupt erstmal die Realisierung,

00:10:24.135 --> 00:10:28.335
<v Thomas Klingner>dass es eben diesen Elementarprozess gibt, also eben analog zur Kernspaltung,

00:10:29.155 --> 00:10:31.815
<v Thomas Klingner>entlang der Elemente, dass man eben die schweren Elemente spalten kann,

00:10:31.915 --> 00:10:34.195
<v Thomas Klingner>dass man eben leichtere Elemente auch miteinander fusionieren kann.

00:10:34.295 --> 00:10:36.855
<v Thomas Klingner>Und man kann alle möglichen Elemente miteinander fusionieren.

00:10:37.075 --> 00:10:41.615
<v Thomas Klingner>Das ist völlig beliebig, also nicht völlig beliebig, Aber man hat ein weites

00:10:41.615 --> 00:10:44.175
<v Thomas Klingner>Feld von leichten Elementen, die man miteinander fusionieren kann.

00:10:44.595 --> 00:10:46.455
<v Thomas Klingner>Und das hängt eben sehr von den Bedingungen

00:10:46.455 --> 00:10:49.175
<v Thomas Klingner>ab und von den entsprechenden Wahrscheinlichkeiten für die Fusion ab.

00:10:50.495 --> 00:10:54.155
<v Thomas Klingner>Gut, und damit war das einfach erstmal ein Gesamtbild, was man sich da von den

00:10:54.155 --> 00:10:55.655
<v Thomas Klingner>Kernkonstituenten gesetzt hat.

00:10:55.735 --> 00:10:58.415
<v Thomas Klingner>Dann kam später noch die ganze Elementarteilchengeschichte dazu,

00:10:58.535 --> 00:11:01.695
<v Thomas Klingner>wo man eben festgestellt hatte, dass diese Konstituenten, Protonen und Neutronen,

00:11:01.695 --> 00:11:05.955
<v Thomas Klingner>dass die dann nochmal weitere Konstituenten haben, also nochmal weiter innerlich

00:11:05.955 --> 00:11:06.875
<v Thomas Klingner>zusammengesetzt werden.

00:11:07.175 --> 00:11:09.255
<v Thomas Klingner>Das war dann wieder eine ganz andere Thematik.

00:11:10.035 --> 00:11:13.075
<v Thomas Klingner>Die damit nicht so direkt verbunden ist, indirekt natürlich schon.

00:11:14.301 --> 00:11:18.941
<v Thomas Klingner>Gut, also das heißt, die Moral von der Geschichte hat eigentlich angefangen

00:11:18.941 --> 00:11:20.021
<v Thomas Klingner>mit dem Elementarprozess,

00:11:20.181 --> 00:11:25.701
<v Thomas Klingner>aber dann direkt auch die Übertragung auf den Prozess der Sterne und damit eben

00:11:25.701 --> 00:11:30.781
<v Thomas Klingner>stellvertretend für die Sterne unserer Sonne abgebildet, weil das war bis dahin

00:11:30.781 --> 00:11:33.001
<v Thomas Klingner>noch, wusste man einfach nicht, wie es geht.

00:11:33.821 --> 00:11:40.181
<v Tim Pritlove>Und wodurch wird klar, dass dabei bei einer Kernfusion Energie freigesetzt wird?

00:11:42.021 --> 00:11:44.881
<v Thomas Klingner>Das ist eben halt ein kernphysikalischer Aspekt dabei.

00:11:45.321 --> 00:11:50.021
<v Thomas Klingner>Das ist der sogenannte Massendefekt, also indem man die Erkenntnis,

00:11:50.161 --> 00:11:53.081
<v Thomas Klingner>dass Masse und Energie letztlich das gleiche ist, das ist eben halt auch wieder

00:11:53.081 --> 00:11:57.141
<v Thomas Klingner>verbunden mit Einsteins Relativitätstheorie, das ist die berühmte E gleich mc²,

00:11:57.381 --> 00:12:00.761
<v Thomas Klingner>also Masse und Energie ist einfach das gleiche und Energie lässt sich in Masse

00:12:00.761 --> 00:12:01.981
<v Thomas Klingner>und Masse in Energie umwandeln.

00:12:02.561 --> 00:12:07.821
<v Thomas Klingner>Das hat dabei eine Rolle gespielt und die Differenz der Bindungsenergie der

00:12:07.821 --> 00:12:11.941
<v Thomas Klingner>Kerne, die sich dann letztlich in Masse manifestiert,

00:12:12.281 --> 00:12:17.741
<v Thomas Klingner>die wird einfach in kinetische Energie umgesetzt. Das ergibt sich einfach aus der Logik des Ganzen.

00:12:20.281 --> 00:12:25.601
<v Tim Pritlove>Okay. Und seit wann gibt es jetzt die Überlegung, das zur Energiegewinnung zu nutzen?

00:12:28.381 --> 00:12:32.581
<v Thomas Klingner>Das ging letztlich in den 50er Jahren los.

00:12:33.481 --> 00:12:41.621
<v Thomas Klingner>Also die Kernspaltung ist ja relativ früh schon erkannt worden als eine Energiequelle

00:12:41.621 --> 00:12:44.861
<v Thomas Klingner>und zwar letztlich in zwei Richtungen.

00:12:44.861 --> 00:12:49.001
<v Thomas Klingner>Also einerseits natürlich sehr prominent als Bombe.

00:12:49.581 --> 00:12:55.481
<v Thomas Klingner>Das heißt, da gab es ja diese ganze Oppenheimer-Geschichte, das Wettrennen um die Bombe.

00:12:55.561 --> 00:13:00.761
<v Thomas Klingner>Das ist ja letztlich auch einfach eine Freisetzung von sehr großen Mengen Energie, eine Vulgo-Bombe.

00:13:02.081 --> 00:13:08.101
<v Thomas Klingner>Aber gleich parallel dazu hat man sich auch sofort dafür interessiert aus der Kernspaltung,

00:13:09.541 --> 00:13:15.741
<v Thomas Klingner>Antriebsaggregate für U-Boote etwa zu entwickeln U-Boote müssen einfach lange tauchen können,

00:13:16.781 --> 00:13:20.941
<v Thomas Klingner>und Elektromotoren da ist die Batterie schnell alle also das hat die Tauchdauer

00:13:20.941 --> 00:13:27.561
<v Thomas Klingner>dann beschränkt deshalb war es eben halt sehr attraktiv einfach eine ja nicht ja also nicht.

00:13:29.441 --> 00:13:33.341
<v Thomas Klingner>Einen Nicht-Verbrennermotor zu haben, der aber sehr lange läuft.

00:13:33.601 --> 00:13:35.781
<v Thomas Klingner>Also deshalb ist das sehr früh schon vorangetrieben worden.

00:13:36.501 --> 00:13:42.881
<v Thomas Klingner>Also sozusagen das Atom-U-Boot war so der Motivator dafür, den Leichtwasserreaktor zu entwickeln.

00:13:44.492 --> 00:13:52.892
<v Thomas Klingner>Und das lief dann so letztlich auch parallel mit der Bombenentwicklung, also Reaktor und Bombe.

00:13:53.012 --> 00:13:58.172
<v Thomas Klingner>Das ist am Ende vom Prozess her bei der Spaltung nicht so gut voneinander zu trennen.

00:13:58.272 --> 00:14:02.492
<v Thomas Klingner>Und das war aber sehr stark getrieben eben von diesem Rüstungsaspekt und von

00:14:02.492 --> 00:14:03.692
<v Thomas Klingner>diesem militärischen Aspekt.

00:14:03.812 --> 00:14:08.832
<v Thomas Klingner>Deshalb waren da einfach sehr viele Ressourcen, auch sehr viel Dringlichkeit,

00:14:08.872 --> 00:14:10.712
<v Thomas Klingner>denn wir kennen ja alle diese Geschichte.

00:14:10.912 --> 00:14:15.432
<v Thomas Klingner>Die war bei der Fusion erstmal nicht. Trotzdem war klar, dass es auch ein Prozess

00:14:15.432 --> 00:14:20.132
<v Thomas Klingner>ist, der Energieüberschuss, sogar noch effizienter Energieüberschuss produziert.

00:14:21.952 --> 00:14:26.132
<v Thomas Klingner>Hatte aber eben erstmal nicht diesen militärischen Aspekt, als später mit der

00:14:26.132 --> 00:14:29.832
<v Thomas Klingner>Wasserstoffbombe ist der so reingekommen, weil es ja sozusagen so ein Nachzünder,

00:14:29.892 --> 00:14:31.992
<v Thomas Klingner>den man dann noch auf die Atombombe raufsetzt.

00:14:32.372 --> 00:14:34.392
<v Thomas Klingner>Die funktioniert ja nicht super für sich.

00:14:35.492 --> 00:14:38.972
<v Thomas Klingner>Aber auch so im Rahmen dessen ist dann so klargekommen, naja,

00:14:39.012 --> 00:14:42.352
<v Thomas Klingner>jetzt muss man sich das auch mal angucken, ob man daraus nicht ein Kraftwerk

00:14:42.352 --> 00:14:44.612
<v Thomas Klingner>bauen kann. Und das fing so in den 50er Jahren an.

00:14:46.412 --> 00:14:49.852
<v Thomas Klingner>Und also so nach dem zweiten Weltkrieg eigentlich ernsthaft.

00:14:50.292 --> 00:14:54.952
<v Thomas Klingner>Und da hat anfänglich hat es da viel Euphorie gegeben.

00:14:55.904 --> 00:14:59.644
<v Thomas Klingner>So in dem Sinne, das dürfte ja eigentlich gar nicht so schwer sein.

00:15:00.344 --> 00:15:05.104
<v Thomas Klingner>Und aus der Zeit kommen auch noch sehr optimistische Vorhersagen.

00:15:05.184 --> 00:15:08.684
<v Thomas Klingner>Das war sowieso so eine Euphorie, wenn Sie da in die 50er Jahre gehen.

00:15:08.884 --> 00:15:10.564
<v Tim Pritlove>In allen Feldern eigentlich.

00:15:10.924 --> 00:15:15.644
<v Thomas Klingner>Ja, auch eine große nukleare Euphorie. Sowohl Spaltung wie auch Fusion.

00:15:15.924 --> 00:15:23.444
<v Thomas Klingner>Also das heißt, das war so die Zukunft. Und das war auch fast wie ein Heilsbringer.

00:15:23.604 --> 00:15:25.124
<v Thomas Klingner>Das Ganze wurde so behandelt.

00:15:25.724 --> 00:15:26.744
<v Tim Pritlove>Unendliche Energie.

00:15:27.224 --> 00:15:32.504
<v Thomas Klingner>Ja, und keine Nachteile, nur Vorteile und Energie für jeden.

00:15:32.664 --> 00:15:34.424
<v Thomas Klingner>Also wie gesagt, das war eine euphorische Zeit.

00:15:34.984 --> 00:15:39.584
<v Thomas Klingner>Aus solchen Euphorien heraus kommen natürlich auch manchmal etwas überoptimistische Vorhersagen.

00:15:41.924 --> 00:15:47.944
<v Thomas Klingner>Und das ist dann auch der Geburtsort für den ältesten Fusionswitz.

00:15:48.224 --> 00:15:52.304
<v Thomas Klingner>Das ist eine Energie, die immer 50 Jahre entfernt ist.

00:15:53.424 --> 00:15:58.604
<v Thomas Klingner>Denn man hat sich ja damals schon zu solchen recht optimistischen Vorhersagen

00:15:58.604 --> 00:16:01.924
<v Thomas Klingner>treiben lassen, dass man sagt, innerhalb dieses Jahrtausends schaffen wir es auf jeden Fall.

00:16:02.664 --> 00:16:06.744
<v Thomas Klingner>Also 1950, das heißt innerhalb des 20. Jahrhunderts.

00:16:07.264 --> 00:16:11.624
<v Thomas Klingner>Da gab es eben einige Warne, die gesagt haben, das sieht nicht so einfach aus.

00:16:12.544 --> 00:16:15.324
<v Thomas Klingner>Und dieses Jahrhundert können wir irgendwie vergessen, das wird nichts.

00:16:15.424 --> 00:16:16.404
<v Thomas Klingner>Aber auf die hat keiner gehört.

00:16:17.044 --> 00:16:21.504
<v Thomas Klingner>Die Presse hat nur die Optimisten zitiert. Und damit ist dann dieses Etikett

00:16:21.504 --> 00:16:23.844
<v Thomas Klingner>dann gleich kleben geblieben, denn wir haben es ja immer noch nicht.

00:16:24.004 --> 00:16:27.364
<v Thomas Klingner>Das Jahrtausend ist vorbei, wir haben es immer noch nicht und da müssen wir

00:16:27.364 --> 00:16:32.784
<v Thomas Klingner>uns immer wieder anhören, was ist denn das für eine traurige Geschichte.

00:16:33.824 --> 00:16:38.184
<v Thomas Klingner>Und wenn man uns jetzt fragt, sagen wir auch zweite Hälfte dieses Jahrhunderts

00:16:38.184 --> 00:16:40.364
<v Thomas Klingner>und dann hört sich das halt nach so einem Moving Target an,

00:16:40.624 --> 00:16:44.664
<v Thomas Klingner>wie nach der berühmten Möhre, der der Esel die ganze Zeit hinterherläuft,

00:16:44.744 --> 00:16:48.524
<v Thomas Klingner>obwohl sie eben halt an einer Angel vorhin gehalten wird und der Esel realisiert

00:16:48.524 --> 00:16:49.984
<v Thomas Klingner>das nicht, so eselig sind wir gar nicht.

00:16:51.824 --> 00:16:55.004
<v Thomas Klingner>Aber inzwischen hat man einfach besser verstanden, was das für eine harte Nuss ist.

00:16:56.007 --> 00:16:59.627
<v Thomas Klingner>Die da geknackt werden muss und auch, was die Bedingungen sind,

00:16:59.727 --> 00:17:04.647
<v Thomas Klingner>die man schaffen muss, um diesen Elementarprozess wirklich effizient auf die Beine zu stellen.

00:17:05.007 --> 00:17:08.127
<v Thomas Klingner>Denn Fusion an sich zu machen, ist ein Elementarprozess. Das ist total einfach.

00:17:08.287 --> 00:17:09.407
<v Thomas Klingner>Das kann jeder im Keller machen.

00:17:09.887 --> 00:17:13.727
<v Thomas Klingner>Da gibt es Wikipedia-Artikel, wie man Fusion macht, braucht man echt nicht viel.

00:17:13.827 --> 00:17:17.707
<v Thomas Klingner>Braucht man ein Hochspannungsnetzgerät, eine Pumpe, fertig. Das ist wirklich nicht viel.

00:17:18.287 --> 00:17:20.307
<v Tim Pritlove>Und was hat man dann fusioniert im Keller?

00:17:20.607 --> 00:17:21.907
<v Thomas Klingner>Da hat man dort fusioniert.

00:17:22.087 --> 00:17:22.387
<v Tim Pritlove>Okay.

00:17:22.487 --> 00:17:26.007
<v Thomas Klingner>Dann kommen ein paar Neutronen raus, kann man zählen. 3, 4, 5, 10,

00:17:26.407 --> 00:17:30.927
<v Thomas Klingner>100, paar tausend, nützt aber nichts nicht, weil das, was man in Energie reinsteckt,

00:17:31.047 --> 00:17:36.747
<v Thomas Klingner>um das zu machen, ist eben halt mehrere Größenordnungen über dem,

00:17:36.847 --> 00:17:39.247
<v Thomas Klingner>was man aus den Neutronen rausholen könnte.

00:17:39.427 --> 00:17:41.567
<v Tim Pritlove>Und das ist ja nicht so ganz die Idee dabei.

00:17:42.027 --> 00:17:46.527
<v Thomas Klingner>Nee, also negative Energieverluste erzeugen, das ist ja nicht so schwierig.

00:17:47.367 --> 00:17:51.447
<v Thomas Klingner>Aber einen Energieüberschuss zu erzeugen, dafür braucht man eben viele Fusionsprozesse.

00:17:51.447 --> 00:17:55.967
<v Thomas Klingner>Und einer hohen Dichte, das heißt viel pro Sekunde und Kubikmeter.

00:17:58.261 --> 00:18:04.721
<v Tim Pritlove>Okay, jetzt stellt sich natürlich dann die Frage, wie hat man sich auf den Weg

00:18:04.721 --> 00:18:08.961
<v Tim Pritlove>begeben, darüber nachzudenken, wie man dieses Missverhältnis aufheben kann?

00:18:09.101 --> 00:18:14.881
<v Tim Pritlove>Also wie baut man dann ein Fusionssystem, wo dann am Ende mehr Energie bei rauskommt,

00:18:14.981 --> 00:18:18.241
<v Tim Pritlove>als man reingesteckt hat? Weil das ja dann letzten Endes ist das Ziel.

00:18:18.541 --> 00:18:21.261
<v Tim Pritlove>Wo fängt man da an?

00:18:21.261 --> 00:18:26.841
<v Thomas Klingner>Also wenn wir jetzt von der Magnetfusion reden, jetzt müssen wir eine Abzweigung nehmen.

00:18:28.421 --> 00:18:31.281
<v Thomas Klingner>Das ist ja das Geschäft, was wir hier betreiben, auch das Geschäft,

00:18:31.561 --> 00:18:38.081
<v Thomas Klingner>mit dem ich mich jetzt ja lange beschäftige und mehr oder weniger gut auskenne.

00:18:40.361 --> 00:18:45.961
<v Thomas Klingner>Da ist es definitiv ein Volumeneffekt. Also das heißt, man braucht Volumen.

00:18:48.101 --> 00:18:54.121
<v Thomas Klingner>Warum? Die Fusion, also dieser Elementarprozess, der passiert ja im Volumen.

00:18:54.521 --> 00:18:59.481
<v Thomas Klingner>Also wir haben ein Gas, ein heißes Gas, also eine Anzahl von Atomen da drin,

00:18:59.601 --> 00:19:06.501
<v Thomas Klingner>von Kernen da drin und die haben eine bestimmte Wahrscheinlichkeit miteinander zu fusionieren.

00:19:06.501 --> 00:19:12.561
<v Thomas Klingner>Und wenn man halt viele nimmt bei einer gegebenen Dichte, die Dichte ist nicht

00:19:12.561 --> 00:19:16.781
<v Thomas Klingner>beliebig, die muss man an einem richtigen Punkt einstellen und dann braucht

00:19:16.781 --> 00:19:18.201
<v Thomas Klingner>man für viele einfach Volumen,

00:19:19.301 --> 00:19:23.861
<v Thomas Klingner>um genügend Einzelelementarprozesse, sozusagen Verbrennungsprozesse zu haben,

00:19:23.981 --> 00:19:25.741
<v Thomas Klingner>was dann aufsummiert Energie ergibt.

00:19:27.161 --> 00:19:31.521
<v Thomas Klingner>Die Verluste, die unvermeidlichen Verluste, die gehen alle durch die Oberfläche.

00:19:35.632 --> 00:19:43.072
<v Thomas Klingner>Verluste zur Wand. Denn die Wand ist kalt und das Gas, dieses Plasma muss heiß sein.

00:19:43.472 --> 00:19:49.492
<v Thomas Klingner>Dieser Wärmeverlust, der drückt dann die Temperatur dieses Gases, dieses Plasmas runter.

00:19:49.812 --> 00:19:54.552
<v Thomas Klingner>Und wenn die Temperatur runtergedrückt wird, wird die Fusionswahrscheinlichkeit immer kleiner.

00:19:55.752 --> 00:19:58.432
<v Thomas Klingner>Also muss man dafür sorgen.

00:19:58.492 --> 00:19:59.292
<v Tim Pritlove>Dass es heiß bleibt.

00:19:59.452 --> 00:20:02.192
<v Thomas Klingner>Also es muss heiß sein, es muss eine bestimmte Dichte haben.

00:20:02.192 --> 00:20:05.792
<v Thomas Klingner>Und dieses Heißsein, das erfordert eben Wärmeisolation.

00:20:07.763 --> 00:20:12.523
<v Thomas Klingner>Denn es ist umgeben von einer kalten Wand, die ist wie so eine Kühlfläche.

00:20:12.943 --> 00:20:17.463
<v Thomas Klingner>Dagegen muss das Wärme isoliert werden. Und die Isolation ist natürlich an der Oberfläche.

00:20:18.643 --> 00:20:21.843
<v Thomas Klingner>Das heißt also, das Volumen zur Oberfläche-Verhältnis ist kritisch.

00:20:22.383 --> 00:20:29.023
<v Thomas Klingner>In anderen Worten, so eine Tabletop-Fusionsanlage, wie man sie sich in den 50er Jahren überlegt hat,

00:20:29.563 --> 00:20:35.703
<v Thomas Klingner>wie es so nach den Erkenntnissen zu der Zeit aussah, dass man es so machen könnte,

00:20:35.703 --> 00:20:38.183
<v Thomas Klingner>Das mussten wir bitter lernen, die gibt es nicht.

00:20:38.963 --> 00:20:42.203
<v Thomas Klingner>Dazu sind die Verluste zu groß. Unvermeidliche Verluste.

00:20:42.223 --> 00:20:44.583
<v Tim Pritlove>Denn die Bedingungen auf der Sonne sind ja nun mal ganz andere.

00:20:44.703 --> 00:20:49.723
<v Tim Pritlove>Da gibt es sehr viel davon. Es ist alles sehr dicht, es ist alles sehr heiß.

00:20:50.143 --> 00:20:53.603
<v Tim Pritlove>Und obwohl die natürlich eine große Oberfläche hat und es auch ziemlich kalt

00:20:53.603 --> 00:20:58.403
<v Tim Pritlove>drumherum ist, ist die Hitze und die Dichte innerhalb der Sonne so extrem,

00:20:58.543 --> 00:20:59.963
<v Tim Pritlove>dass Fusion permanent stattfindet.

00:21:00.103 --> 00:21:04.103
<v Thomas Klingner>Ja, die Sonne ist erstmal groß. Das hilft.

00:21:04.803 --> 00:21:11.843
<v Thomas Klingner>Dann hat sie bezogen auf das Plasma einen nochmal deutlich, deutlich extremeren Materiezustand.

00:21:11.963 --> 00:21:17.003
<v Thomas Klingner>Vor allem die Dichte ist erheblich höher als das, was wir mit vernünftigen Aufwand

00:21:17.003 --> 00:21:20.563
<v Thomas Klingner>hier auf der Erde herstellen können, zumindest so als kontinuierliches System.

00:21:20.903 --> 00:21:25.923
<v Thomas Klingner>Wir reden im Zentrum der Sonne, wo die Fusion stattfindet von einer Materiedichte,

00:21:25.923 --> 00:21:30.343
<v Thomas Klingner>die etwa Faktor 1000 höher ist als unsere Festkörperdichte, unsere konsensierte

00:21:30.343 --> 00:21:31.663
<v Thomas Klingner>Materie, die uns umgibt.

00:21:32.283 --> 00:21:35.443
<v Thomas Klingner>Also unsere ganze Welt besteht ja im Großen und Ganzen aus kondensierter Materie.

00:21:35.803 --> 00:21:41.263
<v Thomas Klingner>Also Steine, Wasser, letztlich auch Luft kann man da gut dazu zählen.

00:21:41.663 --> 00:21:42.943
<v Thomas Klingner>Nicht ganz, das ist ein Übergang.

00:21:43.903 --> 00:21:46.863
<v Thomas Klingner>Aber das ist ja alles tausendmal Dichte. Also das heißt wirklich ordentlich

00:21:46.863 --> 00:21:49.663
<v Thomas Klingner>hohe Dichte und dann eben ordentlich hohe Temperatur.

00:21:49.763 --> 00:21:54.283
<v Thomas Klingner>Und dann nimmt sich die Sonne einfach das Volumen und Zeit. Das heißt man wartet.

00:21:55.203 --> 00:21:56.343
<v Thomas Klingner>Die Sonne kann warten.

00:21:57.883 --> 00:22:03.123
<v Thomas Klingner>Und diese Kombination aus all den Dingen, die ist nicht gut. denn,

00:22:04.513 --> 00:22:09.973
<v Thomas Klingner>Solchen Materiezustand können wir auf der Erde nicht mit vernünftigem Aufwand erzeugen.

00:22:10.173 --> 00:22:17.053
<v Thomas Klingner>Und wenn ja annähernd für Nanosekunden, also für winzige Bruchteile von Sekunden,

00:22:17.193 --> 00:22:19.793
<v Thomas Klingner>das ist das, was man in der Laserfusion versucht.

00:22:19.913 --> 00:22:24.313
<v Thomas Klingner>Da nähert man sich tatsächlich dem Materiezustand im Zentrum der Sonne so halbwegs

00:22:24.313 --> 00:22:27.493
<v Thomas Klingner>an und versucht also auf die Art und Weise das zu machen.

00:22:27.713 --> 00:22:34.973
<v Thomas Klingner>Das ist aber offenbar eben halt ein Kurzzeitprozess. Also ein ganz kurzer Blitz, der so erzeugt wird.

00:22:35.133 --> 00:22:39.973
<v Thomas Klingner>Also für einen Bruchteil in der Sekunde erzeugt man mal ein tatsächlich sonnenartiges Plasma.

00:22:40.153 --> 00:22:40.593
<v Tim Pritlove>Minisonne.

00:22:40.893 --> 00:22:42.233
<v Thomas Klingner>Die berühmte Minisonne.

00:22:44.253 --> 00:22:47.153
<v Thomas Klingner>Darüber will ich hier auch gar nicht viel referieren. Das ist nicht unser Geschäft.

00:22:47.273 --> 00:22:52.973
<v Thomas Klingner>Das ist ein komplett anderer Zweig der Plasmaphysik, mit dem ich mich nicht

00:22:52.973 --> 00:22:56.913
<v Thomas Klingner>nur peripher beschäftige, weil er so anders ist.

00:22:57.193 --> 00:22:59.313
<v Thomas Klingner>Den gibt es auch. Das ist der andere Pfad.

00:23:00.353 --> 00:23:04.333
<v Thomas Klingner>Nebenbei gesagt, der ist auch schwierig. Da darf man sich nichts vormachen,

00:23:04.413 --> 00:23:08.693
<v Thomas Klingner>dass man sagt, das ist die Abkürzung zu der Fusionsenergie auf Erden.

00:23:09.393 --> 00:23:13.433
<v Thomas Klingner>Das ist auch ein sehr hartes Brot aus anderen Gründen. Aber wir wollen uns da

00:23:13.433 --> 00:23:14.513
<v Thomas Klingner>nicht so sehr verheddern jetzt.

00:23:15.933 --> 00:23:20.833
<v Thomas Klingner>Wir machen eben halt, die magnetische Fusion, die wir hier in Greifswald machen,

00:23:21.313 --> 00:23:23.073
<v Thomas Klingner>basiert auf sehr dünnen Plasmen.

00:23:23.773 --> 00:23:28.613
<v Thomas Klingner>Nicht sehr dünnen, sehr heißen Plasmen. Aber dieses sehr dünnen ist entscheidend.

00:23:28.613 --> 00:23:30.373
<v Tim Pritlove>Also dünn im Sinne von nicht so dicht?

00:23:30.593 --> 00:23:34.953
<v Thomas Klingner>Ja, Materiedichte. Also dünn, muss man es in eine Perspektive zu setzen.

00:23:35.173 --> 00:23:38.553
<v Thomas Klingner>Wir reden etwa von Faktor 100.000 dünner als die Luft, die wir atmen.

00:23:38.893 --> 00:23:40.053
<v Thomas Klingner>Also wirklich dünne Luft.

00:23:40.913 --> 00:23:47.093
<v Thomas Klingner>Also wenn man so in die Atmosphäre nach oben reißt, irgendwann wird die Duft halt immer dünnert.

00:23:47.213 --> 00:23:50.373
<v Thomas Klingner>Nicht so, das heißt wir sind dann irgendwo in der Jonsphäre oder sowas,

00:23:50.473 --> 00:23:53.513
<v Thomas Klingner>also schon ganz oben in unserer Atmosphäre, wo bloß Reste davon sind.

00:23:54.033 --> 00:23:57.633
<v Thomas Klingner>Das heißt, es ist sehr dünne Materie, die kann man mit einem Vertretbaren Aufwand sehr heiß bekommen.

00:23:58.273 --> 00:24:02.033
<v Thomas Klingner>Hat den Vorteil, wenn man das miteinander multipliziert und mit den Faktoren

00:24:02.033 --> 00:24:04.953
<v Thomas Klingner>versieht, die man da vorschreiben muss, dann kriegt man einen Druck.

00:24:05.633 --> 00:24:07.393
<v Thomas Klingner>Und dieser Druck, das sind so,

00:24:08.504 --> 00:24:12.704
<v Thomas Klingner>Drei bis fünf Bar als Gasdruck.

00:24:13.044 --> 00:24:14.624
<v Tim Pritlove>Also so Fahrradreifen.

00:24:14.984 --> 00:24:18.844
<v Thomas Klingner>Fahrradreifen, das hört sich so an, als könnte man das hinbekommen. Nicht so technisch.

00:24:19.064 --> 00:24:24.864
<v Thomas Klingner>Bei der Sonne reden wir von Gigapascal, also von ganz anderen Drücken.

00:24:25.104 --> 00:24:27.764
<v Thomas Klingner>Also das sind einfach diese typischen astronomischen Dimensionen,

00:24:27.904 --> 00:24:31.124
<v Thomas Klingner>die also nur bei der Sonne durch Gravitation zusammengehalten werden können,

00:24:31.204 --> 00:24:32.524
<v Thomas Klingner>weil die Sonne einfach so riesig ist.

00:24:34.204 --> 00:24:37.804
<v Thomas Klingner>Also einen Gravitationseinschluss kann man auf der Erde nicht machen.

00:24:38.584 --> 00:24:43.504
<v Tim Pritlove>Aber wir brauchen auf jeden Fall diesen Plasmazustand dieses Gases,

00:24:43.684 --> 00:24:45.264
<v Tim Pritlove>auch wenn es nicht so dicht ist.

00:24:45.624 --> 00:24:49.584
<v Tim Pritlove>Und man muss dem entgegenarbeiten, dass es nicht all die Wärme,

00:24:49.684 --> 00:24:53.624
<v Tim Pritlove>die es braucht, um das aufrecht zu erhalten, sofort wieder verliert.

00:24:53.684 --> 00:24:56.724
<v Tim Pritlove>Also muss man es in irgendeiner Form einpacken, einschließen,

00:24:57.144 --> 00:25:01.764
<v Tim Pritlove>bei sich behalten, um sozusagen einen kontrollierten Ort zu haben,

00:25:01.904 --> 00:25:06.904
<v Tim Pritlove>in dem eine Fusionsreaktion dann mehr oder weniger von alleine stattfindet.

00:25:06.904 --> 00:25:11.384
<v Thomas Klingner>Das ist quasi ein Gefäß. Aber es ist ein immaterielles Gefäß.

00:25:11.944 --> 00:25:17.964
<v Thomas Klingner>Denn auch dieses dünne Gas wohnt erstmal in einem Stahlgefäß.

00:25:18.204 --> 00:25:21.364
<v Thomas Klingner>Und das Stahlgefäß ist halt kalt, hat Raumtemperatur.

00:25:22.530 --> 00:25:27.010
<v Thomas Klingner>Und man muss dann noch für die Isolation noch ein immaterielles Gefäß schaffen,

00:25:27.210 --> 00:25:31.070
<v Thomas Klingner>was dieses heiße Gas von den Wänden trennt.

00:25:31.210 --> 00:25:34.950
<v Thomas Klingner>Das ist eben diese Wärmeisolationsaufgabe. Ansonsten hätte es einfach durch

00:25:34.950 --> 00:25:38.590
<v Thomas Klingner>den Wärmekontakt, hätte das Gas Wandtemperatur. Und die reicht nicht.

00:25:39.450 --> 00:25:45.390
<v Thomas Klingner>Dann passiert keine Fusion, sondern für Fusion braucht man tatsächlich exotisch hohe Temperaturen.

00:25:45.550 --> 00:25:51.410
<v Thomas Klingner>Wir reden da so von 100, Größenordnung 100 Millionen Grad, was sich ganz erschreckend anhört.

00:25:52.050 --> 00:25:56.150
<v Thomas Klingner>Man muss da aber im Kopf behalten, wir reden von einem sehr dünnen Gas.

00:25:57.290 --> 00:26:01.510
<v Thomas Klingner>Und unser Temperaturbegriff, der ist ja ganz stark geprägt von der kondensierten

00:26:01.510 --> 00:26:07.650
<v Thomas Klingner>Materie, also von der Tasse Tee oder von einer Herdplatte, das ist alles feste Materie.

00:26:08.670 --> 00:26:13.410
<v Thomas Klingner>Und da sind 100 Grad oder 1000 Grad schon alles sehr heiß.

00:26:14.490 --> 00:26:18.030
<v Thomas Klingner>1000 Grad ist schon verflixt heiß, also nicht unvorstellbar heiß,

00:26:18.050 --> 00:26:19.050
<v Thomas Klingner>aber schon sehr, sehr heiß.

00:26:19.050 --> 00:26:23.570
<v Thomas Klingner>Wenn wir von Lava reden, dann sind es um 2000 Grad und das ist so der Erfahrungsbereich

00:26:23.570 --> 00:26:28.750
<v Thomas Klingner>und da hört sich 100 Millionen Grad natürlich irre an, ist es aber nicht,

00:26:28.930 --> 00:26:30.970
<v Thomas Klingner>weil wir von einem sehr dünnen Gas reden.

00:26:31.450 --> 00:26:36.510
<v Thomas Klingner>Und Temperatur ist ja in der Physik nichts anderes als eine Begrifflichkeit für Geschwindigkeit.

00:26:37.250 --> 00:26:38.510
<v Tim Pritlove>Die Geschwindigkeit der Atome.

00:26:38.610 --> 00:26:44.270
<v Thomas Klingner>Die Geschwindigkeit der Atome, der individuellen Atome in einem statistischen Mittel.

00:26:45.150 --> 00:26:49.330
<v Thomas Klingner>Und wir müssen einfach nur diese Atome auf dieses Tempo bringen und beim dünnen

00:26:49.330 --> 00:26:50.690
<v Thomas Klingner>Gas ist das sehr gut machbar.

00:26:51.550 --> 00:26:55.490
<v Thomas Klingner>Allerdings beim Kontakt wieder mit der festen Materie, mit dem Kessel,

00:26:56.410 --> 00:26:59.950
<v Thomas Klingner>würde man dieses Gas einfach nicht viel mehr als auf Raumtemperatur bekommen.

00:27:00.090 --> 00:27:03.630
<v Thomas Klingner>Das heißt, man braucht eine Isolation und das ist ein immaterieller zweite Lager,

00:27:03.750 --> 00:27:06.730
<v Thomas Klingner>ein zweites Gefäß. und das sind die berühmten Magnetfelder.

00:27:07.230 --> 00:27:11.810
<v Tim Pritlove>Die das einschließen, das Plasma, damit es sozusagen bei sich bleibt und sie wärmen nicht ab.

00:27:11.830 --> 00:27:16.650
<v Thomas Klingner>Man muss sich das wie ein Gefäß vorstellen. Wie so eine zweite Wand.

00:27:17.790 --> 00:27:22.770
<v Thomas Klingner>Die zwischen der materiellen Wand, der Stahlwand, und dem eigentlichen Plasma

00:27:22.770 --> 00:27:24.010
<v Thomas Klingner>ist, was man heiß machen möchte.

00:27:26.430 --> 00:27:30.210
<v Thomas Klingner>Kein Styropor ist nichts Materielles, sondern eine immaterielle Isolation.

00:27:30.470 --> 00:27:34.850
<v Thomas Klingner>Aber es ist de facto eine weitere Lage, ein weiteres Gefäß, was man dazwischen packt.

00:27:34.990 --> 00:27:38.230
<v Thomas Klingner>Und die Form dieses Gefäßes, diese Form dieses Immateriellen,

00:27:38.310 --> 00:27:41.710
<v Thomas Klingner>dieses magnetischen Gefäßes, die ist sehr wichtig.

00:27:42.530 --> 00:27:47.530
<v Tim Pritlove>Klingt jetzt erstmal nach einem Rohr. Ja. Also man hat so einen außen umschließenden

00:27:47.530 --> 00:27:52.770
<v Tim Pritlove>Mantel und dann soll das Plasma in der Mitte sein und durch Magnete hält man

00:27:52.770 --> 00:27:55.990
<v Tim Pritlove>es sozusagen von dieser eigentlichen Wand des Rohres fern.

00:27:56.430 --> 00:28:00.490
<v Thomas Klingner>Ja, also erstmal, also ein Rohr ist erstmal schon mal ein guter Ansatz.

00:28:00.730 --> 00:28:03.850
<v Thomas Klingner>Damit haben wir auch angefangen. Erstmal mit einem geraden Rohr.

00:28:03.990 --> 00:28:07.630
<v Thomas Klingner>Da hat man festgestellt, ein gerades Rohr hat natürlich zwei Enden.

00:28:09.010 --> 00:28:09.890
<v Tim Pritlove>Wie die Wurst?

00:28:10.070 --> 00:28:14.670
<v Thomas Klingner>Ja, die Wurst, so zwei Enden. Nur die Wurst hat zwei. Und an diesen Enden,

00:28:14.670 --> 00:28:15.990
<v Thomas Klingner>das sind automatische Verlustflächen.

00:28:17.718 --> 00:28:22.098
<v Thomas Klingner>Denn da steht dieses immaterielle Gefäß einfach in Kontakt wieder mit der kalten Wand.

00:28:23.298 --> 00:28:26.878
<v Thomas Klingner>Das heißt, man ist gut beraten, dieses Rohr zu einem Ring zu biegen.

00:28:27.158 --> 00:28:28.998
<v Thomas Klingner>Denn damit kann man die Magnetfeldlinien schließen.

00:28:29.158 --> 00:28:32.378
<v Tim Pritlove>Aber man könnte doch auch die Magnetfelder an den Seiten so ausrichten,

00:28:32.558 --> 00:28:34.558
<v Tim Pritlove>dass es auch an da nicht rankommt.

00:28:34.738 --> 00:28:37.658
<v Thomas Klingner>Ja, hat man auch versucht. Also man hat das so zugequetscht.

00:28:37.918 --> 00:28:43.118
<v Thomas Klingner>Das sind sogenannte Spiegelmaschinen, um diesen Kontakt mit der Wand zu verringern.

00:28:43.358 --> 00:28:46.738
<v Thomas Klingner>Das hat auch was gebracht, aber es war am Ende dann doch nicht genug.

00:28:46.738 --> 00:28:48.618
<v Thomas Klingner>Er hatte doch zu große Verluste.

00:28:50.458 --> 00:28:57.378
<v Thomas Klingner>Denn das ist einfach ein nicht verhinderbarer Kontakt zwischen diesem Magnetfeld und der Wand.

00:28:57.798 --> 00:29:01.098
<v Thomas Klingner>Da stoßen die Magnetfeldlinien auf die Wand und das bedeutet einen Kontakt.

00:29:01.718 --> 00:29:06.658
<v Thomas Klingner>Das ist wie eine Lücke in der Isolation, wie ein Loch in der Isolation,

00:29:06.758 --> 00:29:08.458
<v Thomas Klingner>was man bei seinem Haus auch gar nicht haben würde.

00:29:08.698 --> 00:29:12.398
<v Tim Pritlove>Und damit dieser Ansatz dann sozusagen kein Ende findet, hat man die Enden einfach

00:29:12.398 --> 00:29:14.258
<v Tim Pritlove>weggelassen und das Ganze ist dann im Ring gemacht.

00:29:14.258 --> 00:29:18.378
<v Thomas Klingner>Wenn eine Wurst kein N haben soll, dann biegt man die Wurst zu einem Wurstring.

00:29:18.878 --> 00:29:19.818
<v Thomas Klingner>Und dann hat man einen Wurstring.

00:29:20.818 --> 00:29:26.038
<v Thomas Klingner>Also insofern wollen wir nicht zu sehr mit solchen kulinarischen Vergleichen

00:29:26.038 --> 00:29:28.178
<v Thomas Klingner>uns damit zufriedenstellen.

00:29:28.258 --> 00:29:31.038
<v Thomas Klingner>Aber es hilft ein bisschen die Vorstellung zu machen. Es wird oft vom Donut

00:29:31.038 --> 00:29:32.718
<v Thomas Klingner>gesprochen, also das ist am Ende egal.

00:29:34.838 --> 00:29:36.378
<v Tim Pritlove>Sagen wir korrekt Torus.

00:29:36.638 --> 00:29:40.938
<v Thomas Klingner>Ja, Torus ist der mathematische Begriff. Der ist nicht ganz so alltäglich.

00:29:41.978 --> 00:29:46.658
<v Thomas Klingner>Aber es ist ein Torus, also es ist ein Ring. ein Torrüssel, der vom Magnetfeld erfüllt ist.

00:29:46.918 --> 00:29:50.458
<v Thomas Klingner>So, das ist dann der erste Punkt. Also da waren wir auch schon 1950.

00:29:53.575 --> 00:29:59.015
<v Thomas Klingner>Wenn die magnetischen Feldlinien dieses Rings, wenn man die einfach so belässt,

00:29:59.135 --> 00:30:05.175
<v Thomas Klingner>also das Rohr zu einem Ring biegt und das so belässt,

00:30:06.435 --> 00:30:12.195
<v Thomas Klingner>dann muss man sich mit einem unangenehmen Effekt auseinandersetzen,

00:30:12.375 --> 00:30:14.655
<v Thomas Klingner>der so ein Klassiker der Plasmaphysik ist.

00:30:14.655 --> 00:30:18.495
<v Thomas Klingner>Durch die Tatsache, dass die Magnetfeldlinien dann ja gekrümmt sind,

00:30:18.635 --> 00:30:20.275
<v Thomas Klingner>nicht mehr gerade, sondern gekrümmt,

00:30:21.095 --> 00:30:26.555
<v Thomas Klingner>und dass sie durch das Zusammenbiegen auf der Innenseite enger liegen als außen, auch sehr logisch,

00:30:27.295 --> 00:30:31.095
<v Thomas Klingner>bekommen also einerseits eine Krümmung der Magnetfeldlinie, logisch,

00:30:31.675 --> 00:30:37.195
<v Thomas Klingner>zweitens auch noch eine Inhomogenität, also eine Veränderung des Magnetfeldes.

00:30:37.635 --> 00:30:38.195
<v Tim Pritlove>Ungleichförmigkeit.

00:30:38.955 --> 00:30:43.535
<v Thomas Klingner>Ungleichförmigkeit. Und beides führt dazu, dass diese geladenen Teilchen einem

00:30:43.535 --> 00:30:50.515
<v Thomas Klingner>in in der radialen Richtung, das heißt also senkrecht zu den Magnetfeldlinien rausdriften.

00:30:51.995 --> 00:30:55.955
<v Thomas Klingner>Also diese Teilchen machen eine Gyrationsbewegung in die Magnetfeldlinien herum

00:30:55.955 --> 00:31:00.115
<v Thomas Klingner>und sehen, während dieser Gyrationsbewegung einerseits die Krümmung,

00:31:00.195 --> 00:31:03.455
<v Thomas Klingner>andererseits die Inhomogenität und jedes Mal kriegen sie sozusagen so einen

00:31:03.455 --> 00:31:06.135
<v Thomas Klingner>kleinen Versatz unserer Unwucht.

00:31:07.475 --> 00:31:10.215
<v Thomas Klingner>Das ist wie so eine Fliehkraft, kann man sich so fast vorstellen.

00:31:10.355 --> 00:31:15.735
<v Thomas Klingner>Auf jeden Fall beginnen die radial sich rauszubewegen, also senkrecht zu dem

00:31:15.735 --> 00:31:18.575
<v Thomas Klingner>Magnetfeld in sich rauszubewegen. Und das hört sich schon nicht gut an.

00:31:19.155 --> 00:31:22.355
<v Thomas Klingner>Weil damit transportieren sie Teilchen, aber auch die Wärme,

00:31:22.435 --> 00:31:25.175
<v Thomas Klingner>die sie tragen, nach außen. Damit hat man wieder den Wärmeverlust.

00:31:26.455 --> 00:31:31.035
<v Thomas Klingner>Das wurde schon sehr früh erkannt. Und ganz einfacher Trick,

00:31:31.215 --> 00:31:33.835
<v Thomas Klingner>den man da macht, man verdreht diese magnetischen Feldlinien,

00:31:33.955 --> 00:31:37.795
<v Thomas Klingner>um dieses Rausdriften zu kompensieren, so als grobes Bild.

00:31:38.875 --> 00:31:42.595
<v Thomas Klingner>Das heißt, sie müssen nicht nur regnförmig sein, sie müssen auch in sich verdreht sein.

00:31:43.745 --> 00:31:49.565
<v Thomas Klingner>Und dieses Verdrehen, das muss man eben halt in den Magnetfeldern noch zusätzlich erreichen.

00:31:50.145 --> 00:31:55.445
<v Thomas Klingner>Denn das Magnetfeld an sich kann man erstmal mit einem Satz von Magneten erzeugen,

00:31:55.505 --> 00:31:58.725
<v Thomas Klingner>von Elektromagneten erzeugen, die man also einfach ringförmig aufstellt und

00:31:58.725 --> 00:32:00.065
<v Thomas Klingner>dann hat man ein ringförmiges Magnetfeld.

00:32:00.305 --> 00:32:02.125
<v Thomas Klingner>Das hat aber noch nicht die Verdrehung.

00:32:03.065 --> 00:32:07.125
<v Tim Pritlove>Für die Verdrehung muss man sozusagen diese Spulen, die ja letztlich dieses

00:32:07.125 --> 00:32:12.845
<v Tim Pritlove>Magnetfeld erzeugen, selbst auch nochmal ihrer Gleichförmigkeit berauben.

00:32:12.845 --> 00:32:17.405
<v Thomas Klingner>Das ist eine Möglichkeit, entweder indem man einen weiteren zusätzlichen Spulensatz

00:32:17.405 --> 00:32:20.585
<v Thomas Klingner>spendiert, der die Verdrehung übernimmt, nicht so eine Kombi.

00:32:21.245 --> 00:32:26.825
<v Thomas Klingner>Oder wie beim Wendelstein, indem man diese Spulen nicht mehr einfach belässt,

00:32:26.925 --> 00:32:29.605
<v Thomas Klingner>sondern diese Verdrehung in die Spulen hineingießt.

00:32:29.945 --> 00:32:38.845
<v Thomas Klingner>Und das heißt, das Verdrehen der magnetischen Feldlinien durch die Formgebung der Spulen erreicht.

00:32:39.105 --> 00:32:41.085
<v Thomas Klingner>Das ist das Stellaratorprinzip dabei.

00:32:41.085 --> 00:32:44.565
<v Tim Pritlove>Genau und damit sind wir sozusagen bei dem Prinzip der Installation,

00:32:44.685 --> 00:32:48.545
<v Tim Pritlove>die jetzt hier in Greifswald gebaut worden ist, angekommen.

00:32:48.765 --> 00:32:52.705
<v Tim Pritlove>Das ist aber nicht der einzige Ansatz, den man jetzt verfolgt hat.

00:32:52.805 --> 00:32:59.805
<v Tim Pritlove>Es gibt ja noch mit Tokamak noch ein zweites Prinzip, was ähnlich funktioniert, aber anders.

00:33:00.525 --> 00:33:03.945
<v Thomas Klingner>Ja, das schließt genau an das an, was wir gerade gesagt haben.

00:33:04.125 --> 00:33:09.165
<v Thomas Klingner>Diese Verdrehung der magnetischen Feldlinien kann man auch erreichen,

00:33:09.805 --> 00:33:13.385
<v Thomas Klingner>indem man einen sehr starken Strom in das Plasma hineinbringt.

00:33:14.705 --> 00:33:21.965
<v Thomas Klingner>Und dieser starke strom erzeugt für sich wiederum ein magnetfeld und das magnetfeld

00:33:21.965 --> 00:33:27.565
<v Thomas Klingner>was dieser starke strom erzeugt kombiniert mit dem magnetfeld was der strom

00:33:27.565 --> 00:33:32.205
<v Thomas Klingner>in den spulen erzeugt erzeugt dieses verdrehte magnetfeld das ist das tokamark prinzip.

00:33:32.205 --> 00:33:34.805
<v Tim Pritlove>Also zwei ansätze sozusagen um dasselbe ziel.

00:33:34.805 --> 00:33:37.925
<v Thomas Klingner>Zu erreichen ja und hat eben ja die,

00:33:40.386 --> 00:33:43.606
<v Thomas Klingner>Spezialität, dass man eben halt einen Strom in das Plasma rein zaubern muss.

00:33:43.966 --> 00:33:48.806
<v Tim Pritlove>Ja. Also abgesehen von dem, also wenn wir von Wendelstein sprechen,

00:33:49.046 --> 00:33:53.066
<v Tim Pritlove>das ist der Name des Projektes hier, also der Name dieses,

00:33:55.306 --> 00:34:00.146
<v Tim Pritlove>Forschungsreaktors, der hier gebaut wird. Ich glaube, der Grund ist ein Berg,

00:34:00.526 --> 00:34:03.726
<v Tim Pritlove>Wendelstein ist ein Berg in Bayerischen Alpen.

00:34:04.046 --> 00:34:04.746
<v Thomas Klingner>In Bayerischen Alpen.

00:34:06.046 --> 00:34:09.206
<v Tim Pritlove>Weil das so ein hohes Ziel ist, was man hier erreichen will.

00:34:10.506 --> 00:34:15.066
<v Thomas Klingner>Ach, das hat historische Gründe, diese Benennung nach Bergen.

00:34:16.126 --> 00:34:23.806
<v Thomas Klingner>Geht zuletzt zurück auf die allerersten Stelleratoren, die an der Princeton

00:34:23.806 --> 00:34:30.586
<v Thomas Klingner>University gebaut wurden, von dem US-amerikanischen Astrophysiker Lyman Spitzer.

00:34:30.586 --> 00:34:38.086
<v Thomas Klingner>Der war halt begeisterter Bergsteiger und mochte sehr die Alpen und hatte seine

00:34:38.086 --> 00:34:44.646
<v Thomas Klingner>Maschine oder sein Projekt, hatte den Kennnamen Project Matterhorn.

00:34:46.121 --> 00:34:52.221
<v Thomas Klingner>Und das war die Inspiration hier für die deutsche Aktivität auf dem gleichen Gebiet.

00:34:52.341 --> 00:34:55.121
<v Thomas Klingner>Also als man so gesehen hat, was da in Princeton getrieben wurde,

00:34:55.281 --> 00:34:59.081
<v Thomas Klingner>wollte man sich da in dieser Richtung auch engagieren.

00:34:59.561 --> 00:35:04.401
<v Thomas Klingner>Und das war die Inspiration dafür, das nach einem anderen Berg zu benennen,

00:35:04.581 --> 00:35:08.941
<v Thomas Klingner>also nach einem bayerischen Berg, weil es da die Aktivität in Garching gestartet

00:35:08.941 --> 00:35:10.781
<v Thomas Klingner>war. Und da hatte man den Wendelstein genommen.

00:35:11.181 --> 00:35:14.861
<v Thomas Klingner>Erstens, weil das ein allgemein bekannter Berg dort ist.

00:35:14.861 --> 00:35:18.041
<v Thomas Klingner>Das ist ein Ausflugsberg und ich habe mir auch mal sagen lassen,

00:35:18.221 --> 00:35:25.121
<v Thomas Klingner>dass der Fußweg da hoch auf solchen Serpentinen, solchen sehr gewendelten Faden

00:35:25.121 --> 00:35:27.641
<v Thomas Klingner>geht, weshalb er vielleicht auch so heißt, aber ich weiß es nicht,

00:35:27.741 --> 00:35:28.941
<v Thomas Klingner>vielleicht ist das auch irreführend.

00:35:29.841 --> 00:35:37.621
<v Thomas Klingner>Und das war so ein weiteres Element, was eben mit dieser Geometrie der Magnete

00:35:37.621 --> 00:35:41.401
<v Thomas Klingner>verbunden ein inspirierendes Element war.

00:35:41.401 --> 00:35:45.641
<v Thomas Klingner>Am Ende ist es ein Wendelstein geworden und dieser Name ist eben seit den 60er

00:35:45.641 --> 00:35:50.801
<v Thomas Klingner>Jahren beibehalten worden und hat dann auch hier eine Heimat gefunden.

00:35:51.161 --> 00:35:53.901
<v Tim Pritlove>Genau und es gibt es in mehreren Versionen, jetzt sind wir irgendwie bei Version

00:35:53.901 --> 00:35:57.581
<v Tim Pritlove>7. Das X, was da noch dabei ist.

00:35:57.581 --> 00:36:01.001
<v Thomas Klingner>Ist auch alles alles historie also es gab ein

00:36:01.001 --> 00:36:03.961
<v Thomas Klingner>wendelstein 1 es gab ein wendelstein 1 a 1 b

00:36:03.961 --> 00:36:11.541
<v Thomas Klingner>es gab ein 2 2 a 2 b 3 4 5 und 6 sind nie gebaut worden gab es ein wendelstein

00:36:11.541 --> 00:36:18.901
<v Thomas Klingner>7 dann gab es ein wendelstein 7 a dann gab es ein wendelstein 7 as und dann

00:36:18.901 --> 00:36:22.421
<v Thomas Klingner>gibt es jetzt hier den wendelstein 7x als neueste version,

00:36:24.687 --> 00:36:27.827
<v Thomas Klingner>Und warum man bei sieben kleben geblieben ist, können Sie die Frage,

00:36:27.907 --> 00:36:29.947
<v Thomas Klingner>hätte ich auch sieben, acht, neun, zehn oder sowas machen.

00:36:30.847 --> 00:36:34.807
<v Thomas Klingner>Das sind immer so ein bisschen Geschmackssachen. Am Ende ist Wendelstein 7 denn

00:36:34.807 --> 00:36:38.027
<v Thomas Klingner>so in den späten 70er Jahren auch zu einer Marke geworden.

00:36:38.407 --> 00:36:40.407
<v Thomas Klingner>Und da wollte man diese Marke nicht mehr ändern.

00:36:41.587 --> 00:36:42.387
<v Tim Pritlove>Okay, Branding.

00:36:42.507 --> 00:36:44.227
<v Thomas Klingner>Auch in der Physik gibt es Marketing.

00:36:44.567 --> 00:36:48.987
<v Tim Pritlove>Marketing und beliebte Namespaces, hier sind es dann halt einfach die Berge.

00:36:49.467 --> 00:36:53.607
<v Tim Pritlove>Aber ich habe das jetzt vor allem erwähnt, um mal die Begrifflichkeiten klarzumachen,

00:36:53.607 --> 00:36:54.867
<v Tim Pritlove>was jetzt hier eigentlich was ist.

00:36:55.267 --> 00:36:57.827
<v Tim Pritlove>Stellarator ist halt das Bauprinzip.

00:36:58.467 --> 00:37:02.687
<v Tim Pritlove>Wendelstein ist die konkrete Installation, die hier betrieben wird.

00:37:03.587 --> 00:37:09.787
<v Tim Pritlove>Die Tokamak-Reaktoren werden an anderen Standorten gebaut, aber auch vom Max-Planck-Institut

00:37:09.787 --> 00:37:12.267
<v Tim Pritlove>gibt es, glaube ich, eine Tokamak-Installation.

00:37:12.467 --> 00:37:15.547
<v Thomas Klingner>Wir haben eine Tokamak-Versuchsanlage in Garching.

00:37:16.707 --> 00:37:21.507
<v Tim Pritlove>Genau, und dann gibt es noch ein großes System in ITER in Frankreich,

00:37:21.507 --> 00:37:24.907
<v Tim Pritlove>was ein sehr internationales Projekt ist.

00:37:25.147 --> 00:37:28.727
<v Thomas Klingner>Und man darf das auch nicht zu sehr auseinander dividieren. Also beides ist

00:37:28.727 --> 00:37:33.927
<v Thomas Klingner>magnetischer Einschluss, beides ist ringförmig, ist in dem Sinne wieder sehr ähnlich.

00:37:35.007 --> 00:37:40.087
<v Thomas Klingner>Es gibt, wenn man so mit einem Satz den Unterschied zwischen Stellarator und

00:37:40.087 --> 00:37:46.047
<v Thomas Klingner>Tokamak diesen beiden Sublinien im magnetischen Einschluss beschreiben will,

00:37:46.847 --> 00:37:51.187
<v Thomas Klingner>dann kann man sagen, im Tokamak muss ein starker Strom im Plasma fließen.

00:37:51.507 --> 00:37:53.727
<v Thomas Klingner>Im Stellarator kann man auf den verzichten.

00:37:54.107 --> 00:37:58.507
<v Thomas Klingner>Die Gründe haben wir schon erwähnt. Der starke Strom im Plasma des Tokamax erzeugt

00:37:58.507 --> 00:38:00.007
<v Thomas Klingner>die Verdrillung der Magnetfeldlinien.

00:38:00.407 --> 00:38:04.247
<v Thomas Klingner>Beim Stellarator wird die Verdrillung der Magnetfeldlinien durch die Formung der Spulen gemacht.

00:38:05.367 --> 00:38:09.067
<v Tim Pritlove>Genau. Kommen wir vielleicht nochmal kurz zu diesem Plasma selbst.

00:38:09.967 --> 00:38:13.667
<v Tim Pritlove>Klingt ja, ist ja so ein schönes Wort. Bei Plasma haben glaube ich alle immer

00:38:13.667 --> 00:38:15.347
<v Tim Pritlove>so Plasma-Lampen irgendwie vor Augen.

00:38:15.347 --> 00:38:20.267
<v Thomas Klingner>Aber ganz auf Augenblutplasma. Das höre ich oft.

00:38:20.327 --> 00:38:24.487
<v Tim Pritlove>Das ist mir jetzt nicht eingefallen. Okay, naja gut. Aber ja.

00:38:27.855 --> 00:38:34.475
<v Tim Pritlove>Was genau ist jetzt drin in der Röhre? Welchen Braten schiebt man jetzt sozusagen rein?

00:38:34.595 --> 00:38:36.815
<v Tim Pritlove>Woraus macht man das Plasma?

00:38:37.275 --> 00:38:41.675
<v Thomas Klingner>Wir haben ja schon über Gas gesprochen. Also wir reden von einem dünnen Gas.

00:38:42.555 --> 00:38:47.635
<v Thomas Klingner>So zur Orientierung unserer Anlage, die wir hier stehen haben.

00:38:47.755 --> 00:38:49.515
<v Thomas Klingner>Ich rede übrigens gar nicht so gerne vom Reaktor.

00:38:51.152 --> 00:38:52.372
<v Thomas Klingner>Können wir noch vertiefen.

00:38:52.832 --> 00:38:53.752
<v Tim Pritlove>Sondern von?

00:38:54.272 --> 00:38:59.252
<v Thomas Klingner>Die Anlage. Oder Maschine. Wir nennen sie auch gerne die Maschine.

00:38:59.412 --> 00:39:00.452
<v Thomas Klingner>Das klingt ein bisschen kräftiger.

00:39:00.452 --> 00:39:01.992
<v Tim Pritlove>Aber da reagiert schon Sachen zu.

00:39:02.892 --> 00:39:04.192
<v Thomas Klingner>Nee, da reagiert nichts.

00:39:04.332 --> 00:39:04.992
<v Tim Pritlove>Da reagiert nichts?

00:39:05.372 --> 00:39:11.072
<v Thomas Klingner>Zurzeit gar nichts. Also das heißt in dieser Anlage zur Orientierung,

00:39:11.252 --> 00:39:16.792
<v Thomas Klingner>wenn wir dort von dem Gas reden, ist das sowas wie 0,01 Gramm.

00:39:17.372 --> 00:39:19.112
<v Thomas Klingner>Also wirklich wenig Gas.

00:39:19.732 --> 00:39:21.552
<v Tim Pritlove>Von? Wasserstoff.

00:39:21.672 --> 00:39:26.332
<v Thomas Klingner>Wasserstoff. Was wir dort reinfüllen. Also alles fängt mit dem Gas an.

00:39:26.772 --> 00:39:31.912
<v Thomas Klingner>Man füllt also Wasserstoff, Gas, dieses niedrigdichte Gas ein.

00:39:32.452 --> 00:39:39.932
<v Thomas Klingner>Dieses Gas wird ionisiert, sprich es wird Energie eingekoppelt.

00:39:41.312 --> 00:39:47.112
<v Thomas Klingner>Und diese Energie ist hoch genug, dass die Atomverbünde auseinanderfallen.

00:39:47.212 --> 00:39:48.412
<v Thomas Klingner>Das ist gar nicht schwer, das

00:39:48.412 --> 00:39:51.592
<v Thomas Klingner>geht relativ schnell. Das passiert schon bei relativ geringen Energien.

00:39:52.332 --> 00:39:58.112
<v Thomas Klingner>Und wenn diese Atomverbünde zerfallen sind, dann besteht dieses Gas dann nicht

00:39:58.112 --> 00:40:02.212
<v Thomas Klingner>mehr aus neutralen Wasserstoffatomen oder Molekülen,

00:40:02.632 --> 00:40:08.832
<v Thomas Klingner>sondern nur noch aus den Wasserstoffkernen und freien Elektronen.

00:40:09.392 --> 00:40:13.252
<v Thomas Klingner>Und da reden wir von den Ionen und den Elektronen.

00:40:13.512 --> 00:40:16.832
<v Thomas Klingner>Und dieses Gemisch aus Ionen und Elektronen, die nicht mehr aneinander gebunden

00:40:16.832 --> 00:40:22.032
<v Thomas Klingner>sind, sondern sich frei bewegen können, diesen Materiezustand bezeichnet man als Plasma.

00:40:22.592 --> 00:40:29.272
<v Thomas Klingner>Das hört sich ganz skurril an, ist auch nicht unmittelbar ein Alltagsphänomen,

00:40:29.392 --> 00:40:31.112
<v Thomas Klingner>wenn wir jetzt hier auf der Straße spazieren gehen.

00:40:31.832 --> 00:40:38.452
<v Thomas Klingner>Kann es aber werden, wenn man nördlich genug ist und dort mal ein Nordlicht hat.

00:40:38.772 --> 00:40:41.892
<v Thomas Klingner>Ein Nordlicht ist ein Plasmazustand in der oberen Atmosphäre.

00:40:41.972 --> 00:40:42.672
<v Tim Pritlove>Die Auroren.

00:40:43.072 --> 00:40:45.032
<v Thomas Klingner>Die Aurora Borealis oder...

00:40:46.148 --> 00:40:51.948
<v Thomas Klingner>Die südliche Version davon. Man kann auch so kleine Plasmen haben in einer Gewitterstimmung.

00:40:52.388 --> 00:40:57.848
<v Thomas Klingner>Das St. Elmsfeuer, Segler kennen das. Das heißt einfach eine Lichterscheinung an der Massspitze.

00:40:57.948 --> 00:41:00.748
<v Thomas Klingner>Auch dort passiert so eine Inonisierung des atmosphärischen Gases.

00:41:01.168 --> 00:41:04.628
<v Thomas Klingner>Oder etwas spektakulärer, ein Blitz. Ein Blitz ist auch ein Plasma.

00:41:05.128 --> 00:41:05.868
<v Tim Pritlove>Oder eine Kerze.

00:41:06.228 --> 00:41:11.348
<v Thomas Klingner>Eine Kerze ist ein bisschen an der Grenze. Da sind wir Plasmaphysiker streng.

00:41:11.448 --> 00:41:13.608
<v Thomas Klingner>Das ist ein böser Grenzfall.

00:41:14.208 --> 00:41:18.188
<v Thomas Klingner>Ja, das leuchtet, das ist auch ein bisschen ionisiert, aber wir haben ja Kriterien

00:41:18.188 --> 00:41:21.748
<v Thomas Klingner>dafür, wann es ein Plasma ist und wann nicht.

00:41:21.928 --> 00:41:24.448
<v Thomas Klingner>Das ist ein übler Grenzfall.

00:41:24.648 --> 00:41:30.448
<v Thomas Klingner>Also das spielt nicht mehr nach den Spielregeln, nachdem sich ein Plasma verhält,

00:41:30.528 --> 00:41:33.148
<v Thomas Klingner>weil eine Kerze hat zu wenig Ionisation.

00:41:33.428 --> 00:41:37.668
<v Thomas Klingner>Der Ionisationsgrad ist sehr niedrig. Und damit beginnen die Effekte,

00:41:37.748 --> 00:41:39.748
<v Thomas Klingner>die für ein Plasma wichtig sind, marginal zu werden.

00:41:39.848 --> 00:41:42.728
<v Thomas Klingner>Alles ist von dem neutralen Gas und von der Chemie bestimmt.

00:41:42.968 --> 00:41:46.408
<v Thomas Klingner>Und damit ist das so ein bisschen außerhalb unseres Schirms.

00:41:46.508 --> 00:41:47.988
<v Thomas Klingner>Es gibt auch keine scharfe Grenze.

00:41:48.188 --> 00:41:51.448
<v Thomas Klingner>Also es gibt keinen Punkt, wo man sagt, jetzt ist es ein Plasma.

00:41:52.182 --> 00:41:57.282
<v Thomas Klingner>Sondern das ist ein weicher Übergang. Man darf sich das nicht wie so einen Phasenübergang

00:41:57.282 --> 00:42:03.222
<v Thomas Klingner>vorstellen, wie Schmelzen von Eis, sondern das kriecht so rein,

00:42:03.382 --> 00:42:05.402
<v Thomas Klingner>die Plasma-Eigenschaft in das Gas.

00:42:05.942 --> 00:42:09.402
<v Thomas Klingner>Also das ist auf jeden Fall so die Definition eines Plasmas,

00:42:09.542 --> 00:42:14.282
<v Thomas Klingner>dass wir eben in dem Sinne ein geladenes Gas haben und die Ladung wird aus den

00:42:14.282 --> 00:42:18.962
<v Thomas Klingner>Konstituenten, aus jedem Teilchen selbst bereitgestellt.

00:42:19.642 --> 00:42:25.282
<v Thomas Klingner>Aber die Gesamtladung ist de facto null, weil es ist immer gleich viel Plus wie Minus.

00:42:25.662 --> 00:42:28.822
<v Tim Pritlove>Genau, aber Wasserstoffatron besteht ja im Wesentlichen eigentlich nur aus einem

00:42:28.822 --> 00:42:30.802
<v Tim Pritlove>Proton und einem Elektron.

00:42:30.942 --> 00:42:34.542
<v Tim Pritlove>Und wenn sich das halt alles auflöst, dann wird einfach nur die Bindung zwischen

00:42:34.542 --> 00:42:40.722
<v Tim Pritlove>Elektron und dem Kern, also dem einen Proton aufgehoben.

00:42:40.722 --> 00:42:44.082
<v Tim Pritlove>Und man hat mehr oder weniger so eine Elektron-Proton-Suppe,

00:42:44.182 --> 00:42:50.902
<v Tim Pritlove>die insgesamt noch dieselbe Ladung hat wie vorher, aber sie ist ungleich verteilt.

00:42:51.282 --> 00:42:54.602
<v Tim Pritlove>Das Proton ist dann halt positiv. Und da spricht man dann eben von dem Ion,

00:42:54.662 --> 00:42:56.922
<v Tim Pritlove>wenn es sozusagen seines Elektrons beraubt ist.

00:42:57.002 --> 00:43:00.102
<v Tim Pritlove>Und das ist ja dann auch die Voraussetzung, dass das Magnetfeld drumherum da

00:43:00.102 --> 00:43:01.562
<v Tim Pritlove>überhaupt seine Wirkung entfallen kann.

00:43:01.822 --> 00:43:05.722
<v Thomas Klingner>Denke ich. Ja, erstens das. Also nur dadurch, dass man geladene Teilchen,

00:43:05.962 --> 00:43:11.202
<v Thomas Klingner>also dass man ein Gas ausgeladene Teilchen hat, reagiert das überhaupt auf die

00:43:11.202 --> 00:43:12.942
<v Thomas Klingner>magnetischen Feldlinien.

00:43:14.079 --> 00:43:21.359
<v Thomas Klingner>Und die eigentliche Fusion passiert ja bei den Kernen, also bei den Schweren,

00:43:21.419 --> 00:43:23.999
<v Thomas Klingner>bei den Ionen. Die Ionen fusionieren, die Elektronen machen ja nichts.

00:43:24.679 --> 00:43:28.919
<v Thomas Klingner>Die sind ja nur da. Die sorgen dann sozusagen für das Ladungsgleichgewicht.

00:43:28.939 --> 00:43:31.979
<v Tim Pritlove>Und wenn die zwei Protonen dann halt zusammenkommen, dann haben wir Helium.

00:43:32.899 --> 00:43:36.939
<v Thomas Klingner>Na, bei zwei Wasserstoffprotonen kriegen wir erstmal keine Helium.

00:43:37.179 --> 00:43:37.879
<v Tim Pritlove>Nee, warum nicht?

00:43:37.879 --> 00:43:38.419
<v Thomas Klingner>Nein,

00:43:40.479 --> 00:43:47.319
<v Thomas Klingner>also die Fusionsreaktion, von der wir reden, das sind zwei Isotope,

00:43:47.519 --> 00:43:49.119
<v Thomas Klingner>also zwei Varianten von Wasserstoff.

00:43:49.399 --> 00:43:53.599
<v Thomas Klingner>Also nicht der klassische Wasserstoff, den wir so kennen, der aus einem Proton besteht,

00:43:53.979 --> 00:44:01.279
<v Thomas Klingner>sondern die Fusion, die die höchste Wahrscheinlichkeit hat, ist die Fusion von

00:44:01.279 --> 00:44:04.599
<v Thomas Klingner>schwerem Wasserstoff und superschwerem Wasserstoff.

00:44:05.479 --> 00:44:09.399
<v Thomas Klingner>Das ist im Falle von schweren Wasserstoff ein Proton und ein Neutron.

00:44:09.599 --> 00:44:13.259
<v Thomas Klingner>Und im Falle von super schweren Wasserstoff ein Proton und zwei Neutronen.

00:44:13.679 --> 00:44:16.539
<v Tim Pritlove>Also das Deuterium und das Tritium.

00:44:16.619 --> 00:44:20.939
<v Thomas Klingner>Die heißen auch Deuterium und Tritium. Das sind so die poetischen Namen, die man davon nimmt.

00:44:21.039 --> 00:44:24.739
<v Thomas Klingner>Aber Wasserstoffisotope, das heißt chemisch, sind die identisch zum Wasserstoff.

00:44:24.839 --> 00:44:27.739
<v Thomas Klingner>Die können auch Wasser bilden, schweres Wasser oder super schweres Wasser.

00:44:28.239 --> 00:44:29.379
<v Thomas Klingner>Reagieren chemisch genauso.

00:44:29.979 --> 00:44:34.259
<v Thomas Klingner>Aber sind eben schwerer, wie es der Name sagt. Nicht schwerer und super schwerer.

00:44:36.779 --> 00:44:43.199
<v Thomas Klingner>Und da ergibt eben halt die Kernphysik aus der Zusammensetzung dieses Kerns,

00:44:43.219 --> 00:44:46.819
<v Thomas Klingner>dass da die Fusion dramatisch viel wahrscheinlicher ist.

00:44:47.039 --> 00:44:50.479
<v Thomas Klingner>Mit ganz großer Mühe kann man auch reinen Wasserstoff, Protonen miteinander

00:44:50.479 --> 00:44:52.679
<v Thomas Klingner>fusionieren, das passiert im Inneren der Sonne.

00:44:52.799 --> 00:44:56.019
<v Thomas Klingner>Wir sprachen darüber, da brauchen wir äußerst extreme Bedingungen und man muss

00:44:56.019 --> 00:44:57.599
<v Thomas Klingner>auch wirklich richtig lange warten dafür.

00:44:58.943 --> 00:45:05.883
<v Thomas Klingner>Die Fusion von Deuterium und Tritium ist um 30 Größenordnungen wahrscheinlicher.

00:45:06.403 --> 00:45:09.623
<v Thomas Klingner>Und damit ist es dann das Naheliegende, damit mal anzufangen,

00:45:09.883 --> 00:45:12.663
<v Thomas Klingner>bevor man sich mit Fusion von Wasserstoff beschäftigt.

00:45:12.683 --> 00:45:13.863
<v Tim Pritlove>Aber wo kommen denn dann die Neutronen her?

00:45:14.903 --> 00:45:19.443
<v Thomas Klingner>Naja, das ist einfach die atomare Struktur. Also Deuterium ist einfach ein Element,

00:45:19.663 --> 00:45:21.923
<v Thomas Klingner>was auf der Erde auch verfügbar ist.

00:45:22.023 --> 00:45:24.643
<v Thomas Klingner>Das ist zu einem kleinen Prozentsatz einfach im Wasser enthalten.

00:45:25.263 --> 00:45:26.663
<v Thomas Klingner>Also Deuterium kann man so kaufen.

00:45:28.363 --> 00:45:31.383
<v Thomas Klingner>Mit tritium müsste das eigentlich auch der fall sein also ist

00:45:31.383 --> 00:45:34.063
<v Thomas Klingner>grundsätzlich auch so der fall hat aber einen

00:45:34.063 --> 00:45:38.823
<v Thomas Klingner>ärgerlichen nebeneffekt der tritium also tritium da ist der atomkern nicht mehr

00:45:38.823 --> 00:45:45.203
<v Thomas Klingner>stabil der zerfällt nach einer mittleren zeit von zwölf jahren 12,3 jahren das

00:45:45.203 --> 00:45:49.463
<v Thomas Klingner>heißt es gibt keine tritium vorräte weil das immer wieder alles zerfallen was

00:45:49.463 --> 00:45:52.063
<v Thomas Klingner>was was erzeugt wird es muss also immer wieder erzeugt werden,

00:45:53.560 --> 00:45:56.440
<v Thomas Klingner>Aber das sind eben halt die beiden Wasserstoffvarianten, die dann,

00:45:56.580 --> 00:45:59.220
<v Thomas Klingner>wenn sie verschmolzen werden, dann kommt tatsächlich dann das Helium raus.

00:45:59.920 --> 00:46:04.360
<v Thomas Klingner>Wenn man das mit dem eigentlichen Wasserstoff macht, wie im Inneren der Sonne,

00:46:04.440 --> 00:46:06.680
<v Thomas Klingner>dann braucht man einen mehrstufigen Prozess dafür.

00:46:06.940 --> 00:46:10.100
<v Thomas Klingner>Das ist der sogenannte Proton-Proton-Zyklus, da gibt es noch mehrere Zwischenschritte

00:46:10.100 --> 00:46:11.600
<v Thomas Klingner>und am Ende kommt trotzdem Helium raus.

00:46:12.160 --> 00:46:18.420
<v Thomas Klingner>Aber direkt aus zwei Protonen macht man kein Helium. Deshalb muss ich da intervenieren.

00:46:18.420 --> 00:46:28.460
<v Tim Pritlove>Ja, ist ja in Ordnung. Das heißt, was wird jetzt sozusagen zum Plasma gebracht?

00:46:28.680 --> 00:46:30.160
<v Tim Pritlove>Das ist aber erstmal normaler Wasserstoff.

00:46:30.260 --> 00:46:35.720
<v Thomas Klingner>Richtig. Aus dem Betrieb von normalem Wasserstoff kann man einfach fast alles schon lernen.

00:46:36.400 --> 00:46:40.120
<v Thomas Klingner>Denn wir machen hier keine Fusionsforschung mit dem Fusionsprozess.

00:46:40.260 --> 00:46:43.400
<v Thomas Klingner>Der ist gut bekannt. Da gibt es nicht viel zu erforschen. Der ist tabelliert.

00:46:43.820 --> 00:46:47.060
<v Thomas Klingner>Kennt man alles. Da brauchen wir nichts rausfinden. Wir brauchen hier nicht

00:46:47.060 --> 00:46:55.220
<v Thomas Klingner>zum x-ten Mal Deutem und Tritium aufeinander zu schießen, um das zu fusionieren.

00:46:55.400 --> 00:46:57.240
<v Thomas Klingner>Also das ist alles schon gemacht, ist abgehakt.

00:46:57.860 --> 00:47:02.440
<v Thomas Klingner>Sondern das, was schwierig ist, ist der Plasmazustand. Also die Beherrschung

00:47:02.440 --> 00:47:05.720
<v Thomas Klingner>des Plasmazustandes und um auf das Gesagte zurückzukommen,

00:47:06.300 --> 00:47:12.400
<v Thomas Klingner>die Kunst der Wärmeisolation, also wie man das Magnetfeld so einrichtet,

00:47:12.620 --> 00:47:16.740
<v Thomas Klingner>dass man das Plasma überhaupt heiß bekommt in einer unserer kalten Umgebung.

00:47:17.200 --> 00:47:20.740
<v Thomas Klingner>Dieses dünne Gas, dass man das so heiß bekommt, das ist die Kunst.

00:47:20.880 --> 00:47:23.020
<v Thomas Klingner>Und das kann man super mit normalen Wasserstoff machen.

00:47:23.260 --> 00:47:25.940
<v Thomas Klingner>Da braucht man kein Deuterium, da braucht man kein Tritium dazu.

00:47:27.220 --> 00:47:32.500
<v Thomas Klingner>Ganz subtil, später gibt es dann schon wieder Unterschiede. Da reden wir dann vom Isotopeneffekt.

00:47:33.660 --> 00:47:39.060
<v Thomas Klingner>Aber ein Schritt nach dem anderen. Also wenn man die ganze Übung mit Wasserstoff

00:47:39.060 --> 00:47:40.820
<v Thomas Klingner>gemacht hat und wenn man das gut im Griff hat,

00:47:42.018 --> 00:47:45.418
<v Thomas Klingner>Das ist auch auf unserem Plan und dafür ist die Maschine auch gebaut.

00:47:45.618 --> 00:47:49.938
<v Thomas Klingner>Dann werden wir das Gleiche nochmal mit Deuterium machen, um zu sehen,

00:47:50.058 --> 00:47:53.338
<v Thomas Klingner>was sind denn tatsächlich die feinen Unterschiede. Aber es sind feine Unterschiede.

00:47:53.598 --> 00:47:56.158
<v Thomas Klingner>Der Teufel steckt immer im Detail, aber es ist der Schritt zwei.

00:47:56.838 --> 00:48:02.058
<v Tim Pritlove>Genau, wir sind ja noch mitten in der Entwicklung und es gibt sozusagen das Fernziel,

00:48:02.318 --> 00:48:07.778
<v Tim Pritlove>die Fusion tatsächlich durchzuführen, dann eben entsprechend aus der daraus

00:48:07.778 --> 00:48:13.138
<v Tim Pritlove>erzeugten Wärme dann andere Energieformen daraus zu erzeugen,

00:48:13.218 --> 00:48:14.298
<v Tim Pritlove>mit Turbinen oder was auch immer.

00:48:15.678 --> 00:48:21.258
<v Tim Pritlove>Aber wir befinden uns noch auf dem Weg dahin und derzeit befinden wir uns an

00:48:21.258 --> 00:48:22.858
<v Tim Pritlove>der Stelle, wenn ich es richtig verstanden habe,

00:48:23.918 --> 00:48:29.418
<v Tim Pritlove>alles herauszufinden, was eben erstmal diesen definierten Zustand des Plasmas

00:48:29.418 --> 00:48:35.158
<v Tim Pritlove>erreichen und erhalten kann, um dann, wenn man sich sicher ist,

00:48:35.258 --> 00:48:37.418
<v Tim Pritlove>dass das funktioniert, den nächsten Schritt gehen zu können.

00:48:37.458 --> 00:48:38.438
<v Thomas Klingner>Genau, wir müssen erstmal,

00:48:41.278 --> 00:48:44.458
<v Thomas Klingner>den Materiezustand schaffen. Stabil.

00:48:46.020 --> 00:48:54.540
<v Thomas Klingner>Wir müssen es schaffen, den stabil herzustellen, unter dem Fusion effizient stattfindet.

00:48:55.280 --> 00:49:00.760
<v Thomas Klingner>Denn wie ich sagte, ein bisschen Fusion passiert immer, aber man muss den Materiezustand

00:49:00.760 --> 00:49:04.680
<v Thomas Klingner>so hinbekommen, dass möglichst viel Fusion passiert. Das ist das Ziel.

00:49:04.960 --> 00:49:07.640
<v Thomas Klingner>Etwas Fusion ist einfach, viel Fusion ist schwierig.

00:49:08.080 --> 00:49:11.920
<v Thomas Klingner>Für viel Fusion braucht man ganz genau definierte Parameter,

00:49:12.040 --> 00:49:16.260
<v Thomas Klingner>die zu diesem Materiezustand gehören. Also allem voran die Teilchendichte,

00:49:16.380 --> 00:49:19.080
<v Thomas Klingner>Teilchen pro Kubikmeter und die Temperatur.

00:49:19.640 --> 00:49:25.460
<v Thomas Klingner>Und dann die Kunst, das in einer kalten Umgebung unserer Welt herzustellen,

00:49:25.640 --> 00:49:28.500
<v Thomas Klingner>stabil, zuverlässig, kontrolliert.

00:49:30.140 --> 00:49:35.920
<v Tim Pritlove>Dann kommen wir noch mal auf das konkrete Design des Stellarator Maschine.

00:49:36.360 --> 00:49:41.260
<v Tim Pritlove>Ich habe mir das auch gerade mal angeschaut, sehr beeindruckende Technikinstallation.

00:49:41.640 --> 00:49:46.360
<v Tim Pritlove>Glaube ich, fast eine der größten Maschinen, die es vielleicht gibt, oder?

00:49:47.000 --> 00:49:49.580
<v Thomas Klingner>Das ist eine der zehn großen auf der Welt, ja.

00:49:50.920 --> 00:50:00.400
<v Tim Pritlove>Ein fetter Apparat mit 16 Metern Durchmesser hat man also diesen Ring und um

00:50:00.400 --> 00:50:04.240
<v Tim Pritlove>dieses Magnetfeld zu erzeugen,

00:50:04.340 --> 00:50:09.300
<v Tim Pritlove>in dem das Plasma dann vorgehalten werden soll oder auch wird schon,

00:50:10.000 --> 00:50:19.000
<v Tim Pritlove>ist also dieser große Torus, den man jetzt gebaut hat, umgeben von mehreren dieser Magnetspulen.

00:50:19.000 --> 00:50:25.060
<v Tim Pritlove>Die aber, um dann diese Verschlingung sozusagen zu erzeugen,

00:50:25.180 --> 00:50:32.260
<v Tim Pritlove>also diese Ungleichmäßigkeit zu erzeugen, auch selber ungleichmäßig geformt und angeordnet sind.

00:50:34.797 --> 00:50:40.717
<v Thomas Klingner>Ja, die ganze Kunst steckt in den Magneten drin. Denn die Ausführung der Magneten,

00:50:40.817 --> 00:50:45.157
<v Thomas Klingner>die Geometrie dieser Elektromagnete bestimmt die Geometrie des Magnetfeldes.

00:50:45.557 --> 00:50:51.317
<v Thomas Klingner>Und das musste man auch bitter lernen in der Physik, dass es auf die Geometrie

00:50:51.317 --> 00:50:52.997
<v Thomas Klingner>des Magnetfeldes wirklich ankommt.

00:50:53.457 --> 00:50:57.857
<v Thomas Klingner>Also in den Frühzeiten dieser Stellarator-Konfiguration, dieser Stellarator-Maschinen,

00:50:58.017 --> 00:51:00.397
<v Thomas Klingner>hat man das ein bisschen ad hoc gemacht.

00:51:00.637 --> 00:51:04.657
<v Thomas Klingner>Das heißt, man hat einfach ein ringförmiges, torusförmiges Magnetfeld.

00:51:05.317 --> 00:51:08.257
<v Thomas Klingner>Erzeugt so erstmal als basis genommen

00:51:08.257 --> 00:51:11.397
<v Thomas Klingner>und dann ja jetzt müssen wir diese verdrillung noch machen und

00:51:11.397 --> 00:51:14.317
<v Thomas Klingner>hat man einfach so eine helix reingepackt nicht oder eine doppel

00:51:14.317 --> 00:51:17.917
<v Thomas Klingner>helix und der helischen sachen hat man reingepackt das war einfach dafür gab

00:51:17.917 --> 00:51:22.637
<v Thomas Klingner>es keinen physikgrund sondern müssen es irgendwie verdrehen das war so im prinzip

00:51:22.637 --> 00:51:26.817
<v Thomas Klingner>diese der der ansatz schon ein bisschen intelligenter aber eigentlich ein bisschen

00:51:26.817 --> 00:51:32.357
<v Thomas Klingner>schuss ins blaue und das war eher eine enttäuschung also das heißt da war die

00:51:32.357 --> 00:51:33.837
<v Thomas Klingner>Wärmeisolation wirklich schlecht,

00:51:34.177 --> 00:51:40.497
<v Thomas Klingner>also viel schlechter als bei dem Tokamak-Prinzip, wo man sich immer so vergleichen durfte,

00:51:40.937 --> 00:51:45.377
<v Thomas Klingner>weil die sehr ähnlich sind, macht man natürlich den direkten Nachbarn zum Vergleich, guckt darüber.

00:51:46.497 --> 00:51:49.857
<v Thomas Klingner>Und beim Tokamak hat man einfach viel bessere Wärmeisolationen beobachtet und

00:51:49.857 --> 00:51:52.897
<v Thomas Klingner>damit viel höhere Temperaturen und hat sich also diesem Ziel,

00:51:53.117 --> 00:51:58.357
<v Thomas Klingner>dieser 100 Millionen Grad, dieser berühmten schon viel stärker angenähert und

00:51:58.357 --> 00:51:59.637
<v Thomas Klingner>damit war es erstmal eine Enttäuschung.

00:52:00.804 --> 00:52:04.764
<v Thomas Klingner>Und diese Enttäuschung saß tief, die saß so tief, dass viele Labors auf der

00:52:04.764 --> 00:52:07.524
<v Thomas Klingner>Welt gesagt haben, aus irgendwelchen Gründen ist das Mist, wir haben es nicht

00:52:07.524 --> 00:52:10.204
<v Thomas Klingner>verstanden warum, aber wir lassen das mal.

00:52:11.064 --> 00:52:15.964
<v Thomas Klingner>Und haben sich einfach auf den Gewinner Pfad begeben und Tokamaks gebaut,

00:52:16.204 --> 00:52:18.264
<v Thomas Klingner>weil der einfach auch gut lief.

00:52:19.084 --> 00:52:23.904
<v Thomas Klingner>Und dann sagen, warum sollen wir jetzt unsere Arbeitskraft verbrennen an irgendetwas,

00:52:24.004 --> 00:52:25.164
<v Thomas Klingner>was nicht ordentlich läuft.

00:52:27.044 --> 00:52:30.664
<v Thomas Klingner>Eigentlich sind so zwei große Gruppen am Ball geblieben.

00:52:30.904 --> 00:52:37.064
<v Thomas Klingner>Es gab noch ein paar andere, die auch mitbetrieben haben, aber zwei große Gruppen.

00:52:37.164 --> 00:52:42.744
<v Thomas Klingner>Das ist ein großes Institut in Japan und halt unser Institut.

00:52:44.028 --> 00:52:50.508
<v Thomas Klingner>Und bei uns wurde so ein bisschen grüblerisch sich auch die Frage gestellt,

00:52:50.588 --> 00:52:51.708
<v Thomas Klingner>woran liegt das eigentlich?

00:52:52.068 --> 00:52:56.808
<v Thomas Klingner>Und da ist eine ganze Forschergeneration reingegangen in dieses drüber brüten

00:52:56.808 --> 00:53:02.708
<v Thomas Klingner>und dieses Nachschöpfen, was eigentlich die Gründe für diese Enttäuschung sind.

00:53:02.708 --> 00:53:06.348
<v Thomas Klingner>Also warum ist der Stellerator schlecht? Das war die entscheidende Frage.

00:53:06.768 --> 00:53:10.268
<v Thomas Klingner>Und das ist so Schritt für Schritt gelungen, das so zu verstehen,

00:53:10.688 --> 00:53:13.548
<v Thomas Klingner>also was wirklich mit diesen individuellen Teilchen passiert,

00:53:13.768 --> 00:53:15.508
<v Thomas Klingner>also warum die entkommen können.

00:53:15.768 --> 00:53:17.808
<v Thomas Klingner>Denn jeder Wärmeverlust ist am Ende ein Entkommen.

00:53:18.208 --> 00:53:20.828
<v Thomas Klingner>Das Transport, wir nennen das dann ja Physiktransport.

00:53:21.228 --> 00:53:23.308
<v Thomas Klingner>Woher kommen diese Transportprozesse?

00:53:23.868 --> 00:53:26.468
<v Thomas Klingner>Wenn man es dann verstanden hat, dann ist der nächste Schritt,

00:53:26.568 --> 00:53:29.308
<v Thomas Klingner>dass man sich überlegen kann, wie kann man das heilen.

00:53:30.548 --> 00:53:32.928
<v Thomas Klingner>Und dann ist so Schritt für Schritt sind diese ganzen Nachteile,

00:53:32.948 --> 00:53:36.688
<v Thomas Klingner>die der Stellarator einfach bei dieser Ad-Hoc-Magnetfeldkonfiguration hat,

00:53:36.868 --> 00:53:42.628
<v Thomas Klingner>sind geheilt worden, indem man das Magnetfeld in seiner Form angepasst hat.

00:53:42.988 --> 00:53:46.948
<v Thomas Klingner>Das heißt also, die Krümmung der Magnetfeldlinien, auch wie dicht die liegen,

00:53:47.068 --> 00:53:50.088
<v Thomas Klingner>also die Stärke des Magnetfeldes, wie die Stärke variieren muss,

00:53:50.088 --> 00:53:54.188
<v Thomas Klingner>Das hat man dann immer mithilfe von numerischen Codes immer weiter so justiert,

00:53:54.388 --> 00:53:56.788
<v Thomas Klingner>dass es zu dem Plasma passte,

00:53:57.048 --> 00:53:59.128
<v Thomas Klingner>dass also dieser Transport verringert wurde.

00:54:00.068 --> 00:54:03.608
<v Thomas Klingner>Und wenn man dann die Geometrie hat, dann rechnet man rückwärts die Spulen aus.

00:54:05.192 --> 00:54:08.432
<v Thomas Klingner>Also das heißt, die Spulen, die sehen ein bisschen merkwürdig aus,

00:54:08.572 --> 00:54:12.452
<v Thomas Klingner>wenn man die jetzt so anguckt, so im Bild anschaut, aber die sind genau so,

00:54:12.572 --> 00:54:13.632
<v Thomas Klingner>wie die Physik sie haben will.

00:54:14.172 --> 00:54:16.992
<v Tim Pritlove>Sie sehen so ein bisschen aus wie so verbogene Karabinerhaken.

00:54:17.132 --> 00:54:20.652
<v Thomas Klingner>Ja, ich würde manchmal gefragt, ob die vom Laster gefallen sind oder ob da noch

00:54:20.652 --> 00:54:24.472
<v Thomas Klingner>jemand dann dreimal rübergefahren ist, aber nein, das ist die natürlichste Form,

00:54:24.912 --> 00:54:26.632
<v Thomas Klingner>also wirklich eine evolutionäre Form.

00:54:26.632 --> 00:54:33.572
<v Tim Pritlove>Ja, also eine Form, die, wenn man sie halt jetzt um diesen Torus herum arrangiert,

00:54:33.912 --> 00:54:38.392
<v Tim Pritlove>diese Verdrehung des Magnetfelds im Prinzip so nachbildet, also man hat es quasi

00:54:38.392 --> 00:54:44.412
<v Tim Pritlove>mathematisch vom Ziel her in die Form zurückgerechnet, wenn ich es richtig verstehe.

00:54:45.412 --> 00:54:51.172
<v Tim Pritlove>Und diese Magnetfelder müssen aber auch extrem stark sein, damit sie halt bis

00:54:51.172 --> 00:54:53.352
<v Tim Pritlove>in die Mitte reinwirken.

00:54:54.532 --> 00:54:57.492
<v Thomas Klingner>Nein, das geht gar nicht um das bis in die Mitte reinwirken.

00:54:57.672 --> 00:55:00.812
<v Thomas Klingner>Also in der Tat ist das Magnetfeld auf der Spule stärker als im Zentrum.

00:55:01.372 --> 00:55:06.392
<v Thomas Klingner>Also das heißt, da hat man schon auch eine Variation von dem Ausgangspunkt des

00:55:06.392 --> 00:55:09.832
<v Thomas Klingner>Magnetfeldes zu dem Ort, wo das Plasma dann auch so sitzt oder den größeren

00:55:09.832 --> 00:55:10.912
<v Thomas Klingner>Teil des Volumens, wo es sitzt.

00:55:10.912 --> 00:55:15.852
<v Thomas Klingner>Aber man muss das Magnetfeld insgesamt einfach stark genug machen,

00:55:16.072 --> 00:55:26.452
<v Thomas Klingner>dass die geladenen Teilchen wirklich effizient an die Magnetfeldlinien gebunden sind.

00:55:28.883 --> 00:55:34.983
<v Thomas Klingner>Denn das Magnetfeld wäre das geringer, wäre diese Bindung an die Magnetfeldlinien

00:55:34.983 --> 00:55:36.903
<v Thomas Klingner>schwächer, so kann man sich das vorstellen.

00:55:37.163 --> 00:55:39.743
<v Thomas Klingner>Und auch das geht wieder auf Kosten der Wärmeisolation.

00:55:40.183 --> 00:55:45.003
<v Thomas Klingner>Also die Wärmeisolation wird besser und wird systematisch besser mit höherem Magnetfeld.

00:55:47.603 --> 00:55:49.523
<v Tim Pritlove>Also müssen die Magnetfelder stark sein?

00:55:49.523 --> 00:55:53.983
<v Thomas Klingner>Also müssen sie stark sein, weil es geht alles um die möglichst hohe Wärmeisolation,

00:55:54.223 --> 00:55:58.323
<v Thomas Klingner>die alleine dem Zweck dient, dass man die Temperaturen erreichen kann,

00:55:58.463 --> 00:56:01.143
<v Thomas Klingner>die man braucht, damit Fusion effizient stattfindet.

00:56:01.343 --> 00:56:04.583
<v Tim Pritlove>Aber wenn man jetzt ein starkes Magnetfeld braucht, muss man wiederum sehr viel

00:56:04.583 --> 00:56:10.763
<v Tim Pritlove>Energie in diese Spulen reinschicken, die ja dann wahrscheinlich auch wiederum ziemlich warm werden.

00:56:11.163 --> 00:56:14.983
<v Thomas Klingner>Ja, und das ist ganz blöd. Also da kommt man recht...

00:56:15.003 --> 00:56:18.243
<v Thomas Klingner>Relativ schnell zum Schluss, dass man mehr Energie für die Spulen braucht,

00:56:18.323 --> 00:56:20.563
<v Thomas Klingner>als man jemals rausbekommen würde. Und da ist es wieder nichts,

00:56:20.663 --> 00:56:21.883
<v Thomas Klingner>was man gebrauchen kann.

00:56:24.383 --> 00:56:29.623
<v Thomas Klingner>Weshalb der vernünftige Weg ist, und das ist eigentlich banal dieser Weg,

00:56:29.803 --> 00:56:32.463
<v Thomas Klingner>ist, dass man den wohlbekannten Effekt der Superleitung nimmt.

00:56:34.380 --> 00:56:37.660
<v Thomas Klingner>Superleitung ist ja nun auch schon ein uraltes Phänomen der Physik.

00:56:38.060 --> 00:56:40.780
<v Thomas Klingner>Also schon ein bisschen her, dass wir es 100 Jahre gefeiert haben.

00:56:41.680 --> 00:56:46.620
<v Thomas Klingner>Es gibt eben Materialien, Legierungen vor allem, metallische Legierungen,

00:56:46.680 --> 00:56:51.700
<v Thomas Klingner>aber inzwischen auch keramische Materialien, die unter kalten Bedingungen supraleitend werden.

00:56:52.020 --> 00:56:55.340
<v Thomas Klingner>Das heißt also einen elektrischen Strom völlig ohne Widerstand leiten.

00:56:56.820 --> 00:57:02.160
<v Thomas Klingner>Und eine supraleitende Spule, also ein Elektromagnet, ein supraleitender Elektromagnet,

00:57:02.160 --> 00:57:07.180
<v Thomas Klingner>funktioniert am Ende so, dass man den Strom dort hineinschickt und der fließt

00:57:07.180 --> 00:57:08.420
<v Thomas Klingner>ohne elektrischen Widerstand.

00:57:08.720 --> 00:57:10.600
<v Thomas Klingner>Das heißt, er fließt, bis man ihn wieder rausnimmt.

00:57:11.640 --> 00:57:15.420
<v Thomas Klingner>Damit ist dieser Magnet am Ende nicht unterscheidbar von einem Permanentmagneten.

00:57:15.620 --> 00:57:20.720
<v Thomas Klingner>Er sitzt dort und erzeugt einfach das Magnetfeld und erzeugt weder Wärme noch

00:57:20.720 --> 00:57:25.760
<v Thomas Klingner>Braucherenergie, weil der Strom ohne elektrischen Widerstand fließt.

00:57:26.200 --> 00:57:30.740
<v Thomas Klingner>Und ein Magnet braucht ja nur dann Energie, wenn der elektrische Strom in Wärme

00:57:30.740 --> 00:57:33.560
<v Thomas Klingner>umgewandelt wird, die auch lästig ist, die man abführen muss,

00:57:33.620 --> 00:57:34.640
<v Thomas Klingner>die man auch gar nicht haben wollte.

00:57:35.440 --> 00:57:39.700
<v Thomas Klingner>Also insofern der Weg zu gehen ist Supraleitung. Und unsere Magnete,

00:57:39.860 --> 00:57:42.040
<v Thomas Klingner>also unsere 70 Magnete, sind alle Supraleiten.

00:57:42.860 --> 00:57:47.140
<v Thomas Klingner>Das superleitende Material ist ein alter Klassiker, einer der ältesten Supraleiter,

00:57:47.260 --> 00:57:49.560
<v Thomas Klingner>die so der technischen Verwendung sind, Niob-Titan.

00:57:50.020 --> 00:57:55.540
<v Thomas Klingner>Und Niob-Titan ist bei minus 270 Grad Celsius, also bei 3 Kelvin,

00:57:55.860 --> 00:57:57.540
<v Thomas Klingner>sehr zuverlässig Supraleitend.

00:57:59.732 --> 00:58:06.292
<v Tim Pritlove>Das ist ja dann ganz einfach. Da muss man ja nur auf drei Kelvin runterkühlen,

00:58:07.092 --> 00:58:14.272
<v Tim Pritlove>während man ein paar Meter entfernt davon ein Plasma extrem heiß haben möchte.

00:58:14.272 --> 00:58:18.732
<v Thomas Klingner>Das ist nicht das Problem. Denn die Spulen sehen das Plasma ja gar nicht.

00:58:19.112 --> 00:58:22.992
<v Thomas Klingner>Die wissen gar nicht, dass da ein Plasma ist. Das ist den Spulen auch völlig egal.

00:58:23.912 --> 00:58:27.892
<v Thomas Klingner>Das ist erstens ganz wenig Materie, zweitens ist die ewig weit weg.

00:58:28.112 --> 00:58:31.732
<v Thomas Klingner>Die ist ja auch sogar richtig physisch abgetrennt durch das Vakuumgefäß.

00:58:31.812 --> 00:58:35.012
<v Thomas Klingner>Das Plasma wohnt ja in einem Stahlgefäß, was zunächst evakuiert wird,

00:58:35.092 --> 00:58:38.852
<v Thomas Klingner>sonst könnte man ja gar nicht so ein dünnes Gas dort drin einleiten und betreiben.

00:58:38.852 --> 00:58:41.032
<v Tim Pritlove>Also die anderen Gase müssen sozusagen weg sein.

00:58:41.132 --> 00:58:44.012
<v Thomas Klingner>Also man erzeugt erstmal ein Ultrahochvakuum, also quasi ein Nix.

00:58:44.252 --> 00:58:49.492
<v Thomas Klingner>Und dort leitet man dieses hunderttausendfach verdünnte Wasserstoffgas ein.

00:58:49.872 --> 00:58:54.952
<v Thomas Klingner>Und dieses Gefäß, also die Magnete befinden sich außerhalb dieses Gefäßes.

00:58:55.872 --> 00:58:58.992
<v Thomas Klingner>Das heißt also aus der Magnetperspektive, wenn ich jetzt so ein Magnet wäre,

00:58:59.732 --> 00:59:05.072
<v Thomas Klingner>keine Ahnung, was in mir da passiert, ist mir auch egal. Ich erzeuge mein Magnetfeld.

00:59:05.752 --> 00:59:08.092
<v Thomas Klingner>Also das heißt, den Magneten ist das Plasma völlig egal.

00:59:10.212 --> 00:59:11.732
<v Thomas Klingner>Allemal in erster und zweiter Ordnung.

00:59:13.652 --> 00:59:17.812
<v Tim Pritlove>Trotzdem muss man ja irgendwie noch mal die Wärme auch in dieses Plasma hineinbekommen,

00:59:17.892 --> 00:59:18.772
<v Tim Pritlove>weil sonst wird es ja nicht heiß.

00:59:18.912 --> 00:59:21.792
<v Thomas Klingner>Also komplett entkoppelt voneinander. Das hat nichts mit den Magneten zu tun.

00:59:22.272 --> 00:59:27.352
<v Thomas Klingner>Also die Magnete müssen auf minus 270 Grad runtergekühlt werden und es ist trotzdem

00:59:27.352 --> 00:59:31.392
<v Thomas Klingner>nicht einfach, aber es hat nichts mit dem Plasma zu tun, sondern es hat damit zu tun,

00:59:32.052 --> 00:59:35.792
<v Thomas Klingner>dass unsere Welt, unsere Umgebung nicht bei minus 270 Grad ist,

00:59:35.792 --> 00:59:39.732
<v Thomas Klingner>sondern dass wir unsere Raumtemperatur 20, 30 Grad haben, so rundherum.

00:59:40.232 --> 00:59:43.532
<v Thomas Klingner>Das heißt also, wir müssen von unserer Raumtemperatur auf diese minus 270 Grad

00:59:43.532 --> 00:59:47.752
<v Thomas Klingner>runterkommen und wir müssen dann eben sehr scharf unterscheiden zwischen der

00:59:47.752 --> 00:59:50.792
<v Thomas Klingner>warmen Welt, das ist einfach unsere Welt, nicht die Welt des Plasmas,

00:59:50.912 --> 00:59:54.192
<v Thomas Klingner>sondern die menschliche Welt, das ist die warme Welt und die kalte Welt,

00:59:54.332 --> 00:59:55.332
<v Thomas Klingner>das ist die Welt der Spulen.

00:59:56.957 --> 01:00:01.417
<v Thomas Klingner>Deswegen befinden sich diese Spulen wiederum in einem Vakuum,

01:00:02.097 --> 01:00:07.637
<v Thomas Klingner>was wir zwischen dem Plasmagefäß und dem Außengefäß aufbauen.

01:00:08.937 --> 01:00:12.977
<v Thomas Klingner>Damit sind die wiederum wärmeisoliert. Wenn man in einem Vakuum drin sitzt,

01:00:13.057 --> 01:00:17.197
<v Thomas Klingner>da hat man keine Wärmeverbindung zu unserer warmen Welt, zu unserer menschlichen warmen Welt.

01:00:17.297 --> 01:00:21.317
<v Thomas Klingner>Das heißt, das muss man auch erstmal wieder entkoppeln, also nochmal in Isolationsaufgabe, aber anders.

01:00:22.337 --> 01:00:25.177
<v Thomas Klingner>Und zweitens müssen die Magnete natürlich aktiv gekühlt werden.

01:00:25.177 --> 01:00:27.617
<v Thomas Klingner>Denn zunächst beginnen die mit Raumtemperatur.

01:00:27.797 --> 01:00:31.857
<v Thomas Klingner>Also wenn die so einfach da stehen, jetzt, wo sie das Ding besucht haben,

01:00:31.957 --> 01:00:33.697
<v Thomas Klingner>haben die Raumtemperatur.

01:00:34.437 --> 01:00:39.677
<v Thomas Klingner>Und dann dafür benutzt man einen Kühlschrank. Was also nicht anders ist als

01:00:39.677 --> 01:00:44.897
<v Thomas Klingner>das raumwarme Bier, was man eben halt gerne etwas kälter haben würde.

01:00:44.977 --> 01:00:48.057
<v Thomas Klingner>Dafür benutzt man auch einen Kühlschrank. Nur ist unser Kühlschrank ein bisschen größer.

01:00:49.677 --> 01:00:52.537
<v Thomas Klingner>Das Kühlmittel ist flüssiges Helium.

01:00:52.537 --> 01:00:55.957
<v Thomas Klingner>Also Heliumgas, was dann eben in den flüssigen Zustand gebracht wird.

01:00:56.057 --> 01:01:00.617
<v Thomas Klingner>Und flüssiges Helium ist so in diesem Bereich von minus 72 Grad,

01:01:00.717 --> 01:01:03.197
<v Thomas Klingner>3 Kelvin, da kann man das ganz gut so betreiben.

01:01:03.797 --> 01:01:09.177
<v Thomas Klingner>Und wir beginnen also mit Heliumgas und nach dem alten Kühlschrankprinzip,

01:01:09.677 --> 01:01:13.437
<v Thomas Klingner>das heißt also diesem Expansions- und Verdichtungsprinzip, wie im Kühlschrank

01:01:13.437 --> 01:01:18.337
<v Thomas Klingner>halt so funktioniert, wird dieses Heliumgas dann immer weiter runtergekühlt, bis es flüssig wird.

01:01:18.397 --> 01:01:21.657
<v Thomas Klingner>Und dieses flüssige Helium zirkuliert dann in den Spulen und kühlt die Spulen

01:01:21.657 --> 01:01:26.397
<v Thomas Klingner>auf die niedrige Temperatur, auf diese Minus 270 Grad ab, die erforderlich sind,

01:01:26.697 --> 01:01:30.457
<v Thomas Klingner>damit die Spulen superleitend sind. Sonst ist Niob Titan nicht superleitend.

01:01:31.157 --> 01:01:33.717
<v Thomas Klingner>Das ist im ganzen Gegenteil, ein ganz schrecklich schlechter Leiter.

01:01:36.477 --> 01:01:40.637
<v Tim Pritlove>Wie lange dauert das, bis man das so kalt kriegt bei diesem Riesenapparat?

01:01:40.757 --> 01:01:41.997
<v Tim Pritlove>Ich meine, es ist ja eine ganze Menge Zeug.

01:01:42.217 --> 01:01:44.577
<v Thomas Klingner>Wenn alles gut geht, vier bis sechs Wochen.

01:01:45.077 --> 01:01:46.097
<v Tim Pritlove>Vier bis sechs Wochen.

01:01:46.457 --> 01:01:50.897
<v Thomas Klingner>Na gut, das sind 430 Tonnen,

01:01:51.718 --> 01:01:56.518
<v Thomas Klingner>Material, die runtergekühlt werden müssen von Raumtemperatur auf minus 270 Grad, das dauert halt.

01:01:56.718 --> 01:02:00.018
<v Tim Pritlove>Ja okay, nur dass man sich das mal vorstellt, das ist jetzt nicht so eine Maschine,

01:02:00.038 --> 01:02:04.038
<v Tim Pritlove>die man so einschaltet wie einen Kühlschrank, nach einer halben Stunde passt das schon irgendwie,

01:02:04.518 --> 01:02:08.598
<v Tim Pritlove>sondern bei dieser Dimension und dieser Menge an Material, die hier zum Einsatz

01:02:08.598 --> 01:02:13.218
<v Tim Pritlove>kommt, ist das ein Prozess, den man mal nicht eben mal für den Tag einschaltet,

01:02:13.478 --> 01:02:14.958
<v Tim Pritlove>sondern das ist eher so eine Phase.

01:02:14.958 --> 01:02:18.258
<v Tim Pritlove>Also wenn man hier beschließt, wir wollen das Ding jetzt mal wirklich auch wieder

01:02:18.258 --> 01:02:22.578
<v Tim Pritlove>in Betrieb nehmen und real Experimente durchführen und den ganzen Prozess überwachen,

01:02:22.738 --> 01:02:29.838
<v Tim Pritlove>ist das so ein längerer Zeitraum, um das überhaupt erstmal zu erreichen.

01:02:30.618 --> 01:02:34.918
<v Tim Pritlove>Allein schon nur, um diese Spulen runter zu kühlen, ist vielleicht noch nicht mal das Einzige.

01:02:34.918 --> 01:02:38.058
<v Thomas Klingner>Das ist nicht das Einzige. Insgesamt brauchen wir sowas wie fünf Monate,

01:02:38.078 --> 01:02:42.338
<v Thomas Klingner>um die Maschine betriebsbereit zu machen, wenn man alles zusammenrechnet.

01:02:43.378 --> 01:02:47.018
<v Thomas Klingner>Aber das Abkühlen ist ein großer Prozess, weil der ist einfach auch gegeben

01:02:47.018 --> 01:02:47.958
<v Thomas Klingner>durch die schiere Masse.

01:02:48.378 --> 01:02:54.718
<v Thomas Klingner>Die schiere Masse, die runter zu kühlen ist und die Kühlkapazität unseres Kühlschranks.

01:02:54.718 --> 01:02:58.498
<v Thomas Klingner>Der Kühlschrank hat auch schon eine satte elektrische Anschlussleistung von

01:02:58.498 --> 01:03:03.458
<v Thomas Klingner>so etwa zwei Megawatt, die dann eben halt auch Tag und Nacht verbraucht werden.

01:03:03.618 --> 01:03:05.478
<v Thomas Klingner>Also die Stromrechnung ist auch nicht ganz ohne.

01:03:06.558 --> 01:03:10.218
<v Tim Pritlove>Ja, also derzeit macht man hier noch keinen Energiegewinn. Gehen wir vielleicht

01:03:10.218 --> 01:03:13.478
<v Tim Pritlove>auch mal diesen Prozess durch, weil ich finde das glaube ich ganz interessant.

01:03:13.478 --> 01:03:16.998
<v Tim Pritlove>Daran kann man ja dann auch sehen, was letzten Endes jetzt wirklich passiert.

01:03:16.998 --> 01:03:19.638
<v Tim Pritlove>Also sagen wir mal jetzt, morgen geht es los,

01:03:20.378 --> 01:03:26.618
<v Tim Pritlove>alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, alle Warnsignale sind ausgeschaltet,

01:03:27.218 --> 01:03:33.578
<v Tim Pritlove>jetzt schaltet man erstmal sozusagen den Kühlschrank ein und sorgt dafür,

01:03:34.618 --> 01:03:40.998
<v Tim Pritlove>also wahrscheinlich wird erstmal das Vakuum hergestellt, also sowohl innerhalb des Vakuumes,

01:03:42.057 --> 01:03:47.677
<v Tim Pritlove>Ich weiß nicht, wie nennt man den Bereich? Plasma-Rohrs? Kann man das so nennen? Wie heißt das?

01:03:47.777 --> 01:03:49.297
<v Thomas Klingner>Wir reden von Plasmagefäß.

01:03:49.857 --> 01:03:53.117
<v Tim Pritlove>Plasmagefäß, okay. Also erstmal das Vakuum für das Plasmagefäß,

01:03:53.197 --> 01:03:59.517
<v Tim Pritlove>das Vakuum für die es umgebenden Spulen und der Kühlschrank sorgt dafür,

01:03:59.817 --> 01:04:04.777
<v Tim Pritlove>dass die Spulen runtergekühlt werden und das läuft dann eben über mehrere Wochen.

01:04:05.037 --> 01:04:10.237
<v Tim Pritlove>Was für andere Prozesse müssen noch gestartet werden, um letzten Endes eine

01:04:10.237 --> 01:04:11.797
<v Tim Pritlove>Betriebsbereitschaft herzustellen.

01:04:11.797 --> 01:04:15.417
<v Thomas Klingner>Ach, Sie haben es ja schon die Wesentlichen so genannt. Also es beginnt eben

01:04:15.417 --> 01:04:18.657
<v Thomas Klingner>erstmal mit dem Evakuieren, also mit dem Herstellen von Vakuum,

01:04:18.777 --> 01:04:20.837
<v Thomas Klingner>von Plasmagefäß und dem Ausstieggefäß.

01:04:20.897 --> 01:04:22.497
<v Tim Pritlove>Das dauert wahrscheinlich auch eine Weile, ne?

01:04:22.977 --> 01:04:25.917
<v Thomas Klingner>Ja, so ein paar Tage dauert das auch, paar Tage pumpt man da schon,

01:04:26.297 --> 01:04:27.497
<v Thomas Klingner>wenn man keine Lacks hat.

01:04:27.937 --> 01:04:28.137
<v Tim Pritlove>Ja.

01:04:28.357 --> 01:04:32.477
<v Thomas Klingner>Also passiert, dass irgendwas schief geht, dass man, wir haben sehr viele Öffnungen,

01:04:32.577 --> 01:04:36.977
<v Thomas Klingner>wir haben 500 Öffnungen, da kann das schon in dem einen wie dem anderen Gefäß

01:04:36.977 --> 01:04:39.817
<v Thomas Klingner>schon mal passieren, dass man einen Vakuum-Lack hat und was man erstmal suchen

01:04:39.817 --> 01:04:41.877
<v Thomas Klingner>muss. und so eine Lecksuche kann auch schon durchaus dauern.

01:04:42.077 --> 01:04:45.037
<v Thomas Klingner>Aber wenn alles gut geht, dann ist man in so einer Woche etwa durch.

01:04:45.957 --> 01:04:50.377
<v Thomas Klingner>Und wenn diese Vakuumbedingungen hergestellt sind, dann kann man mit dem Abkühlen

01:04:50.377 --> 01:04:51.937
<v Thomas Klingner>beginnen. Wir sprachen über das Abkühlen.

01:04:52.137 --> 01:04:56.257
<v Thomas Klingner>Also das Abkühlen von Raumtemperatur auf minus 270 Grad von dem ganzen Magnetsystem

01:04:56.257 --> 01:04:57.757
<v Thomas Klingner>und auch den ganzen Stützstrukturen.

01:04:57.817 --> 01:05:01.137
<v Thomas Klingner>Die Magnete sind ja an Stahlstützstrukturen festgeschraubt.

01:05:01.397 --> 01:05:03.497
<v Thomas Klingner>Das ist eine massive Stahlkonstruktion.

01:05:04.157 --> 01:05:05.657
<v Thomas Klingner>Alles das muss runtergekühlt werden.

01:05:06.466 --> 01:05:13.066
<v Thomas Klingner>Wenn das passiert ist, müssen wir noch das Vakuum im Plasmagefäß verbessern.

01:05:13.286 --> 01:05:20.126
<v Thomas Klingner>Das reicht uns denn noch nicht, denn das stand jetzt ja diese Tage einfach so an der Luft.

01:05:20.386 --> 01:05:23.786
<v Thomas Klingner>Also Luftfeuchtigkeit und Menschen haben drin gearbeitet.

01:05:24.106 --> 01:05:28.266
<v Thomas Klingner>Also das heißt, es muss Schmutz raus, also auch Sauerstoff muss raus,

01:05:28.406 --> 01:05:29.446
<v Thomas Klingner>Wasser, was in der Wand ist.

01:05:30.326 --> 01:05:35.986
<v Thomas Klingner>Das heißt, wir heizen dieses Plasmagefäß aus auf 150 Grad.

01:05:36.466 --> 01:05:41.766
<v Thomas Klingner>Das wird mithilfe von heißem Wasser auf Kühlrohren, die auf das Gefäß raufgeschweißt

01:05:41.766 --> 01:05:45.286
<v Thomas Klingner>sind, wird das gesamte Gefäß auf 150 Grad ausgeheizt.

01:05:45.406 --> 01:05:49.566
<v Thomas Klingner>Und damit treiben wir das Wasser aus der Wand raus und pumpen es mit unseren Turbopumpen ab.

01:05:49.806 --> 01:05:51.346
<v Tim Pritlove>Wird sozusagen ausgebrannt.

01:05:52.346 --> 01:05:57.606
<v Thomas Klingner>Ja, es wird einfach gebacken. Also dieses Plasma-Gefäß wird einmal moderat gebacken.

01:05:59.266 --> 01:06:02.386
<v Thomas Klingner>Und wenn das abgeschlossen ist, dann ist das Vakuum gut.

01:06:04.006 --> 01:06:08.066
<v Thomas Klingner>Und dann, beziehungsweise auch schon parallel dazu, werden zahllose Tests durchgeführt.

01:06:08.206 --> 01:06:13.906
<v Thomas Klingner>Und die Magnete werden alle nochmal einzeln durchgetestet, ob sie sich in einem

01:06:13.906 --> 01:06:15.726
<v Thomas Klingner>elektrotechnisch guten Zustand befinden.

01:06:16.166 --> 01:06:18.486
<v Thomas Klingner>Denn man schaltet das nicht einfach ein wie eine Nachttischlampe.

01:06:18.526 --> 01:06:23.406
<v Thomas Klingner>Dafür sind die einfach doch zu wertvoll und nicht zu empfindlich.

01:06:23.486 --> 01:06:24.626
<v Thomas Klingner>Aber da darf nichts schief gehen.

01:06:24.746 --> 01:06:28.826
<v Thomas Klingner>Also Reparaturen an den Magneten, das ist etwas, was man nicht gerne haben möchte.

01:06:28.826 --> 01:06:33.526
<v Thomas Klingner>Auch wegen der Zugänglichkeit und wegen der Folgen. Das dauert immer alles ewig.

01:06:34.326 --> 01:06:36.346
<v Thomas Klingner>Also das heißt, man muss sich sicher sein, dass alles in Ordnung ist.

01:06:36.466 --> 01:06:40.426
<v Thomas Klingner>Also ganze große Testsequenzen müssen durchgeführt werden, auch für den gesamten Steuersystem.

01:06:41.466 --> 01:06:46.706
<v Thomas Klingner>Am Ende summiert sich das ganz schön auf und dann kommen da eben halt diese fünf Monate daraus.

01:06:48.866 --> 01:06:49.286
<v Tim Pritlove>Und...

01:06:51.694 --> 01:06:57.034
<v Tim Pritlove>Und wenn dann dieser Zustand hergestellt ist, also Vakuum ist perfekt,

01:06:57.234 --> 01:07:05.914
<v Tim Pritlove>man nimmt keine Lecks wahr, man hat die entsprechende Temperatur der Spulen, was passiert dann?

01:07:05.914 --> 01:07:10.054
<v Tim Pritlove>Was ist das nächste, was man dann, dann kann man ja im Prinzip anfangen,

01:07:10.314 --> 01:07:14.654
<v Tim Pritlove>ein Gas einzuführen, leiten,

01:07:15.134 --> 01:07:22.414
<v Tim Pritlove>das dünne Gas, das Wasserstoff, zu ionisieren und dann schaltet man die Magnete

01:07:22.414 --> 01:07:24.994
<v Tim Pritlove>an und wodurch wird das Gas dann heiß?

01:07:26.054 --> 01:07:29.454
<v Thomas Klingner>Ja, erstmal ist die Sequenz andersrum, also man schaltet erstmal den Magnet an.

01:07:29.714 --> 01:07:31.074
<v Tim Pritlove>Okay, und dann das Gas, okay.

01:07:31.714 --> 01:07:36.274
<v Thomas Klingner>Weil die Magnete einfach auch so superleitende Magnete so angenehm sind.

01:07:36.374 --> 01:07:39.874
<v Thomas Klingner>Wie gesagt, das ist wie so ein Permanentmagnet. Die werden einfach morgens hochgefahren.

01:07:40.194 --> 01:07:41.934
<v Thomas Klingner>Da wird der Strom dort...

01:07:44.289 --> 01:07:51.209
<v Thomas Klingner>Quasi eingeleitet in diese Magnete. Das ist so zwischen 10.000 und 15.000 Ampere.

01:07:51.309 --> 01:07:52.149
<v Thomas Klingner>Das ist schon ordentlich Strom.

01:07:53.229 --> 01:08:00.089
<v Thomas Klingner>Und dann steht das Magnetfeld. Und dann leitet man Gas ein über ein Ventil.

01:08:01.109 --> 01:08:05.289
<v Thomas Klingner>Und gleichzeitig laufen wir die Pumpen. Die Turbopumpen und die Vorpumpen.

01:08:05.469 --> 01:08:07.549
<v Thomas Klingner>Das erzeugt dann erstmal so ein Gleichgewicht.

01:08:08.109 --> 01:08:09.969
<v Tim Pritlove>Also die Vakuumpumpen?

01:08:10.069 --> 01:08:12.609
<v Thomas Klingner>Ja, die Vakuumpumpen. Die pumpen die ganze Zeit. Es ist nicht so,

01:08:12.669 --> 01:08:16.089
<v Thomas Klingner>dass man die nach ausschaltet und man tut Gas rein, das wird auch manchmal so

01:08:16.089 --> 01:08:18.869
<v Thomas Klingner>vermutet, sondern es ist einfach ein fester Zyklus.

01:08:18.989 --> 01:08:23.389
<v Thomas Klingner>Das heißt, man hat eingeleitetes Gas und es wird permanent gepumpt und als Folge

01:08:23.389 --> 01:08:28.229
<v Thomas Klingner>ergibt es dann einen Gasdruck aus diesem Gleichgewicht aus Einleitung und Abpumpen.

01:08:29.689 --> 01:08:35.609
<v Thomas Klingner>Und dieses eingeleitete Gas, das wird dann in den Plasmazustand versetzt,

01:08:36.069 --> 01:08:42.349
<v Thomas Klingner>also wird dann ionisiert und da gibt es mehrere Möglichkeiten.

01:08:42.669 --> 01:08:47.089
<v Thomas Klingner>Diese Möglichkeiten, die heißen alle Plasmaheizung, das sind Plasmaheizmethoden.

01:08:47.309 --> 01:08:51.729
<v Thomas Klingner>Heizung heißen die, weil einfach Energie von außen in dieses Gas eingebracht

01:08:51.729 --> 01:08:55.169
<v Thomas Klingner>wird. Das Gas wird also in dem Sinne aufgeheizt, es wird Energie reingebracht.

01:08:56.489 --> 01:09:04.629
<v Thomas Klingner>Eines unserer wichtigsten Verfahren basiert auf Mikrowellen es werden also Mikrowellen

01:09:04.629 --> 01:09:10.089
<v Thomas Klingner>erzeugt im Prinzip wie die Küchenmikrowelle mit Mikrowellenröhren sehr große Mikrowellenröhren,

01:09:11.366 --> 01:09:17.326
<v Thomas Klingner>Diese Mikrowellen, die heizen erstmal Elektronen,

01:09:17.686 --> 01:09:22.386
<v Thomas Klingner>das heißt so ein klein bisschen ist dieses Gas immer ionisiert,

01:09:22.486 --> 01:09:26.686
<v Thomas Klingner>das heißt ein paar Elektronen findet man immer, die sitzen in diesem Magnetfeld,

01:09:27.306 --> 01:09:32.566
<v Thomas Klingner>durch ihre Wechselwirkung mit dem Magnetfeld machen die Elektronen eine Spiralbewegung

01:09:32.566 --> 01:09:34.166
<v Thomas Klingner>um die Magnetfelderlinien herum.

01:09:34.166 --> 01:09:38.846
<v Thomas Klingner>An diese Spiralbewegung koppeln diese Mikrowellen direkt an.

01:09:39.426 --> 01:09:43.506
<v Thomas Klingner>Die haben selber ebenfalls eine Rotation eingeprägt und die koppeln direkt daran

01:09:43.506 --> 01:09:48.766
<v Thomas Klingner>an, machen denn diese Elektronen sehr heiß, sodass die Elektronen wiederum Stöße

01:09:48.766 --> 01:09:54.066
<v Thomas Klingner>machen mit neutralen Gasatomen und dann passiert so ein Lawineneffekt.

01:09:54.841 --> 01:09:59.741
<v Thomas Klingner>Und dieser Lewin-Effekt führt dazu, dass innerhalb von winzigen Bruchteilen

01:09:59.741 --> 01:10:03.921
<v Thomas Klingner>von Sekunden das ganze Plasma aufgebaut wird und dann ist das gesamte Gas ionisiert.

01:10:04.281 --> 01:10:09.081
<v Thomas Klingner>Dann hat man also keine neutralen Wasserstoffatome mehr im Zentrum des Plasmas,

01:10:09.201 --> 01:10:12.081
<v Thomas Klingner>sondern nur noch Protonen und Elektronen.

01:10:12.461 --> 01:10:16.121
<v Tim Pritlove>Und ist das jetzt schon die Zieltemperatur, die man haben will,

01:10:16.201 --> 01:10:19.181
<v Tim Pritlove>die ist dann sofort erreicht oder muss man da noch mit drauf haben?

01:10:19.181 --> 01:10:22.061
<v Thomas Klingner>Unter guten Bedingungen, also wenn man die günstigen Bedingungen hat,

01:10:22.181 --> 01:10:24.521
<v Thomas Klingner>ist sie dann innerhalb von Millisekunden erreicht.

01:10:24.681 --> 01:10:26.201
<v Tim Pritlove>Okay, also es ist mehr ein Einschalten.

01:10:26.641 --> 01:10:27.501
<v Thomas Klingner>Das ist tatsächlich ein Einschalten.

01:10:27.521 --> 01:10:31.421
<v Tim Pritlove>Das ist nicht nochmal vier Wochen warten. Das geht ganz schnell. Okay, gut.

01:10:31.781 --> 01:10:38.601
<v Tim Pritlove>Und dann glüht das Plasma und befindet sich jetzt quasi immer wieder bei einer Wurst.

01:10:38.701 --> 01:10:44.581
<v Tim Pritlove>Jetzt haben wir sozusagen die Plasmawurst in unserem Gefäß von dem Magnetfeld eingeschlossen.

01:10:45.021 --> 01:10:48.241
<v Tim Pritlove>Und da existiert das dann erstmal so vor sich hin.

01:10:48.241 --> 01:10:49.561
<v Thomas Klingner>Ja, dann sitzt das da.

01:10:49.561 --> 01:10:54.381
<v Tim Pritlove>Okay und das ist jetzt auch, sagen wir mal, erstmal das eigentliche Ziel derzeit

01:10:54.381 --> 01:10:57.361
<v Tim Pritlove>im Forschungsfortschritt,

01:10:57.561 --> 01:11:04.861
<v Tim Pritlove>das kontrolliert zu erreichen, aber das muss jetzt auch eine gewisse Qualität haben.

01:11:04.861 --> 01:11:10.381
<v Tim Pritlove>Also es reicht jetzt nicht einfach nur irgendwie Plasma, sondern es gibt ja

01:11:10.381 --> 01:11:12.881
<v Tim Pritlove>wahrscheinlich dann Qualitätskriterien,

01:11:12.961 --> 01:11:19.461
<v Tim Pritlove>die dieses Plasma erfüllen muss, damit es dann für einen später eingeleiteten

01:11:19.461 --> 01:11:22.401
<v Tim Pritlove>Fusionsprozess die idealen Bedingungen bereitstellt.

01:11:22.401 --> 01:11:28.161
<v Tim Pritlove>Wie beobachtet man jetzt dieses System weil,

01:11:29.721 --> 01:11:33.381
<v Tim Pritlove>also mit dem was wir bisher besprochen haben ist das ja alles eine Blackbox

01:11:33.381 --> 01:11:36.861
<v Tim Pritlove>aber abgesehen davon dass man jetzt Mikrowellenstrahlung dort,

01:11:37.401 --> 01:11:42.081
<v Tim Pritlove>einbringt man muss es ja auch in irgendeiner Form messen und mal wissen was

01:11:42.081 --> 01:11:47.941
<v Tim Pritlove>passiert jetzt eigentlich auch genau das was wir wollen wie beobachtet man das.

01:11:49.542 --> 01:11:53.822
<v Thomas Klingner>Ja, in der Tat brauchen wir jetzt ja die Kenngrößen. Und über einige Kenngrößen

01:11:53.822 --> 01:11:54.702
<v Thomas Klingner>haben wir ja schon gesprochen.

01:11:56.082 --> 01:11:59.462
<v Thomas Klingner>Die Teilchendichte, Anzahl der Teilchen pro Kubikmeter. Also das heißt,

01:11:59.562 --> 01:12:00.742
<v Thomas Klingner>man muss eine Dichtemessung machen.

01:12:01.782 --> 01:12:06.062
<v Thomas Klingner>Der zweite wichtige Parameter ist die Temperatur. Wie heiß ist das?

01:12:06.502 --> 01:12:12.042
<v Thomas Klingner>Also welche Temperatur äquivalent hat die Bewegung der Ionen und die Bewegung der Elektronen?

01:12:12.202 --> 01:12:14.502
<v Thomas Klingner>Beobachtung an beides, weil die auch miteinander verkoppelt sind.

01:12:14.962 --> 01:12:19.002
<v Thomas Klingner>Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir die Elektronen heizen. die elektronen

01:12:19.002 --> 01:12:22.582
<v Thomas Klingner>ionisieren aber die elektronen geben auch wiederum energie

01:12:22.582 --> 01:12:27.342
<v Thomas Klingner>an die ionen weiter das ist alles miteinander verschränkt also

01:12:27.342 --> 01:12:31.522
<v Thomas Klingner>das steht im wärmekontakt miteinander das heißt wir heizen über die elektronen

01:12:31.522 --> 01:12:35.042
<v Thomas Klingner>die ionen wir haben auch andere heizmethoden wo die ionen direkt heizen und

01:12:35.042 --> 01:12:38.802
<v Thomas Klingner>dann kombinieren wir die auch zusammen so oder so man braucht also auf diese

01:12:38.802 --> 01:12:43.242
<v Thomas Klingner>beiden kenngrößen braucht man und man braucht die auch mit räumlicher auflösung

01:12:43.242 --> 01:12:45.162
<v Thomas Klingner>denn die sind nicht etwa konstant.

01:12:46.377 --> 01:12:49.357
<v Thomas Klingner>Sondern die ändern sich etwa, wenn man vom Zentrum raus geht.

01:12:49.417 --> 01:12:52.757
<v Thomas Klingner>Im Zentrum ist es am heißesten und eben halt auch am dichtesten.

01:12:53.257 --> 01:12:57.497
<v Thomas Klingner>Und dann fällt das zum Rand sowohl die Temperatur als auch die Teilchenzahl

01:12:57.497 --> 01:13:01.197
<v Thomas Klingner>ab. Wir nennen das denn Profile. Das sind Profildaten.

01:13:01.577 --> 01:13:02.937
<v Thomas Klingner>Also wie so ein Reifenprofil.

01:13:03.557 --> 01:13:08.677
<v Thomas Klingner>Kann man sich das vorstellen. Das ist eine Größe, die auch räumlich variiert.

01:13:09.197 --> 01:13:12.277
<v Thomas Klingner>Vor allem eben halt in der Richtung senkrecht zum Magnetfeld.

01:13:12.377 --> 01:13:15.517
<v Thomas Klingner>Also von innen nach außen. Das sind die Profildaten.

01:13:16.077 --> 01:13:19.597
<v Thomas Klingner>Da gibt es auch gewisse Variationen, die entlang des Torus sind,

01:13:19.677 --> 01:13:23.377
<v Thomas Klingner>die sind auch wichtig, aber das ist schon die höhere Kunst.

01:13:23.937 --> 01:13:28.677
<v Thomas Klingner>So oder so braucht man also räumliche Auflösung erstmal von diesen grundsätzlichen Kennedaten.

01:13:29.097 --> 01:13:35.277
<v Thomas Klingner>Ein weiterer Punkt, den man zur Beurteilung der Güte des Plasmas braucht,

01:13:35.477 --> 01:13:37.997
<v Thomas Klingner>ist die Güte des Wärmeeinschlusses.

01:13:38.457 --> 01:13:43.037
<v Thomas Klingner>Und dahinter steht folgende Logik. Man kann ein Plasma ja sehr heiß machen,

01:13:43.917 --> 01:13:47.197
<v Thomas Klingner>indem man es einfach sehr stark heizt.

01:13:47.457 --> 01:13:50.097
<v Thomas Klingner>Also mit endlos viel Energie heizt.

01:13:50.517 --> 01:13:55.037
<v Thomas Klingner>Also es ist einfach das mit Geld heiß machen. Man kauft einfach so viel Heizleistung,

01:13:55.117 --> 01:13:59.037
<v Thomas Klingner>wie die Kasse hergibt und dann kriegt man schon irgendwann ein heißes Plasma.

01:13:59.917 --> 01:14:04.137
<v Thomas Klingner>Das sagt aber nichts aus über die Güte der Wärmeisolation, auf der ich mal so

01:14:04.137 --> 01:14:07.657
<v Thomas Klingner>rumreite, also wie gut das Magnetfeld ist, wie gut der Einschluss ist.

01:14:08.637 --> 01:14:14.997
<v Thomas Klingner>Sondern die Kunst ist ja mit möglichst wenig Heizleistung eine hohe Plasmatemperatur zu erzeugen.

01:14:15.057 --> 01:14:19.537
<v Thomas Klingner>Und das ist die dritte große Kerngröße, das ist die sogenannte Energieeinschlusszeit.

01:14:21.080 --> 01:14:24.240
<v Thomas Klingner>Und das hört sich so ein bisschen seltsam an, warum man das in Zeit misst,

01:14:24.420 --> 01:14:25.900
<v Thomas Klingner>aber das ist eigentlich sehr anschaulich.

01:14:26.360 --> 01:14:28.000
<v Thomas Klingner>Man kann Wärmeisolation sehr

01:14:28.000 --> 01:14:33.940
<v Thomas Klingner>gut als Zeit charakterisieren. Und das kennt man sogar aus dem Alltag.

01:14:34.860 --> 01:14:38.920
<v Thomas Klingner>Wenn man in seinem Haus ist und die Heizung abschaltet.

01:14:39.260 --> 01:14:40.480
<v Tim Pritlove>Wie lange bleibt es warm?

01:14:40.560 --> 01:14:44.380
<v Thomas Klingner>Wie lange bleibt es warm? Und das ist bestimmt durch die Güte der Wärmeisolation.

01:14:44.520 --> 01:14:50.040
<v Thomas Klingner>Wenn Sie nur Einfachverglasung haben und dünne Wände, dann kühlt das viel schneller ab.

01:14:50.740 --> 01:14:56.960
<v Thomas Klingner>Das heißt also, eine lange Abkühlzeit ist ein Zeichen für eine gute Wärmeisolation.

01:14:57.120 --> 01:14:58.640
<v Thomas Klingner>Das gleiche gilt für die Plasmaphysik.

01:14:58.900 --> 01:15:01.720
<v Thomas Klingner>Diese Einschlusszeit soll so groß wie möglich sein.

01:15:02.820 --> 01:15:08.220
<v Thomas Klingner>Und da gibt es so gut wie möglich, also am besten unendlich lang,

01:15:08.560 --> 01:15:11.520
<v Thomas Klingner>dass wir die perfekte Wärmeisolation ist, die Wärme bleibt immer drin.

01:15:12.320 --> 01:15:16.340
<v Thomas Klingner>Das wäre so ein Extremfall. Aber da gibt es eben halt so Kennzahlen,

01:15:16.520 --> 01:15:20.680
<v Thomas Klingner>Erfahrungswerte, die man eben halt aus allen Maschinen der ganzen Welt zusammengesammelt

01:15:20.680 --> 01:15:23.540
<v Thomas Klingner>hat über die Jahrzehnte, sodass man so eine Orientierung hat,

01:15:23.640 --> 01:15:27.780
<v Thomas Klingner>was so der typische Korridor da ist, den man so erreichen kann und an dem reiben

01:15:27.780 --> 01:15:30.200
<v Thomas Klingner>sich alle. Aber im Prinzip gilt das Ziel so gut wie möglich.

01:15:30.580 --> 01:15:34.300
<v Thomas Klingner>Aber das, was so eben mit den technologisch realisierbaren Magneten heutzutage

01:15:34.300 --> 01:15:38.940
<v Thomas Klingner>und der Optimierung der Magnetfeldgeometrie möglich ist, das ist dann so die

01:15:38.940 --> 01:15:40.460
<v Thomas Klingner>Zielzahl, die man dort erreichen muss.

01:15:40.540 --> 01:15:45.180
<v Thomas Klingner>Da muss man so gut wie möglich, aber eben mehr ist dann auch nicht drin,

01:15:45.720 --> 01:15:49.400
<v Thomas Klingner>erreichen. also die Güte der Wärmeisolation, dann gibt es eben halt einen Korridor

01:15:49.400 --> 01:15:53.420
<v Thomas Klingner>für die Teilchendichte und es gibt einen Korridor für die Temperatur.

01:15:54.060 --> 01:15:58.080
<v Thomas Klingner>Und diese drei Größen muss man so zusammenbringen und das ist auch in ein konkretes

01:15:58.080 --> 01:16:02.800
<v Thomas Klingner>Kriterium hineingegossen, das sogenannte Lawson-Kriterium, wo man eine Grenze

01:16:02.800 --> 01:16:05.780
<v Thomas Klingner>überschreiten muss und dann wird Fusion effizient.

01:16:06.500 --> 01:16:10.880
<v Thomas Klingner>Dann wird die so effizient, dass man mehr Fusionsenergie, das ist dann so die

01:16:10.880 --> 01:16:14.680
<v Thomas Klingner>heilige Kurve, wo mehr Fusionsenergie rauskommt, als man reinsteckt,

01:16:15.380 --> 01:16:17.360
<v Thomas Klingner>da gibt es noch eine zweite heilige Kurve, da ist.

01:16:18.887 --> 01:16:22.867
<v Thomas Klingner>Die Energie, die im Plasma durch Fusion entsteht, hoch genug,

01:16:22.927 --> 01:16:24.327
<v Thomas Klingner>um das Plasma selber zu heizen.

01:16:24.747 --> 01:16:27.767
<v Thomas Klingner>Dann braucht man keine externe Heizung mehr und dann brennt es einfach vor sich

01:16:27.767 --> 01:16:29.407
<v Thomas Klingner>hin. Das ist dann das brennende Plasma.

01:16:30.027 --> 01:16:32.687
<v Thomas Klingner>Und diese beiden Punkte, die haben auch einen schönen Fachbegriff.

01:16:32.787 --> 01:16:35.707
<v Thomas Klingner>Das eine ist der Break-Even-Punkt, also der Durchbruchpunkt.

01:16:35.947 --> 01:16:37.527
<v Thomas Klingner>Genauso viel Energie wie rein wie raus.

01:16:37.907 --> 01:16:41.247
<v Thomas Klingner>Und das andere ist eben das Burning-Plasma, das brennende Plasma.

01:16:41.807 --> 01:16:44.747
<v Thomas Klingner>Und das kann man sich dann vorstellen wie so eine Gasflamme.

01:16:45.627 --> 01:16:49.807
<v Thomas Klingner>Wie eine chemische Flamme. brennt einfach. Muss man nichts mehr machen von außen.

01:16:50.207 --> 01:16:52.987
<v Thomas Klingner>Braucht kein Streichholz mehr. Brennt. Kerze brennt.

01:16:53.407 --> 01:16:57.807
<v Tim Pritlove>Und im Idealfall bedeutet das dann später, dass man eine fortlaufende,

01:16:59.807 --> 01:17:03.287
<v Tim Pritlove>Fusionstätigkeit angestoßen hat und dann kommt man einfach Wärme raus.

01:17:03.367 --> 01:17:04.087
<v Thomas Klingner>Da hat man einen Gasofen.

01:17:04.687 --> 01:17:11.667
<v Tim Pritlove>Genau. Weil durch diese Fusionsprozesse letzten Endes Elektronen freigesetzt werden, die,

01:17:12.819 --> 01:17:16.799
<v Tim Pritlove>quasi in der Außenwand aufgefangen werden und dann als Wärme abgenommen werden kann.

01:17:16.799 --> 01:17:18.539
<v Thomas Klingner>Nee, Elektronen werden da gar nicht aufgefangen.

01:17:18.819 --> 01:17:19.479
<v Tim Pritlove>Neutronen meinte ich.

01:17:19.719 --> 01:17:20.659
<v Thomas Klingner>Neutronen, ja. Ja,

01:17:23.399 --> 01:17:28.139
<v Thomas Klingner>aber die Neutronen, die entkommen ja gleich dem Volumen und gehen in die Wand

01:17:28.139 --> 01:17:30.339
<v Thomas Klingner>und erzeugen ja diese Wärmeauskopplung.

01:17:30.639 --> 01:17:34.859
<v Thomas Klingner>Das heißt, damit zapft man quasi dann dieses Plasma an, den Fusionsprozess an

01:17:34.859 --> 01:17:36.739
<v Thomas Klingner>nach außen und erzeugt damit einfach Wärme.

01:17:38.939 --> 01:17:44.379
<v Thomas Klingner>Das Aufrechterhalten der Plasmatemperatur passiert durch das andere Fusionsprodukt,

01:17:44.439 --> 01:17:45.699
<v Thomas Klingner>nämlich durch die Heliumkerne.

01:17:46.079 --> 01:17:50.059
<v Thomas Klingner>Die verbleiben ja da drin. Diese werden ja auch wieder vom Magnetfeld festgehalten

01:17:50.059 --> 01:17:55.359
<v Thomas Klingner>und haben aber auch Energie, haben einen Anteil Energie und diese Energie geben

01:17:55.359 --> 01:17:56.539
<v Thomas Klingner>sie an das Plasma wieder weiter.

01:17:56.799 --> 01:17:58.519
<v Tim Pritlove>Dadurch bleibt es heiß.

01:17:58.899 --> 01:17:59.779
<v Thomas Klingner>Es heizt sich selber.

01:18:00.899 --> 01:18:04.359
<v Tim Pritlove>Aber es heizt eben auch drumherum, sodass man eben dann auch den eigentlichen Effekt hat.

01:18:04.479 --> 01:18:07.979
<v Thomas Klingner>Das ist erstmal die Selbstheizung und das Drumherum geschieht durch die Neutronen,

01:18:08.019 --> 01:18:12.299
<v Thomas Klingner>durch die Auskopplung von den Neutronen. Das sind so zwei Zweige, die sich auftrennen.

01:18:13.319 --> 01:18:17.659
<v Thomas Klingner>Die Heliumkerne sind für die Heizung des Plasmas zuständig und die Neutronen

01:18:17.659 --> 01:18:21.099
<v Thomas Klingner>sind für die Heizung der Wand zuständig, was denn die für uns nutzbare Wärme ist.

01:18:21.459 --> 01:18:24.859
<v Tim Pritlove>Genau. Aber jetzt weiß ich immer noch nicht so richtig, wie schaut man rein?

01:18:25.019 --> 01:18:27.279
<v Tim Pritlove>Also wir haben diese ganzen Kennzahlen, die wir erreichen wollen.

01:18:27.399 --> 01:18:30.639
<v Tim Pritlove>Das ist ja, sagen wir mal, jetzt auch gerade der Fokus, wenn ich das richtig

01:18:30.639 --> 01:18:34.639
<v Tim Pritlove>verstanden habe, dass man also das jetzt optimieren will, also dem aktuellen

01:18:34.639 --> 01:18:35.839
<v Tim Pritlove>Stand der Forschung hier.

01:18:37.939 --> 01:18:42.559
<v Tim Pritlove>Wie beobachtet man diese Kennzahlen? Wie misst man die?

01:18:43.079 --> 01:18:45.359
<v Thomas Klingner>Da gibt es einen ganzen Strauß an Methoden.

01:18:48.230 --> 01:18:51.030
<v Tim Pritlove>Die ausprobiert werden oder die erforderlich sind?

01:18:51.350 --> 01:18:54.790
<v Tim Pritlove>Also benutzt man jetzt nur so viele Methoden wie möglich, um zu gucken,

01:18:54.890 --> 01:18:59.510
<v Tim Pritlove>was es am Ende braucht oder ist es jetzt schon klar, dass man sehr viele verschiedene braucht?

01:19:00.230 --> 01:19:06.570
<v Thomas Klingner>Sowohl als auch. Einerseits ist die Methodik der Plasmabeobachtung durchaus

01:19:06.570 --> 01:19:10.410
<v Thomas Klingner>ein Forschungsgebiet, was sich ständig in Entwicklung befindet,

01:19:11.170 --> 01:19:18.390
<v Thomas Klingner>wo man die Genauigkeit, aber auch die Auflösung sowohl im Raum wie auch in Zeit

01:19:18.390 --> 01:19:21.470
<v Thomas Klingner>immer wieder erhöht, die Aussagekraft erhöht.

01:19:21.870 --> 01:19:28.870
<v Thomas Klingner>Und weil es auch durchaus schwierige Techniken sind und schwierige Methoden

01:19:28.870 --> 01:19:33.730
<v Thomas Klingner>sind, physikalische Methoden sind, braucht man wiederum Redundanz.

01:19:34.290 --> 01:19:38.250
<v Thomas Klingner>Also das heißt, man beobachtet die eine Größe nicht nur mit einer Methode,

01:19:38.470 --> 01:19:41.970
<v Thomas Klingner>sondern auch gerne mal mit zwei oder mit drei verschiedenen Methoden,

01:19:42.070 --> 01:19:46.470
<v Thomas Klingner>um sicherzustellen, dass die übereinander liegen, dass die die gleiche Aussage machen.

01:19:47.210 --> 01:19:53.910
<v Thomas Klingner>Also nur dann kann man im strengen experimentalfysikalischen Sinne seinen Daten

01:19:53.910 --> 01:19:57.010
<v Thomas Klingner>auch wirklich trauen, wenn man mit völlig unterschiedlichen Methoden,

01:19:57.010 --> 01:19:59.870
<v Thomas Klingner>mit völlig unterschiedlichen Blickwinkeln zum gleichen Ergebnis kommt.

01:20:00.050 --> 01:20:02.590
<v Thomas Klingner>So streng ist ja Wissenschaft. Ähm,

01:20:03.434 --> 01:20:09.974
<v Thomas Klingner>multipliziert schon die Anzahl der Instrumente. Also dass man da einen mehrfachen

01:20:09.974 --> 01:20:11.474
<v Thomas Klingner>Blick auf die gleiche Größe nimmt.

01:20:12.674 --> 01:20:15.874
<v Thomas Klingner>Dann werden diese Methoden alle weiterentwickelt. Und da gibt es eben passive

01:20:15.874 --> 01:20:19.514
<v Thomas Klingner>Methoden, die einfach das Licht angucken, aus dem Licht selber Schlüsse ziehen.

01:20:19.574 --> 01:20:23.214
<v Thomas Klingner>Dann gibt es aktive Methoden, die mit starken Lasern arbeiten.

01:20:23.894 --> 01:20:28.554
<v Thomas Klingner>Dann etwa Streuung oder Interferometrie machen. Das heißt also Veränderung der

01:20:28.554 --> 01:20:30.054
<v Thomas Klingner>Wellenlänge des Laserlichtes.

01:20:30.534 --> 01:20:34.274
<v Thomas Klingner>Also wie gesagt, ein ganz breites Methodenspektrum, was man denn dort abdeckt.

01:20:34.394 --> 01:20:38.934
<v Thomas Klingner>Einige Methoden funktionieren nur am Rand, andere Methoden funktionieren nur

01:20:38.934 --> 01:20:42.354
<v Thomas Klingner>im Zentrum, andere Methoden funktionieren im Übergangsbereich.

01:20:42.554 --> 01:20:48.594
<v Thomas Klingner>Es gibt auch nicht one size fits all, nicht sozusagen die magische Plasma-Beobachtungsmethode,

01:20:48.694 --> 01:20:51.254
<v Thomas Klingner>die einem einfach alles liefert, was man wissen möchte, die gibt es nicht.

01:20:51.514 --> 01:20:56.294
<v Thomas Klingner>Sondern man muss da wirklich einen Indizienprozess führen, also ganz viele Puzzlesteine

01:20:56.294 --> 01:20:59.634
<v Thomas Klingner>zusammenfügen, die auch manchmal nicht so richtig zusammenpassen wollen,

01:20:59.634 --> 01:21:03.354
<v Thomas Klingner>weil es alles mit so ein bisschen schwammig, auch mit Unsicherheiten so versehen ist.

01:21:03.434 --> 01:21:06.054
<v Thomas Klingner>Und dann braucht man den Puzzlestein eben auch gleich mehrfach,

01:21:06.154 --> 01:21:09.534
<v Thomas Klingner>damit man da so sagen kann, okay, ist das jetzt wirklich der Richtige?

01:21:09.754 --> 01:21:11.934
<v Thomas Klingner>Und aus daraus ergibt sich so ein Gesamtbild.

01:21:12.634 --> 01:21:17.654
<v Thomas Klingner>Und dieses Gesamtbild, also dieses ganze Spektrum, was sich da aus dem Gesamtbild

01:21:17.654 --> 01:21:22.214
<v Thomas Klingner>ergibt, also das Methodenspektrum, das bezeichnen wir als Plasma-Diagnostik.

01:21:22.414 --> 01:21:27.134
<v Thomas Klingner>Das ist so ein bisschen so ein Eigenbegriff, der sich hier bei uns so etabliert hat.

01:21:27.134 --> 01:21:30.334
<v Thomas Klingner>Und er dann immer so ein bisschen wie an so einem patienten

01:21:30.334 --> 01:21:33.254
<v Thomas Klingner>der diagnostiziert wird mit ganz vielen

01:21:33.254 --> 01:21:36.634
<v Thomas Klingner>instrumenten von allen seiten wo versucht wird

01:21:36.634 --> 01:21:40.754
<v Thomas Klingner>herauszufinden wie es diesen patienten dann so geht also das heißt die vielfachheit

01:21:40.754 --> 01:21:47.134
<v Thomas Klingner>der methode und die jeweilige spezialisierung der methode auf bestimmte bereiche

01:21:47.134 --> 01:21:51.494
<v Thomas Klingner>oder bestimmte fragestellungen ist ganz ganz essentiell um ein gesamtbild dafür

01:21:51.494 --> 01:21:53.354
<v Thomas Klingner>zu geben und die sache wird dann besonders.

01:21:55.068 --> 01:21:59.508
<v Thomas Klingner>Ja, besonders delikat, wenn man dann noch den Zeitaspekt reinbringt.

01:22:00.068 --> 01:22:05.228
<v Thomas Klingner>Denn das musste man auch erstmal lernen, dass dieses Gas gar nicht mal so friedlich

01:22:05.228 --> 01:22:08.508
<v Thomas Klingner>ist, also einfach nicht so als Gas dort fröhlich sitzt und nichts macht,

01:22:08.968 --> 01:22:11.068
<v Thomas Klingner>sondern dass es ein hochdynamischer Prozess ist.

01:22:11.588 --> 01:22:15.548
<v Thomas Klingner>Dadurch, dass es ein geladenes Gas ist, was einem Magnetfeld ausgesetzt ist,

01:22:16.208 --> 01:22:19.728
<v Thomas Klingner>ist dieses geladene Gas auch in der Lage, elektrische Felder zu bilden.

01:22:19.728 --> 01:22:24.548
<v Thomas Klingner>Also kleine Abweichungen zwischen der Dichte der Elektronen und der Ionen erzeugt

01:22:24.548 --> 01:22:25.968
<v Thomas Klingner>sofort starke elektrische Felder.

01:22:26.508 --> 01:22:29.808
<v Thomas Klingner>Und die in Kombination mit den magnetischen Feldern, und diese elektrischen

01:22:29.808 --> 01:22:32.568
<v Thomas Klingner>Felder können sich nur für kurze Zeit bilden, erzeugt etwas,

01:22:32.688 --> 01:22:34.348
<v Thomas Klingner>was wir als Dynamiken bezeichnen.

01:22:34.608 --> 01:22:39.828
<v Thomas Klingner>Das heißt, es wird ein dynamisches System, es beginnt sich räumlich und zeitlich zu entwickeln.

01:22:40.468 --> 01:22:44.568
<v Thomas Klingner>Und zwar auf Skalen, die können von Millimeter reichen bis Meter reichen,

01:22:44.728 --> 01:22:46.068
<v Thomas Klingner>also alles mögliche passiert da.

01:22:47.308 --> 01:22:51.128
<v Thomas Klingner>Und die Königsdisziplin da drin ist dann die Plasmaturbulenz,

01:22:51.208 --> 01:22:57.208
<v Thomas Klingner>auch das musste man mühsam lernen, dass dieses Plasma sogar sich wie ein turbulentes

01:22:57.208 --> 01:22:59.868
<v Thomas Klingner>Medium entwickelt, wie wir es etwa vom Wetter her kennen.

01:23:00.228 --> 01:23:05.808
<v Thomas Klingner>Also wenn wir draußen einen schönen Nordoststurm haben und hier Bäume und,

01:23:06.819 --> 01:23:10.799
<v Thomas Klingner>Menschen durchgeschüttelt werden, dann merkt man diese Turbulenz dieses Gases

01:23:10.799 --> 01:23:14.019
<v Thomas Klingner>und ein Plasma ist am Ende genauso ein turbulentes Gas.

01:23:14.239 --> 01:23:18.939
<v Thomas Klingner>Das kann Wirbel bilden, das kann starke Strömungen bilden, die mal von links,

01:23:19.019 --> 01:23:22.239
<v Thomas Klingner>mal von rechts kommen, die manchmal aufweilen, dann wieder verschwinden,

01:23:22.359 --> 01:23:25.899
<v Thomas Klingner>die also eine starke zeitliche Entwicklung haben, die aber auch eine räumliche

01:23:25.899 --> 01:23:28.619
<v Thomas Klingner>Komponente hat, eine stark ausgeprägte räumliche Komponente.

01:23:29.479 --> 01:23:32.639
<v Thomas Klingner>Und auch das muss man alles durch seine Instrumente abdecken.

01:23:32.819 --> 01:23:38.119
<v Thomas Klingner>Nämlich erst mit diesem dynamischen Bild, also das Plasma als dynamisches Phänomen,

01:23:38.579 --> 01:23:40.479
<v Thomas Klingner>hat man tatsächlich die ganze Geschichte.

01:23:40.799 --> 01:23:44.039
<v Thomas Klingner>Und da kommt dann auch wieder die Kunst rein, die zu verfolgen ist,

01:23:44.159 --> 01:23:49.359
<v Thomas Klingner>nämlich dieses Plasma tatsächlich und die Dynamiken dieses Plasmas unter Kontrolle

01:23:49.359 --> 01:23:52.359
<v Thomas Klingner>zu haben, so dass man einen kontrollierten Zustand herstellt,

01:23:52.459 --> 01:23:55.399
<v Thomas Klingner>also einen möglichst ruhigen Zustand herstellt.

01:23:55.899 --> 01:23:59.639
<v Tim Pritlove>Sprech, das System muss adaptiv funktionieren, all diese Messungen in Echtzeit

01:23:59.639 --> 01:24:03.839
<v Tim Pritlove>das Plasma beobachten und daraus wiederum Schlüsse zu ziehen,

01:24:03.939 --> 01:24:05.839
<v Tim Pritlove>wie man hier nachregelt.

01:24:06.139 --> 01:24:10.139
<v Tim Pritlove>Was lässt sich derzeit nachregeln? Was kann man beeinflussen,

01:24:10.239 --> 01:24:12.719
<v Tim Pritlove>wenn man jetzt sieht, hier haben wir Turbulenzen,

01:24:12.919 --> 01:24:19.799
<v Tim Pritlove>hier kippen mir die Magnetfelder ein bisschen zu sehr ab, ist die Temperatur

01:24:19.799 --> 01:24:21.899
<v Tim Pritlove>nicht stabil, was auch immer gemessen wird.

01:24:21.899 --> 01:24:23.719
<v Tim Pritlove>Was kann man in dem Moment denn

01:24:23.719 --> 01:24:28.859
<v Tim Pritlove>tun, um dieses Plasma wieder sozusagen in Reihe und Glied zu bekommen?

01:24:29.399 --> 01:24:36.779
<v Thomas Klingner>Da gibt es an sich drei Schritte oder drei Ebenen. Das eine ist einfach Vermeidung.

01:24:38.019 --> 01:24:42.979
<v Thomas Klingner>Also das hat ja allerlei Möglichkeiten, ein solches Plasma zu erzeugen unter

01:24:42.979 --> 01:24:43.899
<v Thomas Klingner>verschiedenen Betriebsparametern.

01:24:44.659 --> 01:24:47.579
<v Thomas Klingner>Dann hat man etwa den Gasdruck, mit dem man das Gas reinfüllt,

01:24:47.679 --> 01:24:51.559
<v Thomas Klingner>die Heizleistung, wo man die Heizleistung genau hinbringt und und und.

01:24:51.899 --> 01:24:54.659
<v Thomas Klingner>Also das heißt, im Prinzip macht man ja am Anfang so eine Art Setup,

01:24:54.939 --> 01:24:58.559
<v Thomas Klingner>mit dem man ein Plasma erzeugt und da gibt es eben halt solche Setups,

01:24:58.719 --> 01:25:00.759
<v Thomas Klingner>solche Betriebsszenarien, so nennen wir die,

01:25:01.459 --> 01:25:05.699
<v Thomas Klingner>wo man dann feststellt, das hat man halt über sehr unruhige Bedingungen,

01:25:05.959 --> 01:25:07.539
<v Thomas Klingner>hat man sozusagen schlechtes Wetter.

01:25:08.749 --> 01:25:11.369
<v Thomas Klingner>Und dann kann man sich auch überlegen, nee, da gehe ich lieber nicht mehr hin.

01:25:12.489 --> 01:25:13.729
<v Tim Pritlove>Also erstmal alles richtig machen.

01:25:13.769 --> 01:25:19.309
<v Thomas Klingner>Also vermeiden. Das heißt, man tastet so den gesamten Operationsraum mal ab,

01:25:19.369 --> 01:25:20.949
<v Thomas Klingner>wo sind eigentlich die guten Ecken.

01:25:21.789 --> 01:25:27.869
<v Thomas Klingner>Und die sind auch nicht so Gott gegeben, die liegen nicht so auf dem Tisch,

01:25:28.009 --> 01:25:30.469
<v Thomas Klingner>dass man die schon vorher weiß. So ist das nicht.

01:25:31.869 --> 01:25:37.809
<v Thomas Klingner>Aus guter Theorie hat man Vorhersagen. Die sagen, ja, da wird es wackelig, da ist es stabiler.

01:25:38.369 --> 01:25:41.749
<v Thomas Klingner>Das stimmt sehr oft, trotzdem muss man das alles abtasten danach.

01:25:43.089 --> 01:25:46.349
<v Thomas Klingner>Und das heißt, das ist im Prinzip dann so die Vermeidung von Ärger.

01:25:46.449 --> 01:25:48.429
<v Thomas Klingner>Das ist die allerniedrigste Ebene.

01:25:49.089 --> 01:25:53.069
<v Thomas Klingner>Aber auch schon sehr wichtig, dass man ein Operationsregime rausfindet,

01:25:53.149 --> 01:25:56.249
<v Thomas Klingner>wo man sagt, okay, also bei dem Magnetfeld, bei der Heizleistung,

01:25:56.309 --> 01:25:58.709
<v Thomas Klingner>wenn ich das so mache und so mache, dann wird es gut.

01:26:01.169 --> 01:26:06.109
<v Thomas Klingner>Und das ist auch Fleißarbeit, da den Operationsraum zu durchmustern.

01:26:06.289 --> 01:26:10.769
<v Thomas Klingner>Man muss eben sehr gut beobachten. und das mit Theorie und Simulation immer

01:26:10.769 --> 01:26:13.529
<v Thomas Klingner>wieder auch abchecken, ob man das dann auch so verstanden hat,

01:26:13.689 --> 01:26:17.369
<v Thomas Klingner>warum das so ist, weil ansonsten kann das durchaus auch eine Fehlinformation sein.

01:26:17.909 --> 01:26:22.089
<v Thomas Klingner>So, wenn man sich jetzt in etwa instabile Regime begeben muss,

01:26:22.229 --> 01:26:28.169
<v Thomas Klingner>weil die andere günstige Bedingungen oder günstige Eigenschaften haben,

01:26:28.769 --> 01:26:32.789
<v Thomas Klingner>sagt, naja, nehmen wir mal so als Beispiel, da habe ich besonders hohe Temperaturen.

01:26:33.730 --> 01:26:40.910
<v Thomas Klingner>Aber das ist nicht so furchtbar stabil. Dann fängt man an, mit Regelungsmethoden da etwas zu machen.

01:26:41.090 --> 01:26:43.370
<v Thomas Klingner>Und da gibt es eben das Feed-Forward und das Feedback.

01:26:44.410 --> 01:26:48.590
<v Thomas Klingner>Feed-Forward ist, dass man irgendeinen Aktuator hat, also irgendeinen Einfluss

01:26:48.590 --> 01:26:54.770
<v Thomas Klingner>nehmen kann, der dann diese Instabilität stabil macht, der das so ausregelt.

01:26:54.910 --> 01:26:58.150
<v Thomas Klingner>Dass man sozusagen wirklich aktiv einfach steuert.

01:26:58.870 --> 01:27:00.730
<v Thomas Klingner>Wenn ich dabei so selber so sage.

01:27:00.950 --> 01:27:03.950
<v Tim Pritlove>Vorausschauen, sodass man gar nicht erst in die kritischen Bereiche.

01:27:04.070 --> 01:27:07.070
<v Thomas Klingner>Ja, oder dass man es ausgedämpft kriegt, dass man es dann so unter Kontrolle

01:27:07.070 --> 01:27:09.350
<v Thomas Klingner>kriegt, dass man dagegen steuert. Das ist so feedforward.

01:27:10.250 --> 01:27:15.650
<v Thomas Klingner>Man regelt dagegen, aber so nicht aktiv nach vorne, weil man weiß, was man tut.

01:27:16.350 --> 01:27:17.710
<v Tim Pritlove>Womit kann man dann regeln? Also

01:27:17.710 --> 01:27:23.810
<v Tim Pritlove>was könnte das für ein, das ist jetzt der Gaszufluss oder Wärmezufluss?

01:27:23.830 --> 01:27:30.090
<v Thomas Klingner>Das ist zum Beispiel eine Regelgröße. Man kann auch gezielt geringe Mengen von,

01:27:32.010 --> 01:27:33.050
<v Thomas Klingner>Nichtwasserstoffgasen einleiten.

01:27:33.970 --> 01:27:39.010
<v Thomas Klingner>Das ist ganz schick. Damit kann man so Strahlung erzeugen, also elektromagnetische

01:27:39.010 --> 01:27:42.490
<v Thomas Klingner>Strahlung, Licht kann man damit so ganz gezielt in bestimmten Bereichen erzeugen,

01:27:42.950 --> 01:27:48.290
<v Thomas Klingner>die dann das Plasma sozusagen beruhigen oder die Prozesse am Rand dann eben halt beruhigen.

01:27:49.110 --> 01:27:54.730
<v Thomas Klingner>Nicht nur damit es gut aussieht, sondern damit man etwa unerwünschte Wandbelastungen reduzieren kann.

01:27:55.470 --> 01:27:58.750
<v Thomas Klingner>Das ist etwa so eine ganz wichtige Regelgröße, die haben wir jetzt gerade ganz

01:27:58.750 --> 01:28:02.370
<v Thomas Klingner>gut in den Griff bekommen, solchen Strahlungsgürtel so mit einem Fremdgas zu

01:28:02.370 --> 01:28:05.510
<v Thomas Klingner>erzeugen, sodass uns die Wand nicht so heiß wird.

01:28:05.770 --> 01:28:09.610
<v Thomas Klingner>Das ist auch so ein Ding, so eine Art Instabilität, da hat man plötzlich einfach Überhitzung der Wand.

01:28:10.190 --> 01:28:13.310
<v Thomas Klingner>Mist, dann kann man das so natürlich nicht betreiben, aber wenn man diesen Strahlungsgürtel

01:28:13.310 --> 01:28:14.590
<v Thomas Klingner>erzeugt, dann kann man das so betreiben.

01:28:15.470 --> 01:28:19.250
<v Thomas Klingner>Dann bildet die Heizung selber natürlich eine Regelgröße, das heißt also an

01:28:19.250 --> 01:28:21.910
<v Thomas Klingner>der kann man regeln, also wie stark und wo.

01:28:24.422 --> 01:28:29.822
<v Thomas Klingner>Den Gaseinlass oder wenn es eben halt kein Gas ist, haben wir auch andere Instrumente,

01:28:30.162 --> 01:28:34.142
<v Thomas Klingner>um neutrale Wasserstoffatome dort hineinzubringen.

01:28:34.542 --> 01:28:39.622
<v Thomas Klingner>Das geht über so kleine gefrorene Wasserstoffpillen. Die kann man dort einschießen

01:28:39.622 --> 01:28:43.402
<v Thomas Klingner>und da diskutieren wir gerade, wie wir das geregelt machen, wie wir das aktiv geregelt machen.

01:28:43.722 --> 01:28:48.842
<v Thomas Klingner>Wenn man es dann richtig gut im Griff hat, etwa bei diesem Strahlungsgürtel,

01:28:49.282 --> 01:28:51.222
<v Thomas Klingner>dann kann man das eben halt in Feedback packen.

01:28:51.382 --> 01:28:57.182
<v Thomas Klingner>Das heißt also im Prinzip beobachtet man dann das Plasma, wackelt das oder ist

01:28:57.182 --> 01:29:02.402
<v Thomas Klingner>das jetzt nicht da, wo ich es haben möchte und dann habe ich einen Aktuator, also einen Einfluss,

01:29:03.842 --> 01:29:07.542
<v Thomas Klingner>ein Fremdgas, was ich dort an einer ganz bestimmten Stelle sehr kontrolliert

01:29:07.542 --> 01:29:11.622
<v Thomas Klingner>einleite, einer ganz bestimmten Menge und das führt dann wiederum,

01:29:11.722 --> 01:29:14.442
<v Thomas Klingner>dass diese Information, die ich dann darüber habe, dass die mir sagt,

01:29:14.522 --> 01:29:17.862
<v Thomas Klingner>jetzt ist gut und das packt man dann in solche automatischen Schleifen rein.

01:29:18.782 --> 01:29:20.942
<v Tim Pritlove>Kann man in das Magnetfeld auch beeinflussen?

01:29:21.262 --> 01:29:25.342
<v Thomas Klingner>Ja, ist aber ein bisschen träge. Also für schnelle Regelungen ist das gar nicht

01:29:25.342 --> 01:29:30.082
<v Thomas Klingner>gut, weil so ein Magneten kann man nicht auf kurzen Zeitskalen hoch und runter fahren.

01:29:30.222 --> 01:29:33.362
<v Tim Pritlove>Aber es gibt auch glaube ich zusätzlich zu den Hauptmagneten gibt es noch so

01:29:33.362 --> 01:29:38.042
<v Tim Pritlove>zusätzliche Magneten, die nochmal so dann...

01:29:38.042 --> 01:29:42.022
<v Thomas Klingner>Ja, wir haben 20 Magneten, die alleine für solche Veränderungen des Magnetfeldes

01:29:42.022 --> 01:29:45.562
<v Thomas Klingner>da sind und auch das, da haben sie ja schon recht, auch das kann man in solche

01:29:45.562 --> 01:29:48.062
<v Thomas Klingner>Regelkreise reinpacken, allemal feed forward.

01:29:48.762 --> 01:29:51.922
<v Thomas Klingner>Also das ist auch wieder so, das sind Magnetfeldkonfigurationen,

01:29:51.962 --> 01:29:53.782
<v Thomas Klingner>das heißt also Also dann sagen wir, naja, das ist nicht gut,

01:29:53.922 --> 01:29:57.122
<v Thomas Klingner>jetzt schieben wir das noch ein bisschen und dann ist es wieder gut.

01:29:58.975 --> 01:30:02.935
<v Thomas Klingner>Aber auch das ist im Prinzip denkbar ein Feedback, aber das ist eine langsame Regelung.

01:30:03.015 --> 01:30:07.275
<v Thomas Klingner>Alles was mit Magneten selber zu tun hat, hat auch so seine zeitliche Einschränkungen.

01:30:07.395 --> 01:30:13.995
<v Thomas Klingner>Das ist einfach von der Physik der Magneten gegeben, also von der Induktion der Spulen.

01:30:15.715 --> 01:30:21.015
<v Tim Pritlove>Also das ganze System ist im Prinzip so ein großphysikalischer Eierlauf, kann man sagen.

01:30:21.335 --> 01:30:22.675
<v Thomas Klingner>Es ist schon ein Jonglieren, ja.

01:30:22.675 --> 01:30:27.615
<v Tim Pritlove>Man muss schon alles austarieren. Man hat erstmal diese Maschine gebaut,

01:30:27.815 --> 01:30:30.175
<v Tim Pritlove>man ist in der Lage, dieses Plasma zu erzeugen.

01:30:30.555 --> 01:30:36.195
<v Tim Pritlove>Nur das zu erzeugen allein reicht nicht. Man muss diverse Kriterien jetzt sicherstellen,

01:30:36.395 --> 01:30:42.015
<v Tim Pritlove>um Turbulenzen, Temperaturverhalten etc., also um sozusagen die idealen Voraussetzungen zu schaffen,

01:30:42.575 --> 01:30:48.095
<v Tim Pritlove>um dann künftig auch eine Fusion kontrolliert und in dem Parameterrahmen,

01:30:48.175 --> 01:30:51.355
<v Tim Pritlove>den man haben will, in dem Effizienzrahmen vor allem, den man haben will,

01:30:51.875 --> 01:30:53.495
<v Tim Pritlove>ablaufen lassen. lassen zu können.

01:30:53.695 --> 01:30:59.115
<v Tim Pritlove>Und das ist sozusagen der Stand der Forschung, den man jetzt erreicht hat.

01:31:00.555 --> 01:31:08.035
<v Tim Pritlove>Wie sieht denn jetzt die nächste Entwicklungsstufe aus? Wo befinden wir uns sozusagen?

01:31:08.555 --> 01:31:12.275
<v Tim Pritlove>Was wird jetzt als nächstes umgesetzt werden?

01:31:12.495 --> 01:31:14.255
<v Tim Pritlove>Wie nah sind wir sozusagen auch an

01:31:14.255 --> 01:31:18.875
<v Tim Pritlove>diesem Punkt, wo es dann mit wirklichen Fusionsexperimenten begonnen wird?

01:31:21.615 --> 01:31:28.335
<v Thomas Klingner>Na zunächst erstmal vorab gesagt, richtige Fusionsexperimente werden wir hier nie machen.

01:31:28.855 --> 01:31:29.275
<v Tim Pritlove>Nie machen?

01:31:29.455 --> 01:31:32.855
<v Thomas Klingner>Nein, wir werden hier nie Deuterium und Tritium in die Maschine einleiten.

01:31:35.115 --> 01:31:37.055
<v Thomas Klingner>Der Grund ist ganz banal, die ist zu

01:31:37.055 --> 01:31:42.635
<v Thomas Klingner>klein. Wir sprachen über das Volumen-zu-Oberfläche-Verhältnis. Sprich...

01:31:42.635 --> 01:31:45.715
<v Tim Pritlove>Ist aber jetzt kein kleiner Apparat. Ich war da, also...

01:31:45.715 --> 01:31:50.135
<v Thomas Klingner>Für ein Fusionskraftwerk ist das schon noch eine Mini-Version.

01:31:51.055 --> 01:31:54.355
<v Thomas Klingner>Aber wir reden bei Fusionskraftwerken von Gigawatt-Kraftwerken.

01:31:54.455 --> 01:31:56.755
<v Thomas Klingner>Das sind wirkliche Großanlagen.

01:31:58.003 --> 01:32:04.343
<v Tim Pritlove>Ja, wie viel größer als das, was jetzt hier aufgebaut ist, müsste ein entsprechendes System sein?

01:32:04.423 --> 01:32:08.923
<v Thomas Klingner>Wenn man konservativ rechnet, also wenn wir im Prinzip diese Maschine einfach

01:32:08.923 --> 01:32:13.583
<v Thomas Klingner>physikalisch-technisch fortsetzen, wir reden da von Skalierung,

01:32:14.263 --> 01:32:17.463
<v Thomas Klingner>dann landen wir ohne weiteres im 1000 Kubikmeter Plasma-Volumenbereich.

01:32:17.583 --> 01:32:21.523
<v Thomas Klingner>Wir haben jetzt 30 Kubikmeter, also von 30 auf 1000.

01:32:21.763 --> 01:32:25.463
<v Tim Pritlove>Was würde sich dann sozusagen auf diesen Durchmesser des Turos so?

01:32:25.823 --> 01:32:32.823
<v Thomas Klingner>Sowas wie 45 Meter. Okay. Also es ist eine große Anlage, es ist aber auch keine bizarr große Anlage.

01:32:32.943 --> 01:32:36.203
<v Thomas Klingner>Also wenn sie mal in so einem Gigawatt Braunkohlekraftwerk gewesen sind,

01:32:36.263 --> 01:32:41.943
<v Thomas Klingner>das sind auch große Kessel mit diesen zig Meter hoch und wirklich sehr, sehr beeindruckend.

01:32:42.043 --> 01:32:44.363
<v Thomas Klingner>Also ein Gigawatt braucht auch einfach große technische Anlagen.

01:32:44.463 --> 01:32:48.623
<v Thomas Klingner>Das ist ja erstmal nichts Besonderes, das ist nicht außerhalb der Skala draußen,

01:32:48.923 --> 01:32:52.603
<v Thomas Klingner>sondern es ist einfach ein ganz normales Großkraftwerk. Für ein Großkraftwerk

01:32:52.603 --> 01:32:53.723
<v Thomas Klingner>ist das Ding viel zu klein.

01:32:53.883 --> 01:33:01.483
<v Thomas Klingner>Diese 30 Kubikmeter, die sind im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dem Volumen

01:33:01.483 --> 01:33:03.823
<v Thomas Klingner>zu der Oberfläche so ungünstig,

01:33:03.983 --> 01:33:10.863
<v Thomas Klingner>dass wir gar nicht diese Temperaturen, diese 100 Millionen Grad damit erreichen können.

01:33:12.303 --> 01:33:15.903
<v Thomas Klingner>Als Folge ist es natürlich auch nutzlos, dort Tritium reinzutun.

01:33:16.103 --> 01:33:21.283
<v Thomas Klingner>Das würde so wenig fusionieren, man würde nichts daraus lernen und wir müssten

01:33:21.283 --> 01:33:24.323
<v Thomas Klingner>die ganze Anlage als nukleare Anlage trotzdem betreiben, weil wir mit Tritium

01:33:24.323 --> 01:33:28.983
<v Thomas Klingner>umgehen, das ist dann auch ein radioaktives Element und das wäre dann plötzlich alles nuklear.

01:33:30.643 --> 01:33:35.103
<v Thomas Klingner>Und das ist kein Mehrwert, wenn man nichts daraus lernt und eben halt nur die Umstände hat.

01:33:35.203 --> 01:33:39.663
<v Thomas Klingner>Das wäre rein symbolisch und das ist wissenschaftlich und auch technologisch nutzlos.

01:33:40.303 --> 01:33:45.183
<v Thomas Klingner>In dem Sinne, das ist kein Fusionsexperiment, sondern das ist zunächst erstmal eine Anlage,

01:33:46.443 --> 01:33:50.743
<v Thomas Klingner>um herauszufinden, ist dieses Magnetfeld jetzt in der Lage, die Wärmeisolation,

01:33:50.803 --> 01:33:54.423
<v Thomas Klingner>auf der ich immer wieder rumreite, diese Wärmeisolation herzustellen unter stabilen,

01:33:54.503 --> 01:33:57.303
<v Thomas Klingner>kontrollierten, geregelten Bedingungen, die es braucht.

01:33:59.043 --> 01:34:02.263
<v Thomas Klingner>Um in einer größeren Anlage dann Fusion zu machen.

01:34:03.003 --> 01:34:06.183
<v Thomas Klingner>Aber das ist genau die Strategie. Man könnte natürlich jetzt einen Schuss ins

01:34:06.183 --> 01:34:08.003
<v Thomas Klingner>Blaue machen, gleich eine große Anlage bauen.

01:34:08.883 --> 01:34:13.683
<v Thomas Klingner>Aber da wir noch nicht gut genug wissen, ob diese große Anlage,

01:34:13.743 --> 01:34:15.083
<v Thomas Klingner>mit der man gleich Fusion machen könnte,

01:34:15.583 --> 01:34:19.363
<v Thomas Klingner>ob die das auch wirklich liefert, baut man aus rein ökonomischen Gründen das

01:34:19.363 --> 01:34:22.143
<v Thomas Klingner>natürlich erst mal als kleine Anlage, die noch keine Fusion macht,

01:34:22.403 --> 01:34:24.403
<v Thomas Klingner>wo man sagen kann, so jetzt haben wir alles beisammen,

01:34:24.923 --> 01:34:26.543
<v Thomas Klingner>dass wir diesen großen Wurf machen können.

01:34:27.483 --> 01:34:31.983
<v Thomas Klingner>Das ist letztlich eine Risikoreduktion, also Investitionsrisikoreduktion.

01:34:32.703 --> 01:34:37.203
<v Thomas Klingner>Denn es wäre nicht auszuschließen, dass man eine Großanlage baut und die läuft nicht gut.

01:34:37.743 --> 01:34:40.963
<v Thomas Klingner>Die liefert einfach nicht genug. Das ist ein Mistkraftwerk.

01:34:41.423 --> 01:34:45.303
<v Thomas Klingner>Und man will ja die Basis dafür herstellen, dass man weiß, was man tut,

01:34:45.703 --> 01:34:49.743
<v Thomas Klingner>dass man dann gleich bei dieser ersten Generation, bei der ersten ihrer Art,

01:34:50.263 --> 01:34:53.223
<v Thomas Klingner>dass man dort gleich ein funktionstüchtiges Kraftwerk auf die Beine stellt.

01:34:54.503 --> 01:34:55.063
<v Tim Pritlove>Ja.

01:34:56.076 --> 01:35:00.536
<v Tim Pritlove>Trotzdem ist ja der Stellarator, also auch wenn jetzt nur Japan und Deutschland

01:35:00.536 --> 01:35:02.856
<v Tim Pritlove>dieses Modell bisher verfolgen,

01:35:03.156 --> 01:35:11.396
<v Tim Pritlove>schon auch ein realer Kandidat für eine mögliche Umsetzung als echtes Fusionskraftwerk.

01:35:11.396 --> 01:35:16.936
<v Tim Pritlove>Was sind sozusagen die Vorteile und warum man jetzt bei diesem System auch geblieben

01:35:16.936 --> 01:35:19.596
<v Tim Pritlove>ist oder dieses Konzept weiterverfolgt hat,

01:35:20.016 --> 01:35:27.916
<v Tim Pritlove>wenn man sich jetzt sozusagen eine Umsetzung vorstellt, was macht diesen Ansatz geeignet dafür,

01:35:28.376 --> 01:35:33.176
<v Tim Pritlove>wirklich letzten Endes die Basis für eine Fusionsenergiegewinnung zu sein?

01:35:33.956 --> 01:35:36.896
<v Thomas Klingner>Zunächst muss ich korrigieren, es ist nicht nur Japan und Deutschland.

01:35:37.436 --> 01:35:41.896
<v Thomas Klingner>Das waren so in der historischen Entwicklung so diejenigen großen Labors,

01:35:42.076 --> 01:35:44.436
<v Thomas Klingner>die da richtig am Ball geblieben sind.

01:35:44.596 --> 01:35:50.476
<v Thomas Klingner>Es gibt etliche etwas kleinere, die teilweise auch durchgehend mitgespielt haben,

01:35:50.556 --> 01:35:51.776
<v Thomas Klingner>die wieder eingestiegen sind.

01:35:51.936 --> 01:35:54.876
<v Thomas Klingner>Also wir haben schon Stellaratoren in allen Nationen.

01:35:55.076 --> 01:35:58.916
<v Thomas Klingner>Also China baut gerade einen Stellarator. In den USA gibt es mehr Stellaratoren.

01:35:58.996 --> 01:36:02.056
<v Thomas Klingner>Es gibt ein wichtiges Experiment in Spanien.

01:36:03.376 --> 01:36:05.876
<v Thomas Klingner>Also so klein ist die Szene dann doch wieder nicht.

01:36:07.196 --> 01:36:10.416
<v Thomas Klingner>Also wir haben da schon eine ganz gute Stellarator-Familie insgesamt.

01:36:10.756 --> 01:36:15.076
<v Thomas Klingner>Die könnte natürlich immer größer sein, weil dadurch mehr Kraft entsteht da

01:36:15.076 --> 01:36:16.336
<v Thomas Klingner>drin. Also einfach auch mehr Innovationskraft.

01:36:16.336 --> 01:36:18.716
<v Tim Pritlove>Aber auch die anderen sind alle mehr oder weniger auf demselben Stand.

01:36:19.136 --> 01:36:23.056
<v Thomas Klingner>Naja, das sind unterschiedlich große Maschinen. Größte spielt immer eine Rolle.

01:36:23.316 --> 01:36:28.356
<v Thomas Klingner>Die sind auch von unterschiedlichen Entwicklungsstadiumen, also unterschiedliche Generationen da drin.

01:36:29.396 --> 01:36:33.916
<v Thomas Klingner>Also der Wendelstein ist schon die größte und vor allem die am weitesten fortgeschrittene

01:36:33.916 --> 01:36:38.816
<v Thomas Klingner>Anlage also die mit großem Abstand modernste und leistungsfähigste Anlage da

01:36:38.816 --> 01:36:40.276
<v Thomas Klingner>ist jetzt so im Prinzip das ganze Wissen,

01:36:41.216 --> 01:36:45.596
<v Thomas Klingner>der Welt, der Stellarator-Welt und der letzten Dekaden da reingeflossen und

01:36:45.596 --> 01:36:47.256
<v Thomas Klingner>da ist alles mal zusammengebündelt.

01:36:49.096 --> 01:36:53.356
<v Thomas Klingner>Warum ist der Stellarator jetzt eigentlich ein guter Kandidat?

01:36:54.156 --> 01:36:56.976
<v Thomas Klingner>Naja, wenn man jetzt einmal wieder zurück geht zur Physik.

01:36:58.071 --> 01:37:04.071
<v Thomas Klingner>Dieser berühmte Strom im Plasma, der beim Tokamak ja erforderlich ist und der

01:37:04.071 --> 01:37:08.391
<v Thomas Klingner>auch ein Vorteil ist, weil der Strom das Plasma auch heizt.

01:37:08.651 --> 01:37:12.211
<v Thomas Klingner>Das war ursprünglich mal ein ganz großer Pluspunkt beim Tokamak,

01:37:12.291 --> 01:37:13.911
<v Thomas Klingner>als das die dominante Heizung war.

01:37:14.651 --> 01:37:17.911
<v Thomas Klingner>Aber dieser Strom, den kriegt man ja dann nicht raus, der muss da gemacht werden.

01:37:18.011 --> 01:37:21.191
<v Thomas Klingner>Und der hat schon auch seine Nachteile. Er macht das Plasma instabil,

01:37:21.631 --> 01:37:25.151
<v Thomas Klingner>also diesen elektrischen Strom mag das Plasma gar nicht so gerne.

01:37:25.811 --> 01:37:30.511
<v Thomas Klingner>Wir sprachen über diese dynamischen Phänomene da drin, dass das Plasma seine

01:37:30.511 --> 01:37:32.211
<v Thomas Klingner>eigene Dynamik entwickelt.

01:37:32.371 --> 01:37:36.631
<v Thomas Klingner>Und die kann dazu führen, dass das Plasma auch einfach sich mal verabschiedet

01:37:36.631 --> 01:37:38.031
<v Thomas Klingner>innerhalb von sehr kurzer Zeit.

01:37:38.191 --> 01:37:41.271
<v Thomas Klingner>Und dann wird dieser Strom, und wir reden bei dem Strom in einem Tokamak von

01:37:41.271 --> 01:37:45.211
<v Thomas Klingner>Megaampere, von Millionenampere, wird dann sehr plötzlich unterbrochen.

01:37:45.591 --> 01:37:48.431
<v Thomas Klingner>Und das ist ein sehr unangenehmes Event.

01:37:49.191 --> 01:37:51.911
<v Thomas Klingner>Das heißt also, dann wird die ganze Maschine ordentlich durchgeschüttelt und

01:37:51.911 --> 01:37:55.551
<v Thomas Klingner>muss inspiziert werden. und das ist kein gutes Betriebsszenario,

01:37:55.711 --> 01:37:58.731
<v Thomas Klingner>das ist ein Kopfschmerz. Das gibt es beim Stellarator nicht.

01:37:59.271 --> 01:38:01.991
<v Thomas Klingner>Der Stellarator hat ja keinen Strom, der braucht keinen Strom,

01:38:02.111 --> 01:38:05.191
<v Thomas Klingner>weil man die ganze Magnetfeldformung in die Magnete reingesteckt hat.

01:38:05.591 --> 01:38:09.771
<v Thomas Klingner>Das ist ein Riesenvorteil, die Stromlosigkeit des Fusionsplasmas.

01:38:10.171 --> 01:38:14.191
<v Thomas Klingner>Hört sich so ein bisschen nischig an.

01:38:14.731 --> 01:38:19.631
<v Thomas Klingner>Nicht so, man sagt halt Stromlosigkeit des Fusionsplasmas, aber das ist schon

01:38:19.631 --> 01:38:28.851
<v Thomas Klingner>ein dickes Ding. Also ein stromloses Plasma ist per se, per Definition viel stabiler.

01:38:29.091 --> 01:38:32.011
<v Thomas Klingner>Wo kein Strom drin ist, kann auch kein Strom abbrechen.

01:38:33.011 --> 01:38:36.271
<v Thomas Klingner>Wir brauchen keinen Strom da drin. Das heißt, in anderen Worten,

01:38:36.311 --> 01:38:39.051
<v Thomas Klingner>das Magnetfeld, was wir mit diesen externen Magneten generieren,

01:38:39.811 --> 01:38:44.291
<v Thomas Klingner>ist für sich dieses immaterielle Gefäß, in das man das Plasma reinfüllt und

01:38:44.291 --> 01:38:47.111
<v Thomas Klingner>es bleibt da drin sitzen, bis man es wieder rausnimmt.

01:38:47.631 --> 01:38:49.971
<v Thomas Klingner>Und das ist der zweite wichtige Aspekt.

01:38:51.457 --> 01:38:56.057
<v Thomas Klingner>Das Stellarator-Plasma, das Stellarator-Fusions-Plasma, das füllt man in dieses

01:38:56.057 --> 01:39:01.657
<v Thomas Klingner>Magnetfeld rein und im idealen Fall hockt das da drin.

01:39:02.037 --> 01:39:06.237
<v Thomas Klingner>Und das bedeutet, dieses Kraftwerk läuft auch einfach stundenlang,

01:39:06.677 --> 01:39:08.217
<v Thomas Klingner>den ganzen Tag, wochenlang.

01:39:09.610 --> 01:39:12.950
<v Thomas Klingner>Das ist eine ganz stabile Angelegenheit. Das ist in diesem Gefäß drin.

01:39:13.030 --> 01:39:17.850
<v Thomas Klingner>Man hat immer den Gaseinlass, man hat die Pumpen und das Plasma arbeitet dort wie so ein Gasöfchen.

01:39:19.670 --> 01:39:22.950
<v Thomas Klingner>Das ist ein zweiter Aspekt, der einem beim Tokamak Sorgen macht.

01:39:23.690 --> 01:39:28.110
<v Thomas Klingner>Diesen Strom, der ist ja nicht von selber im Plasma, den muss man dort hineinbringen.

01:39:28.790 --> 01:39:34.130
<v Thomas Klingner>Und wenn man etwa den Tokamak ITER in Südfrankreich nimmt, dafür braucht man

01:39:34.130 --> 01:39:38.590
<v Thomas Klingner>einen gewaltigen Magneten noch in der Mitte, also eine so große Spule noch in

01:39:38.590 --> 01:39:40.810
<v Thomas Klingner>der Mitte, diesen Strom in das Plasma induziert.

01:39:41.210 --> 01:39:46.130
<v Thomas Klingner>Diese Induktion erfordert, dass man diesen Magneten in der Mitte hochfährt und wieder runterfährt.

01:39:47.070 --> 01:39:52.430
<v Thomas Klingner>Und das passiert nicht innerhalb von einer Sekunde oder Bruchteil einer Sekunde,

01:39:52.550 --> 01:39:55.630
<v Thomas Klingner>sondern über Minuten oder gar Stunden kann das passieren.

01:39:57.170 --> 01:40:02.050
<v Thomas Klingner>Ist aber eine zusätzliche Komplikation, weil man dadurch so Zyklen reinbekommt,

01:40:02.130 --> 01:40:04.710
<v Thomas Klingner>dieses Hochfahren, Runterfahren, Hochfahren, Runterfahren.

01:40:04.930 --> 01:40:11.890
<v Thomas Klingner>Und das ist technisch problematischer, wenn man es eben im Vergleich zu einfach

01:40:11.890 --> 01:40:17.490
<v Thomas Klingner>einem Magnetfeld, was das Plasma einfach aufbewahrt, wo man gar nichts machen muss.

01:40:18.690 --> 01:40:21.530
<v Thomas Klingner>Also das heißt, es gibt da so Plus und Minus. Der Druckermark ist nach wie vor

01:40:21.530 --> 01:40:25.750
<v Thomas Klingner>immer noch die leistungsfähigste Fusionsmaschine, die mit ihren Betriebsparametern,

01:40:25.830 --> 01:40:29.110
<v Thomas Klingner>mit diesen Plasmaparametern am nächsten an die Fusion rangekommen ist.

01:40:29.750 --> 01:40:33.570
<v Thomas Klingner>Also hat immer noch so die Nase vorne. Der Stellarator robbt sich da jetzt so

01:40:33.570 --> 01:40:35.690
<v Thomas Klingner>langsam ran an diese Werte.

01:40:35.970 --> 01:40:38.250
<v Thomas Klingner>Und die Entwicklung sieht ganz gut aus.

01:40:38.850 --> 01:40:47.890
<v Thomas Klingner>Wenn man mit dem Steuerator auf solide Füße gestellt, die gleichen Güteparameter

01:40:47.890 --> 01:40:51.610
<v Thomas Klingner>für das Plasma erzeugt wie in einem Tokamak, ist der Steuerator gewiss besser.

01:40:52.954 --> 01:40:57.494
<v Thomas Klingner>Also man kann die stationär betreiben, also am Dauerstrich, im Dauerbetrieb

01:40:57.494 --> 01:40:59.054
<v Thomas Klingner>betreiben und er ist stabil.

01:40:59.554 --> 01:41:01.434
<v Thomas Klingner>Das ist beides für ein Kraftverbot.

01:41:02.574 --> 01:41:07.814
<v Tim Pritlove>Verstehe. Trotzdem ist ja auch, glaube ich, der Stellarator durchaus bestimmten

01:41:07.814 --> 01:41:12.494
<v Tim Pritlove>mechanischen Kräften auch ausgesetzt.

01:41:12.574 --> 01:41:17.614
<v Tim Pritlove>Wenn ich mir vorstelle, dass diese ganzen Magnete da in so einer verbogenen

01:41:17.614 --> 01:41:23.374
<v Tim Pritlove>Form drumherum liegen, die dürften ja wahrscheinlich auch einen gewissen Stress

01:41:23.374 --> 01:41:25.934
<v Tim Pritlove>auf das ganze System ausüben.

01:41:27.754 --> 01:41:34.594
<v Tim Pritlove>Haben die nicht die Tendenz dazu, sich wieder gerade biegen zu wollen? Wie hört sich das aus?

01:41:34.654 --> 01:41:39.054
<v Thomas Klingner>Das ist ein wichtiger Punkt und das kann man sagen, das ist so eine Schwäche

01:41:39.054 --> 01:41:41.634
<v Thomas Klingner>des Stellerators. Nichts im Leben ist perfekt.

01:41:42.314 --> 01:41:45.714
<v Thomas Klingner>Jeder hat Stärken und Schwächen. Eine Schwäche des Stellarators besteht daran,

01:41:45.814 --> 01:41:53.574
<v Thomas Klingner>dass die Kräfteverteilung, die von diesen Magneten impliziert wird,

01:41:53.794 --> 01:41:58.294
<v Thomas Klingner>die resultiert aus der Form dieser Magnete, dass die sehr komplex ist.

01:42:00.054 --> 01:42:04.354
<v Thomas Klingner>Simpel gesprochen kann man sagen, diese nicht planaren Magnete,

01:42:04.494 --> 01:42:07.494
<v Thomas Klingner>diese geformten Magnete, sobald sie vom Strom durchflossen sind,

01:42:07.654 --> 01:42:14.174
<v Thomas Klingner>wollen sie eben werden und wollen sie rund werden und entsprechend bilden sich die Kräfte aus.

01:42:14.374 --> 01:42:17.594
<v Thomas Klingner>Das heißt, sie versuchen sich in diese einfache Form selber zu bringen,

01:42:18.354 --> 01:42:23.674
<v Thomas Klingner>weil sie müssen in diese nicht ebene Form hinein gezwungen werden mit Stahlgehäusen

01:42:23.674 --> 01:42:26.074
<v Thomas Klingner>und das geht dann über die Stahlgehäuse, geht das in die Schrauben,

01:42:26.194 --> 01:42:27.114
<v Thomas Klingner>in die Stützstrukturen.

01:42:27.114 --> 01:42:32.634
<v Thomas Klingner>Das heißt, die ganze mechanische Struktur muss erstens recht hohe Kräfte aushalten.

01:42:32.834 --> 01:42:37.134
<v Thomas Klingner>Also hier beim Wendelstein sind das sowas wie 100 Megapaskal,

01:42:37.574 --> 01:42:39.754
<v Thomas Klingner>um das mal so zu illustrieren.

01:42:39.814 --> 01:42:42.474
<v Thomas Klingner>Das ist so wie eine Tonne auf einem Quadratzentimeter.

01:42:43.696 --> 01:42:46.976
<v Thomas Klingner>Also so ein Auto auf einem Quadratzentimeter sitzen.

01:42:51.136 --> 01:42:53.916
<v Thomas Klingner>Bei Fusionsmaschinen, die nochmal stärkeres Magnetfeld brauchen,

01:42:54.036 --> 01:42:55.536
<v Thomas Klingner>ist es entsprechend nochmal mehr.

01:42:55.656 --> 01:42:59.156
<v Thomas Klingner>Da hat man nochmal so einen Faktor 3, 4, 5, teilweise sogar 8 mehr,

01:42:59.296 --> 01:43:01.056
<v Thomas Klingner>je nachdem wie stark man das Magnetfeld macht.

01:43:01.556 --> 01:43:04.776
<v Thomas Klingner>Und das geht alles schon arg an die technischen Grenzen, was so Stähle eigentlich

01:43:04.776 --> 01:43:06.856
<v Thomas Klingner>noch mögen, was Stähle also ertragen können.

01:43:07.436 --> 01:43:10.256
<v Thomas Klingner>Das heißt also, man hat dort durchaus eine Maschinenbauaufgabe,

01:43:10.376 --> 01:43:14.436
<v Thomas Klingner>die nicht vom Pappe ist. um mit diesen starken Kräften klar zu kommen.

01:43:14.536 --> 01:43:19.136
<v Thomas Klingner>Starke Magnete, wir haben Sprachen davon, je stärker das Magnetfeld,

01:43:19.236 --> 01:43:20.496
<v Thomas Klingner>desto besser die Wärmeisolation.

01:43:22.096 --> 01:43:25.556
<v Thomas Klingner>Und diese starken Magnetfelder erzeugen einfach auch starke Kräfte.

01:43:25.636 --> 01:43:27.996
<v Thomas Klingner>Und diese starken Kräfte müssen von einer starken Stahlstruktur,

01:43:28.996 --> 01:43:31.676
<v Thomas Klingner>Stützstrukturen und Haltestrukturen abgefangen werden.

01:43:31.876 --> 01:43:35.136
<v Thomas Klingner>Und da kommt man an die Materialgrenzen von Stahl ran.

01:43:35.996 --> 01:43:41.856
<v Thomas Klingner>Da geht man so an die Extreme. Also ist technisch durchaus machbar,

01:43:41.996 --> 01:43:44.176
<v Thomas Klingner>Aber man legt da schon ganz gut die Ohren an.

01:43:46.756 --> 01:43:53.716
<v Tim Pritlove>Ja, das haben wir, glaube ich, den Stille Rathor ganz gut beschrieben, auch das Potenzial.

01:43:53.956 --> 01:43:57.356
<v Tim Pritlove>Es ist klar, hier ist noch ein längerer Weg zu gehen.

01:43:57.516 --> 01:43:59.396
<v Tim Pritlove>Ganze Energiegewinnung kriegt natürlich

01:43:59.396 --> 01:44:05.496
<v Tim Pritlove>derzeit extreme Dynamik durch die Verbilligung von Solarstrom etc.

01:44:05.996 --> 01:44:11.916
<v Tim Pritlove>Also ich denke, wir sind gerade mitten in einer technischen Wende.

01:44:11.996 --> 01:44:16.636
<v Tim Pritlove>Dadurch, dass Batterien so günstig werden und Strom und Wind jetzt auf einmal

01:44:16.636 --> 01:44:19.376
<v Tim Pritlove>sozusagen ihrer Nachteile beraubt werden.

01:44:19.656 --> 01:44:26.256
<v Tim Pritlove>Von daher glaube ich, ist es ein bisschen offen, welche Lösung jetzt die Fusionstechnik

01:44:26.256 --> 01:44:29.816
<v Tim Pritlove>uns noch anbieten wird in der Zukunft.

01:44:30.156 --> 01:44:34.316
<v Tim Pritlove>Kann man das so sagen, dass es ein bisschen Ungewissheit hat?

01:44:35.516 --> 01:44:41.276
<v Thomas Klingner>Ungewissheit gibt es ja immer ich werde aber nicht so nicht so vorsichtig ich

01:44:41.276 --> 01:44:44.516
<v Thomas Klingner>bin der Bezeugung, wir werden die Fusion schon brauchen ähm,

01:44:45.620 --> 01:44:49.300
<v Thomas Klingner>Letztlich ist das eine Primärenergiequelle, die wir noch gar nicht nutzen.

01:44:49.720 --> 01:44:52.660
<v Thomas Klingner>Und warum sollten wir die einfach nicht nutzen?

01:44:53.780 --> 01:44:56.440
<v Thomas Klingner>Wie stark wir sie nutzen und in welchen Segmenten wir nutzen,

01:44:56.680 --> 01:44:58.260
<v Thomas Klingner>das ist eine andere Frage.

01:44:59.680 --> 01:45:06.880
<v Thomas Klingner>Fakt ist ja, wir sprachen schon darüber, dass das Großkraftwerke der Gigawatt-Klasse sind.

01:45:08.540 --> 01:45:11.040
<v Thomas Klingner>Und man kann natürlich diese Gigawatt

01:45:11.040 --> 01:45:15.420
<v Thomas Klingner>auch einsammeln über viele einzelne Megawatt oder 5 oder 10 Megawatt.

01:45:15.620 --> 01:45:18.880
<v Thomas Klingner>So 100 mal 10 Megawatt ist auch ein Gigawatt.

01:45:19.620 --> 01:45:24.620
<v Thomas Klingner>Dafür braucht man aber natürlich schon massive Netze. Man muss Energie transportieren,

01:45:24.980 --> 01:45:29.500
<v Thomas Klingner>gegebenenfalls auch über große Strecken, weil auch 100 mal 10 Megawatt und 10

01:45:29.500 --> 01:45:33.040
<v Thomas Klingner>Megawatt Windkraftwerke sind schon massiv. Das gleiche gilt auch für Solar.

01:45:34.180 --> 01:45:37.940
<v Thomas Klingner>Man hat schon hohen Flächenverbrauch. Das heißt, man muss aus der Fläche das

01:45:37.940 --> 01:45:41.020
<v Thomas Klingner>zusammenziehen und transportieren und dann an den Ort zu bringen,

01:45:41.120 --> 01:45:42.820
<v Thomas Klingner>wo man auch mal ein Gigawatt braucht.

01:45:43.800 --> 01:45:49.360
<v Thomas Klingner>Das heißt also, wo man hochkonzentriert viel Energie braucht und zuverlässig

01:45:49.360 --> 01:45:55.640
<v Thomas Klingner>braucht, also wirklich 24-7 am besten, also ohne Speicher, dass es einfach so liefert.

01:45:55.920 --> 01:45:58.220
<v Thomas Klingner>Da ist die Fusion schon ganz gut.

01:45:58.560 --> 01:46:02.240
<v Tim Pritlove>Also so für Schwerindustrien, Stahlproduktion, solche Sachen.

01:46:02.240 --> 01:46:06.800
<v Thomas Klingner>Große Industriekomplexe, große Agglomerationen, also Megastädte,

01:46:06.920 --> 01:46:07.940
<v Thomas Klingner>wie man das so nennen kann.

01:46:09.283 --> 01:46:13.983
<v Thomas Klingner>Wo Grundlast einfach so da ist, wo das auch einen Mehrwert darstellt,

01:46:14.403 --> 01:46:16.583
<v Thomas Klingner>wo man sich Blackouts auch nicht leisten kann.

01:46:17.863 --> 01:46:21.003
<v Thomas Klingner>Nur mal nebenbei gesagt, speichern hört sich immer so einfach an,

01:46:21.023 --> 01:46:22.863
<v Thomas Klingner>aber auch Energie speichern ist gar nicht ohne.

01:46:23.383 --> 01:46:28.643
<v Thomas Klingner>Das ist sehr teuer, das ist nach wie vor Batterieforschung, riesen Forschungsgebiet.

01:46:29.303 --> 01:46:33.083
<v Thomas Klingner>Die Batterien, die wir gewohnt sind, sind eben halt von der Telefonbatterie

01:46:33.083 --> 01:46:36.463
<v Thomas Klingner>bis zur Autobatterie, also von Elektromobilität.

01:46:37.003 --> 01:46:41.983
<v Thomas Klingner>Das ist ja alles so unsere Erlebniswelt, also sozusagen der Consumer-Bereich.

01:46:42.283 --> 01:46:46.383
<v Thomas Klingner>Aber wenn wir jetzt von Terrawattstunden-Batterien reden, das ist eine ganz

01:46:46.383 --> 01:46:48.903
<v Thomas Klingner>andere Liga für die Grundversorgung.

01:46:49.023 --> 01:46:54.803
<v Thomas Klingner>Also die großen globalen Schwankungen von Wind und Sonne, also der Sonnenzyklus

01:46:54.803 --> 01:46:57.683
<v Thomas Klingner>ist ganz offenkundig, der ist ja geometrisch gegeben, noch ein bisschen durch

01:46:57.683 --> 01:47:00.803
<v Thomas Klingner>Wetter gesteuert, der Windaspekt ist völlig durch Wetter gesteuert.

01:47:01.843 --> 01:47:05.383
<v Thomas Klingner>Und diese Schwankungen muss man ja durch Speichern ausgleichen.

01:47:05.383 --> 01:47:07.623
<v Thomas Klingner>Und das Problem ist wirklich nicht von Pappe.

01:47:07.823 --> 01:47:11.383
<v Thomas Klingner>Und das kombiniert sich mit der Transportaufgabe.

01:47:12.043 --> 01:47:15.443
<v Thomas Klingner>Also Energie speichern ist schwierig und Energie transportieren ist schwierig.

01:47:15.703 --> 01:47:21.883
<v Thomas Klingner>Da kann die Fusion ausspielen, dass sie erstens als große Energiequelle nicht

01:47:21.883 --> 01:47:27.623
<v Thomas Klingner>aus der Fläche transportiert werden muss und dass sie als ein Wärmekraftwerk

01:47:27.623 --> 01:47:30.923
<v Thomas Klingner>einfach verfügbar ist, die hohe Verfügbarkeit hat.

01:47:32.155 --> 01:47:38.215
<v Thomas Klingner>Und wo dieses Segment ist und wie groß das Segment ist, das hängt sehr von den

01:47:38.215 --> 01:47:43.015
<v Thomas Klingner>sozioökonomischen Bedingungen des jeweiligen Landes ab, wie stark es industrialisiert ist.

01:47:43.755 --> 01:47:47.315
<v Thomas Klingner>Ein viel ländlicheres Land ist da wahrscheinlich ganz anders aufgestellt als

01:47:47.315 --> 01:47:49.395
<v Thomas Klingner>ein hochindustrialisiertes Land.

01:47:49.635 --> 01:47:52.715
<v Thomas Klingner>Wie die Industrien sind, ob das eine starke chemische Industrie ist,

01:47:52.815 --> 01:47:54.575
<v Thomas Klingner>die braucht unendlich viel Prozesswärme.

01:47:54.955 --> 01:48:00.075
<v Thomas Klingner>Ob es dort Stahlindustrie gibt, ist auch an Energie, Stahlschmelzen oder sowas gewohnt.

01:48:00.275 --> 01:48:01.555
<v Tim Pritlove>Oder auch Fernwärmesysteme.

01:48:01.555 --> 01:48:06.695
<v Thomas Klingner>Und Fernwärmesysteme für große Cities, die auch einfach Basisversorgung brauchen

01:48:06.695 --> 01:48:10.975
<v Thomas Klingner>bis hin zu Verkehr, nicht U-Bahnen, Krankenhäusern und so weiter.

01:48:11.195 --> 01:48:14.415
<v Thomas Klingner>Das ist ein anderes Setup als eine ländliche Region.

01:48:15.135 --> 01:48:18.895
<v Thomas Klingner>Und ich glaube, da gilt auch wieder, es gibt keine Universallösung.

01:48:18.895 --> 01:48:25.155
<v Thomas Klingner>Also nicht ein Zauberstab, der dann gleich alles auflöst, sondern man muss ein neues System aufbauen.

01:48:25.415 --> 01:48:30.175
<v Thomas Klingner>Und in dieser systemischen Sicht, wie so ein Gesamtsystem sinnvoll und ökonomisch

01:48:30.175 --> 01:48:34.215
<v Thomas Klingner>leistungsfähig und den Bedürfnissen entsprechend aufgebaut ist,

01:48:34.355 --> 01:48:35.995
<v Thomas Klingner>das ist wiederum ein Thema,

01:48:36.855 --> 01:48:39.535
<v Thomas Klingner>was einerseits noch besser verstanden werden muss, was ich

01:48:39.535 --> 01:48:42.955
<v Thomas Klingner>aber auch jetzt wo wir sehen wie stark sich die welt verändert und

01:48:42.955 --> 01:48:45.895
<v Thomas Klingner>wie sich auch sozioökonomische bedingungen in jedem jedem land verändern

01:48:45.895 --> 01:48:50.935
<v Thomas Klingner>wo das auch diese so in entwicklung unter unterlegen ist insofern ist es ganz

01:48:50.935 --> 01:48:55.155
<v Thomas Klingner>schwer da jetzt so etwas in zahlen zu nennen oder das jetzt wirklich so rein

01:48:55.155 --> 01:48:58.635
<v Thomas Klingner>zu gießen wenn ich sagen würde da diese fusion macht alles oder die fusion macht

01:48:58.635 --> 01:49:03.515
<v Thomas Klingner>nur zehn prozent das ist alles bodenlos nächstes alles haltlos alleine,

01:49:04.730 --> 01:49:10.790
<v Thomas Klingner>Was wir machen müssen und was wir versuchen, oder beziehungsweise woran wir

01:49:10.790 --> 01:49:15.670
<v Thomas Klingner>arbeiten, ist, dass wir die technologische und physikalische Basis dafür herstellen,

01:49:15.750 --> 01:49:16.650
<v Thomas Klingner>dass man diese Option hat.

01:49:17.630 --> 01:49:20.930
<v Thomas Klingner>Denn wenn wir uns da nicht vorarbeiten, dann haben wir sie nicht,

01:49:20.970 --> 01:49:22.730
<v Thomas Klingner>wenn wir sie brauchen. Dann guckt man dumm.

01:49:23.710 --> 01:49:24.470
<v Tim Pritlove>Genau, Vorbereitszeit.

01:49:24.830 --> 01:49:28.830
<v Thomas Klingner>Jetzt hätten wir gerne Fusion. Wie Bäume pflanzen.

01:49:29.050 --> 01:49:33.450
<v Thomas Klingner>Wenn man Holz braucht, muss man 100 Jahre vorher einen Baum pflanzen. So ist das leider.

01:49:34.990 --> 01:49:39.410
<v Tim Pritlove>Ja, hier wird auf jeden Fall viel gepflanzt, das ist ganz offensichtlich und

01:49:39.410 --> 01:49:46.090
<v Tim Pritlove>ich denke auch jetzt rein über das Ziel hinaus, was man jetzt hier natürlich im Fokus hat,

01:49:46.510 --> 01:49:53.110
<v Tim Pritlove>dem Betrieb von einer Fusionsmaschine, fällt ja auch eine ganze Menge an sekundären

01:49:53.110 --> 01:49:54.290
<v Tim Pritlove>Forschungsergebnissen hier ab.

01:49:54.290 --> 01:49:58.810
<v Tim Pritlove>Ich kann mir vorstellen, es muss viel erfunden werden, es müssen neue Instrumente

01:49:58.810 --> 01:50:04.730
<v Tim Pritlove>erfunden werden, Beobachtungen der Prozesse, ich denke Materialforschung und

01:50:04.730 --> 01:50:07.290
<v Tim Pritlove>allein auch so Kühltechnik,

01:50:07.490 --> 01:50:12.710
<v Tim Pritlove>sind ja alles solche Bereiche, die hier von der Forschung auch profitieren.

01:50:12.710 --> 01:50:19.050
<v Thomas Klingner>Ja, ganz gewiss. Wie immer, wenn man sich an die technologischen Grenzgebiete

01:50:19.050 --> 01:50:23.370
<v Thomas Klingner>begibt und da landen wir automatisch im Hinblick auf Wärmebelastung,

01:50:23.550 --> 01:50:25.570
<v Thomas Klingner>Supraleitung, Kryotechnologie.

01:50:25.850 --> 01:50:30.250
<v Thomas Klingner>Wir arbeiten dort ganz oft an den technologischen Grenzen und eben auch die

01:50:30.250 --> 01:50:36.010
<v Thomas Klingner>Leistungsfähigkeit unserer Fusionsmaschine ist oftmals technologisch begrenzt.

01:50:36.010 --> 01:50:36.970
<v Thomas Klingner>Also nicht durch die Physik.

01:50:37.130 --> 01:50:41.530
<v Thomas Klingner>Es gibt keine Physikgründe, warum man dort nicht hinkommen sollte,

01:50:41.610 --> 01:50:43.550
<v Thomas Klingner>sondern es gibt ganz einfache technologische Gründe.

01:50:43.650 --> 01:50:50.070
<v Thomas Klingner>Das heißt, wir kratzen dort einfach an diesen technologischen Limits und das

01:50:50.070 --> 01:50:55.570
<v Thomas Klingner>erzeugt natürlich automatisch für sich Innovationskraft und immer wieder Suche nach neuen Lösungen.

01:50:56.811 --> 01:51:00.571
<v Tim Pritlove>Ja, super. Gutes Schlusswort. Ich bedanke mich für die Ausführung.

01:51:00.771 --> 01:51:01.611
<v Thomas Klingner>War mir ein Vergnügen.

01:51:02.551 --> 01:51:10.531
<v Tim Pritlove>Ja, das war's hier von Forschergeist zum Stellerator und dem Forschungsweg auf

01:51:10.531 --> 01:51:13.471
<v Tim Pritlove>dem Weg zur Gewinnung von Fusionenergie.

01:51:14.251 --> 01:51:20.491
<v Tim Pritlove>Ja, und dann würde ich sagen, vielen Dank, vielen Dank fürs Zuhören. Das war's.

01:51:20.811 --> 01:51:24.151
<v Tim Pritlove>Bald geht's hier hoffentlich wieder weiter und ich sage Tschüss und bis bald.
