FG002 Citizen Science

Bürgerwissenschaften als Ergänzung des professionellen Wissenschaftsbetriebs

Peter Finke
Peter Finke

Das Wissenschaftssystem hat über Jahrhunderte seine heutige Form gefunden und findet sich in Zeiten hochverfügbarer Technologie und breiter Bildung der Gesellschafts einer interessanten Gemeinschaft von Amateurwissenschaftlern gegenüber. Unter dem Begriff Citizen Science sammelt sich das Engagement dieser Bürger und sucht Wege, das professionelle Wissenschaftssystem zu ergänzen und in Bereichen zu bereichern, wo ihm selbst Grenzen gesetzt sind.

Wir sprechen mit dem Wissenschaftstheoretiker Peter Finke, Autor des Buches "Citizen Science: Das unterschätzte Wissen der Laien" und befragen ihn zu seinen Erkenntnissen und Erfahrungen aus seiner aktiven Zeit im wissenschaftlichen Betrieb und seinem eigenen Engagement in nicht-professionellen Forschungsbereichen.

10 Gedanken zu “FG002 Citizen Science

  1. Wenn ich meine Emacs-Erweiterungen selber schreibe und mir eine neue Herangehensweise einfällt und ich das auf GitHub stelle, bin ich dann citizen scientist? War Linus Torvalds als er mit Linux angefangen hat ein citizen scientist?

  2. Pingback: [Stifterverband] Forschergeist-Podcast: Citizen Science | netzlesen.de

  3. Ein toller neuer Kanal! Und eine tolle neue Sendung. Normalerweise bin ich eigentlich nicht wirklich an Forschung und Wissenschaft interessiert, wahrscheinlich auch, weil es zu schwierig ist, wissenschaftliche Themen wirklich zu verfolgen (Knoff Hoff machte es einem damals etwas leichter ;-)), und weil es so viele Themen gibt, mit denen man sich beschäftigen kann. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass ja eigentlich jedes Thema gaaanz entfernt von Wissenschaft berührt wird / auf Wissenschaft aufsetzt.

    Wie auch immer: Peter Finke ist ein angenehmer Gesprächspartner, der viele wichtige und richtige Punkte anspricht. Wenn ich mich mit meinen wissenschaftliche ausgebildeten Freunden sprechen (die fast alle nicht in D tätig sind, aus Gründen) und dies mit Finkes Punkten abgleichen kommen eigentlich alle auf einen Punkt: Titel-und Machtgeilheit regieren und versperren den Blick auf das Wesentliche: überall hoch dotierte Spezialisten und nichts geht mehr.

    Die Meinung des Laien oder gar des Betroffenen interessiert nicht, weil sie “ungebildet” ist. Ein Problem welches wir bereits in der Schule “kultivieren”!!

  4. Eine sehr schöne Episode mit einer schönen Vogelperspektive auf das Thema Citizen Science und die dahinter stehenden Probleme und Strömungen. Einziger Wehmutstropfen: Das durchaus spannende Aus-dem-wissenschaftspolitischen-Nähkästchen-Plaudern von Peter Finke bleibt an vielen stellen sehr abstrakt und unkonkret, was einzelne Bürgerwissenschaftsprojekte angeht. Hier hätten einige konkrete Beispiele das Hörverständnis unterstützen können. Auf die mehrfach wiederholte Frage, welchen Einstiegspunkt interessierte Wissenschaftler wählen können, hätte man zum Beispiel die Citizen Science-Plattform http://buergerschaffenwissen.de/ nennen können, die bezahlte und ehrenamtliche Forscher zusammenbringt. Bei den nächsten Folgen würde ich mich auch über einige weiterführende Links in den Shownotes freuen. Gleichwohl ein super Folge – vielen Dank dafür!

  5. Pingback: Citizen Science – Bürger als Wissenschaftler? | dmhdf – das Blog der Mittelmäßigkeit

  6. Grundsätzlich ein toller Kanal und eine tolle Sendung! Leider war ich doch etwas enttäuscht, denn zum Ende hin als es wirklich anfing konkret und interessant zu werden, war die Sendung dann plötzlich einfach so zu Ende.
    Ein bisschen ist mir die Definition des Bürgerwissenschaftlers unklar: Geht es nun um Lieschen Müller, die für sich im Stillen irgendwas erwissenschaftlert, oder ausschliesslich um solche Laien, die auch in Vereinen oder Netzwerken tätig sind (es wird von Ehrenamt gesprochen)? Insbesondere bei der Frage, wie man die Ansprechpartner für die Politik finden soll, ist das ja entscheidend. Hier hätte man mal konkreter diskutieren können, welche Möglichkeiten der Laie hat sich zu vernetzen, um für die Politik auch auffindbar zu sein.
    Leider fehlte in diesem Zusammenhang das wichtigste Beispiel einer solchen Gruppierung: Der CCC. Ein hervoragendes Beispiel von (größtenteils) Bürgerwissenschaften, die aufgrund der größe Gruppe und der Relevanz ihrer Forschung (bundestrojaner, etc.) auch erfolgreich von Politik und Medien herangezogen wird.
    Ich weiss nicht, wie viele groß der Anteil an Profi-Wissenschaftlern im CCC ist, aber die Entwicklung zweier paralleler Wissenschaftswelten ist mir persönlich schon auf dem letzten Kongress aufgefallen:
    Dort gab es einerseits diese “hackertypen”, die immer den “heissen scheiss” gemacht, irgendwas zerlegt und zerklötert haben und großen Applaus in ihren vorträgen geerntet haben und andererseits die akademischen vortragenden, die mindestens genauso interessante themen hatten, die nur leider niemand verstanden hat. z.b. der “gehirnmann”, ich weiss nicht mehr wer das war, aber er hat über die äquivalenz von neuronalen netzen und lambdakalkül oder so geredet und damit mal im vorbeigehen der welt klargemacht, dass intelligente computer eben doch möglich sind (zumindest im unendlichen..oder so*g* ), nur leider hat ihn niemand verstanden, da die meisten anwesenden laien, zwar kompetent sind, aber seine sprache nicht sprechen.
    Auch dieses Problem wurde leider nicht aufgegriffen: Wie bringt man profiwissenschafter und laien zusammen? Denn das Problem ist nicht nur eine andere inhaltliche ausrichtung, sondern vor allem eine andere sprache und arbeitsweise.
    Insbesondere in der Informatik z.b. zeichnet sich der Profiwissenschaftler hauptsächlich dadurch aus, dass er sein Wissen in Formaler (oder griechischer) sprache ausdrückt und dadurch irgendwie klüger wirkt als der gemeine wald und wiesen hacker. Da heissen dann “reihenfolgen” eben “permutationen” und “zahlen mit denen man rechnen kann” irgendwie “räume” und “abelsche gruppen” und ein wissenschaftliches paper, wirkt wie ein einziges fremdwortlexikon, selbst wenn es eigentlich triviale inhalte vermitteln soll.
    Andererseits sehe ich aber auch die notwendigkeit eindeutiger begriffe und insbesondere die unterscheidbarkeit solcher vom normalen sprachgebrauch, um eben definitionen eindeutig und erkennbar zu halten und auch die notwendigkeit von formalisierungen sehe ich, um die beweisbarkeit von aussagen zu ermöglichen, dies entspricht aber eben einfach nicht der arbeitsweise des laien.
    Auch hier kenne ich beispiele von hochbegabten leuten, die in der uni immer wieder daran scheitern, dass sie sich nicht drauf einlassen (wollen) die formale sprache zu erlernen, im privaten aber dennoch in der lage sind erstaunliche wissenschaftlicher leistungen zu vollbringen.
    Der kongress hat diese zweiklassengesellschaft meiner meinung nach sehr deutllch aufgezeigt. Allerdings war es auch die einzige veranstaltung die ich kenne, in der zumindest vertreter beider welten mal aufeinandertrafen. Hier hätte Tim doch seine erfahrung aus der richtung einbringen können, die meinung des gastes dazu hätte mich auch sehr interessiert.
    Ich persönlich kenne beide welten ein bisschen, da ich sowohl praktischer hobby “maker” bin, als auch ein studium absolviert habe.
    Ich finde es schade dass ihr anhand dieses prominenten beispiels CCC (oder auch eineres vergleichbaren, dass ich nicht kenne) und auch der ganzen “DIY” bewegung nicht noch konkreter geworden seid.
    Ein weiteres Problem: Die arroganz der profiwissenschaft, insbesondere der universitäten. So wird meiner erfahrung nach alles, was nicht an einer (oder sogar derselben) universität vermittelt wurde pauschal als nichtig abgetan, z.b. eine berufsausbildung und alle fähigkeiten, die sie mit sich bringt in keiner weise als studienleistung anerkannt. Wie soll es dann erst mit autodidaktisch angeeignetem wissen möglich sein?
    Andererseits sehe ich auch das hier wieder das problem in der arbeitsweise, schliesslich geht es der profiwissenschaft im wesentlichen ja nicht darum wissen zu schaffen (auch wenns so heisst), sondern ein nach wissenschaftlichen kriterien schlüssiges und von anfang bis ende beweisbares gesamtkonstrukt zu erschaffen. Das funktioniert halt nur, wenn jedes dabei herangezogene werk eben diese kriterien (korrektes bennen von quellen, etc.) einhält, insbesondere im mathematischen kann halt nicht einfach irgendwo in der mitte eine aussage ohne formalen beweis stehen, sonst ist in der tat die unzweifelhafte richtigkeit einer wissenschaftlichen arbeit aufgrund der berufung auf eine andere usw.. nicht mehr gültig und das gesamtkonstrukt kaputt.
    Wie also soll man die welten auch zusammenführen?

  7. Pingback: Podcastempfehlung für angehende WissenschaftlerInnen: Der Forschergeist-Podcast|handlungs:plan

  8. Es ist schon putzig, dass ein Sprachwissenschaftler sagt, dass Citizen Science jetzt auf die Agenda gerückt ist, weil wir dafür jetzt ein Wort haben. Viel wichtiger ist wohl, dass das Internet die Möglichkeit gibt über den lokalen Ortsverein hinaus zu arbeiten. Auf einmal gib es gemeinsame Plattformen, die ganze neue Arten der Zusammenarbeit erlauben. Möglicherweise aber auch reiner Zufall, dass dies genau dann passiert ist als auch das Wort gefunden wurde …

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