Die Kultur frei verfügbaren Wissens und offener Daten verändert die Welt
Die freie Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von (öffentlichen) Daten ist immer noch ein Desiderat. Auch wenn die „Befreiung“ von Daten in jüngerer Zeit Fortschritte gemacht hat, tun sich gerade hierzulande immer noch große Widerstände auf. Im „Global Open Data Index“ befindet sich Deutschland nur auf Platz 26. Es gibt also noch viel zu tun, auch und gerade im Bereich von Wissenschaft und Forschung.
Wir sprechen deshalb in dieser Folge mit Pavel Richter, der lange Zeit Geschäftsführer von „Wikimedia Deutschland“ war und heute in gleicher Funktion bei „Open Knowledge International“ tätig ist. Dort setzt er sich dafür ein, offenes Wissen zu erzeugen und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Nutzung und Verbreitung zu unterstützen.
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Transkript
Shownotes
Glossar
Benjamin Mako Hill
Jimmy Wales
Wikipedia
Wikidata
OpenStreetMap
Vermessungsamt (Katasteramt)
Hamburger Dom
Quora
Open Access
Open Data
Offene Doktorarbeit
Bill & Melinda Gates Foundation
Open-Access-Richtlinie der Bill & Melinda Gates Foundation
Rufus Pollock
data.gov (USA)
Open Knowledge International
World Health Summit
Open Trials
Ben Goldacre
University of Oxford
Global Witness - Jade Story
Ebolafieber-Epidemie 2014
Open Data Barometer
Global Open Data Index
Handelsregister
Panama Papers
data.gov.uk (UK)
LGBT
Frictionless Data
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Vielen Dank für diesen sehr spannenden Podcast!
Zwei Gedanken möchte ich aus Sicht eines kleinen Zahnrades im Forschungsförderbetrieb gerne hinzufügen, da uns dies aus einer öffentlichen Fördersicht immer wieder umtreibt, wenn es insb. um OpenData (OpenAccess lasse ich hier aussen vor!) geht:
1.) Geistiges Eigentum
Wenn bei Veröffentlichungen pflicht wäre, die zugrundeliegenden Daten vollständig offen zu legen, welchen Anreiz hätte z.B. der Biologe noch, Monate lang im Feld Proben zu nehmen und anschließend Monate lang im Labor zu stehen um mühsam Daten zu erheben? Bei der ersten Veröffentlichung müsste er diesen wertvollen Schatz vollständig offenlegen. Das führt entweder dazu, dass Veröffentlichungen verzögert würden (bis die Monographie fertig ist) oder aber dass Trittbrettfahrer einfach darauf warten, dass irgendwo Daten veröffentlicht werden um damit selber Veröffentlichungen zu generieren. Für den einzelnen Forscher, der auch seine akademische Karriere im Blick halten muss, ein sicher nicht unumstrittener Weg.
2.) Wirtschaftliche Verwertungsinteressen
Als größter deutscher Forschungsförderer sind insb. bei der Förderung von Industrieunternehmen (insb. auch KMU!) auch legitime wirtschaftliche Interessen zu berücksichtigen. Dort geht es gerade um den wirssenschaftlichen Vorsprung gegenüber den internationalen Marktteilnehmern, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. Die bedingungslose Offenlegung von Daten bei öffentlich geförderten Projekten stünde hier dem eigentlichen Ziel, Stärkung der deutschen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb, m.E. stark entgegen.
Wir sind hierzu derzeit intensiv mit der dt. Wirtschaft aber auch mit der Europäischen Kommission (die das Thema auch stark vorantreibt) in der Diskussion. Vor allem vor dem Hintergrund der gerade beginnenden Diskussionen zum 9. Forschungsrahmenprogramm.
Beste Grüße und weiter so!
Ich finde, Sie schneiden hier einen sehr interessanten Aspekt an: die (fehlenden) Anreize für Wissenschaftler, ihre Daten zu publizieren. Problem 1) ließe sich meiner Meinung nach nur lösen, wenn die Bewertung wissenschaftlicher Produktivität grundlegend geändert würde. Würde die Publikation von Primärdaten beispielsweise der Publikation von Forschungsergebnissen gleichgesetzt, wäre dies ein starker Anreiz. Eine solche Gleichsetzung würde den Wissenschaftsbetrieb grundlegend verändern; qualitätssichernde Maßnahmen (wie Peer Review) und Metriken für Primärdaten müssten geschaffen werden, die Datenpublikation müsste bei Bewerbungen berücksichtigt werden, der gesamte Publikationsprozess müsste standardisiert und nachhaltig gestaltet werden…
‚Geistiges Eigentum‘ passt meiner Ansicht nach eher weniger in das Problemfeld. Viele Primärdaten sind nicht durch das Urheberrecht geschützt, da sie die erforderliche Schöpfungshöhe nicht erreichen.
Zu 2): Ich persönlich würde Wirtschaftsförderung nicht als das ‚eigentliche Ziel‘ von öffentlich geförderter Wissenschaft bezeichnen. :)
Vielleicht hilft die Publikation von Forschungsdaten ja sogar bei Innovation, aber zu Nutzungsszenarien gibt es leider bisher wenige Untersuchungen (eher anekdotische Berichte). Hier muss sicherlich noch mehr geforscht werden.