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NOTE
Podcast: Forschergeist
Episode: FG098 Philosophie kommunizieren
Publishing Date: 2022-10-21T15:21:58+02:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg098-philosophie-kommunizieren/

00:00:47.301 --> 00:00:51.800
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:51.801 --> 00:00:57.600
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 98. Ausgabe dieser Gesprächsreihe.

00:00:57.601 --> 00:01:09.400
<v Tim Pritlove>Und ja, heute geht es um die Metaebene von allen Dingen, wir wollen uns heute über Philosophie unterhalten.

00:01:09.401 --> 00:01:14.400
<v Tim Pritlove>Und das mache ich mit meinem heutigen Gesprächspartner, nämlich Markus Schrenk, schönen guten Tag.

00:01:14.401 --> 00:01:16.300
<v Markus Schrenk>Ja, guten Abend.

00:01:16.301 --> 00:01:21.800
<v Tim Pritlove>Ja Herr Schrenk, Sie sind bei der Universität in Düsseldorf, ich will es korrekt sagen,

00:01:21.801 --> 00:01:24.600
<v Tim Pritlove>das ist die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

00:01:24.601 --> 00:01:27.100
<v Markus Schrenk>So ist es.

00:01:27.101 --> 00:01:29.900
<v Tim Pritlove>Und dort als Professor für theoretische Philosophie.

00:01:29.901 --> 00:01:31.800
<v Tim Pritlove>Gibt es auch praktische Philosophie?

00:01:31.801 --> 00:01:38.300
<v Markus Schrenk>Es gibt tatsächlich auch praktische Philosophie und man ist etwas erstaunt, wenn man diese zwei Begriffe hört.

00:01:38.301 --> 00:01:44.800
<v Markus Schrenk>Die theoretische Philosophie beschäftigt sich so mit den Fragen, was die Welt im Innersten zusammenhält beispielsweise.

00:01:44.801 --> 00:01:47.500
<v Markus Schrenk>Und die praktische Philosophie mit den ethischen und moralischen Fragen.

00:01:47.501 --> 00:01:52.800
<v Markus Schrenk>Wie sollen wir handeln, was ist eine moralisch gute Handlung beispielsweise.

00:01:52.801 --> 00:01:56.900
<v Markus Schrenk>Oder auch mit Politik, das ist die praktische Philosophie.

00:01:56.901 --> 00:01:57.900
<v Tim Pritlove>Also es ist eigentlich genauso wie bei den Physikern.

00:01:57.901 --> 00:02:02.300
<v Tim Pritlove>Da gibt es ja auch die Theoretiker und die Praktiker.

00:02:02.301 --> 00:02:03.300
<v Markus Schrenk>Ja, die gibt es.

00:02:03.301 --> 00:02:05.600
<v Tim Pritlove>Also die experimentellen, nennen die sich.

00:02:05.601 --> 00:02:08.700
<v Markus Schrenk>Diese Zweiteilung gibt es in der Tat, ja.

00:02:08.701 --> 00:02:12.800
<v Markus Schrenk>Ob das jetzt genau parallel ist, da müsste man noch mal drüber nachdenken.

00:02:12.801 --> 00:02:13.800
<v Tim Pritlove>Gibt es auch experimentelle Philosophie?

00:02:13.801 --> 00:02:21.300
<v Markus Schrenk>Aber es stimmt insofern schon, dass die theoretischen Physiker und Physikerinnen natürlich die Grundlagenforschung machen.

00:02:21.301 --> 00:02:24.100
<v Markus Schrenk>Sich auch anschauen, was die Welt im Innersten zusammenhält, auf eine andere Art.

00:02:24.101 --> 00:02:29.800
<v Markus Schrenk>Wie die Metaphysik beispielsweise, aber da ist eine Parallele.

00:02:29.801 --> 00:02:32.500
<v Markus Schrenk>Bei der Praxis weiß ich nicht so genau, ob ich da eine Parallele sehe.

00:02:32.501 --> 00:02:34.400
<v Markus Schrenk>Das Experimentieren und die Moralphilosophie.

00:02:34.401 --> 00:02:39.900
<v Tim Pritlove>Aber das ist eigentlich gar nicht so ein schlechter Vergleich.

00:02:39.901 --> 00:02:45.600
<v Tim Pritlove>Weil wenn man sich mit theoretischen Physikern unterhält, da geht es halt auch wirklich um die Metafragen.

00:02:45.601 --> 00:02:51.900
<v Tim Pritlove>Also was ist eigentlich das Weltall? Wo kommt es her? Etc.

00:02:51.901 --> 00:02:58.000
<v Tim Pritlove>Und letzten Endes sind es philosophische Fragen an der Stelle, die aufkommen,

00:02:58.001 --> 00:03:04.600
<v Tim Pritlove>weil man sie ja gar nicht mit einem Experiment, zumindest noch nicht, beweisen kann.

00:03:04.601 --> 00:03:09.700
<v Tim Pritlove>Die erst mal nur versuchen, Modelle zu schaffen.

00:03:09.701 --> 00:03:12.800
<v Tim Pritlove>Ist das in der Philosophie dann auch so, dass man das alles nicht beweisen kann?

00:03:12.801 --> 00:03:20.500
<v Markus Schrenk>Ja, es ist jedenfalls eine sehr interessante Frage, was ein philosophischer Beweis überhaupt ist

00:03:20.501 --> 00:03:26.800
<v Markus Schrenk>und wann man von gesichertem philosophischem Wissen sprechen würde.

00:03:26.801 --> 00:03:30.000
<v Markus Schrenk>Das ist eine eigene philosophische Frage, die man betrachten kann.

00:03:30.001 --> 00:03:31.200
<v Tim Pritlove>Oh.

00:03:31.201 --> 00:03:40.700
<v Markus Schrenk>Und die Physik, klar, die hat natürlich, die kommt an ihre Grenzen einerseits in der experimentellen Forschung,

00:03:40.701 --> 00:03:46.300
<v Markus Schrenk>weil man an bestimmte Energien noch nicht rankommt, das ist eine Grenze, die die Physik finden kann,

00:03:46.301 --> 00:03:52.100
<v Markus Schrenk>aber es gibt natürlich auch Fragen, die dann wirklich ins Philosophische abgleiten.

00:03:52.101 --> 00:03:57.600
<v Markus Schrenk>Also eine Physikerin wird zum Beispiel sehr viel mit Zahlen zu tun haben,

00:03:57.601 --> 00:04:01.600
<v Markus Schrenk>die muss sich sehr viele Formeln durchrechnen.

00:04:01.601 --> 00:04:06.900
<v Markus Schrenk>Und die Frage aber, was ist eine Zahl und wo existiert die denn eigentlich,

00:04:06.901 --> 00:04:09.800
<v Markus Schrenk>denn die kann man im Teilchenbeschleuniger nicht nachweisen,

00:04:09.801 --> 00:04:14.000
<v Markus Schrenk>wo ist die Zahl Fünf eigentlich, welches Dasein hat die denn eigentlich?

00:04:14.001 --> 00:04:16.700
<v Markus Schrenk>Zahlen gibt es ja wohl oder?

00:04:16.701 --> 00:04:16.900
<v Markus Schrenk>Aber wo?

00:04:16.901 --> 00:04:19.700
<v Markus Schrenk>In der konkreten Welt wohl nicht.

00:04:19.701 --> 00:04:22.700
<v Markus Schrenk>Der Zahl Fünf sind Sie sicher noch nicht begegnet.

00:04:22.701 --> 00:04:24.600
<v Tim Pritlove>Würde ich so nicht sagen.

00:04:24.601 --> 00:04:26.900
<v Markus Schrenk>Schon ist man in philosophischen Fragen.

00:04:26.901 --> 00:04:28.800
<v Markus Schrenk>Oder nehmen Sie ein anderes Beispiel.

00:04:28.801 --> 00:04:39.200
<v Tim Pritlove>Ich finde das Beispiel super, weil eigentlich ja die Fünf oder wie jede andere Zahl ist ja eigentlich das Ergebnis einer Abstraktion.

00:04:39.201 --> 00:04:46.400
<v Tim Pritlove>Weil es wird ja in dem Moment erst zählbar, wo man irgendwie Dinge überhaupt voneinander abgrenzen kann

00:04:46.401 --> 00:04:52.300
<v Tim Pritlove>und sagen kann, da ist was zu Ende, dort beginnt etwas neues, hier kann ich jetzt auch wirklich weiter zählen.

00:04:52.301 --> 00:04:58.800
<v Tim Pritlove>Und diese Abzählbarkeit des Universums ist ja glaube ich, oder überhaupt, sagen wir mal, unserer Welt,

00:04:58.801 --> 00:05:04.400
<v Tim Pritlove>ist ja vielleicht so auch eine der Primärleistungen des Menschen überhaupt.

00:05:04.401 --> 00:05:06.400
<v Tim Pritlove>So überhaupt die Umwelt zu erfassen.

00:05:06.401 --> 00:05:12.400
<v Tim Pritlove>Jetzt nicht, also auch Tiere tun das sozusagen, also ist ja nicht nur so, dass die…

00:05:12.401 --> 00:05:13.000
<v Markus Schrenk>Ja, rudimentär bestimmt.

00:05:13.001 --> 00:05:19.200
<v Tim Pritlove>… abstraktionsfrei sind, die können irgendwie Individuen unterscheiden und haben Beziehungen zu anderen Wesen.

00:05:19.201 --> 00:05:24.300
<v Tim Pritlove>Also die können definitiv zählen, ob sie es so viel benutzen, steht noch mal auf einer anderen Schwelle.

00:05:24.301 --> 00:05:29.000
<v Tim Pritlove>Aber das ist natürlich etwas, was schon ein Ausdruck ist.

00:05:29.001 --> 00:05:32.700
<v Tim Pritlove>Aber letzten Endes kann man ja nur abzählen, wenn man irgendwie auch eine Vorstellung davon hat, was etwas ist.

00:05:32.701 --> 00:05:38.100
<v Tim Pritlove>Und von daher ist es einfach pure Philosophie, würde ich sagen, fast.

00:05:38.101 --> 00:05:39.100
<v Markus Schrenk>Ja richtig.

00:05:39.101 --> 00:05:45.400
<v Tim Pritlove>Was für ein Einstieg.

00:05:45.401 --> 00:05:50.900
<v Tim Pritlove>Vielleicht noch zu Beginn würde mich erst mal natürlich interessieren, wie Ihr Weg in die Philosophie überhaupt so gelaufen ist.

00:05:50.901 --> 00:05:53.500
<v Tim Pritlove>Aber ich muss natürlich auch noch mal kurz sagen, was passiert ist,

00:05:53.501 --> 00:05:57.200
<v Tim Pritlove>Sie haben nämlich den Kommunikatorpreis 2022 vom Stifterverband bekommen.

00:05:57.201 --> 00:06:02.400
<v Tim Pritlove>Nicht Sie allein, sondern das gesamte Projekt mit dem schönen Namen „denXte“.

00:06:02.401 --> 00:06:06.200
<v Tim Pritlove>Und da stecken ja noch ein paar andere Leute dahinter, richtig?

00:06:06.201 --> 00:06:12.600
<v Markus Schrenk>Genau, denXte ist ein Team, Amrei Bahr und David Niemann sind von Anfang an mit dabei.

00:06:12.601 --> 00:06:16.100
<v Markus Schrenk>Die haben 2019 mit mir die Reihe ins Leben gerufen.

00:06:16.101 --> 00:06:22.100
<v Markus Schrenk>Christoph Sapp ist etwas später dazugekommen, aber fast unmittelbar danach.

00:06:22.101 --> 00:06:27.700
<v Markus Schrenk>Und die jüngsten Mitglieder sind David Löwenstein, Julia Frese und Berit Weiß.

00:06:27.701 --> 00:06:30.100
<v Tim Pritlove>Gut, auf denXte gehen wir gleich noch mal ein.

00:06:30.101 --> 00:06:34.100
<v Tim Pritlove>Jetzt muss ich aber noch mal rauskriegen, wie das bei Ihnen eigentlich so war.

00:06:34.101 --> 00:06:40.600
<v Tim Pritlove>Ich meine, Philosophie, in welchem Alter entscheidet man sich für das Thema oder kann man sich entscheiden?

00:06:40.601 --> 00:06:42.800
<v Tim Pritlove>Oder sollte man spätestens?

00:06:42.801 --> 00:06:45.900
<v Markus Schrenk>Spätestens mit fünf.

00:06:45.901 --> 00:06:51.100
<v Markus Schrenk>Ich weiß nicht, bei mir war es tatsächlich ziemlich früh.

00:06:51.101 --> 00:06:53.500
<v Markus Schrenk>Das hat bestimmt begonnen mit religionskritischen Fragen.

00:06:53.501 --> 00:07:01.400
<v Markus Schrenk>Also was weiß ich, vom Kommunionunterricht aufwärts habe ich mich mit Fragen danach beschäftigt,

00:07:01.401 --> 00:07:08.000
<v Markus Schrenk>ob es Gott gibt oder ob das alles so richtig ist, was mir im Religionsunterricht erzählt wird.

00:07:08.001 --> 00:07:20.100
<v Markus Schrenk>Und das war bestimmt so ein Anstoß, sich über die Welt Gedanken zu machen und auch über das, was vielleicht hinter der Welt steht.

00:07:20.101 --> 00:07:23.800
<v Markus Schrenk>Das Transzendente.

00:07:23.801 --> 00:07:28.500
<v Markus Schrenk>Und deswegen war das wirklich in meinem Falle ein sehr führen Interesse,

00:07:28.501 --> 00:07:33.900
<v Markus Schrenk>die Kinderfragen, die man hat, die haben bei mir einfach nicht aufgehört.

00:07:33.901 --> 00:07:40.800
<v Markus Schrenk>Die sind einfach geblieben, und deswegen war der Wunsch, Philosophie zu studieren, schon sehr früh da.

00:07:40.801 --> 00:07:48.700
<v Tim Pritlove>Ich hatte auch so einen philosophischen Moment, als mir irgendwie unsere Klassenlehrerin den Unterschied zwischen Menschen und Tieren dadurch klarmachen wollte,

00:07:48.701 --> 00:07:54.800
<v Tim Pritlove>dass sie meinte, ja die Menschen sind diejenigen, die ich zu sich sagen können.

00:07:54.801 --> 00:08:01.400
<v Tim Pritlove>Und ich weiß noch, wie ich innerem Furor zerbarst, weil ich mir dachte, woher will sie das denn wissen?

00:08:01.401 --> 00:08:01.700
<v Markus Schrenk>Woher will sie das wissen.

00:08:01.701 --> 00:08:11.200
<v Markus Schrenk>Aber da gibt es ja sehr sehr interessante Experimente, die zeigen, dass Tiere vielleicht nicht das Wort ich oder diesen Begriff benutzen,

00:08:11.201 --> 00:08:18.300
<v Markus Schrenk>aber einige Tiere können das ja, die können sich selbst im Spiegel identifizieren als das Individuum, was sie sind.

00:08:18.301 --> 00:08:23.100
<v Markus Schrenk>Also Delfine können das, glaube ich, verschiedene Affenarten, Schimpansen mindestens,

00:08:23.101 --> 00:08:27.800
<v Markus Schrenk>Bonobos wahrscheinlich, aber das ist jetzt keine, das müsste man nachlesen.

00:08:27.801 --> 00:08:31.600
<v Tim Pritlove>Ja, aber ich meine, man muss sich nur zehn Minuten mal einen Orang-Utan anschauen

00:08:31.601 --> 00:08:32.900
<v Tim Pritlove>und dann denkt man über so was gar nicht mehr nach.

00:08:32.901 --> 00:08:36.300
<v Markus Schrenk>Ja, ob der das kann, das müssten wir wirklich nachgucken, das können nicht alle Affen.

00:08:36.301 --> 00:08:42.800
<v Markus Schrenk>Also jedenfalls diese Selbsterkennung im Spiegel ist nicht allen Affenarten möglich, nicht allen gegeben.

00:08:42.801 --> 00:08:47.100
<v Markus Schrenk>Soviel weiß ich, aber welche das sind, die es können, das müsste man wirklich jetzt nachlesen.

00:08:47.101 --> 00:08:50.400
<v Markus Schrenk>Vögel können das auch, ich glaube, bei Elstern hat man es jetzt kürzlich nachgewiesen,

00:08:50.401 --> 00:08:54.300
<v Markus Schrenk>dass die auch ein Selbstbild von sich haben.

00:08:54.301 --> 00:09:02.400
<v Markus Schrenk>Das heißt, diese Einteilung Ihrer Lehrerin, Menschen sind diejenigen Tiere, die sich selbst identifizieren können, ist falsch.

00:09:02.401 --> 00:09:08.700
<v Markus Schrenk>Also zumindest würden dann noch Affen und Elstern zum Menschen zählen, wenn das richtig wäre.

00:09:08.701 --> 00:09:13.800
<v Tim Pritlove>Genau. Ich fand einfach nur die Behauptung etwas frech.

00:09:13.801 --> 00:09:18.600
<v Tim Pritlove>Naja, die Wikipedia ist sich sicher, dass Orang-Utans sich auch im Spiegel erkennen.

00:09:18.601 --> 00:09:20.600
<v Markus Schrenk>Ach wunderbar, dann gönnen wir es ihnen.

00:09:20.601 --> 00:09:22.400
<v Tim Pritlove>Ja, genau.

00:09:22.401 --> 00:09:25.000
<v Tim Pritlove>Ich hatte nie einen Zweifel daran.

00:09:25.001 --> 00:09:31.100
<v Tim Pritlove>Okay, also diese Selbstzweifel kommen auf, ist klar, ist glaube ich etwas, was jeder von sich kennt,

00:09:31.101 --> 00:09:32.600
<v Tim Pritlove>auf die ein oder auf die andere Art und Weise.

00:09:32.601 --> 00:09:41.500
<v Tim Pritlove>Die Frage ist nur, entscheidet man sich danach gleich für ein Philosophiestudium oder versucht man es irgendwie anders zu begegnen.

00:09:41.501 --> 00:09:48.000
<v Tim Pritlove>Mit welcher Erwartung haben Sie denn das Philosophiestudium begonnen?

00:09:48.001 --> 00:09:51.700
<v Markus Schrenk>Ja, da ist eine falsche Voraussetzung dahinter.

00:09:51.701 --> 00:09:53.100
<v Markus Schrenk>Ich habe mit Physik begonnen.

00:09:53.101 --> 00:09:54.100
<v Tim Pritlove>Ach guck an.

00:09:54.101 --> 00:09:57.900
<v Markus Schrenk>Ich habe dann gar nicht Philosophie zunächst studiert, sondern Physik,

00:09:57.901 --> 00:10:04.800
<v Markus Schrenk>weil mir die Berufsaussichten zu unsicher schienen, und zurecht.

00:10:04.801 --> 00:10:05.500
<v Tim Pritlove>Ja.

00:10:05.501 --> 00:10:11.000
<v Markus Schrenk>Aber ich habe dann doch später dann umgewählt, haben Physik zum Nebenfach gemacht,

00:10:11.001 --> 00:10:17.800
<v Markus Schrenk>Logik war ein zweites Nebenfach und habe dann nach dem zweiten Jahr, glaube ich, habe ich gewechselt zur Philosophie.

00:10:17.801 --> 00:10:20.000
<v Markus Schrenk>Und dann dort den Magisterabschluss gemacht.

00:10:20.001 --> 00:10:23.400
<v Tim Pritlove>Aber immerhin schon mal die Basics mitgenommen, das ist doch schon mal ganz gut.

00:10:23.401 --> 00:10:28.700
<v Markus Schrenk>Die Basics der Physik, die habe ich noch mitgenommen, ja.

00:10:28.701 --> 00:10:33.700
<v Tim Pritlove>Okay. Und wie führte dann der Weg nach Düsseldorf?

00:10:33.701 --> 00:10:39.700
<v Markus Schrenk>Ja, das ist ja bei Akademikern meistens eine längere Trajektorie.

00:10:39.701 --> 00:10:42.700
<v Markus Schrenk>Begonnen habe ich in Bonn mit dem Magisterstudium.

00:10:42.701 --> 00:10:48.300
<v Markus Schrenk>War in der Zeit als Visiting Student in Oxford und da hat es mir so gut gefallen,

00:10:48.301 --> 00:10:57.400
<v Markus Schrenk>dass ich mich dann auf den Dephil(?), das ist der Doktortitel, den man dort erwerben kann, beworben habe

00:10:57.401 --> 00:11:03.300
<v Markus Schrenk>und bin dann 2000 wieder nach Großbritannien zurückgekehrt und dann dort erst mal kleben geblieben.

00:11:03.301 --> 00:11:09.700
<v Markus Schrenk>Also nach fünf Jahren Promotion in Oxford hatte ich meine erste Stelle als Lecturer dort

00:11:09.701 --> 00:11:12.300
<v Markus Schrenk>und dann gibt es ganz verschiedene viele Standorte noch.

00:11:12.301 --> 00:11:16.100
<v Markus Schrenk>Ich war in Nottingham angestellt, dann auch mal kurz in Luxemburg,

00:11:16.101 --> 00:11:22.500
<v Markus Schrenk>in Köln ist eine lange und wichtige Station für mich gewesen, bis ich dann 14 den Ruf nach Düsseldorf bekommen habe.

00:11:22.501 --> 00:11:25.700
<v Tim Pritlove>Also die klassische Rundreise.

00:11:25.701 --> 00:11:27.600
<v Markus Schrenk>Ja genau.

00:11:27.601 --> 00:11:33.700
<v Tim Pritlove>Ja, aber hat ja auch was für sich, so lernt man die Welt kennen und dass die Dinge nicht überall genauso funktionieren.

00:11:33.701 --> 00:11:41.600
<v Tim Pritlove>Unterscheidet sich denn die Art und Weise des Umgangs mit der Philosophie in Deutschland und in Großbritannien?

00:11:41.601 --> 00:11:49.500
<v Markus Schrenk>Nein, also es ist so, es gab mal eine große Zweiteilung in der Philosophie.

00:11:49.501 --> 00:11:54.800
<v Markus Schrenk>Das nannte man, nennt man noch, analytische Philosophie und kontinentale Philosophie.

00:11:54.801 --> 00:11:58.200
<v Markus Schrenk>Und in beiden Begriffen merken Sie schon, da stimmt irgendwie was nicht,

00:11:58.201 --> 00:12:04.000
<v Markus Schrenk>wie kann man das analytische mit dem kontinentalen eigentlich vergleichen,

00:12:04.001 --> 00:12:04.300
<v Markus Schrenk>da hinkt doch irgendetwas.

00:12:04.301 --> 00:12:13.100
<v Markus Schrenk>Was man meinte, ist, dass die analytische Philosophie, die hat sich sehr stark an Logik und an Naturwissenschaft orientiert.

00:12:13.101 --> 00:12:24.800
<v Markus Schrenk>Ist sehr stark durch die Naturwissenschaften auch informiert und ihre Argumentationsweisen sind logisch mathematisch angelehnt.

00:12:24.801 --> 00:12:31.000
<v Markus Schrenk>Und diese Art von Philosophie wird in Großbritannien sehr viel betrieben, auch in den USA

00:12:31.001 --> 00:12:34.000
<v Markus Schrenk>und in Deutschland gab es mal eine Zweiteilung.

00:12:34.001 --> 00:12:42.900
<v Markus Schrenk>Der andere Teil ist die Kontinentalphilosophie, die hat man so bezeichnet, vielleicht weil sie aus dem deutschen Idealismus letztlich auch erwachsen ist.

00:12:42.901 --> 00:12:46.800
<v Markus Schrenk>Aber auch die französische Philosophie zählt sehr stark dazu.

00:12:46.801 --> 00:12:54.200
<v Markus Schrenk>Und da argumentiert man, philosophiert man anders, als man das in der analytischen Philosophie tut.

00:12:54.201 --> 00:12:58.500
<v Markus Schrenk>Die Methode ist eine andere, wenngleich es viele Überlappungen an den Themen gibt,

00:12:58.501 --> 00:13:04.100
<v Markus Schrenk>aber die Methode ist eine andere.

00:13:04.101 --> 00:13:05.900
<v Tim Pritlove>Inwiefern?

00:13:05.901 --> 00:13:10.300
<v Markus Schrenk>Naja, die analytische Philosophie habe ich schon charakterisiert und nur das darf ich mir auch anmaßen.

00:13:10.301 --> 00:13:13.000
<v Markus Schrenk>Das kann ich charakterisieren.

00:13:13.001 --> 00:13:22.800
<v Markus Schrenk>In der kontinentalen Philosophie, die ist vielleicht stärker angelehnt am Literarischen, an Literatur.

00:13:22.801 --> 00:13:32.300
<v Markus Schrenk>Was sich auch darin zeigt, in den USA beispielsweise sind die philosophischen Institute analytisch geprägt,

00:13:32.301 --> 00:13:40.400
<v Markus Schrenk>aber innerhalb der Sprachen, Romanistik, Anglistik und so fort, wird Kontinentalphilosophie betrieben.

00:13:40.401 --> 00:13:48.800
<v Markus Schrenk>Also da sind dann Lacane, Derrida, Foucault sind die Größen, von denen dort gesprochen wird.

00:13:48.801 --> 00:13:56.300
<v Tim Pritlove>Also man zitiert mehr, als dass man allgemeine Denkvorschriften, Denkrezepte anwendet?

00:13:56.301 --> 00:13:59.700
<v Markus Schrenk>Denkvorschriften gibt es sowieso keine, aber es gibt Methoden.

00:13:59.701 --> 00:14:01.000
<v Tim Pritlove>Das war das falsche Wort, Rezepte.

00:14:01.001 --> 00:14:05.100
<v Markus Schrenk>Methoden und Rezepte, wie man gültig schließt, genau.

00:14:05.101 --> 00:14:14.500
<v Markus Schrenk>Und so einen Kanon des gültigen Schließens gibt es vielleicht in der kontinentalen Philosophie nicht

00:14:14.501 --> 00:14:23.200
<v Markus Schrenk>und dort ist aber, da möchte ich mich wirklich nicht drauf festlegen, ist vielleicht auch ein Analogieschluss erhellend.

00:14:23.201 --> 00:14:25.200
<v Markus Schrenk>Also wenn man Metaphern benutzt.

00:14:25.201 --> 00:14:31.400
<v Markus Schrenk>Und Metaphern können natürlich sehr erhellend sein, das wäre aber in der analytischen Philosophie ein Nogo.

00:14:31.401 --> 00:14:37.700
<v Markus Schrenk>Da muss alles logisch aufeinander folgen und man darf nicht frei assoziieren.

00:14:37.701 --> 00:14:41.900
<v Tim Pritlove>Und ist das noch so ein offener Battle, wer da die Nase vorn hat oder existiert das einfach so nebeneinander vor sich hin?

00:14:41.901 --> 00:14:48.100
<v Markus Schrenk>Es gab mal, als ich angefangen habe mit der Promotion, da gab es mal so eine Phase,

00:14:48.101 --> 00:14:59.400
<v Markus Schrenk>da war es auf Konferenzen so, wer das zerstörerischste Gegenargument gegen eine TheHessen hatte, der hatte gewonnen.

00:14:59.401 --> 00:15:03.200
<v Markus Schrenk>Es gab mal so eine Phase, wo das atmosphärisch so war.

00:15:03.201 --> 00:15:07.800
<v Markus Schrenk>Und das war fürchterlich und es hat sich sehr stark gebessert in den letzten Jahren.

00:15:07.801 --> 00:15:09.700
<v Tim Pritlove>Klingt nach Rapbattle irgendwie.

00:15:09.701 --> 00:15:13.300
<v Markus Schrenk>Ja, genau so, richtig.

00:15:13.301 --> 00:15:14.300
<v Tim Pritlove>Rapbattle of Philosophy.

00:15:14.301 --> 00:15:18.900
<v Markus Schrenk>Ja, wer am schnellsten die Silben einem um die Ohren haut, genau.

00:15:18.901 --> 00:15:21.900
<v Tim Pritlove>Schneidige Analyse.

00:15:21.901 --> 00:15:29.600
<v Tim Pritlove>Ja, dieses Projekt „denXte“, das dann erst in der Universität Düsseldorf dann so entstanden ist, nehme ich an?

00:15:29.601 --> 00:15:30.700
<v Markus Schrenk>Genau.

00:15:30.701 --> 00:15:38.100
<v Tim Pritlove>Warum musste es das geben, wie kam es dazu, was war sozusagen die Triebfeder,

00:15:38.101 --> 00:15:42.700
<v Tim Pritlove>hier etwas auf die Beine zu stellen, für das man noch mal eine neue Webseite bauen muss?

00:15:42.701 --> 00:15:44.800
<v Markus Schrenk>Ja, wenn es nur die Webseite wäre.

00:15:44.801 --> 00:15:46.300
<v Tim Pritlove>Damit fängt es ja an.

00:15:46.301 --> 00:15:48.700
<v Markus Schrenk>Ja, damit fängt es an.

00:15:48.701 --> 00:15:52.500
<v Markus Schrenk>Das knüpft ganz gut an an das, was ich vorher gesagt habe.

00:15:52.501 --> 00:16:00.100
<v Markus Schrenk>Weil die analytische Philosophie eben auch ihren Kanon hat, wie man ein gutes Argument aufbaut,

00:16:00.101 --> 00:16:11.400
<v Markus Schrenk>ist sie manchmal etwas schwer zugänglich einerseits, und andererseits kann sie lebensfern wirken.

00:16:11.401 --> 00:16:13.800
<v Markus Schrenk>Wirken, also sie ist es aber nicht.

00:16:13.801 --> 00:16:19.200
<v Markus Schrenk>Und um wieder einen Brückenschlag zu machen von analytisch-philosophischen Fragen hin zur Lebenswelt,

00:16:19.201 --> 00:16:21.000
<v Markus Schrenk>haben wir „denXte“ ins Leben gerufen.

00:16:21.001 --> 00:16:27.900
<v Markus Schrenk>Um eben auch wieder Bürgerinnen und Bürger ohne philosophische Vorkenntnisse wieder mit an Bord zu holen.

00:16:27.901 --> 00:16:31.500
<v Markus Schrenk>Und umgekehrt, um uns auch zu erden.

00:16:31.501 --> 00:16:36.000
<v Markus Schrenk>Denn in philosophischen Fachfragen kann man sich manchmal in Details verlieren,

00:16:36.001 --> 00:16:43.100
<v Markus Schrenk>die dann super interessant sind, aber die eben mit dem Alltäglichen dann weniger zu tun haben.

00:16:43.101 --> 00:16:47.200
<v Markus Schrenk>Und das ist gut und schön und richtig, so muss Wissenschaft funktionieren.

00:16:47.201 --> 00:16:51.300
<v Markus Schrenk>Nur manchmal hat man eben auch das Bedürfnis, wieder das Große und Ganze zu sehen.

00:16:51.301 --> 00:16:59.000
<v Markus Schrenk>Und das beste, was einem passieren kann, ist, wenn man philosophischen Laien dann erklären muss, was man da eigentlich macht.

00:16:59.001 --> 00:17:04.400
<v Markus Schrenk>Und dann hat man sofort wieder die Anbindung an das große und ganze Bild.

00:17:04.401 --> 00:17:07.900
<v Tim Pritlove>Der Kommunikatorpreis ist ja ein Preis für Wissenschaftskommunikation

00:17:07.901 --> 00:17:11.800
<v Tim Pritlove>oder für gelungene Wissenschaftskommunikation.

00:17:11.801 --> 00:17:17.700
<v Tim Pritlove>Das heißt, hier stand eigentlich überhaupt erst mal so der Wunsch oder vielleicht auch die Erkenntnis der Notwendigkeit

00:17:17.701 --> 00:17:24.000
<v Tim Pritlove>der Kommunikation mit einer Öffentlichkeit aus diesem Themenfeld heraus im Vordergrund.

00:17:23.901 --> 00:17:26.000
<v Markus Schrenk>So ist es, ja.

00:17:24.001 --> 00:17:23.900
<v Tim Pritlove>Das war quasi die treibende Kraft?

00:17:26.001 --> 00:17:27.800
<v Tim Pritlove>Hätte man aber auch sein lassen können.

00:17:27.801 --> 00:17:32.000
<v Tim Pritlove>Also man kann ja jetzt auch Professor sein und sich in seinem Kämmerlein einschließen.

00:17:32.001 --> 00:17:39.100
<v Tim Pritlove>Was bringt einen dann sozusagen über diese Schwelle, diese Tür auch wirklich öffnen zu wollen?

00:17:39.101 --> 00:17:42.100
<v Markus Schrenk>Ja, das war ein ureigenes Bedürfnis.

00:17:42.101 --> 00:17:51.700
<v Markus Schrenk>Vielleicht kommt noch hinzu, dass es auch Studierenden manchmal am Beginn ihres Studiums so geht in der Philosophie.

00:17:51.701 --> 00:17:59.300
<v Markus Schrenk>Da gibt es zum Beispiel Logikkurse, die man zunächst mal absolvieren muss innerhalb der analytischen Philosophie.

00:17:59.301 --> 00:18:05.200
<v Markus Schrenk>Und ab und zu geht einem dort abhanden, warum das eigentlich sinnvoll ist.

00:18:05.201 --> 00:18:11.600
<v Markus Schrenk>Und das heißt auch aus der Studierendenperspektive, auch aus meiner eigenen habe ich Logik sehr gerne gemacht,

00:18:11.601 --> 00:18:19.800
<v Markus Schrenk>also das war nicht mein Anlass, aber auch da bin ich selbst als Student auf Fragen gestoßen,

00:18:19.801 --> 00:18:25.000
<v Markus Schrenk>wo mir nicht klar war, warum ich mich philosophisch damit beschäftigen soll.

00:18:25.001 --> 00:18:29.300
<v Markus Schrenk>Und das heißt, das war mir auch ein eigener Antrieb, dann wieder zu sehen,

00:18:29.301 --> 00:18:35.800
<v Markus Schrenk>warum so eine ganz spezielle Fachfrage wiederum wichtig ist für das Große und Ganze.

00:18:35.801 --> 00:18:41.200
<v Markus Schrenk>Das heißt, es ist intrinsisch motiviert.

00:18:41.201 --> 00:18:44.500
<v Tim Pritlove>Einfach um erst mal rauszukommen, das ist die eine Richtung,

00:18:44.501 --> 00:18:46.600
<v Tim Pritlove>auf der anderen Seite, man muss ja auch in gewisser Hinsicht eine Zielgruppe erahnen.

00:18:46.601 --> 00:18:51.600
<v Tim Pritlove>Also gibt es sozusagen auch genug Leute, die schon an die Tür geklopft haben und gesagt haben,

00:18:51.601 --> 00:18:57.000
<v Tim Pritlove>ich will jetzt endlich mal wissen, was ihr da treibt oder muss man sich hier sein Publikum erst suchen?

00:18:57.001 --> 00:19:00.900
<v Markus Schrenk>Ja, wir haben es glücklicherweise sehr schnell gefunden.

00:19:00.901 --> 00:19:07.000
<v Markus Schrenk>Es ist nicht so, dass bei uns in der Uni an die Türen geklopft wird, das ist nicht der Fall.

00:19:07.001 --> 00:19:13.400
<v Markus Schrenk>Aber wenn wir allein an einen Bahnhofszeitschriftenladen gehen, dann sehen wir,

00:19:13.401 --> 00:19:18.900
<v Markus Schrenk>dass Philosophie doch zentral ist, dass das Philosophiemagazin,

00:19:18.901 --> 00:19:24.600
<v Markus Schrenk>in der Zeit gibt es eine Philosophieserie, das liegt ja wirklich direkt auf dem ersten Podest,

00:19:24.601 --> 00:19:30.400
<v Markus Schrenk>wo auch der Spiegel, Fokus und so weiter liegen, da liegt auch das Philosophiemagazin.

00:19:30.401 --> 00:19:34.100
<v Markus Schrenk>Daran erkennt man ja, dass es ein Interesse daran gibt.

00:19:34.101 --> 00:19:38.200
<v Markus Schrenk>Das heißt, wir hatten kaum Zweifel, dass wir nicht ein Publikum finden

00:19:38.201 --> 00:19:46.500
<v Markus Schrenk>und in der Tat war es dann auch glücklicherweise so, dass wir innerhalb von drei Veranstaltungen Leute nach Hause schicken mussten,

00:19:46.501 --> 00:19:49.100
<v Markus Schrenk>weil der Saal einfach nicht so viele Leute fasste.

00:19:49.101 --> 00:19:52.200
<v Tim Pritlove>Was für Leute interessiert das?

00:19:52.201 --> 00:19:54.400
<v Markus Schrenk>Was für Leute interessiert das?

00:19:54.401 --> 00:19:55.200
<v Tim Pritlove>Also ist das eine Altersfrage?

00:19:55.201 --> 00:19:58.300
<v Markus Schrenk>Na es war keine Altersfrage, es ist wirklich queerbeet.

00:19:58.301 --> 00:20:07.600
<v Markus Schrenk>Wir haben Schulklassen als Gäste und dann bis zu Pensionären, Rentnern, die zu uns kommen.

00:20:07.601 --> 00:20:11.200
<v Markus Schrenk>Also vom Alter her ist es querbeet.

00:20:11.201 --> 00:20:14.700
<v Markus Schrenk>Soziologisch haben wir keine Studien angestellt, das wissen wir nicht.

00:20:14.701 --> 00:20:19.300
<v Markus Schrenk>Aber es ist eine große Vielfalt.

00:20:19.301 --> 00:20:23.900
<v Markus Schrenk>Wenn man auf unsere Seite www.denXte.de schaut, da gibt es ja Bilder des Publikums

00:20:23.901 --> 00:20:28.700
<v Markus Schrenk>und da sieht man eine große Spanne, eine große Diversität im Publikum.

00:20:28.701 --> 00:20:32.400
<v Tim Pritlove>Und gibt es irgendetwas, was über die Altersgrenzen hinweg dieses Publikum eint

00:20:32.401 --> 00:20:37.700
<v Tim Pritlove>oder gibt es da noch mehrere sich unterscheidende Achsen?

00:20:37.701 --> 00:20:43.600
<v Markus Schrenk>Was es eint ist wahrscheinlich ein Grundinteresse an philosophischen Fragen.

00:20:43.601 --> 00:20:48.200
<v Markus Schrenk>Ich bin mir nicht sicher, vielleicht wird der eine oder die andere mitgebracht und denkt dann,

00:20:48.201 --> 00:20:53.100
<v Markus Schrenk>ja gut, dann komme ich halt mal mit und gewinnt dann auch Interesse an der Philosophie, das mag sein.

00:20:53.101 --> 00:21:04.900
<v Markus Schrenk>Aber ich glaube, wer zu uns findet, hat schon selbst ein genuines Interesse an philosophischen Fragestellungen oder philosophischen Themen.

00:21:04.901 --> 00:21:14.500
<v Tim Pritlove>In Forschergeist Ausgabe Nummer 31 habe ich das schöne Thema Abenteuer Mathematik behandelt,

00:21:14.501 --> 00:21:22.600
<v Tim Pritlove>habe ich mit Günter Ziegler gesprochen und soweit ich mich jetzt spontan daran erinnere, habe ich einiges schon mal gehört.

00:21:22.601 --> 00:21:29.800
<v Tim Pritlove>Weil so bisschen wie die Philosophie ist auch die Mathematik so ein bisschen so eine metaphysische Disziplin,

00:21:29.801 --> 00:21:39.600
<v Tim Pritlove>die eigentlich überall drin steckt, aber nicht sozusagen der Kern der eigentlichen Forschung ist,

00:21:39.601 --> 00:21:45.100
<v Tim Pritlove>es sei denn, man beschäftigt sich halt nur mit Mathematik oder primär mit Mathematik.

00:21:45.101 --> 00:21:49.000
<v Tim Pritlove>Und Philosophie scheint mir auch so ein bisschen so eine Universallehre zu sein,

00:21:49.001 --> 00:21:56.500
<v Tim Pritlove>die Anwendung finden kann auf alle Bereiche, und die auch in gewisser Hinsicht eine Verheißung verspricht.

00:21:56.501 --> 00:22:07.900
<v Tim Pritlove>Es ist halt bei der Mathematik, die von uns anfangs schon so entdeckte Klarheit über die Abzählbarkeit und über die Strukturen des Wesens von allem,

00:22:07.901 --> 00:22:19.400
<v Tim Pritlove>lauert ja bei der Philosophie auch dieses Versprechens einer andere Klarheit, der Klarheit über das Warum und Wieso überhaupt.

00:22:19.401 --> 00:22:20.300
<v Markus Schrenk>Ja.

00:22:20.301 --> 00:22:26.800
<v Tim Pritlove>Fiel mir gerade so ein, dass das irgendwie offensichtlich eine gewisse Verwandtschaft zu haben scheint

00:22:26.801 --> 00:22:28.300
<v Tim Pritlove>oder haben könnte.

00:22:28.301 --> 00:22:31.500
<v Markus Schrenk>Auf jeden Fall.

00:22:31.501 --> 00:22:38.300
<v Markus Schrenk>Manchmal sagt man von Teilen der analytischen Philosophie, dass das so eine Mathematik der Begriffe ist.

00:22:38.301 --> 00:22:42.800
<v Markus Schrenk>Statt mit Zahlen rechnet man da mit Begriffen und Konzepten.

00:22:42.801 --> 00:22:48.800
<v Tim Pritlove>Ich meine, wenn Logik da am Anfang steht, dann ist es von Mathematik so weit nicht entfernt oder vielleicht auch von Informatik.

00:22:48.801 --> 00:22:54.800
<v Markus Schrenk>Richtig, da gibt es große Gemeinsamkeiten.

00:22:54.801 --> 00:23:02.800
<v Tim Pritlove>Bleiben wir noch mal kurz bei denXte, und jetzt habe ich schon gehört, also es gibt Ausspielungen aller Arten und Weisen.

00:23:02.801 --> 00:23:08.400
<v Tim Pritlove>Podcasts sind geplant, Veranstaltungen haben stattgefunden, erzählen Sie mal so ein bisschen,

00:23:08.401 --> 00:23:14.200
<v Tim Pritlove>wie Sie so da zu einem Plan gekommen sind und zu einem Vorgehen.

00:23:14.201 --> 00:23:21.200
<v Tim Pritlove>War das mehr so Learning by Doing oder eher Masterplan?

00:23:21.201 --> 00:23:26.500
<v Tim Pritlove>Weil um Wissenschaft effektiv zu kommunizieren, ich meine, das heißt ja auch, das ist eine Menge Arbeit,

00:23:26.501 --> 00:23:29.500
<v Tim Pritlove>das klang ja schon an, sieben Leute braucht es, damit da überhaupt irgendwas passiert.

00:23:29.501 --> 00:23:33.600
<v Tim Pritlove>Gerade wenn man eben so breitbandig agiert und dann sollte man natürlich eben schauen,

00:23:33.601 --> 00:23:43.200
<v Tim Pritlove>dass man seine Energien ja vielleicht auch wohldosiert und die geringen Mittel dann auch wohl orientiert ausrichtet.

00:23:43.201 --> 00:23:55.600
<v Tim Pritlove>Wie sind Sie da vorgegangen und was waren so die ersten Schritte und die ersten Erfolgserlebnisse oder auch negativen, sind immer die besten.

00:23:55.601 --> 00:24:00.800
<v Markus Schrenk>Ja, natürlich gab es sehr viel Learning by Doing, aber wir hatten in der Tat einen Masterplan.

00:24:00.801 --> 00:24:07.900
<v Markus Schrenk>Wir hatten eine Kernidee und das zeigt sich ja auch im Namen, den ich gleich gerne noch mal erläutere.

00:24:07.901 --> 00:24:08.500
<v Tim Pritlove>Ja.

00:24:08.501 --> 00:24:13.000
<v Markus Schrenk>Kern unserer Abende sind immer philosophische Gedankenexperimente.

00:24:13.001 --> 00:24:16.200
<v Markus Schrenk>Und ich gebe Ihnen mal eins.

00:24:16.201 --> 00:24:17.600
<v Tim Pritlove>Ja, her damit.

00:24:17.601 --> 00:24:24.200
<v Markus Schrenk>Ja, also stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Party und amüsieren sich da ziemlich gut.

00:24:24.201 --> 00:24:28.500
<v Markus Schrenk>Sie haben zu Hause versprochen eigentlich, dass Sie um 22 Uhr schon wieder zurück sind,

00:24:28.501 --> 00:24:32.600
<v Markus Schrenk>aber weil es so viel Spaß macht, bleiben Sie halt noch da.

00:24:32.601 --> 00:24:39.200
<v Markus Schrenk>Und Sie gehen erst um 24 Uhr, Sie entscheiden sich dann erst und gehen dann.

00:24:39.201 --> 00:24:43.800
<v Markus Schrenk>Was Sie nicht wussten, und was keiner der Gäste wusste, auch der Gastgeber wusste das nicht, ist,

00:24:43.801 --> 00:24:51.000
<v Markus Schrenk>dass die Türschließanlage ausgerechnet in den zwei Stunden kaputt gegangen ist und die Türen waren verriegelt.

00:24:51.001 --> 00:24:52.900
<v Markus Schrenk>Sie hätten gar nicht gehen können.

00:24:52.901 --> 00:24:59.600
<v Markus Schrenk>Jetzt ist meine Frage an Sie, sind Sie trotzdem moralisch für Ihre Verspätung verantwortlich?

00:24:59.601 --> 00:25:05.800
<v Markus Schrenk>Denn Sie haben ja entschieden, länger da zu bleiben, Ihr Versprechen nicht einzuhalten,

00:25:05.801 --> 00:25:09.400
<v Markus Schrenk>aber Sie hätten nicht früher gehen können.

00:25:09.401 --> 00:25:11.500
<v Tim Pritlove>Und was ist jetzt die Frage, die ich beantworten muss?

00:25:11.501 --> 00:25:14.200
<v Markus Schrenk>Sind Sie moralisch verantwortlich für Ihre Verspätung?

00:25:14.201 --> 00:25:16.300
<v Tim Pritlove>Moralisch verantwortlich.

00:25:16.301 --> 00:25:20.700
<v Tim Pritlove>Also gestehe ich es ein oder verschweige ich es, ist das die Frage?

00:25:20.701 --> 00:25:24.800
<v Markus Schrenk>Naja, ob Sie es verschweigen oder nicht, Sie sind entweder verantwortlich oder nicht.

00:25:24.601 --> 00:25:31.600
<v Markus Schrenk>Natürlich kann man vieles verschweigen, was man so verbockt, aber man hat es verbockt und ist demnach trotzdem verantwortlich.

00:25:24.801 --> 00:25:24.600
<v Tim Pritlove>Okay.

00:25:31.601 --> 00:25:33.800
<v Tim Pritlove>Also jetzt spontan würde ich natürlich sagen,

00:25:33.801 --> 00:25:42.600
<v Tim Pritlove>dass ich in meinem Anflug von Selbstzweifel in dem Moment natürlich dann eine höhere moralische Legitimation im Nachhinein entnehme,

00:25:42.601 --> 00:25:45.500
<v Tim Pritlove>dadurch dass es hätte sowieso nicht funktionieren können.

00:25:45.501 --> 00:25:48.600
<v Markus Schrenk>Ja ist eine interessante Intuition.

00:25:48.601 --> 00:25:59.000
<v Markus Schrenk>Viele glauben, dass es trotzdem eine Art der freien Willensentscheidung war, weil Sie das frei entschieden haben.

00:25:59.001 --> 00:26:03.800
<v Markus Schrenk>Die Entscheidung haben Sie selbst in sich selbst getroffen und von daher bleiben Sie moralisch verantwortlich,

00:26:03.801 --> 00:26:06.700
<v Markus Schrenk>auch wenn Sie nicht hätten anders handeln können.

00:26:06.701 --> 00:26:11.600
<v Markus Schrenk>Aber das ist in der Philosophie natürlich streitbar.

00:26:11.601 --> 00:26:18.300
<v Markus Schrenk>Aber an einem solchen Gedankenexperiment sehen Sie, dass man sehr schnell zu einer interessanten Frage kommt,

00:26:18.301 --> 00:26:23.800
<v Markus Schrenk>dass aber trotzdem in ein Narrativ einbindet, was allen sehr schnell zugänglich ist.

00:26:23.801 --> 00:26:29.400
<v Markus Schrenk>Und deswegen haben wir Gedankenexperimente als Kern unserer denXte-Abende gewählt.

00:26:29.401 --> 00:26:34.200
<v Markus Schrenk>Und jetzt wird auch das X erklärlich, das ist das X für Experiment.

00:26:34.201 --> 00:26:44.300
<v Markus Schrenk>Und es gibt noch eine zweite Ebene, dieses X das ist, dass wir partizipativ die Abende gestalten.

00:26:44.301 --> 00:26:46.500
<v Markus Schrenk>Ich frage dort auch das Publikum, wie würden Sie sich entscheiden

00:26:46.501 --> 00:26:51.500
<v Markus Schrenk>oder ist das moralisch verwerflich was Sie gemacht haben oder eben nicht?

00:26:51.501 --> 00:26:57.300
<v Markus Schrenk>Und dann können die Leute mit einem Smartphone-Tool eben Stellung beziehen und wählen.

00:26:57.301 --> 00:27:02.200
<v Markus Schrenk>Ja, die Person ist moralisch verantwortlich oder nein, sie ist es nicht.

00:27:02.201 --> 00:27:03.000
<v Markus Schrenk>Und dann gucken wir uns das Stimmungsbild an.

00:27:03.001 --> 00:27:10.600
<v Markus Schrenk>Und das X ist dann natürlich auch das Ankreuzen der Ja oder Nein-Frage,

00:27:10.601 --> 00:27:16.800
<v Markus Schrenk>der ich bin dagegen oder ich bin dafür Frage, so erklärt sich das X in denXte.

00:27:16.801 --> 00:27:21.300
<v Tim Pritlove>Ich stelle also fest, dass es dann zur theoretischen Philosophie tatsächlich auch die experimentelle Philosophie gibt,

00:27:21.301 --> 00:27:23.600
<v Tim Pritlove>die sich dann hier im Rahmen dieser Veranstaltung zeigt.

00:27:23.601 --> 00:27:27.400
<v Markus Schrenk>Die experimentelle, es gibt in der Tat experimentelle Philosophie

00:27:27.401 --> 00:27:35.000
<v Markus Schrenk>und die ist in der Tat, die legt sehr vielen Probanden eben solche Gedankenexperimente vor

00:27:35.001 --> 00:27:42.500
<v Markus Schrenk>und schaut sich dann an, wie die Mehrheit auf ein bestimmtes Szenario reagiert.

00:27:42.501 --> 00:27:47.700
<v Tim Pritlove>Das heißt, da wird dann auch gemeinsam diskutiert oder wird das Ganze nur von der Bühne her erläutert?

00:27:47.701 --> 00:27:51.100
<v Markus Schrenk>Nein, nein, bei uns bei denXte wird selbstverständlich diskutiert.

00:27:51.101 --> 00:27:56.000
<v Markus Schrenk>Es ist so, dass wir das Gedankenexperiment, unser Gast macht das immer,

00:27:56.001 --> 00:27:58.800
<v Markus Schrenk>präsentiert ihr/sein Gedankenexperiment.

00:27:58.801 --> 00:28:03.200
<v Markus Schrenk>Und dann machen wir allerdings erst mal eine Abstimmung aus dem Bauch heraus,

00:28:03.201 --> 00:28:11.000
<v Markus Schrenk>also einfach per Intuition, ohne philosophisches Vorwissen und schauen uns dann das Ergebnis an.

00:28:11.001 --> 00:28:16.400
<v Markus Schrenk>Und im Anschluss daran stellt unser Gast dann historisch, philosophisch vor,

00:28:16.401 --> 00:28:19.800
<v Markus Schrenk>was Philosophinnen und Philosophen schon zum Thema gesagt haben.

00:28:19.801 --> 00:28:24.500
<v Markus Schrenk>Gibt also theoretisches Futter, wie Philosophinnen und Philosophen darüber nachgedacht haben.

00:28:24.501 --> 00:28:27.800
<v Markus Schrenk>Und danach gibt es dann einen ganz großen Frage- und Antwortblock,

00:28:27.801 --> 00:28:34.300
<v Markus Schrenk>wo das Publikum Fragen stellen kann und mit dem Gast, mit uns, mit dem denXte-Team diskutieren kann.

00:28:34.301 --> 00:28:36.000
<v Tim Pritlove>Und das auch tut?

00:28:36.001 --> 00:28:41.800
<v Markus Schrenk>Und das auch tut, jaja, wir könnten den Abend quasi unendlich ausdehnen.

00:28:41.801 --> 00:28:45.300
<v Markus Schrenk>Irgendwann müssen wir dann zum Ende des Abends kommen,

00:28:45.301 --> 00:28:50.500
<v Markus Schrenk>aber ja die Beteiligung ist erfreulich hoch und ich denke, für beide Seiten,

00:28:50.501 --> 00:28:54.500
<v Markus Schrenk>mindestens aber für uns, für das Team und unseren Gast, immer enorm fruchtbar,

00:28:54.501 --> 00:29:03.600
<v Markus Schrenk>weil, wie ich eben gesagt habe, es geht uns ja darum, die akademische Philosophie wieder an das Leben anzubinden

00:29:03.601 --> 00:29:04.000
<v Markus Schrenk>und das geschieht dann dort.

00:29:04.001 --> 00:29:14.300
<v Markus Schrenk>Wir sehen dann wieder die Perspektiven, die man hat, wenn man noch nicht ganz theoretisch über diese Fragen noch nachdenkt.

00:29:14.301 --> 00:29:21.600
<v Tim Pritlove>Werden dann im Wesentlichen schon solche Sachen eingetütet, die jetzt schon irgendwie seit hunderten Jahren diskutiert werden

00:29:21.601 --> 00:29:28.300
<v Tim Pritlove>und die an Aktualität nicht verlieren oder hat das Ganze auch so einen aktuelleren Anstrich mit Fragen,

00:29:28.301 --> 00:29:32.800
<v Tim Pritlove>die vielleicht bisher als ungelöst gelten?

00:29:32.801 --> 00:29:36.500
<v Markus Schrenk>Einen aktuellen Anstrich hat das auf jeden Fall.

00:29:36.501 --> 00:29:43.100
<v Markus Schrenk>Wenn wir das Gedankenexperiment, was ich ja gerade gezeigt habe, das ist die uralte Frage nach moralischer Verantwortlichkeit.

00:29:43.101 --> 00:29:49.500
<v Markus Schrenk>Nach einerseits Willensfreiheit, war das mein freier Wille zu bleiben, ja oder nein,

00:29:49.501 --> 00:29:52.700
<v Markus Schrenk>obwohl ich nicht anders hätte handeln können, ich hätte ja nicht gehen können,

00:29:52.701 --> 00:29:58.700
<v Markus Schrenk>war das trotzdem eine freie Willensentscheidung.

00:29:58.701 --> 00:30:01.000
<v Markus Schrenk>Und in dem Falle, denke ich, hat man die Intuition, dass es so ist.

00:30:01.001 --> 00:30:08.000
<v Markus Schrenk>Und solche Fragen nach moralischer Verantwortlichkeit und dem freien Willen sind ja juristisch sehr relevant.

00:30:08.001 --> 00:30:09.700
<v Markus Schrenk>Ob jemand hätte anders handeln können oder nicht.

00:30:09.701 --> 00:30:14.000
<v Markus Schrenk>Weswegen da für eine Handlung eben juristisch auch verantwortlich machen.

00:30:14.001 --> 00:30:18.500
<v Markus Schrenk>Nicht nur moralisch, sondern auch juristisch verantwortlich machen.

00:30:18.501 --> 00:30:20.800
<v Markus Schrenk>Deswegen sind wir da auch gleich in der Lebenswelt angekommen.

00:30:20.801 --> 00:30:24.600
<v Markus Schrenk>Aber es gibt andere Sachen.

00:30:24.601 --> 00:30:35.500
<v Markus Schrenk>Sie kennen vielleicht den Trolley-Case, wo eine Eisenbahn auf einem Gleis auf eine Gruppe von fünf Leuen zufährt

00:30:35.501 --> 00:30:42.200
<v Markus Schrenk>und Sie beobachten das und Sie wissen, der Zug ist nicht mehr zu bremsen,

00:30:42.201 --> 00:30:45.600
<v Markus Schrenk>der ist zu massiv, zu schnell, der schafft das nicht, der Bremsweg ist viel zu lang.

00:30:45.601 --> 00:30:47.800
<v Markus Schrenk>Bremsen geht nicht mehr.

00:30:47.801 --> 00:30:53.000
<v Markus Schrenk>Und Sie können die Leute auch nicht warnen, weil die zu weit wegstehen, Sie erreichen die nicht, können die nicht rufen.

00:30:53.001 --> 00:30:58.000
<v Markus Schrenk>Sie haben eine Möglichkeit, Sie können eine Weiche umstellen, dann fährt der Zug auf ein anderes Gleis,

00:30:58.001 --> 00:31:02.600
<v Markus Schrenk>dort steht aber eine andere Person, eine Einzelperson und die können Sie auch nicht warnen,

00:31:02.601 --> 00:31:07.700
<v Markus Schrenk>die würde also von dem Zug überrollt, wenn Sie die Weiche umstellen.

00:31:07.701 --> 00:31:09.600
<v Markus Schrenk>Wenn Sie nichts tun, dann werden die fünf Personen überrollt.

00:31:09.601 --> 00:31:12.400
<v Markus Schrenk>Was machen Sie jetzt in diesem Beispiel?

00:31:12.401 --> 00:31:16.500
<v Markus Schrenk>Welche moralische sehr schwierige Entscheidung treffen Sie hier?

00:31:16.501 --> 00:31:25.300
<v Markus Schrenk>Retten Sie die fünf, dadurch wird allerdings eine Person getötet durch den Zug.

00:31:25.301 --> 00:31:27.200
<v Markus Schrenk>Oder lassen Sie dem Zug seinen Lauf.

00:31:27.201 --> 00:31:28.900
<v Tim Pritlove>Dem Schicksal seinen Lauf.

00:31:28.901 --> 00:31:30.800
<v Markus Schrenk>Und dann werden die fünf erfasst?

00:31:30.801 --> 00:31:35.300
<v Tim Pritlove>Das Trolley-Problem hatten wir in der politischen Auseinandersetzung in Deutschland vor einigen Jahren,

00:31:35.301 --> 00:31:40.100
<v Tim Pritlove>bei der Diskussion um Abschießen von Flugzeugen, die potenziell zu einem Terrorwaffe werden könnten.

00:31:40.101 --> 00:31:44.300
<v Markus Schrenk>Da wurde es auch schon mal genutzt, ganz genau.

00:31:44.301 --> 00:31:50.400
<v Markus Schrenk>Und jetzt sind solche Züge und solche Terroranschläge, die könnten passieren,

00:31:50.401 --> 00:31:54.400
<v Markus Schrenk>aber es ist ja doch glücklicherweise relativ unwahrscheinlich.

00:31:54.401 --> 00:31:59.700
<v Markus Schrenk>Ich sage nicht, dass das nicht passieren kann, aber es passiert halt nicht sehr häufig.

00:31:59.701 --> 00:32:05.000
<v Markus Schrenk>Und so ein Zugbeispiel scheint ja im luftleeren Raum zu passieren.

00:32:05.001 --> 00:32:08.900
<v Markus Schrenk>Und was ich aber eigentlich zeigen wollte ist, ganz und gar nicht.

00:32:08.901 --> 00:32:13.000
<v Markus Schrenk>Denken Sie an autonom fahrende Fahrzeuge, Autos.

00:32:13.001 --> 00:32:17.800
<v Markus Schrenk>Die können ja in die Situation kommen, dass ein Kind auf die Straße rennt,

00:32:17.801 --> 00:32:22.200
<v Markus Schrenk>das Auto errechnet blitzschnell, weil diese Rechenkapazität hat es,

00:32:22.201 --> 00:32:27.600
<v Markus Schrenk>rechnet blitzschnell, der Bremsweg ist zu lang, ich muss also ausweichen,

00:32:27.601 --> 00:32:30.600
<v Markus Schrenk>ich, das Auto, muss ausweichen, jetzt sind wir wieder beim Ich-Bewusstsein,

00:32:30.601 --> 00:32:34.300
<v Markus Schrenk>das das Auto bestimmt nicht hat, aber es muss ausweichen.

00:32:34.301 --> 00:32:40.100
<v Markus Schrenk>Wenn jetzt aber auf dem Bürgersteig, die einzige Möglichkeit, wo es hin ausweichen könnte,

00:32:40.101 --> 00:32:44.900
<v Markus Schrenk>zwei ältere Menschen spazieren gehen, was soll das Auto machen?

00:32:44.901 --> 00:32:49.900
<v Markus Schrenk>Und jetzt sind wir im echten Leben im Trolley-Beispiel.

00:32:49.901 --> 00:32:53.300
<v Markus Schrenk>Und bei dem Trolley-Beispiel können wir irgendwie noch die Augen verschließen und sagen,

00:32:53.301 --> 00:32:59.300
<v Markus Schrenk>ach damit will ich mich nicht beschäftigen, das interessiert mich nicht

00:32:59.301 --> 00:33:01.200
<v Markus Schrenk>oder mit solchen moralischen Fragen möchte ich nichts zu tun haben.

00:33:01.201 --> 00:33:05.000
<v Markus Schrenk>Aber im Autofall muss es ja programmiert werden.

00:33:05.001 --> 00:33:10.600
<v Markus Schrenk>Wenn wir es nicht programmieren, dann überlassen wir auch wieder dem Schicksal seinen Lauf,

00:33:10.601 --> 00:33:14.500
<v Markus Schrenk>dann kann das Auto tun was es will, ich mache jetzt so Anführungszeichen in die Luft,

00:33:14.501 --> 00:33:19.600
<v Markus Schrenk>weil es natürlich keinen Wille hat.

00:33:19.601 --> 00:33:23.800
<v Markus Schrenk>Aber wenn wir das nicht einprogrammieren, dann passiert ja auch irgendwas in solchen Situationen.

00:33:23.801 --> 00:33:30.800
<v Markus Schrenk>Das heißt, hier haben wir eine direkte moralische Verantwortung, uns Gedanken darüber zu machen,

00:33:30.801 --> 00:33:37.000
<v Markus Schrenk>was diese Autos in solchen Fällen tun sollen und wie das dann einprogrammiert wird.

00:33:37.001 --> 00:33:44.100
<v Markus Schrenk>Gegeben natürlich, das ist vielleicht noch ein bisschen Zukunftsmusik, dass das Auto das Szenario auch genauso erkennt,

00:33:44.101 --> 00:33:45.800
<v Markus Schrenk>wie ich das eben beschrieben habe.

00:33:45.801 --> 00:33:54.400
<v Markus Schrenk>Das muss ja in der Lage sein, eine Person und zwei andere zu erkennen, deren Alter einzuschätzen und so fort.

00:33:54.401 --> 00:33:57.000
<v Markus Schrenk>Das muss natürlich gegeben sein.

00:33:57.001 --> 00:34:01.000
<v Markus Schrenk>Aber davon sind wir, glaube ich, nicht so weit entfernt.

00:34:01.001 --> 00:34:05.500
<v Tim Pritlove>Wie wird das Trolley-Problem gemeinhin beantwortet?

00:34:05.501 --> 00:34:09.300
<v Markus Schrenk>Wie häufig, gibt es natürlich verschiedene Antwortmöglichkeiten.

00:34:09.301 --> 00:34:16.000
<v Markus Schrenk>Es gibt verschiedene Ethiken, die dann unterschiedlich auf das Trolley-Problem reagieren.

00:34:16.001 --> 00:34:19.300
<v Markus Schrenk>Die an sich natürlich auch wieder ihre Schwierigkeiten haben.

00:34:19.301 --> 00:34:21.600
<v Markus Schrenk>Ich will Ihnen zwei Antwortmöglichkeiten geben.

00:34:21.601 --> 00:34:30.500
<v Markus Schrenk>Es gibt den sogenannten Konsequentialismus, da steckt das Wort Konsequenz drin

00:34:30.501 --> 00:34:35.400
<v Markus Schrenk>und diese Ethik sagt, eine Handlung ist dann gut, oder besser als eine andere,

00:34:35.401 --> 00:34:43.900
<v Markus Schrenk>wenn die Konsequenzen für die meisten Menschen die besseren sind bei dieser Handlungsalternative.

00:34:43.901 --> 00:34:51.800
<v Markus Schrenk>Eine Konsequentialistin würde also im Trolley-Beispiel antworten müssen, welche Handlung ist die moralisch richtige, gute Handlung.

00:34:51.801 --> 00:34:56.600
<v Markus Schrenk>Ja die, die die meisten rettet oder am wenigsten Schaden zufügt.

00:34:56.601 --> 00:35:00.800
<v Markus Schrenk>Das Glück der meisten hervorruft.

00:35:00.801 --> 00:35:02.500
<v Markus Schrenk>Also Weiche umstellen.

00:35:02.501 --> 00:35:12.200
<v Markus Schrenk>Es gibt auch Ethiken, die ontologischen Ethiken, die sich beispielsweise auf einen Kanon verlassen,

00:35:12.201 --> 00:35:16.300
<v Markus Schrenk>die 10 Gebote, das wäre so ein paradigmatisches Beispiel einer solchen Ethik.

00:35:16.301 --> 00:35:21.000
<v Markus Schrenk>Die sagt, hier gibt es Grundsätze, an denen wir nicht rütteln wollen.

00:35:21.001 --> 00:35:24.200
<v Markus Schrenk>Zum Beispiel du sollst nicht töten.

00:35:24.201 --> 00:35:33.900
<v Markus Schrenk>Und wenn man selbst die Weiche umstellt, ist man ja mindestens kausal verantwortlich für den Tod des einen auf dem anderen Gleis.

00:35:33.901 --> 00:35:39.800
<v Markus Schrenk>Und wenn du das nicht tun sollst, dann darfst du da nicht einschreiten.

00:35:39.801 --> 00:35:51.300
<v Markus Schrenk>Oder eben eine Ethik die sagt, Menschenleben, auch die Anzahl von Menschenleben dürfen nicht gegeneinander abgewogen werden.

00:35:51.301 --> 00:35:54.500
<v Markus Schrenk>Das heißt, ob fünf oder eins, hier sind wir blind dieser Zahl gegenüber

00:35:54.501 --> 00:35:57.500
<v Markus Schrenk>und deswegen kann die Weiche auch so stehen bleiben wie sie ist.

00:35:57.501 --> 00:36:04.400
<v Markus Schrenk>Das sind verschiedene Optionen, die man hat, hier zu antworten.

00:36:04.401 --> 00:36:13.500
<v Tim Pritlove>Zu dieser Frage mit dem Flugzeugabschuss hat ja letzten Endes das Bundesverfassungsgericht sich, glaube ich, geäußert.

00:36:13.501 --> 00:36:25.700
<v Tim Pritlove>Da ist ja eigentlich die Rechtssprechung, also die Verfassungsrechtssprechung eine philosophische Frage.

00:36:25.701 --> 00:36:33.100
<v Tim Pritlove>Also die haben sich ja quasi positioniert und haben gesagt, wir schalten die Weiche nicht.

00:36:33.101 --> 00:36:33.700
<v Markus Schrenk>Ja.

00:36:33.701 --> 00:36:38.200
<v Tim Pritlove>Also sozusagen die ontologische Philosophie an der Stelle.

00:36:38.201 --> 00:36:39.900
<v Markus Schrenk>Ja.

00:36:39.901 --> 00:36:52.700
<v Tim Pritlove>Wie nehmen Sie das denn so wahr, dass juristisches, also Juristik, Jura, juristische Arbeit, Gesetze,

00:36:52.701 --> 00:37:04.800
<v Tim Pritlove>sind ja im Prinzip so in Stein gehauene oder zumindest gebaute Maschinentexte,

00:37:04.801 --> 00:37:13.000
<v Tim Pritlove>die versuchen sollen, eine empfundene Ethik der Gesellschaft, die sozusagen unseren Regeln,

00:37:13.001 --> 00:37:15.900
<v Tim Pritlove>unseren Vorstellungen, unseren Wünschen, unseren Meinungen entspricht,

00:37:15.901 --> 00:37:20.400
<v Tim Pritlove>in einen Handlungsrahmen abzubilden.

00:37:20.401 --> 00:37:25.000
<v Tim Pritlove>Dass man sagen kann, okay, in einer beliebigen Situation schaue ich jetzt einfach in den Gesetzestext rein und dann ist es das.

00:37:25.001 --> 00:37:28.200
<v Tim Pritlove>Und in dem Moment, wo man quasi auf Verfassungsebene so eine Entscheidung macht,

00:37:28.201 --> 00:37:32.900
<v Tim Pritlove>dann ist das ja eine unmittelbare Anwendung solcher philosophischer Prinzipien.

00:37:32.901 --> 00:37:33.600
<v Markus Schrenk>Ja.

00:37:33.601 --> 00:37:35.900
<v Tim Pritlove>Gibt es da so viel Berührung mit Jura?

00:37:35.901 --> 00:37:41.600
<v Markus Schrenk>Ja klar, natürlich gibt es die Philosophie, die isch genau mit diesem Thema beschäftigt.

00:37:41.601 --> 00:37:46.900
<v Markus Schrenk>Wir hatten am Anfang die Unterscheidung, theoretische Philosophie, praktische Philosophie,

00:37:46.901 --> 00:37:55.800
<v Markus Schrenk>und die praktische Philosophie beschäftigt sich auch mit der Philosophie der Juristerei.

00:37:55.801 --> 00:38:10.100
<v Markus Schrenk>Und da ist es natürlich so, dass wir intuitiv hoffen, dass die Gesetze auch unsere moralischen Intuitionen auffangen oder aufgreifen.

00:38:10.101 --> 00:38:19.000
<v Markus Schrenk>Aber wenn sie denn mal geschrieben sind, dann ist es ja oft so, dass sie sich entfernen

00:38:19.001 --> 00:38:23.400
<v Markus Schrenk>oder jedenfalls keine Moralurteile sind, sondern dann eben wirklich nur juristische Urteile sind.

00:38:23.401 --> 00:38:29.700
<v Markus Schrenk>Deswegen habe ich eben auch gesagt, ob jemand moralisch oder juristisch verantwortlich ist für etwas,

00:38:29.701 --> 00:38:33.600
<v Markus Schrenk>das muss man dann fein auseinanderhalten.

00:38:33.601 --> 00:38:36.100
<v Tim Pritlove>Ja auf jeden Fall.

00:38:36.101 --> 00:38:46.600
<v Tim Pritlove>Man kommt sehr schnell immer wieder auf die Metaebene, weil es letzten Endes hier so ein bisschen auch das Prinzip zu sein scheint.

00:38:46.601 --> 00:38:55.900
<v Tim Pritlove>Es gibt ja auch diesen Begriff der Metaphysik, die sozusagen quasi den Kern darstellt der Philosophie,

00:38:55.901 --> 00:38:58.300
<v Tim Pritlove>kann man das so sagen?

00:38:58.301 --> 00:39:01.600
<v Markus Schrenk>Da würden die praktischen Philosophinnen widersprechen.

00:39:01.601 --> 00:39:09.500
<v Markus Schrenk>Es ist jedenfalls ein wichtiges Fachgebiet innerhalb der Philosophie.

00:39:09.501 --> 00:39:15.200
<v Markus Schrenk>Die Metaphysik, die sich eben damit beschäftigt, was gibt es und wie hängt das miteinander zusammen.

00:39:15.201 --> 00:39:19.000
<v Markus Schrenk>Aber andere wichtige Gebiete gibt es genau gleichberechtigt daneben.

00:39:19.001 --> 00:39:20.900
<v Markus Schrenk>Beispielweise die Erkenntnistheorie.

00:39:20.901 --> 00:39:28.300
<v Markus Schrenk>Wir wollen ja auch wissen, was ist Wissen überhaupt, wann können wir von einer Person gerechtfertigterweise sagen,

00:39:28.301 --> 00:39:33.500
<v Markus Schrenk>dass sie etwas weiß, wie erlangen wir überhaupt Wissen, welche Wissenswege,

00:39:33.501 --> 00:39:39.100
<v Markus Schrenk>welche Wissensquellen stehen uns denn eigentlich offen?

00:39:39.101 --> 00:39:42.100
<v Markus Schrenk>Das sind ja neben den moralischen Fragen ebenso wichtige philosophische Fragen.

00:39:42.101 --> 00:39:47.500
<v Markus Schrenk>Und insofern ist die Metaphysik eine dieser großen Bereiche.

00:39:47.501 --> 00:39:52.500
<v Markus Schrenk>Es wird in der Philosophie oft gestritten, was denn die erste Philosophie ist.

00:39:52.501 --> 00:40:09.300
<v Markus Schrenk>Ja und da wurde die Metaphysik oft genannt als die ersten, die vielleicht auch historisch als erstes philosophisches Fachgebiet ins Leben gerufen wurde.

00:40:09.301 --> 00:40:16.200
<v Markus Schrenk>Durch Thales beispielsweise, nennt man oft so als einen der ersten Philosophen und Mathematiker,

00:40:16.201 --> 00:40:20.200
<v Markus Schrenk>kennen wir wahrscheinlich vom Thales-Kreis noch aus der Schulzeit her.

00:40:20.201 --> 00:40:24.900
<v Markus Schrenk>Er hat auch eine Sonnenfinsternis vorhergesagt.

00:40:24.901 --> 00:40:29.900
<v Markus Schrenk>Aber da stehen die ersten philosophischen Fragen, die stehen, sind eben die, woraus besteht die Welt.

00:40:29.901 --> 00:40:36.700
<v Markus Schrenk>Und erst im Nachhinein kommen dann lebenspraktische Fragen dazu,

00:40:36.701 --> 00:40:38.800
<v Markus Schrenk>die in den philosophischen Kanon aufgenommen sind.

00:40:38.801 --> 00:40:44.800
<v Markus Schrenk>Also historisch, was zumindest die westliche Philosophie betrifft, die ihren Ursprung in Griechenland hat,

00:40:44.801 --> 00:40:54.100
<v Markus Schrenk>hat die Metaphysik so schon ihren, kann die Ansprüche stellen, da die erste Philosophie gewesen zu sein.

00:40:54.101 --> 00:40:56.500
<v Tim Pritlove>Ich finde das ein sehr interessantes Wort.

00:40:56.501 --> 00:41:05.000
<v Tim Pritlove>Weil das wirkt erst mal merkwürdig, weil wir auch so eine Prägung auf Physik haben.

00:41:05.001 --> 00:41:06.900
<v Markus Schrenk>Wissen Sie, wo es herkommt oder was vermuten Sie, wo es herkommt?

00:41:06.901 --> 00:41:10.900
<v Tim Pritlove>Naja, ich bin ja schlecht in solchen Sachen.

00:41:10.901 --> 00:41:17.700
<v Tim Pritlove>Ich sehe mir nur gerade die Übersetzung und die Herleitung, wie sie jetzt in der Wikipedia verankert ist,

00:41:17.701 --> 00:41:22.000
<v Tim Pritlove>also jetzt rein von dem Wortstamm her.

00:41:22.001 --> 00:41:26.700
<v Tim Pritlove>Also Meta, ich sage mal so, jenseits, drüber, danach.

00:41:26.701 --> 00:41:32.900
<v Tim Pritlove>So und Physis einfach die Natur oder die natürliche Beschaffenheit.

00:41:32.901 --> 00:41:37.900
<v Tim Pritlove>Also das ist sozusagen, Metaphysik ist so die Frage nach dem Jenseits der Natur.

00:41:37.901 --> 00:41:39.900
<v Tim Pritlove>Was ist dahinter.

00:41:39.901 --> 00:41:40.900
<v Markus Schrenk>Okay.

00:41:40.901 --> 00:41:46.700
<v Tim Pritlove>Aber ich lasse mich auf andere Definitionen gerne ein.

00:41:46.701 --> 00:41:50.700
<v Markus Schrenk>Das ist natürlich keine schlechte Definition.

00:41:50.701 --> 00:41:53.100
<v Markus Schrenk>Ein erster Anhaltspunkt kann natürlich die Etymologie sein

00:41:53.101 --> 00:41:55.500
<v Markus Schrenk>oder dass man so einen Begriff mal auseinandernimmt.

00:41:55.501 --> 00:42:01.100
<v Markus Schrenk>Und Meta als hinter und Physis die Natur hinter der Natur, das ist gar nicht so übel.

00:42:01.101 --> 00:42:02.900
<v Markus Schrenk>Es gibt eine Anekdote.

00:42:02.901 --> 00:42:10.900
<v Markus Schrenk>Es gibt die Anekdote, dass der erste Bibliothekar, der die aristotelischen Schriftengeordnet hat,

00:42:10.901 --> 00:42:17.400
<v Markus Schrenk>Andronikos von Rhodos, der hat ein Buch von Aristoteles hinter die Schriften,

00:42:17.401 --> 00:42:22.400
<v Markus Schrenk>die Aristoteles „Die Physik“ genannt hat, dieses Werk hat er hinter diese Bücher gestellt

00:42:22.401 --> 00:42:26.400
<v Markus Schrenk>und daher kam die Metaphysik, hinter der Physik.

00:42:26.401 --> 00:42:31.400
<v Markus Schrenk>Ob diese Anekdote jetzt wahr ist, das sei mal dahingestellt.

00:42:31.401 --> 00:42:32.500
<v Markus Schrenk>Es würde aber auch inhaltlich ganz gut passen.

00:42:32.501 --> 00:42:38.000
<v Markus Schrenk>Nur was soll das heißen, hinter dem Natürlichen?

00:42:38.001 --> 00:42:47.900
<v Markus Schrenk>Beschäftigt sich die Metaphysik mit Spekulativem, mit Esoterik oder

00:42:47.901 --> 00:42:51.200
<v Markus Schrenk>das scheint ja so darauf hinauszulaufen.

00:42:51.201 --> 00:42:53.700
<v Markus Schrenk>Und das ist es dezidiert nicht.

00:42:53.701 --> 00:43:01.100
<v Markus Schrenk>Es geht nicht um Spekulationen, es geht auch nicht um Esoterik.

00:43:01.101 --> 00:43:09.300
<v Markus Schrenk>Ich gebe Ihnen ein Beispiel dafür, wo man sehen kann, dass wir über das, was Physikerinnen und Physiker machen, hinausgehen.

00:43:09.301 --> 00:43:13.900
<v Markus Schrenk>Was machen die denn in ihren Labors?

00:43:13.901 --> 00:43:17.600
<v Markus Schrenk>Naja unter anderem wollen die die Naturgesetze rausfinden.

00:43:17.601 --> 00:43:23.200
<v Markus Schrenk>Die wollen wissen, ah E=mc2 oder F=M*A.

00:43:23.201 --> 00:43:28.700
<v Markus Schrenk>Das erste ist das newtonsche Energie- und Masseäquivalenz, das andere ist das newtonsche Kraftgesetz.

00:43:28.701 --> 00:43:36.300
<v Markus Schrenk>Und solche Gesetze wollen ja Physikerinnen und Physiker rausfinden in ihren Laboratorien.

00:43:36.301 --> 00:43:41.600
<v Markus Schrenk>Und jetzt kann man aber die Frage stellen, was macht denn eigentlich ein Naturgesetz aus?

00:43:41.601 --> 00:43:45.600
<v Markus Schrenk>Was ist das denn eigentlich, ein Naturgesetz, was haben die denn alle gemeinsam?

00:43:45.601 --> 00:43:52.500
<v Markus Schrenk>Dieses E=mc2 oder dieses F=M*A.

00:43:52.501 --> 00:43:58.500
<v Markus Schrenk>Und da fragt man eben nach Kriterien dafür, wann etwas unter diesen Begriff Naturgesetz fallen kann.

00:43:58.501 --> 00:44:05.900
<v Markus Schrenk>Und vielleicht ist das erste, was einem so einfallen kann, naja das muss irgendwie ein allgemeiner Satz sein.

00:44:05.901 --> 00:44:09.300
<v Markus Schrenk>Also wenn ich jetzt sage, hier auf dem Tisch vor uns steht ein Glas.

00:44:09.301 --> 00:44:13.600
<v Markus Schrenk>Ist das ein Naturgesetz? Nein, das handelt ja nur von dem Glas.

00:44:13.601 --> 00:44:18.200
<v Markus Schrenk>Naturgesetz muss irgendwie von allen Massen handeln.

00:44:18.201 --> 00:44:23.400
<v Markus Schrenk>Es muss von allen Elektronen irgendwie die Rede sein, also es muss ein ganz allgemeiner Satz sein.

00:44:23.401 --> 00:44:25.400
<v Tim Pritlove>Und es muss Voraussagen liefern können, die man überprüfen kann.

00:44:25.401 --> 00:44:27.600
<v Markus Schrenk>Und es muss Voraussagen liefern können, ganz genau.

00:44:27.601 --> 00:44:38.000
<v Markus Schrenk>Es muss also in die Zukunft projizierbar sein und da möglichst eben auch gerechtfertigte wahre Vorhersagen treffen können.

00:44:38.001 --> 00:44:42.300
<v Markus Schrenk>Das muss mit Naturgesetzen auch geschehen können.

00:44:42.301 --> 00:44:46.000
<v Markus Schrenk>Aber das kann man manchmal auch mit allgemeinen Aussagen.

00:44:46.001 --> 00:44:50.000
<v Markus Schrenk>Beispielsweise dass morgen mein Wecker auch wieder klingeln wird.

00:44:50.001 --> 00:44:55.100
<v Markus Schrenk>Ja, gut, aber das ist kein Naturgesetz, dass der gestellt ist und so weiter.

00:44:55.101 --> 00:44:55.300
<v Markus Schrenk>Also manchmal können wir solche Vorhersagen…

00:44:55.301 --> 00:44:55.600
<v Tim Pritlove>Es kann auch sein, dass er nicht klingelt.

00:44:55.601 --> 00:44:57.600
<v Markus Schrenk>Es kann auch sein, dass er nicht klingelt.

00:44:57.601 --> 00:45:02.400
<v Markus Schrenk>Genau, und da kommen wir jetzt zu einem weiteren Kriterium von Naturgesetzlichkeit,

00:45:02.401 --> 00:45:09.800
<v Markus Schrenk>die gelten irgendwie mit Notwendigkeit, da gibt es kein Drumherum, das können wir nicht vermeiden.

00:45:09.801 --> 00:45:15.900
<v Markus Schrenk>C, die Lichtgeschwindigkeit, ist die höchste Geschwindigkeit, sie können nichts höher als das Licht beschleunigen.

00:45:15.901 --> 00:45:16.300
<v Markus Schrenk>Das geht nicht.

00:45:16.301 --> 00:45:24.600
<v Markus Schrenk>Das heißt, die Naturgesetze sind irgendwie auch Dinger, Regeln, die unumstößlich sind.

00:45:24.601 --> 00:45:26.800
<v Markus Schrenk>Die können wir nicht verhindern.

00:45:26.801 --> 00:45:30.300
<v Markus Schrenk>Und damit zusammen hängt noch etwas.

00:45:30.301 --> 00:45:34.900
<v Markus Schrenk>Also die sind auch dafür verantwortlich, dass verschiedene wenn-dann-Sätze wahr sind.

00:45:34.901 --> 00:45:37.200
<v Markus Schrenk>Also noch mal um auf das Glas hier zurückzukommen,

00:45:37.201 --> 00:45:43.600
<v Markus Schrenk>ließe ich das jetzt hier auf den Boden fallen, dann würde das zersplittern.

00:45:43.601 --> 00:45:49.500
<v Markus Schrenk>Und das ist wohl wahr, ich werde es nicht machen, aber trotzdem,

00:45:49.501 --> 00:45:54.900
<v Markus Schrenk>also das ist ja ein Satz, der ist wahr, obwohl er faktisch gerade,

00:45:54.901 --> 00:45:57.400
<v Markus Schrenk>jedenfalls sein erstes Satz, der Antezedens, der Vordersatz des Satzes,

00:45:57.401 --> 00:46:02.600
<v Markus Schrenk>wenn ich es runterfallen ließe, der ist faktisch falsch, ich tue es ja nicht.

00:46:02.601 --> 00:46:04.500
<v Markus Schrenk>Also der ist nicht gegeben.

00:46:04.501 --> 00:46:08.300
<v Markus Schrenk>Und trotzdem scheine ich ja etwas richtiges über die Welt zu sagen,

00:46:08.301 --> 00:46:12.700
<v Markus Schrenk>obwohl ich nichts faktisches über die Welt sage, nicht wie es faktisch ist,

00:46:12.701 --> 00:46:16.400
<v Markus Schrenk>sondern ich mache eine was-wäre-wenn-Aussage.

00:46:16.401 --> 00:46:22.100
<v Markus Schrenk>Und solche was-wäre-wenn-Aussagen sind gestützt, wenn sie wahr sind,

00:46:22.101 --> 00:46:24.300
<v Markus Schrenk>sind sie gestützt durch Naturgesetze auch.

00:46:24.301 --> 00:46:28.800
<v Markus Schrenk>Naja, warum ist dieser wenn-dann-Satz war?

00:46:28.801 --> 00:46:35.200
<v Markus Schrenk>Ja, weil das Glas eine bestimmte Molekülstruktur hat und die zerbricht,

00:46:35.201 --> 00:46:41.300
<v Markus Schrenk>die reißt, die ist nicht, die molekularen Bindungen sind eben nicht so stark,

00:46:41.301 --> 00:46:45.300
<v Markus Schrenk>dass sie bei so einem Aufprall, bei so einem Impuls, der auf das Glas einwirkt,

00:46:45.301 --> 00:46:49.800
<v Markus Schrenk>dass sie dann nicht zerreißen würden, die zerreißen bei dieser Art von Impuls.

00:46:49.801 --> 00:46:54.400
<v Markus Schrenk>Das heißt, das ist naturgesetzlich abgedeckt, dass dieser Satz wahr ist.

00:46:54.401 --> 00:46:59.700
<v Markus Schrenk>Und deswegen haben Naturgesetze auch so eine was-wäre-wenn-Kraft.

00:46:59.701 --> 00:47:07.600
<v Markus Schrenk>Die sagen uns auch, nicht nur was faktisch ist, sondern die erstrecken sich auch über den Möglichkeitsraum,

00:47:07.601 --> 00:47:11.000
<v Markus Schrenk>was passieren könnte oder was passieren muss.

00:47:11.001 --> 00:47:14.000
<v Markus Schrenk>Nicht einfach nur passiert, sondern passieren muss.

00:47:14.001 --> 00:47:20.300
<v Markus Schrenk>Sondern all das, was wir jetzt gemeinsam erdacht haben hier über die Naturgesetze,

00:47:20.301 --> 00:47:26.300
<v Markus Schrenk>ist nicht die Kernaufgabe der Physik.

00:47:26.301 --> 00:47:33.800
<v Markus Schrenk>Die findet nämlich raus, welche Naturgesetze gibt es, aber nicht, was ist eigentlich ein Naturgesetz?

00:47:33.801 --> 00:47:38.600
<v Markus Schrenk>Welche Eigenschaften hat denn so ein Naturgesetz?

00:47:38.601 --> 00:47:39.100
<v Markus Schrenk>Das ist eine philosophische Frage.

00:47:39.101 --> 00:47:44.600
<v Markus Schrenk>Und deswegen geht diese philosophische Frage über die Physik hinaus.

00:47:44.601 --> 00:47:51.700
<v Markus Schrenk>Bedeutet natürlich nicht, dass die einen oder der andere Physiker nicht auch daran sehr interessiert ist an solchen Fragen

00:47:51.701 --> 00:47:54.300
<v Markus Schrenk>und das betreibt, aber jedenfalls nicht im Labor.

00:47:54.301 --> 00:47:58.500
<v Markus Schrenk>Welches Experiment wollten Sie denn anstellen, um zeigen zu können,

00:47:58.501 --> 00:48:06.100
<v Markus Schrenk>was ein Naturgesetz ist, statt welches gibt es hier gerade zu untersuchen.

00:48:06.101 --> 00:48:11.700
<v Tim Pritlove>Was ja auch so ein bisschen mit durchklingt ist, dass es ja auch eine Aufgabe der Philosophie ist,

00:48:11.701 --> 00:48:15.400
<v Tim Pritlove>überhaupt erst mal zu ordnen.

00:48:15.401 --> 00:48:21.900
<v Tim Pritlove>Ontologie, der Begriff klang ja schon an, ist ja letztlich im Prinzip die Bereitstellung von Begriffsmaterial

00:48:21.901 --> 00:48:28.600
<v Tim Pritlove>und von Abstraktionswerkzeugen, die überhaupt erst mal einordnen,

00:48:28.601 --> 00:48:33.200
<v Tim Pritlove>was ist es überhaupt, was ich beschreiben kann und mit welchen Worten tue ich es

00:48:33.201 --> 00:48:36.100
<v Tim Pritlove>und wann ist dieses Wort angemessen, wann ist dieses Wort?

00:48:36.101 --> 00:48:39.400
<v Tim Pritlove>Man sammelt ja quasi erst mal so seinen Wortschatz beisammen

00:48:39.401 --> 00:48:47.500
<v Tim Pritlove>und fügt den in so einen Strukturbaukasten, aus dem man sich bedienen kann,

00:48:47.501 --> 00:48:55.000
<v Tim Pritlove>um überhaupt erst mal die Welt beschreiben zu können mit einer allgemeinen Sprache,

00:48:55.001 --> 00:48:59.700
<v Tim Pritlove>die dann im Idealfall ja auch disziplinübergreifend zur Anwendung kommen.

00:48:59.701 --> 00:49:07.900
<v Markus Schrenk>Sie haben das gerade Ontologie genannt, ich würde das Begriffsdefinition nennen, was Sie gerade beschrieben haben.

00:49:07.901 --> 00:49:15.100
<v Markus Schrenk>Ontologie ist eher die Lehre vom Sein, also was gibt es und was bedeutet es eigentlich zu sein.

00:49:15.101 --> 00:49:20.400
<v Markus Schrenk>Und beschäftigt sich also direkt mit den Dingen.

00:49:20.401 --> 00:49:24.700
<v Markus Schrenk>Die Begriffsklärung, Begriffe bereitzustellen, das ist dann eher,

00:49:24.701 --> 00:49:34.400
<v Markus Schrenk>ja, ich habe es Begriffsklärung genannt, während die Ontologie sich mit Dingen und nicht Begriffe beschäftigt.

00:49:34.401 --> 00:49:38.500
<v Tim Pritlove>Mhm /bejahend/, okay.

00:49:38.501 --> 00:49:44.100
<v Tim Pritlove>Vielleicht ist hier so ein bisschen meine informatische Prägung bisschen reingekommen,

00:49:44.101 --> 00:49:50.000
<v Tim Pritlove>weil in der Welt Ontologie sehr wohl so zur Verwendung kommt.

00:49:50.001 --> 00:49:55.700
<v Markus Schrenk>Stimmt, in der Informatik wird das so ähnlich gebraucht, ich erinnere mich.

00:49:55.701 --> 00:50:02.400
<v Markus Schrenk>In der Philosophie nicht, da ist es die Lehre vom Seienden oder die Lehre davon,

00:50:02.401 --> 00:50:05.800
<v Markus Schrenk>was es grundsätzlich gibt, das ist eine ontologische Frage.

00:50:05.801 --> 00:50:07.300
<v Tim Pritlove>Also eigentlich genau das gleiche wie Metaphysik.

00:50:07.301 --> 00:50:12.100
<v Markus Schrenk>Ja, da gibt es eine große Überlappung, manchmal wird das in einen Topf geschmissen,

00:50:12.101 --> 00:50:18.600
<v Markus Schrenk>ich unterscheide das gerne und sage, die Ontologie beschäftigt sich eben rein mit der Frage, was gibt es.

00:50:18.601 --> 00:50:24.500
<v Markus Schrenk>Während die Metaphysik darüber hinaus, die Ontologie ist ein Teilbereich der Metaphysik,

00:50:24.501 --> 00:50:30.000
<v Markus Schrenk>die Metaphysik fragt darüber hinaus noch die Frage, wie hängt das eigentlich alles miteinander zusammen?

00:50:30.001 --> 00:50:33.500
<v Markus Schrenk>Da gibt es naturgesetzliche Zusammenhänge, Kausalzusammenhänge,

00:50:33.501 --> 00:50:39.700
<v Markus Schrenk>konstitutive Zusammenhänge, also beispielsweise, ich komme immer wieder auf das Glas zurück,

00:50:39.701 --> 00:50:46.100
<v Markus Schrenk>das Glas wird ja konstituiert durch seine Moleküle.

00:50:46.101 --> 00:50:51.100
<v Markus Schrenk>Und da sind wir direkt in der ontologischen Frage drin, gibt es das Glas eigentlich wirklich

00:50:51.101 --> 00:51:00.800
<v Markus Schrenk>oder gibt es nicht eigentlich „nur“ die Moleküle, die glasförmig geformt sind.

00:51:00.801 --> 00:51:06.600
<v Markus Schrenk>Und das ist eigentlich das, was es wirklich gibt und das Glas ist irgendwie darauf reduzierbar

00:51:06.601 --> 00:51:16.700
<v Markus Schrenk>und hat einen geringeren Seinszustand sozusagen als es die Teile haben, aus denen es besteht.

00:51:16.701 --> 00:51:21.800
<v Tim Pritlove>Wenn man jetzt versucht, der Öffentlichkeit Philosophie entgegenzubringen,

00:51:21.801 --> 00:51:28.000
<v Tim Pritlove>ist denn diese Unbestimmtheit und dass man die Dinge nicht abschließend wirklich genau sagen kann,

00:51:28.001 --> 00:51:32.000
<v Tim Pritlove>ja da ist es jetzt genau so und da ist dann irgendwie Schluss.

00:51:32.001 --> 00:51:33.900
<v Tim Pritlove>Also das ist das, was ich so ein bisschen heraushöre.

00:51:33.901 --> 00:51:43.600
<v Tim Pritlove>Also es gibt zwar sehr viel Ordnungswunsch und auch Ordnungskraft,

00:51:43.601 --> 00:51:51.200
<v Tim Pritlove>aber am Ende ist alles ja der Interpretation überlassen und so bisschen…

00:51:51.201 --> 00:52:00.400
<v Tim Pritlove>Manchmal habe ich so den Eindruck, es ist so ein bisschen wie mit diesen nicht newtonischen Flüssigkeiten,

00:52:00.401 --> 00:52:03.900
<v Tim Pritlove>wo man dann halt irgendwie, wenn man jetzt so Stärke und Wasser mischt,

00:52:03.901 --> 00:52:16.000
<v Tim Pritlove>solange man es bearbeitet hat es irgendwie eine Struktur, kaum schaut man sich sein Werk an, zerfließt es wie Wasser.

00:52:16.001 --> 00:52:26.100
<v Tim Pritlove>Wie sind so die Erkenntnisprozesse und Aha-Momente, wenn man jetzt im Rahmen der denXte-Veranstaltungen dann mit den Leuten interagiert?

00:52:26.101 --> 00:52:32.100
<v Tim Pritlove>Was kommt bei raus, was bleibt hängen, was ergibt sich daraus?

00:52:32.101 --> 00:52:41.600
<v Markus Schrenk>Also es ist schon richtig, das verschiedene philosophische Fragen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder aufkamen

00:52:41.601 --> 00:52:45.500
<v Markus Schrenk>und anders beantwortet wurden.

00:52:45.501 --> 00:52:49.200
<v Markus Schrenk>Ein Philosoph zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Whitehead hat einmal gesagt,

00:52:49.201 --> 00:52:53.900
<v Markus Schrenk>dass alle Philosophie eigentlich nur Fußnoten zu Platon ist.

00:52:53.901 --> 00:53:04.000
<v Markus Schrenk>Und von daher ist es schon richtig, dass viele philosophische Fragen immer wieder aufkommen und neue Antworten finden.

00:53:04.001 --> 00:53:11.200
<v Markus Schrenk>Es ist aber trotzdem so, dass es auf eine gewisse Weise auch philosophischen Fortschritt gibt.

00:53:11.201 --> 00:53:19.000
<v Markus Schrenk>Wir loten nämlich den Raum der möglichen Antworten aus.

00:53:19.001 --> 00:53:24.500
<v Markus Schrenk>Sie haben es eben so schön beschrieben, man versucht mit einer Flüssigkeit zu handhaben,

00:53:24.501 --> 00:53:27.000
<v Markus Schrenk>sobald das Gefäß weg ist, dann zerfließt das wieder alles.

00:53:27.001 --> 00:53:33.500
<v Markus Schrenk>Aber wir stellen in der Philosophie, um in der Metapher zu bleiben, eine ganze Menge zur Verfügung,

00:53:33.501 --> 00:53:37.800
<v Markus Schrenk>mit denen man diese Flüssigkeit auffangen kann.

00:53:37.801 --> 00:53:47.700
<v Markus Schrenk>Und da gibt es dann durchaus auch Fortschritt und sei es auch nur manchmal ein Negativfortschritt im Sinne von,

00:53:47.701 --> 00:53:51.400
<v Markus Schrenk>man weiß halt wie es nicht geht.

00:53:51.401 --> 00:53:59.500
<v Markus Schrenk>Wir hatten bei denXte beispielsweise die Frage, was ist Wissen?

00:53:59.501 --> 00:54:05.500
<v Markus Schrenk>Wann ist es richtig von jemanden zu sagen, dass er oder sie etwas weiß und stimmt das?

00:54:05.501 --> 00:54:15.800
<v Markus Schrenk>Und dazu hat Platon auch schon Definitionsversuche gegeben

00:54:15.801 --> 00:54:23.000
<v Markus Schrenk>und wir wissen, dass verschiedene einfach falsch sind oder dass die nicht ganz zum Ziel führen, nur so halb zum Ziel führen.

00:54:23.001 --> 00:54:26.300
<v Markus Schrenk>Das Beispiel ist das folgende:

00:54:26.301 --> 00:54:30.000
<v Markus Schrenk>Was könnte das denn sein? Wann könnte es denn richtig sein, von einer Person zu sagen,

00:54:30.001 --> 00:54:32.500
<v Markus Schrenk>dass sie etwas weiß?

00:54:32.501 --> 00:54:37.900
<v Markus Schrenk>Naja, ein Punkt ist doch der, dass sie selbst daran glauben muss, muss selbst diese Meinung haben.

00:54:37.901 --> 00:54:46.900
<v Markus Schrenk>Man kann schlecht sagen, ich weiß, dass wir hier in Berlin sind, aber ich glaube das nicht.

00:54:46.901 --> 00:54:52.300
<v Markus Schrenk>Dann denkt man, wie was meinst du jetzt, du weißt, dass du in Berlin bist, aber du glaubst es nicht, was soll denn das heißen?

00:54:52.301 --> 00:54:59.200
<v Markus Schrenk>Also irgendwie muss es doch so sein, dass eine Person, die etwas weiß,

00:54:59.201 --> 00:55:03.000
<v Markus Schrenk>die glaubt auch in erster Linie daran, dass es so ist.

00:55:03.001 --> 00:55:07.400
<v Markus Schrenk>Also Wissen hat schon mal irgendwas mit einer Meinung zu tun und man hat eine Meinung.

00:55:07.401 --> 00:55:11.000
<v Markus Schrenk>Aber man hat mehr als Meinungen.

00:55:11.001 --> 00:55:13.800
<v Tim Pritlove>Die Meinung ist ja dem Wissen nachgelagert, die ergibt sich ja sozusagen daraus.

00:55:13.801 --> 00:55:16.800
<v Markus Schrenk>Nachgelagert oder vorgelagert, je nachdem aus welcher Perspektive man guckt, genau.

00:55:16.801 --> 00:55:20.800
<v Markus Schrenk>Eine bloße Meinung reicht ja wohl nicht zu Wissen.

00:55:20.801 --> 00:55:25.300
<v Markus Schrenk>Also wenn ich jetzt der Meinung bin, dass die nächsten Lottozahlen so und so und so sind,

00:55:25.301 --> 00:55:28.100
<v Markus Schrenk>das reicht ja wohl für Wissen nicht aus.

00:55:28.101 --> 00:55:30.400
<v Markus Schrenk>Sondern ich brauche irgendwie eine Begründung.

00:55:30.401 --> 00:55:33.600
<v Tim Pritlove>Oder wir alle von Reptiloiden regiert werden.

00:55:33.601 --> 00:55:33.800
<v Markus Schrenk>Oder das, genau.

00:55:33.801 --> 00:55:35.500
<v Tim Pritlove>Das ist auch eine sehr beliebte Meinung.

00:55:35.501 --> 00:55:41.800
<v Markus Schrenk>Das ist auch eine Meinung und man darf auch frei die Meinung vertreten,

00:55:41.801 --> 00:55:48.600
<v Markus Schrenk>aber so richtig diskursfähig und wertvoll und interessant werden Meinungen ja erst dann,

00:55:48.601 --> 00:55:52.000
<v Markus Schrenk>wenn sie begründete Meinungen sind, wenn sie gerechtfertigte Meinungen sind.

00:55:52.001 --> 00:55:56.300
<v Markus Schrenk>Wenn man sagen kann, warum man diese Meinung hat, warum sie denn richtig ist.

00:55:56.301 --> 00:56:01.600
<v Markus Schrenk>Das heißt, bloße Meinung ist kein Wissen, also bloß zu meinen,

00:56:01.601 --> 00:56:05.500
<v Markus Schrenk>dass wir von Reptilien regiert werden, dann weiß man das halt nicht,

00:56:05.501 --> 00:56:06.600
<v Markus Schrenk>sondern man muss eben Begründungen mitbringen.

00:56:06.601 --> 00:56:08.800
<v Tim Pritlove>Ist ein bisschen dünne auf jeden Fall.

00:56:08.801 --> 00:56:12.300
<v Markus Schrenk>Genau, also wenn ich weiß, dass das Glas, wenn ich behaupten will,

00:56:12.301 --> 00:56:15.800
<v Markus Schrenk>ich weiß, dass das Glas zerbricht, wenn ich das runterfallen lasse, dann muss ich schon Gründe geben.

00:56:15.801 --> 00:56:23.100
<v Markus Schrenk>So was wie, naja ich kenne mich mit Glas aus, das ist halt so eine amorphe Molekülgeschichte

00:56:23.101 --> 00:56:24.500
<v Markus Schrenk>und dann habe ich eben meine Begründung.

00:56:24.501 --> 00:56:30.300
<v Markus Schrenk>So und letztlich reicht das aber auch noch nicht, also die Begründung kann noch so gut sein,

00:56:30.301 --> 00:56:36.000
<v Markus Schrenk>und man kann noch so stark daran glauben, es muss auch noch wahr sein.

00:56:36.001 --> 00:56:42.700
<v Markus Schrenk>Ich kann ja schlecht sagen, ich weiß, dass wir hier in Köln sind, ich habe auch gute Gründe

00:56:42.701 --> 00:56:48.200
<v Markus Schrenk>ich gucke nämlich raus und sehe auch einen Fernsehturm, das ist mein Grund dafür,

00:56:48.201 --> 00:56:53.800
<v Markus Schrenk>sehe ich in Köln auch, habe also begründete Meinung, aber das kann ja wohl kein Wissen sein,

00:56:53.801 --> 00:57:00.000
<v Markus Schrenk>denn das ist einfach falsch, wir sind hier nicht in Köln, sondern wir sind in Berlin.

00:57:00.001 --> 00:57:06.700
<v Markus Schrenk>Also zu Wissen gehört es wohl doch auch noch, dass die gerechtfertigte Meinung wahr ist.

00:57:06.701 --> 00:57:12.300
<v Markus Schrenk>Wenn es nicht wahr ist, was ich glaube, kann ich ja wohl kaum sagen, ich weiß es.

00:57:12.301 --> 00:57:16.400
<v Markus Schrenk>So und jetzt haben wir /unverständlich/

00:57:16.401 --> 00:57:22.500
<v Markus Schrenk>Und daran zweifelt man kaum, an Wahrheit und Meinung wird niemand zweifeln,

00:57:22.501 --> 00:57:25.500
<v Markus Schrenk>dass das Grundelemente von Wissen sind.

00:57:25.501 --> 00:57:29.800
<v Markus Schrenk>Das Wissen das mit sich bringen muss, sonst kann man nicht von Wissen sprechen.

00:57:29.801 --> 00:57:34.800
<v Markus Schrenk>Und so hat die Philosophie eben auch für Definitionen von Naturgesetz,

00:57:34.801 --> 00:57:44.300
<v Markus Schrenk>für Definition von Kausalität sich so einen Grundstamm erarbeitet von Möglichkeiten,

00:57:44.301 --> 00:57:50.900
<v Markus Schrenk>wie es denn explizierbar ist, auf den sich alle immer wieder erneut beziehen und davon ausgehen

00:57:50.901 --> 00:57:57.100
<v Markus Schrenk>und vielleicht die ein oder andere These verneinen und andere anbieten.

00:57:57.101 --> 00:58:01.500
<v Markus Schrenk>Aber dieser Grundstamm des Argumentierens bleibt dann bestehen.

00:58:01.501 --> 00:58:06.200
<v Markus Schrenk>Wer sich mit der Frage beschäftigt, was ist wissen, muss dazu Stellung nehmen,

00:58:06.201 --> 00:58:12.600
<v Markus Schrenk>wie sieht es mit Meinungen aus, wie sieht es mit Wahrheit aus, wie sieht es mit Rechtfertigung aus?

00:58:12.601 --> 00:58:18.600
<v Markus Schrenk>Sind das Elemente für deinen Begriff von Wissen oder sind das keine,

00:58:18.601 --> 00:58:18.700
<v Markus Schrenk>und wenn nicht, warum nicht?

00:58:18.701 --> 00:58:25.700
<v Markus Schrenk>Also jede, die sich damit beschäftigt, wird diese Grundelemente wieder mit verwenden.

00:58:25.701 --> 00:58:31.400
<v Markus Schrenk>Und das hat sich die Philosophie erarbeitet.

00:58:31.401 --> 00:58:42.200
<v Tim Pritlove>Jetzt ist ja, wo wir gerade bei Glauben sind, steht ja auch die Philosophie oder stand schon immer stark im Wettstreit mit der Religion.

00:58:42.201 --> 00:58:51.100
<v Tim Pritlove>Die so ein bisschen auch die Wahrheit ein wenig gepachtet hat, also die Aussage darüber, was denn nun…

00:58:51.101 --> 00:58:52.100
<v Markus Schrenk>Sie glaubt das zu tun.

00:58:52.101 --> 00:59:01.700
<v Tim Pritlove>Ja, aber das ist ja, sagen wir mal, das Problem, was man sozusagen mit der Auseinandersetzung damit hat,

00:59:01.701 --> 00:59:08.100
<v Tim Pritlove>dass der Glaube, der ja, wie wir jetzt gerade hergeleitet haben, kein gesichertes Wissen darstellen kann,

00:59:08.101 --> 00:59:15.800
<v Tim Pritlove>über allem steht und wenn man nur ausreichend daran glaubt, dann wird es auch schon so sein.

00:59:15.801 --> 00:59:21.200
<v Tim Pritlove>Und da kommen dann halt alle möglichen Geistwesen, die in Wolken leben und so weiter,

00:59:21.201 --> 00:59:27.100
<v Tim Pritlove>das ist ja, sagen wir mal, noch eine sehr verbreitete Sicht der Dinge, so.

00:59:27.101 --> 00:59:32.700
<v Tim Pritlove>Also vielleicht nicht unbedingt so sehr im wissenschaftlichen Umfeld,

00:59:32.701 --> 00:59:38.200
<v Tim Pritlove>da würde ich sagen, ist das eher ein weniger populärer Blick auf die Welt,

00:59:38.201 --> 00:59:43.400
<v Tim Pritlove>aber wenn man jetzt so die gesamte Bevölkerung oder auch unsere Gesellschaft erst mal nur anschaut,

00:59:43.401 --> 00:59:47.400
<v Tim Pritlove>dann ist es ja sehr verbreitet.

00:59:47.401 --> 00:59:55.500
<v Tim Pritlove>Wie kann so etwas, wie kann man da vermitteln, wie kann so etwas koexistieren,

00:59:55.501 --> 01:00:03.300
<v Tim Pritlove>was auf den ersten einfachen Blick sich teilweise ja auch ein wenig zu widersprechen scheint?

01:00:03.301 --> 01:00:15.400
<v Markus Schrenk>Also zunächst ist es so, dass man in jedem Gebiet der Philosophie zunächst einmal methodologisch Atheist ist oder sein muss.

01:00:15.401 --> 01:00:26.300
<v Markus Schrenk>Also man nimmt nicht die Prämisse schon als Prämisse die Existenz Gottes mit in ein Argument mit hinein.

01:00:26.301 --> 01:00:29.700
<v Markus Schrenk>Das kann man sicher machen, wenn man Religionsphilosophie betreibt

01:00:29.701 --> 01:00:35.600
<v Markus Schrenk>und dann etwas bestimmtes betrachten will, unter der Annahme, dass es Gott gibt,

01:00:35.601 --> 01:00:39.600
<v Markus Schrenk>was ist dann eine moralisch gerechtfertigte Handlung.

01:00:39.601 --> 01:00:46.400
<v Markus Schrenk>So kann man das natürlich als Prämisse, die man aber kenntlich macht, mit reinnehmen.

01:00:46.401 --> 01:00:52.400
<v Markus Schrenk>Man kann nicht einfach voraussetzen für alle Argumente, die man in der Philosophie so verwendet, dass Gott existiert.

01:00:52.401 --> 01:01:00.800
<v Markus Schrenk>Das ist ein verbotener Schachzug im Werkzeugkasten der Philosophie.

01:01:00.801 --> 01:01:02.500
<v Tim Pritlove>Das ist geschummelt sozusagen.

01:01:02.501 --> 01:01:03.800
<v Markus Schrenk>Das ist geschummelt, ja.

01:01:03.801 --> 01:01:08.500
<v Markus Schrenk>Methodologisch ist man also Atheist.

01:01:08.501 --> 01:01:14.000
<v Markus Schrenk>Und jetzt kann man natürlich innerhalb der Religionsphilosophie versuchen,

01:01:14.001 --> 01:01:17.300
<v Markus Schrenk>die Existenz Gottes zu beweisen.

01:01:17.301 --> 01:01:26.800
<v Markus Schrenk>Also indem man beispielsweise versucht zu argumentieren, dass das Universum ja nicht aus Nichts entstanden sein kann.

01:01:26.801 --> 01:01:32.300
<v Markus Schrenk>Dass es eine erste Ursache haben muss.

01:01:32.301 --> 01:01:38.600
<v Markus Schrenk>Und diese erste Ursache könnte man dann mit Gott oder einer göttlichen Kraft identifizieren.

01:01:38.601 --> 01:01:41.600
<v Tim Pritlove>Wobei das ja auch überhaupt niemand behauptet, dass es aus dem Nichts erschaffen worden ist.

01:01:41.601 --> 01:01:48.200
<v Tim Pritlove>Die Wissenschaft ist ja eher auf dem Standort, wir wissen nicht, woraus es entstanden ist.

01:01:48.201 --> 01:01:51.800
<v Tim Pritlove>Wir gehen nur mal davon aus, dass es mal sehr sehr sehr klein war.

01:01:51.801 --> 01:01:59.500
<v Tim Pritlove>Aber ob es davor auch schon wieder groß war oder irgendwas ganz was anderes war.

01:01:59.501 --> 01:02:06.300
<v Tim Pritlove>Ist ja auch ein ontologisches Problem, sage ich mal, also so, was ist denn Nichts?

01:02:06.301 --> 01:02:11.900
<v Tim Pritlove>Okay, aber ich will nicht zu sehr von dieser Auseinandersetzung mit der Religion abweichen,

01:02:11.901 --> 01:02:14.300
<v Tim Pritlove>weil das natürlich ein Spannungsfeld ist.

01:02:14.301 --> 01:02:19.900
<v Markus Schrenk>Ja, was bei Fragen zur Religion natürlich mitschwingt ist, dass wir alle,

01:02:19.901 --> 01:02:29.400
<v Markus Schrenk>auch die rationalsten Philosophinnen und Philosophen ein Bedürfnis nach Spiritualität haben.

01:02:29.401 --> 01:02:36.600
<v Markus Schrenk>Die Frage, warum sind wir überhaupt hier, warum ist nicht etwa einfach nur nichts

01:02:36.601 --> 01:02:39.900
<v Markus Schrenk>und warum bin ich in dieses Leben geworfen?

01:02:39.901 --> 01:02:44.400
<v Markus Schrenk>Das ist eine Frage, die manchmal von Philosophen zur Seite geschoben wird

01:02:44.401 --> 01:02:51.100
<v Markus Schrenk>und als nicht beantwortbar oder als falsch gestellt markiert wird,

01:02:51.101 --> 01:02:56.900
<v Markus Schrenk>aber ich glaube, die wenigsten von uns können sich davon freisprechen, dass solche Fragen aufkommen.

01:02:56.901 --> 01:03:05.700
<v Markus Schrenk>Und wenn es der Moment ist, wo man einen lieben Menschen verliert, im Angesicht des Todes stellt man sich diese Fragen.

01:03:05.701 --> 01:03:14.500
<v Markus Schrenk>Und da versucht ja Religion, versuchen Religionen eben Antworten darauf zu geben.

01:03:14.501 --> 01:03:23.300
<v Markus Schrenk>Und deswegen ist das Anliegen ja ein durch und durch legitimes und für uns alle nachvollziehbares.

01:03:23.301 --> 01:03:30.400
<v Markus Schrenk>Wenn ich wieder auf die Metaphysik und Philosophie zurückkommen kann,

01:03:30.401 --> 01:03:34.900
<v Markus Schrenk>Metaphysik könnte man auch mal definieren als den Versuch,

01:03:34.901 --> 01:03:43.100
<v Markus Schrenk>das Leben und die Welt im Gesamten zu begreifen, zu ordnen, verstehbar zu machen.

01:03:43.101 --> 01:03:52.400
<v Markus Schrenk>Und idealerweise gelingt das kohärent, nämlich so, dass wir unser wissenschaftliches Wissen,

01:03:52.401 --> 01:04:02.500
<v Markus Schrenk>unser Alltagswissen und aber auch eventuell dieses Streben nach Spiritualität vereinbar machen.

01:04:02.501 --> 01:04:08.200
<v Markus Schrenk>So dass sich diese verschiedenen Bereiche eben nicht widersprechen.

01:04:08.201 --> 01:04:11.800
<v Markus Schrenk>So dass ich durchaus sagen kann, naturwissenschaftlich sieht es so und so aus,

01:04:11.801 --> 01:04:17.900
<v Markus Schrenk>und das tut meiner Lebenspraxis aber keine Abbruch.

01:04:17.901 --> 01:04:24.100
<v Markus Schrenk>Wenn man da eine Interpretation der Welt, der Wissenschaft, der Lebenswelt findet,

01:04:24.101 --> 01:04:29.800
<v Markus Schrenk>die es kohärent macht, dann ist das eine große Errungenschaft.

01:04:29.801 --> 01:04:33.400
<v Tim Pritlove>Als ich vorhin so ein bisschen nach der Zielgruppe gefragt habe,

01:04:33.401 --> 01:04:41.400
<v Tim Pritlove>was, glaube ich, ein bisschen, also von dem denXte-Projekt, was da so ein bisschen bei mir mitschwang war auch so,

01:04:41.401 --> 01:04:50.500
<v Tim Pritlove>dass ich das Gefühl habe, es gibt halt einen Teil der Gesellschaft, der ist in seiner Wissbegier aktiv

01:04:50.501 --> 01:04:59.800
<v Tim Pritlove>und beantwortete Fragen werden als eine Lücke angesehen, die man gerne füllen möchte.

01:04:59.801 --> 01:05:07.100
<v Tim Pritlove>Im Religionsbereich mag es ähnlich sein, nur dass dort die Bereitschaft ist,

01:05:07.101 --> 01:05:12.700
<v Tim Pritlove>mit sehr einfachen Antworten zu füllen, vielleicht etwas höher ist.

01:05:12.701 --> 01:05:19.000
<v Tim Pritlove>Man gibt sich mit etwas zufrieden, was irgendwie insgesamt gut klingt

01:05:19.001 --> 01:05:25.100
<v Tim Pritlove>und irgendwie was hermacht, sage ich mal, was einen aber auch auf eine gewisse Art und Weise fasziniert

01:05:25.101 --> 01:05:31.900
<v Tim Pritlove>oder eine gewisse Respekthaltung abverlangt, in der man sich auch wohlfühlt.

01:05:31.901 --> 01:05:38.700
<v Tim Pritlove>Bis hin zu einem Teil, und das haben wir ja in den letzten Jahren ja auch wieder verstärkt gesehen,

01:05:38.701 --> 01:05:47.600
<v Tim Pritlove>der eigentlich überhaupt gar keinen Wunsch zu haben scheint, wirkliche Erklärungen,

01:05:47.601 --> 01:05:54.400
<v Tim Pritlove>die in irgendeiner Form nachvollziehbar sind und die man so mit Logik sich irgendwie herleiten könnte,

01:05:54.401 --> 01:06:01.400
<v Tim Pritlove>für sich zu akzeptieren, weil es nicht ins Weltbild passt.

01:06:01.401 --> 01:06:09.200
<v Tim Pritlove>Finde ich an der Stelle auch einen schönen Begriff, Weltbild so, ich mache mir von der Welt ein Bild.

01:06:09.201 --> 01:06:15.600
<v Tim Pritlove>Projiziere quasi meine eigene Lebenssituation und wie ich sie gerne hätte

01:06:15.601 --> 01:06:19.200
<v Tim Pritlove>oder vielleicht auch die eigene Lebenssituation, wie ich sie eigentlich gar nicht so gerne habe,

01:06:19.201 --> 01:06:24.300
<v Tim Pritlove>aber die mich sozusagen bedrückt, schick das durch einen Spiegel und sage,

01:06:24.301 --> 01:06:31.900
<v Tim Pritlove>es ist alles anders und daran glaube ich jetzt und daraus beziehe ich eine gewisse Festigkeit.

01:06:31.901 --> 01:06:36.100
<v Tim Pritlove>Jetzt habe ich ein bisschen ausgeholt, ich frage mich halt natürlich wie alle,

01:06:36.101 --> 01:06:40.600
<v Tim Pritlove>die auf dieses Fakenews-Syndrom und Verschwörungserzählungen und so weiter,

01:06:40.601 --> 01:06:47.900
<v Tim Pritlove>diese Bewegungen schauen so, was ist denn da eigentlich das, was zu fehlen scheint?

01:06:47.901 --> 01:06:57.200
<v Tim Pritlove>Dass man die Leute mit einem philosophischen Gesamtmodell und einem Wissensbegriff nicht mehr so richtig überzeugen kann,

01:06:57.201 --> 01:07:01.000
<v Tim Pritlove>nicht mehr ins Boot geholt bekommt?

01:07:01.001 --> 01:07:13.500
<v Tim Pritlove>Ist es zu weit weg, setzt es zu viel voraus, ist es zu kompliziert, übersteigt es die Fähigkeit zur intellektuellen Schlussfolgerung?

01:07:13.501 --> 01:07:20.300
<v Tim Pritlove>Was fehlt da und was lässt sich davon reparieren?

01:07:20.301 --> 01:07:29.400
<v Markus Schrenk>Ja, während ich das letztere nicht glaube, in vielen Fällen mangelt es glaube ich nicht an Verstand.

01:07:29.401 --> 01:07:31.200
<v Markus Schrenk>Der wäre wahrscheinlich da.

01:07:31.201 --> 01:07:37.000
<v Markus Schrenk>Aber ich möchte ganz klar sagen, dass das im Kern eher eine soziologische,

01:07:37.001 --> 01:07:46.200
<v Markus Schrenk>politisch, psychologische Frage ist, was führt dazu Menschen, dass sie sich in solchen Verschwörungstheorien versteigen,

01:07:46.201 --> 01:07:51.700
<v Markus Schrenk>auf Fakenews reinfallen?

01:07:51.701 --> 01:07:56.700
<v Markus Schrenk>Das weiß ich als Philosoph nicht zu beantworten, weil es eben eher einer soziologischen Studie bedarf,

01:07:56.701 --> 01:08:01.300
<v Markus Schrenk>als das darüber nachdenken im Lehnstuhl.

01:08:01.301 --> 01:08:07.100
<v Markus Schrenk>Da muss man sich eben genau die Bevölkerungsgruppen angucken und ihre Motivation ansehen.

01:08:07.101 --> 01:08:11.600
<v Tim Pritlove>Aber so Themen wie Fakenews sind ja im Rahmen vom denXte auch mal bewegt worden.

01:08:11.601 --> 01:08:14.000
<v Markus Schrenk>Schon, ja natürlich.

01:08:14.001 --> 01:08:18.500
<v Markus Schrenk>Da ist dann aber wie beim Wissensbegriff oder beim Naturgesetzesbegriff eben die Frage,

01:08:18.501 --> 01:08:21.800
<v Markus Schrenk>wie wollen wir das definieren?

01:08:21.801 --> 01:08:27.300
<v Markus Schrenk>Was ist also Fakenews im Gegensatz zu echten News?

01:08:27.301 --> 01:08:33.400
<v Markus Schrenk>Beispielsweise muss hinter Fakenews auch eine üble Absicht stecken?

01:08:33.401 --> 01:08:42.800
<v Markus Schrenk>Oder können Fakenews auch entstehen, dadurch das eine Google-Suchmaschine auf mein Profil schon abgestimmt ist

01:08:42.801 --> 01:08:49.700
<v Markus Schrenk>und mir dann Dinge auf meinen Browser spült, die ganz konzentriert auf mich sind?

01:08:49.701 --> 01:08:56.400
<v Markus Schrenk>Das heißt, ich befinde mich in der so viel beschworenen Bubble und bekomme anderes nicht mit.

01:08:56.401 --> 01:09:06.200
<v Markus Schrenk>Jetzt ist das noch nicht sofort Fakenews, aber könnte es sein, dass so ein Algorithmus das zufällig mir anspült?

01:09:06.201 --> 01:09:08.800
<v Markus Schrenk>Irgendetwas was entweder irrelevant oder irreführend ist.

01:09:08.801 --> 01:09:11.100
<v Markus Schrenk>Da wäre ja dann keine böse Absicht dahinter.

01:09:11.101 --> 01:09:13.800
<v Tim Pritlove>Also wann wird eine Falschmeldung zu einer Fakenews?

01:09:13.801 --> 01:09:17.600
<v Markus Schrenk>Zu einer Fakenews und ist es da relevant, dass eine böse Absicht dahintersteckt.

01:09:17.601 --> 01:09:25.500
<v Markus Schrenk>Das könnte man beispielsweise fragen, um eben News und Fakenews voneinander zu trennen.

01:09:25.501 --> 01:09:33.800
<v Markus Schrenk>Und solcherlei begriffliche Fragen, das ist wiederum die Aufgabe einer Begriffsanalyse und der Sprachphilosophie vielleicht in diesem Falle.

01:09:33.801 --> 01:09:40.300
<v Markus Schrenk>Also nicht etwa, wer fällt darauf typischerweise rein, sondern wie definieren wir es überhaupt?

01:09:40.301 --> 01:09:44.700
<v Markus Schrenk>Was ist das, Fakenews?

01:09:44.701 --> 01:09:53.900
<v Tim Pritlove>Okay, das deckt sich dann wieder mit der Betrachtung von vorhin, das ist wie Mathematik ein großer Werkzeugkasten ist für andere Disziplinen,

01:09:53.901 --> 01:09:56.900
<v Tim Pritlove>um überhaupt auch eine gemeinsame Sprache finden zu können.

01:09:56.901 --> 01:09:57.500
<v Markus Schrenk>Ja.

01:09:57.501 --> 01:10:03.400
<v Tim Pritlove>Also eine gemeinsame Wissenschaftssprache auch, also jetzt nicht mit, wir reden jetzt alle englisch,

01:10:03.401 --> 01:10:09.500
<v Tim Pritlove>sondern wir haben sozusagen dieselbe Vorstellung davon, was wir meinen, wenn wir sagen X.

01:10:09.501 --> 01:10:15.300
<v Markus Schrenk>Genau. Und manchmal, wie bei dem Begriff Fakenews, hat das dann Überlappung zur,

01:10:15.301 --> 01:10:20.800
<v Markus Schrenk>sagen wir, Politikwissenschaft, wo sich dann beide Gruppen darum bemühen können,

01:10:20.801 --> 01:10:25.100
<v Markus Schrenk>um eine vernünftige Definition davon.

01:10:25.101 --> 01:10:31.100
<v Markus Schrenk>Aber es gibt eben auch Angelegenheiten wie, wann liegt ein Kausalzusammenhang vor,

01:10:31.101 --> 01:10:38.800
<v Markus Schrenk>um den sich eben kaum andere Wissenschaften kümmern und das ist dann ein genuin philosophischer Themenbereich.

01:10:38.801 --> 01:10:43.300
<v Markus Schrenk>Aber es gibt durchaus die vielen Überlappungen zu anderen Wissenschaften.

01:10:43.301 --> 01:10:48.000
<v Markus Schrenk>Viele Wissenschaften sind aus der Philosophie entstanden, haben sich auch abgespalten,

01:10:48.001 --> 01:10:55.900
<v Markus Schrenk>von daher ist diese Zusammenarbeit weiterhin immer fruchtbar und beiden Disziplinen dann dienlich.

01:10:55.901 --> 01:11:00.700
<v Tim Pritlove>Interdisziplinäre Forschung spielt eine große Rolle in vielen Bereichen.

01:11:00.701 --> 01:11:06.000
<v Tim Pritlove>Das merke ich auch immer wieder hier bei den Gesprächen mit Forschergeist,

01:11:06.001 --> 01:11:13.400
<v Tim Pritlove>dass selten eigentlich noch, vor allen bei jüngeren, neueren Projekten, Initiativen allein die einzige Disziplin,

01:11:13.401 --> 01:11:19.100
<v Tim Pritlove>in der man jetzt selbst unterwegs ist, eine Rolle spielt, sondern man vernetzt sich sehr.

01:11:19.101 --> 01:11:26.700
<v Tim Pritlove>Inwiefern findet denn die Philosophie Unterschlupf in solchen Projekten?

01:11:26.701 --> 01:11:35.400
<v Tim Pritlove>Wer zieht die Philosophie für sich noch mit heran, um Forschungsprojekte vollständig zu machen?

01:11:35.401 --> 01:11:39.600
<v Markus Schrenk>Na wir haben eben schon über die Spezialisierung gesprochen.

01:11:39.601 --> 01:11:47.400
<v Markus Schrenk>Und da kann es in allen Wissenschaften sein, dass man eben aufgrund dieser Spezialisierung nicht nach rechts oder links schaut.

01:11:47.401 --> 01:11:53.300
<v Markus Schrenk>Aber das Thema, was wir eben behandelt haben, das Thema nach den Naturgesetzen,

01:11:53.301 --> 01:12:02.700
<v Markus Schrenk>da ist es so, dass beispielsweise die Philosophie unbedingt informiert sein muss von den physikalischen Theorien.

01:12:02.701 --> 01:12:08.100
<v Markus Schrenk>Also es nutzt ja nichts, wenn man behauptet, Naturgesetze müssen deterministisch sein.

01:12:08.101 --> 01:12:12.000
<v Markus Schrenk>Das wäre ja der totale Quatsch, weil wir spätestens seit der Quantenmechanik wissen,

01:12:12.001 --> 01:12:16.100
<v Markus Schrenk>dass es genuin indeterministische Gesetze gibt.

01:12:16.101 --> 01:12:22.100
<v Markus Schrenk>Das heißt, hier muss die Philosophie mindestens mal auf die Physik hören.

01:12:22.101 --> 01:12:25.400
<v Markus Schrenk>Von daher gibt es da eine große Überlappungen.

01:12:25.401 --> 01:12:27.700
<v Markus Schrenk>Es gibt auch Überschneidungen zur Linguistik.

01:12:27.701 --> 01:12:33.800
<v Tim Pritlove>Also nicht deterministisch, also im Sinne von nicht final bestimmbar, nicht eindeutig klar beschreibbar an einem bestimmten Punkt.

01:12:33.801 --> 01:12:40.100
<v Markus Schrenk>Ja, es sind Wahrscheinlichkeitsaussagen, und zwar nicht Wahrscheinlichkeitsaussagen derart,

01:12:40.101 --> 01:12:44.400
<v Markus Schrenk>wenn ich den Würfel jetzt hier werfe, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine sechs kommt, ein Sechstel.

01:12:44.401 --> 01:12:48.200
<v Markus Schrenk>Das wäre eine Wahrscheinlichkeit, da könnte man ja noch sagen,

01:12:48.201 --> 01:12:53.300
<v Markus Schrenk>naja, aber wenn du genau wüsstest, wo welche Luftmoleküle sind,

01:12:53.301 --> 01:12:58.300
<v Markus Schrenk>wie die Reibung auf dem Tisch ist, wie der Würfel gelagert ist,

01:12:58.301 --> 01:13:01.700
<v Markus Schrenk>dass das ein ganz fairer Würfel ist, wenn man das alles wüsste,

01:13:01.701 --> 01:13:04.200
<v Markus Schrenk>dann könnte man sich das ausrechnen, prinzipiell ausrechnen.

01:13:04.201 --> 01:13:05.000
<v Tim Pritlove>Dass der Würfel auf der Kante stehen bleibt.

01:13:05.001 --> 01:13:10.300
<v Markus Schrenk>Dass der auf der Kante stehen bleibt, im Zweifelsfall auf der Kante stehen bleibt.

01:13:10.301 --> 01:13:17.100
<v Markus Schrenk>Sondern die Quantenmechanik zeigt uns, dass es Vorgänge in der Natur gibt,

01:13:17.101 --> 01:13:21.700
<v Markus Schrenk>da gibt es nicht mehr zu wissen, sondern die enden mit der Wahrscheinlichkeitsaussage.

01:13:21.701 --> 01:13:28.400
<v Markus Schrenk>Man kann nicht näher ranzoomen oder nicht mehr Wissen aufnehmen, es endet dort.

01:13:28.401 --> 01:13:35.200
<v Markus Schrenk>Es gibt einfach nur die Wahrscheinlichkeitsaussage, zu 50 Prozent Wahrscheinlichkeit geht das Elektron durch den linken Spalt

01:13:35.201 --> 01:13:40.400
<v Markus Schrenk>und zu weiteren 50 Prozent durch den rechten, aber es gibt nichts weiter,

01:13:40.401 --> 01:13:45.400
<v Markus Schrenk>was man an Elektronen erforschen könnte, um dann rauszufinden, wo es hingeht.

01:13:45.401 --> 01:13:48.100
<v Markus Schrenk>Da endet einfach die Story.

01:13:48.101 --> 01:13:51.900
<v Markus Schrenk>Das heißt es ist genuin probabilistisch wahrscheinlich.

01:13:51.901 --> 01:14:03.100
<v Markus Schrenk>Und das hat die Quantenmechanik gezeigt, jedenfalls die allermeisten Interpretationen der Quantenmechanik sagen das.

01:14:03.101 --> 01:14:07.700
<v Markus Schrenk>Es gibt so ein paar Ausnahmen, die von Bohm beispielsweise,

01:14:07.701 --> 01:14:12.500
<v Markus Schrenk>die geht von versteckten Variablen aus.

01:14:12.501 --> 01:14:14.300
<v Markus Schrenk>Da weiß ich aber zu wenig, als dass wir da weiter sprechen könnten.

01:14:14.301 --> 01:14:21.100
<v Markus Schrenk>Jedenfalls ist die Standardmeinung die, dass wir auf genuin statistische Prozesse

01:14:21.101 --> 01:14:24.500
<v Markus Schrenk>oder genuin probabilistische Prozesse zurückgeworfen sind.

01:14:24.501 --> 01:14:30.400
<v Markus Schrenk>Wenn jetzt die Philosophie behaupten würde, naja aber Naturgesetze sind halt nur deterministisch

01:14:30.401 --> 01:14:37.300
<v Markus Schrenk>oder Kausalvorgänge sind immer nur notwendig, da kann nichts, dann wäre das ja schlicht falsch.

01:14:37.301 --> 01:14:41.500
<v Tim Pritlove>Also spielt auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Philosophie eine Rolle?

01:14:41.501 --> 01:14:47.400
<v Markus Schrenk>Ja, insofern als dass man mit an Bord nehmen muss, dass …

01:14:47.401 --> 01:14:47.800
<v Tim Pritlove>… die Dinge auch anders sein können.

01:14:47.801 --> 01:14:48.700
<v Markus Schrenk>Genau.

01:14:48.701 --> 01:14:54.200
<v Tim Pritlove>Okay, aber das war jetzt für mich so ein bisschen die falsche Richtung, weil das ist ja jetzt die Perspektive,

01:14:54.201 --> 01:14:58.800
<v Tim Pritlove>was muss die Philosophie von anderen Forschungsbereichen für sich selber mit annehmen.

01:14:58.801 --> 01:15:04.900
<v Tim Pritlove>Ich war, glaube ich, ein bisschen mehr auf der Suche nach der Nützlichkeit der Philosophie für die anderen Forschungsprojekte,

01:15:04.901 --> 01:15:13.700
<v Tim Pritlove>vielleicht suche ich so ein bisschen nach Beispielen, wo so eine interdisziplinäre Forschung die Philosophie explizit mit einbindet

01:15:13.701 --> 01:15:16.800
<v Tim Pritlove>oder ist das eher die Ausnahme?

01:15:16.801 --> 01:15:20.700
<v Markus Schrenk>Wir können uns das Ganze ja mal historisch angucken und merken da schnell,

01:15:20.701 --> 01:15:26.800
<v Markus Schrenk>dass beispielsweise Staatsformen, auch solche, die uns sehr lieb geworden sind, nämlich die Demokratie,

01:15:26.801 --> 01:15:31.800
<v Markus Schrenk>dass das zunächst auch philosophische Fragestellungen waren,

01:15:31.801 --> 01:15:32.900
<v Markus Schrenk>wie soll ein Staat eigentlich aufgebaut sein?

01:15:32.901 --> 01:15:43.900
<v Markus Schrenk>Und dadurch dass das aber so ein Common Sense ist, zumindest hoffentlich bei den meisten Bürgerinnen und Bürgern hier,

01:15:43.901 --> 01:15:49.600
<v Markus Schrenk>dass Demokratie sicher die beste Staatsform ist.

01:15:49.601 --> 01:15:51.700
<v Tim Pritlove>Oder die am wenigsten schlechte.

01:15:51.701 --> 01:15:53.500
<v Markus Schrenk>Wenn man so will.

01:15:53.501 --> 01:16:03.400
<v Tim Pritlove>Jedenfalls ist das so stark in unser Alltagswissen eingebunden, dass wir überhaupt vergessen, dass das zur Debatte stand

01:16:03.401 --> 01:16:07.600
<v Markus Schrenk>und eine philosophische Frage war, wie soll eigentlich ein Staat aussehen,

01:16:07.601 --> 01:16:10.000
<v Markus Schrenk>wie soll auch ein gerechter Staat aussehen?

01:16:10.001 --> 01:16:16.300
<v Markus Schrenk>Von daher informiert die Philosophie praktischerseits an dieser Stelle die Politik oder hat es getan.

01:16:16.301 --> 01:16:22.300
<v Tim Pritlove>Da sind wir auch wieder beim Verfassungsgericht bzw. überhaupt bei der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und anderer Länder.

01:16:22.301 --> 01:16:23.700
<v Markus Schrenk>Genau.

01:16:23.701 --> 01:16:29.700
<v Markus Schrenk>Oder wir sind hier auch viel umgeben in diesem Studio von Computern

01:16:29.701 --> 01:16:35.600
<v Markus Schrenk>oder das was man mal Computer nannte, wie Tablets und Mobiltelefone und so weiter,

01:16:35.601 --> 01:16:44.100
<v Markus Schrenk>die basieren ja alle oder es ist jedenfalls enorm wichtig, dass da eine Logik entwickelt wurde.

01:16:44.101 --> 01:16:55.400
<v Markus Schrenk>Also Programmiersprachen, die letztlich dann auf Logiken aufbauen, auf and- und or-Verknüpfungen ganz basal am untersten fundamentalen Ende.

01:16:55.401 --> 01:16:59.900
<v Markus Schrenk>Und diese Logik wurde von einem Philosophen, von Gottlob Frege, entwickelt.

01:16:59.901 --> 01:17:05.400
<v Markus Schrenk>Und ohne diese Fregesche Logik könnte man sagen…

01:17:05.401 --> 01:17:05.900
<v Tim Pritlove>Kein iPhone.

01:17:05.901 --> 01:17:08.800
<v Markus Schrenk>Ja, ganz genau.

01:17:08.801 --> 01:17:15.300
<v Tim Pritlove>Ja, na gut, das historische Vermächtnis der Philosophie sei unbenommen.

01:17:15.301 --> 01:17:22.500
<v Tim Pritlove>Das ist sicherlich offensichtlich, auch wenn es sicherlich richtig ist, dass viele Leute das jetzt nicht unmittelbar damit in Verbindung bringen.

01:17:22.501 --> 01:17:26.100
<v Tim Pritlove>Die Frage ist, was sind sozusagen die Herausforderungen der Philosophie für die Zukunft?

01:17:26.101 --> 01:17:36.200
<v Tim Pritlove>Also was sind sozusagen die Gestaltungsrahmen, in denen man jetzt philosophische Betrachtungen und Analytiker mit einbringen muss,

01:17:36.201 --> 01:17:41.000
<v Tim Pritlove>die uns in der Zukunft weiterhin wichtige Dienstleistungen besorgen.

01:17:41.001 --> 01:17:49.200
<v Tim Pritlove>Also klar, ich denke auch, dass wir im Bereich von Gesellschaftslogik oder Gesellschaftsformen und Staatsformen

01:17:49.201 --> 01:17:52.200
<v Tim Pritlove>auch noch nicht unbedingt am Ende angekommen sind.

01:17:52.201 --> 01:18:00.200
<v Tim Pritlove>Letzten Endes muss man sich wahrscheinlich auch ein bisschen Gedanken machen über so one World, wie könnte es funktionieren.

01:18:00.201 --> 01:18:04.100
<v Tim Pritlove>So richtig super weit sind wir da ja jetzt noch nicht gekommen.

01:18:04.101 --> 01:18:09.300
<v Tim Pritlove>Also zeichnet sich zumindest jetzt nicht ab, dass das Thema in den nächsten 30 Jahren erledigt ist.

01:18:09.301 --> 01:18:17.200
<v Tim Pritlove>Was steht sozusagen an am Horizont für diese Philosophie?

01:18:17.201 --> 01:18:19.100
<v Markus Schrenk>Selbstfahrende Autos, da haben wir eben schon drüber gesprochen.

01:18:19.101 --> 01:18:23.800
<v Markus Schrenk>Und dahinter steckt natürlich die künstliche Intelligenz.

01:18:23.801 --> 01:18:28.800
<v Markus Schrenk>Das ist ein großes Thema, mit dem sich Philosophinnen und Philosophen auch beschäftigen.

01:18:28.801 --> 01:18:35.500
<v Markus Schrenk>Und zwar auf verschiedene Weise, die praktische wie die theoretische Philosophie involvierend.

01:18:35.501 --> 01:18:37.700
<v Markus Schrenk>Die praktische Philosophie dafür haben wir eben schon ein Beispiel genannt,

01:18:37.701 --> 01:18:42.900
<v Markus Schrenk>künstliche Intelligenzen müssen Regeln, Handlungsanweisungen bekommen.

01:18:42.901 --> 01:18:50.400
<v Markus Schrenk>Regeln, wie sie denn in moralisch aufgeladenen Situationen zu reagieren haben.

01:18:50.401 --> 01:18:56.600
<v Markus Schrenk>Das ist die eine Seite, die die praktische Philosophie betrachtet.

01:18:56.601 --> 01:19:00.700
<v Markus Schrenk>Die theoretische Philosophie kann hier mehrere Fragen stellen.

01:19:00.701 --> 01:19:05.800
<v Markus Schrenk>Zum Beispiel die, ist es so, dass diese Systeme oder ab wann würden wir sagen,

01:19:05.801 --> 01:19:10.600
<v Markus Schrenk>dass diese Systeme ihr eigenes Bewusstsein entwickeln, was muss dafür der Fall sein,

01:19:10.601 --> 01:19:13.700
<v Markus Schrenk>dass wir denen das zusprechen können?

01:19:13.701 --> 01:19:19.900
<v Markus Schrenk>Unser Tablet und Mobiltelefon hat das sicher noch nicht, auch wenn wir machmal mit den Dingern fast so umgehen,

01:19:19.901 --> 01:19:28.700
<v Markus Schrenk>als wären es Gesprächspartner, aber denen würde man nicht zuschreiben, dass sie ein Selbstbild beispielsweise von sich haben.

01:19:28.701 --> 01:19:38.400
<v Markus Schrenk>Aber da ist die Frage, ist das möglich oder wann würden wir von einem solchen Gerät das denn sagen wollen, dass es so ist?

01:19:38.401 --> 01:19:43.600
<v Markus Schrenk>Ein genuin philosophische Frage.

01:19:43.601 --> 01:19:50.500
<v Markus Schrenk>Ein weiteres Thema ist, dass diese künstlichen Intelligenzen ja auch jetzt schon in der Wissenschaft eingesetzt werden.

01:19:50.501 --> 01:19:57.500
<v Markus Schrenk>Es gibt Programme, die Moleküle viel besser erkennen können als Menschen das können.

01:19:57.501 --> 01:20:06.100
<v Markus Schrenk>Oder Programme, die auch vorhersagen in einer bestimmten Wissenschaft viel schneller treffen können

01:20:06.101 --> 01:20:10.000
<v Markus Schrenk>und korrekter, verlässlicher treffen können als wir das können.

01:20:10.001 --> 01:20:17.700
<v Tim Pritlove>Aber es ist ja oft nicht wirklich eine Intelligenz, die hier wirkt, sondern es ist ja eigentlich nur analysierte Vergangenheit,

01:20:17.701 --> 01:20:18.900
<v Tim Pritlove>die hier zum Tragen kommt.

01:20:18.901 --> 01:20:19.900
<v Markus Schrenk>Ja.

01:20:19.901 --> 01:20:24.500
<v Tim Pritlove>Also das maschinelle Lernen, was ja gemeinhin als künstliche Intelligenz hochgejazzt wird,

01:20:24.501 --> 01:20:30.300
<v Tim Pritlove>ist ja eigentlich eher der Blick in die Vergangenheit, aus dem sich in eingeschränktem Maße,

01:20:30.301 --> 01:20:33.400
<v Tim Pritlove>nämlich nur durch das wie es immer war, eine Aussage für die Zukunft treffen.

01:20:33.401 --> 01:20:37.400
<v Markus Schrenk>Machen Sie das denn anders, das machen wir Menschen ja auch so.

01:20:37.401 --> 01:20:38.200
<v Tim Pritlove>Naja.

01:20:38.201 --> 01:20:39.200
<v Markus Schrenk>Wo ist da der Unterschied?

01:20:39.201 --> 01:20:42.400
<v Tim Pritlove>Das ist eine gute Frage.

01:20:42.401 --> 01:20:52.200
<v Tim Pritlove>Ich würde sagen, … also ich mag eigentlich dieses Beispiel mit diesen selbstfahrenden Autos nicht,

01:20:52.201 --> 01:20:59.200
<v Tim Pritlove>weil ich auch ehrlich gesagt nicht unbedingt davon ausgehe, dass das so ein erstrebenswerter Zustand ist,

01:20:59.201 --> 01:21:04.200
<v Tim Pritlove>allein schon wegen des Trolley-Problems, aber auch generell, /unverständlich/

01:21:04.201 --> 01:21:10.300
<v Tim Pritlove>Ich meine, selbstfahrende Autos heißen für mich eigentlich Züge.

01:21:10.301 --> 01:21:16.600
<v Tim Pritlove>Aber das führt jetzt ein bisschen zu weit.

01:21:16.601 --> 01:21:28.400
<v Tim Pritlove>Ich will mich jetzt nicht zu hoch einschätzen, aber die Intelligenz oder der Begriff Intelligenz damit verbinde ich eben auch eine Fähigkeit,

01:21:28.401 --> 01:21:34.300
<v Tim Pritlove>aus so einem spontanen intuitiven Moment heraus eine Entscheidung fällen zu können,

01:21:34.301 --> 01:21:42.800
<v Tim Pritlove>die eben dann auch sich entkoppelt von so einem vorstrukturierten Wissen,

01:21:42.801 --> 01:21:45.500
<v Tim Pritlove>was ja so maschinelles Lernen ist.

01:21:45.501 --> 01:21:53.300
<v Markus Schrenk>Nein, nein, also es gibt maschinelles Lernen, was auf dem besten Wege ist, genau das zu tun.

01:21:53.301 --> 01:21:58.100
<v Markus Schrenk>Diese neuesten Maschinen sind ja nicht so, dass man denen nur etwas einprogrammiert

01:21:58.101 --> 01:22:07.400
<v Markus Schrenk>oder dass die nur eine vorgegebene Reihe lernen und diese Reihe dann fortsetzen können,

01:22:07.401 --> 01:22:14.000
<v Markus Schrenk>sondern die sind dergestalt, dass sie ihre eigenen Begrifflichkeiten beispielsweise entwickeln,

01:22:14.001 --> 01:22:19.500
<v Markus Schrenk>um damit dann vorhersagen zu treffen, also die sind hochkreativ in dem was sie tun.

01:22:19.501 --> 01:22:24.000
<v Markus Schrenk>Ich bin kein Experte, deswegen kann ich das nicht tiefer erklären.

01:22:24.001 --> 01:22:33.600
<v Markus Schrenk>Aber es ist so, dass die manchmal deswegen so viel bessere Vorhersagen treffen als Menschen das tun,

01:22:33.601 --> 01:22:43.900
<v Markus Schrenk>weil die die Welt andres einteilen und anders begrifflich in Begriffe eben einteilen.

01:22:43.901 --> 01:22:47.800
<v Markus Schrenk>Und da sind wir an einem interessanten philosophischen Punkt,

01:22:47.801 --> 01:22:53.900
<v Markus Schrenk>dann haben wir es mit Systemen zu tun, die uns überlegen sind in ihren Vorhersagen,

01:22:53.901 --> 01:22:59.200
<v Markus Schrenk>die wir aber nicht verstehen, weil sie anders denken, eine andere Sprache sprechen.

01:22:59.201 --> 01:23:06.600
<v Markus Schrenk>Das heißt, wir haben manchmal keine Überprüfungsmechanismen.

01:23:06.601 --> 01:23:09.600
<v Markus Schrenk>Wenn so ein System eine Vorhersage trifft, im schlimmsten Fall so was wie,

01:23:09.601 --> 01:23:16.000
<v Markus Schrenk>übermorgen gibt es den totalen Börsencrash, jetzt nicht mehr verkaufen oder so etwas

01:23:16.001 --> 01:23:20.100
<v Markus Schrenk>oder jetzt unbedingt das und das millionenfach verkaufen.

01:23:20.101 --> 01:23:26.900
<v Markus Schrenk>Wenn das System das rät, dann können wir es nicht nachvollziehen, warum das System das getan hat.

01:23:26.901 --> 01:23:35.500
<v Markus Schrenk>Diese Rechtfertigung, von der eben die Rede war, menschliches Wissen ist ungefähr wahre gerechtfertigte Meinung,

01:23:35.501 --> 01:23:41.900
<v Markus Schrenk>aber dieses Wissen oder jedenfalls korrekte Vorhersagen, die diese Systeme treffen,

01:23:41.901 --> 01:23:46.900
<v Markus Schrenk>da kennen wir die Rechtfertigung nicht, wir können die nicht nachvollziehen,

01:23:46.901 --> 01:23:52.600
<v Markus Schrenk>weil die anders begrifflich unterwegs sind, aber sie waren in der Vergangenheit wahnsinnig verlässlich.

01:23:52.601 --> 01:23:53.800
<v Markus Schrenk>Was machen wir jetzt in so einer Situation?

01:23:53.801 --> 01:23:57.000
<v Markus Schrenk>Verlassen wir uns dann darauf oder nicht?

01:23:57.001 --> 01:23:59.400
<v Markus Schrenk>Wir kommen an die Rechtfertigung nicht ran.

01:23:59.401 --> 01:24:04.300
<v Markus Schrenk>Im zwischenmenschlichen Umgang ist es gut, nach Rechtfertigungen zu fragen,

01:24:04.301 --> 01:24:05.100
<v Markus Schrenk>hier können wir es plötzlich nicht.

01:24:05.101 --> 01:24:12.600
<v Markus Schrenk>Und da stehen wir vor dem nächsten philosophischen Problem.

01:24:12.601 --> 01:24:19.500
<v Markus Schrenk>Als welche Art kognitiven Agenten betrachten wir denn diese künstlichen Intelligenzen?

01:24:19.501 --> 01:24:23.100
<v Markus Schrenk>Nehmen Sie ein anderes Wort, wenn Ihnen das Wort Intelligenz nicht gefällt.

01:24:23.101 --> 01:24:31.600
<v Markus Schrenk>Diese Systeme, System ist vielleicht ein neutralerer Begriff, wie gehen wir damit um?

01:24:31.601 --> 01:24:38.100
<v Tim Pritlove>Also ich bin dann glücklich, wenn diese Systeme mit ihrer angeblichen Intelligenz mir das ganze auch philosophisch herleiten können,

01:24:38.101 --> 01:24:41.000
<v Tim Pritlove>was sie jetzt gerade für eine Entscheidung gefällt haben.

01:24:41.001 --> 01:24:41.500
<v Markus Schrenk>Ja.

01:24:41.501 --> 01:24:46.800
<v Tim Pritlove>Ansonsten würde ich im Zweifelsfall derzeit immer noch auf Warren Buffett setzen,

01:24:46.801 --> 01:24:54.400
<v Tim Pritlove>der einfach mit einer Intuition an die Sache rangeht, was den Erfolg an der Böse betrifft

01:24:54.401 --> 01:24:58.100
<v Tim Pritlove>und da bisher eigentlich auch noch alle Maschinen geschlagen hat.

01:24:58.101 --> 01:24:59.300
<v Markus Schrenk>Ja, aber das ist…

01:24:59.301 --> 01:24:59.900
<v Tim Pritlove>Das ist ein offenes Rennen.

01:24:59.901 --> 01:25:06.000
<v Markus Schrenk>Ich meine, ja das ist ein offenes Rennen bzw. ist die Frage ja auch bei ihm die,

01:25:06.001 --> 01:25:10.500
<v Markus Schrenk>wie macht er das denn eigentlich, wo holt er die Intuition her?

01:25:10.501 --> 01:25:16.400
<v Markus Schrenk>Und das macht er ja nicht, indem er in eine Kristallkugel guckt oder einen Wahrsager befragt.

01:25:16.401 --> 01:25:24.600
<v Markus Schrenk>Sondern diese Intuition die wird ja aus seinem System erzeugt.

01:25:24.601 --> 01:25:36.800
<v Markus Schrenk>Sein Hirn hat einen Grundstock von Erfahrungen und macht mit diesen Erfahrungen etwas, bietet ihm diese Intuition an.

01:25:36.801 --> 01:25:43.000
<v Markus Schrenk>Und dieses „sein Gehirn“ hat auch aufgrund von vergangenen Erfahrungen lernen müssen,

01:25:43.001 --> 01:25:51.200
<v Markus Schrenk>um dann aus dem Erlernten eben die Intuition zu entwickeln.

01:25:51.201 --> 01:25:53.600
<v Markus Schrenk>Die kommt ja nicht vom Himmel, die kommt auch nicht aus der Kristallkugel,

01:25:53.601 --> 01:26:00.200
<v Markus Schrenk>sondern die kommt auch aus vergangen erlerntem.

01:26:00.201 --> 01:26:04.400
<v Markus Schrenk>Das heißt, ob wir da den jetzt entwickelten Maschinen so unähnlich sind,

01:26:04.401 --> 01:26:09.500
<v Markus Schrenk>es muss jedenfalls auch auf vergangener Erfahrung beruhen,

01:26:09.501 --> 01:26:11.700
<v Markus Schrenk>denn ich habe den methodologischen Atheismus eben erwähnt,

01:26:11.701 --> 01:26:17.500
<v Markus Schrenk>genau so methodologisch ist das Kristallkugellesen einfach nicht funktioniert.

01:26:17.501 --> 01:26:22.400
<v Markus Schrenk>Oder dass diese Intuition nicht einfach eine Eingebung aus dem Himmel ist,

01:26:22.401 --> 01:26:27.500
<v Markus Schrenk>sondern das Hirn muss das schon irgendwie erzeugt haben.

01:26:27.501 --> 01:26:33.800
<v Tim Pritlove>Also in dem Spiel, was wir hier spielen, würde ich halt sagen,

01:26:33.801 --> 01:26:41.200
<v Tim Pritlove>die Lernprozesse, die Warren Buffett bei sich zulässt, das ist sozusagen die Auswahl der richtigen Erfahrungen,

01:26:41.201 --> 01:26:45.300
<v Tim Pritlove>das ist die Intelligenz, um sich dann trainieren zu können.

01:26:45.301 --> 01:26:52.800
<v Tim Pritlove>Während es halt bei Maschinen klappen kann, wenn die Auswahl des richtigen Trainingsmodells,

01:26:52.801 --> 01:26:57.600
<v Tim Pritlove>also woraus lerne ich jetzt eigentlich, wenn das richtig war.

01:26:57.601 --> 01:27:06.000
<v Tim Pritlove>Und auch das ist dann halt wieder eine Intelligenz, die bisher noch von Menschen geleistet wird.

01:27:06.001 --> 01:27:12.100
<v Tim Pritlove>Wahrscheinlich ist der Untergang nah, in dem Moment, wo die Maschinen sich dann selber das richtige aussuchen können,

01:27:12.101 --> 01:27:19.100
<v Tim Pritlove>mit dem sie sich jetzt trainieren, weil dann ist alles vorbei.

01:27:19.101 --> 01:27:21.500
<v Markus Schrenk>Ja, das ist ja sehr pessimistisch.

01:27:21.501 --> 01:27:23.800
<v Tim Pritlove>/lacht/ Naja das sind halt unsere apokalyptischen …

01:27:23.801 --> 01:27:25.200
<v Markus Schrenk>SciFi-Movies.

01:27:25.201 --> 01:27:27.500
<v Tim Pritlove>Ja, aber bisher passiert es ja dann auch nicht.

01:27:27.501 --> 01:27:31.800
<v Tim Pritlove>Das ist ja dann auch wiederum ganz gut.

01:27:31.801 --> 01:27:33.300
<v Markus Schrenk>Ja.

01:27:33.301 --> 01:27:34.000
<v Tim Pritlove>Super, vielen Dank.

01:27:34.001 --> 01:27:40.800
<v Tim Pritlove>Das war eine schöne Reise in die philosophische Denkwelt

01:27:40.801 --> 01:27:48.400
<v Tim Pritlove>und auch in den Ansatz, wie man Philosophie der Öffentlichkeit schmackhaft und zugänglich machen kann.

01:27:48.401 --> 01:27:50.300
<v Markus Schrenk>Wunderbar.

01:27:50.301 --> 01:27:54.700
<v Tim Pritlove>Insofern vielen Dank hier auch für’s Zuhören bei Forschergeist.

01:27:54.701 --> 01:27:59.000
<v Tim Pritlove>Bald geht es wieder weiter, ich sage, tschüss und bis bald.
