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NOTE
Podcast: Forschergeist
Episode: FG095 Federated Secure Computing
Publishing Date: 2022-06-21T10:00:00+02:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg095-federated-secure-computing/

00:00:43.201 --> 00:00:48.300
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:48.301 --> 00:00:54.000
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 95. Aussage unserer Gesprächsreihe,

00:00:54.001 --> 00:00:58.400
<v Tim Pritlove>in der es heute mal etwas digitaler zugehen wird.

00:00:58.401 --> 00:01:02.200
<v Tim Pritlove>Hatten natürlich auch hier eine Menge digitale Themen schon.

00:01:02.201 --> 00:01:06.700
<v Tim Pritlove>Heute geht es ein bisschen ans Eingemachte, jetzt wollen wir mal so ein bisschen schauen,

00:01:06.701 --> 00:01:10.300
<v Tim Pritlove>wie wir denn so die aktuellen Herausforderungen angehen können,

00:01:10.301 --> 00:01:15.500
<v Tim Pritlove>die sich insbesondere durch die hohe Verfügbarkeit von Daten auf der einen Seite

00:01:15.501 --> 00:01:22.200
<v Tim Pritlove>und dem hohen Bedarf an Datenschutz und natürlich auch Privatsphäre so ergeben.

00:01:22.201 --> 00:01:25.900
<v Tim Pritlove>Ja und dazu begrüße ich erst mal meinen Gesprächspartner, nämlich Hendrik Ballhausen, hallo.

00:01:25.901 --> 00:01:27.900
<v Hendrik Ballhausen>Hallo, danke für die Einladung.

00:01:27.901 --> 00:01:31.100
<v Tim Pritlove>Ja, herzlich willkommen bei Forschergeist.

00:01:31.101 --> 00:01:40.100
<v Tim Pritlove>Hendrik, du bist bei, ja, du bist an der Universität, der LMU, der Ludwig-Maximilian-Universität München.

00:01:40.101 --> 00:01:42.400
<v Hendrik Ballhausen>So ist das.

00:01:42.401 --> 00:01:43.400
<v Tim Pritlove>Im medizinischen Bereich oder?

00:01:43.401 --> 00:01:45.800
<v Hendrik Ballhausen>Ja, das ist richtig.

00:01:45.801 --> 00:01:50.500
<v Hendrik Ballhausen>Ich bin eigentlich selbst gar kein Mediziner, aber auf verschlungenen Wegen bin ich da gelandet.

00:01:50.501 --> 00:01:57.900
<v Tim Pritlove>Du bist also jetzt in der Medizin, in welcher offiziellen Bezeichnung?

00:01:57.901 --> 00:02:04.200
<v Hendrik Ballhausen>Tagsüber, wofür ich bezahlt werde, ich leite die Forschungsverwaltung an der medizinischen Fakultät der LMU.

00:02:04.201 --> 00:02:07.900
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, sowohl für den klinischen Bereich wie auch für den vorklinischen Bereich

00:02:07.901 --> 00:02:13.500
<v Hendrik Ballhausen>und helfe da letztlich unserem Dekan, unserem Forschungsdekan bei allen Fragen,

00:02:13.501 --> 00:02:15.500
<v Hendrik Ballhausen>die die Forschung in irgendeiner Weise berühren.

00:02:15.501 --> 00:02:18.700
<v Tim Pritlove>Aber du bist kein Mediziner?

00:02:18.701 --> 00:02:19.200
<v Hendrik Ballhausen>Das ist richtig.

00:02:19.201 --> 00:02:20.300
<v Tim Pritlove>Sondern?

00:02:20.301 --> 00:02:22.800
<v Hendrik Ballhausen>Bin einer dieser klassischen Physikerallzweckwaffen, die auf verschlungenen Wegen da hingekommen sind.

00:02:22.801 --> 00:02:27.400
<v Tim Pritlove>Aha so einer. Okay.

00:02:27.401 --> 00:02:28.800
<v Tim Pritlove>Und wie verschlungen waren denn die Wege?

00:02:28.801 --> 00:02:33.000
<v Tim Pritlove>Also was nimmt man denn da für eine Weg, um dann dort zu landen?

00:02:33.001 --> 00:02:36.100
<v Hendrik Ballhausen>Ja, nicht zu Hause nachmachen.

00:02:36.101 --> 00:02:41.100
<v Hendrik Ballhausen>Also ich kreise eigentlich immer schon in irgendeiner Form um die Universität, die Wissenschaft.

00:02:41.101 --> 00:02:47.600
<v Hendrik Ballhausen>Das fing an der Schule an, da hatten wir in Hamburg ein tolles Programm von der William-Stern-Gesellschaft,

00:02:47.601 --> 00:02:51.300
<v Hendrik Ballhausen>die haben Schülerinnen an die Uni geholt, das war so das erste Mal,

00:02:51.301 --> 00:02:56.600
<v Hendrik Ballhausen>dass ich mich in diesen Mikrokosmos verliebt habe eigentlich, ja.

00:02:56.601 --> 00:02:58.100
<v Tim Pritlove>Was ist die William-Stern-Gesellschaft?

00:02:58.101 --> 00:03:07.800
<v Hendrik Ballhausen>Die ist benannt nach einem jüdischen Gelehrten und das ist ein Zusammenschluss von Mathematik und Psychologiestudierenden,

00:03:07.801 --> 00:03:12.700
<v Hendrik Ballhausen>die Schülerinnen von Hamburger Schulen zusammenholen und dann tatsächlich am Wochenende mit denen Mathe machen.

00:03:12.701 --> 00:03:17.400
<v Hendrik Ballhausen>Das ist eigentlich keine gute Value Proposition???, würde man heutzutage sagen,

00:03:17.401 --> 00:03:20.200
<v Hendrik Ballhausen>Mathe tauschen gegen Wochenende, aber mir hat das gut gefallen

00:03:20.201 --> 00:03:24.100
<v Hendrik Ballhausen>und ich habe zum ersten Mal gemerkt, da gibt es eben eine Welt,

00:03:24.101 --> 00:03:27.600
<v Hendrik Ballhausen>wo man sich mit vielen spannenden Dingen beschäftigen kann.

00:03:27.601 --> 00:03:30.800
<v Hendrik Ballhausen>Ja und das hat mir sehr getaugt, da bin ich dann dabei geblieben.

00:03:30.801 --> 00:03:34.700
<v Tim Pritlove>Und dann ist es auch gleich in ein Physikstudium gemündet?

00:03:34.701 --> 00:03:41.500
<v Hendrik Ballhausen>/lacht/ Ja, auch da wieder, erst mal kam Jugend forscht, Mathe, Informatik,

00:03:41.501 --> 00:03:43.600
<v Hendrik Ballhausen>spannende Sachen damals, wir haben Computergrafik gemacht,

00:03:43.601 --> 00:03:50.200
<v Hendrik Ballhausen>was in den 90er Jahren ganz ein heißes Thema war, überhaupt natürlich noch nicht so wie heute,

00:03:50.201 --> 00:03:55.600
<v Hendrik Ballhausen>wo in jedem Spiel also die 3D-Grafik perfekt ist, sondern das waren wirklich noch die Anfänge.

00:03:55.601 --> 00:04:03.100
<v Hendrik Ballhausen>Und dann kam die erste Krise, der neue Markt im Jahr 2001 und dann habe ich mir überlegt,

00:04:03.101 --> 00:04:11.200
<v Hendrik Ballhausen>vielleicht ist es doch besser, was zu studieren, was ein bisschen mehr ja Substanz hat als die Informatik.

00:04:11.201 --> 00:04:14.300
<v Hendrik Ballhausen>Im Rückblick völlig falsche Entscheidung, aber damals war es richtig

00:04:14.301 --> 00:04:17.500
<v Hendrik Ballhausen>und dann sollte es halt Physik sein, Physik ist ja auch Mathematik, ist auch Informatik,

00:04:17.501 --> 00:04:25.100
<v Hendrik Ballhausen>aber handfester und ja, so bin ich dann nach Heidelberg gekommen und habe dort Physik studiert.

00:04:25.101 --> 00:04:26.200
<v Tim Pritlove>Okay.

00:04:26.201 --> 00:04:30.700
<v Hendrik Ballhausen>Eigentlich hätte es die USA sein sollen, aber ich habe Zivildienst gemacht,

00:04:30.701 --> 00:04:38.100
<v Hendrik Ballhausen>da unterliegt man der Kreiswehrerfassung und der Urlaub wurde abgelehnt, um sich in den USA zu bewerben.

00:04:38.101 --> 00:04:41.600
<v Hendrik Ballhausen>Ich habe dann noch mal gefragt, was passiert, wenn ich trotzdem ausreise.

00:04:41.601 --> 00:04:46.900
<v Hendrik Ballhausen>Dann hieß es, sie werden bei der Einreise in Frankfurt verhaftet und ja, so ist es dann Heidelberg geworden.

00:04:46.901 --> 00:04:49.300
<v Hendrik Ballhausen>Das war im Rückblick genau richtig.

00:04:49.301 --> 00:04:51.600
<v Tim Pritlove>Okay. Und in Heidelberg war dann das Physikstudium?

00:04:51.601 --> 00:04:52.700
<v Hendrik Ballhausen>Heidelberg war Physik, ja.

00:04:52.701 --> 00:04:53.700
<v Tim Pritlove>Okay.

00:04:53.701 --> 00:04:56.400
<v Hendrik Ballhausen>So richtig, wie man es sich vorstellt, Philosophenweg.

00:04:56.401 --> 00:04:59.400
<v Tim Pritlove>Und dann denkt man doch eigentlich viel übers Universum nach oder?

00:04:59.401 --> 00:05:05.000
<v Hendrik Ballhausen>Ja, vor allen Dingen auch, weil wir ja bei uns die Astrophysiker hatten ein Haus weiter.

00:05:05.001 --> 00:05:07.000
<v Tim Pritlove>Spannender Standort Heidelberg auf jeden Fall.

00:05:07.001 --> 00:05:13.200
<v Hendrik Ballhausen>Ja, er war das klein und das ganz große ganz nah beieinander.

00:05:13.201 --> 00:05:15.700
<v Tim Pritlove>Aber dazu kam es nicht, keine astronomische Karriere?

00:05:15.701 --> 00:05:21.800
<v Hendrik Ballhausen>Ja, da kam dann das Wissenschaftssystem dazu und wir haben uns eigentlich überlegt so gegen Ende der Promotion,

00:05:21.801 --> 00:05:25.400
<v Hendrik Ballhausen>dass wir uns das doch nicht antun wollen.

00:05:25.401 --> 00:05:30.000
<v Hendrik Ballhausen>Das waren so ein paar Freunde und wir haben gesagt, Physik finden wir super,

00:05:30.001 --> 00:05:33.600
<v Hendrik Ballhausen>aber so wie Wissenschaft an der Universität gemacht wird, finden wir es nicht so super.

00:05:33.601 --> 00:05:36.200
<v Hendrik Ballhausen>Dann sind wir alle woanders hingegangen.

00:05:36.201 --> 00:05:40.300
<v Hendrik Ballhausen>Ich habe dann noch schnell VWL drauf gesattelt, Volkswirtschaft

00:05:40.301 --> 00:05:44.300
<v Hendrik Ballhausen>und bin dann tatsächlich ein paar Jahre ganz aus dem Universitären verschwunden.

00:05:44.301 --> 00:05:49.100
<v Tim Pritlove>Was hat dir denn nicht gefallen daran, wie die Wissenschaft an der Universität gemacht wird?

00:05:49.101 --> 00:05:54.700
<v Hendrik Ballhausen>Ja, dass eigentlich extrem schlaue Leute, zu denen will ich mich jetzt gar nicht zählen,

00:05:54.701 --> 00:05:58.500
<v Hendrik Ballhausen>aber die beobachtet man ja, also Leute, die viel besser sind als man selber,

00:05:58.501 --> 00:06:02.600
<v Hendrik Ballhausen>die schon unglaublich Paper geschrieben haben, unglaublich was eingeworben haben,

00:06:02.601 --> 00:06:07.900
<v Hendrik Ballhausen>dass die eigentlich sehr lange bitten und betteln müssen, um das tun zu dürfen,

00:06:07.901 --> 00:06:14.700
<v Hendrik Ballhausen>was sie eigentlich am besten können und was ja eigentlich auch der Gesellschaft am meisten nutzt.

00:06:14.701 --> 00:06:20.600
<v Hendrik Ballhausen>Und dass das eigentlich so als Gnade gesehen wird, da arbeiten zu dürfen unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen.

00:06:20.601 --> 00:06:25.200
<v Hendrik Ballhausen>Und da haben wir gesagt, nein, den Markt wollen wir nicht noch schlechter machen,

00:06:25.201 --> 00:06:29.100
<v Hendrik Ballhausen>indem wir hier noch zusätzliche Arbeitskraft anbieten.

00:06:29.101 --> 00:06:31.100
<v Hendrik Ballhausen>Sind dann ganz bewusst weggegangen, aber ist eine schwere Entscheidung,

00:06:31.101 --> 00:06:37.200
<v Hendrik Ballhausen>weil man liebt das Fach ja, man möchte ja eigentlich ganz genau das machen,

00:06:37.201 --> 00:06:39.100
<v Hendrik Ballhausen>aber man muss ja auch ehrlich vor sich selber bleiben.

00:06:39.101 --> 00:06:40.500
<v Tim Pritlove>Was meinst du mit wir?

00:06:40.501 --> 00:06:45.900
<v Hendrik Ballhausen>Ja, Freunde, Freunde, mit denen man dann zusammengesessen hat und überlegt hat,

00:06:45.901 --> 00:06:48.100
<v Hendrik Ballhausen>tun wir uns das jetzt noch an, wollen wir jetzt noch Postdoc-Phase machen?

00:06:48.101 --> 00:06:54.600
<v Hendrik Ballhausen>Der eine ist dann Lehrer geworden, viele sind in die Industrie gegangen oder in die Wirtschaft.

00:06:54.601 --> 00:07:03.000
<v Hendrik Ballhausen>Und insofern ich kenne noch ein oder zwei, die dabei geblieben sind und ja, die sind immer noch in der Ochsentour.

00:07:03.001 --> 00:07:07.800
<v Tim Pritlove>Okay, aber dann gab es einen Ausflug in die Wirtschaft, der dann aber dann doch wieder zur Universität zurückgeführt hat.

00:07:07.801 --> 00:07:15.500
<v Hendrik Ballhausen>Ja, ja, ein paar Jahre was ganz anderes gemacht, dann kam Bereich Finanzen, dann kam die Bankenkrise 2008/2010.

00:07:15.501 --> 00:07:18.100
<v Hendrik Ballhausen>Das war die nächste große Krise.

00:07:18.101 --> 00:07:23.400
<v Hendrik Ballhausen>Und dann habe ich gedacht, eigentlich war es doch an der Uni am schönsten

00:07:23.401 --> 00:07:28.200
<v Hendrik Ballhausen>und habe dann für mich diesen goldenen Mittelweg gefunden, nicht jetzt selber primär zu forschen,

00:07:28.201 --> 00:07:30.700
<v Hendrik Ballhausen>aber anderen dabei zu helfen, zu forschen.

00:07:30.701 --> 00:07:36.800
<v Hendrik Ballhausen>Und witzigerweise war dann plötzlich alles ganz einfach.

00:07:36.801 --> 00:07:41.600
<v Hendrik Ballhausen>Also Forscher sein ist schwer, Forschung verwalten ist einfach.

00:07:41.601 --> 00:07:41.800
<v Tim Pritlove>Ist das so?

00:07:41.801 --> 00:07:43.500
<v Hendrik Ballhausen>Ja, war mein Eindruck.

00:07:43.501 --> 00:07:46.700
<v Tim Pritlove>Okay. Hat sich das bestätigt der Eindruck?

00:07:46.701 --> 00:07:52.800
<v Hendrik Ballhausen>/lacht/ Naja, zumindest ist man die letzten zehn Jahre sehr gut zu mir gewesen.

00:07:52.801 --> 00:07:54.400
<v Tim Pritlove>Okay.

00:07:54.401 --> 00:08:01.000
<v Tim Pritlove>Gut, also letzten Endes bist du dann doch in der medizinischen Fakultät der LMU gelandet

00:08:01.001 --> 00:08:05.600
<v Tim Pritlove>und wie hieß das, Forschungsverwaltung? Nein.

00:08:05.601 --> 00:08:08.900
<v Hendrik Ballhausen>Das ist der trockene Titel, ja Forschungsreferent würde man wahrscheinlich sagen,

00:08:08.901 --> 00:08:12.700
<v Hendrik Ballhausen>wenn man dem Ganzen jetzt einen Namen geben wollte.

00:08:12.701 --> 00:08:15.800
<v Hendrik Ballhausen>Ich weiß gar nicht, ob meine Stelle eine offizielle Bezeichnung hat.

00:08:15.801 --> 00:08:22.000
<v Tim Pritlove>Jetzt bist du aber dann sozusagen dann doch der Informatik wieder etwas näher gekommen.

00:08:22.001 --> 00:08:24.400
<v Hendrik Ballhausen>Ja.

00:08:24.401 --> 00:08:26.300
<v Tim Pritlove>Ist dann so eine späte Liebe in gewisser Hinsicht?

00:08:26.301 --> 00:08:33.800
<v Hendrik Ballhausen>Ja, ich meine, ganz damit aufgehört hat man ja nie, wenn man Nerd ist,

00:08:33.801 --> 00:08:35.600
<v Hendrik Ballhausen>dann lässt man das nie ganz sein.

00:08:35.601 --> 00:08:37.600
<v Hendrik Ballhausen>Ich meine, das ist ja auch was, was man ständig gebrauchen kann.

00:08:37.601 --> 00:08:40.600
<v Hendrik Ballhausen>Also das habe ich in der Physik gebraucht, das habe ich in der Industrie gebraucht,

00:08:40.601 --> 00:08:47.300
<v Hendrik Ballhausen>in der Wirtschaft habe ich das gebraucht und in der Medizin heute brauchen wir es natürlich auch total dringend.

00:08:47.301 --> 00:08:54.900
<v Hendrik Ballhausen>Und deswegen der Weg nicht weit, dass ich mich auch um dieses Thema bei uns in der Fakultät ein bisschen kümmern sollte.

00:08:54.901 --> 00:09:01.200
<v Tim Pritlove>Ist ja auch, Medizin ist ja auch eine so der ersten Disziplinen gewesen,

00:09:01.201 --> 00:09:05.400
<v Tim Pritlove>die sich so im universitären Bereich mit der Informatik verheiratet haben.

00:09:05.401 --> 00:09:10.500
<v Tim Pritlove>Also ganz zu Beginn gab es halt so die reine Informatik als Studium

00:09:10.501 --> 00:09:15.400
<v Tim Pritlove>und später kamen dann halt diese ganzen Kombinationsstudiengänge dazu.

00:09:15.401 --> 00:09:19.100
<v Tim Pritlove>Da war es auf der einen Seite so die Wirtschaft und auf der anderen Seite die Medizin,

00:09:19.101 --> 00:09:22.800
<v Tim Pritlove>die eigentlich da so in der ersten Reihe stand.

00:09:22.801 --> 00:09:24.300
<v Hendrik Ballhausen>Ist immer die Frage, wen man fragt.

00:09:24.301 --> 00:09:27.300
<v Hendrik Ballhausen>Also in Heidelberg gab es gar keine Informatik, da gab es Mathematik

00:09:27.301 --> 00:09:31.100
<v Hendrik Ballhausen>und da war völlig klar, Informatik ist angewandte Mathematik.

00:09:31.101 --> 00:09:34.900
<v Hendrik Ballhausen>Und wir haben im gesamten Studium keinen Computer gesehen.

00:09:34.901 --> 00:09:37.700
<v Hendrik Ballhausen>Es lief über Beweise.

00:09:37.701 --> 00:09:44.000
<v Hendrik Ballhausen>Wenn man die Statistiker fragt, an der LMU gibt es eine Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik,

00:09:44.001 --> 00:09:50.600
<v Hendrik Ballhausen>wenn man die Statistiker fragt, dann ist maschinelles Lernen alles Statistik.

00:09:50.601 --> 00:09:53.900
<v Hendrik Ballhausen>Und als Physiker würde ich natürlich sagen, dass die Physiker die ersten waren,

00:09:53.901 --> 00:09:58.600
<v Hendrik Ballhausen>die nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Computer verwendet haben und damit nie aufgehört haben,

00:09:58.601 --> 00:10:03.200
<v Hendrik Ballhausen>insofern könnte man auch behaupten, dass die Physik die ersten waren.

00:10:03.201 --> 00:10:08.500
<v Tim Pritlove>Klar, hängt alles zusammen, aber in der Medizin hat sich natürlich dann, wie auch in der Wirtschaft,

00:10:08.501 --> 00:10:10.700
<v Tim Pritlove>eben auch schnell gezeigt, okay hier gibt es praktische Anwendungen,

00:10:10.701 --> 00:10:16.700
<v Tim Pritlove>hier kann man der Disziplin als solcher etwas neues hinzufügen

00:10:16.701 --> 00:10:21.100
<v Tim Pritlove>und die ganze Domäne der Medizin noch mal ganz anders anschieben,

00:10:21.101 --> 00:10:27.400
<v Tim Pritlove>jenseits aller biologischen medizinischen Erkenntnisse.

00:10:27.401 --> 00:10:31.700
<v Tim Pritlove>Inwiefern ist das dann jetzt ein Thema für dich geworden?

00:10:31.701 --> 00:10:38.400
<v Hendrik Ballhausen>Ja, auf der einen Seite die eigene Forschung, also das habe ich dann halt doch nicht ganz sein lassen,

00:10:38.401 --> 00:10:41.000
<v Hendrik Ballhausen>so wie die Kollegen halt bis abends ihre PatientInnen haben,

00:10:41.001 --> 00:10:47.300
<v Hendrik Ballhausen>habe ich halt bis abends meine Aktenmappen und nach Feierabend geht es dann ans Paperschreiben.

00:10:47.301 --> 00:10:51.600
<v Hendrik Ballhausen>Und auf der anderen Seite aber eben auch dadurch, dass ich mich für die Fakultät um diese Thema,

00:10:51.601 --> 00:10:58.200
<v Hendrik Ballhausen>man darf ja nicht Digitalisierung sagen, man muss ja digitale Transformation sagen,

00:10:58.201 --> 00:11:01.300
<v Hendrik Ballhausen>dass ich mich darum kümmern sollte und dann merkt man ja relativ schnell,

00:11:01.301 --> 00:11:05.300
<v Hendrik Ballhausen>dass es schon unheimlich viel gibt und man merkt auf der anderen Seite,

00:11:05.301 --> 00:11:10.800
<v Hendrik Ballhausen>dass es halt noch so ein paar Themen gibt, die wenig beachtet werden.

00:11:10.801 --> 00:11:19.000
<v Hendrik Ballhausen>Und was halt total, wo es total viel schon gibt, das ist halt alles, was irgendwie in die Richtung geht,

00:11:19.001 --> 00:11:21.700
<v Hendrik Ballhausen>Daten sammeln und Daten verarbeiten im weitesten Sinne.

00:11:21.701 --> 00:11:25.100
<v Hendrik Ballhausen>Das machen ja die Leute auch schon wirklich, wirklich lange.

00:11:25.101 --> 00:11:31.100
<v Hendrik Ballhausen>Und da, wo es halt jetzt gerade groß das Thema für alle ist, was jetzt neu kommt,

00:11:31.101 --> 00:11:35.600
<v Hendrik Ballhausen>das ist halt künstliche Intelligenz, das ist maschinelles Lernen.

00:11:35.601 --> 00:11:39.700
<v Hendrik Ballhausen>Und das, was noch gar nicht so da ist, das sind die Ansätze, die fragen,

00:11:39.701 --> 00:11:45.600
<v Hendrik Ballhausen>ja, wie wollen wir denn eigentlich mit den Daten wirklich umgehen?

00:11:45.601 --> 00:11:50.800
<v Hendrik Ballhausen>Wollen wir möglichst große Datensammlungen anlegen, wem gehören die Daten?

00:11:50.801 --> 00:11:55.500
<v Hendrik Ballhausen>Früher war völlig klar, die Daten, die gesammelt, erhoben werden,

00:11:55.501 --> 00:11:59.800
<v Hendrik Ballhausen>die gehören dem Arzt, die gehören dem Universitätsklinikum.

00:11:59.801 --> 00:12:04.800
<v Hendrik Ballhausen>Nur irgendwann später kam dann sozusagen, ja wir sollten den Patienten zumindest um Consent bitten,

00:12:04.801 --> 00:12:07.800
<v Hendrik Ballhausen>um Zustimmung bitten, dass uns diese Daten gehören dürfen.

00:12:07.801 --> 00:12:15.000
<v Hendrik Ballhausen>Ja und heute fängt man so langsam an zu fragen, gehören die Daten vielleicht eigentlich der Patientin zunächst mal,

00:12:15.001 --> 00:12:22.000
<v Hendrik Ballhausen>bevor der sie hergibt oder bevor sie sie vielleicht auch gar nicht hergeben möchte?

00:12:22.001 --> 00:12:31.900
<v Hendrik Ballhausen>Und die spannende Frage dann eigentlich ist auch, wer behält die Hoheit über diese Daten?

00:12:31.901 --> 00:12:34.700
<v Hendrik Ballhausen>Wer muss auch später noch irgendeiner Verwendung zustimmen?

00:12:34.701 --> 00:12:42.000
<v Tim Pritlove>Wenn wir über die Daten reden, was für Daten meinen wir denn jetzt?

00:12:42.001 --> 00:12:47.900
<v Tim Pritlove>Was ist denn so eigentlich der Datenbereich, der sich heute einem entgegenstreckt?

00:12:47.901 --> 00:12:52.000
<v Hendrik Ballhausen>Ja, also in der Medizin ist das eigentlich immer ganz ähnlich.

00:12:52.001 --> 00:12:56.700
<v Hendrik Ballhausen>Das sind zunächst mal Daten, die die Patientinnen und Patienten beschreiben.

00:12:56.701 --> 00:12:57.500
<v Hendrik Ballhausen>Die Demographics.

00:12:57.501 --> 00:13:04.800
<v Hendrik Ballhausen>Also wie alt ist derjenige, wo kommt der her, körperliche Eigenschaften,

00:13:04.801 --> 00:13:10.600
<v Hendrik Ballhausen>von Größe über Gewicht, Geschlecht, etc. pp., Herkunft.

00:13:10.601 --> 00:13:18.100
<v Hendrik Ballhausen>Dann sind das Daten, die das akute Ereignis betreffen, also warum ist diejenige oder derjenige jetzt im Krankenhaus?

00:13:18.101 --> 00:13:21.600
<v Hendrik Ballhausen>Was hat der, Diagnosen.

00:13:21.601 --> 00:13:27.300
<v Hendrik Ballhausen>Und dann natürlich am Ende Aufzeichnungen über die Behandlung.

00:13:27.301 --> 00:13:32.300
<v Hendrik Ballhausen>Man möchte ja auch letztlich lernen, ein lernendes System haben,

00:13:32.301 --> 00:13:33.500
<v Hendrik Ballhausen>welche Therapieentscheidungen sind die richtigen.

00:13:33.501 --> 00:13:36.300
<v Hendrik Ballhausen>Und dann die berühmten Endpunkte.

00:13:36.301 --> 00:13:42.900
<v Hendrik Ballhausen>Wird der Tumor geheilt, gibt es eine Metastase, wird der Patient entlassen,

00:13:42.901 --> 00:13:46.800
<v Hendrik Ballhausen>kommt der wieder nach einer Woche?

00:13:46.801 --> 00:13:53.300
<v Hendrik Ballhausen>Das sind dann sozusagen die spannenden Endpunkte, auf die dann auch die meisten klinischen Studien gemünzt sind.

00:13:53.301 --> 00:14:00.500
<v Hendrik Ballhausen>Und man muss sagen, dass im Bereich der Medizin das formalisierte Format das sind die klinischen Studien.

00:14:00.501 --> 00:14:08.400
<v Hendrik Ballhausen>Das sind auch, sagen wir mal, die hochwertigen Daten, die unter wissenschaftlich strengen Gesichtspunkten gesammelt werden,

00:14:08.401 --> 00:14:13.000
<v Hendrik Ballhausen>wo die Fragestellung im Vorhinein festgelegt ist, die Endpunkte im Vorhinein festgelegt wird,

00:14:13.001 --> 00:14:16.800
<v Hendrik Ballhausen>wo man dann möglichst wenig „schummeln“ kann.

00:14:16.801 --> 00:14:19.800
<v Hendrik Ballhausen>Denn dieses explorative Suchen in großen Datenmengen,

00:14:19.801 --> 00:14:22.900
<v Hendrik Ballhausen>was ja beispielsweise heutzutage in der Wirtschaft sehr gern gemacht wird,

00:14:22.901 --> 00:14:28.300
<v Hendrik Ballhausen>ob es jetzt um online-Marketing geht oder wenn Salesforce analysiert,

00:14:28.301 --> 00:14:32.600
<v Hendrik Ballhausen>was sind gute Abläufe im Unternehmen, da wird ja zunächst mal in großen Datenmengen einfach gesucht,

00:14:32.601 --> 00:14:34.600
<v Hendrik Ballhausen>finden wir irgendein Muster.

00:14:34.601 --> 00:14:37.500
<v Hendrik Ballhausen>Und in der Medizin sind wir meisten oder sollten wir strenger sein

00:14:37.501 --> 00:14:41.300
<v Hendrik Ballhausen>und sollten eigentlich mit einer wissenschaftlichen Forschungsfrage rangehen

00:14:41.301 --> 00:14:45.700
<v Hendrik Ballhausen>und dann schauen, ob wir die tatsächlich in einer idealerweise doppelt verblindeten Studie

00:14:45.701 --> 00:14:48.700
<v Hendrik Ballhausen>oder wie auch immer verifizieren können.

00:14:48.701 --> 00:14:54.900
<v Tim Pritlove>An der Stelle vielleicht kurze Anmerkung, Forschergeist Nummer 56 mit dem passenden Titel,

00:14:54.901 --> 00:14:59.500
<v Tim Pritlove>die digitale Medizin, da hatte ich mich mit Sebastian Kuhn unterhalten,

00:14:59.501 --> 00:15:03.400
<v Tim Pritlove>der ja im Prinzip auch genau das beklagt hat, dass eigentlich sehr viele Daten da sind so

00:15:03.401 --> 00:15:11.700
<v Tim Pritlove>oder sehr viele Daten sich im Prinzip anbieten und dass es jetzt eigentlich der nächste Schritt für die Medizin sein müsste,

00:15:11.701 --> 00:15:16.800
<v Tim Pritlove>mit denen halt irgendetwas anzufangen, einerseits, andererseits natürlich auch Apps,

00:15:16.801 --> 00:15:21.900
<v Tim Pritlove>zum Beispiel zur, ja gar nicht mal nur zur Diagnose, aber auch zur Diagnose

00:15:21.901 --> 00:15:28.700
<v Tim Pritlove>oder eben auch tatsächlich zur Behandlung für bestimmte Fälle oder als Therapiemaßnahme mit einzubringen,

00:15:28.701 --> 00:15:31.600
<v Tim Pritlove>da haben wir eine relativ breiten Bogen gespannt.

00:15:31.601 --> 00:15:37.400
<v Tim Pritlove>Jetzt ist natürlich klar, okay das Datenmaterial ist da, es ist, sagen wir mal,

00:15:37.401 --> 00:15:44.300
<v Tim Pritlove>ganz klar das klassischen personenbezogene Datum, was man hier vorfindet.

00:15:44.301 --> 00:15:52.900
<v Tim Pritlove>Und ich würde meinen, in der Wahrnehmung der Leute ist es so für sie so mit das persönlichste in gewisser Hinsicht.

00:15:52.901 --> 00:15:59.700
<v Tim Pritlove>Also auch so gefühlt sind das Daten, die einem sehr nahe sind, im wahrsten Sinne des Wortes natürlich,

00:15:59.701 --> 00:16:07.000
<v Tim Pritlove>wenn es um den eigenen Körper, die eigene Gesundheit geht,

00:16:07.001 --> 00:16:10.300
<v Tim Pritlove>so dass große Vorbehalte existieren in diesem ganzen Bereich.

00:16:10.301 --> 00:16:14.100
<v Tim Pritlove>Und man sieht ja auch, dass die ganzen Digitalisierungsmaßnahmen,

00:16:14.101 --> 00:16:21.800
<v Tim Pritlove>die im Gesundheitssystem bisher vorgenommen wurden, nicht sonderlich erfolgreich waren.

00:16:21.801 --> 00:16:30.100
<v Tim Pritlove>Also wir haben sehr schön gesehen jetzt in der Corona-Krise, wieviele Informationen nicht vorhanden sind.

00:16:30.101 --> 00:16:41.500
<v Tim Pritlove>Man weiß nicht, wie sind die Leute geimpft, man hat keine große Erkenntnis über die Symptome etc..

00:16:41.501 --> 00:16:49.300
<v Tim Pritlove>Also nicht überall, aber an vielen Stellen hätte man sich ja quasi mehr gewünscht, als letztlich da war.

00:16:49.301 --> 00:16:56.200
<v Hendrik Ballhausen>Ja, also ich glaube, das muss man wirklich differenziert sehen.

00:16:56.201 --> 00:17:01.900
<v Hendrik Ballhausen>Es ist richtig, dass man häufig sich wünscht, dass mehr ginge,

00:17:01.901 --> 00:17:05.500
<v Hendrik Ballhausen>aber es ist natürlich auch immer die Frage, zu welchem Preis?

00:17:05.501 --> 00:17:10.600
<v Hendrik Ballhausen>Die Corona-Krise ist ein Beispiel, wo man natürlich sich aufgeregt hat,

00:17:10.601 --> 00:17:16.300
<v Hendrik Ballhausen>dass vielleicht irgendwelche Gesundheitsämter Daten jetzt nicht ideal austauschen konnten,

00:17:16.301 --> 00:17:21.200
<v Hendrik Ballhausen>aber es ist zugleich auch ein Paradebeispiel für etwas, was sehr gut funktioniert hat.

00:17:21.201 --> 00:17:24.400
<v Hendrik Ballhausen>Beispielsweise diese Corona Warn App, die war ja ein Beispiel,

00:17:24.401 --> 00:17:31.000
<v Hendrik Ballhausen>dass jetzt Millionen Menschen in sehr sehr kurzer Zeit sich verschaltet haben

00:17:31.001 --> 00:17:37.800
<v Hendrik Ballhausen>und sich gegenseitig in einem, übrigens auch dezentralen Ansatz, gewandt haben.

00:17:37.801 --> 00:17:42.300
<v Hendrik Ballhausen>Ein anderes Beispiel, was jetzt in der Öffentlichkeit sicherlich nicht so wahrgenommen wurde,

00:17:42.301 --> 00:17:47.100
<v Hendrik Ballhausen>war, dass auch in dem sogenannten Netzwerk Universitätsmedizin,

00:17:47.101 --> 00:17:54.500
<v Hendrik Ballhausen>das ist also ein Netzwerk, das binnen, eigentlich man muss sagen, Tagen und Wochen nach Beginn der Krise aufgesetzt wurde,

00:17:54.501 --> 00:18:00.400
<v Hendrik Ballhausen>wo alle deutschen Universitätskliniker zusammenarbeiten, auch Datenplattformen geschaffen wurden,

00:18:00.401 --> 00:18:09.400
<v Hendrik Ballhausen>dass die wirklich universitätsmedizinischen Daten sehr viel besser, sehr viel schneller als zuvor ausgetauscht werden konnten.

00:18:09.401 --> 00:18:13.700
<v Hendrik Ballhausen>Also da ist auch wirklich viel geschehen, was man vielleicht von außen nicht sieht

00:18:13.701 --> 00:18:23.500
<v Hendrik Ballhausen>und dass wir nach letztlich einem Jahr eines völlig neuen Krankheitsbildes nicht nur zur Diagnostik,

00:18:23.501 --> 00:18:28.400
<v Hendrik Ballhausen>wir hatten ja ganz schnell auch Schnelltests, auch zuverlässige PCR-Tests,

00:18:28.401 --> 00:18:34.100
<v Hendrik Ballhausen>und dass dann nach einem Jahr im Prinzip eine Prophylaxe zur Verfügung stand

00:18:34.101 --> 00:18:37.800
<v Hendrik Ballhausen>und auch Therapieansätze, wenn man mal andere Erkrankungen sich anguckt,

00:18:37.801 --> 00:18:41.600
<v Hendrik Ballhausen>das war ja eigentlich jetzt bei aller Kritik, weil uns das alle sehr betroffen hat,

00:18:41.601 --> 00:18:44.300
<v Hendrik Ballhausen>das war ja eigentlich auch eine totale Erfolgsgeschichte.

00:18:44.301 --> 00:18:48.900
<v Tim Pritlove>Im medizinischen Bereich auf jeden Fall, also ganz klar.

00:18:48.901 --> 00:18:56.200
<v Tim Pritlove>Also allein die Entwicklung der Impfstoffe stellt ja auch an sich noch mal einen technologischen Durchbruch dar.

00:18:56.201 --> 00:19:01.200
<v Tim Pritlove>Trotzdem bei der Bewertung der Pandemie, der Lage, der richtigen Einschätzung

00:19:01.201 --> 00:19:05.800
<v Tim Pritlove>hätte man sich halt dann doch schon oft gerne auf detailliertere Daten gestützt.

00:19:05.801 --> 00:19:08.800
<v Tim Pritlove>Aber das ist halt genau das Problem.

00:19:08.801 --> 00:19:12.900
<v Tim Pritlove>In dem Moment, wo man mehr Daten möchte, erzeugt man natürlich eine ganze Menge Widerstand,

00:19:12.901 --> 00:19:18.400
<v Tim Pritlove>der teilweise vielleicht berechtigt ist, teilweise vielleicht auch unnötig ist,

00:19:18.401 --> 00:19:24.900
<v Tim Pritlove>weil es nicht wirklich in eine Privatsphäre eingreift, aber in diesem Spannungsfeld befindet man sich ja auf jeden Fall.

00:19:24.901 --> 00:19:27.600
<v Hendrik Ballhausen>Also du hast ja eingangs auch ganz richtige Sachen gesagt.

00:19:27.601 --> 00:19:32.200
<v Hendrik Ballhausen>Also Gesundheitsdaten genießen ja auch vor dem Gesetz einen besonderen Schutzstatus.

00:19:32.201 --> 00:19:37.300
<v Hendrik Ballhausen>Du hast gesagt, das sind mit die sensibelsten Daten, die es gibt, das ist richtig.

00:19:37.301 --> 00:19:40.900
<v Hendrik Ballhausen>Zusammen beispielsweise mit jetzt Daten zum Beispiel über die sexuelle Orientierung,

00:19:40.901 --> 00:19:42.900
<v Hendrik Ballhausen>gehören die zum privatesten, was wir haben.

00:19:42.901 --> 00:19:50.300
<v Hendrik Ballhausen>Andererseits beobachtet man da natürlich auch eigentlich eine große Divergenz zwischen dem,

00:19:50.301 --> 00:19:53.800
<v Hendrik Ballhausen>was die Gesellschaft für wichtig hält und was der einzelne für wichtig hält.

00:19:53.801 --> 00:19:55.900
<v Hendrik Ballhausen>Interessanterweise, wenn man mit einzelnen Menschen spricht,

00:19:55.901 --> 00:20:00.600
<v Hendrik Ballhausen>dann haben die in der Regel oft gar keine große Scheu, ihre Daten zu teilen,

00:20:00.601 --> 00:20:08.400
<v Hendrik Ballhausen>wenn man ihnen richtig erklärt, wofür die da sind und ihnen auch erklärt, was mit den Daten geschehen wird.

00:20:08.401 --> 00:20:14.800
<v Hendrik Ballhausen>Häufig sind diese Daten ja auch dann interessant, gerade wenn sie über eine größere Menge von Menschen erhoben werden,

00:20:14.801 --> 00:20:18.300
<v Hendrik Ballhausen>und zumindest dann, wenn sie anonymisiert werden können

00:20:18.301 --> 00:20:23.200
<v Hendrik Ballhausen>und nur eigentlich in aggregierter Form, das heißt, dass man jetzt Summen bildet,

00:20:23.201 --> 00:20:24.900
<v Hendrik Ballhausen>dass man nicht über den Einzelnen mehr Datensätze hat,

00:20:24.901 --> 00:20:30.000
<v Hendrik Ballhausen>sondern dass man nur sagen kann, so und so viele Menschen in Summe haben jetzt dieses Merkmal.

00:20:30.001 --> 00:20:33.700
<v Hendrik Ballhausen>Dann wird das Problem auch sehr viel kleiner sehr schnell.

00:20:33.701 --> 00:20:41.800
<v Hendrik Ballhausen>Andererseits und das ist ja auch das Paradoxe, an anderer Stelle geben wir diese Daten ja sehr viel bereitwilliger her.

00:20:41.801 --> 00:20:48.300
<v Hendrik Ballhausen>Du hast Apps erwähnt, was unsere Smartphones über uns an Bewegungsprofilen,

00:20:48.301 --> 00:20:54.700
<v Hendrik Ballhausen>auch Sozialprofilen, ökonomischen Profilen sammeln, indem wir einfach nur wischen

00:20:54.701 --> 00:21:00.300
<v Hendrik Ballhausen>und uns gar nicht durchlesen, zu was wir da zustimmen, das ist Größenordnungen mehr als das,

00:21:00.301 --> 00:21:06.600
<v Hendrik Ballhausen>was sozusagen nach schriftlicher Information und Unterschrift in einem Universitätsklinikum vielleicht über mich gesammelt wird.

00:21:06.601 --> 00:21:13.300
<v Hendrik Ballhausen>Und vor allen Dingen natürlich auch mit einem ganz anderen Interesse gesammelt und verarbeitet wird für mich, nicht gegen mich.

00:21:13.301 --> 00:21:16.000
<v Hendrik Ballhausen>Muss man ganz klar sagen, da kommt jetzt der Ökonom in mir durch,

00:21:16.001 --> 00:21:22.100
<v Hendrik Ballhausen>je mehr ich über meinen Konsumenten weiß, desto mehr kann ich ihm sozusagen,

00:21:22.101 --> 00:21:28.500
<v Hendrik Ballhausen>desto näher komme ich an seinen Reservationspreis ran, desto mehr Wohlfahrt kann ich ihm wegnehmen.

00:21:28.501 --> 00:21:31.300
<v Hendrik Ballhausen>Das ist ja oft, dass wir heutzutage beobachten, wenn wir irgendwas kaufen,

00:21:31.301 --> 00:21:35.200
<v Hendrik Ballhausen>dass wir uns gar nicht mehr freuen, weil das Unternehmen so geschickt war,

00:21:35.201 --> 00:21:42.700
<v Hendrik Ballhausen>den Preis oder die Qualität der Ware so zu setzen, dass wir gerade noch bereit sind, das zu kaufen.

00:21:42.701 --> 00:21:47.400
<v Hendrik Ballhausen>Und gar nicht das Gefühl haben, wir hätten jetzt irgendwie ein riesengroßen Schritt nach vorne gemacht.

00:21:47.401 --> 00:21:52.500
<v Hendrik Ballhausen>Und das ist in der Medizin, muss man sagen, halt wirklich anders.

00:21:52.501 --> 00:21:56.300
<v Hendrik Ballhausen>Zumindest in der universitären Medizin, das sind ja öffentlich-rechtliche Einrichtungen,

00:21:56.301 --> 00:22:03.200
<v Hendrik Ballhausen>die keinen Profit machen, die haben in der Regeln wirklich ein wissenschaftliches Interesse.

00:22:03.201 --> 00:22:06.900
<v Hendrik Ballhausen>Und da das die Forschenden zum großen Teil auch Ärztinnen und Ärzte sind,

00:22:06.901 --> 00:22:13.400
<v Hendrik Ballhausen>die haben zuallermeist auch wirklich ein Interesse, dem Patienten, der Patientin zu nutzen.

00:22:13.401 --> 00:22:17.500
<v Tim Pritlove>Was würdest du denn jetzt formulieren, was könnten denn jetzt Ziele sein?

00:22:17.501 --> 00:22:25.800
<v Tim Pritlove>Was ist denn wünschenswert oder was ist sogar in der Medizin klar, dass man da auf jeden Fall hin möchte,

00:22:25.801 --> 00:22:31.500
<v Tim Pritlove>auch wenn man vielleicht noch Probleme dabei sieht, wie man diese Ziele erreichen kann?

00:22:31.501 --> 00:22:36.100
<v Hendrik Ballhausen>Also ich glaube, wir müssen als Gesellschaft klar diese Frage politisch beantworten.

00:22:36.101 --> 00:22:47.400
<v Hendrik Ballhausen>Zunächst, wie stark wollen wir Datenschutz gegen wissenschaftliches, medizinisches Erkenntnisgewinninteresse abwägen?

00:22:47.401 --> 00:22:49.600
<v Hendrik Ballhausen>Das ist auch eine Entscheidung, die kann kein Arzt, die kann keine Ärztin,

00:22:49.601 --> 00:22:56.900
<v Hendrik Ballhausen>das kann kein Informatiker, das kann kein Cloudprovider beantworten.

00:22:56.901 --> 00:23:02.100
<v Hendrik Ballhausen>Und wenn wir dann diese Entscheidung getroffen haben oder zumindest wissen, in welche Richtung wir uns bewegen wollen,

00:23:02.101 --> 00:23:08.000
<v Hendrik Ballhausen>dann müssen wir eigentlich sehr schnell und möglichst auch unbürokratisch,

00:23:08.001 --> 00:23:10.800
<v Hendrik Ballhausen>die technischen Infrastrukturen dafür schaffen.

00:23:10.801 --> 00:23:15.300
<v Hendrik Ballhausen>Wir sind in Deutschland sehr gut darin, Komitees und Subkomitees zu bilden,

00:23:15.301 --> 00:23:20.400
<v Hendrik Ballhausen>und wenn diese Strukturen groß genug werden, dann haben die irgendwann ihr eigenes Überleben im Sinn

00:23:20.401 --> 00:23:23.900
<v Hendrik Ballhausen>und nicht mehr das Problem zu lösen, da müssen wir vorsichtig sein,

00:23:23.901 --> 00:23:28.400
<v Hendrik Ballhausen>Dass wir vielleicht uns da auch die richtigen Anleihen aus der Industrie holen,

00:23:28.401 --> 00:23:33.100
<v Hendrik Ballhausen>aus der Digitalwirtschaft, die ja teilweise mit sehr kleinen, sehr agilen Teams sehr viel erreichen.

00:23:33.101 --> 00:23:39.300
<v Hendrik Ballhausen>Gar nicht so sehr, was jetzt dahinter vielleicht das ökonomische Interesse ist,

00:23:39.301 --> 00:23:44.600
<v Hendrik Ballhausen>gar nicht eine Ökonomisierung der Medizindaten, aber die Abläufe,

00:23:44.601 --> 00:23:50.200
<v Hendrik Ballhausen>die Strukturen die müssen einfach moderner, schneller, agiler werden.

00:23:50.201 --> 00:23:54.600
<v Tim Pritlove>Gut, aber vielleicht kannst du ja mal ein paar konkrete Beispiele nennen,

00:23:54.601 --> 00:23:58.300
<v Tim Pritlove>wo man sozusagen gerne Daten nutzen würde und zu welchem Zweck.

00:23:58.301 --> 00:24:02.000
<v Tim Pritlove>Nur um einfach mal so ein bisschen zu verstehen, was so die Stoßrichtung wäre.

00:24:02.001 --> 00:24:07.200
<v Hendrik Ballhausen>Ja, also ein Klassiker ist, Klinikum A hat eine klinische Studie gemacht,

00:24:07.201 --> 00:24:10.600
<v Hendrik Ballhausen>die haben written informe consent von ihren Patienten, dass sie das auch auswerten dürfen,

00:24:10.601 --> 00:24:17.100
<v Hendrik Ballhausen>Klinikum B hat die gleiche Studie gemacht und die merken eigentlich,

00:24:17.101 --> 00:24:20.800
<v Hendrik Ballhausen>sie könnten viel granularer auswerten, wenn sie jetzt die Daten gegenseitig sich zeigen könnten,

00:24:20.801 --> 00:24:23.200
<v Hendrik Ballhausen>dürfen sie aber nicht.

00:24:23.201 --> 00:24:27.600
<v Hendrik Ballhausen>Das sind, die Daten müssen in Gewahrsam des Klinikums bleiben,

00:24:27.601 --> 00:24:30.900
<v Hendrik Ballhausen>bzw. da sind dann oft auch, sobald eine Landesgrenze in Deutschland dazwischenkommt,

00:24:30.901 --> 00:24:34.600
<v Hendrik Ballhausen>da sind noch mal andere Datenschutzgesetze, das sind andere Ethikkommissionen,

00:24:34.601 --> 00:24:39.300
<v Hendrik Ballhausen>und das wird dann sehr schwierig, und der einfache Weg ist dann,

00:24:39.301 --> 00:24:41.300
<v Hendrik Ballhausen>dass man dann eine Metaanalyse macht, das heißt,

00:24:41.301 --> 00:24:45.000
<v Hendrik Ballhausen>man nimmt sozusagen die Summe der Erkenntnisse der einen Studie

00:24:45.001 --> 00:24:47.300
<v Hendrik Ballhausen>und die Summe der Erkenntnisse der anderen Studie und versucht,

00:24:47.301 --> 00:24:50.300
<v Hendrik Ballhausen>die irgendwie zu verheiraten, aber das ist halt nicht so einfach

00:24:50.301 --> 00:24:56.600
<v Hendrik Ballhausen>und das ist halt auch nicht so gut, was heißt so gut, man kann oft nicht genau so viel ableiten,

00:24:56.601 --> 00:25:02.100
<v Hendrik Ballhausen>wie man mit den Rohdaten beider Studien addieren könnte.

00:25:02.101 --> 00:25:06.000
<v Hendrik Ballhausen>Das ist ein Beispiel für, um jetzt mal einen Fachausdruck zu bringen,

00:25:06.001 --> 00:25:09.700
<v Hendrik Ballhausen>eine sogenannte horizontale Partitionierung, also jeder hat die gleichen Daten,

00:25:09.701 --> 00:25:13.000
<v Hendrik Ballhausen>aber in Summe hat man mehr davon.

00:25:13.001 --> 00:25:15.100
<v Hendrik Ballhausen>Dann gibt es noch ein anderes Problem, das ist eigentlich viel größer,

00:25:15.101 --> 00:25:18.400
<v Hendrik Ballhausen>das ist die vertikale Partitionierung, das ist, wenn der eine die einen Daten hat

00:25:18.401 --> 00:25:21.700
<v Hendrik Ballhausen>und der andere hat die anderen Daten, also über die gleichen Leute.

00:25:21.701 --> 00:25:28.600
<v Hendrik Ballhausen>Beispielsweise der eine weiß, sind das Frauen oder Männer und der andere weiß, sind das Raucher oder Nichtraucher.

00:25:28.601 --> 00:25:30.800
<v Hendrik Ballhausen>Nichtraucherinnen und Raucherinnen.

00:25:30.801 --> 00:25:34.000
<v Hendrik Ballhausen>Und das wird dann schon sehr viel schwieriger, weil man kann sich überlegen,

00:25:34.001 --> 00:25:37.400
<v Hendrik Ballhausen>da kann man eben nicht mehr erst summieren und dann austauschen,

00:25:37.401 --> 00:25:41.100
<v Hendrik Ballhausen>sondern da muss man eigentlich über den einzelnen Patienten, die einzelne Patientin wissen,

00:25:41.101 --> 00:25:46.600
<v Hendrik Ballhausen>ist das eine Frau, ist das ein Mann, ist das ein Raucher, eine Nichtraucherin.

00:25:46.601 --> 00:25:52.100
<v Hendrik Ballhausen>Und dafür gibt es Verfahren, auch mathematische Verfahren, kryptografische Verfahren,

00:25:52.101 --> 00:25:58.700
<v Hendrik Ballhausen>aber es ist halt immer sehr sehr viel schwieriger, als die Daten in einen großen Topf zu werfen.

00:25:58.701 --> 00:26:04.900
<v Hendrik Ballhausen>Und deswegen kann man auch verstehen, dass der allererste Reflex, der allererste Impuls,

00:26:04.901 --> 00:26:11.000
<v Hendrik Ballhausen>was die Leute auch können, ist, große Datentöpfe, große Datalags, große Datensilos zu schaffen

00:26:11.001 --> 00:26:16.100
<v Hendrik Ballhausen>und die Juristen dann zu beschäftigen, dass die einen entsprechenden Rahmenvertrag dann darum bauen.

00:26:16.101 --> 00:26:20.400
<v Hendrik Ballhausen>Und so funktioniert es da zurzeit und man muss sagen, ja auch gar nicht unerfolgreich.

00:26:20.401 --> 00:26:24.700
<v Hendrik Ballhausen>Also es gibt ja in Deutschland die große Medizininformatikinitiative,

00:26:24.701 --> 00:26:27.000
<v Hendrik Ballhausen>die sich genau mit dem Thema beschäftigt, wie können wir Daten austauschen,

00:26:27.001 --> 00:26:32.300
<v Hendrik Ballhausen>wie können wir Daten auch harmonisieren, wie schaffen wir es, das ist ja die eigentliche digitale Transformation,

00:26:32.301 --> 00:26:36.400
<v Hendrik Ballhausen>wie schaffen wir es, dass an den Standorten nicht nur Daten zur Verfügung stehen,

00:26:36.401 --> 00:26:38.700
<v Hendrik Ballhausen>sondern eben auch strukturierte Daten.

00:26:38.701 --> 00:26:42.400
<v Tim Pritlove>Was macht diese Medizininformatikinitiative so konkret?

00:26:42.401 --> 00:26:49.700
<v Hendrik Ballhausen>Die haben sich verschiedene Usecases gesucht, Neurologe etc. pp.,

00:26:49.701 --> 00:26:53.100
<v Hendrik Ballhausen>wo sie sagen, wir schauen uns jetzt bestimmte Krankheitsbilder in dem ersten Schritt an

00:26:53.101 --> 00:26:58.900
<v Hendrik Ballhausen>und versuchen, für diese Krankheitsbilder jetzt entsprechende Strukturen aufzubauen,

00:26:58.901 --> 00:27:01.700
<v Hendrik Ballhausen>dass die Leute da Daten austauschen können.

00:27:01.701 --> 00:27:07.100
<v Hendrik Ballhausen>Ganz konkret sieht das so aus, dass an jedem Standort ein Datenintegrationszentrum geschaffen wird

00:27:07.101 --> 00:27:11.700
<v Hendrik Ballhausen>und diese Datenintegrationszentren dann gemeinsame Standards verwenden,

00:27:11.701 --> 00:27:15.100
<v Hendrik Ballhausen>um Daten eben gemeinsam verarbeiten zu können.

00:27:15.101 --> 00:27:22.800
<v Hendrik Ballhausen>Das ist immer noch der Ansatz, dass Daten ausgetauscht werden und genau was du eingangs gesagt hast,

00:27:22.801 --> 00:27:27.800
<v Hendrik Ballhausen>da ist eben nach wie vor die Befürchtung, Daten, die ich einmal herausgegeben habe,

00:27:27.801 --> 00:27:30.400
<v Hendrik Ballhausen>die bekomme ich halt nicht zurück.

00:27:30.401 --> 00:27:36.200
<v Hendrik Ballhausen>Ich weiß nicht, was mit denen gemacht wird, vielleicht gibt es in dem Konsortium einen starken Partner

00:27:36.201 --> 00:27:45.400
<v Hendrik Ballhausen>und viele kleine Partner, dann ist auch immer die Frage, ist es ein gleichberechtigtes Zusammenarbeiten

00:27:45.401 --> 00:27:49.400
<v Hendrik Ballhausen>oder ist da eine Asymmetrie drin?

00:27:49.401 --> 00:27:54.500
<v Hendrik Ballhausen>Das sind so Fragen, die sich stellen, die aber in der Praxis eigentlich auch ganz gut funktionieren.

00:27:54.501 --> 00:27:57.500
<v Tim Pritlove>Ja, aber wie überkommen die denn das Datenschutzproblem an der Stelle?

00:27:57.501 --> 00:27:59.400
<v Hendrik Ballhausen>Über juristische Lösungen.

00:27:59.401 --> 00:28:03.300
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, da werden dann tatsächlich Rahmenverträge geschlossen

00:28:03.301 --> 00:28:09.000
<v Hendrik Ballhausen>und da müssen die Patienten dann eben entsprechend der Verarbeitung der Daten zustimmen.

00:28:09.001 --> 00:28:12.300
<v Hendrik Ballhausen>Das Wunschziel ist immer der sogenannte Broad Consent(?), das heißt,

00:28:12.301 --> 00:28:17.300
<v Hendrik Ballhausen>dass der Patient, die Patientin nicht nur zustimmt, dass ihre Daten jetzt für einen bestimmten Zweck verwendet werden,

00:28:17.301 --> 00:28:22.900
<v Hendrik Ballhausen>sondern auch beispielsweise in Form einer Datenspende sagen, ich bin einverstanden,

00:28:22.901 --> 00:28:27.500
<v Hendrik Ballhausen>dass meine Daten auch für zukünftige andere Forschungsfragen, die euch vielleicht in ein, zwei, fünf Jahren einfallen,

00:28:27.501 --> 00:28:29.400
<v Hendrik Ballhausen>auch verwendet werden dürfen.

00:28:29.401 --> 00:28:35.900
<v Tim Pritlove>Ähnliches hatten wir ja auch in der Corona-Krise, das RKI hat ja auch diese Datenspende-App rausgebracht,

00:28:35.901 --> 00:28:39.500
<v Tim Pritlove>noch bevor das mit der Corona-Warn-App richtig losging.

00:28:39.501 --> 00:28:42.500
<v Tim Pritlove>Ich weiß gar nicht, wie erfolgreich das eigentlich war, wissen wir nicht.

00:28:42.501 --> 00:28:47.500
<v Tim Pritlove>Aber du meinst, das skaliert nicht, das stößt an seine Grenzen oder?

00:28:47.501 --> 00:28:50.000
<v Hendrik Ballhausen>Das skaliert sehr gut.

00:28:50.001 --> 00:28:53.400
<v Hendrik Ballhausen>Also wenn man die Daten in einen Topf werfen kann, dann ist das immer das einfachste

00:28:53.401 --> 00:28:55.900
<v Hendrik Ballhausen>und das, was am allerbesten skaliert.

00:28:55.901 --> 00:28:59.200
<v Hendrik Ballhausen>Auch vor allen Dinge, was natürlich, wenn man jetzt wieder die Informatik betrachtet,

00:28:59.201 --> 00:29:03.400
<v Hendrik Ballhausen>die Algorithmen funktionieren am allerbesten, wenn die auf Daten lokal,

00:29:03.401 --> 00:29:06.400
<v Hendrik Ballhausen>also auf einem großen Datensilo, das an einem Ort ist, läuft.

00:29:06.401 --> 00:29:09.800
<v Tim Pritlove>Okay, das ist die Skalierung aus der technischen Perspektive, aber ich meinte eher,

00:29:09.801 --> 00:29:15.400
<v Tim Pritlove>skaliert es sozusagen insofern, als dass man sehr viel mehr solche Ansätze machen kann?

00:29:15.401 --> 00:29:20.900
<v Tim Pritlove>Also lässt sich das im Prinzip auf den gesamten medizinischen Bereich erweitern?

00:29:20.901 --> 00:29:22.700
<v Tim Pritlove>Dann würde ich ja sagen, sind wir schon fast fertig hier mit dem Podcast.

00:29:22.701 --> 00:29:25.400
<v Tim Pritlove>Dann lösen wir das einfach juristisch und das war es.

00:29:25.401 --> 00:29:31.500
<v Hendrik Ballhausen>/lacht/ Naja, manche Länder, UK, Dänemark, glaube ich, die gehen ja durchaus diese Richtung,

00:29:31.501 --> 00:29:40.200
<v Hendrik Ballhausen>dass die wirklich große nationale Datenbanken haben, die haben natürlich wieder andere Nachteile.

00:29:40.201 --> 00:29:45.800
<v Hendrik Ballhausen>Es gibt, je größer die Datenbank ist, desto größer ist natürlich auch die Zielscheibe, die man drauf malt,

00:29:45.801 --> 00:29:51.900
<v Hendrik Ballhausen>für beispielsweise irgendwelche Hackerangriffe, das ist natürlich immer alles im Vorwege total abgesichert,

00:29:51.901 --> 00:29:55.600
<v Hendrik Ballhausen>aber wie man auch an der Gesundheitskarte und anderen Systemen sieht,

00:29:55.601 --> 00:30:01.600
<v Hendrik Ballhausen>je größer so ein System wird, desto mehr Akteure gibt es, die in irgendeiner Form involviert sind,

00:30:01.601 --> 00:30:06.000
<v Hendrik Ballhausen>desto mehr Schnittstellen gibt es und desto größer wird letztlich auch die Angriffsfläche.

00:30:06.001 --> 00:30:15.400
<v Hendrik Ballhausen>Und insofern würde ich sagen, jain, vielleicht skaliert das in der Medizin sogar,

00:30:15.401 --> 00:30:23.100
<v Hendrik Ballhausen>die Frage ist, gibt es andere Ansätze, die vielleicht in den moderneren demokratischeren auch Prozess hinweisen.

00:30:23.101 --> 00:30:25.600
<v Hendrik Ballhausen>Du hast die Apps erwähnt, ja das wäre vielleicht auch noch mal meine Antwort auf,

00:30:25.601 --> 00:30:28.800
<v Hendrik Ballhausen>wem gehören die Patienten?

00:30:28.801 --> 00:30:33.800
<v Hendrik Ballhausen>Heutzutage, wenn die Daten am Universitätsklinikum entstehen und wir wollen ja zum Beispiel auch zunehmend an die Daten,

00:30:33.801 --> 00:30:38.800
<v Hendrik Ballhausen>die beispielsweise bei den Niedergelassenen entstehen, das ist ja auch ein riesiger Datenschatz,

00:30:38.801 --> 00:30:41.700
<v Hendrik Ballhausen>der noch in keiner Weise irgendwie gehoben ist.

00:30:41.701 --> 00:30:48.300
<v Hendrik Ballhausen>Und weil mal ehrlich gesagt, die Universitätskliniker sehen ja oft auch die Sonderfälle.

00:30:48.301 --> 00:30:55.900
<v Hendrik Ballhausen>Aber der Niedergelassene der sieht eigentlich das, was die Bevölkerung wirklich auch viel betrifft.

00:30:55.901 --> 00:31:00.700
<v Hendrik Ballhausen>Und du hast die Apps erwähnt, ja, und in Zukunft tragen die Leute halt die Apps bei sich

00:31:00.701 --> 00:31:06.100
<v Hendrik Ballhausen>und dann werden wir als Universitätsmedizin eines Tages wirklich die Leute bitten müssen,

00:31:06.101 --> 00:31:09.200
<v Hendrik Ballhausen>darf ich die Daten aus deiner App haben?

00:31:09.201 --> 00:31:13.600
<v Hendrik Ballhausen>Es ist noch nicht mal so, dass wir fragen müssen, dürfen wir die Daten, die wir von dir haben, verwenden,

00:31:13.601 --> 00:31:17.200
<v Hendrik Ballhausen>sondern, wirst du uns wirklich deine Daten geben?

00:31:17.201 --> 00:31:20.700
<v Hendrik Ballhausen>Und da kann man sich natürlich überlegen, wenn man ohnehin diesen Schritt vor sich hat,

00:31:20.701 --> 00:31:25.600
<v Hendrik Ballhausen>dass man auf dezentrale Daten zugreifen muss, können wir dann vielleicht heute schon lernen,

00:31:25.601 --> 00:31:31.100
<v Hendrik Ballhausen>auch auf dezentralen Daten zu rechnen, dass wir die gar nicht mehr austauschen müssen?

00:31:31.101 --> 00:31:37.800
<v Tim Pritlove>Gibt ja auch entsprechende Initiativen von den Smartphone-Herstellern,

00:31:37.801 --> 00:31:42.600
<v Tim Pritlove>vor allem Apple ist ja in diesem Gesundheitsbereich ganz weit vorne.

00:31:42.601 --> 00:31:47.000
<v Tim Pritlove>Auch so mit der Apple Watch, hatten wir auch schon in diesem vorhin erwähnten Podcast drüber gesprochen,

00:31:47.001 --> 00:31:51.500
<v Tim Pritlove>dass da ja massig sehr vergleichbare Daten gesammelt werden quasi,

00:31:51.501 --> 00:31:57.400
<v Tim Pritlove>das Telefon selber überwacht ja im wahrsten Sinne des Wortes den Körper.

00:31:57.401 --> 00:32:06.100
<v Tim Pritlove>Es gibt immer mehr Sensoriken, von Blutdruck etc., alles mögliche.

00:32:06.101 --> 00:32:08.800
<v Tim Pritlove>Es gibt ja auch noch andere Messgeräte, die mittlerweile mit den Telefonen gekoppelt werden,

00:32:08.801 --> 00:32:11.100
<v Tim Pritlove>bei Leuten, die da einen speziellen Bedarf haben.

00:32:11.101 --> 00:32:15.400
<v Tim Pritlove>Das ist natürlich auch ein riesiger Datenschatz, der eigentlich nur darauf wartet,

00:32:15.401 --> 00:32:19.000
<v Tim Pritlove>in irgendeiner Form ausgewertet zu werden.

00:32:19.001 --> 00:32:25.300
<v Tim Pritlove>Bisher läuft das ja dann eben nur über solche meist dann universitären Studien,

00:32:25.301 --> 00:32:29.700
<v Tim Pritlove>wo Leute dann quasi über Apps sagen können, okay ich will jetzt an dieser Studie teilnehmen

00:32:29.701 --> 00:32:37.200
<v Tim Pritlove>und spende da quasi meine Daten mit rein, die ja dann auch mehr oder weniger automatisiert eingesammelt werden können.

00:32:37.201 --> 00:32:43.600
<v Hendrik Ballhausen>Ja, aber Apple, ist zumindest jetzt mein Verständnis, ist ja ein Paradebeispiel dafür,

00:32:43.601 --> 00:32:48.400
<v Hendrik Ballhausen>dass eben genau so ein proprietärer Datenraum geschaffen wird.

00:32:48.401 --> 00:32:55.000
<v Hendrik Ballhausen>Apple zentralisiert ja eigentlich alle Daten, die auf irgendeinem, egal ob es die Smartwatch ist

00:32:55.001 --> 00:33:00.700
<v Hendrik Ballhausen>oder das iPhone oder der PowerMac oder was auch immer das ist,

00:33:00.701 --> 00:33:08.400
<v Hendrik Ballhausen>Apple ist ja eigentlich dafür bekannt, dass es den Benutzern eine sehr komfortable einheitliche Sicht auf ihre Daten bietet,

00:33:08.401 --> 00:33:11.200
<v Hendrik Ballhausen>was aber eben bedeutet, dass diese Daten eben alle zentral liegen.

00:33:11.201 --> 00:33:13.400
<v Hendrik Ballhausen>Und auch die allermeisten Geschäftsmodelle…

00:33:13.401 --> 00:33:15.000
<v Tim Pritlove>Also zentral auf den Geräten liegen.

00:33:15.001 --> 00:33:16.500
<v Hendrik Ballhausen>Zentral bei Apple liegen.

00:33:16.501 --> 00:33:20.100
<v Tim Pritlove>Gesundheitsdaten nicht, nein.

00:33:20.101 --> 00:33:21.200
<v Hendrik Ballhausen>Okay, gut, das weiß ich jetzt nicht.

00:33:21.201 --> 00:33:21.800
<v Tim Pritlove>Nein, nein.

00:33:21.801 --> 00:33:26.400
<v Tim Pritlove>Das ist halt das Modell, also die Daten verlassen eigentlich das Telefon nicht

00:33:26.401 --> 00:33:34.900
<v Tim Pritlove>und man kann dann halt mit dem Apps an Studien teilnehmen und dann dafür sozusagen explizit die Datenspende quasi freigeben,

00:33:34.901 --> 00:33:39.000
<v Tim Pritlove>aber ansonsten verlassen die halt das Telefon nicht.

00:33:39.001 --> 00:33:44.700
<v Tim Pritlove>Es ist nur so, dass die Daten quasi auf den Geräten zentral gesammelt werden,

00:33:44.701 --> 00:33:48.000
<v Tim Pritlove>also Apps, die irgendwas zu sammeln haben oder etwas anfragen möchten,

00:33:48.001 --> 00:33:53.300
<v Tim Pritlove>wenden sich quasi über einen definierten Zugang an das Gerät und sagen,

00:33:53.301 --> 00:33:58.900
<v Tim Pritlove>ich würde gern das auslesen dürfen bzw. ich würde gerne diese Information schreiben dürfen,

00:33:58.901 --> 00:34:04.700
<v Tim Pritlove>weil ich die über irgendein, was weiß ich, Bluetooth gekoppeltes Sensorgerät, einsammle

00:34:04.701 --> 00:34:11.600
<v Tim Pritlove>und dann liegen die da halt erst mal rum, aber warten ja im Prinzip darauf, auch mal sinnvoll ausgewertet zu werden.

00:34:11.601 --> 00:34:17.100
<v Hendrik Ballhausen>Okay. Wenn du deine Smartwatch verlieren würdest und du würdest dir eine neue kaufen,

00:34:17.101 --> 00:34:22.100
<v Hendrik Ballhausen>dann wären da keine Daten mehr drauf.

00:34:22.101 --> 00:34:25.000
<v Tim Pritlove>Die Daten sind in meinem eigenen Backup natürlich erhalten.

00:34:25.001 --> 00:34:28.400
<v Hendrik Ballhausen>Das meine ich, die Daten liegen bei Apple.

00:34:28.401 --> 00:34:31.900
<v Tim Pritlove>Ach so, in dem Moment, wo man sein Backup bei Apple macht, liegen die Daten dort.

00:34:31.901 --> 00:34:32.500
<v Hendrik Ballhausen>Ja.

00:34:32.501 --> 00:34:34.400
<v Tim Pritlove>Das ist richtig.

00:34:34.401 --> 00:34:38.400
<v Tim Pritlove>Aber es gibt nicht in dem eigentlichen Sinne eine zentrale Gesundheitsdatenbank,

00:34:38.401 --> 00:34:41.400
<v Tim Pritlove>in der man sagen kann, gib mir mal die Daten von.

00:34:41.401 --> 00:34:47.300
<v Hendrik Ballhausen>Das Geschäftsmodell der allermeisten Apps ist ja genau das,

00:34:47.301 --> 00:34:54.600
<v Hendrik Ballhausen>die App ist oft kostenlos, ja, und das Unternehmen selber verdient dann daran,

00:34:54.601 --> 00:35:01.500
<v Hendrik Ballhausen>dass die Daten als solche weitergegeben, verkauft, genutzt werden.

00:35:01.501 --> 00:35:06.500
<v Hendrik Ballhausen>Ist ja heutzutage auch deswegen besonders spannend, weil gerade im Bereich des maschinellen Lernens

00:35:06.501 --> 00:35:11.600
<v Hendrik Ballhausen>man natürlich sehr viel Daten auch über Benutzerinnen und Benutzer verknüpfen möchte

00:35:11.601 --> 00:35:15.500
<v Hendrik Ballhausen>und vor allen Dingen überhaupt eigentlich auch vernünftig erst Modelle trainieren kann,

00:35:15.501 --> 00:35:19.300
<v Hendrik Ballhausen>wenn man Millionen von Nutzern hat.

00:35:19.301 --> 00:35:21.800
<v Hendrik Ballhausen>Und das beobachten wir in ganz vielen Bereichen.

00:35:21.801 --> 00:35:27.500
<v Hendrik Ballhausen>Dass jetzt die klinische Studie am Ende auf einer Smartwatch ausgeführt wird,

00:35:27.501 --> 00:35:33.700
<v Hendrik Ballhausen>das ist eigentlich, möchte ich mal behaupten, noch der absolute Ausnahmefall,

00:35:33.701 --> 00:35:40.800
<v Hendrik Ballhausen>das gibt natürlich jetzt erste Ärztinnen und Ärzte, die das spannend finden

00:35:40.801 --> 00:35:47.100
<v Hendrik Ballhausen>oder auch beispielsweise im Bereich der Sportmedizin da Bewegungsbilder auswerten.

00:35:47.101 --> 00:35:55.800
<v Hendrik Ballhausen>Die typische klinische Studie, sagt ja auch der Name, klinisch, findet in der Klinik, am Klinikum statt,

00:35:55.801 --> 00:36:00.200
<v Hendrik Ballhausen>ist meistens doch so, dass sie unter sehr kontrollierten Bedingungen stattfindet,

00:36:00.201 --> 00:36:05.200
<v Hendrik Ballhausen>aber natürlich zunehmend interessieren wir uns auch dafür, Leuten Wearables mit nach Hause zu geben,

00:36:05.201 --> 00:36:13.300
<v Hendrik Ballhausen>um die dann beispielsweise nachzuverfolgen oder eben, das kann dann auch einfach Arbeitserleichterung sein,

00:36:13.301 --> 00:36:17.500
<v Hendrik Ballhausen>dass die Daten nicht ständig jetzt von Study Nurses erhoben werden müssen,

00:36:17.501 --> 00:36:21.400
<v Hendrik Ballhausen>sondern dass die mehr oder weniger automatisiert abgerufen werden können.

00:36:21.401 --> 00:36:24.300
<v Tim Pritlove>Blutdruck verfolgen etc.

00:36:24.301 --> 00:36:25.300
<v Hendrik Ballhausen>Zum Beispiel, ja genau.

00:36:25.301 --> 00:36:29.800
<v Tim Pritlove>Genau. So und jetzt muss man sich natürlich darüber Gedanken machen,

00:36:29.801 --> 00:36:34.000
<v Tim Pritlove>wie kann man diese Ziele erreichen, die du vorhin genannt hast.

00:36:34.001 --> 00:36:39.000
<v Tim Pritlove>Also wie kann man denn nun Daten zusammenführen, von denen eben nicht von vornherein gesagt wurde,

00:36:39.001 --> 00:36:44.400
<v Tim Pritlove>ja die könnt ihr für alles mögliche verwenden, mir doch egal, macht doch was ihr wollt.

00:36:44.401 --> 00:36:46.500
<v Tim Pritlove>Weil das ist ja nicht die Regel, sondern die Regel ist ja immer erst mal,

00:36:46.501 --> 00:36:52.200
<v Tim Pritlove>da, wo keine explizite Einwilligung vorliegt, ist es halt alles erst mal wieder im Bunker.

00:36:52.201 --> 00:36:58.900
<v Tim Pritlove>Und wenn ich das richtig verstehe, habt ihr jetzt ein Projekt gestartet mit dem schönen Namen,

00:36:58.901 --> 00:37:06.600
<v Tim Pritlove>Federated Secure Computing, das halt informatische Methoden aufruft und sagt,

00:37:06.601 --> 00:37:16.000
<v Tim Pritlove>hör mal, alles gar kein Problem, wir können diese Daten, ohne sie wirklich irgendjemandem zu öffnen,

00:37:16.001 --> 00:37:25.400
<v Tim Pritlove>auch beliebigen Verarbeitungsschritten zuführen, ohne dass irgendjemandem was verraten wird.

00:37:25.401 --> 00:37:29.000
<v Tim Pritlove>Ist das so erst mal von der Prämisse her richtig dargestellt?

00:37:29.001 --> 00:37:32.800
<v Hendrik Ballhausen>Ja, gar kein Problem wäre schön, dann bräuchte es unser Projekt nicht,

00:37:32.801 --> 00:37:35.800
<v Hendrik Ballhausen>aber im Prinzip ist es genau das.

00:37:35.801 --> 00:37:40.900
<v Hendrik Ballhausen>Also wir wollen diesen alten Konflikt auflösen zwischen Kollaboration auf der einen Seite,

00:37:40.901 --> 00:37:44.500
<v Hendrik Ballhausen>Daten gemeinsam zu nutzen und Datenschutz auf der anderen Seite.

00:37:44.501 --> 00:37:48.100
<v Hendrik Ballhausen>Wir wollen eben erreichen, dass die Leute auf verteilten Daten so rechnen können,

00:37:48.101 --> 00:37:52.300
<v Hendrik Ballhausen>als wären sie an einem Ort zusammen.

00:37:52.301 --> 00:37:55.200
<v Hendrik Ballhausen>Dass beispielsweise auch so Dinge möglich werden wie Dynamic Consent.

00:37:55.201 --> 00:37:59.500
<v Hendrik Ballhausen>Dass ich also auch im Nachhinein noch bestimmen kann, was mit meinen Daten geschieht,

00:37:59.501 --> 00:38:02.400
<v Hendrik Ballhausen>eben weil ich sie nicht einmal herausgegeben habe,

00:38:02.401 --> 00:38:06.400
<v Hendrik Ballhausen>sondern indem ich eigentlich bei jeder neuen Berechnung aktiv werden muss.

00:38:06.401 --> 00:38:12.000
<v Hendrik Ballhausen>Und das ist vielleicht auch noch mal so ein Punkt, wer ist eigentlich aktiv und wer ist passiv in dem System?

00:38:12.001 --> 00:38:19.300
<v Hendrik Ballhausen>Und es würde zu wesentlich demokratischeren Datenströmen und Datenstrukturen führen,

00:38:19.301 --> 00:38:25.200
<v Hendrik Ballhausen>wenn eben die Konsumentinnen und Konsumenten, wenn die Patientinnen und Patienten wirklich auch zu Akteuren würden.

00:38:25.201 --> 00:38:28.900
<v Hendrik Ballhausen>Da gibt es ja schöne Ansätze, beispielsweise Citizen Science.

00:38:28.901 --> 00:38:33.300
<v Hendrik Ballhausen>Das eine Beispiel ist die Datenspende, aber es gibt noch andere Beispiele für Citizen Science,

00:38:33.301 --> 00:38:38.300
<v Hendrik Ballhausen>wo Leute eben beispielsweise die Rechenleistung ihres Computers zur Verfügung stellen.

00:38:38.301 --> 00:38:39.600
<v Hendrik Ballhausen>Und das passiert eben jedesmal wieder neu.

00:38:39.601 --> 00:38:43.200
<v Hendrik Ballhausen>Die Leute werden jedesmal wieder aktiv und überlegen sich ja auch,

00:38:43.201 --> 00:38:47.500
<v Hendrik Ballhausen>wo möchte ich mich engagieren, für was, wo sehe ich jetzt meine Daten gut verwendet?

00:38:47.501 --> 00:38:52.000
<v Hendrik Ballhausen>Wo sehe ich auch mein eigenes Interesse, da mitmachen zu wollen?

00:38:52.001 --> 00:38:58.200
<v Tim Pritlove>Also Citizen Science im Sinne von, ich würde es mal jetzt ein bisschen mit der Astronomie vergleichen,

00:38:58.201 --> 00:39:05.100
<v Tim Pritlove>man hat diese ganzen Sternenkataloge, es gibt einfach von vielen Projekten, auch neueren Missionen,

00:39:05.101 --> 00:39:09.800
<v Tim Pritlove>die ja auch umgeschwenkt haben zu diesem vollständig geschlossenen,

00:39:09.801 --> 00:39:17.100
<v Tim Pritlove>das ist nur für unsere Hohepriester und Superwissenschaftler, dass die Daten halt quasi mehr oder weniger der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen,

00:39:17.101 --> 00:39:21.100
<v Tim Pritlove>weil es ohnehin so viele Daten sind, dass niemand auf alles drauf schauen kann

00:39:21.101 --> 00:39:27.200
<v Tim Pritlove>und man es im Prinzip beliebigen Leuten ermöglicht, da einfach ganz eigene Analysen vorzunehmen

00:39:27.201 --> 00:39:32.400
<v Tim Pritlove>und so verstehe ich das jetzt auch, ist es so ein bisschen diese Vision, was wäre wenn,

00:39:32.401 --> 00:39:40.300
<v Tim Pritlove>wenn all diese Daten qualifiziert herumliegen, aber naja, wie wird dann der Datenschutz dabei nicht

00:39:40.301 --> 00:39:44.500
<v Tim Pritlove>und die Privatsphäre dabei nicht verletzt?

00:39:44.501 --> 00:39:46.900
<v Hendrik Ballhausen>Und da gibt es eben eigentlich Verfahren, die auch…

00:39:46.901 --> 00:39:53.500
<v Hendrik Ballhausen>also ich bin froh, dass dieser Podcast Forschergeist heißt und nicht Erfindergeist.

00:39:53.501 --> 00:39:57.900
<v Hendrik Ballhausen>Wir sind wirklich nicht Erfinder von diesen Verfahren, diese Verfahren gibt es eigentlich schon richtig lange.

00:39:57.901 --> 00:40:03.700
<v Hendrik Ballhausen>Die gibt es so seit den 70er/80er Jahren und es ist ganz spannend, sich zu überlegen,

00:40:03.701 --> 00:40:09.200
<v Hendrik Ballhausen>warum die eigentlich auch nicht so wirklich bisher gezündet haben.

00:40:09.201 --> 00:40:12.200
<v Hendrik Ballhausen>Und das ist eigentlich so der Ansatz unseres Projektes, zu sagen,

00:40:12.201 --> 00:40:19.500
<v Hendrik Ballhausen>wir wollen diesen Verfahren auch mal helfen, auch in dem schwierigen Feld der Medizin Fuß zu fassen,

00:40:19.501 --> 00:40:24.400
<v Hendrik Ballhausen>und dort erste Showcases zu bauen, dass die wirklich auch gut funktionieren können.

00:40:24.401 --> 00:40:31.700
<v Tim Pritlove>Es gibt ja auch gerade bei den schon angesprochenen Smartphones gibt es ja im Prinzip schon ähnliche Beispiele,

00:40:31.701 --> 00:40:35.600
<v Tim Pritlove>die jetzt erst mal mit Medizin aber nichts zu tun haben.

00:40:35.601 --> 00:40:42.400
<v Tim Pritlove>Verkehrsvorhersagen, man wundert sich immer, woher wissen die, dass da jetzt ein Stau ist in meiner Straße,

00:40:42.401 --> 00:40:48.700
<v Tim Pritlove>ja, das wissen die, weil sie halt quasi alle Telefone die ganze Zeit überwachen,

00:40:48.701 --> 00:40:53.300
<v Tim Pritlove>wie schnell sie sich denn jetzt bewegen und daran halt klare Patterns ableiten können,

00:40:53.301 --> 00:40:59.400
<v Tim Pritlove>ah du bist hier irgendwie zu Fuß unterwegs, wahrscheinlich eher Fahrrad oder du stehst halt hier gerade mit deinem Auto im Stau,

00:40:59.401 --> 00:41:04.000
<v Tim Pritlove>weil mal bewegst du dich mit 60km/h und dann stehst du halt wieder zwei Minuten rum.

00:41:04.001 --> 00:41:10.300
<v Tim Pritlove>Und dann denkt man sich so, oh ja ist ja aber eigentlich genau auch super, Privatsphäre, du weißt wo ich bin etc..

00:41:10.301 --> 00:41:15.900
<v Tim Pritlove>Und auch dort gab es ja schon verschiedene Verschleierungsansätze, ich glaube,

00:41:15.901 --> 00:41:18.700
<v Tim Pritlove>so ein Modell, was sich differential privacy nennt, steht da ganz weit vorne.

00:41:18.701 --> 00:41:20.000
<v Hendrik Ballhausen>Richtig.

00:41:20.001 --> 00:41:28.200
<v Tim Pritlove>Dass man im Prinzip sagt, naja okay, alle schicken das jetzt irgendwie einerseits halt anonymisiert so,

00:41:28.201 --> 00:41:34.900
<v Tim Pritlove>andererseits aber auch so, dass ein vorhersagbarer Teil der Daten quasi falsch ist,

00:41:34.901 --> 00:41:37.500
<v Tim Pritlove>also man weiß, zehn Prozent der Antworten stimmen einfach nicht

00:41:37.501 --> 00:41:42.600
<v Tim Pritlove>und das kann man dann im Nachhinein wieder rausrechnen und kommt dann trotzdem auf das richtige Ergebnis.

00:41:42.601 --> 00:41:46.700
<v Hendrik Ballhausen>Ja, absolut richtig, du hast da jetzt genau eines dieser Verfahren genannt

00:41:46.701 --> 00:41:55.200
<v Hendrik Ballhausen>oder sozusagen eine Klasse von Verfahren, differential privacy, auch in der Medizin viel verwendet.

00:41:55.201 --> 00:41:59.800
<v Hendrik Ballhausen>Du hast es richtig gesagt, man verrauscht die Daten bzw. man erlaubt,

00:41:59.801 --> 00:42:03.800
<v Hendrik Ballhausen>wenn man jetzt eine entsprechende Datenbank gebaut hat,

00:42:03.801 --> 00:42:07.100
<v Hendrik Ballhausen>dann erlaubt man den Wissenschaftlern eben nur bestimmte Abfragen

00:42:07.101 --> 00:42:10.900
<v Hendrik Ballhausen>und nicht beliebige Abfragen, ist aber auch wieder übrigens ein ganz interessantes

00:42:10.901 --> 00:42:17.300
<v Hendrik Ballhausen>informationstheoretisches Entscheidungsproblem, welche Anfragen man zulassen darf.

00:42:17.301 --> 00:42:18.600
<v Hendrik Ballhausen>Und ist gar nicht so leicht entscheidbar.

00:42:18.601 --> 00:42:26.000
<v Tim Pritlove>Ja und vor allem bei den Beispielen, die du vorhin genannt hast, mit der vertikalen Partitionierung.

00:42:26.001 --> 00:42:28.200
<v Hendrik Ballhausen>Da funktioniert das nicht.

00:42:28.201 --> 00:42:33.100
<v Tim Pritlove>Genau, weil dann will man ja genau, da muss man ja exakt genau zuordnen

00:42:33.101 --> 00:42:41.100
<v Tim Pritlove>und da darf man in dem Sinne ja auch keine falschen Daten haben, weil dann ist im Prinzip der ganze Witz schon wieder vorbei.

00:42:41.101 --> 00:42:46.400
<v Tim Pritlove>Von daher taugt das eben für bestimmte Dinge vielleicht unter Umständen, aber auf gar keinen Fall für alle.

00:42:46.401 --> 00:42:51.100
<v Hendrik Ballhausen>Ja, also es gibt auch da in der deutschen Medizininformatik initiative Leute,

00:42:51.101 --> 00:42:57.700
<v Hendrik Ballhausen>nicht uns, die haben ganz Interessante Ansätze, wo sie eben auch verrauschte Identifier zuordnen können,

00:42:57.701 --> 00:43:00.000
<v Hendrik Ballhausen>also auch wenn jetzt Namen ähnlich sind und auch da kann man einiges verschleiern

00:43:00.001 --> 00:43:02.800
<v Hendrik Ballhausen>und trotzdem noch was lernen.

00:43:02.801 --> 00:43:07.700
<v Hendrik Ballhausen>Aber das ist in der Tat natürlich schwierig und die spannende Frage ist natürlich auch,

00:43:07.701 --> 00:43:10.600
<v Hendrik Ballhausen>was ist dann sozusagen die Sekundärnutzung dieser Daten.

00:43:10.601 --> 00:43:14.300
<v Hendrik Ballhausen>Solange das Ganze für die Stauvorhersage verwendet wird, ist es ja fein.

00:43:14.301 --> 00:43:16.800
<v Hendrik Ballhausen>Sobald ich dann, wenn ich das nächste Mal eine Autoversicherung abschließen möchte,

00:43:16.801 --> 00:43:23.200
<v Hendrik Ballhausen>plötzlich gesagt bekomme, Ihr Tarif ist doppelt so hoch, weil Sie an der Kreuzung immer abbiegen,

00:43:23.201 --> 00:43:27.100
<v Hendrik Ballhausen>ohne auf sozusagen die Ampel zu warten.

00:43:27.101 --> 00:43:33.000
<v Hendrik Ballhausen>Obwohl das ist vielleicht sogar noch ein Beispiel, das gesellschaftlichen Nutzen bringen würde.

00:43:33.001 --> 00:43:39.200
<v Tim Pritlove>Ist alles so bisschen Dual Use.

00:43:39.201 --> 00:43:43.000
<v Tim Pritlove>Aber was sind denn jetzt, also wenn ich das jetzt richtig verstehe, ist ja euer Ansatz eher der,

00:43:43.001 --> 00:43:50.700
<v Tim Pritlove>wir möchten gerne, dass man mit den richtigen Daten arbeitet, aber die darf keiner sehen.

00:43:50.701 --> 00:43:52.600
<v Hendrik Ballhausen>Richtig, ja.

00:43:52.601 --> 00:43:55.800
<v Hendrik Ballhausen>Also ein anderes Verfahren, was da oft als der Goldstandard auch bezeichnet wird,

00:43:55.801 --> 00:43:57.900
<v Hendrik Ballhausen>das ist Secure Multiparty Computation.

00:43:57.901 --> 00:44:02.500
<v Hendrik Ballhausen>Also sicheres Rechnen von verschiedenen Parteien.

00:44:02.501 --> 00:44:08.600
<v Hendrik Ballhausen>Und wir haben in 2019 einen Pilotversuch gemacht,

00:44:08.601 --> 00:44:13.000
<v Hendrik Ballhausen>wo wir Patientendaten der LMU und der Charité in Berlin, also auch über Landesgrenzen hinweg,

00:44:13.001 --> 00:44:17.700
<v Hendrik Ballhausen>das waren Glioblastomdaten(?), also Daten von Krebspatientinnen und Krebspatienten,

00:44:17.701 --> 00:44:21.000
<v Hendrik Ballhausen>miteinander verrechnet haben, ohne die auszutauschen.

00:44:21.001 --> 00:44:23.800
<v Hendrik Ballhausen>Und das hat eigentlich super funktioniert.

00:44:23.801 --> 00:44:30.600
<v Hendrik Ballhausen>Das Problem dabei war, es waren damit vier Monate lang die Leute beschäftigt.

00:44:30.601 --> 00:44:33.100
<v Hendrik Ballhausen>Also wir hatten einen Expertenprogrammierer von der TU, der das für uns programmiert hat,

00:44:33.101 --> 00:44:37.300
<v Hendrik Ballhausen>der ist inzwischen auch beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik,

00:44:37.301 --> 00:44:41.000
<v Hendrik Ballhausen>weil solche Leute sind immer sofort weg, die so was können.

00:44:41.001 --> 00:44:44.700
<v Hendrik Ballhausen>Wir hatten jeweils einen Systemadministrator an der Charité und an der LMU,

00:44:44.701 --> 00:44:51.000
<v Hendrik Ballhausen>wir hatten zwei große schwere Server und am Ende lief das und es lief mühsam

00:44:51.001 --> 00:44:53.200
<v Hendrik Ballhausen>und wenn man jetzt eine andere Analyse hätte machen wollen,

00:44:53.201 --> 00:44:57.100
<v Hendrik Ballhausen>dann hätte man eigentlich sozusagen wieder bei null anfangen müssen.

00:44:57.101 --> 00:45:00.600
<v Hendrik Ballhausen>Und in dem Moment ist uns dann auch klargeworden, das ist nicht so einfach,

00:45:00.601 --> 00:45:04.100
<v Hendrik Ballhausen>so problemlos, vor allen Dingen sind wir dann losgezogen und haben versucht,

00:45:04.101 --> 00:45:08.000
<v Hendrik Ballhausen>Leuten das zu verkaufen, also jetzt nicht als Produkt zu verkaufen,

00:45:08.001 --> 00:45:12.300
<v Hendrik Ballhausen>sondern Manager auch in anderen Unternehmen von dieser Idee zu überzeugen.

00:45:12.301 --> 00:45:16.200
<v Hendrik Ballhausen>Weil in der Industrie hat man das viel häufiger, dass man sich Daten gar nicht zeigen kann,

00:45:16.201 --> 00:45:20.000
<v Hendrik Ballhausen>weil es Geschäftsgeheimnisse sind, also selbst wenn man wollte.

00:45:20.001 --> 00:45:23.400
<v Hendrik Ballhausen>Und wir haben eigentlich immer dieselbe Antwort bekommen.

00:45:23.401 --> 00:45:26.400
<v Hendrik Ballhausen>Der Chef der fand das eigentlich immer super, der hat das gesehen,

00:45:26.401 --> 00:45:31.100
<v Hendrik Ballhausen>der hat das grundsätzliche Problem gesehen, Datenschutz versus Kollaboration.

00:45:31.101 --> 00:45:34.200
<v Hendrik Ballhausen>Der Chief Technology Officer, der fand das eigentlich auch immer super,

00:45:34.201 --> 00:45:39.000
<v Hendrik Ballhausen>der hat gesagt, hier ist unser Alleinstellungsmerkmal und neue Technologie und klasse

00:45:39.001 --> 00:45:43.500
<v Hendrik Ballhausen>und wollen wir mal ausprobieren und dann kam der CIO der Chief Information Officer

00:45:43.501 --> 00:45:47.600
<v Hendrik Ballhausen>und das waren immer die Jungs, die gesagt haben, um Gottes Willen bitte nicht.

00:45:47.601 --> 00:45:51.300
<v Hendrik Ballhausen>Wir haben die Skills nicht, wir haben die Leute nicht, wir verstehen das nicht,

00:45:51.301 --> 00:45:55.500
<v Hendrik Ballhausen>wir wollen das nicht, wir haben so was noch nie gemacht.

00:45:55.501 --> 00:45:57.700
<v Hendrik Ballhausen>Und die hatten dann natürlich auch die Datenschützer im Schlepptau,

00:45:57.701 --> 00:46:02.100
<v Hendrik Ballhausen>die auch gesagt haben, ja ist toll, aber wir verstehen das eigentlich nicht,

00:46:02.101 --> 00:46:05.000
<v Hendrik Ballhausen>wir haben Angst, das zu unterschreiben.

00:46:05.001 --> 00:46:08.200
<v Hendrik Ballhausen>Und so Datensammeln das verstehen wir, das können wir unterschreiben,

00:46:08.201 --> 00:46:12.400
<v Hendrik Ballhausen>da verstehen wir das Risiko, da verstehen wir die Haftung.

00:46:12.401 --> 00:46:16.200
<v Hendrik Ballhausen>Aber ihr bringt da so ein virtuelles Netzwerk, wo eigentlich völlig unklar ist am Ende,

00:46:16.201 --> 00:46:21.200
<v Hendrik Ballhausen>wer hat eigentlich die Daten, wo sind denn die, wer verarbeitet denn da eigentlich was?

00:46:21.201 --> 00:46:23.100
<v Hendrik Ballhausen>Das wollen wir nicht, das können wir nicht.

00:46:23.101 --> 00:46:27.600
<v Tim Pritlove>Nachvollziehbare Einwände, möchte ich sagen.

00:46:27.601 --> 00:46:31.500
<v Tim Pritlove>Weil ich meine, das Ganze hat ja jetzt hier auch mit Kryptographie zu tun,

00:46:31.501 --> 00:46:33.400
<v Tim Pritlove>und Kryptographie ist komplex.

00:46:33.401 --> 00:46:37.400
<v Tim Pritlove>Können wir vielleicht mal versuchen, so ein bisschen ein Gefühl dafür zu bekommen,

00:46:37.401 --> 00:46:41.500
<v Tim Pritlove>was mit so einer Multiparty Computation, also Leute rechnen auf,

00:46:41.501 --> 00:46:48.100
<v Tim Pritlove>also mehrere Leute rechnen auf denselben Daten an verschiedenen Stellen, ohne die Daten zu sehen.

00:46:48.101 --> 00:46:53.800
<v Tim Pritlove>Also ich weiß nicht, wie ich zwei plus zwei zusammenaddieren soll, wenn zwei verschlüsselt ist.

00:46:53.801 --> 00:46:58.200
<v Hendrik Ballhausen>Ja, da musst du mir jetzt sagen, ob ich das sozusagen hier mal in fünf Minuten darstellen darf.

00:46:58.201 --> 00:46:59.100
<v Tim Pritlove>Gerne.

00:46:59.101 --> 00:47:01.400
<v Hendrik Ballhausen>Aber dann wären wir schon im algorithmischen Bereich.

00:47:01.401 --> 00:47:04.700
<v Hendrik Ballhausen>Also wenn du zwei plus zwei rechnen willst, ist es schwierig,

00:47:04.701 --> 00:47:09.500
<v Hendrik Ballhausen>weil sobald, also nehmen wir mal an, die zwei kommt von dir und die andere zwei kommt von mir,

00:47:09.501 --> 00:47:14.300
<v Hendrik Ballhausen>und wir beide rechnen gemeinsam aus, dass das vier ist, dann weißt du hinterher, was meine Zahl war.

00:47:14.301 --> 00:47:15.100
<v Hendrik Ballhausen>Das funktioniert nicht.

00:47:15.101 --> 00:47:18.700
<v Hendrik Ballhausen>Aber wenn wir jetzt hier noch jemanden drittes am Tisch sitzen hätten

00:47:18.701 --> 00:47:26.000
<v Hendrik Ballhausen>und wir alle drei hätten eine Zahl im Kopf und wir wollen die Summe von diesen drei Zahlen wissen, das ginge.

00:47:26.001 --> 00:47:29.100
<v Hendrik Ballhausen>Und das würde so funktionieren, dass ich einen Würfel werfe.

00:47:29.101 --> 00:47:33.000
<v Hendrik Ballhausen>Ich würfle eine Zahl und diese Zahl die ziehe ich von meiner geheimen Zahl im Kopf ab

00:47:33.001 --> 00:47:37.800
<v Hendrik Ballhausen>und ich sage dir aber, was ich gewürfelt habe, das darf die dritte Person nicht wissen

00:47:37.801 --> 00:47:41.000
<v Hendrik Ballhausen>und du addierst das bei deiner Zahl in deinem Kopf hinzu.

00:47:41.001 --> 00:47:44.700
<v Hendrik Ballhausen>Dann kannst du dir vorstellen, ich habe es abgezogen, du hast es dazuaddiert dieses Würfelergebnis,

00:47:44.701 --> 00:47:48.500
<v Hendrik Ballhausen>da hat sich die Gesamtsumme im System nicht verändert,

00:47:48.501 --> 00:47:53.300
<v Hendrik Ballhausen>aber dass ich dir eine gewürfelte Zahl genannt habe, hat dir auch keine Information verraten,

00:47:53.301 --> 00:47:55.700
<v Hendrik Ballhausen>weil das war ja eine zufällige Zahl.

00:47:55.701 --> 00:48:00.600
<v Hendrik Ballhausen>Und dasselbe machst du mit der dritten Person, du würfelst ihr also auch was zu

00:48:00.601 --> 00:48:04.900
<v Hendrik Ballhausen>und ihr addiert und ihr subtrahiert und dann machen wir das noch ein drittes Mal im Kreis

00:48:04.901 --> 00:48:09.000
<v Hendrik Ballhausen>und dann kannst du dir überlegen, wenn du das jetzt auf Papier als Formeln hinschreiben würdest,

00:48:09.001 --> 00:48:13.600
<v Hendrik Ballhausen>dass wir hinterher alle eine neue Zahl im Kopf haben, die wir uns verraten können,

00:48:13.601 --> 00:48:21.100
<v Hendrik Ballhausen>weil da ist jetzt genügend Zufall, genügend Unsicherheit drin, dass wir am Ende immer noch auf dieselbe Summe kommen,

00:48:21.101 --> 00:48:29.200
<v Hendrik Ballhausen>also das richtige Ergebnis, aber keiner von uns weiß, welche Zahlen die anderen beiden im Kopf hatten.

00:48:29.201 --> 00:48:32.300
<v Hendrik Ballhausen>Da müssten sich jetzt zwei von uns zusammentun gegen den dritten,

00:48:32.301 --> 00:48:34.600
<v Hendrik Ballhausen>dann könnten wir es wieder ausrechnen.

00:48:34.601 --> 00:48:38.100
<v Hendrik Ballhausen>Das nur mal so ein ganz einfaches Beispiel für eine Summenberechnung,

00:48:38.101 --> 00:48:43.000
<v Hendrik Ballhausen>weil du das Beispiel gebracht hast, auf sichere Art und Weise.

00:48:43.001 --> 00:48:45.500
<v Tim Pritlove>Aber hätten wir dann das exakte Ergebnis oder eine Approximation?

00:48:45.501 --> 00:48:52.000
<v Hendrik Ballhausen>Nein, wir hätten das exakte Ergebnis, weil ich ja dieselbe Zahl abziehe, die du hinzuaddierst

00:48:52.001 --> 00:48:53.600
<v Hendrik Ballhausen>und so geht das in jedem Schritt.

00:48:53.601 --> 00:48:58.300
<v Tim Pritlove>Aber das exakte Ergebnis wird nur dadurch erreicht, indem man diesen ganzen Prozess mehrfach durchläuft?

00:48:58.301 --> 00:49:04.700
<v Hendrik Ballhausen>Eine Runde würde reichen. Wir würfeln einmal in der Runde und anschließend hätten wir alle eine neue Zahl im Kopf,

00:49:04.701 --> 00:49:10.600
<v Hendrik Ballhausen>die können wir uns hier offen auf den Tisch legen, aus der kann dann keiner mehr was lernen.

00:49:10.601 --> 00:49:14.700
<v Hendrik Ballhausen>Das System wird natürlich umso sicherer, je mehr Parteien dabei sind,

00:49:14.701 --> 00:49:18.600
<v Hendrik Ballhausen>weil dass sich zwei gegen einen verbünden, das ist noch denkbar,

00:49:18.601 --> 00:49:25.200
<v Hendrik Ballhausen>aber wenn wir jetzt hundert Personen wären, dann müssten sich 99 Personen gegen den hundertsten, die hundertste verbünden,

00:49:25.201 --> 00:49:28.800
<v Hendrik Ballhausen>um deren Zahl rauszufinden.

00:49:28.801 --> 00:49:33.400
<v Tim Pritlove>Und ist das Bild mit dem Würfeln jetzt quasi nur eine Chiffre für Kryptographie?

00:49:33.401 --> 00:49:34.300
<v Hendrik Ballhausen>Nein.

00:49:34.301 --> 00:49:37.500
<v Tim Pritlove>Oder ist es eine tatsächliche Veränderung der Werte?

00:49:37.501 --> 00:49:39.000
<v Hendrik Ballhausen>Eine tatsächliche Veränderung der Werte.

00:49:39.001 --> 00:49:41.700
<v Hendrik Ballhausen>Und das ist nicht nur ein Bild, sondern das ist genau der Algorithmus.

00:49:41.701 --> 00:49:47.900
<v Hendrik Ballhausen>Ich lasse den Computer eine Zufallszahl erzeugen und die ziehe ich bei mir ab

00:49:47.901 --> 00:49:52.500
<v Hendrik Ballhausen>und die Zufallszahl verrate ich dir und du addierst sie bei dir hinauf und so geht es einmal im Kreis.

00:49:52.501 --> 00:49:54.100
<v Hendrik Ballhausen>Genau das ist der Algorithmus.

00:49:54.101 --> 00:50:00.100
<v Tim Pritlove>Das heißt, man stellt die Daten bereit in einem Bewusstsein, wie sie letztlich auch berechnet werden sollen,

00:50:00.101 --> 00:50:04.500
<v Tim Pritlove>modifiziert sie entsprechend, dass sie als solche nicht mehr erkennbar ist,

00:50:04.501 --> 00:50:07.500
<v Tim Pritlove>so dass es dann in der Summe wieder funktioniert?

00:50:07.501 --> 00:50:09.900
<v Hendrik Ballhausen>Ja genau. Das heißt, das Protokoll gehört immer dazu.

00:50:09.901 --> 00:50:15.100
<v Hendrik Ballhausen>Es geht jetzt gar nicht mehr so sehr um die Daten, sondern es geht vielmehr um das Protokoll.

00:50:15.101 --> 00:50:18.600
<v Hendrik Ballhausen>Also der Berechnungsmodus, auf den wir uns geeinigt haben.

00:50:18.601 --> 00:50:20.400
<v Hendrik Ballhausen>Und da geht die Welt sehr weit auf.

00:50:20.401 --> 00:50:26.300
<v Hendrik Ballhausen>Also da gibt es Verfahren, die zum Beispiel dann auch, das wird dann natürlich noch mal eine Stufe komplexer,

00:50:26.301 --> 00:50:28.100
<v Hendrik Ballhausen>es gibt Verfahren, die zum Beispiel auch herausfinden können,

00:50:28.101 --> 00:50:34.200
<v Hendrik Ballhausen>ob einer von uns in dem Protokoll geschummelt hat oder ob wir uns alle an das Protokoll gehalten haben.

00:50:34.201 --> 00:50:40.000
<v Hendrik Ballhausen>Also es ist total interessant, es ist hardcore Mathematik, es ist hardcore Kryptographie.

00:50:40.001 --> 00:50:44.300
<v Hendrik Ballhausen>Ich bin kein Kryptograph, Gott sei Dank gibt es diese Verfahren ja schon,

00:50:44.301 --> 00:50:49.100
<v Hendrik Ballhausen>wir mussten also gar nichts erfinden, aber wir haben eben den Ansatz,

00:50:49.101 --> 00:50:55.700
<v Hendrik Ballhausen>zu versuchen, die so zu verpacken als Bibliotheken, als OpenSource,

00:50:55.701 --> 00:50:57.400
<v Hendrik Ballhausen>dass sie eben einfacher einsetzbar werden.

00:50:57.401 --> 00:51:02.500
<v Hendrik Ballhausen>Und die andere große Schiene, auf der wir aktiv sind, deswegen bin ich ja heute zum Beispiel auch hier,

00:51:02.501 --> 00:51:06.500
<v Hendrik Ballhausen>ist Awareness, wir versuchen einfach auch Bewusstsein dafür zu schaffen,

00:51:06.501 --> 00:51:11.600
<v Hendrik Ballhausen>dass man eben gemeinsam auf Daten rechnen kann, ohne die auszutauschen.

00:51:11.601 --> 00:51:17.000
<v Tim Pritlove>Wie komplex kann diese Berechnung denn dann sein?

00:51:17.001 --> 00:51:20.800
<v Tim Pritlove>Also geht das jetzt nur mit den vier Grundrechenarten oder?

00:51:20.801 --> 00:51:26.100
<v Hendrik Ballhausen>Das ist, ja, wie soll man sagen, der Pyrrhussieg des Secure Multiparty Computation.

00:51:26.101 --> 00:51:34.100
<v Hendrik Ballhausen>Es hat irgendwann mal jemand mathematisch bewiesen, dass man tatsächlich jede Funktion auf sichere Weise berechnen kann.

00:51:34.101 --> 00:51:39.900
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, zumindest theoretisch könnten wir alles, was wir berechnen können,

00:51:39.901 --> 00:51:45.700
<v Hendrik Ballhausen>indem wir die Daten zusammenschmeißen, auch berechnen, indem wir die Daten lokal lassen.

00:51:45.701 --> 00:51:48.700
<v Hendrik Ballhausen>Du hast aber nach der Komplexität gefragt.

00:51:48.701 --> 00:51:52.700
<v Hendrik Ballhausen>Und das wissen die Leute, die sich mal so ein bisschen mit Computern und Algorithmen beschäftigt haben,

00:51:52.701 --> 00:51:56.000
<v Hendrik Ballhausen>spannend ist ja immer auch, wie lange laufen die Algorithmen?

00:51:56.001 --> 00:52:00.200
<v Hendrik Ballhausen>Ist das jetzt auch in realistischer Zeit, ist das mit realistischem Speicher zu lösen?

00:52:00.201 --> 00:52:06.400
<v Hendrik Ballhausen>Und da muss man sagen, da ist jetzt ein großes Problem, dass beispielsweise,

00:52:06.401 --> 00:52:09.800
<v Hendrik Ballhausen>wenn wir uns Bitcoin anschauen, wenn wir uns die Blockchain anschauen,

00:52:09.801 --> 00:52:14.300
<v Hendrik Ballhausen>das ist eigentlich so das Gegenbeispiel, bei Blockchain geht es eigentlich um Nichtverfälschbarkeit

00:52:14.301 --> 00:52:18.200
<v Hendrik Ballhausen>und Nachvollziehbarkeit, ist aber auch ein dezentraler Ansatz.

00:52:18.201 --> 00:52:24.700
<v Hendrik Ballhausen>Bei uns geht es eben darum, auch dezentral, aber eben nicht nachvollziehbar, nicht transparent.

00:52:24.701 --> 00:52:27.900
<v Hendrik Ballhausen>Trotzdem sind die Algorithmen, die dahinterstehen, oft sehr ähnlich

00:52:27.901 --> 00:52:34.200
<v Hendrik Ballhausen>und wie wir wissen von der Blockchain und von Bitcoin, solange das so ein Proof of work Sceem(?) ist,

00:52:34.201 --> 00:52:37.300
<v Hendrik Ballhausen>dann wird da sehr viel Energie verbraten.

00:52:37.301 --> 00:52:39.300
<v Hendrik Ballhausen>Und das ist bei einigen dieser Verfahren hier auch.

00:52:39.301 --> 00:52:43.100
<v Hendrik Ballhausen>Und insbesondere bei diesen Verfahren, die jetzt universell sein wollen,

00:52:43.101 --> 00:52:47.700
<v Hendrik Ballhausen>also womit man jedes Problem lösen kann, die sind extremst rechenaufwendig.

00:52:47.701 --> 00:52:50.500
<v Hendrik Ballhausen>Das ist in der Praxis kein Problem, also wir reden jetzt nicht darüber,

00:52:50.501 --> 00:52:53.000
<v Hendrik Ballhausen>dass Hochleistungsrechner ein Jahr arbeiten oder so.

00:52:53.001 --> 00:52:55.900
<v Hendrik Ballhausen>Sondern wir reden vielleicht darüber, dass die ein paar Minuten rechnen.

00:52:55.901 --> 00:52:59.200
<v Hendrik Ballhausen>Aber die rechnen halt da ein paar Sekunden oder ein paar Minuten,

00:52:59.201 --> 00:53:05.500
<v Hendrik Ballhausen>wo normalerweise der Rechner in einer Milliardstel Sekunde eine Summe gebildet hätte.

00:53:05.501 --> 00:53:09.100
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, schon ein millionen-, milliardenfacher Mehraufwand.

00:53:09.101 --> 00:53:11.900
<v Hendrik Ballhausen>Und deswegen wissen wir oft gar nicht, ob wir uns jetzt wünschen sollen,

00:53:11.901 --> 00:53:20.600
<v Hendrik Ballhausen>dass unsere Verfahren so weit Anwendung finden, denn wenn jetzt irgendwann wirklich Millionen, Milliarden Menschen das verwenden würden,

00:53:20.601 --> 00:53:25.000
<v Hendrik Ballhausen>und das wirklich global skaliert, dann hätten wir tatsächlich dasselbe Problem wie bei Bitcoin,

00:53:25.001 --> 00:53:28.600
<v Hendrik Ballhausen>dass wir wirklich also Energiemengen von kleinen Staaten verwenden.

00:53:28.601 --> 00:53:33.200
<v Tim Pritlove>Naja gut, aber ich meine, wenn man jetzt Studien auswertet, dann ist das ja auch ein einmaliger Vorgang.

00:53:33.201 --> 00:53:34.200
<v Hendrik Ballhausen>Ja, da ist das kein Problem.

00:53:34.201 --> 00:53:41.400
<v Tim Pritlove>Und nicht so ein Bedarf, permanent Energie zu verbrauchen, nur um des Verbrauchens der Energie als solcher.

00:53:41.401 --> 00:53:44.800
<v Hendrik Ballhausen>Nein, aber irgendwann hat mal jemand gesagt, wir schicken jetzt eine Email

00:53:44.801 --> 00:53:48.300
<v Hendrik Ballhausen>und es ist egal, wie groß die Bandbreite ist und plötzlich verschicken wir ein paar mehr Emails.

00:53:48.301 --> 00:53:50.800
<v Hendrik Ballhausen>Also das weiß man ja nicht, wo es eines Tages hingeht.

00:53:50.801 --> 00:53:55.400
<v Tim Pritlove>Okay, gut, aber ich meine, wenn man jetzt sagt, okay, die Alternative ist,

00:53:55.401 --> 00:54:00.000
<v Tim Pritlove>entweder man macht so eine Studienauswertung oder man macht sie halt gar nicht,

00:54:00.001 --> 00:54:06.900
<v Tim Pritlove>und sagt, ja okay, das würde aber jetzt irgendwie zwar hunderttausendmal länger dauern,

00:54:06.901 --> 00:54:12.800
<v Tim Pritlove>als es dauern würde, wenn man jetzt das Ganze unverschlüsselt auf den nackten Daten,

00:54:12.801 --> 00:54:18.300
<v Tim Pritlove>ohne irgendeinen Datenschutz, ohne irgendeinen Privatsphäreschutz machen würde,

00:54:18.301 --> 00:54:22.000
<v Tim Pritlove>dann ist das ja auch etwas, was durchaus auch skalieren kann,

00:54:22.001 --> 00:54:25.600
<v Tim Pritlove>weil dann nur noch die Frage ist, okay dauert es eine Minute oder dauert es einen Tag, so.

00:54:25.601 --> 00:54:26.000
<v Hendrik Ballhausen>Ja.

00:54:26.001 --> 00:54:29.600
<v Tim Pritlove>Und wenn es einem das wert ist, das irgendwie auch an einem Tag zu berechnen, könnte man es ja machen.

00:54:29.601 --> 00:54:33.400
<v Hendrik Ballhausen>Für eine klinische Studie ist das sowieso kein Problem, denn die dauern ja in der Regel Jahre.

00:54:33.401 --> 00:54:38.900
<v Hendrik Ballhausen>Und da am Ende, ob man das jetzt an einem Tag auswertet oder in einer Minute oder eine Millisekunde,

00:54:38.901 --> 00:54:42.500
<v Hendrik Ballhausen>das ist völlig egal, da sehen wir das Problem auch überhaupt nicht.

00:54:42.501 --> 00:54:46.100
<v Hendrik Ballhausen>Unser Ansatz jetzt bei dem, was wir ganz konkret programmieren,

00:54:46.101 --> 00:54:49.300
<v Hendrik Ballhausen>unser OpenSource-Projekt, das geht noch mal in eine dritte Richtung,

00:54:49.301 --> 00:54:52.400
<v Hendrik Ballhausen>das versucht eigentlich so das beste beider Welten zu haben.

00:54:52.401 --> 00:54:57.200
<v Hendrik Ballhausen>Weil wir haben gesehen, die Leute brauchen gar keine universellen Lösungen,

00:54:57.201 --> 00:55:03.200
<v Hendrik Ballhausen>sondern eigentlich 90 Prozent der Anforderungen sind eigentlich mit zehn Prozent der Algorithmen zu erschlagen.

00:55:03.201 --> 00:55:06.000
<v Hendrik Ballhausen>Die Leute wollen Summen berechnen, die Leute wollen eine Statistik machen,

00:55:06.001 --> 00:55:10.000
<v Hendrik Ballhausen>die Leute wollen Korrelationen sehen, die Leute wollen Listen vergleichen,

00:55:10.001 --> 00:55:14.700
<v Hendrik Ballhausen>das sind ganz einfache Sachen, die immer immer wieder kommen

00:55:14.701 --> 00:55:19.400
<v Hendrik Ballhausen>und deswegen ist unser Ansatz dafür schlanke effiziente Microservices zu bauen,

00:55:19.401 --> 00:55:24.300
<v Hendrik Ballhausen>die genau dieses eine Problem berechnen und nicht ein anderes.

00:55:24.301 --> 00:55:27.700
<v Hendrik Ballhausen>Aber dadurch dass wir sagen, wir lösen jetzt wirklich nur das Problem, wie können wir eine Summe berechnen

00:55:27.701 --> 00:55:33.300
<v Hendrik Ballhausen>oder wir lösen nur das Problem, wie können wir jetzt eine Korrelation berechnen,

00:55:33.301 --> 00:55:37.400
<v Hendrik Ballhausen>dann kann man das hocheffizient machen in den allermeisten Fällen

00:55:37.401 --> 00:55:39.900
<v Hendrik Ballhausen>und dann tritt das Problem auch gar nicht auf.

00:55:39.901 --> 00:55:46.000
<v Tim Pritlove>Jetzt sind ja die wenigsten Wissenschaftler mit all diesen ganzen Themen vertraut,

00:55:46.001 --> 00:55:50.300
<v Tim Pritlove>das ist nichts, wo man sich mal eben so einliest und ich höre jetzt schon so raus,

00:55:50.301 --> 00:55:58.400
<v Tim Pritlove>das Projekt, was halt im Prinzip erst mal sagt, okay, hier gibt es irgendwie eine ganze Menge brauchbare, interessante Ansätze aus der Kryptographie,

00:55:58.401 --> 00:56:02.400
<v Tim Pritlove>die liegen auch schon eine Weile rum, das ist irgendwie abgehangenes Zeug,

00:56:02.401 --> 00:56:07.200
<v Tim Pritlove>wir sind bloß bisher noch nicht auf die Idee gekommen, die auch konkret in dieser Form zum Einsatz zu bringen,

00:56:07.201 --> 00:56:13.200
<v Tim Pritlove>wir sorgen jetzt mal dafür, dass es ein paar Werkzeuge gibt oder zumindest auch eine Dienstleistung,

00:56:13.201 --> 00:56:21.300
<v Tim Pritlove>auf die man zurückgreifen kann, um die dann zum Ansatz zu bringen.

00:56:21.301 --> 00:56:27.000
<v Tim Pritlove>Was ist jetzt sozusagen der Inhalt eures Projektes, inwiefern sind solche Dienstleistungen,

00:56:27.001 --> 00:56:33.100
<v Tim Pritlove>OpenSource-Lösung hast du schon angedeutet, Teil des Voranschreiten

00:56:33.101 --> 00:56:38.900
<v Tim Pritlove>und an wen wendet ihr euch überhaupt und für wen ist es jetzt im ersten Schritt erst mal gedacht?

00:56:38.901 --> 00:56:44.700
<v Hendrik Ballhausen>Ja, also wir wenden uns natürlich an die Medizininformatikinitiative,

00:56:44.701 --> 00:56:48.000
<v Hendrik Ballhausen>also wir stehen natürlich unseren Kolleginnen und Kollegen jetzt primär auch zur Verfügung,

00:56:48.001 --> 00:56:51.800
<v Hendrik Ballhausen>wo ja auch diese Verfahren getestet werden.

00:56:51.801 --> 00:56:54.700
<v Hendrik Ballhausen>Wir stehen aber auch anderen Akteuren aus, ich sage mal jetzt,

00:56:54.701 --> 00:56:58.500
<v Hendrik Ballhausen>ich möchte jetzt heute hier keine Namen nennen oder ich kann auch keine Namen nennen,

00:56:58.501 --> 00:57:04.300
<v Hendrik Ballhausen>Akteuren aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor zur Verfügung.

00:57:04.301 --> 00:57:07.600
<v Hendrik Ballhausen>Gibt es ja auch viele andere spannende Fragen, die man beantworten kann,

00:57:07.601 --> 00:57:13.200
<v Hendrik Ballhausen>als nur mit Medizindaten, ich kann auch über Finanzdaten reden oder über Versicherungsdaten etc. pp.

00:57:13.201 --> 00:57:15.600
<v Tim Pritlove>Aber Medizin ist jetzt erst mal der Fokus?

00:57:15.601 --> 00:57:20.000
<v Hendrik Ballhausen>Nicht unbedingt, also den Algorithmen ist es völlig egal, wofür sie verwendet werden

00:57:20.001 --> 00:57:26.700
<v Hendrik Ballhausen>und auch in unserem Projekt, was ja vom Stifterverband sehr großzügig jetzt auch für die nächsten drei Jahre finanziert ist,

00:57:26.701 --> 00:57:33.800
<v Hendrik Ballhausen>haben wir auch den Auftrag, Domänen fern der Medizin, Showcases zu bauen.

00:57:33.801 --> 00:57:35.900
<v Hendrik Ballhausen>Und da gucken wir uns auch kleine und mittlere Unternehmen an,

00:57:35.901 --> 00:57:40.700
<v Hendrik Ballhausen>das sind ja auch typischerweise Bereiche, wo jetzt Daten fragmentiert vorliegen,

00:57:40.701 --> 00:57:44.700
<v Hendrik Ballhausen>und da sind wir überhaupt nicht auf die Medizin festgelegt.

00:57:44.701 --> 00:57:49.900
<v Hendrik Ballhausen>Auch da wieder, 90 Prozent der Probleme werden von zehn Prozent der Algorithmen erschlagen,

00:57:49.901 --> 00:57:55.300
<v Hendrik Ballhausen>und so was wie Statistiken, Korrelationen, Listenvergleiche braucht man überall.

00:57:55.301 --> 00:58:02.300
<v Hendrik Ballhausen>Und die Dienstleistung, so haben wir das noch nie formuliert, aber die Dienstleistung würde dann eben darin bestehen,

00:58:02.301 --> 00:58:06.400
<v Hendrik Ballhausen>dass wir interessierten Parteien, so wie wir das ja heute auch schon tun,

00:58:06.401 --> 00:58:10.900
<v Hendrik Ballhausen>ja zur Seite stehen würden, unser OpenSource-Projekt zu nutzen und weiterzuentwickeln.

00:58:10.901 --> 00:58:17.900
<v Hendrik Ballhausen>Also die bekommen dann nicht nur den Code hingeworfen, sondern die würden wir dann sicherlich auch eingangs beraten.

00:58:17.901 --> 00:58:21.800
<v Hendrik Ballhausen>Auch unabhängig beraten, weil das muss ja nicht unsere Lösung sein,

00:58:21.801 --> 00:58:25.100
<v Hendrik Ballhausen>vielleicht gibt es ja für das Problem schon ein viel besseres Framework.

00:58:25.101 --> 00:58:29.800
<v Hendrik Ballhausen>Aber wenn es dann unsere Lösung sein soll, dann würden wir die natürlich auch begleiten in der Umsetzung

00:58:29.801 --> 00:58:36.000
<v Hendrik Ballhausen>und denen helfen, einen schönen Showcase zu bauen, aus dem dann am Ende alle lernen können.

00:58:36.001 --> 00:58:39.100
<v Tim Pritlove>Wer sollte denn jetzt hellhörig werden?

00:58:39.101 --> 00:58:45.200
<v Hendrik Ballhausen>Alle, die eigentlich gemerkt haben, dass es toll wäre, wenn sie sich mit anderen Dateneigentümern verschalten können,

00:58:45.201 --> 00:58:49.800
<v Hendrik Ballhausen>zu denen sie bisher heute entweder noch kein Vertrauen haben, beispielsweise jetzt Konkurrenten,

00:58:49.801 --> 00:58:57.300
<v Hendrik Ballhausen>oder wo sie merken, dass sie aufgrund gesetzlicher Basis noch nicht so wirklich die Grundlage haben,

00:58:57.301 --> 00:59:00.500
<v Hendrik Ballhausen>um Daten gemeinsam zu verarbeiten.

00:59:00.501 --> 00:59:05.000
<v Hendrik Ballhausen>Also eigentlich jeder, der sich fragen kann, habe ich Daten, die im Prinzip wertvoller würden,

00:59:05.001 --> 00:59:07.300
<v Hendrik Ballhausen>wenn ich sie mit anderen Daten verheiraten würde.

00:59:07.301 --> 00:59:10.600
<v Hendrik Ballhausen>Und natürlich, wo wir uns auch unheimlich wünschen, dass sie hellhörig werden,

00:59:10.601 --> 00:59:15.400
<v Hendrik Ballhausen>das wären natürlich junge Gründerteams, die sagen, wir machen das jetzt zu einem Teil unserer Geschäftsidee,

00:59:15.401 --> 00:59:18.700
<v Hendrik Ballhausen>zu einem Teil unseres Produktes, es muss ja gar nicht das ganze Produkt sein,

00:59:18.701 --> 00:59:24.100
<v Hendrik Ballhausen>es kann ja nur ein Baustein sein, denn denen könnten wir auch tatsächlich auch finanziell helfen,

00:59:24.101 --> 00:59:26.600
<v Hendrik Ballhausen>also denen würden wir dann auch helfen, den Businesscase zu schreiben,

00:59:26.601 --> 00:59:32.800
<v Hendrik Ballhausen>denen würden wir helfen auch, wenn jetzt beispielsweise um diesen Code herum eine technische Lösung gebaut werden würde,

00:59:32.801 --> 00:59:38.100
<v Hendrik Ballhausen>denen könnten wir da auch helfen, die Patentierung zu finanzieren und ähnliches.

00:59:38.101 --> 00:59:42.200
<v Tim Pritlove>Können wir vielleicht mal ein paar Beispiele uns noch mal ausdenken, wohin das so führen könnte,

00:59:42.201 --> 00:59:46.500
<v Tim Pritlove>so jenseits der medizinischen Beispiele, die wir schon gehabt haben?

00:59:46.501 --> 00:59:51.100
<v Hendrik Ballhausen>Ich bringe gerne mal so ein, zwei Beispiele, die wir auch mal gebrainstormt haben,

00:59:51.101 --> 00:59:55.000
<v Hendrik Ballhausen>ohne jetzt irgendwie einen konkreten Interessenten zu benennen.

00:59:55.001 --> 01:00:00.200
<v Hendrik Ballhausen>Man könnte sich überlegen, dass überall im Vertrieb, da gibt es häufig Vertriebe,

01:00:00.201 --> 01:00:02.600
<v Hendrik Ballhausen>dass die Vertriebler Selbständige sind.

01:00:02.601 --> 01:00:07.800
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, es gibt irgendwo einen großen Konzern und der hat ein Heer von Vertrieblern

01:00:07.801 --> 01:00:11.000
<v Hendrik Ballhausen>und die sind aber eigentlich im Prinzip alles kleine Konkurrenten untereinander.

01:00:11.001 --> 01:00:14.000
<v Hendrik Ballhausen>Jeder Vertriebler möchte gerne selber das neue Geschäft machen.

01:00:14.001 --> 01:00:17.200
<v Hendrik Ballhausen>Andererseits würden diese Vertriebler unglaublich gerne voneinander lernen,

01:00:17.201 --> 01:00:19.000
<v Hendrik Ballhausen>was ist eigentlich die best practice, wie machen das die anderen?

01:00:19.001 --> 01:00:21.900
<v Hendrik Ballhausen>Wollen sich aber gegenseitig natürlich nicht die Daten zeigen lassen.

01:00:21.901 --> 01:00:25.200
<v Hendrik Ballhausen>Also wieviele Minuten verbringe ich mit einem Kunden?

01:00:25.201 --> 01:00:26.200
<v Hendrik Ballhausen>Wieviele Verträge schreibe ich pro Zeit?

01:00:26.201 --> 01:00:32.200
<v Hendrik Ballhausen>Diese typischen Key Performance Indicators, wo normalerweise ein Unternehmensberater für viel Geld käme,

01:00:32.201 --> 01:00:37.100
<v Hendrik Ballhausen>mit denen allen einzeln spricht und dann hinterher eine Präsentation für den Vorstand macht.

01:00:37.101 --> 01:00:43.900
<v Hendrik Ballhausen>Das könnten diese Vertriebler jetzt auch untereinander machen, ohne eine dritte Partei zu brauchen.

01:00:43.901 --> 01:00:47.600
<v Hendrik Ballhausen>Und man könnte Branchenbenchmarks machen, also ein Branchenverband könnte sagen,

01:00:47.601 --> 01:00:51.700
<v Hendrik Ballhausen>wir wollen, auch ohne dass unsere Unternehmen, vielleicht sind es kleine Mittelständler,

01:00:51.701 --> 01:00:56.400
<v Hendrik Ballhausen>ohne dass die jetzt einen teuren Berater einkaufen müssen, dass die sich einfach austauschen können.

01:00:56.401 --> 01:00:59.700
<v Hendrik Ballhausen>Und da kann man natürlich jetzt so etwas schillerndere Beispiele bringen,

01:00:59.701 --> 01:01:05.200
<v Hendrik Ballhausen>dass natürlich auch so Apps wie Tinder eigentlich letztlich nichts anderes sind,

01:01:05.201 --> 01:01:10.200
<v Hendrik Ballhausen>als Leute dezentral irgendwie zusammenzubringen, ohne dass man sich jetzt der Peinlichkeit preisgibt,

01:01:10.201 --> 01:01:12.400
<v Hendrik Ballhausen>sich gegenseitig zu verraten, wen man toll findet.

01:01:12.401 --> 01:01:16.600
<v Hendrik Ballhausen>Also die Welt ist unglaublich weit.

01:01:16.601 --> 01:01:21.300
<v Tim Pritlove>Ich sehe eine Revolution im Datingservice.

01:01:21.301 --> 01:01:24.000
<v Tim Pritlove>Da braucht es natürlich dann auch Vertrauen.

01:01:24.001 --> 01:01:28.400
<v Tim Pritlove>Weil ich meine, wenn man heute angelaufen kommt und sagt, ja alles total sicher hier,

01:01:28.401 --> 01:01:34.700
<v Tim Pritlove>ist alles voll Kryptographie und so, gerade jetzt, wo die Welt in zunehmendem Maße merkt,

01:01:34.701 --> 01:01:39.700
<v Tim Pritlove>wie sie mit dem ganzen Kryptogeldwahnsinn über den Tisch gezogen wird,

01:01:39.701 --> 01:01:48.200
<v Tim Pritlove>da wird ja dann auch sehr viel Vertrauen auch gerade missbraucht und abgenutzt so, so was überhaupt noch zu glauben.

01:01:48.201 --> 01:01:53.500
<v Hendrik Ballhausen>Wenn man so ein Projekt aufzieht, dann sollte man das Stichwort Krypto besser nicht auf der Webseite haben,

01:01:53.501 --> 01:01:56.100
<v Hendrik Ballhausen>sonst ist man schon mal falsch einsortiert.

01:01:56.101 --> 01:01:59.200
<v Hendrik Ballhausen>Wenn man Kryptographie sagt, ist es schon etwas besser.

01:01:59.201 --> 01:02:04.500
<v Hendrik Ballhausen>Wir sprechen eigentlich von verteiltem Rechnen und erklären den Leuten dann was wir meinen.

01:02:04.501 --> 01:02:11.500
<v Hendrik Ballhausen>Was natürlich auch Vertrauen schafft ist, dass wir alles OpenSource haben.

01:02:11.501 --> 01:02:16.400
<v Hendrik Ballhausen>Also es gibt nichts, was jetzt nur wir haben, was jemand anderes nicht hätte,

01:02:16.401 --> 01:02:20.800
<v Hendrik Ballhausen>der das verwenden möchte, der Code ist online, der Code ist public, der Code ist free.

01:02:20.801 --> 01:02:24.800
<v Hendrik Ballhausen>Es ist auch nicht so, die erste Frage, die immer kommt, müssen wir unsere Daten dann auf eure Server?

01:02:24.801 --> 01:02:26.900
<v Hendrik Ballhausen>Nein, wir haben noch nicht mal Server.

01:02:26.901 --> 01:02:32.100
<v Hendrik Ballhausen>Wir haben jetzt schon Server, aber das sind Testserver und die stellen wir kostenlos zur Verfügung

01:02:32.101 --> 01:02:36.700
<v Hendrik Ballhausen>und wir schreiben in die Nutzungsrichtlinien, dass natürlich niemand irgendwelche sensitiven Daten hochladen kann.

01:02:36.701 --> 01:02:41.100
<v Hendrik Ballhausen>Und das schafft natürlich Vertrauen.

01:02:41.101 --> 01:02:46.400
<v Hendrik Ballhausen>Weiter Vertrauen schafft, dass wir öffentlich-rechtlich sind und öffentlich-rechtlich finanziert sind.

01:02:46.401 --> 01:02:48.700
<v Hendrik Ballhausen>Wir machen keinen Profit damit.

01:02:48.701 --> 01:02:50.900
<v Hendrik Ballhausen>Wir haben keine Daten, wir verarbeiten keine Daten.

01:02:50.901 --> 01:02:56.900
<v Hendrik Ballhausen>Und wenn man dann mit den Leuten ins Gespräch kommt und insbesondere auch den Datenschützern das erklärt,

01:02:56.901 --> 01:02:59.800
<v Hendrik Ballhausen>dann verstehen die das in der Regel schon.

01:02:59.801 --> 01:03:04.800
<v Hendrik Ballhausen>Es ist allerdings natürlich wie gesagt es ist für jeden, der da irgendwie mitmacht,

01:03:04.801 --> 01:03:06.600
<v Hendrik Ballhausen>es ist immer eine Abkehr vom Bisherigen.

01:03:06.601 --> 01:03:11.000
<v Hendrik Ballhausen>Und auch für den Datenschützer, der jetzt völlig neu bewerten muss,

01:03:11.001 --> 01:03:17.500
<v Hendrik Ballhausen>nicht ob er etwas darf, das muss er nach wie vor bewerten, sondern auch ob er etwas kann,

01:03:17.501 --> 01:03:20.500
<v Hendrik Ballhausen>ob das Verfahren etwas kann, was das Verfahren verspricht.

01:03:20.501 --> 01:03:24.500
<v Hendrik Ballhausen>Und das sind ja oft mathematische Beweise der Sicherheit.

01:03:24.501 --> 01:03:33.000
<v Hendrik Ballhausen>Und andererseits man muss auch sagen, wir trauen ja auch proprietärer Software.

01:03:33.001 --> 01:03:39.000
<v Hendrik Ballhausen>Wir vertrauen ja proprietären Anbietern an anderer Stelle viel viel viel mehr

01:03:39.001 --> 01:03:41.800
<v Hendrik Ballhausen>und nutzen deren Systeme, ohne diese Frage überhaupt zu stellen.

01:03:41.801 --> 01:03:46.000
<v Hendrik Ballhausen>Aber sobald jemand kommt und sagt, wir machen das jetzt auf sichere Art und Weise,

01:03:46.001 --> 01:03:49.300
<v Hendrik Ballhausen>dann werden die Leute eigentlich erst hellhörig und fragen nach.

01:03:49.301 --> 01:03:51.800
<v Hendrik Ballhausen>Aber ich glaube, wir können das sehr gut erklären.

01:03:51.801 --> 01:03:55.800
<v Tim Pritlove>Es braucht aber auf jeden Fall auch eine gewisse juristische Absicherung an der Stelle.

01:03:55.801 --> 01:03:59.200
<v Tim Pritlove>Weil wenn man das natürlich für sich selber, da kann ich mir alles mögliche herleiten,

01:03:59.201 --> 01:04:04.900
<v Tim Pritlove>ob das dann aber vor Gericht Bestand hat und ich nicht dann doch zu irgendetwas verdonnert werde,

01:04:04.901 --> 01:04:09.100
<v Tim Pritlove>das ist ja noch mal die andere Frage und das Vertrauen zu eurem Projekt ist natürlich das eine,

01:04:09.101 --> 01:04:11.700
<v Tim Pritlove>aber in dem Moment, wo dann halt wirklich ein Startup kommt und sagt,

01:04:11.701 --> 01:04:14.700
<v Tim Pritlove>oh super Idee, das bieten wir jetzt mal hier als Dienstleistung an,

01:04:14.701 --> 01:04:18.300
<v Tim Pritlove>greifen wir doch mal vielleicht das Beispiel mit diesen Branchenbenchmarks auf,

01:04:18.301 --> 01:04:21.100
<v Tim Pritlove>weil das kann man ja im Prinzip eigentlich auf alles so erweitern.

01:04:21.101 --> 01:04:31.400
<v Tim Pritlove>Wenn man jetzt also einen Branchenverband hat, der, was weiß ich, Textilindustrie oder keine Ahnung,

01:04:31.401 --> 01:04:37.900
<v Tim Pritlove>jetzt entsprechende Zahlen, die ja auch im Interesse der eigenen Branche sind erheben möchte,

01:04:37.901 --> 01:04:46.800
<v Tim Pritlove>und bedient sich jetzt vielleicht eines solchen Startups, was eben auf Basis eurer Ideen hier voranschreitet,

01:04:46.801 --> 01:04:52.600
<v Tim Pritlove>wie könnte denn das Startup dann sozusagen sicherstellen, dass dieser Branchenverband da sicher ist

01:04:52.601 --> 01:04:56.300
<v Tim Pritlove>und wie erklärt der Branchenverband das seiner Branche,

01:04:56.301 --> 01:05:02.700
<v Tim Pritlove>dass das sicher genug ist und dort keine Geschäftsgeheimnisse verraten werden?

01:05:02.701 --> 01:05:07.300
<v Hendrik Ballhausen>Also zunächst mal wird diese Initiative auch anwaltlich begleitet.

01:05:07.301 --> 01:05:13.100
<v Hendrik Ballhausen>Also wir haben da einen Anwalt, der sich da in dieses Thema sehr tief eingearbeitet hat.

01:05:13.101 --> 01:05:16.700
<v Hendrik Ballhausen>Du hast natürlich richtig gesagt, es ist noch nicht vor Gericht gewesen.

01:05:16.701 --> 01:05:23.000
<v Hendrik Ballhausen>Also es gibt meines Wissens ein einziges EuGH-Urteil zu der Sache,

01:05:23.001 --> 01:05:26.300
<v Hendrik Ballhausen>da ging es um, aber jetzt nicht aus Deutschland, sondern, ich glaube, es war Estland,

01:05:26.301 --> 01:05:30.600
<v Hendrik Ballhausen>die da sehr viel weiter im, wie nennt man das, E-Government sind, das heißt,

01:05:30.601 --> 01:05:37.600
<v Hendrik Ballhausen>dass die Bürger digital ihre Verwaltungsakte nutzen können.

01:05:37.601 --> 01:05:43.000
<v Hendrik Ballhausen>Und es hat halt noch nie ein BGH geurteilt, es hat noch nie vor dem Deutschen Amtsgericht eine Zivilklage gegeben,

01:05:43.001 --> 01:05:45.900
<v Hendrik Ballhausen>weil einer vom anderen was wollte daraus.

01:05:45.901 --> 01:05:52.900
<v Hendrik Ballhausen>Insofern das einzige, was es gibt, sin anwaltliche Gutachten und die sagen eigentlich so grundsätzlich,

01:05:52.901 --> 01:06:00.400
<v Hendrik Ballhausen>also der Grundtenor ist, es ist eine Verbesserung gegenüber dem Status quo datenschutzrechtlich,

01:06:00.401 --> 01:06:07.600
<v Hendrik Ballhausen>aber die Akteure sind meistens noch in derselben Verantwortung, die sie ohne diese Verfahren hätten.

01:06:07.601 --> 01:06:12.500
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, wo früher ein Kooperationsvertrag geschlossen werden musste,

01:06:12.501 --> 01:06:15.900
<v Hendrik Ballhausen>muss auch heute noch ein Kooperationsvertrag geschlossen werden.

01:06:15.901 --> 01:06:24.700
<v Hendrik Ballhausen>Wo man früher Terminus Technicus von einer gemeinsamen Datenverarbeitung in gemeinsamer Verantwortung gesprochen hätte,

01:06:24.701 --> 01:06:30.200
<v Hendrik Ballhausen>würde man auch heute noch davon sprechen, auch ohne dass die Leute gegenseitig ihre Daten sehen.

01:06:30.201 --> 01:06:33.000
<v Hendrik Ballhausen>Jetzt hast du nach dem Startup gefragt.

01:06:33.001 --> 01:06:38.200
<v Hendrik Ballhausen>Startups scheinen das Problem irgendwie weniger zu haben, die sind meistens sehr risikoaffig.

01:06:38.201 --> 01:06:43.500
<v Hendrik Ballhausen>Also ein Startup, das jetzt wegen einem Datenschutzskandal pleite geht,

01:06:43.501 --> 01:06:47.700
<v Hendrik Ballhausen>das gibt es schon, das gibt es aber auch ohne unsere Verfahren,

01:06:47.701 --> 01:06:50.000
<v Hendrik Ballhausen>das gibt es dann vielleicht mit unseren Verfahren ein bisschen seltener.

01:06:50.001 --> 01:06:54.500
<v Hendrik Ballhausen>Und der Branchenverband, letztlich ist das auch wieder Vertrauen.

01:06:54.501 --> 01:06:59.800
<v Hendrik Ballhausen>Das Startup muss halt vertrauenswürdig gegenüber dem Branchenverband auftreten,

01:06:59.801 --> 01:07:04.500
<v Hendrik Ballhausen>muss es denen erklären, muss auch die eigenen Interessen offenlegen

01:07:04.501 --> 01:07:08.600
<v Hendrik Ballhausen>und der Branchenverband ist dann hoffentlich gegenüber seinen Mitgliedern auch in einer Position,

01:07:08.601 --> 01:07:12.800
<v Hendrik Ballhausen>dass die dem trauen, dass wenn der Vorstand da etwas für gut befunden hat,

01:07:12.801 --> 01:07:15.600
<v Hendrik Ballhausen>dass man dem auch folgen kann.

01:07:15.601 --> 01:07:20.300
<v Hendrik Ballhausen>Aber da gibt es jetzt keine Deus ex Machina Lösung, sondern das ist letztlich,

01:07:20.301 --> 01:07:23.500
<v Hendrik Ballhausen>das sind wieder Menschen, das sind Prozesse, es sind Abstimmungen

01:07:23.501 --> 01:07:26.700
<v Hendrik Ballhausen>und am Ende des Tages auch dort Vertrauen.

01:07:26.701 --> 01:07:31.600
<v Tim Pritlove>Ja bzw. muss man wahrscheinlich auch in die eigene Forschung gehen.

01:07:31.601 --> 01:07:33.600
<v Tim Pritlove>Ich meine, man kann ja immer so den aktuellen Hypes hinterherlaufen,

01:07:33.601 --> 01:07:38.200
<v Tim Pritlove>aber man kann vielleicht auch einfach mal schauen, okay, was sind denn eigentlich unsere tatsächlichen Bedarfe

01:07:38.201 --> 01:07:45.100
<v Tim Pritlove>und dass der Bedarf an Datenauswertung immer da ist, auf die ein oder andere Art und Weise,

01:07:45.101 --> 01:07:49.200
<v Tim Pritlove>haben wir ja schon festgestellt und das würde ja dann letzten Endes bedeuten,

01:07:49.201 --> 01:07:55.100
<v Tim Pritlove>dass solche, ich finde dieses Branchenbeispiel irgendwie sehr gut, weil das ganz illustriert,

01:07:55.101 --> 01:08:00.300
<v Tim Pritlove>okay, wir wollen für uns Daten machen, aber ihr vertraut einander eigentlich nicht,

01:08:00.301 --> 01:08:05.300
<v Tim Pritlove>ihr wollt uns die Daten nicht rausrücken, so, trotzdem wäre es schön,

01:08:05.301 --> 01:08:12.200
<v Tim Pritlove>wenn wir für uns alle eine Statistik haben, wie es denn eigentlich ist, weil das ja für uns auch ein politisches Argument Dritten gegenüber ist.

01:08:12.201 --> 01:08:13.500
<v Hendrik Ballhausen>Absolut.

01:08:13.501 --> 01:08:18.900
<v Tim Pritlove>So und deswegen könnte man dann ja auch argumentieren, okay, ihr versteht das jetzt vielleicht alles noch nicht

01:08:18.901 --> 01:08:26.200
<v Tim Pritlove>und ihr habt da irgendwie juristische Bedenken, naja dann schafft euch doch mal die Kompetenz auch ran

01:08:26.201 --> 01:08:33.100
<v Tim Pritlove>und macht eine Abteilung dafür, die sich damit beschäftigt und vielleicht liegt das auch noch ein paar Jahre in der Zukunft,

01:08:33.101 --> 01:08:39.100
<v Tim Pritlove>aber im Prinzip müsstet ihr diesen Weg gehen, weil auf der anderen Seite leuchtet halt das Licht am Ende des Tunnels,

01:08:39.101 --> 01:08:44.600
<v Tim Pritlove>was dann eben heißt, ihr könnt Auswertungen machen, die ihr derzeit einfach gar nicht machen könnt.

01:08:44.601 --> 01:08:50.100
<v Hendrik Ballhausen>Ja oder für viel Geld, also es hat ja auch sozusagen der einzelne Betrieb hätte ja auch einen Vorteil.

01:08:50.101 --> 01:08:54.200
<v Hendrik Ballhausen>Also das klassische Modell ist ja eigentlich der Unternehmensberater,

01:08:54.201 --> 01:08:59.900
<v Hendrik Ballhausen>der einmal im Kreis zwischen diesen Firmen durchläuft und am Ende bekommt dann jeder diesen typischen Barplot,

01:08:59.901 --> 01:09:03.700
<v Hendrik Ballhausen>wo man dann 20 eingegraute Säulen sieht und eine Säule ist eingefärbt

01:09:03.701 --> 01:09:07.300
<v Hendrik Ballhausen>und dann wird einem verraten, das bist du und du kannst jetzt sehen,

01:09:07.301 --> 01:09:11.100
<v Hendrik Ballhausen>wie du sozusagen unter deinen Mitbewerbern stehst, aber du weißt nicht, wer sind die anderen.

01:09:11.101 --> 01:09:17.200
<v Hendrik Ballhausen>Auch da übrigens differential privacy wird dann immer gerundet und verrauscht bei den anderen Säulen.

01:09:17.201 --> 01:09:21.200
<v Hendrik Ballhausen>Die spannende Frage ist, du sagst jetzt, schafft euch die Kompetenzen.

01:09:21.201 --> 01:09:24.800
<v Hendrik Ballhausen>Das ist eben die Frage, wie häufig wird das denn gebraucht?

01:09:24.801 --> 01:09:29.300
<v Hendrik Ballhausen>Also ich würde mal sagen, von einem kleinen Mittelständler kann man das sicherlich nicht verlangen,

01:09:29.301 --> 01:09:33.200
<v Hendrik Ballhausen>in dem Bereich Kompetenzen zu erwerben, auch selbst von dem Branchenverband.

01:09:33.201 --> 01:09:34.300
<v Hendrik Ballhausen>Es ist ja schon sehr speziell.

01:09:34.301 --> 01:09:41.200
<v Hendrik Ballhausen>Es ist halt die Frage, ob es in Zukunft vielleicht auch Berater gibt, die sagen,

01:09:41.201 --> 01:09:45.300
<v Hendrik Ballhausen>es gibt auch erste Berater, also ich will jetzt hier keine Namen nennen,

01:09:45.301 --> 01:09:49.100
<v Hendrik Ballhausen>aber es gibt unter den großen Technologieberatern gibt es halt eine Firma,

01:09:49.101 --> 01:09:52.900
<v Hendrik Ballhausen>die sich damit seit ein paar Jahren schon beschäftigt und diese Verfahren auch kennt

01:09:52.901 --> 01:10:00.800
<v Hendrik Ballhausen>und auch ihre Klienten darüber informiert, dass man diese Verfahren nutzen kann.

01:10:00.801 --> 01:10:08.000
<v Tim Pritlove>Ja, ich meine ja nicht, dass jetzt jeder Branchenverband jetzt ein komplettes Kompetenzzentrum aufbauen muss,

01:10:08.001 --> 01:10:15.000
<v Tim Pritlove>sondern es reicht ja oft schon, dass man überhaupt erst mal Leute festgebunden in einer Struktur hat,

01:10:15.001 --> 01:10:18.400
<v Tim Pritlove>die sich damit hauptamtlich beschäftigen, das zu verstehen.

01:10:18.401 --> 01:10:23.500
<v Tim Pritlove>Also dass man einfach überhaupt erst mal so eine Vertrauensperson im eigenen Apparat hat,

01:10:23.501 --> 01:10:30.800
<v Tim Pritlove>wo man sagen kann, hast du dir das schon mal angeschaut, ist das was für uns oder ist das nichts.

01:10:30.801 --> 01:10:33.000
<v Tim Pritlove>Was man sich zum Beispiel bei dieser Blockchain häufiger mal wünschen würde,

01:10:33.001 --> 01:10:38.000
<v Tim Pritlove>dass solche Kompetenzzentren existieren, um halt einfach mal zu sehen, worum es sich dabei wirklich handelt.

01:10:38.001 --> 01:10:44.800
<v Tim Pritlove>Anstatt eben einfach immer nur dem aktuellen Hype so hinterher zu hecheln und der einzige Maßstab ist,

01:10:44.801 --> 01:10:48.200
<v Tim Pritlove>aber alle anderen reden ja auch darüber, also muss es toll sein.

01:10:48.201 --> 01:10:52.600
<v Hendrik Ballhausen>Da wären vermutlich die Datenschutzbeauftragten schon genau die richtigen Personen

01:10:52.601 --> 01:10:55.100
<v Hendrik Ballhausen>und die gibt es ja auch in vielen Strukturen schon.

01:10:55.101 --> 01:10:56.700
<v Tim Pritlove>Das stimmt natürlich.

01:10:56.701 --> 01:11:00.600
<v Hendrik Ballhausen>Und das sind eigentlich auch nicht die, die dafür bekannt wären, dass sie jedem Trend hinterherlaufen,

01:11:00.601 --> 01:11:05.800
<v Hendrik Ballhausen>sondern die eigentlich eher darauf bedacht sind, ihre Formalismen auch zu wahren.

01:11:05.801 --> 01:11:08.500
<v Hendrik Ballhausen>Das ist eigentlich ein guter Gedanke, ich würde mir den auch gerne mitnehmen,

01:11:08.501 --> 01:11:17.600
<v Hendrik Ballhausen>dass man vielleicht darauf setzt, dass diese Zusammenarbeit von den domänenspezifischen Datenschutzbeauftragten,

01:11:17.601 --> 01:11:20.200
<v Hendrik Ballhausen>die ja auch auf der anderen Seite ihre Daten sehr gut verstehen,

01:11:20.201 --> 01:11:27.100
<v Hendrik Ballhausen>und dass es dann vielleicht so Startups gäbe, die halt so branchenspezifische Lösungen anbieten,

01:11:27.101 --> 01:11:32.200
<v Hendrik Ballhausen>die dann wirklich einfach genug sind, am Ende des Tages muss es ja wirklich auch ein Programm sein, das läuft.

01:11:32.201 --> 01:11:36.900
<v Hendrik Ballhausen>Also unser OpenSource-Projekt das sind Bibliotheken, das wendet sich aber nicht an Anwender,

01:11:36.901 --> 01:11:40.300
<v Hendrik Ballhausen>das wendet sich wieder an Programmierer.

01:11:40.301 --> 01:11:47.300
<v Hendrik Ballhausen>Und wir haben uns schon sehr viel Mühe gegeben, beispielsweise auch, ohne jetzt zu technisch zu werden,

01:11:47.301 --> 01:11:51.500
<v Hendrik Ballhausen>wir haben unsere Bibliothek so erweitert, dass man damit auch Webseiten bauen kann.

01:11:51.501 --> 01:11:55.000
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, man muss gar nicht mehr unbedingt jetzt ein Programm bauen,

01:11:55.001 --> 01:12:00.700
<v Hendrik Ballhausen>da muss nicht irgendwo ein komplexer Server mit einer komplexen Anwendung laufen,

01:12:00.701 --> 01:12:03.300
<v Hendrik Ballhausen>sondern man kann auch einfach zwei Webseiten miteinander rechnen lassen.

01:12:03.301 --> 01:12:07.800
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, du hast deinen Browser offen, ich habe meinen Browser offen, dritte Person hat ihren Browser offen,

01:12:07.801 --> 01:12:09.900
<v Hendrik Ballhausen>und dann können wir genau das machen.

01:12:09.901 --> 01:12:13.100
<v Hendrik Ballhausen>Und dann müsste so ein Startup eigentlich nichts anderes machen als sagen,

01:12:13.101 --> 01:12:18.900
<v Hendrik Ballhausen>wir bauen jetzt eine schöne Webseite, irgendwie branchenspezifisch, je nachdem

01:12:18.901 --> 01:12:25.400
<v Hendrik Ballhausen>ob es jetzt Agrar ist oder Stahl ist, sondern irgendwie vielleicht in grün oder grau gehalten

01:12:25.401 --> 01:12:32.100
<v Hendrik Ballhausen>und in dem Nutzerinterface, natürlich auch entsprechende sozusagen Zugangskontrollen,

01:12:32.101 --> 01:12:34.600
<v Hendrik Ballhausen>und dann könnte man auch einfach Webseiten bauen, die das machen.

01:12:34.601 --> 01:12:38.600
<v Hendrik Ballhausen>Und das wäre dann schon viel zugänglicher als den Leuten zu sagen,

01:12:38.601 --> 01:12:44.700
<v Hendrik Ballhausen>ihr braucht jetzt einen total komplizierten TechStack(?), ihr braucht einen schwierigen Server

01:12:44.701 --> 01:12:46.500
<v Hendrik Ballhausen>mit einem bestimmten Betriebssystem, das war auch übrigens einer,

01:12:46.501 --> 01:12:52.100
<v Hendrik Ballhausen>wenn ich das noch sagen darf, einer unserer Ansätze, warum Federates Secure Computing,

01:12:52.101 --> 01:12:54.400
<v Hendrik Ballhausen>was ist die Federation darin?

01:12:54.401 --> 01:12:57.600
<v Hendrik Ballhausen>Wir wollen halt auch unterschiedliche Systeme zusammenbringen.

01:12:57.601 --> 01:13:02.300
<v Hendrik Ballhausen>Wenn man einen Branchenverband hat mit vielleicht 40 Mitgliedsunternehmen,

01:13:02.301 --> 01:13:05.900
<v Hendrik Ballhausen>dann werden die unterschiedliche IT-Systeme haben.

01:13:05.901 --> 01:13:10.300
<v Hendrik Ballhausen>Und das sehen wir zum Beispiel auch in der Medizininformatikinitiative,

01:13:10.301 --> 01:13:14.100
<v Hendrik Ballhausen>da gemeinsame Standars zu schaffen, hat Jahre gedauert.

01:13:14.101 --> 01:13:16.400
<v Hendrik Ballhausen>Das heißt, jetzt 40 Leuten zu sagen, ihr braucht dasselbe Betriebssystem

01:13:16.401 --> 01:13:19.900
<v Hendrik Ballhausen>und ihr braucht noch denselben Technologie Stack(?) und so weiter und so fort.

01:13:19.901 --> 01:13:21.600
<v Tim Pritlove>Datenformate.

01:13:21.601 --> 01:13:25.100
<v Hendrik Ballhausen>Datenformate, geht gar nicht.

01:13:25.101 --> 01:13:28.100
<v Hendrik Ballhausen>Deswegen eben dieser Ansatz, ihr könnt das programmieren mit was ihr wollt,

01:13:28.101 --> 01:13:32.200
<v Hendrik Ballhausen>wir haben Clients für alle Sprachen, es ist betriebssystemunabhängig,

01:13:32.201 --> 01:13:35.300
<v Hendrik Ballhausen>es läuft selbst auf meinem Android-Smartphone, ich habe es auf meinem Android-Smartphone,

01:13:35.301 --> 01:13:38.900
<v Hendrik Ballhausen>da läuft es ganz genauso drauf, es läuft inzwischen auch auf dem Rasperry Pie,

01:13:38.901 --> 01:13:43.800
<v Hendrik Ballhausen>also es können auch Schüler, Schulen können das vielleicht auch mal gerne ausprobieren.

01:13:43.801 --> 01:13:47.200
<v Hendrik Ballhausen>Und das ist noch eben so ein wichtiger Punkt, use what you have

01:13:47.201 --> 01:13:49.900
<v Hendrik Ballhausen>und verwendet weiter das, was ihr kennt.

01:13:49.901 --> 01:13:52.200
<v Hendrik Ballhausen>Auch damit alleine sind schon Hürden abgebaut.

01:13:52.201 --> 01:13:54.300
<v Hendrik Ballhausen>Und das ist letztlich das, was wir mit unserem Projekt wollen,

01:13:54.301 --> 01:13:58.400
<v Hendrik Ballhausen>Hürden abbauen, Hürden, abbauen, Hürden abbauen und Awareness schaffen.

01:13:58.401 --> 01:14:01.700
<v Tim Pritlove>Und am Ende braucht es eigentlich nur noch so eine kollektive Taxonomie,

01:14:01.701 --> 01:14:06.300
<v Tim Pritlove>in der man dann halt die tatsächlichen Daten dann so berechnet und zusammenführt,

01:14:06.301 --> 01:14:10.900
<v Tim Pritlove>wie man sie dann eben gerne hätte, aber man muss nicht an den eigenen Datenbeständen groß was ändern.

01:14:10.901 --> 01:14:11.400
<v Hendrik Ballhausen>Richtig.

01:14:11.401 --> 01:14:15.000
<v Tim Pritlove>Man muss sie nur in dem Moment, wo diese Berechnungen durchgeführt werden,

01:14:15.001 --> 01:14:20.600
<v Tim Pritlove>die Daten eingesammelt werden, entsprechend abbilden können und selber auch lokal prozessieren können.

01:14:20.601 --> 01:14:25.400
<v Hendrik Ballhausen>Ja, richtig.

01:14:25.401 --> 01:14:30.100
<v Tim Pritlove>Na, das klingt doch alles nach blühenden Landschaften.

01:14:30.101 --> 01:14:35.100
<v Hendrik Ballhausen>Ja, wir hoffen, wir haben jetzt drei Jahre Zeit, dass das funktionieren kann

01:14:35.101 --> 01:14:43.700
<v Hendrik Ballhausen>und wir freuen uns natürlich auf und über jeden Interessenten.

01:14:43.701 --> 01:14:49.200
<v Tim Pritlove>Also die drei Jahre, die jetzt durch die Wirkung hoch 100 Preis finanziert wurde vom Stifterverband.

01:14:49.201 --> 01:14:50.800
<v Hendrik Ballhausen>Ganz genau.

01:14:50.801 --> 01:14:56.900
<v Hendrik Ballhausen>Wir würden natürlich auch versuchen, uns durch andere Drittmittelantragstellungen querzufinanzieren.

01:14:56.901 --> 01:15:02.400
<v Hendrik Ballhausen>Also wir sehen das jetzt schon in der Medizin natürlich, wenn es jetzt andere Drittmittelprojekte gibt,

01:15:02.401 --> 01:15:06.100
<v Hendrik Ballhausen>die das auch verwenden, dann sorgen wir dafür, dass da ein bisschen was zurückfließt.

01:15:06.101 --> 01:15:14.100
<v Hendrik Ballhausen>Gar nicht jetzt aus Profitinteresse, sondern einfach um den Topf dieses Drittmittelprojektes weiter zu stärken.

01:15:14.101 --> 01:15:20.600
<v Hendrik Ballhausen>Aber das allermeiste kommt im Moment vom Stifterverband und das ist auch genau das richtige Format,

01:15:20.601 --> 01:15:25.500
<v Hendrik Ballhausen>um eben jetzt diese Showcases darzustellen.

01:15:25.501 --> 01:15:29.900
<v Tim Pritlove>Und wird dann die LMU die erste sein, die das auch wirklich zur Anwendung bringt?

01:15:29.901 --> 01:15:33.900
<v Hendrik Ballhausen>Na, die LMU hat es ja schon verwandt die die Charité hat es auch verwandt

01:15:33.901 --> 01:15:35.800
<v Hendrik Ballhausen>und einige andere Universitäten.

01:15:35.801 --> 01:15:41.300
<v Hendrik Ballhausen>Tatsächlich würden wir uns jetzt ganz besonders freuen, wenn ein, zwei dieser Ideen,

01:15:41.301 --> 01:15:49.900
<v Hendrik Ballhausen>die wir jetzt in diesem, sage ich mal, Spannungsfeld von Public Sector, Private Sector stattfinden, funktionieren würden.

01:15:49.901 --> 01:15:55.800
<v Hendrik Ballhausen>Da gibt es interessante Usecases aus der Automobilindustrie,

01:15:55.801 --> 01:16:01.800
<v Hendrik Ballhausen>da gibt es ja zum Beispiel auch am Horizont dieses Gaia X, diese europäische Cloud-Plattform,

01:16:01.801 --> 01:16:08.700
<v Hendrik Ballhausen>die ja eigentlich eher ein gemeinsames Arbeiten auch an Protokollen und Formaten ist,

01:16:08.701 --> 01:16:11.500
<v Hendrik Ballhausen>da würde es sehr gut hineinpassen.

01:16:11.501 --> 01:16:17.200
<v Hendrik Ballhausen>Aber letztendlich muss ich ganz ehrlich sagen, ich würde mich im Moment am allerallerallermeisten freuen,

01:16:17.201 --> 01:16:21.200
<v Hendrik Ballhausen>wenn wirklich ein junges Gründerteam kommt oder ein kleiner Mittelständler,

01:16:21.201 --> 01:16:27.500
<v Hendrik Ballhausen>der sagt, das ist genau das, was wir gesucht haben und wir bauen jetzt eine ganz knackige,

01:16:27.501 --> 01:16:32.600
<v Hendrik Ballhausen>konkrete, spannende Anwendung da drum herum.

01:16:32.601 --> 01:16:36.500
<v Hendrik Ballhausen>Das wäre eigentlich das, was mich persönlich am meisten freuen würde.

01:16:36.501 --> 01:16:40.600
<v Tim Pritlove>Gibt es alles auf FederatedSecure.com

01:16:40.601 --> 01:16:43.600
<v Hendrik Ballhausen>FederatedSecure.com, das ist unsere Landingpage, gerne hinschauen

01:16:43.601 --> 01:16:49.000
<v Hendrik Ballhausen>oder für die Leute, die jetzt nah an den Keyboards sitzen und programmieren wollen,

01:16:49.001 --> 01:16:55.900
<v Hendrik Ballhausen>auf Github FDRTD, federated ist die Sammlung unserer Repositorien(?)

01:16:55.901 --> 01:17:02.900
<v Hendrik Ballhausen>und jederzeit gerne mitmachen, unser Projekt wächst und gedeiht natürlich auch nur mit Leuten,

01:17:02.901 --> 01:17:06.200
<v Hendrik Ballhausen>nicht nur die das benutzen, sondern die dann auch zurückgeben,

01:17:06.201 --> 01:17:09.300
<v Hendrik Ballhausen>genau das ist ja auch die Philosophie eines OpenSource-Projektes.

01:17:09.301 --> 01:17:10.400
<v Tim Pritlove>Genau.

01:17:10.401 --> 01:17:18.600
<v Tim Pritlove>Ja, würde ich sagen, haben wir alles zusammengefegt oder, was man hierzu sagen kann?

01:17:18.601 --> 01:17:19.200
<v Hendrik Ballhausen>Ganz herzlichen Dank.

01:17:19.201 --> 01:17:21.700
<v Tim Pritlove>Ja, ich habe zu danken.

01:17:21.701 --> 01:17:25.700
<v Tim Pritlove>Ja, und ich danke auch fürs Zuhören hier bei Forschergeist.

01:17:25.701 --> 01:17:30.300
<v Tim Pritlove>Das war die 95. Ausgabe und hier geht es bald wieder weiter.

01:17:30.301 --> 01:17:32.300
<v Tim Pritlove>Bis dahin sage ich, tschüss und bis bald.
