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Podcast: Forschergeist
Episode: FG092 Innovationen kreativ ermöglichen
Publishing Date: 2022-03-09T14:45:47+01:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg092-innovationen-kreativ-ermoeglichen/

00:00:43.501 --> 00:00:47.900
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:47.901 --> 00:00:54.600
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 92. Ausgabe dieser Gesprächsreihe,

00:00:54.601 --> 00:01:00.400
<v Tim Pritlove>wo wir immer über ganz viel wichtige Sachen sprechen und manchmal geht es extrem ins Detail

00:01:00.401 --> 00:01:03.800
<v Tim Pritlove>und manchmal bewegt man sich dann doch mehr auf der Metaebene,

00:01:03.801 --> 00:01:06.200
<v Tim Pritlove>das wird heute wahrscheinlich so eine Sendung werden,

00:01:06.201 --> 00:01:09.700
<v Tim Pritlove>denn wir wollen über Innovation sprechen und auch über Kreativität

00:01:09.701 --> 00:01:12.800
<v Tim Pritlove>und noch ein paar andere interessante Begriffe und Tätigkeiten.

00:01:12.801 --> 00:01:15.500
<v Tim Pritlove>Und dazu begrüße ich erst mal meine Gesprächspartnerin heute,

00:01:15.501 --> 00:01:18.100
<v Tim Pritlove>nämlich Katharina Hölzle, schönen guten Tag.

00:01:18.101 --> 00:01:20.400
<v Katharina Hölzle>Hallo, ich freue mich, da zu sein.

00:01:20.401 --> 00:01:23.900
<v Tim Pritlove>Ich freue mich, hier zu sein, denn ich bin ja eigentlich der Gast.

00:01:23.901 --> 00:01:33.100
<v Tim Pritlove>Ich bin nach Potsdam gefahren, denn dort sind Sie Professorin für IT-Entrepreneurship, wie das so schön heißt.

00:01:33.101 --> 00:01:39.600
<v Tim Pritlove>Was Teil der Digital Engineering Fakultät ist an der Universität Potsdam.

00:01:39.601 --> 00:01:42.900
<v Tim Pritlove>Soweit stimmt das, aber jetzt wird es kompliziert,

00:01:42.901 --> 00:01:46.900
<v Tim Pritlove>das Ganze hat auch noch eine Verbindung mit dem Hasso Plattner Institut.

00:01:46.901 --> 00:01:48.800
<v Tim Pritlove>Und das ist gar nicht so einfach zu erklären oder doch?

00:01:48.801 --> 00:01:50.600
<v Katharina Hölzle>Ich versuche es mal ganz einfach.

00:01:50.601 --> 00:01:57.700
<v Katharina Hölzle>Also das ist das Hasso Plattner Institut, welches ja vor über 20 Jahren von Hasso Plattner gegründet wurde.

00:01:57.701 --> 00:02:03.200
<v Katharina Hölzle>Was dann ganz lange ein Aninstitut an der Universität Potsdam war

00:02:03.201 --> 00:02:11.000
<v Katharina Hölzle>und dann vor gut drei Jahren in die Universität Potsdam aufgenommen wurde als Digital Engineering Fakultät.

00:02:11.001 --> 00:02:14.400
<v Tim Pritlove>Ah. Also das ist jetzt sozusagen in die Universität hineingewachsen?

00:02:14.401 --> 00:02:15.600
<v Katharina Hölzle>Genau.

00:02:15.601 --> 00:02:21.700
<v Tim Pritlove>Ja und Hasso Plattner hat ja Kraft seiner Herkunft, sagen wir mal, digitale Themen

00:02:21.701 --> 00:02:26.000
<v Tim Pritlove>und Bildungsthemen auch früh hier in den Fokus gestellt des Instituts

00:02:26.001 --> 00:02:29.500
<v Tim Pritlove>und es hat sich dann mittlerweile ziemlich ausgewachsen hier an der Uni Potsdam,

00:02:29.501 --> 00:02:30.400
<v Tim Pritlove>kann man sagen oder?

00:02:30.401 --> 00:02:34.600
<v Katharina Hölzle>Richtig, genau. Also wir sind ja relativ klein gestartet mit knapp zehn Kollegen,

00:02:34.601 --> 00:02:39.200
<v Katharina Hölzle>zehn Professoren und dann bin ich vor jetzt gut zwei Jahren dazugekommen

00:02:39.201 --> 00:02:44.800
<v Katharina Hölzle>als erste weibliche Professorin und auch als erste nicht-Informatikprofessorin,

00:02:44.801 --> 00:02:50.400
<v Katharina Hölzle>denn vorher war das halt immer Kern die sogenannte angewandte Informatik.

00:02:50.401 --> 00:02:53.400
<v Katharina Hölzle>Und dann bin eben vor zwei Jahren ich dazugekommen

00:02:53.401 --> 00:02:59.700
<v Katharina Hölzle>und der Kollege Übernickel, der das Themenfeld Innovation und Design Thinking, Forschung macht,

00:02:59.701 --> 00:03:07.000
<v Katharina Hölzle>und das waren die ersten beiden, die sich dann mal so ein bisschen interdisziplinär da drüber gelegt haben,

00:03:07.001 --> 00:03:10.600
<v Katharina Hölzle>um die Themen auch mal im Kontext und übergreifend zu sehen.

00:03:10.601 --> 00:03:18.500
<v Katharina Hölzle>Und aktuell sind wir jetzt nach letzter Zählung 24 Professoren und zwei Professorinnen

00:03:18.501 --> 00:03:22.300
<v Katharina Hölzle>und es sollen jetzt noch zwei, drei dazukommen und dann sind wir aber erst mal ausgewachsen.

00:03:22.301 --> 00:03:24.800
<v Katharina Hölzle>So da soll es dann erst mal so bleiben.

00:03:24.801 --> 00:03:28.400
<v Tim Pritlove>Da merkt man schon wieder das Problem, was die Informatik nicht nur in Deutschland,

00:03:28.401 --> 00:03:33.600
<v Tim Pritlove>aber auch in Deutschland, schon immer hat, dass es dann doch sehr männlichlastig war lange lange Zeit.

00:03:33.601 --> 00:03:34.400
<v Katharina Hölzle>Ja.

00:03:34.401 --> 00:03:36.300
<v Tim Pritlove>Bricht langsam auf?

00:03:36.301 --> 00:03:38.000
<v Katharina Hölzle>Nicht wirklich.

00:03:38.001 --> 00:03:44.400
<v Katharina Hölzle>Also es ist wirklich wirklich sehr langsam, es ist ein sehr dickes Brett.

00:03:44.401 --> 00:03:48.200
<v Katharina Hölzle>Ich hätte das vorher auch nicht gedacht, ich komme ja selber aus den Ingenieurswissenschaften,

00:03:48.201 --> 00:03:52.700
<v Katharina Hölzle>da sind wir gefühlt tatsächlich schon 10-15 Jahre weiter.

00:03:52.701 --> 00:03:56.300
<v Katharina Hölzle>Da haben wir schon eine größere Heterogenität und Diversität.

00:03:56.301 --> 00:03:59.700
<v Katharina Hölzle>Die Informatik hat da immer noch wirklich Schwierigkeiten.

00:03:59.701 --> 00:04:02.900
<v Katharina Hölzle>Ich bin ja auch Mitglied der SheTransformsIT Initiative,

00:04:02.901 --> 00:04:07.700
<v Katharina Hölzle>wo wir ja auch mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik versuchen,

00:04:07.701 --> 00:04:10.800
<v Katharina Hölzle>dieses Thema echt ganz oben auf die Agenda zu setzen.

00:04:10.801 --> 00:04:18.200
<v Katharina Hölzle>Ich glaube, da ist es, aber über diese 15 Prozent Frauenanteil kommen wir irgendwie seit Jahren nicht wirklich raus.

00:04:18.201 --> 00:04:21.700
<v Katharina Hölzle>Und wir bemühen uns sehr und ich habe auch immer das Gefühl,

00:04:21.701 --> 00:04:27.500
<v Katharina Hölzle>wir haben viele zarte Pflänzchen, wir gehen in die Schulen,

00:04:27.501 --> 00:04:29.400
<v Katharina Hölzle>wir gehen also in die Kindergärten noch nicht, aber versuchen,

00:04:29.401 --> 00:04:34.400
<v Katharina Hölzle>da wirklich schon frühzeitig anzufangen, aber da muss sich wirklich noch sehr sehr viel ändern.

00:04:34.401 --> 00:04:40.200
<v Tim Pritlove>Ist das noch so ein bisschen Henne-Ei-Problem, dass es auch ein bisschen was mit dem Angebot von unten zu tun hat

00:04:40.201 --> 00:04:43.900
<v Tim Pritlove>oder ist das eher ein strukturelles Problem von oben?

00:04:43.901 --> 00:04:46.000
<v Katharina Hölzle>Ja wahrscheinlich beides.

00:04:46.001 --> 00:04:48.000
<v Katharina Hölzle>Also es kommen halt ganz viele Faktoren zusammen.

00:04:48.001 --> 00:04:52.300
<v Katharina Hölzle>Es fehlen uns die Rollenmodelle, es fehlen uns die Frauen, die da stehen,

00:04:52.301 --> 00:04:55.200
<v Katharina Hölzle>mit denen sich die jungen Frauen, die Mädchen identifizieren können.

00:04:55.201 --> 00:05:00.300
<v Katharina Hölzle>Gleichzeitig ist es so, dass wir insgesamt im Kontext MINT einfach,

00:05:00.301 --> 00:05:05.100
<v Katharina Hölzle>das wissen Sie sicherlich noch besser als ich, ein totales Bildungsproblem haben.

00:05:05.101 --> 00:05:09.000
<v Katharina Hölzle>Das ist eine schwierig anzufassende Wissenschaft.

00:05:09.001 --> 00:05:11.500
<v Katharina Hölzle>Und bei Informatik kommt es dann noch mal stärker dazu.

00:05:11.501 --> 00:05:16.000
<v Katharina Hölzle>Dass es häufig eben immer damit assoziiert wird, es geht um programmieren,

00:05:16.001 --> 00:05:18.000
<v Katharina Hölzle>es geht um die Nerds, die im Keller sitzen und das ist etwas,

00:05:18.001 --> 00:05:21.900
<v Katharina Hölzle>damit holen Sie Mädchen grundsätzlich nicht so schnell hervor,

00:05:21.901 --> 00:05:23.000
<v Katharina Hölzle>da haben die nicht so viel Lust drauf.

00:05:23.001 --> 00:05:26.000
<v Katharina Hölzle>Was wir sehen sind die Bindestrich-Informatiken.

00:05:26.001 --> 00:05:30.000
<v Katharina Hölzle>Wirtschafts-Informatik, Bio-Informatik, Medien-Informatik,

00:05:30.001 --> 00:05:35.300
<v Katharina Hölzle>da ist der Frauenanteil deutlich höher, da sind wir mittlerweile schon bei 30-40 Prozent angekommen.

00:05:35.301 --> 00:05:38.300
<v Katharina Hölzle>Also das heißt, wenn wir das Ganze verbinden mit einem Sinn,

00:05:38.301 --> 00:05:44.000
<v Katharina Hölzle>mit einer Anwendung, mit dem Thema Impact, da sind wir ja schon so ein bisschen bei dem Innovationsthema,

00:05:44.001 --> 00:05:49.900
<v Katharina Hölzle>da klappt es besser, ja.

00:05:49.901 --> 00:05:53.200
<v Katharina Hölzle>Aber so die Kerninformatik und so, das ist schwierig und genau,

00:05:53.201 --> 00:05:57.300
<v Katharina Hölzle>wir haben gerade bei der Schule angefangen und das setzt sich dann aber leider so fort,

00:05:57.301 --> 00:06:01.500
<v Katharina Hölzle>dass wir eben auch an den Universitäten sehen, dass selbst wenn wir die Mädchen,

00:06:01.501 --> 00:06:04.800
<v Katharina Hölzle>die jungen Frauen haben, die anfangen Informatik zu studieren,

00:06:04.801 --> 00:06:07.700
<v Katharina Hölzle>dass die sehr sehr zu kämpfen haben, weil es doch immer noch sehr programmierlastig ist.

00:06:07.701 --> 00:06:10.800
<v Katharina Hölzle>Die Jungs können alle programmieren, die Mädchen können nicht programmieren

00:06:10.801 --> 00:06:14.500
<v Katharina Hölzle>und da müssen wir einfach noch mehr Angebote schaffen und dann sagen,

00:06:14.501 --> 00:06:19.500
<v Katharina Hölzle>ja es gibt tatsächlich Mädchenprogrammierkurse, damit die einfach erst mal ankommen.

00:06:19.501 --> 00:06:27.700
<v Tim Pritlove>Ja, das gibt mir Anlass und Gelegenheit, mal nach Ihrem eigenen Werdegang zu fragen.

00:06:27.701 --> 00:06:29.600
<v Tim Pritlove>Sie haben ja eigentlich so ein bisschen mit der Wirtschaft angefangen,

00:06:29.601 --> 00:06:32.600
<v Tim Pritlove>kann man das so formulieren?

00:06:32.601 --> 00:06:35.300
<v Tim Pritlove>ich weiß nicht, ob man jetzt schon beim Studium starten sollte,

00:06:35.301 --> 00:06:37.800
<v Tim Pritlove>mich interessiert immer so ein bisschen die Motivation eigentlich,

00:06:37.801 --> 00:06:40.300
<v Tim Pritlove>warum man ja ein bestimmtes Studium überhaupt erst einschlägt.

00:06:40.301 --> 00:06:43.800
<v Tim Pritlove>Also bei Ihnen war das dann die Wirtschaftsingenieurwissenschaften richtig?

00:06:43.801 --> 00:06:45.100
<v Katharina Hölzle>Richtig.

00:06:45.101 --> 00:06:48.800
<v Tim Pritlove>Wie kommt man da drauf?

00:06:48.801 --> 00:06:55.200
<v Katharina Hölzle>Man kommt darauf, wenn der eigene Vater Unternehmer ist

00:06:55.201 --> 00:07:01.400
<v Katharina Hölzle>und man selber aber gesehen hat, wie er gestrampelt hat,

00:07:01.401 --> 00:07:04.000
<v Katharina Hölzle>wie schwer das war, wie eng auch häufig das Geld war,

00:07:04.001 --> 00:07:07.200
<v Katharina Hölzle>dass das für mich nie ein Karriereweg war.

00:07:07.201 --> 00:07:09.900
<v Katharina Hölzle>Dass ich gesagt habe, nein das möchte ich nicht.

00:07:09.901 --> 00:07:12.300
<v Katharina Hölzle>Ich finde die Wirtschaft spannend, ich habe es kennengelernt bei meinem Vater,

00:07:12.301 --> 00:07:17.500
<v Katharina Hölzle>habe natürlich da auch viel mitgearbeitet, aber wollte auf gar keinen Fall BWL studieren,

00:07:17.501 --> 00:07:22.400
<v Katharina Hölzle>weil ich die BWLer damals schwierig fand.

00:07:22.401 --> 00:07:23.900
<v Katharina Hölzle>Ich hatte Mathe, Chemie Leistungskurs.

00:07:23.901 --> 00:07:29.500
<v Katharina Hölzle>Ich glaube, wenn ich aus einem klassischen Akademikerhaushalt gekommen wäre,

00:07:29.501 --> 00:07:33.900
<v Katharina Hölzle>was wir nicht waren, dann hätte ich vielleicht sogar Ingenieurwesen studieren können,

00:07:33.901 --> 00:07:35.900
<v Katharina Hölzle>das ist so etwas, was ich immer noch ein bisschen bedaure,

00:07:35.901 --> 00:07:41.400
<v Katharina Hölzle>dass ich nicht mehr Mut hatte, tatsächlich in die Ingenieurwissenschaften einzusteigen.

00:07:41.401 --> 00:07:46.400
<v Katharina Hölzle>Und der Wirtschaftsingenieur das war dann so der praktische Wirtschaftswissenschaftler auf der einen.

00:07:46.401 --> 00:07:47.900
<v Katharina Hölzle>Und auf der anderen Seite …

00:07:47.901 --> 00:07:49.700
<v Tim Pritlove>Die Bindestrich-Disziplin.

00:07:49.701 --> 00:07:54.600
<v Katharina Hölzle>Genau, also vielleicht ganz vergleichbar.

00:07:54.601 --> 00:08:03.400
<v Tim Pritlove>Und wie muss man das verstehen, also Wirtschaftsingenieur, wo liegt der Schwerpunkt?

00:08:03.401 --> 00:08:06.500
<v Katharina Hölzle>Naja, also im Grundstudium ist er erst mal schön bunt.

00:08:06.501 --> 00:08:10.700
<v Katharina Hölzle>Ich habe ja noch ein klassisches Diplom gemacht in Karlsruhe an der Technischen Universität.

00:08:10.701 --> 00:08:14.700
<v Katharina Hölzle>Und da haben Sie natürlich von Mathe 1 bis 3b über die Physik,

00:08:14.701 --> 00:08:17.700
<v Katharina Hölzle>über die Chemie, über die Materialwissenschaften alles dabei.

00:08:17.701 --> 00:08:22.100
<v Katharina Hölzle>Und dann auch so ein bisschen die auch Programmierung, Rechnungswesen

00:08:22.101 --> 00:08:26.100
<v Katharina Hölzle>und dann im Hauptstudium habe ich mich dann auf der einen Seite

00:08:26.101 --> 00:08:29.700
<v Katharina Hölzle>im Bereich der Ingenieurswissenschaften hatte ich den Maschinenbau

00:08:29.701 --> 00:08:31.300
<v Katharina Hölzle>und auch wieder die Materialwissenschaften.

00:08:31.301 --> 00:08:35.200
<v Katharina Hölzle>Und auf der anderen Seite dann, das war die Karlsruher Prägung,

00:08:35.201 --> 00:08:41.300
<v Katharina Hölzle>aber auch immer schon Informatik, Operations Research und Wirtschaftswissenschaften.

00:08:41.301 --> 00:08:41.800
<v Katharina Hölzle>Und letztendlich …

00:08:41.801 --> 00:08:43.500
<v Tim Pritlove>Das war Universität Karlsruhe dann?

00:08:43.501 --> 00:08:50.200
<v Katharina Hölzle>Genau, so und uns wurde dann immer vorgeworfen, das wird dem Wirtschaftsingenieur immer gerne noch vorgeworfen,

00:08:50.201 --> 00:08:55.000
<v Katharina Hölzle>das ist die eierlegende Wollmilchsau, kann alles so ein bisschen, aber nichts richtig.

00:08:55.001 --> 00:08:56.500
<v Tim Pritlove>Das kann auch ein Vorteil sein.

00:08:56.501 --> 00:08:57.700
<v Katharina Hölzle>Genau.

00:08:57.701 --> 00:09:00.600
<v Tim Pritlove>Dann ging es aber in die Wirtschaft für Sie erst mal?

00:09:00.601 --> 00:09:04.700
<v Katharina Hölzle>Genau, also ich hatte das große Glück, dass ich ein Jahr im Ausland studieren durfte.

00:09:04.701 --> 00:09:07.500
<v Katharina Hölzle>Ich habe in den USA meinen Master of Business Administration gemacht

00:09:07.501 --> 00:09:12.800
<v Katharina Hölzle>und hatte dort Professoren, die eigentlich alle aus der Wirtschaft kamen.

00:09:12.801 --> 00:09:16.700
<v Katharina Hölzle>Die hatten alle mal in Unternehmen gearbeitet und das war für mich eine ganz neue Welt.

00:09:16.701 --> 00:09:20.000
<v Katharina Hölzle>Das war also nicht mehr so viel Theorie wie in Karlsruhe,

00:09:20.001 --> 00:09:24.100
<v Katharina Hölzle>sondern das war wirklich Hands on, wie man so sagen kann.

00:09:24.101 --> 00:09:30.100
<v Katharina Hölzle>Und das war für mich der Punkt, dass ich sagte, ich habe während meines Studiums immer schon an einem Lehrstuhl gearbeitet,

00:09:30.101 --> 00:09:34.600
<v Katharina Hölzle>was mir große Freude gemacht hat, aber ich fand dieses Vorbild aus den USA,

00:09:34.601 --> 00:09:40.200
<v Katharina Hölzle>dass die Professoren eben wirklich wussten worüber sie sprachen, das fand ich toll.

00:09:40.201 --> 00:09:44.800
<v Katharina Hölzle>Und da war der Punkt, dass ich sagte, ich kann mir vorstellen, in die Academia zu gehen.

00:09:44.801 --> 00:09:49.200
<v Katharina Hölzle>Aber ich möchte doch gerne noch erst die andere Seite sehen, ich möchte erst noch mal richtig arbeiten.

00:09:49.201 --> 00:09:53.000
<v Katharina Hölzle>Und so kam dann die Entscheidung, zunächst einmal in die Wirtschaft zu gehen.

00:09:53.001 --> 00:09:59.300
<v Katharina Hölzle>Und als ich dann diverse Stationen durchlaufen hatte, vom Großunternehmen Siemens

00:09:59.301 --> 00:10:05.300
<v Katharina Hölzle>über die Unternehmensberatung, Capgemini, bis hin zu einem amerikanischen Startup-Unternehmen,

00:10:05.301 --> 00:10:10.700
<v Katharina Hölzle>war dann irgendwann der Punkt gekommen, dass ich gesagt habe, so jetzt hast du alles mal gesehen

00:10:10.701 --> 00:10:16.000
<v Katharina Hölzle>und jetzt bist du eigentlich bereit, das Ganze jetzt noch mal von der wissenschaftlichen Seite zu betrachten.

00:10:16.001 --> 00:10:22.200
<v Tim Pritlove>Startup und Siemens und so, das sind ja, also das könnte ja kaum weiter voneinander entfernt sein.

00:10:22.201 --> 00:10:27.400
<v Tim Pritlove>Ich will jetzt Siemens nicht zu nahe treten, aber ist natürlich eine ganz andere Struktur.

00:10:27.401 --> 00:10:32.900
<v Tim Pritlove>Also klar, wenn ich jetzt frage, wo nimmt man mehr mit, dann ist die Antwort,

00:10:32.901 --> 00:10:37.000
<v Tim Pritlove>beides ist lehrreich, aber was prägt einen letztlich vielleicht mehr?

00:10:37.001 --> 00:10:41.100
<v Katharina Hölzle>Also am meisten geprägt hat mich tatsächlich die Zeit in der Unternehmensberatung.

00:10:41.101 --> 00:10:46.900
<v Katharina Hölzle>Das war eine sehr harte Zeit, also das ist tatsächlich eigentlich noch mal eine zusätzliche Ausbildung gewesen.

00:10:46.901 --> 00:10:50.600
<v Katharina Hölzle>Ich bin da sehr geschliffen worden, das tat auch teilweise ganz schön weh,

00:10:50.601 --> 00:10:54.300
<v Katharina Hölzle>aber ich glaube, ich habe da wirklich sehr sehr viel noch mal gelernt.

00:10:54.301 --> 00:11:00.700
<v Katharina Hölzle>Und das war ja so das Zwischenstück, zwischen dem Großunternehmen und dann dem Startup.

00:11:00.701 --> 00:11:06.900
<v Katharina Hölzle>Und die anderen beiden Erfahrungen waren sehr unterschiedlich, aber beide gut.

00:11:06.901 --> 00:11:10.100
<v Katharina Hölzle>Also ich glaube, wenn ich nicht vorher in einem Großunternehmen gearbeitet hätte,

00:11:10.101 --> 00:11:17.500
<v Katharina Hölzle>dann hätte ich auf Unternehmensberaterseite nicht so gut verstanden, wie ein Unternehmen tickt,

00:11:17.501 --> 00:11:19.300
<v Katharina Hölzle>in welchen Strukturen es häufig gefangen ist.

00:11:19.301 --> 00:11:25.000
<v Katharina Hölzle>Und wenn ich nicht als Unternehmensberaterin auch gelernt hätte, so selbstständig zu arbeiten,

00:11:25.001 --> 00:11:28.000
<v Katharina Hölzle>dann hätte ich in diesem amerikanischen Startup-Unternehmen,

00:11:28.001 --> 00:11:33.700
<v Katharina Hölzle>wo ich ja dann am Ende dafür verantwortlich war, auch die europäische Tochter aufzubauen,

00:11:33.701 --> 00:11:35.700
<v Katharina Hölzle>hätte ich das nicht so selbständig machen können.

00:11:35.701 --> 00:11:37.900
<v Tim Pritlove>Was für ein Startup war das?

00:11:37.901 --> 00:11:42.500
<v Katharina Hölzle>Das nannte sich „Need2Buy“, das war eine Plattform für die Halbleiterindustrie.

00:11:42.501 --> 00:11:47.700
<v Katharina Hölzle>Und das war also im Jahr 2000, die Hochzeit des e-Commerce,

00:11:47.701 --> 00:11:51.500
<v Katharina Hölzle>und der Halbleitermarkt war damals, was er heute auch immer noch ist, sehr volatil,

00:11:51.501 --> 00:11:56.500
<v Katharina Hölzle>er war sehr intransparent und die Zielsetzung, mit der wir rangegangen waren,

00:11:56.501 --> 00:12:03.900
<v Katharina Hölzle>war es, eine Plattform zu schaffen, um Nachfrage und Angebot besser zusammenzubringen.

00:12:03.901 --> 00:12:09.400
<v Tim Pritlove>Wenn man geschliffen wird in der Unternehmensberatung, was schleift sich da ab und wer schleift da an einem?

00:12:09.401 --> 00:12:17.000
<v Katharina Hölzle>Naja, erst einmal natürlich die verantwortlichen Partner auf dem Projekt, die einem sehr genau sagen,

00:12:17.001 --> 00:12:22.300
<v Katharina Hölzle>wo man sich einzuordnen hat und was von einem erwartet wird.

00:12:22.301 --> 00:12:31.200
<v Katharina Hölzle>Sei es die Form, der Inhalt einer Präsentation, die Art und Weise wie man professionell beim Kunden auftritt.

00:12:31.201 --> 00:12:38.100
<v Katharina Hölzle>Also insofern würde ich eher sagen, schleifen im positiven Sinne, also einen Rohdiamanten in Form bringen.

00:12:38.101 --> 00:12:42.500
<v Tim Pritlove>Eine Härtung eher.

00:12:42.501 --> 00:12:46.200
<v Katharina Hölzle>Was schleift sich ab.

00:12:46.201 --> 00:12:49.900
<v Katharina Hölzle>Also dadurch, dass es bei mir nur gut anderthalb Jahre waren, hat sich nicht so viel abgeschliffen,

00:12:49.901 --> 00:12:52.800
<v Katharina Hölzle>sondern es hat sich tatsächlich viel herausgeschliffen.

00:12:52.801 --> 00:12:55.400
<v Tim Pritlove>Okay, verstehe.

00:12:55.401 --> 00:13:00.200
<v Tim Pritlove>Und dann ging es aber doch eher wieder in die Richtung der Universitäten?

00:13:00.201 --> 00:13:12.400
<v Katharina Hölzle>Genau, also, wie sagt man, das Spiel oder die Tätigkeit bei dem Startup-Unternehmen das endete,

00:13:12.401 --> 00:13:17.700
<v Katharina Hölzle>nachdem die amerikanische Mutter festgestellt hatte, dass die europäische Tochter doch nicht so wichtig ist,

00:13:17.701 --> 00:13:19.300
<v Katharina Hölzle>wie sie das vielleicht geglaubt hat.

00:13:19.301 --> 00:13:23.000
<v Katharina Hölzle>Ich hatte dann das Angebot, in den USA weiterzuarbeiten und da war für mich aber der Punkt,

00:13:23.001 --> 00:13:27.400
<v Katharina Hölzle>dass ich dachte, so jetzt hast du viel gesehen, das wäre auch spannend gewesen,

00:13:27.401 --> 00:13:31.300
<v Katharina Hölzle>aber mein damaliger Professur, für den ich schon in Karlsruhe gearbeitet hatte,

00:13:31.301 --> 00:13:35.000
<v Katharina Hölzle>der war nach Berlin gegangen, ich lebte zu der Zeit theoretisch in Berlin

00:13:35.001 --> 00:13:38.500
<v Katharina Hölzle>und machte mir ein Angebot und sagte, Mensch wie sieht es denn aus?

00:13:38.501 --> 00:13:42.500
<v Katharina Hölzle>So, ich habe dich nicht vergessen, ich habe da jetzt gerade eine Stelle frei, hast du nicht Lust?

00:13:42.501 --> 00:13:46.800
<v Katharina Hölzle>Und das war für mich so der Punkt, dass ich dachte, ja, jetzt ist der an der Technischen Universität Berlin,

00:13:46.801 --> 00:13:51.900
<v Katharina Hölzle>er hatte ein konkretes Projekt mit der Robert Bosch GmbH zusammen, das passte dann auch gut zu diesem Thema.

00:13:51.901 --> 00:13:53.400
<v Tim Pritlove>Auch immer noch in derselben Disziplin?

00:13:53.401 --> 00:13:55.300
<v Katharina Hölzle>Genau, Innovationsmanagement.

00:13:55.301 --> 00:13:58.300
<v Katharina Hölzle>Also er hatte den Lehrstuhl für Technologie und Innovationsmanagement,

00:13:58.301 --> 00:14:06.800
<v Katharina Hölzle>es war eine Promotion im Kontext des Projektmanagements, also Laufbahn für Projektleiter zu entwerfen.

00:14:06.801 --> 00:14:15.700
<v Katharina Hölzle>Und das passte sehr gut zu meinem Anspruch, die Verbinderin, die Vermittlerin zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu sein.

00:14:15.701 --> 00:14:23.400
<v Tim Pritlove>Also das gleiche wie jetzt, aber nicht das gleiche wie vorher, also nichts Wirtschaftsingenieurwissenschaften,

00:14:23.401 --> 00:14:27.100
<v Tim Pritlove>sondern halt jetzt ging es in die Innovation rein.

00:14:27.101 --> 00:14:32.900
<v Tim Pritlove>Und wie kam es dann zu dem Engagement hier?

00:14:32.901 --> 00:14:38.600
<v Katharina Hölzle>Na, ich habe dann an der TU Berlin meine Promotion absolviert, also meine Dissertation geschrieben,

00:14:38.601 --> 00:14:45.300
<v Katharina Hölzle>bin dann kurzzeitig bei dem Professor Gemünden als Postdoc beschäftigt gewesen

00:14:45.301 --> 00:14:47.900
<v Katharina Hölzle>und habe dann eine Juniorprofessur an der TU Berlin angenommen.

00:14:47.901 --> 00:14:51.300
<v Katharina Hölzle>Auch das war wieder Mittlerin zwischen Wirtschaft und Wissenschaft,

00:14:51.301 --> 00:14:56.500
<v Katharina Hölzle>eine Juniorprofessur die von den Deutschen Telekom Laboratories finanziert war,

00:14:56.501 --> 00:15:04.100
<v Katharina Hölzle>die T-Labs waren damals, das war 2007, da gab es die schon ein paar Jahre,

00:15:04.101 --> 00:15:08.400
<v Katharina Hölzle>das war ja eine ausgelagerte Forschungseinheit der Deutschen Telekom,

00:15:08.401 --> 00:15:14.000
<v Katharina Hölzle>angesiedelt an der TU Berlin, mit dem Auftrag, denkt neu.

00:15:14.001 --> 00:15:20.500
<v Katharina Hölzle>Da sind wir schon bei dem Thema kreativ, innovativ, denkt außerhalb der Strukturen der klassischen Deutschen Telekom.

00:15:20.501 --> 00:15:27.100
<v Katharina Hölzle>Und ich hatte die Juniorprofessur für Organisation und Führung im Innovationsmanagement.

00:15:27.101 --> 00:15:34.000
<v Katharina Hölzle>So und das habe ich dann gute anderthalb Jahre gemacht und dann war die Professur für Innovationsmanagement und Entrepreneurship

00:15:34.001 --> 00:15:40.500
<v Katharina Hölzle>an der Universität Potsdam ausgeschrieben und ich habe einfach mal meinen Hut in den Ring geworfen,

00:15:40.501 --> 00:15:47.000
<v Katharina Hölzle>fand mich selber noch ein bisschen jung, aber hat funktioniert und so bin ich dann 2011 an die Universität Potsdam gegangen.

00:15:47.001 --> 00:15:55.400
<v Katharina Hölzle>Hatte damals schon an der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts als Dozentin, als Coach gearbeitet.

00:15:55.401 --> 00:16:03.200
<v Katharina Hölzle>Habe dann angefangen, am Hasso-Plattner-Institut die Bachelor- und Masterstudenten im Kontext Wirtschaft und Gründung zu unterrichten.

00:16:03.201 --> 00:16:09.600
<v Katharina Hölzle>Habe da immer sehr viel Spaß gehabt an den Studierenden, weil die sehr aufgeweckt,

00:16:09.601 --> 00:16:13.900
<v Katharina Hölzle>sehr wissbegierig und gleichzeitig eben diesen technischen Hintergrund,

00:16:13.901 --> 00:16:18.100
<v Katharina Hölzle>der mir dann bei der klassischen BWL ein bisschen fehlte, hatte.

00:16:18.101 --> 00:16:24.500
<v Katharina Hölzle>Und als dann 2018 die Professur für IT-Entrepreneurship am HPI ausgeschrieben war,

00:16:24.501 --> 00:16:33.600
<v Katharina Hölzle>habe ich mich darauf beworben und bin dann am 01. November 2019 eben richtig als Professorin für IT-Entrepreneurship ans Hasso-Plattner-Institut gegangen.

00:16:33.601 --> 00:16:35.900
<v Tim Pritlove>Was heißt denn, man fühlt sich zu jung für eine Professur?

00:16:35.901 --> 00:16:41.200
<v Tim Pritlove>Hat das immer noch den Nimbus, man muss steinalt sein, um so was zu übernehmen?

00:16:41.201 --> 00:16:47.600
<v Katharina Hölzle>Ja, also das menschliche Alter hat sich zum Glück so ein bisschen, glaube ich, verändert.

00:16:47.601 --> 00:16:52.500
<v Katharina Hölzle>Wir haben da ja, gut, wir haben in Deutschland immer noch sehr lineare akademische Laufbahnen.

00:16:52.501 --> 00:16:57.000
<v Katharina Hölzle>Also meine Laufbahn ist da ja doch immer noch sehr unüblich, zumindest in vielen Bereichen.

00:16:57.001 --> 00:17:00.500
<v Katharina Hölzle>Vielleicht nicht bei den Ingenieurswissenschaften, aber in anderen Disziplinen schon,

00:17:00.501 --> 00:17:02.900
<v Katharina Hölzle>insofern als dass ich ja die Academia erst mal verlassen hatte,

00:17:02.901 --> 00:17:07.500
<v Katharina Hölzle>insofern war ich eigentlich vom zeitlichen Alter gar nicht mehr so jung,

00:17:07.501 --> 00:17:16.600
<v Katharina Hölzle>denn ich hatte ja schon diesen Interimspart gehabt, aber ich war ja nun erst anderthalb Jahre als Juniorprofessorin tätig.

00:17:16.601 --> 00:17:21.800
<v Katharina Hölzle>Und insofern das akademische Alter war eben noch nicht so hoch.

00:17:21.801 --> 00:17:30.400
<v Tim Pritlove>So, das heißt, jetzt in der neuen Rolle hier in Potsdam wird natürlich gelernt, aber es wird natürlich auch geforscht,

00:17:30.401 --> 00:17:40.100
<v Tim Pritlove>so wie sich das gehört und mit so Begriffen wie Innovation und Kreativität und Unternehmen

00:17:40.101 --> 00:17:45.000
<v Tim Pritlove>ist ja auch eine mutige Kombination, erfüllt ja nicht unbedingt jetzt jedes Unternehmen.

00:17:45.001 --> 00:17:50.000
<v Tim Pritlove>Reden immer alle ganz gerne davon, aber die Frage ist natürlich, was ist das denn eigentlich?

00:17:50.001 --> 00:17:53.800
<v Tim Pritlove>Wenn man jetzt daran forscht und wenn man da, sagen wir mal, jetzt auch wirklich versucht,

00:17:53.801 --> 00:18:00.000
<v Tim Pritlove>strukturiert heranzugehen, muss es ja auch erst mal einen Definitionsrahmen geben.

00:18:00.001 --> 00:18:02.400
<v Tim Pritlove>Man muss es ja irgendwie fassen.

00:18:02.401 --> 00:18:07.500
<v Tim Pritlove>Es ist natürlich immer ein super Wort für Sonntagsreden, aber wenn es konkret wird,

00:18:07.501 --> 00:18:12.500
<v Tim Pritlove>ein Paper dabei rauskommen soll, muss man das natürlich schon so ein bisschen einkreisen.

00:18:12.501 --> 00:18:21.100
<v Tim Pritlove>Vielleicht können wir uns da mal kurz daran versuchen, was durch Innovation jetzt eigentlich wirklich abgedeckt ist.

00:18:21.101 --> 00:18:26.300
<v Tim Pritlove>Was muss man sich, was stellen Sie sich darunter vor?

00:18:26.301 --> 00:18:33.800
<v Katharina Hölzle>Also für mich ist Innovation erst mal die Umsetzung einer Idee in etwas anfassbares.

00:18:33.801 --> 00:18:40.100
<v Katharina Hölzle>Also es ist mehr als die Idee, es ist mehr als ein Konzert, was vielleicht meine Idee schon mal beschreibt,

00:18:40.101 --> 00:18:46.600
<v Katharina Hölzle>sondern ich habe das schon in irgendeiner Weise anfassbar gemacht

00:18:46.601 --> 00:18:51.600
<v Katharina Hölzle>und ich habe Menschen, sage ich jetzt mal breit noch gesprochen, gefunden,

00:18:51.601 --> 00:19:02.200
<v Katharina Hölzle>die das annehmen, die das umsetzen, die damit irgendetwas anfangen.

00:19:02.201 --> 00:19:04.400
<v Katharina Hölzle>Ich mache jetzt den Rahmen noch mal ein bisschen größer.

00:19:04.401 --> 00:19:12.300
<v Katharina Hölzle>In der klassischen Definition sind Innovationen immer etwas, die im Markt umgesetzt werden.

00:19:12.301 --> 00:19:18.500
<v Katharina Hölzle>Also wir sprechen von der Idee, von dem Konzept und dann erst von der Innovation,

00:19:18.501 --> 00:19:23.500
<v Katharina Hölzle>wenn es in den Markt gebracht wurde und der Markt es angenommen hat.

00:19:23.501 --> 00:19:28.200
<v Katharina Hölzle>Ich glaube aber, dass wenn wir heute von Innovation sprechen,

00:19:28.201 --> 00:19:30.900
<v Katharina Hölzle>dass wir diesen Markt sehr viel weiter fassen müssen.

00:19:30.901 --> 00:19:35.500
<v Katharina Hölzle>Denn der Markt ist erst mal ein sehr wirtschaftlicher Begriff.

00:19:35.501 --> 00:19:38.700
<v Katharina Hölzle>Und ich glaube, dass, wenn wir eben darüber nachdenken, deswegen habe ich jetzt gerade Menschen gesagt,

00:19:38.701 --> 00:19:45.500
<v Katharina Hölzle>wir ja auch über Gesellschaften sprechen oder über Politiksysteme.

00:19:45.501 --> 00:19:53.400
<v Katharina Hölzle>Also wichtig ist einfach nur, die Innovation ist mehr als nur eine fixe Idee,

00:19:53.401 --> 00:19:57.300
<v Katharina Hölzle>eine Problemlösung, ein Konzept, sondern es muss umgesetzt sein.

00:19:57.301 --> 00:20:05.000
<v Katharina Hölzle>So und über diesen Grad der Umsetzung, darüber können sowohl die Experten als auch die nicht-Experten trefflich streiten.

00:20:05.001 --> 00:20:09.400
<v Katharina Hölzle>Aber es muss am Ende etwas anfassbares da sein, was mehr als nur ich,

00:20:09.401 --> 00:20:13.500
<v Katharina Hölzle>als der Erfinder, die Erfinderin gut findet.

00:20:13.501 --> 00:20:20.100
<v Tim Pritlove>Würde mir jetzt so als erstes die aktuelle Situation rund um Energiegewinnung einfallen.

00:20:20.101 --> 00:20:25.700
<v Tim Pritlove>Ist ja im Prinzip auch ein sehr innovationsträchtiger Bereich.

00:20:25.701 --> 00:20:32.600
<v Tim Pritlove>Also es gibt eine gesellschaftliche Notwendigkeit für eine Innovation, für die aber ein Markt in dem Sinne noch nicht existiert

00:20:32.601 --> 00:20:39.100
<v Tim Pritlove>oder teilweise existiert er eben schon oder befinden wir uns mittlerweile natürlich in einer Phase,

00:20:39.101 --> 00:20:43.700
<v Tim Pritlove>wo der in zunehmendem Maße wächst, aber wenn man noch mal 20 Jahre zurückblickt,

00:20:43.701 --> 00:20:48.000
<v Tim Pritlove>als das erneuerbare Energien Gesetz kam, war das ja im Prinzip so ein Ansatz.

00:20:48.001 --> 00:20:49.400
<v Tim Pritlove>Ist das das, was Sie meinen?

00:20:49.401 --> 00:20:53.400
<v Katharina Hölzle>Mit der Umsetzung, ja, grundsätzlich schon.

00:20:53.401 --> 00:20:56.900
<v Katharina Hölzle>Also natürlich, wenn wir jetzt eben drüber nachdenken, dann wissen wir ja auch,

00:20:56.901 --> 00:21:03.300
<v Katharina Hölzle>es hat schon viele Erfindungen gegeben, die womöglich auch Menschen gefunden haben,

00:21:03.301 --> 00:21:08.000
<v Katharina Hölzle>die gesagt haben, das ist eine supercoole Idee, genauso sollten wir das machen.

00:21:08.001 --> 00:21:13.900
<v Katharina Hölzle>Also zum Beispiel auch jetzt aktuell Cryptocurrencies oder wie bezahlen wir eigentlich.

00:21:13.901 --> 00:21:18.800
<v Katharina Hölzle>Hier die Electronic Wallets, da hat es also vor 20 Jahren schon Lösungen gegeben,

00:21:18.801 --> 00:21:23.800
<v Katharina Hölzle>die fanden Leute auch cool, da gab es also auch eine technische Umsetzung,

00:21:23.801 --> 00:21:27.000
<v Katharina Hölzle>aber die große Masse hat es eben noch nicht angenommen.

00:21:27.001 --> 00:21:30.800
<v Katharina Hölzle>Und genauso können wir jetzt bei den erneuerbaren Energien ja ähnlich darüber nachdenken,

00:21:30.801 --> 00:21:40.500
<v Katharina Hölzle>dass wir sagen, also eigentlich haben wir die Lösungen, aber sie werden ja noch nicht wirklich breit umgesetzt in einem Markt, in einer Gesellschaft.

00:21:40.501 --> 00:21:45.700
<v Katharina Hölzle>So und dann kommen wir natürlich ganz schnell auf die Ebene der Diskussion,

00:21:45.701 --> 00:21:50.500
<v Katharina Hölzle>welche Rolle spielt dann beispielsweise der Staat, in dem er dann einen Markt schafft

00:21:50.501 --> 00:21:55.100
<v Katharina Hölzle>bzw. eine solche Innovation zunächst einmal trägt.

00:21:55.101 --> 00:21:58.500
<v Katharina Hölzle>Denn ich sagte ja gerade schon, diese klassische Wirtschaftsdefinition,

00:21:58.501 --> 00:22:04.000
<v Katharina Hölzle>eine Innovation hat einen Markt, das ist natürlich genau dieser Marktbegriff

00:22:04.001 --> 00:22:08.000
<v Katharina Hölzle>und darüber können wir ja trefflich streiten, wer schafft Innovationen?

00:22:08.001 --> 00:22:14.300
<v Katharina Hölzle>Ist das der Markt, sind das die Unternehmen oder um eben beispielsweise mit Mariana Mazzucato zu sprechen,

00:22:14.301 --> 00:22:19.700
<v Katharina Hölzle>ist es der Staat, der ein ganz großer Innovationstreiber ist.

00:22:19.701 --> 00:22:26.400
<v Katharina Hölzle>Und da sehen wir schon, es ist schwierig, da dann zu definieren, wer schafft diesen Markt,

00:22:26.401 --> 00:22:32.600
<v Katharina Hölzle>wer ist eigentlich der Nachfrager und ab wann können wir sagen, das ist jetzt eine Innovation.

00:22:32.601 --> 00:22:37.000
<v Katharina Hölzle>Und da versuchen wir uns als Innovationsforscher immer noch ein bisschen zu behelfen,

00:22:37.001 --> 00:22:42.000
<v Katharina Hölzle>dass wir sagen, es kommt auf die Art der Innovation an, es kommt auf den Grad der Innovation an,

00:22:42.001 --> 00:22:44.900
<v Katharina Hölzle>es kommt auf die Nachfragenden an.

00:22:44.901 --> 00:22:50.000
<v Katharina Hölzle>Nur weil es für Sie jetzt gerade eine Innovation ist, ist es vielleicht für mich keine und umgekehrt.

00:22:50.001 --> 00:22:59.000
<v Katharina Hölzle>Also dieser Innovationsbegriff und das ist so spannend daran, das stelle ich sowohl hier an meinen Kollegen, an meinen Studierenden fest,

00:22:59.001 --> 00:23:03.700
<v Katharina Hölzle>als auch in den klassischen Ingenieurwissenschaften, die Naturwissenschaften sind es gewohnt,

00:23:03.701 --> 00:23:09.700
<v Katharina Hölzle>1 oder 0 zu sagen, es ist richtig oder es ist falsch, es gibt klare Antworten.

00:23:09.701 --> 00:23:15.100
<v Katharina Hölzle>Die Innovation ist nie schwarz oder weiß, sie ist nie ja oder nein,

00:23:15.101 --> 00:23:21.500
<v Katharina Hölzle>sondern sie ist sehr häufig so, dass wir sagen, es kommt darauf an.

00:23:21.501 --> 00:23:29.700
<v Katharina Hölzle>Nur weil Deutschland jetzt für sich beschlossen hat, dass wir mit dem erneuerbaren Energie Gesetz folgende Technologien fördern wollen

00:23:29.701 --> 00:23:35.900
<v Katharina Hölzle>und daraus entsprechende Innovation machen, ist das in einem Land wie Japan beispielsweise oder China

00:23:35.901 --> 00:23:40.100
<v Katharina Hölzle>noch lange nicht diese Innovation wie wir sie vielleicht sehen und umgekehrt.

00:23:40.101 --> 00:23:49.900
<v Tim Pritlove>Wenn man, jetzt gibt es ja noch den zweiten Begriff der Kreativität, der diese Innovation offensichtlich befördern soll,

00:23:49.901 --> 00:23:53.800
<v Tim Pritlove>ist das auch ein definierbarer Begriff?

00:23:53.801 --> 00:23:55.600
<v Katharina Hölzle>Der ist noch mal schwieriger.

00:23:55.601 --> 00:23:59.500
<v Tim Pritlove>Ja, ich weiß, deswegen habe ich das ich gefragt.

00:23:59.501 --> 00:24:07.100
<v Katharina Hölzle>Hier gehen wir nämlich dann von den Wirtschaftswissenschaften, die ja vielleicht noch so ein bisschen ihre Wurzeln in den Naturwissenschaften haben,

00:24:07.101 --> 00:24:12.400
<v Katharina Hölzle>gehen wir ja jetzt in die Sozial- und Geisteswissenschaften, wir gehen in die Verhaltenswissenschaften,

00:24:12.401 --> 00:24:18.000
<v Katharina Hölzle>wir gehen gerade bei der Kreativität auch schnell in die Hirnforschung beispielsweise.

00:24:18.001 --> 00:24:21.700
<v Katharina Hölzle>Was ist Kreativität, was macht ein kreativen Menschen aus?

00:24:21.701 --> 00:24:28.800
<v Katharina Hölzle>So und dann kommen wir in den Bereich der Kunst, wir kommen in den Bereich der Human- und Geisteswissenschaften,

00:24:28.801 --> 00:24:34.200
<v Katharina Hölzle>was schaffe ich sozusagen als künstlerisches Werk, wie verändere ich Dinge?

00:24:34.201 --> 00:24:39.900
<v Katharina Hölzle>Also die Kreativität ist da noch mal breiter.

00:24:39.901 --> 00:24:43.300
<v Tim Pritlove>Ist das mehr so im Sinne von Produktivität gemeint?

00:24:43.301 --> 00:24:48.300
<v Tim Pritlove>Also ich meine, Kreativität kann ja heißen, man schafft was und das Schaffen als solches ist sozusagen wichtig

00:24:48.301 --> 00:24:52.800
<v Tim Pritlove>oder so wie wir das, sagen wir mal, gemeinhin so diskutieren und benutzen das Wort,

00:24:52.801 --> 00:24:57.300
<v Tim Pritlove>im Sinne von, oh da hast du jetzt aber was gemacht, wo ich jetzt nicht drauf gekommen wäre,

00:24:57.301 --> 00:25:00.100
<v Tim Pritlove>was ja eigentlich mehr so diesen Innovationstouch hat, so dieses,

00:25:00.101 --> 00:25:11.500
<v Tim Pritlove>oh wenn jemand sehr kreativ ist, dann tut er innovative Dinge oder ist es einfach nur so ein Output generieren können.

00:25:11.501 --> 00:25:14.100
<v Tim Pritlove>Wie klingt das Wort in Ihrem Kopf?

00:25:14.101 --> 00:25:21.400
<v Katharina Hölzle>Also für mich klingt es sehr viel mehr schaffend, also die Problematik mit dem Wort der Produktivität ist,

00:25:21.401 --> 00:25:27.800
<v Katharina Hölzle>dass das ja mittlerweile in Teilen negativ konnotiert ist,

00:25:27.801 --> 00:25:32.800
<v Katharina Hölzle>weil die Produktivität immer ein klar definiertes Ergebnis hat.

00:25:32.801 --> 00:25:34.100
<v Tim Pritlove>Messbar ist auch.

00:25:34.101 --> 00:25:37.600
<v Katharina Hölzle>Und ich meine, das Thema Produktivität und ob sich unsere Produktivität verändert hat oder nicht,

00:25:37.601 --> 00:25:41.300
<v Katharina Hölzle>da können wir ja noch mal anderweitig drüber sprechen.

00:25:41.301 --> 00:25:48.800
<v Katharina Hölzle>Kreativität für mich hat tatsächlich ganz viel mit dem Wort Schaffen, creare etwas schaffen.

00:25:48.801 --> 00:25:58.600
<v Katharina Hölzle>Wie dieses, was wir da schaffen, aussieht, ist ja dann auch wieder einerseits in der Betrachtungsweise des Schaffenden

00:25:58.601 --> 00:26:01.100
<v Katharina Hölzle>und der Menschen, die es betrachten.

00:26:01.101 --> 00:26:04.800
<v Katharina Hölzle>Also ist das etwas neues, was dort geschaffen wurde?

00:26:04.801 --> 00:26:10.200
<v Katharina Hölzle>Und neu ist ja auch immer in der Perspektive des Betrachters, wie neu ist neu?

00:26:10.201 --> 00:26:13.000
<v Katharina Hölzle>Was für mich neu ist, ist für jemand anderen nicht neu.

00:26:13.001 --> 00:26:18.200
<v Katharina Hölzle>Aber Kreativität hat für mich wirklich erst mal sehr viel damit zu tun,

00:26:18.201 --> 00:26:22.000
<v Katharina Hölzle>und das ist sicherlich die positive Konnotation, die ich diesem Wort gebe, ist,

00:26:22.001 --> 00:26:29.000
<v Katharina Hölzle>etwas neues zu schaffen, und zwar neu, gerne auf vielen Dimensionen,

00:26:29.001 --> 00:26:32.300
<v Katharina Hölzle>aber tatsächlich eben etwas neues zu schaffen.

00:26:32.301 --> 00:26:37.700
<v Katharina Hölzle>Und wenn ich jetzt noch einen Schritt weitergehen darf, was für mich immer ganz wichtig ist,

00:26:37.701 --> 00:26:44.800
<v Katharina Hölzle>ist aber schon, und da bin ich dann doch wieder wahrscheinlich stärker Naturwissenschaftlerin als Geisteswissenschaftlerin,

00:26:44.801 --> 00:26:50.700
<v Katharina Hölzle>dass ich sage, ich erwarte schon, dass es irgendwie einen Impuls setzen kann.

00:26:50.701 --> 00:26:56.300
<v Katharina Hölzle>Also Kreativität um der Kreativität Willen damit tue ich mich ein bisschen schwer.

00:26:56.301 --> 00:27:04.700
<v Katharina Hölzle>Sondern ich finde das immer, für mich hat es viel damit zu tun, löse ich ein Problem oder eine Herausforderung.

00:27:04.701 --> 00:27:11.300
<v Tim Pritlove>Hier gibt es am HPI auch diesen, ich weiß nicht, hatten wir es schon erwähnt, diesen Bereich des Design Thinkings,

00:27:11.301 --> 00:27:18.700
<v Tim Pritlove>klang, glaube ich, kurz an, ist ja auch so ein skurriles Wort erst mal.

00:27:18.701 --> 00:27:24.800
<v Tim Pritlove>Was ist denn damit gemeint und inwiefern beeinflusst das die Arbeit hier?

00:27:24.801 --> 00:27:27.100
<v Katharina Hölzle>Die Arbeit hier beeinflusst es sehr stark.

00:27:27.101 --> 00:27:36.100
<v Katharina Hölzle>Das Design Thinking ist für mich, das ist jetzt wieder meine individuelle Definition,

00:27:36.101 --> 00:27:48.000
<v Katharina Hölzle>ein Prozess, eine Einstellung, ein sogenannter Mindset und eine Herangehensweise,

00:27:48.001 --> 00:27:54.000
<v Katharina Hölzle>Probleme, Nutzer menschenzentriert zu lösen.

00:27:54.001 --> 00:27:59.200
<v Katharina Hölzle>Das macht es so schick, wenn man es im Kontext der Naturwissenschaften gerade betrachtet,

00:27:59.201 --> 00:28:05.200
<v Katharina Hölzle>aber auch allgemein, dem Thema, wie lösen wir eigentlich die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen,

00:28:05.201 --> 00:28:11.100
<v Katharina Hölzle>da gibt es immer technische Lösungen, da sind wir in Deutschland super, wir haben ganz klare Ingenieurstraditionen,

00:28:11.101 --> 00:28:16.700
<v Katharina Hölzle>naturwissenschaftliche Traditionen, wir sind immer sehr gut, neue Dinge zu erfinden.

00:28:16.701 --> 00:28:23.300
<v Katharina Hölzle>Was wir häufig in der Vergangenheit vergessen haben, ist zu fragen, für wen machen wir es eigentlich?

00:28:23.301 --> 00:28:23.700
<v Katharina Hölzle>Brauchen die Menschen das eigentlich?

00:28:23.701 --> 00:28:28.200
<v Katharina Hölzle>Das ist so das eine und das andere ist, was brauchen die Menschen eigentlich?

00:28:28.201 --> 00:28:32.600
<v Katharina Hölzle>So und diesen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, zu sagen, wir haben tolle Technologien,

00:28:32.601 --> 00:28:37.900
<v Katharina Hölzle>wir müssen uns natürlich auch irgendwie die Wirtschaftsseite angucken, weil wir da irgendwann irgendwie mit Geld verdienen müssen

00:28:37.901 --> 00:28:43.000
<v Katharina Hölzle>und unsere Arbeitnehmerinnen bezahlen und dann den Menschen mit reinzunehmen.

00:28:43.001 --> 00:28:49.500
<v Katharina Hölzle>Wenn wir also diese drei Bälle zusammenpacken, dann entsteht Innovation.

00:28:49.501 --> 00:28:54.200
<v Katharina Hölzle>Und Innovation entsteht eben wie gesagt nur dann, wenn wir diese drei Teile miteinander verbinden.

00:28:54.201 --> 00:28:59.500
<v Katharina Hölzle>Und ich jetzt als klassischer Wirtschaftsingenieur würde sagen, Technologie und Wirtschaft habe ich gelernt,

00:28:59.501 --> 00:29:02.000
<v Katharina Hölzle>während meines Studiums, habe ich angewandt, kann ich.

00:29:02.001 --> 00:29:08.300
<v Katharina Hölzle>Den Menschen haben wir erstaunlich wenig betrachtet und das ist das, wo das Design Thinking reinkommt.

00:29:08.301 --> 00:29:16.600
<v Tim Pritlove>Da würde mir ja als erstes mal einfallen, dass eigentlich so in Deutschland das vielleicht ein bisschen misslungen ist in der letzten Zeit.

00:29:16.601 --> 00:29:24.100
<v Tim Pritlove>Nehmen wir mal so die prägendste Industrie, die Autoindustrie, die ja nun wirklich zum Jagen getragen werden musste,

00:29:24.101 --> 00:29:30.200
<v Tim Pritlove>bis sie dann endlich mal den Wandel hin zu Elektromobilität angeht.

00:29:30.201 --> 00:29:33.100
<v Tim Pritlove>Jetzt wird das, sagen wir mal, so typisch deutsch-industriell auch angegangen.

00:29:33.101 --> 00:29:38.900
<v Tim Pritlove>So nach dem Motto, holla jetzt sind wir aufgewacht, jetzt fangen wir aber auch wirklich an, so.

00:29:38.901 --> 00:29:43.500
<v Tim Pritlove>Nur eben startet man eben sehr weit hinter der Startlinie in gewisser Hinsicht

00:29:43.501 --> 00:29:50.700
<v Tim Pritlove>oder die anderen rennen halt schon und jetzt hat man dann den Schuss auch gehört.

00:29:50.701 --> 00:29:51.900
<v Tim Pritlove>Da ist ja dann was schief gegangen oder?

00:29:51.901 --> 00:29:57.900
<v Tim Pritlove>Also ich meine, da hat das ja dann eigentlich genauso nicht funktioniert, dass der Mensch mitgedacht wurde.

00:29:57.901 --> 00:30:02.000
<v Tim Pritlove>Weil der Mensch wurde nicht mitgedacht, sondern es wurde eigentlich nur die normale wirtschaftliche Logik verfolgt,

00:30:02.001 --> 00:30:06.700
<v Tim Pritlove>so nach dem Motto, ach naja Gott, Verbrennungsmotoren können wir super bauen,

00:30:06.701 --> 00:30:14.400
<v Tim Pritlove>funktioniert, haben wir schon immer so gemacht, das müssen wir jetzt beibehalten als unseren Vorteil,

00:30:14.401 --> 00:30:23.600
<v Tim Pritlove>weil so läuft der Hase, damit verdienen wir halt unsere Brötchen und dieser ganze moderne Kram kostet ja alles nur Geld und will ja auch keiner haben.

00:30:23.601 --> 00:30:29.100
<v Tim Pritlove>Nicht wahr, also das ist ja so ein bisschen diese Marktlogik, die eben nicht von der Innovation so sehr getrieben ist,

00:30:29.101 --> 00:30:35.500
<v Tim Pritlove>sondern eigentlich eher so eine besitzstandswahrende Logik in sich hat.

00:30:35.501 --> 00:30:40.000
<v Katharina Hölzle>Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite haben Sie haben ja gesagt, das hat ja nicht wirklich funktioniert,

00:30:40.001 --> 00:30:42.300
<v Katharina Hölzle>das stimmt nicht ganz, wenn wir uns die Marktzahlen angucken.

00:30:42.301 --> 00:30:47.000
<v Katharina Hölzle>Also die deutschen Automobilunternehmen sind schon in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr erfolgreich gewesen.

00:30:47.001 --> 00:30:52.500
<v Katharina Hölzle>Also wenn wir einfach nur mal von der Marktseite gucken, würde ich sagen, nicht alles falsch gemacht.

00:30:52.501 --> 00:30:58.600
<v Katharina Hölzle>Wenn wir es uns vom Thema, und da kommt jetzt wieder die Ingenieursperspektive rein,

00:30:58.601 --> 00:31:03.000
<v Katharina Hölzle>wer macht die besten Autos der Welt, glaube ich, können wir doch noch sagen,

00:31:03.001 --> 00:31:05.600
<v Katharina Hölzle>auf vielen Dimensionen sind das die deutschen Automobilbauer.

00:31:05.601 --> 00:31:08.700
<v Katharina Hölzle>Warum? Weil sie immer wieder optimiert haben.

00:31:08.701 --> 00:31:13.500
<v Katharina Hölzle>Sie haben sehr sehr gut inkremental innoviert.

00:31:13.501 --> 00:31:17.500
<v Katharina Hölzle>Wir haben die geringsten Spaltmaße, wir haben die leisesten Verbrennermotoren,

00:31:17.501 --> 00:31:26.800
<v Katharina Hölzle>wir haben die effizientesten Verbrennermotoren, wir haben, naja über Schönheit und Design gibt es sicherlich unterschiedliche Auffassungen,

00:31:26.801 --> 00:31:34.100
<v Katharina Hölzle>aber auf vielen klassischen Dimensionen sind die deutschen Automobilbauer Weltspitze.

00:31:34.101 --> 00:31:39.000
<v Katharina Hölzle>So und damit haben sie durchaus in gewisser Weise nutzerorientiert gearbeitet,

00:31:39.001 --> 00:31:42.400
<v Katharina Hölzle>nämlich sie haben sich angeguckt, was wollen denn eigentlich die Leute?

00:31:42.401 --> 00:31:45.400
<v Katharina Hölzle>Die wollen schnellere Autos, sie wollen vielleicht dann noch ein bisschen sparsamere Autos,

00:31:45.401 --> 00:31:49.900
<v Katharina Hölzle>aber sie wollen große Autos, dicke Autos, wie auch immer, also das haben sie gefragt.

00:31:49.901 --> 00:31:56.000
<v Katharina Hölzle>Was sie nie gefragt haben ist, was ist eigentlich Mobilität?

00:31:56.001 --> 00:31:57.500
<v Katharina Hölzle>Brauchen wir dafür eigentlich noch Autos?

00:31:57.501 --> 00:32:03.200
<v Katharina Hölzle>Sie sind sozusagen nicht, man verwendet immer so gerne diesen Begriff, „thinking outside the box“.

00:32:03.201 --> 00:32:07.100
<v Katharina Hölzle>Sie sind nie aus ihrer kleinen Kiste rausgesprungen und haben geguckt,

00:32:07.101 --> 00:32:10.900
<v Katharina Hölzle>was gibt es eigentlich noch für Möglichkeiten?

00:32:10.901 --> 00:32:17.700
<v Katharina Hölzle>So und dann haben wir einen Fehler gemacht und diesen Fehler sehen wir aber leider in sehr sehr vielen Industrien.

00:32:17.701 --> 00:32:20.400
<v Katharina Hölzle>Dass nie von außen mal geguckt wird, sag mal was macht ihr da eigentlich?

00:32:20.401 --> 00:32:25.800
<v Katharina Hölzle>Wie produziert ihr eigentlich Energie bzw. wie sieht eigentlich die Zukunft des Energiemarktes aus?

00:32:25.801 --> 00:32:29.700
<v Katharina Hölzle>Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus?

00:32:29.701 --> 00:32:31.100
<v Katharina Hölzle>Wie sieht die Zukunft des Gesundheitswesens aus?

00:32:31.101 --> 00:32:35.300
<v Katharina Hölzle>Das können wir in Deutschland nicht, da ist einfach über Jahre,

00:32:35.301 --> 00:32:40.300
<v Katharina Hölzle>wir sind Kinder unseres Erfolgs bzw. Opfer unseres Erfolgs.

00:32:40.301 --> 00:32:42.700
<v Katharina Hölzle>Der deutschen Volkswirtschaft ging es über Jahrzehnte gut.

00:32:42.701 --> 00:32:50.000
<v Katharina Hölzle>Und wenn es uns gut geht, das wissen wir alle, mein Doktorgroßvater Jürgen Hauschild hat mal gesagt,

00:32:50.001 --> 00:32:52.000
<v Katharina Hölzle>Innovationen sind im Zweifel nicht willkommen.

00:32:52.001 --> 00:32:58.300
<v Katharina Hölzle>Na klar, keiner von uns möchte sich gerne jeden Tag neu verändern, das merken wir jetzt gerade.

00:32:58.301 --> 00:33:04.300
<v Katharina Hölzle>Es ist schlimm genug, was da draußen passiert, gib mir ein bisschen Stabilität.

00:33:04.301 --> 00:33:08.900
<v Tim Pritlove>Ich meine, es ist ja, klar, die Momentaufnahme ist, bisher hat es ganz gut funktioniert.

00:33:08.901 --> 00:33:13.000
<v Tim Pritlove>Bloß in dem Moment, wo es dann aufhört zu funktionieren, kann es ja dann auch sehr schnell gehen.

00:33:13.001 --> 00:33:17.300
<v Tim Pritlove>Und was wird jetzt eben debattiert mit großen Entlassungszahlen, die VW vielleicht anstehen,

00:33:17.301 --> 00:33:22.400
<v Tim Pritlove>weil man halt merkt, naja okay, wenn wir jetzt irgendwie Elektroautos bauen,

00:33:22.401 --> 00:33:26.200
<v Tim Pritlove>holla, dann müssen wir ja auf einmal ganz viele Dinge gar nicht mehr bauen.

00:33:26.201 --> 00:33:33.100
<v Tim Pritlove>Wir brauchen irgendwie keine Einspritzer und die entsprechende Filtertechnik und ganz viele Bauteile fallen auf einmal weg

00:33:33.101 --> 00:33:37.400
<v Tim Pritlove>und damit natürlich ganz viele Subindustrien und der Schock ist natürlich immer sehr viel größer,

00:33:37.401 --> 00:33:42.700
<v Tim Pritlove>wenn das eben so von heute auf morgen geschieht, weil es natürlich dann noch mal sehr viel mehr Widerstände gibt etc..

00:33:42.701 --> 00:33:49.900
<v Tim Pritlove>Man findet sich dann eben an so einem Punkt wieder, wo man dann doch in der Abrechnung zu viel Zeit hat verstreichen lassen,

00:33:49.901 --> 00:33:52.600
<v Tim Pritlove>weil man sich eben gegen diese Innovation gesperrt hat.

00:33:52.601 --> 00:33:59.400
<v Tim Pritlove>Und das ist natürlich jetzt die eigentliche Frage, was können denn Unternehmen an sich dagegen tun,

00:33:59.401 --> 00:34:02.400
<v Tim Pritlove>um in diese Falle nicht zu tappen.

00:34:02.401 --> 00:34:09.300
<v Tim Pritlove>Das ist ja immer so dieses, gibt jetzt tausend Zitate, die immer so im Raum rumgestoßen werden,

00:34:09.301 --> 00:34:16.400
<v Tim Pritlove>wo man nie genau weiß, ob die so eigentlich gefallen sind, aber trotzdem beschreiben Sie, glaube ich, das ganz gut.

00:34:16.401 --> 00:34:20.300
<v Tim Pritlove>Also als das Automobil kam so, war es halt so die schnelleren Pferde, die alle haben wollten.

00:34:20.301 --> 00:34:24.300
<v Tim Pritlove>Und so mit diesen tolleren Autos ist es halt auch so ein bisschen wie mit diesen schnelleren Pferden.

00:34:24.301 --> 00:34:29.700
<v Tim Pritlove>Die Leute denken halt dann auch irgendwie so, ach ja ich hatte bisher ein Auto, also brauche ich jetzt wieder ein Auto

00:34:29.701 --> 00:34:33.700
<v Tim Pritlove>und das muss irgendwas besser daran sein, nur dass irgendwie keinem so recht was einfallen kann,

00:34:33.701 --> 00:34:39.600
<v Tim Pritlove>was überhaupt noch besser ist, man aber eben sehr viel annimmt für dieses Produkt,

00:34:39.601 --> 00:34:47.500
<v Tim Pritlove>wo die Gesellschaft eigentlich schon einen Schritt weiter ist, dass sie sagt, wir wollen aber jetzt nicht mehr so viel Platz in den Städten den Autos opfern

00:34:47.501 --> 00:34:52.200
<v Tim Pritlove>und das macht uns irgendwie auch krank und es nimmt uns irgendwie auch sozialen Raum,

00:34:52.201 --> 00:34:59.100
<v Tim Pritlove>gerade jetzt in der Pandemie ist so dieses soziale Kontakte irgendwie, merkt man jetzt sozusagen überhaupt erst mal,

00:34:59.101 --> 00:35:07.500
<v Tim Pritlove>glaube ich, diese Bedeutung dessen noch mal mehr und die Städte müssen sich wandeln und die Städte wollen sich langsam auch wandeln.

00:35:07.501 --> 00:35:13.100
<v Tim Pritlove>Und ich denke, dass schon dieser Industriebereich jetzt an so einem Punkt steht, dass wenn jetzt nicht sehr schnell gehandelt wird,

00:35:13.101 --> 00:35:19.000
<v Tim Pritlove>viel von dem bisher erreichten dann so ein Pyrrhussieg ist, dass man halt einfach sieht,

00:35:19.001 --> 00:35:23.400
<v Tim Pritlove>da haben wir uns einfach falsch entwickelt.

00:35:23.401 --> 00:35:26.400
<v Katharina Hölzle>Naja, das ist natürlich die zentrale Frage, die Sie da gerade stellen.

00:35:26.401 --> 00:35:37.000
<v Katharina Hölzle>Also wie bringen wir die Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft letztendlich, dazu, frühzeitiger innovativ zu sein?

00:35:37.001 --> 00:35:41.900
<v Katharina Hölzle>Also die Historie der Innovationsforschung zeigt uns, wir haben diese sogenannten Kondratieff-Zyklen

00:35:41.901 --> 00:35:46.400
<v Katharina Hölzle>und immer, wenn es uns richtig schlecht ging, dann kamen die Innovationen.

00:35:46.401 --> 00:35:50.000
<v Katharina Hölzle>Dann kam die erste industrielle Revolution und die zweite und die dritte so.

00:35:50.001 --> 00:35:56.200
<v Katharina Hölzle>Und es scheint historisch gesehen so zu sein, es muss uns erst richtig schlecht gehen,

00:35:56.201 --> 00:36:01.200
<v Katharina Hölzle>es muss uns richtig weh tun, weil erst dann wir bereit sind, Verhaltensänderungen anzustreben.

00:36:01.201 --> 00:36:07.200
<v Katharina Hölzle>So, eigentlich haben wir jetzt gerade den Punkt, Thema Klimawandel, eigentlich geht es uns richtig schlecht,

00:36:07.201 --> 00:36:10.900
<v Katharina Hölzle>nur so richtig spüren wir es noch nicht.

00:36:10.901 --> 00:36:15.100
<v Katharina Hölzle>Und dann stellt sich die Frage, wer hat jetzt die Verantwortung, diese Impulse zu setzen?

00:36:15.101 --> 00:36:19.300
<v Katharina Hölzle>Und da kommen wir dann schon wieder auf diese Diskussionsebene,

00:36:19.301 --> 00:36:24.500
<v Katharina Hölzle>schafft der Markt, schaffen es die Unternehmen von sich aus, sich zu verändern

00:36:24.501 --> 00:36:32.400
<v Katharina Hölzle>und neue Impulse zu setzen oder brauchen wir den Staat, die Politik, um entsprechende Impulse zu setzen?

00:36:32.401 --> 00:36:40.500
<v Katharina Hölzle>Wo sich dann sehr schnell die Frage anschließt, kann der Staat tatsächlich innovativer sein als die Unternehmen oder als die Gesellschaft?

00:36:40.501 --> 00:36:46.700
<v Katharina Hölzle>Sie sprachen das gerade an, die Bürgerinnen und Bürger spüren, irgendwie so richtig cool fühlt sich das nicht mehr an.

00:36:46.701 --> 00:36:54.100
<v Katharina Hölzle>Aber schaffen sie es als Gesellschaft, diese Impulse zu setzen oder einzufordern

00:36:54.101 --> 00:37:00.900
<v Katharina Hölzle>oder ist das dann doch wieder zu anstrengend oder wir wissen ja nicht genau, welche Impulse es jetzt sein sollen.

00:37:00.901 --> 00:37:06.100
<v Tim Pritlove>Ist ja immer so ein bisschen dieses Element der Disruption.

00:37:06.101 --> 00:37:12.800
<v Tim Pritlove>Also die großen Gewinner der letzten Jahrzehnte, das gilt natürlich vor allem jetzt im digitalen Internetbereich,

00:37:12.801 --> 00:37:18.700
<v Tim Pritlove>Google, Facebook etc. sind halt reingegangen und haben den Status quo dahingehen infrage gestellt,

00:37:18.701 --> 00:37:23.600
<v Tim Pritlove>als dass sie gesagt haben, wir brauchen irgendwie was ganz anderes und wir sind jetzt hier die Disruptoren

00:37:23.601 --> 00:37:30.800
<v Tim Pritlove>oder wie das irgendwie Tesla im Automobilbereich gemacht hat und einfach Dinge generell infrage gestellt hat.

00:37:30.801 --> 00:37:34.300
<v Tim Pritlove>Einfach andere Vertriebsstrukturen, andere technische Möglichkeiten.

00:37:34.301 --> 00:37:48.400
<v Tim Pritlove>Und Unternehmen, denen es über einen längeren Zeitraum gelingt, sich nicht durch die nächste Disruptionswelle den Teppich unter den Füßen wegziehen zu lassen,

00:37:48.401 --> 00:37:54.200
<v Tim Pritlove>könnte man zum Beispiel mal auf Apple schauen, die sich ja nun wirklich schon bemerkenswert lange halten

00:37:54.201 --> 00:37:59.600
<v Tim Pritlove>und dabei eigentlich auch immer so vorgegangen sind, dass sie so ihr eigener Feind sind.

00:37:59.601 --> 00:38:07.300
<v Tim Pritlove>Dass sie einfach immer über sich selber so nachdenken, so, oh jetzt sind wir hier Platzhirsch,

00:38:07.301 --> 00:38:10.500
<v Tim Pritlove>wie können wir uns selber den Platz streitig machen?

00:38:10.501 --> 00:38:14.500
<v Tim Pritlove>Und darüber sozusagen so einen Innovationsdruck auf sich selbst erlegen,

00:38:14.501 --> 00:38:17.700
<v Tim Pritlove>indem man sich eben selbst als Feind sieht.

00:38:17.701 --> 00:38:28.900
<v Tim Pritlove>Das ist aber so eine Denkweise, die ich jetzt so im europäischen oder vielleicht auch konkret im deutschen Denken, Wirtschaftsdenken so nicht fühle.

00:38:28.901 --> 00:38:29.800
<v Katharina Hölzle>Richtig.

00:38:29.801 --> 00:38:36.100
<v Katharina Hölzle>Also das ist das, wir nennen das in der Innovationsforschung immer den Fluch der etablierten Unternehmen.

00:38:36.101 --> 00:38:40.200
<v Katharina Hölzle>Und das sehen wir in Deutschland sehr stark.

00:38:40.201 --> 00:38:45.600
<v Katharina Hölzle>Also dieser Wille, sich selber infrage zu stellen, der Wille, Dinge auszuprobieren,

00:38:45.601 --> 00:38:50.000
<v Katharina Hölzle>von denen wir noch nicht wissen, ob sie uns tatsächlich Geld bringen werden,

00:38:50.001 --> 00:39:03.100
<v Katharina Hölzle>wir sind in vielen Bereichen sehr, konservativ ist vielleicht das falsche Wort, aber sehr formalistisch organisiert und strukturiert.

00:39:03.101 --> 00:39:04.600
<v Katharina Hölzle>Und das finden wir in den Unternehmen auch.

00:39:04.601 --> 00:39:08.400
<v Katharina Hölzle>Da wird dann immer gleich nach dem Return on Investment gefragt.

00:39:08.401 --> 00:39:11.700
<v Katharina Hölzle>Da wird gefragt, wird es uns Geld bringen?

00:39:11.701 --> 00:39:18.000
<v Katharina Hölzle>Da werden diejenigen, die etwas ausprobieren und womöglich 100.000 Euro oder womöglich eine Million in den Sand setzen,

00:39:18.001 --> 00:39:24.900
<v Katharina Hölzle>geteert und gefedert und vom Hof gejagt, da werden diejenigen, die sagen,

00:39:24.901 --> 00:39:31.100
<v Katharina Hölzle>also hier der Farbfilm ist es nicht mehr, es ist in Zukunft die Digitalfotografie,

00:39:31.101 --> 00:39:34.600
<v Katharina Hölzle>da wird auch gesagt, vielen Dank Ablage F.

00:39:34.601 --> 00:39:41.200
<v Katharina Hölzle>Das hat viel für mich mit dieser deutschen Einstellung zu tun.

00:39:41.201 --> 00:39:46.600
<v Katharina Hölzle>Im Positiven haben wir es geschafft, ich hatte es gerade schon erwähnt, diese inkrementellen Innovationen.

00:39:46.601 --> 00:39:48.200
<v Katharina Hölzle>Und immer noch mal ein bisschen besser werden.

00:39:48.201 --> 00:39:55.200
<v Katharina Hölzle>Und schauen wir uns um, wir haben eine unglaublich stabile Gesellschaft bisher,

00:39:55.201 --> 00:39:59.700
<v Katharina Hölzle>im Moment fragen wir uns alle so ein bisschen was passiert, aber grundsätzlich klagen auf sehr hohem Niveau.

00:39:59.701 --> 00:40:01.400
<v Katharina Hölzle>Also grundsätzlich funktioniert alles.

00:40:01.401 --> 00:40:06.300
<v Katharina Hölzle>Das kommt dadurch, dass wir dieses, ich nenne das immer Kästchendenken, wir können prima in Kästchen denken,

00:40:06.301 --> 00:40:12.400
<v Katharina Hölzle>aber für disruptive Innovation, für diese Herausforderungen, vor denen wir jetzt stehen,

00:40:12.401 --> 00:40:14.200
<v Katharina Hölzle>müssen wir außerhalb dieser Kästchen denken.

00:40:14.201 --> 00:40:20.400
<v Katharina Hölzle>Und das ist aber eine Denk- und Lebensweise, die müssen wir alle lernen.

00:40:20.401 --> 00:40:27.400
<v Katharina Hölzle>Denn wie gesagt das tut erst mal weh, weil ich meinen eigenen Anspruch, mein eigenes Machtbewusstsein,

00:40:27.401 --> 00:40:35.200
<v Katharina Hölzle>mein eigenes, das habe ich mir aber verdient, das muss ich aufgeben und muss mich mit einer Unsicherheit anfreunden,

00:40:35.201 --> 00:40:39.300
<v Katharina Hölzle>von der ich heute nicht weiß, was sie mir morgen bringt.

00:40:39.301 --> 00:40:45.300
<v Tim Pritlove>Die Automobilunternehmen, um noch mal das Beispiel versuchen fortzuführen,

00:40:45.301 --> 00:40:49.600
<v Tim Pritlove>haben ja aber auch teilweise das ja auch probiert.

00:40:49.601 --> 00:40:59.200
<v Tim Pritlove>Also sie haben Car Sharing Projekte gehabt und was weiß ich, BMW hat schon sehr früh ein Elektrofahrzeug auf den Weg gebracht,

00:40:59.201 --> 00:41:03.200
<v Tim Pritlove>wo man so gedacht hat, ah okay, das könnte ja was werden.

00:41:03.201 --> 00:41:09.000
<v Tim Pritlove>Und auch teilweise solche Innovationsmodelle mit so ausgelagerten Unternehmen gehabt,

00:41:09.001 --> 00:41:13.500
<v Tim Pritlove>die dann so vor sich hinwurschteln können, außerhalb der normalen Konzernstruktur,

00:41:13.501 --> 00:41:17.200
<v Tim Pritlove>schon so ein bisschen mit diesem Versuch, ja versucht uns mal Konkurrenz zu machen

00:41:17.201 --> 00:41:20.000
<v Tim Pritlove>und wir gucken mal, was dabei rauskommt.

00:41:20.001 --> 00:41:21.700
<v Tim Pritlove>Aber offensichtlich scheint das ja nicht gereicht zu haben.

00:41:21.701 --> 00:41:24.800
<v Tim Pritlove>Was machen die denn da falsch?

00:41:24.801 --> 00:41:31.400
<v Tim Pritlove>Also werden da die Lehren nicht richtig gewonnen oder werden die Lehren, die dann gezogen wurden, ignoriert?

00:41:31.401 --> 00:41:39.000
<v Tim Pritlove>Was fehlt denn in diesem Innovationskranz sozusagen an angezündeten Kerzen,

00:41:39.001 --> 00:41:46.800
<v Tim Pritlove>um da diesen Prozess auch wirklich so umzusetzen?

00:41:46.801 --> 00:41:51.100
<v Katharina Hölzle>Ich bin keine tiefe Kennerin der Automobilindustrie.

00:41:51.101 --> 00:41:54.100
<v Katharina Hölzle>Ich habe immer mal wieder Projekte mit denen zusammen macht,

00:41:54.101 --> 00:42:01.000
<v Katharina Hölzle>und insofern würde ich mich jetzt mal versuchen an einer Interpretation.

00:42:01.001 --> 00:42:03.100
<v Katharina Hölzle>Ich glaube, das was versucht wurde das hatten Sie sehr schön beschrieben,

00:42:03.101 --> 00:42:07.400
<v Katharina Hölzle>es gibt immer mal so die eine oder andere, so ein kleines Experimentallabor,

00:42:07.401 --> 00:42:13.400
<v Katharina Hölzle>so jetzt dürft ihr mal ausprobieren, aber das, wonach diese Unternehmen ticken

00:42:13.401 --> 00:42:21.100
<v Katharina Hölzle>und so wie sie aufgestellt sind, das ist immer der größere Motor, das größere Auto.

00:42:21.101 --> 00:42:28.700
<v Katharina Hölzle>Das breitere Auto, mehr Technik, mehr Elektronik, das ist sehr technikgetrieben.

00:42:28.701 --> 00:42:37.300
<v Katharina Hölzle>Das heißt, die Gelder gingen immer in die Neuentwicklung, beispielsweise in die S-Klasse oder in jetzt den neuen SUV.

00:42:37.301 --> 00:42:40.200
<v Katharina Hölzle>Das heißt, es waren immer eigentlich diese alten Geschichten.

00:42:40.201 --> 00:42:42.600
<v Katharina Hölzle>Und die anderen, das war immer so ein bisschen, jetzt probiert euch mal aus,

00:42:42.601 --> 00:42:45.500
<v Katharina Hölzle>aber ganz ehrlich, so richtig viel Geld werden wir damit nicht verdienen.

00:42:45.501 --> 00:42:48.600
<v Katharina Hölzle>Und dementsprechend waren natürlich auch nicht die Ressourcen dahinter

00:42:48.601 --> 00:42:53.400
<v Katharina Hölzle>und es wurde dann nicht in den Markt richtig geschubst und gestoßen

00:42:53.401 --> 00:42:56.800
<v Katharina Hölzle>und es wurde versucht, tatsächlich so ein Umdenken anzustreben.

00:42:56.801 --> 00:42:59.900
<v Katharina Hölzle>Denn auch klar, mit Drive Now, natürlich hat Daimler das probiert,

00:42:59.901 --> 00:43:02.600
<v Katharina Hölzle>aber es war immer klar, wir machen uns hier eigentlich unser eigenes Geschäft kaputt,

00:43:02.601 --> 00:43:04.600
<v Katharina Hölzle>also seid bloß vorsichtig was ihr macht.

00:43:04.601 --> 00:43:10.300
<v Katharina Hölzle>So das heißt, die internen Leistungskennzahlen, wie machen Sie Karriere in so einem Unternehmen?

00:43:10.301 --> 00:43:14.900
<v Katharina Hölzle>Wie bekommen Sie Ruhm und Ehre, das sind immer noch die klassischen.

00:43:14.901 --> 00:43:21.000
<v Katharina Hölzle>Und dementsprechend orientieren sich die Menschen natürlich auch in so einem Unternehmen.

00:43:21.001 --> 00:43:26.000
<v Katharina Hölzle>Und das gilt nicht nur für die Automobilindustrie, das sehen wir in allen Unternehmen.

00:43:26.001 --> 00:43:33.500
<v Katharina Hölzle>Es sind sehr traditionelle Entwicklungsperspektiven, Vergütungsstrukturen,

00:43:33.501 --> 00:43:38.900
<v Katharina Hölzle>es sind dann immer wieder die Punkte, wo gesagt wird, ja aber diesen Weg bin ich doch auch gegangen

00:43:38.901 --> 00:43:42.200
<v Katharina Hölzle>und das müssen die anderen auch so machen.

00:43:42.201 --> 00:43:45.500
<v Katharina Hölzle>Und das ist für Innovation total schädlich.

00:43:45.501 --> 00:43:51.500
<v Katharina Hölzle>Und jetzt ich sehe das ja, ich unterhalte mich häufig mit Unternehmensvertretern, so dieses,

00:43:51.501 --> 00:43:54.800
<v Katharina Hölzle>ja jetzt die junge Generation und die wollen ja alle nicht mehr so viel arbeiten

00:43:54.801 --> 00:43:58.800
<v Katharina Hölzle>und die wollen nur noch 30 Stunden und dann wollen sie aber hier noch was verdienen,

00:43:58.801 --> 00:44:05.200
<v Katharina Hölzle>da stoßen Welten aufeinander und das ist im Moment sehr spannend als Innovationsforscherin zu beobachten,

00:44:05.201 --> 00:44:07.400
<v Katharina Hölzle>was passiert da eigentlich in den Unternehmen?

00:44:07.401 --> 00:44:11.100
<v Katharina Hölzle>Schaffen wir es mit diesen jungen Leuten, die wirklich anders herangehen,

00:44:11.101 --> 00:44:15.200
<v Katharina Hölzle>die gehen anders an das Thema Arbeiten heran, die sind digitalisiert,

00:44:15.201 --> 00:44:21.000
<v Katharina Hölzle>die haben nicht mehr diese Statussymbole, es muss mindestens ein Auto, wenn nicht zwei Autos vor der Tür sein.

00:44:21.001 --> 00:44:26.200
<v Katharina Hölzle>Gleichzeitig spüren die eine ganz große Unsicherheit, die wissen nicht, wo sie in 20 Jahren sein werden.

00:44:26.201 --> 00:44:32.200
<v Katharina Hölzle>Und das ist jetzt die Frage, schaffen die Unternehmen es, sich so zu öffnen, so zu wandeln,

00:44:32.201 --> 00:44:36.200
<v Katharina Hölzle>dass sie diese Impulse aufnehmen und dann könnten sie innovativ sein.

00:44:36.201 --> 00:44:39.500
<v Katharina Hölzle>Aber ich sehe unglaubliche Beharrungstendenzen.

00:44:39.501 --> 00:44:45.700
<v Tim Pritlove>Wenn so dieses, wir verdienen da ja kein Geld mit, wenn das sozusagen die Leistungskennzahl ist,

00:44:45.701 --> 00:44:52.300
<v Tim Pritlove>die einzige, und das funktioniert nicht, was wäre denn eine andere Leistungskennzahl,

00:44:52.301 --> 00:44:58.600
<v Tim Pritlove>an der man diese Aktivitäten bewerten kann, ohne jetzt einfach nur an das Bauchgefühl zu appellieren?

00:44:58.601 --> 00:45:03.400
<v Tim Pritlove>Kann man den Menschen, ich meine, ich kann die ja in gewisser Hinsicht auch verstehen,

00:45:03.401 --> 00:45:07.500
<v Tim Pritlove>wenn die da in so einer mittleren Organisationsstruktur sind, oben der dicke Konzern,

00:45:07.501 --> 00:45:11.600
<v Tim Pritlove>ja, der immer nur das große Ganze sieht, das muss irgendwie alles funktionieren,

00:45:11.601 --> 00:45:16.300
<v Tim Pritlove>dann sind die da so in diesem Bereich, haben irgendwie größere Teile unter sich,

00:45:16.301 --> 00:45:23.200
<v Tim Pritlove>was sollen sie denn anderes bewerten als, man kann dasselbe günstiger machen oder wir bauen irgendwas,

00:45:23.201 --> 00:45:27.400
<v Tim Pritlove>wo wir es den Kunden noch ein geredet bekommen.

00:45:27.401 --> 00:45:33.000
<v Tim Pritlove>Also diese Eigendisruption muss ja dann auch in irgendeiner Form bewertet werden können,

00:45:33.001 --> 00:45:35.000
<v Tim Pritlove>was wäre denn so eine Leistungskennzahl?

00:45:35.001 --> 00:45:39.200
<v Katharina Hölzle>Ja, also am Ende müssen natürlich die Umsätze stimmen, das ist klar,

00:45:39.201 --> 00:45:42.200
<v Katharina Hölzle>sonst kann ich meine ArbeitnehmerInnen nicht bezahlen.

00:45:42.201 --> 00:45:42.200
<v Tim Pritlove>Ja, klar.

00:45:42.201 --> 00:45:43.600
<v Katharina Hölzle>Also damit bin ich raus.

00:45:43.601 --> 00:45:50.700
<v Katharina Hölzle>Aber das, was ich mir wünschen würde, wäre dass die Betrachtungszeiträume etwas gestreckt werden,

00:45:50.701 --> 00:45:56.300
<v Katharina Hölzle>dass gesagt wird, also es muss nicht, ähnlich wie wir ja auch Startup-Unternehmen betrachten,

00:45:56.301 --> 00:46:02.900
<v Katharina Hölzle>die sind in den ersten drei bis fünf Jahren nicht positiv im Cashflow.

00:46:02.901 --> 00:46:10.200
<v Katharina Hölzle>So und genauso solche Zeit muss ich disruptiven Innovationen im Unternehmen auch geben.

00:46:10.201 --> 00:46:14.700
<v Katharina Hölzle>In diesem Zeit gibt es dann sehr wohl Leistungskennzahlen, wo ich gucken kann,

00:46:14.701 --> 00:46:25.400
<v Katharina Hölzle>haben sie entsprechend so und so viel neue Kunden akquiriert, ist die Technologie, das Produkt, die Dienstleistung, ist das eingesetzt worden?

00:46:25.401 --> 00:46:33.300
<v Katharina Hölzle>Habe ich entsprechend, also bei den Innovationskennzahlen kann ich ja einerseits mir produktspezifische Kennzahlen angucken,

00:46:33.301 --> 00:46:37.300
<v Katharina Hölzle>dienstleistungsspezifische Kennzahlen, so wie ich sie gerade zitiert habe,

00:46:37.301 --> 00:46:41.200
<v Katharina Hölzle>aber ich kann ja auch gucken, habe ich einen Impact in der Gesellschaft gehabt?

00:46:41.201 --> 00:46:43.500
<v Katharina Hölzle>Hat sich da etwas verändert, hat sich da eine Denkweise verändert?

00:46:43.501 --> 00:46:45.600
<v Katharina Hölzle>Ich kann mir ökologische Kennzahlen angucken.

00:46:45.601 --> 00:46:50.300
<v Katharina Hölzle>Habe ich es geschafft, meine Produktionslinie entsprechend effizienter zu machen,

00:46:50.301 --> 00:46:53.600
<v Katharina Hölzle>dass ich weniger Wasser verbrauche, dass ich weniger Strom verbrauche.

00:46:53.601 --> 00:47:00.100
<v Katharina Hölzle>Also da sind wir auch, dieses Thema Innovationscontrolling ist kein einfaches,

00:47:00.101 --> 00:47:06.200
<v Katharina Hölzle>muss auch jedes Unternehmen für sich selber entscheiden, was sind da Kennzahlen, mit denen wir arbeiten können,

00:47:06.201 --> 00:47:16.500
<v Katharina Hölzle>wichtig ist es nur, den Mut zu haben zu sagen, wir werden da erst mal sehr wahrscheinlich sogar relativ viel Geld reinstecken müssen.

00:47:16.501 --> 00:47:27.400
<v Tim Pritlove>Das Ganze trägt sich ja jetzt dann zwangsläufig in die Gesellschaft und damit natürlich auch in die Politik, so.

00:47:27.401 --> 00:47:31.200
<v Tim Pritlove>Also wenn wir jetzt sagen, die wirtschaftlichen Leistungskennzahlen die sind schwierig zu greifen,

00:47:31.201 --> 00:47:39.300
<v Tim Pritlove>weil am Ende geht es dann doch immer irgendwie um Geld, wir müssen aber jetzt trotzdem noch andere Größenordnungen mit reinnehmen

00:47:39.301 --> 00:47:43.700
<v Tim Pritlove>und dann ist ja auch irgendwie die Gesellschaft gefragt und damit ja quasi auch so die Kunden und was wollen die eigentlich und so weiter,

00:47:43.701 --> 00:47:47.600
<v Tim Pritlove>aber auch was will die Politik.

00:47:47.601 --> 00:47:52.200
<v Tim Pritlove>Sprich, jetzt müssen wir eigentlich für die Gesamtwirtschaft oder für die Gesamtgesellschaft,

00:47:52.201 --> 00:47:55.100
<v Tim Pritlove>wo die Wirtschaft ein Teil davon ist, eben diese gesellschaftlichen Leistungskennzahlen,

00:47:55.101 --> 00:48:01.900
<v Tim Pritlove>so würde ich es jetzt mal nennen, auch mit definieren und das geschieht ja teilweise dann eben auch durch die politischen Vorgaben.

00:48:01.901 --> 00:48:06.200
<v Tim Pritlove>Wobei man jetzt so ein bisschen den Eindruck gewonnen hat, dass die Politik halt mehr oder weniger eigentlich immer dem gefolgt ist,

00:48:06.201 --> 00:48:07.200
<v Tim Pritlove>was die Wirtschaft gesagt hat.

00:48:07.201 --> 00:48:09.500
<v Tim Pritlove>Die Wirtschaft sagt, da verdienen wir kein Geld damit, dann sagt die Politik,

00:48:09.501 --> 00:48:13.000
<v Tim Pritlove>naja, wenn das so ist, dann machen wir da halt mal lieber nichts.

00:48:13.001 --> 00:48:18.700
<v Tim Pritlove>Das ist so ein bisschen, glaube ich, so ein Missverständnis, was sich so in den letzten Jahren so durchgesetzt hat.

00:48:18.701 --> 00:48:27.100
<v Tim Pritlove>Jetzt sind Sie ja auch Teil so einer Beratungsoffensive, sage ich mal,

00:48:27.101 --> 00:48:32.100
<v Tim Pritlove>also da gibt es einerseits diese Expertenkommission Forschung und Innovation,

00:48:32.101 --> 00:48:37.400
<v Tim Pritlove>die der Bundesregierung zuarbeitet und es gibt auch noch ein Hightech-Forum,

00:48:37.401 --> 00:48:43.600
<v Tim Pritlove>auch der Bundesregierung, was sind das so für Kommissionen, wie sind die aufgestellt, was sollen die eigentlich tun?

00:48:43.601 --> 00:48:48.900
<v Katharina Hölzle>Die Expertenkommission Forschung und Innovation ist vor gut zehn Jahren,

00:48:48.901 --> 00:48:56.900
<v Katharina Hölzle>vor elf Jahren ins Leben gerufen worden als innovationsökonomische Kommission,

00:48:56.901 --> 00:49:04.200
<v Katharina Hölzle>die genau solche Fragen, wie wir sie jetzt gerade diskutieren und Sie so schön anmoderiert haben,

00:49:04.201 --> 00:49:12.400
<v Katharina Hölzle>dabei Hilfestellung leisten soll, indem sie, wir machen das einmal jährlich in einem Gutachten,

00:49:12.401 --> 00:49:17.000
<v Katharina Hölzle>und wir machen es auch mittlerweile unterjährig über sogenannte Policy Briefs,

00:49:17.001 --> 00:49:21.400
<v Katharina Hölzle>wo wir dann so auf zwei, drei Seiten zu einem Thema Stellung nehmen.

00:49:21.401 --> 00:49:29.100
<v Katharina Hölzle>Wir sind sechs Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen, drei, drei, die aus dem Bereich der Innovationsökonomie kommen,

00:49:29.101 --> 00:49:37.100
<v Katharina Hölzle>also eher volkswirtschaftlich orientiert bzw. die Kollegin Häusler und ich eben aus dem Bereich Wirtschaftsingenieurwesen,

00:49:37.101 --> 00:49:46.900
<v Katharina Hölzle>und die der Politik sagen, also aus wissenschaftlicher Perspektive, das, was die Wissenschaft heute herausgefunden hat,

00:49:46.901 --> 00:49:54.000
<v Katharina Hölzle>also wirklich aktuelle Forschungsergebnisse, würden wir euch folgendes empfehlen.

00:49:54.001 --> 00:50:01.400
<v Katharina Hölzle>Und wir versuchen, das Ganze sowohl empirisch zu begründen, indem wir regelmäßig Befragungen dazu durchführen

00:50:01.401 --> 00:50:06.900
<v Katharina Hölzle>bzw. diese dann auswerten oder das Ganze auch durchaus mal mit einem theoretischen Modell begründen

00:50:06.901 --> 00:50:12.900
<v Katharina Hölzle>und sagen, pass mal auf, die Theorie sagt, der Markt würde sich folgendermaßen verhalten.

00:50:12.901 --> 00:50:18.400
<v Katharina Hölzle>Wenn ihr als Politik jetzt das entscheidet, dann gibt es folgende Möglichkeiten.

00:50:18.401 --> 00:50:19.300
<v Katharina Hölzle>Und da hören wir dann auf.

00:50:19.301 --> 00:50:26.400
<v Katharina Hölzle>Wir versuchen, Theorie und empirisch gestützte Empfehlungen abzugeben,

00:50:26.401 --> 00:50:29.900
<v Katharina Hölzle>zu sagen, also wenn ihr uns fragen würdet, was ihr ja tut, sonst wären wir nicht eingesetzt,

00:50:29.901 --> 00:50:36.200
<v Katharina Hölzle>dann sind das unsere Empfehlungen, was ihr damit macht, ist natürlich euch überlassen.

00:50:36.201 --> 00:50:39.100
<v Tim Pritlove>Wie oft findet das statt?

00:50:39.101 --> 00:50:41.200
<v Katharina Hölzle>Es gibt einmal im Jahr das EFI-Gutachten.

00:50:41.201 --> 00:50:45.100
<v Katharina Hölzle>Wir schreiben gerade das Gutachten, was im Februar 2022 übergeben werden,

00:50:45.101 --> 00:50:47.600
<v Katharina Hölzle>bisher haben wir es immer direkt an Frau Merkel übergeben.

00:50:47.601 --> 00:50:52.800
<v Katharina Hölzle>Wir hoffen sehr, dass wir im Februar 2022 das an Herrn Scholz übergeben dürfen,

00:50:52.801 --> 00:50:59.700
<v Katharina Hölzle>gleichzeitig sind wir eben sehr eng mit dem Bundesbildungs- und Forschungsministerium, dem BMBF, im Austausch,

00:50:59.701 --> 00:51:05.100
<v Katharina Hölzle>aber wie gesagt, wir sind kein Gremium des BMBF, sondern tatsächlich eingesetzt durch den deutschen Bundestag.

00:51:05.101 --> 00:51:12.300
<v Katharina Hölzle>Also das heißt, unsere Adressaten sind die ParlamentarierInnen aber auch die Gesellschaft und die Wirtschaft.

00:51:12.301 --> 00:51:17.900
<v Katharina Hölzle>Das heißt, unser Gutachten ist sehr bewusst so geschrieben, dass wir versuchen,

00:51:17.901 --> 00:51:26.100
<v Katharina Hölzle>diese wissenschaftlichen Erkenntnisse so aufzubereiten, dass es einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich ist.

00:51:26.101 --> 00:51:32.200
<v Katharina Hölzle>Und das ist nicht einfach, da können wir uns auch wunderbar drüber streiten im Kreise der Experten,

00:51:32.201 --> 00:51:39.100
<v Katharina Hölzle>aber das ist der Anspruch und das sind dann solche Themen wie, die Agilität des Staates beispielsweise im letzten Jahr.

00:51:39.101 --> 00:51:41.200
<v Katharina Hölzle>Wir haben im letzten Jahr zu CRISPR/Cas Stellung genommen,

00:51:41.201 --> 00:51:44.700
<v Katharina Hölzle>was bedeutet das, wie sollte sich Deutschland da aufstellen.

00:51:44.701 --> 00:51:45.800
<v Tim Pritlove>Also die Genschere.

00:51:45.801 --> 00:51:46.700
<v Katharina Hölzle>Die Genschere genau.

00:51:46.701 --> 00:51:53.700
<v Katharina Hölzle>Wir haben auch zu Blockchain schon mal was geschrieben, wir haben natürlich schon mal was zum Thema Digitalisierung in Gesellschaft,

00:51:53.701 --> 00:52:04.500
<v Katharina Hölzle>in der Bildung geschrieben, wir haben schon mal was zum Thema, also breite Themenvielfalt.

00:52:04.501 --> 00:52:06.600
<v Katharina Hölzle>Arbeitsmarkt der Zukunft letztes Jahr.

00:52:06.601 --> 00:52:15.500
<v Tim Pritlove>Ja. Ich greife mal eins raus, Agilität des Staates, das ist ja, sagen wir mal, klingt so ein bisschen wie ein Widerspruch in sich.

00:52:15.501 --> 00:52:18.100
<v Katharina Hölzle>/lacht/

00:52:18.101 --> 00:52:22.000
<v Tim Pritlove>Was steht denn da drin?

00:52:22.001 --> 00:52:26.200
<v Tim Pritlove>Also was wird denn dann so dem Staat vorgeschlagen?

00:52:26.201 --> 00:52:30.200
<v Tim Pritlove>Und anhand welcher Forschungsergebnisse macht man das dann fest?

00:52:30.201 --> 00:52:34.300
<v Katharina Hölzle>Genau, das war also Kapitel im letzten Jahr, was eben momentan hochaktuell ist.

00:52:34.301 --> 00:52:39.200
<v Katharina Hölzle>Wir haben dann auch tatsächlich noch mal zwei Policy Briefs darauf aufbauend geschrieben.

00:52:39.201 --> 00:52:46.000
<v Katharina Hölzle>Wir haben ja auch beispielsweise ein Ministerium neuen Zuschnitts gefordert vor einigen Monaten,

00:52:46.001 --> 00:52:52.300
<v Katharina Hölzle>das könnte ein Digitalministerium sein, es hätte aber auch jedes andere Ministerium sein können.

00:52:52.301 --> 00:52:57.900
<v Katharina Hölzle>In dem wir eben genau das gefordert haben, die Politik, der Staat muss agiler werden.

00:52:57.901 --> 00:52:58.300
<v Katharina Hölzle>Was heißt agiler?

00:52:58.301 --> 00:53:06.900
<v Katharina Hölzle>Agiler heißt, dass er schneller reagiert, dass er Dinge ausprobiert, sie dann auch gerne,

00:53:06.901 --> 00:53:17.500
<v Katharina Hölzle>wenn er feststellt, das funktioniert so nicht, wieder sein lässt und iterativ auf den Erfahrungen aufbaut und dann weiterdenkt.

00:53:17.501 --> 00:53:19.600
<v Katharina Hölzle>Also das ist sozusagen dieser Grundbegriff der Agilität.

00:53:19.601 --> 00:53:23.700
<v Katharina Hölzle>Und Sie sagten gerade schon so schön, das ist doch ein Widerspruch in sich, ist es tatsächlich.

00:53:23.701 --> 00:53:28.900
<v Katharina Hölzle>Aktuell, wenn wir uns den deutschen Staat angucken, kann sich kaum jemand vorstellen, dass dieser Staat agil ist.

00:53:28.901 --> 00:53:32.100
<v Katharina Hölzle>Wenn wir uns aber die großen gesellschaftlichen Herausforderungen angucken,

00:53:32.101 --> 00:53:38.600
<v Katharina Hölzle>dann müssen wir das, denn keiner von uns weiß, wie wir die Klimakrise lösen, das weiß keiner.

00:53:38.601 --> 00:53:44.300
<v Katharina Hölzle>Das einzige, was wir machen können, ist, und da kommt jetzt, und das war ein zweiter wichtiger Teil in diesem Kapitel,

00:53:44.301 --> 00:53:46.500
<v Katharina Hölzle>ist diese Missionsorientierung.

00:53:46.501 --> 00:53:55.400
<v Katharina Hölzle>Der Staat kann sogenannte Missionen vorgeben und sagen, wir gehen aktiv die Klimakrise an,

00:53:55.401 --> 00:54:03.800
<v Katharina Hölzle>indem wir beispielsweise, Thema Kennzahl, die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen

00:54:03.801 --> 00:54:06.900
<v Katharina Hölzle>und wir machen das mit folgenden Maßnahmen.

00:54:06.901 --> 00:54:11.000
<v Katharina Hölzle>So damit gibt der Staat einen Rahmen vor.

00:54:11.001 --> 00:54:15.400
<v Katharina Hölzle>Wie wir diesen Rahmen jetzt ausmalen und das Bild ist auch schon skizziert,

00:54:15.401 --> 00:54:20.700
<v Katharina Hölzle>aber welche Farben wir dafür nutzen, wie wir das ausmalen, ob wir das jetzt mit Pastellfarben machen,

00:54:20.701 --> 00:54:26.200
<v Katharina Hölzle>Aquarellfarben oder Ölfarben oder ob wir dieses Bild noch mal anpassen müssen,

00:54:26.201 --> 00:54:30.400
<v Katharina Hölzle>das ist dann wiederum vielen Akteuren überlassen und das ist uns eben ganz wichtig,

00:54:30.401 --> 00:54:34.000
<v Katharina Hölzle>der Staat kann nicht alles machen.

00:54:34.001 --> 00:54:42.600
<v Katharina Hölzle>Und da haben wir schon auch wieder dieses Thema Agilität bzw. warum wir dann als EFI mit dem Thema innovationsökonomischem Sachverstand sagen,

00:54:42.601 --> 00:54:48.300
<v Katharina Hölzle>der Staat hat eine wichtige Rolle zu spielen, aber anders beispielsweise als Mariana Mazzucato,

00:54:48.301 --> 00:54:56.300
<v Katharina Hölzle>die sagt, der Staat geht dann ins kleinste Detail und gibt dann vor, in Zukunft nur noch Elektromobilität.

00:54:56.301 --> 00:55:02.600
<v Katharina Hölzle>Sagen wir eben, es muss in diesem Rahmen muss es Flexibilität geben.

00:55:02.601 --> 00:55:05.600
<v Tim Pritlove>Das mit den Pastellfarben steht da bestimmt so nicht drin.

00:55:05.601 --> 00:55:07.700
<v Katharina Hölzle>Nein, das habe ich jetzt gerade für Sie.

00:55:07.701 --> 00:55:12.800
<v Tim Pritlove>Ja, ja, ich habe nichts gegen Bilder, aber mich interessiert wirklich auch mal, was steht denn konkret drin?

00:55:12.801 --> 00:55:18.400
<v Tim Pritlove>Ich habe es natürlich nicht gelesen, ich fauler Sack, aber was…

00:55:18.401 --> 00:55:25.200
<v Tim Pritlove>Weil worauf ich ein bisschen hinaus will, ist, wenn man sich über Innovation und Effektivität von Maßnahmen und so weiter Gedanken macht,

00:55:25.201 --> 00:55:28.200
<v Tim Pritlove>dann macht man sich ja wahrscheinlich auch Gedanken darüber, was schreibe ich jetzt in so ein Paper rein,

00:55:28.201 --> 00:55:30.800
<v Tim Pritlove>und was bewirkt es einfach auch mal konkret.

00:55:30.801 --> 00:55:34.800
<v Tim Pritlove>Also man muss ja sozusagen auch diese konkrete Schnittstelle zu einer Bundesregierung oder einem Bundesministerium

00:55:34.801 --> 00:55:40.100
<v Tim Pritlove>auch so denken, so nach dem Motto, okay wir haben jetzt hier einen begrenzten Zeitraum,

00:55:40.101 --> 00:55:43.300
<v Tim Pritlove>wir machen jetzt hier eine Empfehlung, was schreiben wir da rein und wie schreiben wir das da rein,

00:55:43.301 --> 00:55:47.200
<v Tim Pritlove>damit das dann auch in gewisser Hinsicht Erfolg haben kann.

00:55:47.201 --> 00:55:54.300
<v Katharina Hölzle>Das ist ein ganz dünner Grat, weil wir nicht die Politik machen wollen und auch können, dafür sind wir nicht ausgebildet.

00:55:54.301 --> 00:55:55.500
<v Tim Pritlove>Ja klar.

00:55:55.501 --> 00:55:59.000
<v Katharina Hölzle>Das heißt, wir werden der Politik nie sagen, mach A, mach B, mach C,

00:55:59.001 --> 00:56:07.000
<v Katharina Hölzle>sondern auch da sagen wir nur, wir empfehlen beispielsweise, eine missionsorientierte Politik zu betreiben.

00:56:07.001 --> 00:56:09.100
<v Katharina Hölzle>Was beutetet missionsorientiert?

00:56:09.101 --> 00:56:11.300
<v Katharina Hölzle>Ich hatte das gerade eben kurz angesprochen.

00:56:11.301 --> 00:56:15.800
<v Katharina Hölzle>So das könnte beispielsweise, Sie haben ja das Hightech-Forum schon angesprochen,

00:56:15.801 --> 00:56:17.700
<v Katharina Hölzle>das könnte im Rahmen der Hightech-Strategie erfolgen.

00:56:17.701 --> 00:56:24.200
<v Katharina Hölzle>Die Hightech-Strategie, die wir in den vergangen vier Jahren hatten, war eine quasi missionsorientierte Politik.

00:56:24.201 --> 00:56:31.500
<v Katharina Hölzle>Da wurden also auch Dekade des Krebses, also wir als Bundesregierung geben vor,

00:56:31.501 --> 00:56:36.100
<v Katharina Hölzle>wir wollen das Thema Krebsforschung ganz stark vorantreiben.

00:56:36.101 --> 00:56:38.000
<v Katharina Hölzle>Wie sieht es dann ganz konkret aus?

00:56:38.001 --> 00:56:39.800
<v Katharina Hölzle>Das müssen dann die Akutere übersetzen.

00:56:39.801 --> 00:56:46.300
<v Katharina Hölzle>Und da kommt dann beispielsweise jetzt das Hightech-Forum rein, das im Vergleich zur EFI-Kommission sehr viel pragmatischer arbeitet.

00:56:46.301 --> 00:56:51.100
<v Katharina Hölzle>Da sind Vertreter aus der Wirtschaft dabei, da sind Unternehmer dabei, Unternehmerinnen,

00:56:51.101 --> 00:56:57.200
<v Katharina Hölzle>Startup-Unternehmerinnen, Mittelständler, Großunternehmer bzw. eben aus dem Management.

00:56:57.201 --> 00:57:02.900
<v Katharina Hölzle>Da ist die Wissenschaft dabei, verschiedene Forschungsinstitute, da ist die Gesellschaft dabei,

00:57:02.901 --> 00:57:07.600
<v Katharina Hölzle>nicht so stark wie wir es uns gewünscht hätten, das gibt es vielleicht jetzt in der nächsten Iteration.

00:57:07.601 --> 00:57:14.300
<v Katharina Hölzle>Denn das und das beantwortet jetzt Ihre Frage, wer bestimmt das jetzt eigentlich und wer macht das eigentlich jetzt,

00:57:14.301 --> 00:57:16.600
<v Katharina Hölzle>das müssen die gesellschaftlichen Akteure sein.

00:57:16.601 --> 00:57:22.800
<v Katharina Hölzle>Das muss dann die Wissenschaft, die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft, das sind ja diese vier Stränge,

00:57:22.801 --> 00:57:27.300
<v Katharina Hölzle>die müssen das gemeinsam in einem Diskurs ausdiskutieren und sagen,

00:57:27.301 --> 00:57:30.400
<v Katharina Hölzle>was bedeutet diese Mission jetzt, Dekade des Krebses?

00:57:30.401 --> 00:57:38.000
<v Katharina Hölzle>Reduktion der globalen Erwärmung um 1,5 Grad, was sind meine Antworten als Wissenschaftler,

00:57:38.001 --> 00:57:43.300
<v Katharina Hölzle>als Gesellschaft, als Wirtschaft, was sind meine Antworten darauf und wo können wir da zusammenarbeiten?

00:57:43.301 --> 00:57:54.700
<v Katharina Hölzle>Und die Politik ist für mich oder dann eben auch für uns als EFI und im Hightech-Forum ist es ähnlich, ein Moderator, ein Rahmengeber.

00:57:54.701 --> 00:58:02.100
<v Tim Pritlove>Im letzten Gespräch hier bei Forschergeist habe ich mich mal mit Rafael Laguna de la Vera unterhalten,

00:58:02.101 --> 00:58:10.300
<v Tim Pritlove>der ja dieses neue Institut für Sprunginnovationen vornimmt, das ist ja dann sozusagen auch so eine Manifestation dieser Idee,

00:58:10.301 --> 00:58:15.300
<v Tim Pritlove>Innovationen auch wirklich als Teil des Staates zu machen, haben Sie da auch Kontakt?

00:58:15.301 --> 00:58:17.900
<v Tim Pritlove>Ist das Teil Ihrer Forschung?

00:58:17.901 --> 00:58:23.700
<v Katharina Hölzle>Ja, natürlich. Also auf der einen Seite ist die Agentur für Sprunginnovation ja quasi ein EFI-Produkt,

00:58:23.701 --> 00:58:28.400
<v Katharina Hölzle>also die EFI hat unter der Leitung von Dietmar Harhoff über Jahre gefordert,

00:58:28.401 --> 00:58:39.400
<v Katharina Hölzle>dass es eine solche Agentur braucht oder eine solche Institution, die eben frei von politischen Vorgaben Geld in die Hand nehmen kann,

00:58:39.401 --> 00:58:42.200
<v Katharina Hölzle>um einfach mal diese verrückten Ideen, an die nämlich sonst keiner glaubt,

00:58:42.201 --> 00:58:47.600
<v Katharina Hölzle>für die es noch keine Kennzahlen gibt, für die wir im Zweifel noch gar nicht wissen, wer es eigentlich machen soll,

00:58:47.601 --> 00:58:48.900
<v Katharina Hölzle>so etwas anstoßen kann.

00:58:48.901 --> 00:58:58.500
<v Katharina Hölzle>Also insofern ist die EFI und die SPRIND die sind sehr eng miteinander vertraut, sage ich mal so.

00:58:58.501 --> 00:59:03.700
<v Katharina Hölzle>Davon abgesehen, dass eben dann wir uns auch immer versuchen abzugleichen, wer macht eigentlich gerade was

00:59:03.701 --> 00:59:08.900
<v Katharina Hölzle>oder wir versuchen uns da auch entsprechend auszutauschen.

00:59:08.901 --> 00:59:11.000
<v Katharina Hölzle>Jetzt habe ich Ihre Frage vergessen.

00:59:11.001 --> 00:59:15.100
<v Tim Pritlove>Ja, das war die Frage, also wie hängt das zusammen?

00:59:15.101 --> 00:59:21.200
<v Tim Pritlove>Also haben Sie ja im Prinzip schon gesagt, dass ist ein Ergebnis sozusagen oder war zumindest mal ein Vorschlag.

00:59:21.201 --> 00:59:21.500
<v Katharina Hölzle>Ja, genau.

00:59:21.501 --> 00:59:25.200
<v Tim Pritlove>Und das kam bei raus, kann man jetzt sagen, okay das ist nur weil wir das gesagt haben, wahrscheinlich nicht.

00:59:25.201 --> 00:59:28.700
<v Katharina Hölzle>Und andere Akteure, ja genau, das will ich jetzt gar nicht …

00:59:28.701 --> 00:59:33.300
<v Tim Pritlove>Und das sind sozusagen Ziele und damit auch messbare Ergebnisse.

00:59:33.301 --> 00:59:39.700
<v Tim Pritlove>Ich meine, inwiefern die Ergebnisse dieser Agentur messbar sind, das werden wir dann erst noch sehen,

00:59:39.701 --> 00:59:48.100
<v Tim Pritlove>Aber ist ja zumindest schon mal ein Gedanke gewesen, so nach dem Motto, wir brauchen so was ähnliches eben wie die DARPA in den USA.

00:59:48.101 --> 00:59:55.300
<v Tim Pritlove>Also eine Institution, die eben konkret auch was auslösen kann, indem sie auch wirklich mal konkret Geld in die Hand nehmen kann

00:59:55.301 --> 01:00:01.200
<v Tim Pritlove>und unabhängig von dem eigentlichen politischen Vorgang, der zwangsläufig langsam ist,

01:00:01.201 --> 01:00:08.800
<v Tim Pritlove>weil er immer versucht, einen politischen Konsens auszuhandeln, einfach mal Dinge ausprobiert und Kohle verbraten kann

01:00:08.801 --> 01:00:12.400
<v Tim Pritlove>und dann auch mal in Kauf nimmt, dass irgendwas nicht so gut funktioniert,

01:00:12.401 --> 01:00:18.300
<v Tim Pritlove>weil wenn man genug Sachen nimmt, irgendwas wird eben schon hängenbleiben.

01:00:18.301 --> 01:00:24.000
<v Tim Pritlove>Aber mich interessiert halt jetzt wirklich dieses, vielleicht gibt es noch ein paar Sachen,

01:00:24.001 --> 01:00:30.100
<v Tim Pritlove>die man dazu sagen kann, so dieses Interface von der Wissenschaft zur Politik.

01:00:30.101 --> 01:00:36.200
<v Tim Pritlove>Weil ich stelle mir halt immer so ein bisschen vor, naja Gutachter, Kommission, Gremien, alles schön und gut,

01:00:36.201 --> 01:00:39.800
<v Tim Pritlove>da macht man dann mal so sein Papierchen, das legt man hin, dann hat man eine Presskonferenz

01:00:39.801 --> 01:00:47.300
<v Tim Pritlove>und dann wird einem schön gedankt, wie innovativ das doch jetzt wieder alles ist und dann ist nächsten Montag wieder business as usual.

01:00:47.301 --> 01:00:51.200
<v Tim Pritlove>Das ist jetzt so ein bisschen vielleicht auch, ne…

01:00:51.201 --> 01:00:54.300
<v Tim Pritlove>Wie das dann wahrgenommen wird, manchmal findet es wahrscheinlich auch so statt,

01:00:54.301 --> 01:00:58.100
<v Tim Pritlove>aber haben Sie auch das Gefühl, dass das so ist oder ist es anders?

01:00:58.101 --> 01:00:59.300
<v Tim Pritlove>Wie verfängt das?

01:00:59.301 --> 01:01:08.000
<v Tim Pritlove>Also wie Ofen ist der politische Prozess für die wissenschaftliche Beratung konkret?

01:01:08.001 --> 01:01:09.300
<v Katharina Hölzle>Also die Frage stellen wir uns ja selber auch immer wieder.

01:01:09.301 --> 01:01:13.800
<v Katharina Hölzle>Das Hightech-Forum ist ja jetzt geendet mit der letzten Legislaturperiode.

01:01:13.801 --> 01:01:18.500
<v Katharina Hölzle>Ob es das wieder geben wird, ob es eine Hightech-Strategie, sie ist ja zumindest im Koalitionsvertrag festgehalten,

01:01:18.501 --> 01:01:22.200
<v Katharina Hölzle>oder eine Zukunftsstrategie geben wird, wer die begleiten wird, das werden wir sehen.

01:01:22.201 --> 01:01:31.000
<v Katharina Hölzle>Ich sehe den Einfluss oder wir nennen das neudeutsch ja immer so schön Impact auf verschiedenen Dimensionen.

01:01:31.001 --> 01:01:38.900
<v Katharina Hölzle>Also wenn ich jetzt noch mal für die EFI spreche, wir glauben und das, was wir an Feedback bekommen,

01:01:38.901 --> 01:01:44.100
<v Katharina Hölzle>gelingt es uns, mit unseren Gutachten immer wieder aktuelle Themen aufzugreifen,

01:01:44.101 --> 01:01:50.000
<v Katharina Hölzle>sie zu übersetzen für die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, ihnen zu zeigen,

01:01:50.001 --> 01:01:57.200
<v Katharina Hölzle>wo da beispielsweise Innovation drinsteckt, also jetzt wieder Beispiel Genschere CRISPR/Cas,

01:01:57.201 --> 01:02:03.900
<v Katharina Hölzle>wie Politik gestaltet werden sollte, Thema agiler Staat oder Arbeitsmarkt der Zukunft,

01:02:03.901 --> 01:02:08.900
<v Katharina Hölzle>was sind eigentlich die Fähigkeiten, die die Arbeitnehmerinnen in Zukunft brauchen werden.

01:02:08.901 --> 01:02:14.500
<v Katharina Hölzle>Das sind Impulse, die wir setzen, die werden gelesen, die werden reflektiert,

01:02:14.501 --> 01:02:19.100
<v Katharina Hölzle>die werden in den Ausschüssen diskutiert, das wissen wir.

01:02:19.101 --> 01:02:23.100
<v Katharina Hölzle>Wir wissen auch, dass sie in den Ministerien aufgegriffen werden

01:02:23.101 --> 01:02:27.600
<v Katharina Hölzle>und da teilweise nach einigen Jahren, also das mussten wir schon lernen,

01:02:27.601 --> 01:02:33.000
<v Katharina Hölzle>dass dieses Brett doch ein bisschen dicker ist, aber wenn man immer wieder da auch reinbohrt

01:02:33.001 --> 01:02:37.300
<v Katharina Hölzle>und wir greifen auch Themen immer wieder auf, dass wir sagen, im letzten Jahr haben wir

01:02:37.301 --> 01:02:41.700
<v Katharina Hölzle>und es ist immer noch nichts passiert und jetzt macht doch bitte mal was,

01:02:41.701 --> 01:02:45.500
<v Katharina Hölzle>3,5 Prozent Ziel für die Innovationsausgaben ist so eine andere EFI-Forderung,

01:02:45.501 --> 01:02:50.300
<v Katharina Hölzle>die also auch sehr lange immer wieder wiederholt werden musste, bis sie dann umgesetzt wurde.

01:02:50.301 --> 01:02:58.100
<v Katharina Hölzle>Was ich persönlich lernen musste ist, dass Politik unglaublich vielfältig ist,

01:02:58.101 --> 01:03:02.000
<v Katharina Hölzle>das, was in den Ministerien passiert und das, was im Bundestag passiert,

01:03:02.001 --> 01:03:06.200
<v Katharina Hölzle>das ist so das eine, was wir beeinflussen können als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

01:03:06.201 --> 01:03:13.700
<v Katharina Hölzle>Das, was dann nachher in der konkreten Politikarbeit dann tatsächlich Eingang in Gesetzesvorhaben

01:03:13.701 --> 01:03:22.800
<v Katharina Hölzle>oder Umsetzungsprojekte findet, das ist dann wiederum und da haben wir schon letztendlich eine Vergleichbarkeit mit den großen Unternehmen,

01:03:22.801 --> 01:03:27.900
<v Katharina Hölzle>das ist dann wieder von sehr vielen Partikularinteressen getrieben.

01:03:27.901 --> 01:03:33.300
<v Katharina Hölzle>Es ist dann der einzelne Parlamentarier, der jetzt vor Ort seinem Wahlkreis etwas gutes tun will.

01:03:33.301 --> 01:03:38.600
<v Katharina Hölzle>Und plötzlich sind die schönsten Konzepte werden also wieder infrage gestellt,

01:03:38.601 --> 01:03:42.200
<v Katharina Hölzle>weil gesagt wird, naja das müssen wir jetzt noch mal überdenken.

01:03:42.201 --> 01:03:52.200
<v Katharina Hölzle>Also mein Gefühl ist, dass wir die richtigen Impulse setzen, dass wir objektive Fakten liefern können.

01:03:52.201 --> 01:03:56.700
<v Katharina Hölzle>Wir bemühen uns, objektiv abgeleitete Handlungsempfehlungen zu geben,

01:03:56.701 --> 01:04:01.900
<v Katharina Hölzle>den Wissensraum der Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu öffnen,

01:04:01.901 --> 01:04:12.000
<v Katharina Hölzle>die Ministerien mit einer weiteren Meinung zu versehen, bereitzustellen,

01:04:12.001 --> 01:04:17.300
<v Katharina Hölzle>natürlich auch entsprechend bei Diskussionen Rückfragen Kommissionssitzungen zur Verfügung zu stellen,

01:04:17.301 --> 01:04:24.100
<v Katharina Hölzle>aber auf die endgültige Entscheidung, was dann nachher umgesetzt wird, haben wir tatsächlich relativ wenig Einfluss.

01:04:24.101 --> 01:04:32.400
<v Tim Pritlove>Ja gut, ich meine, auch das ist ja ein Experiment, was man beobachten kann.

01:04:32.401 --> 01:04:39.900
<v Tim Pritlove>Man sieht ja, okay diese Aktivität hat folgende Ergebnisse erzielt und hier war es jetzt nicht so erfolgreich,

01:04:39.901 --> 01:04:47.400
<v Tim Pritlove>das kann man ja wie so ein kleines Laborexperiment im Prinzip betrachten, daraus so seine Schlussfolgerungen ziehen so.

01:04:47.401 --> 01:04:53.200
<v Tim Pritlove>Und was mich noch mal interessieren würde, was glauben Sie oder was ist so Ihr Gefühl,

01:04:53.201 --> 01:04:54.400
<v Tim Pritlove>wo es denn am meisten verfängt?

01:04:54.401 --> 01:05:01.000
<v Tim Pritlove>Weil Sie meinten ja, es gibt im Prinzip mehrere Adressaten, auf der einen Seite ist es so der Bundestag, die Parlamentarier,

01:05:01.001 --> 01:05:05.400
<v Tim Pritlove>gut die wechseln dann alle paar Jahre, jetzt mischt sich der Reigen wieder komplett neu,

01:05:05.401 --> 01:05:10.500
<v Tim Pritlove>da geht natürlich dann auch viel verloren in gewisser Hinsicht, weil all die Leute, mit denen man gesprochen hat,

01:05:10.501 --> 01:05:14.500
<v Tim Pritlove>sind ja dann weg, kann aber auch ein Vorteil sein.

01:05:14.501 --> 01:05:18.900
<v Tim Pritlove>Das gleiche gilt natürlich jetzt auch für die Bundesregierung, wobei die Leute, die dort mitmachen,

01:05:18.901 --> 01:05:25.000
<v Tim Pritlove>wahrscheinlich schon auch vorher eine Weile dabei waren, das sind ja jetzt nicht die kompletten Novizen mit wenigen Ausnahmen.

01:05:25.001 --> 01:05:28.300
<v Tim Pritlove>Aber dann gibt es ja auch noch so andere Bereiche.

01:05:28.301 --> 01:05:32.000
<v Tim Pritlove>Also erst mal die Ministerien, die tauschen ihren Apparat ja jetzt nicht aus,

01:05:32.001 --> 01:05:39.600
<v Tim Pritlove>sondern da hat man ja auch über längere Zeit Ansprechpartner und dann gibt es ja auch noch so Gruppen wie den wissenschaftlichen Dienst,

01:05:39.601 --> 01:05:45.800
<v Tim Pritlove>wo ja ohnehin so eine permanente wissenschaftliche Dienstleistung, im wahrsten Sinne des Wortes, geleistet wird.

01:05:45.801 --> 01:05:51.500
<v Tim Pritlove>Wenn man sich also dieses Spektrum jetzt anschaut und jetzt vielleicht mal den Blick zurückwirft

01:05:51.501 --> 01:05:57.900
<v Tim Pritlove>und jetzt mal als Adressat dieser Aussage die Wissenschaft in Deutschland nimmt und sagt,

01:05:57.901 --> 01:06:06.000
<v Tim Pritlove>okay, hör mal, das ist der Einfluss, den ihr nehmen könnt, wie müsste sich quasi die Wissenschaft ausrichten?

01:06:06.001 --> 01:06:11.900
<v Tim Pritlove>Wo macht vielleicht auch die Wissenschaft derzeit noch einen Fehler oder hat Optimierungspotenzial,

01:06:11.901 --> 01:06:24.900
<v Tim Pritlove>um es mal etwas vorsichtiger auszudrücken, in die Gesellschaft in Form der Politik Einfluss zu nehmen?

01:06:24.901 --> 01:06:27.800
<v Katharina Hölzle>Eine vielfältige Frage.

01:06:27.801 --> 01:06:33.100
<v Katharina Hölzle>Ich fange noch mal kurz mit einer Reflexion an, es gibt nämlich noch einen Punkt, den ich gerade vergessen habe,

01:06:33.101 --> 01:06:36.400
<v Katharina Hölzle>der führt uns dann aber zu dem nächsten.

01:06:36.401 --> 01:06:46.800
<v Katharina Hölzle>Ich musste die Erfahrung machen, dass ich sehr viel geduldiger werden musste im Kontext der Wissens- oder Politikberatung.

01:06:46.801 --> 01:06:53.600
<v Katharina Hölzle>Ich habe mehrere Runden, also gerade jetzt dieses Thema Verwaltungsinnovationen, agiler Staat,

01:06:53.601 --> 01:06:56.600
<v Katharina Hölzle>das war natürlich im letzten Jahr vor der Bundestagswahl war das ein ganz heißes Thema.

01:06:56.601 --> 01:07:02.400
<v Katharina Hölzle>Und es gab unglaublich viele Gesprächsrunden und Diskussionsrunden.

01:07:02.401 --> 01:07:09.900
<v Katharina Hölzle>Und ich erinnere mich an eine Runde, da hatte Herr Scholz eingeladen zehn Wissenschaftskollegen und -kolleginnen

01:07:09.901 --> 01:07:14.500
<v Katharina Hölzle>und da sollte es also wieder um Verwaltungsinnovation und den modernen Staat gehen.

01:07:14.501 --> 01:07:20.500
<v Katharina Hölzle>Und wir haben dann angefangen und ich hatte begeistert ja gesagt, weil ich mir dachte,

01:07:20.501 --> 01:07:25.300
<v Katharina Hölzle>naja das ist jetzt endlich mal der richtige Rahmen und ganz viele BMWI und BMBF und BMI,

01:07:25.301 --> 01:07:28.900
<v Katharina Hölzle>also Innenministerium und Wirtschaft, alle waren sie dabei.

01:07:28.901 --> 01:07:34.300
<v Katharina Hölzle>Und dann kamen wieder dieselben Fragen und es kamen wieder dieselben Antworten.

01:07:34.301 --> 01:07:39.800
<v Katharina Hölzle>Und das war also diese Eingangsrunde und ich beendete dann den Reigen dann.

01:07:39.801 --> 01:07:42.000
<v Tim Pritlove>Welche Fragen und welche Antworten?

01:07:42.001 --> 01:07:46.800
<v Katharina Hölzle>Na die Frage, was müssen wir denn tun, um den Staat zu modernisieren?

01:07:46.801 --> 01:07:50.200
<v Katharina Hölzle>Wie können wir den Staat agiler machen?

01:07:50.201 --> 01:07:52.600
<v Katharina Hölzle>Wie muss eine Innovationsorientierte Politik aussehen?

01:07:52.601 --> 01:07:55.600
<v Katharina Hölzle>Also die Fragen, über die wir gerade gesprochen haben.

01:07:55.601 --> 01:08:01.500
<v Katharina Hölzle>Und das waren Fragen, die hatte ich in den vergangenen Monaten fünf-, zehnmal gehört, adressiert.

01:08:01.501 --> 01:08:09.500
<v Katharina Hölzle>So und die kamen hier wieder und die Kollegen aus den Verwaltungswissenschaften, aus der Innovationsforschung,

01:08:09.501 --> 01:08:14.800
<v Katharina Hölzle>aus der Ökonomie, das waren so eigentlich die drei, haben das gefühlt immer wieder dasselbe gesagt.

01:08:14.801 --> 01:08:21.600
<v Katharina Hölzle>Und es brach tatsächlich emotional aus mir heraus, dass ich sagte, Herr Scholz Sie hören das jetzt zum zehnten Mal,

01:08:21.601 --> 01:08:26.400
<v Katharina Hölzle>warum fragen Sie uns immer wieder dieselben Fragen?

01:08:26.401 --> 01:08:29.000
<v Katharina Hölzle>Das kann doch nicht sein, warum müssen wir das immer wiederholen?

01:08:29.001 --> 01:08:33.900
<v Katharina Hölzle>So und dann wurde ich also belehrt, sowohl auch von meinen Kollegen, als dann eben auch,

01:08:33.901 --> 01:08:38.500
<v Katharina Hölzle>Herr Scholz hat sich da etwas zurückgehalten, aber von den anwesenden Ministerialvertretern,

01:08:38.501 --> 01:08:43.600
<v Katharina Hölzle>ja so einfach ist das ja nicht.

01:08:43.601 --> 01:08:49.500
<v Katharina Hölzle>Und da sind wir wieder bei diesem Thema Veränderungsresistenz.

01:08:49.501 --> 01:08:53.700
<v Katharina Hölzle>Und dann wurde ich darüber aufgeklärt, dass die moderne Verwaltung sich eben nicht von heute auf morgen verändern kann.

01:08:53.701 --> 01:08:57.100
<v Katharina Hölzle>Und dass sie nicht von heute auf morgen ein Experimentallabor machen kann.

01:08:57.101 --> 01:09:01.200
<v Katharina Hölzle>Und dass sie nicht von heute auf morgen mal eben agil sein kann.

01:09:01.201 --> 01:09:04.000
<v Katharina Hölzle>Und das war für mich aber ein ganz wichtiger Moment, weil ich festgestellt habe,

01:09:04.001 --> 01:09:10.300
<v Katharina Hölzle>genau die Frage, die Sie gerade gestellt haben, was für einen Einfluss habe ich denn eigentlich,

01:09:10.301 --> 01:09:15.100
<v Katharina Hölzle>wenn ich mir immer wieder den Mund fusselig rede.

01:09:15.101 --> 01:09:17.700
<v Katharina Hölzle>So und die Frage habe ich auch immer noch nicht für mich beantwortet,

01:09:17.701 --> 01:09:23.600
<v Katharina Hölzle>außer dass ich eben denke, steter Tropfen höhlt den Stein und immer wieder bohren

01:09:23.601 --> 01:09:24.800
<v Katharina Hölzle>und irgendwann haben wir das Brett geschafft.

01:09:24.801 --> 01:09:29.800
<v Katharina Hölzle>Ich glaube tatsächlich, und ich habe aber dadurch festgestellt und jetzt komme ich auf Ihre Frage,

01:09:29.801 --> 01:09:35.000
<v Katharina Hölzle>was müssen wir als Wissenschaft anders machen, was müssen wir besser machen?

01:09:35.001 --> 01:09:41.000
<v Katharina Hölzle>Wir müssen immer wieder das, was wir erforschen, das, was wir herausfinden, müssen wir spiegeln,

01:09:41.001 --> 01:09:48.000
<v Katharina Hölzle>wir müssen es genau in diese Diskussionsrunden einbringen, wir müssen unsere Impulse setzen,

01:09:48.001 --> 01:09:50.900
<v Katharina Hölzle>aber, das finde ich ganz wichtig, wir dürfen uns nicht verbiegen.

01:09:50.901 --> 01:09:57.200
<v Katharina Hölzle>Wir dürfen dann nicht anfangen, den Politikerinnen und den Politikern nach dem Mund zu reden oder den Wirtschaftsvertretern,

01:09:57.201 --> 01:10:00.100
<v Katharina Hölzle>sondern wir müssen da schon sehr selbstbewusst sein.

01:10:00.101 --> 01:10:08.700
<v Katharina Hölzle>Aber wir müssen eine Sprache sprechen, die diese Akteure verstehen und wir müssen natürlich auch Forschung machen, die relevant ist.

01:10:08.701 --> 01:10:18.400
<v Katharina Hölzle>Es hilft keinem von diesen Akteuren, wenn wir die nächste tolle Theorie oder das nächste tolle theoretische Framework entwickeln.

01:10:18.401 --> 01:10:26.100
<v Katharina Hölzle>Sondern wir müssen tatsächlich dann fallbezogen und das ist ein weiteres Mantra der Innovationsforschung und auch der EFI,

01:10:26.101 --> 01:10:30.500
<v Katharina Hölzle>wir müssen diese Initiativen, die dann gestoßen werden, wir müssen die begleiten.

01:10:30.501 --> 01:10:34.600
<v Katharina Hölzle>Wir brauchen Begleitforschung, die dann nämlich sagen kann, Mensch guck mal hier,

01:10:34.601 --> 01:10:43.800
<v Katharina Hölzle>ProBio beispielsweise, das ist also ein Rahmenprogramm des BMBF für das Thema Ausgründung in der Bioökonomie.

01:10:43.801 --> 01:10:45.100
<v Katharina Hölzle>Hochrelevant und sehr sehr erfolgreich.

01:10:45.101 --> 01:10:47.700
<v Katharina Hölzle>Das wissen wir aber nur, weil wir eine Begleitforschung gemacht haben.

01:10:47.701 --> 01:10:54.000
<v Katharina Hölzle>Sie hatten im Vorfeld gesagt, wir wollten vielleicht noch mal auf We Versus Virus zu sprechen kommen.

01:10:54.001 --> 01:10:56.300
<v Tim Pritlove>Da würde ich jetzt drauf einschwenken wollen, genau.

01:10:56.301 --> 01:11:02.600
<v Katharina Hölzle>Das war genau so ein Thema, da sind wir herangegangen, also ein Masterstudent und ich,

01:11:02.601 --> 01:11:08.000
<v Katharina Hölzle>da sind wir reingegangen und haben das also über Wochen, die das lief, begleitet,

01:11:08.001 --> 01:11:09.700
<v Katharina Hölzle>um festzustellen, guck mal, da passiert jetzt etwas.

01:11:09.701 --> 01:11:11.500
<v Tim Pritlove>Vielleicht sollten wir kurz sagen, was es war.

01:11:11.501 --> 01:11:16.800
<v Tim Pritlove>Also zum Beginn der Pandemie, als alle so, oh Gott, was können wir denn jetzt tun,

01:11:16.801 --> 01:11:21.900
<v Tim Pritlove>war es ja eine dieser Initiativen, so einen offenen Hackathon zu machen,

01:11:21.901 --> 01:11:28.600
<v Tim Pritlove>also eine Veranstaltung, wo technikbegeisterte Leute oder gar nicht primär Technik,

01:11:28.601 --> 01:11:34.400
<v Tim Pritlove>aber generell lösungsorientiert über, okay Pandemie, vor welchen Herausforderungen stehen wir denn jetzt,

01:11:34.401 --> 01:11:38.000
<v Tim Pritlove>was können wir denn jetzt hier für Lösungen finden?

01:11:38.001 --> 01:11:39.900
<v Tim Pritlove>Da ist teilweise viel Software erstellt worden, andere Projekte, ich weiß gar nicht, wie breitbandig es war.

01:11:39.901 --> 01:11:43.300
<v Katharina Hölzle>Bildungsangebote.

01:11:43.301 --> 01:11:43.700
<v Tim Pritlove>Es war wirklich sehr sehr viel.

01:11:43.701 --> 01:11:44.400
<v Katharina Hölzle>Ja, Vernetzungsangebote.

01:11:44.401 --> 01:11:50.800
<v Tim Pritlove>Und das Ganze wurde auch binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt.

01:11:50.801 --> 01:11:55.200
<v Tim Pritlove>Unter anderem auch mit der Hilfe des Prototype-Funds, was ja auch schon so ein Projekt war,

01:11:55.201 --> 01:12:02.100
<v Tim Pritlove>was, sagen wir mal, genau mit solchen Strukturen dann auch schon experimentiert hat unter staatlicher Unterstützung.

01:12:02.101 --> 01:12:08.700
<v Tim Pritlove>Ist schon so ein kleines Innovationspflänzchen gewesen, was schon da war,

01:12:08.701 --> 01:12:11.300
<v Tim Pritlove>was in dem Moment ganz gut gepasst hat, so dass es dann, ich weiß gar nicht,

01:12:11.301 --> 01:12:14.400
<v Tim Pritlove>wie schnell kam das zustande, innerhalb von wenigen Wochen.

01:12:14.401 --> 01:12:20.800
<v Katharina Hölzle>Vier bis sechs Wochen, also das war eine erste Idee und dann sind sehr schnell die relevanten Akteure haben sich zusammengefunden

01:12:20.801 --> 01:12:24.600
<v Katharina Hölzle>und haben gesagt, wir machen das, wir finden das toll, wir setzen das um.

01:12:24.601 --> 01:12:28.700
<v Katharina Hölzle>Es gab die Finanzierung aus dem BMBF, aus dem BMWI und dann ist das einfach losgelaufen.

01:12:28.701 --> 01:12:34.100
<v Katharina Hölzle>Also das war tatsächlich auch im Nachgang, gerade wenn Sie mit den Organisatoren sprechen,

01:12:34.101 --> 01:12:37.300
<v Katharina Hölzle>die sind da immer noch, die reflektieren das und denken, wir hätten das nicht gedacht,

01:12:37.301 --> 01:12:39.400
<v Katharina Hölzle>dass wir das so schnell auf die Beine stellen.

01:12:39.401 --> 01:12:46.000
<v Katharina Hölzle>Aber letztendlich hatte das eben genau dieses, das war so ganz agil, kam ja auch aus der IT-Szene,

01:12:46.001 --> 01:12:49.900
<v Katharina Hölzle>so Hackathon, Sie sprachen das gerade schon an, so wir machen einfach mal was.

01:12:49.901 --> 01:12:52.500
<v Katharina Hölzle>So wir gucken einfach mal, was passiert.

01:12:52.501 --> 01:12:58.300
<v Katharina Hölzle>Und unsere Gesellschaft befand sich zu dem Zeitpunkt in einer Situation, wo wir alle das Gefühl hatten, wir müssen jetzt was tun.

01:12:58.301 --> 01:13:00.000
<v Tim Pritlove>Was ist dann passiert?

01:13:00.001 --> 01:13:06.100
<v Katharina Hölzle>Dann haben sich diese, so und jetzt hätte ich natürlich im Vorfeld noch mal schön die Zahlen nachschlagen können,

01:13:06.101 --> 01:13:10.500
<v Katharina Hölzle>also ich glaube, wir hatten…

01:13:10.101 --> 01:13:12.100
<v Katharina Hölzle>Nein, vierstellig hätte ich jetzt gesagt.

01:13:10.501 --> 01:13:10.100
<v Tim Pritlove>Dreistellige Zahl von Teilnehmern auf jeden Fall.

01:13:12.101 --> 01:13:13.700
<v Tim Pritlove>Vierstellig, tatsächlich?

01:13:13.701 --> 01:13:14.200
<v Katharina Hölzle>Ja, ich meine schon.

01:13:14.201 --> 01:13:17.900
<v Katharina Hölzle>Aber gut, also das ist jetzt das, wo wir beide genau stehen.

01:13:17.901 --> 01:13:22.900
<v Katharina Hölzle>Und die haben sich also zusammengetan an einem Wochenende im März und haben gesagt,

01:13:22.901 --> 01:13:30.900
<v Katharina Hölzle>so, wir tun uns jetzt mal zusammen und wir geben uns gegenseitig Ideen,

01:13:30.901 --> 01:13:34.100
<v Katharina Hölzle>wir sind zusammen kreativ, da sind wir wieder bei diesem Thema Kreativität

01:13:34.101 --> 01:13:39.800
<v Katharina Hölzle>und wir überlegen uns, was können wir eigentlich tun, um diese Herausforderungen,

01:13:39.801 --> 01:13:44.000
<v Katharina Hölzle>vor denen wir stehen, also wie verbinden wir Leute besser miteinander.

01:13:44.001 --> 01:13:45.900
<v Katharina Hölzle>Da hatten wir ja noch das Thema Einkaufshilfen.

01:13:45.901 --> 01:13:52.500
<v Katharina Hölzle>Wie sorgen wir dafür, dass die Kinder im Virtuellen unterrichtet werden?

01:13:52.501 --> 01:13:56.300
<v Katharina Hölzle>Wie schaffen wir es, womöglich bessere Warnhinweise zu entwickeln?

01:13:56.301 --> 01:14:00.800
<v Katharina Hölzle>Wie finden wir womöglich ein Corona-Medikament?

01:14:00.801 --> 01:14:03.800
<v Katharina Hölzle>Also ganz unterschiedliche Disziplinen wurden da angesprochen.

01:14:03.801 --> 01:14:10.000
<v Katharina Hölzle>Es kamen Menschen aus allen, sage ich mal, Schichten und studiert, nicht studiert,

01:14:10.001 --> 01:14:16.100
<v Katharina Hölzle>Informatiker, der Tischler um die Ecke, die sich alle an diesem Wochenende trafen im virtuellen Raum

01:14:16.101 --> 01:14:18.400
<v Katharina Hölzle>und gemeinsam Ideen entwickelt haben.

01:14:18.401 --> 01:14:20.900
<v Tim Pritlove>28.000 sagt die Wikipedia.

01:14:20.901 --> 01:14:22.000
<v Katharina Hölzle>Fünfstellig, sehen Sie mal.

01:14:22.001 --> 01:14:23.900
<v Tim Pritlove>Ist die Teilnahmezahl. Okay, das ist wirklich eine Menge.

01:14:23.901 --> 01:14:26.300
<v Katharina Hölzle>Ja.

01:14:26.301 --> 01:14:28.800
<v Tim Pritlove>Die sich dann in 1500 Projekten damit beschäftigt haben.

01:14:28.801 --> 01:14:30.900
<v Katharina Hölzle>Projektteams, genau.

01:14:30.901 --> 01:14:33.600
<v Katharina Hölzle>So und da haben wir wirklich eine unglaubliche Bandbreite.

01:14:33.601 --> 01:14:39.600
<v Katharina Hölzle>Und am Ende waren wir alle ganz überrascht, begeistert davon, dass es eben so viele gab.

01:14:39.601 --> 01:14:42.900
<v Katharina Hölzle>Und dann ging es ja darum, was machen wir jetzt mit diesen 1500 Projekten?

01:14:42.901 --> 01:14:45.900
<v Katharina Hölzle>Das soll ja nicht nur so eine Einmalveranstaltung gewesen sein.

01:14:45.901 --> 01:14:52.700
<v Katharina Hölzle>Und das haben wir dann eben, das ist ja dann auch über die Initiative, da sind dann eben entsprechende Mentoren angeworben worden,

01:14:52.701 --> 01:14:57.700
<v Katharina Hölzle>die Projektteams wurden gefragt, habt ihr Lust das weiter zu machen, habt ihr Zeit dafür?

01:14:57.701 --> 01:15:02.300
<v Katharina Hölzle>Wenn nicht, seid ihr bereit, eure Idee sozusagen auf den Marktplatz zu stellen,

01:15:02.301 --> 01:15:05.500
<v Katharina Hölzle>dass die von anderen weiter getrieben werden kann?

01:15:05.501 --> 01:15:06.500
<v Katharina Hölzle>So und da gab es ganz unterschiedliche Motivationen.

01:15:06.501 --> 01:15:09.900
<v Katharina Hölzle>Es gab welche, die gesagt haben, auf alle Fälle machen wir weiter und ich bereit,

01:15:09.901 --> 01:15:12.800
<v Katharina Hölzle>da auch in meinem Job zurückzustecken.

01:15:12.801 --> 01:15:17.400
<v Katharina Hölzle>Es gab natürlich viele, die während des Lockdowns sehr sehr viel Zeit hatten.

01:15:17.401 --> 01:15:20.700
<v Katharina Hölzle>Und so ist das also von verschiedenen Akteuren vorangetrieben worden.

01:15:20.701 --> 01:15:25.300
<v Katharina Hölzle>Es gab dann entsprechende finanzielle Unterstützung, es gab dann aber eben auch entsprechende fachliche Unterstützung.

01:15:25.301 --> 01:15:32.100
<v Katharina Hölzle>Und ich glaube, mittlerweile haben wir also jetzt, also von 15 Gründungen weiß ich,

01:15:32.101 --> 01:15:36.100
<v Katharina Hölzle>aber es kann gut sein, dass da mittlerweile auch schon wieder noch mehr dazu gekommen sind.

01:15:36.101 --> 01:15:38.700
<v Katharina Hölzle>Also die dann tatsächlich in die Unternehmensgründung gegangen sind.

01:15:38.701 --> 01:15:47.200
<v Katharina Hölzle>Sei es eben jetzt über eine App, die Daten zur Früherkennung von solchen Pandemien zusammenfügt.

01:15:47.201 --> 01:15:50.400
<v Katharina Hölzle>Sei es eine App, die eben solche Communitys entsprechend unterstützt,

01:15:50.401 --> 01:15:54.100
<v Katharina Hölzle>also vor Ort, so Nachbarschaftshilfen.

01:15:54.101 --> 01:15:56.400
<v Katharina Hölzle>Also da gab es eine große Bandbreite.

01:15:56.401 --> 01:16:00.600
<v Katharina Hölzle>Es gab zwei oder drei, die jetzt auch in die medizinische Forschung,

01:16:00.601 --> 01:16:03.400
<v Katharina Hölzle>ich glaube, zwei sind jetzt am Robert-Koch-Institut angesiedelt,

01:16:03.401 --> 01:16:09.300
<v Katharina Hölzle>die da ihre Idee entsprechend jetzt auch in die Forschung übertragen haben, um da eben weiterzumachen.

01:16:09.301 --> 01:16:12.400
<v Tim Pritlove>Und Sie haben das auch forschend begleitet?

01:16:12.401 --> 01:16:18.100
<v Katharina Hölzle>Genau. Also wir waren, mein Masterstudent war Teil dieser ersten Runde,

01:16:18.101 --> 01:16:22.500
<v Katharina Hölzle>der war an diesem Wochenende mit dabei, hat sich das angeschaut, war völlig begeistert,

01:16:22.501 --> 01:16:27.500
<v Katharina Hölzle>ist selber Informatikstudent gewesen und kam anschließend zu mir und sagte,

01:16:27.501 --> 01:16:33.900
<v Katharina Hölzle>boah Katharina das war so cool und das ist doch eigentlich spannend, jetzt mal zu gucken,

01:16:33.901 --> 01:16:35.800
<v Katharina Hölzle>was passiert damit eigentlich, was kommt da mit raus?

01:16:35.801 --> 01:16:37.800
<v Katharina Hölzle>Und das haben wir gemacht.

01:16:37.801 --> 01:16:41.400
<v Katharina Hölzle>Wir haben also dann, auf einer Seite hat er in seinem Projektteam weitergearbeitet, an seiner konkreten Idee

01:16:41.401 --> 01:16:48.500
<v Katharina Hölzle>und gleichzeitig hat er aber dann eben mit anderen Teams, mit anderen involvierten Menschen

01:16:48.501 --> 01:16:52.200
<v Katharina Hölzle>hat er Interviews geführt und hat gefragt, warum hast du mitgemacht?

01:16:52.201 --> 01:16:54.400
<v Katharina Hölzle>Was hat dich eigentlich daran gereizt?

01:16:54.401 --> 01:16:57.300
<v Katharina Hölzle>Ist das gut gelaufen, was ist an diesem Wochenende gut gelaufen?

01:16:57.301 --> 01:17:00.700
<v Katharina Hölzle>Was ist vielleicht nicht so gut gelaufen, was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

01:17:00.701 --> 01:17:07.300
<v Katharina Hölzle>So und das, was halt rauskam, und da kann man wieder sagen, da sind wir als Wissenschaft nicht so wahnsinnig überrascht gewesen,

01:17:07.301 --> 01:17:13.800
<v Katharina Hölzle>der zentrale Faktor war dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, dieses Community-Feeling.

01:17:13.801 --> 01:17:18.000
<v Katharina Hölzle>Ich bin mehr als nur einer oder eine, sondern wir sind eine Gemeinschaft.

01:17:18.001 --> 01:17:22.900
<v Katharina Hölzle>Und in dieser Gemeinschaft haben wir Dinge erreicht, von denen ich nicht dachte, dass die möglich wären.

01:17:22.901 --> 01:17:30.500
<v Katharina Hölzle>In so kurzer Zeit, in einer solche Kreativität, wir hatten das Gefühl, dass wir sehr viel Unterstützung erfahren haben.

01:17:30.501 --> 01:17:35.000
<v Katharina Hölzle>Also dieses gesamte Begleitprogramm ist sehr gelobt worden, dass man das Gefühl hatte,

01:17:35.001 --> 01:17:42.700
<v Katharina Hölzle>da gibt es tatsächlich Unterstützung und dann, das ist so der dritte Erfolgsfaktor, wenn wir ihn mal so nennen dürfen,

01:17:42.701 --> 01:17:48.400
<v Katharina Hölzle>war tatsächlich das Thema, wir gegen das Virus.

01:17:48.401 --> 01:17:58.400
<v Katharina Hölzle>Und da merkt man eben, wie wichtig diese Gemeinsamkeit oder wir nennen es ja dann als Wirtschaftswissenschaftler immer gerne Vision, ist.

01:17:58.401 --> 01:18:04.000
<v Katharina Hölzle>Aber sich darauf einzulassen und zu sagen, ja, dafür mache ich das.

01:18:04.001 --> 01:18:08.000
<v Katharina Hölzle>Und alle, die hier in diesem virtuellen Raum zusammen sind, die haben alle dieselbe Motivation.

01:18:08.001 --> 01:18:12.900
<v Katharina Hölzle>Und das waren so die drei Faktoren, aus denen wir dann eben, und deswegen macht man ja so eine Begleitforschung,

01:18:12.901 --> 01:18:16.400
<v Katharina Hölzle>entsprechend Handlungsempfehlungen abgeleitet haben, an die Politik,

01:18:16.401 --> 01:18:22.400
<v Katharina Hölzle>aber genauso an Hochschulen, an Schule, an Bürgerinitiativen.

01:18:22.401 --> 01:18:29.300
<v Katharina Hölzle>Wenn ihr solche Initiativen machen wollt, solche Hackathons, dann achtet darauf,

01:18:29.301 --> 01:18:33.800
<v Katharina Hölzle>findet eine Gemeinsamkeit, findet eine gemeinsame Vision, ein Leitmotiv,

01:18:33.801 --> 01:18:36.900
<v Katharina Hölzle>unter das sich die Leute finden können.

01:18:36.901 --> 01:18:44.600
<v Katharina Hölzle>Sorgt dafür, dass dieses Gemeinsamkeitsgefühl geschaffen und dann auch aufrechterhalten wird.

01:18:44.601 --> 01:18:53.700
<v Katharina Hölzle>Und seht zu, dass ihr dann entsprechende Unterstützung anbieten könnt, um aus diesen Ideen tatsächlich konkrete Dinge machen zu können.

01:18:53.701 --> 01:18:59.100
<v Katharina Hölzle>Dass man das Gefühl hat, es verpufft eben nicht einfach so, sondern es kommt wirklich etwas raus.

01:18:59.101 --> 01:19:04.100
<v Tim Pritlove>Findet denn das noch statt, also ist diese Begleitung noch, wir die noch betrieben oder ist das abgeschlossen?

01:19:04.101 --> 01:19:06.800
<v Katharina Hölzle>Nein, das ist abgeschlossen.

01:19:06.801 --> 01:19:08.600
<v Tim Pritlove>Hat das gereicht der Zeitraum?

01:19:08.601 --> 01:19:15.000
<v Katharina Hölzle>Naja, es war halt der Zeitraum einer Masterarbeit und er hat schon deutlich mehr Zeit reingesteckt,

01:19:15.001 --> 01:19:18.600
<v Katharina Hölzle>also er hat acht Monate reingesteckt und wie gesagt, ich sagte ja gerade,

01:19:18.601 --> 01:19:20.700
<v Katharina Hölzle>die Projekte laufen teilweise ja immer noch.

01:19:20.701 --> 01:19:26.900
<v Katharina Hölzle>Aber uns ging es ja wirklich mehr darum zu verstehen, was sind eigentlich bedeutsame Faktoren,

01:19:26.901 --> 01:19:33.800
<v Katharina Hölzle>um so eine Initiative zunächst einmal zum Erfolg zu führen, kurzfristiger Erfolg.

01:19:33.801 --> 01:19:41.300
<v Katharina Hölzle>Und insofern würde ich sagen, für diese Fragestellung, mit der er rangegangen ist, hat es erst mal gereicht.

01:19:41.301 --> 01:19:47.400
<v Tim Pritlove>Ja ist so ein bisschen die Dynamik so auch der Hackerszene, da kennt man das ja sehr stark,

01:19:47.401 --> 01:19:54.300
<v Tim Pritlove>diese Community-Ausprägung des Selbermachens, Selberrausfindens, so Eigeninitiative machen

01:19:54.301 --> 01:19:58.600
<v Tim Pritlove>und das Ganze auch über so eine Community zu lenken.

01:19:58.601 --> 01:20:02.400
<v Tim Pritlove>Würde mich noch mal interessieren, was man da jetzt wirklich für Lehren draus ziehen kann,

01:20:02.401 --> 01:20:04.800
<v Tim Pritlove>außer dass das Projekt jetzt an sich toll war.

01:20:04.801 --> 01:20:12.100
<v Tim Pritlove>Weil so, sagen wir mal, dieser Motivationstrieb war natürlich in dem Moment der hereinbrechenden Pandemie,

01:20:12.101 --> 01:20:14.500
<v Tim Pritlove>ist ja auch jetzt nicht so ohne weiteres replizierbar.

01:20:14.501 --> 01:20:20.100
<v Tim Pritlove>Also das ist so eine Ausnahmesituation gewesen.

01:20:20.101 --> 01:20:25.000
<v Tim Pritlove>Also reflektiert schön diese Feststellung, die wir vorhin hatten, mit, es muss erst mal ganz dicke kommen,

01:20:25.001 --> 01:20:27.800
<v Tim Pritlove>bevor irgendwie überhaupt erst mal was passiert.

01:20:27.801 --> 01:20:30.900
<v Tim Pritlove>So ja klar, so globale Pandemie da lässt sich was machen.

01:20:30.901 --> 01:20:38.200
<v Tim Pritlove>Frage ist natürlich, wie kann man das dann im Kleinen mit den normalen Innovationsschüben auch als Lehre heranziehen.

01:20:38.201 --> 01:20:41.000
<v Tim Pritlove>Also was würden Sie denn jetzt sozusagen empfehlen?

01:20:41.001 --> 01:20:49.600
<v Tim Pritlove>Dass solche Hackathons ein wichtiger Faktor sind, um sich überall anzugliedern an den politischen Prozess?

01:20:49.601 --> 01:20:51.700
<v Tim Pritlove>Ist das überhaupt wünschenswert, ist das leistbar?

01:20:51.701 --> 01:20:56.500
<v Tim Pritlove>Wäre die Politik bereit, mit den Erfahrungen, das überhaupt anzunehmen?

01:20:56.501 --> 01:21:00.200
<v Tim Pritlove>Oder bleibt das eher eine einmalige Geschichte?

01:21:00.201 --> 01:21:02.000
<v Katharina Hölzle>Ich denke nicht, dass das eine einmalige Geschichte bleibt.

01:21:02.001 --> 01:21:10.100
<v Katharina Hölzle>Das, was wir im Moment sehen, ist, die Innovationen der Zukunft sind nicht technologische Innovationen.

01:21:10.101 --> 01:21:14.200
<v Katharina Hölzle>Sondern sie werden immer eine Kombination sein aus technologischen und sozialen Innovationen.

01:21:14.201 --> 01:21:19.500
<v Katharina Hölzle>Da haben wir wieder diesen Menschenfokus mit drin.

01:21:19.501 --> 01:21:24.400
<v Katharina Hölzle>Das weiß die Politik grundsätzlich, die Unternehmen wissen es grundsätzlich auch.

01:21:24.401 --> 01:21:31.300
<v Katharina Hölzle>Und wenn es jetzt darum geht, diesen Bereich, den ich jetzt mal Sozialinnovationen nenne

01:21:31.301 --> 01:21:35.600
<v Katharina Hölzle>oder Gesellschaftsinnovationen nenne, um das mit reinzukriegen,

01:21:35.601 --> 01:21:44.600
<v Katharina Hölzle>werden wir ganz stark eine Bürgergesellschaftsnutzerbeteiligung brauchen.

01:21:44.601 --> 01:21:47.200
<v Katharina Hölzle>Ohne die wird es nicht funktionieren.

01:21:47.201 --> 01:21:53.100
<v Katharina Hölzle>Da werden wir Disruption nicht durchsetzen können und wir werden vielleicht auch gar nicht erst die Ideen dafür kriegen.

01:21:53.101 --> 01:21:58.400
<v Katharina Hölzle>Das heißt, das, was wir aus so einer Initiative lernen können und wir wissen ja,

01:21:58.401 --> 01:22:04.100
<v Katharina Hölzle>Bürgerinitiativen gibt es schon ganz lange und es gibt jetzt auch immer diese Labore,

01:22:04.101 --> 01:22:09.100
<v Katharina Hölzle>da werden dann Bürgerinnen und Bürger eingeladen und wir wissen auch, es sind immer wieder dieselben Menschen,

01:22:09.101 --> 01:22:10.600
<v Katharina Hölzle>die sich engagieren bei so was.

01:22:10.601 --> 01:22:18.600
<v Katharina Hölzle>Und es gibt einen ganz großen Anteil an Menschen, die erreichen wir nicht, adressieren wir nicht, die engagieren sich nicht.

01:22:18.601 --> 01:22:21.400
<v Katharina Hölzle>Die werden wir aber brauchen.

01:22:21.401 --> 01:22:30.100
<v Katharina Hölzle>Und die Erfahrungen und die Lernerfahrung aus so einer Initiative wie „we versus virus“ kann uns helfen,

01:22:30.101 --> 01:22:38.600
<v Katharina Hölzle>wenn wir über Politikmaßnahmen, über neue disruptive Technologieinnovationen nachdenken,

01:22:38.601 --> 01:22:44.000
<v Katharina Hölzle>von Anfang an mitzudenken, wie sorgen wir dafür, dass wir die Menschen mitnehmen, wie sprechen wir die an?

01:22:44.001 --> 01:22:50.100
<v Katharina Hölzle>Wie schaffen wir eine solche Vision, wo die sich vielleicht auch wiederfinden können?

01:22:50.101 --> 01:22:56.900
<v Katharina Hölzle>Wie gehen wir früh genug auf diese Akteure zu, um sie einzubinden, um ihre Stimme zu hören?

01:22:56.901 --> 01:23:05.500
<v Katharina Hölzle>Um diese Stimme dann aber auch, und das ist ja immer so dieses ganz wichtige, was gerne vergessen wird,

01:23:05.501 --> 01:23:10.100
<v Katharina Hölzle>die eben nicht nur einmal zu hören, zur Kenntnis zu nehmen, sondern sie dann auch mit umzusetzen.

01:23:10.101 --> 01:23:14.200
<v Katharina Hölzle>Und da braucht es dann natürlich auf beiden Seiten ein Umdenken.

01:23:14.201 --> 01:23:19.200
<v Tim Pritlove>Das sind super Fragen, aber was sind die Antworten darauf?

01:23:19.201 --> 01:23:19.500
<v Katharina Hölzle>Wie wir das machen?

01:23:19.501 --> 01:23:20.200
<v Tim Pritlove>Ja.

01:23:20.201 --> 01:23:25.100
<v Katharina Hölzle>Pf, das kommt dann ganz drauf an, was wir da jetzt konkret vorhaben.

01:23:25.101 --> 01:23:29.700
<v Tim Pritlove>Naja, also nehmen wir doch mal irgendeinen Bereich heraus, der jetzt nicht die Pandemie ist,

01:23:29.701 --> 01:23:40.500
<v Tim Pritlove>wo wäre denn so ein Vorstoß der Einbindung der Gesellschaft für so innovative Projekte,

01:23:40.501 --> 01:23:47.800
<v Tim Pritlove>vielleicht jetzt nicht in derselben Dimension und nicht mit demselben Druck wie die Pandemiebekämpfung, sondern eben so andere Sachen.

01:23:47.801 --> 01:23:51.100
<v Tim Pritlove>Sagen wir mal Umgestaltung der Städte im Verkehrsbereich.

01:23:51.101 --> 01:23:53.000
<v Katharina Hölzle>Richtig, nachhaltige Mobilität.

01:23:53.001 --> 01:24:06.000
<v Tim Pritlove>Betrifft alle enorm, wird viel diskutiert, wenn man so soziale Medien verfolgt, so hier den Beschwerdekanal Twitter zum Beispiel,

01:24:06.001 --> 01:24:12.900
<v Tim Pritlove>da wird also permanent darauf hingewiesen, wie kaputt doch so unser autoorientiertes Verkehrssystem so ist,

01:24:12.901 --> 01:24:18.100
<v Tim Pritlove>habe ich vorhin ja auch schon mal als Beispiel genommen, da sehe ich eine ganze Menge Potenzial.

01:24:18.101 --> 01:24:21.000
<v Tim Pritlove>So und wie geht man dann jetzt vor?

01:24:21.001 --> 01:24:24.600
<v Tim Pritlove>Wie bindet man das denn jetzt ein?

01:24:24.601 --> 01:24:33.000
<v Tim Pritlove>Ich meine, Verkehrsministerium wäre sicherlich ganz gut beraten an der Stelle, konkret wäre ja jetzt mal so ein Vorschlag.

01:24:33.001 --> 01:24:37.600
<v Tim Pritlove>Gut, wie machen wir das denn jetzt mit der Umgestaltung der Städte, damit das nicht irgendwie 30 Jahre dauert,

01:24:37.601 --> 01:24:40.300
<v Tim Pritlove>bis wir da wirklich an den Punkt kommen, weil der Bedarf ist ja offensichtlich da

01:24:40.301 --> 01:24:44.900
<v Tim Pritlove>und es ist ja auch etwas, was die Wirtschaft dann unmittelbar wiederum betrifft.

01:24:44.901 --> 01:24:48.500
<v Tim Pritlove>Da haben wir den Kreis jetzt auch mal geschlossen, nicht wahr, mit der Automobilindustrie,

01:24:48.501 --> 01:24:57.700
<v Tim Pritlove>die sich vielleicht mehr als Mobilitätsindustrie verstehen muss, weil eben ja hier noch ein konkreter infrastruktureller Wandel auch ansteht.

01:24:57.701 --> 01:25:01.600
<v Katharina Hölzle>Ja. Also da ganz konkret würde ich eben tatsächlich, Sie haben jetzt die Städte angesprochen,

01:25:01.601 --> 01:25:07.500
<v Katharina Hölzle>aber ich würde das wahrscheinlich direkt parallel laufen lassen und würde mir ein städtisches Experimentallabor ausdenken

01:25:07.501 --> 01:25:14.200
<v Katharina Hölzle>und würde mir eins im ländlichen Raum aussuchen, denn die Zukunft der Mobilität da müssen wir in Deutschland beides bespielen.

01:25:14.201 --> 01:25:15.700
<v Tim Pritlove>Ja richtig.

01:25:15.701 --> 01:25:22.700
<v Katharina Hölzle>Und würde dann sagen, okay Berlin Neukölln und Ostwestfalen-Lippe, so die nehmen wir uns,

01:25:22.701 --> 01:25:35.400
<v Katharina Hölzle>da holen wir uns die Bezirkspolitik mit ins Boot und sagen, also ihr werdet jetzt für die nächsten 24 Monate seid ihr unser Zukunftsstandort die Zukunft der Mobilität.

01:25:35.401 --> 01:25:46.400
<v Katharina Hölzle>Ihr bekommt Betrag X, fünf, zehn Millionen dafür, dass ihr gemeinsam mit der Wirtschaft vor Ort,

01:25:46.401 --> 01:25:52.900
<v Katharina Hölzle>das ist jetzt in Berlin Neukölln nicht so stark ausgeprägt, aber da darf dann vielleicht BMW mitspielen,

01:25:52.901 --> 01:25:59.800
<v Katharina Hölzle>wenn Volkswagen nach Ostwestfalen-Lippe geht und ihr macht euch gemeinsam mit diesen vier Parteien,

01:25:59.801 --> 01:26:04.400
<v Katharina Hölzle>die ich jetzt schon ein paarmal genannt habe, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft,

01:26:04.401 --> 01:26:07.000
<v Katharina Hölzle>darüber Gedanken, wie ihr das vor Ort umgestalten wollt.

01:26:07.001 --> 01:26:09.400
<v Katharina Hölzle>So und dann werden wir unterschiedliche Instrumente bespielen.

01:26:09.401 --> 01:26:15.900
<v Katharina Hölzle>Dann werden wir einen Hackathon machen, mindestens einen, wir werden das Ganze also über eine Plattform machen,

01:26:15.901 --> 01:26:25.000
<v Katharina Hölzle>wir werden aber genau so mit Bürgerbüros vor Ort arbeiten, wo wir dann vielleicht die nicht so sozialmedienaffinen einladen und sagen,

01:26:25.001 --> 01:26:32.300
<v Katharina Hölzle>hier das ist die Vision, das stellen wir uns vor, was sind eure Ideen dazu oder wo seht ihr eigentlich die Probleme?

01:26:32.301 --> 01:26:37.500
<v Katharina Hölzle>Die Nutzer mit an den Tisch bringen zu sagen, was sind denn eigentlich eure konkreten Probleme?

01:26:37.501 --> 01:26:40.800
<v Katharina Hölzle>Und dann gemeinsam mit denen Lösungen entwickeln.

01:26:40.801 --> 01:26:44.900
<v Katharina Hölzle>Und immer unter diesem Kontext, da komme ich jetzt wieder auf diesen einen Erfolgsfaktor,

01:26:44.901 --> 01:26:54.700
<v Katharina Hölzle>ihr als Gemeinschaft hier vor Ort in diesen beiden Experimentallaboren könnt die Zukunft so gestalten,

01:26:54.701 --> 01:26:56.900
<v Katharina Hölzle>wie sie für euch passt.

01:26:56.901 --> 01:27:00.700
<v Tim Pritlove>Super Idee, wo klopft man da jetzt an, um das durchzusetzen?

01:27:00.701 --> 01:27:04.000
<v Katharina Hölzle>Naja, Sie nannten das ja gerade schon, wir haben ja jetzt ein Ministerium für Digitalisierung und Verkehr,

01:27:04.001 --> 01:27:08.600
<v Katharina Hölzle>das ist unser erster Faktor, dann nehmen wir das BMBF noch mit rein in die Begleitforschung

01:27:08.601 --> 01:27:11.400
<v Katharina Hölzle>und das BMWI für die Startups.

01:27:11.401 --> 01:27:15.500
<v Katharina Hölzle>Und dann kommen wir nämlich auf das nächste große Problem, was wir noch nicht gelöst haben

01:27:15.501 --> 01:27:19.600
<v Katharina Hölzle>und wo ich mir sehr viel mehr Innovativität gewünscht hätte von der neuen Regierung,

01:27:19.601 --> 01:27:24.800
<v Katharina Hölzle>das ist nämlich das Thema interministerielle Zusammenarbeit.

01:27:24.801 --> 01:27:25.600
<v Tim Pritlove>Was es so nicht gibt?

01:27:25.601 --> 01:27:27.400
<v Katharina Hölzle>Nein.

01:27:27.401 --> 01:27:28.300
<v Tim Pritlove>Warum?

01:27:28.301 --> 01:27:38.300
<v Katharina Hölzle>Das größte, wie sagte mir mal jemand aus einem der Ministerien, also die größte Bestrafung sind die IMAKs,

01:27:38.301 --> 01:27:42.800
<v Katharina Hölzle>die interministeriellen Arbeitskreise.

01:27:42.801 --> 01:27:42.800
<v Tim Pritlove>IMAKs?

01:27:42.801 --> 01:27:49.400
<v Katharina Hölzle>Mhm /bejahend/, da wird man also abgeordnet, weil ja dann zwischen den Ministerien eine Koordination erfolgen soll

01:27:49.401 --> 01:27:52.500
<v Katharina Hölzle>und da kommt überhaupt nichts raus.

01:27:52.501 --> 01:28:00.300
<v Katharina Hölzle>Weil, da sind wir wieder relativ zu Beginn, kein Haus will Macht abgeben, kein Haus will die zweite Geige spielen,

01:28:00.301 --> 01:28:04.600
<v Katharina Hölzle>kein Haus will im Zweifel zu etwas zustimmen, was das andere Haus bestimmt hat.

01:28:04.601 --> 01:28:14.200
<v Katharina Hölzle>So und solange wir das nicht haben, solange die Regierung, die Ministerien sich nicht als ein verantwortlicher Körper versteht,

01:28:14.201 --> 01:28:21.900
<v Katharina Hölzle>da werden viele von den Punkten, über die wir gesprochen haben, schwierig umzusetzen sein.

01:28:21.901 --> 01:28:24.200
<v Tim Pritlove>Aber ist doch im Prinzip genau das gleiche Problem, was wir vorhin bei der Wirtschaft auch schon festgemacht haben.

01:28:24.201 --> 01:28:25.400
<v Katharina Hölzle>Ja klar.

01:28:25.401 --> 01:28:32.500
<v Tim Pritlove>Dass hier die richtigen Leistungskennzahlen, tolles Wort, Belohnungssysteme vorhanden sind.

01:28:32.001 --> 01:28:37.600
<v Tim Pritlove>Welche Belohnungssysteme könnten denn dann an der Stelle etwas mit reinbringen?

01:28:32.501 --> 01:28:32.000
<v Katharina Hölzle>Ja ist richtig, klar.

01:28:37.601 --> 01:28:45.300
<v Tim Pritlove>Wie kann man denn sozusagen belohnt werden, um durch interministerielle Zusammenarbeit trotzdem zu glänzen

01:28:45.301 --> 01:28:50.000
<v Tim Pritlove>und nicht sofort der Später zu sein, der das Budget senkt?

01:28:50.001 --> 01:28:50.900
<v Tim Pritlove>Schwierig, ne?

01:28:50.901 --> 01:28:51.800
<v Katharina Hölzle>Sehr sehr schwierig.

01:28:51.801 --> 01:28:52.800
<v Tim Pritlove>Ich habe nicht gesagt, dass es einfach ist.

01:28:52.801 --> 01:29:01.000
<v Katharina Hölzle>Ja, also auch da wieder, ich meine, das, was wir da schon als Entwürfe oder mal als Vorschläge entwickelt haben, wäre natürlich,

01:29:01.001 --> 01:29:12.400
<v Katharina Hölzle>dann themenspezifische Töpfe, und das wäre jetzt nachhaltige Mobilität, die Zukunft der Mobilität im städtischen und ländlichen Raum,

01:29:12.401 --> 01:29:16.200
<v Katharina Hölzle>wohlwissend, dass das Digital- und Verkehrsministerium als erstes schreien würde,

01:29:16.201 --> 01:29:23.700
<v Katharina Hölzle>das ist in unserer Verantwortung und gleich sagen, nein, diesen Topf bekommt ihr nur dann, wenn alle dabei sind.

01:29:23.701 --> 01:29:29.400
<v Katharina Hölzle>Und dementsprechend werden dann die Gelder verteilt.

01:29:29.401 --> 01:29:33.800
<v Katharina Hölzle>Ja, wohlwissend … nein, so und das ist aber jetzt sozusagen meine Milchmädchenrechnung

01:29:33.801 --> 01:29:37.600
<v Katharina Hölzle>und ich weiß, dass da noch ganz viele Punkte entsprechend adressiert werden müssen,

01:29:37.601 --> 01:29:45.500
<v Katharina Hölzle>aber wir müssen diese Themen aus der ministeriellen Zuordnung und Verantwortung müssen wir rauslösen,

01:29:45.501 --> 01:29:48.600
<v Katharina Hölzle>deswegen hoffe ich sehr auf diese sogenannte Hightech- oder Zukunftsstrategie,

01:29:48.601 --> 01:29:52.600
<v Katharina Hölzle>da müssten in meinen Augen solche Themen adressiert werden.

01:29:52.601 --> 01:29:58.400
<v Katharina Hölzle>Sie müssten mit Zielkennzahlen hinterlegt werden und dann natürlich auch entsprechend mit Budgets.

01:29:58.401 --> 01:30:05.400
<v Katharina Hölzle>Und dann müssen wir wahrscheinlich im Zusammenspiel dieser Missionen, nenne ich sie jetzt mal,

01:30:05.401 --> 01:30:13.300
<v Katharina Hölzle>vielleicht heißen sie in Zukunft anders, müssen wir dann austarieren, also da darf mal das Ministerium im Lead sein

01:30:13.301 --> 01:30:17.300
<v Katharina Hölzle>und da das Ministerium, aber insgesamt muss klar sein, ihr könnt es nur alle zusammen.

01:30:17.301 --> 01:30:25.800
<v Katharina Hölzle>Aber das ist ein sehr dickes Brett, weil wir da nämlich genau auf dieses Thema Belohnungsstrukturen, Leistungskennzahlen,

01:30:25.801 --> 01:30:30.400
<v Katharina Hölzle>Macht abgeben, zusammenarbeiten, wenn ich womöglich die Sprache des anderen nicht verstehe,

01:30:30.401 --> 01:30:34.500
<v Katharina Hölzle>weil das BMWI da ganz anders arbeitet als das BMBF und so weiter.

01:30:34.501 --> 01:30:41.500
<v Katharina Hölzle>Aber ich glaube, das wäre ein zentrales Zeichen für uns alle, für die Wirtschaft, für die Gesellschaft,

01:30:41.501 --> 01:30:50.600
<v Katharina Hölzle>das bereit ist, über den eigenen Schatten zu springen und zu sagen, Innovation funktioniert nur dann, wenn wir alle mitarbeiten.

01:30:50.601 --> 01:30:53.500
<v Tim Pritlove>Schönes Schlusswort, würde ich sagen an der Stelle.

01:30:53.501 --> 01:31:02.700
<v Tim Pritlove>Könnten jetzt sicherlich noch viel weiter philosophieren und uns fragen, was die Politikwissenschaften hier noch für neue Aufgabenfelder entdeckt haben,

01:31:02.701 --> 01:31:06.300
<v Tim Pritlove>aber vielleicht haben die ja zugehört und denken sich ihren Teil.

01:31:06.301 --> 01:31:12.900
<v Tim Pritlove>Gibt es noch irgendeinen letzten Gedanken, den wir noch hinterher werfen sollten oder können wir es damit beschließen?

01:31:12.901 --> 01:31:15.600
<v Katharina Hölzle>Ich glaube, wir können es damit gut beschließen.

01:31:15.601 --> 01:31:16.200
<v Tim Pritlove>Super, dann beschließen wir das damit.

01:31:16.201 --> 01:31:17.700
<v Tim Pritlove>Damit vielen vielen Dank für Ihre Zeit.

01:31:17.701 --> 01:31:19.200
<v Katharina Hölzle>Danke Ihnen.

01:31:19.201 --> 01:31:23.200
<v Tim Pritlove>Und vielen Dank für das Zuhören hier bei Forschergeist, bald geht es wieder weiter.

01:31:23.201 --> 01:31:26.400
<v Tim Pritlove>Und ich sage, tschüss und bis bald.
