WEBVTT

NOTE
Podcast: Forschergeist
Episode: FG088 Reifen aus Löwenzahn
Publishing Date: 2021-11-14T16:00:00+01:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg088-reifen-aus-loewenzahn/

00:00:41.901 --> 00:00:47.700
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:47.701 --> 00:00:54.100
<v Tim Pritlove>Und ich begrüße alle zur 88. Ausgabe von Forschergeist.

00:00:54.101 --> 00:01:02.900
<v Tim Pritlove>Und wie schon beim letzten Mal möchten wir heute auf eine Nominierung für den deutschen Zukunftspreis 2021 eingehen.

00:01:02.901 --> 00:01:10.400
<v Tim Pritlove>Der mal ein ganz anderes Feld beackert als das im letzten Podcast der Fall war.

00:01:10.401 --> 00:01:17.300
<v Tim Pritlove>Hier geht es nämlich um, ja, man könnte sagen, um Botanik, aber auch um die Nachhaltigkeit in der Industrie.

00:01:17.301 --> 00:01:25.800
<v Tim Pritlove>Ist natürlich ein großes Thema und dementsprechend ist das auch hier im Zukunftspreis mit berücksichtigt worden.

00:01:25.801 --> 00:01:30.100
<v Tim Pritlove>Ja und es dreht sich alles um den Löwenzahn.

00:01:30.101 --> 00:01:33.000
<v Tim Pritlove>Und dazu begrüße ich meinen Gesprächspartner Dirk Prüfer.

00:01:33.001 --> 00:01:34.200
<v Tim Pritlove>Schönen guten Tag Herr Prüfer.

00:01:34.201 --> 00:01:35.900
<v Dirk Prüfer>Schönen guten Tag.

00:01:35.901 --> 00:01:42.200
<v Tim Pritlove>Ja, ich bin nach Münster gefahren zu Ihnen.

00:01:42.201 --> 00:01:52.800
<v Tim Pritlove>Sie sind ja hier Professor für molekulare Biotechnologie der Pflanzen am Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen.

00:01:52.801 --> 00:01:59.900
<v Tim Pritlove>Alles sehr ausführlich formuliert und das Ganze im Rahmen der westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

00:01:59.901 --> 00:02:02.100
<v Tim Pritlove>Habe ich das so richtig wiedergegeben?

00:02:02.101 --> 00:02:03.500
<v Dirk Prüfer>Das ist alles vollkommen korrekt.

00:02:03.501 --> 00:02:06.400
<v Tim Pritlove>Sehr schön, genau.

00:02:06.401 --> 00:02:09.300
<v Tim Pritlove>Und ja, wie lange sind Sie das schon?

00:02:09.301 --> 00:02:15.500
<v Dirk Prüfer>Also ich bin seit 2005 in Münster Professor für molekulare Biotechnologie.

00:02:15.501 --> 00:02:19.800
<v Dirk Prüfer>Davor habe ich diverse andere Stationen in meinem Lebenslauf gehabt.

00:02:19.801 --> 00:02:24.800
<v Dirk Prüfer>Das ging von grundlegender Forschung wie Max-Planck-Institute bis hin eben zur Fraunhofer-Gesellschaft,

00:02:24.801 --> 00:02:28.900
<v Dirk Prüfer>die dann wieder die angewandte Forschung macht, aber Professor bin ich seit 2005.

00:02:28.901 --> 00:02:31.600
<v Tim Pritlove>Und wie fing das alles an mit der Wissenschaft?

00:02:31.601 --> 00:02:34.800
<v Dirk Prüfer>Ja, das ist eine lange Geschichte, vielleicht kann ich da ein bisschen weiter ausholen halt.

00:02:34.801 --> 00:02:36.100
<v Tim Pritlove>Gerne, immer.

00:02:36.101 --> 00:02:40.200
<v Dirk Prüfer>Also die Grundlage wurde eigentlich damals in der Schule gelegt.

00:02:40.201 --> 00:02:45.100
<v Dirk Prüfer>Ich bin so ein klassischer, wie sagt man heute so schön, Spätzünder gewesen.

00:02:45.101 --> 00:02:53.900
<v Dirk Prüfer>Ich war also erst mal auf der Hauptschule und habe dann nach dem neunten Schuljahr eine Ausbildung gemacht bei Bayer als Chemikant.

00:02:53.901 --> 00:03:01.300
<v Dirk Prüfer>Und war eigentlich total begeistert, weil ich dachte mir so, das ist so was Labor für mich, irgendwas mit Chemie zu machen.

00:03:01.301 --> 00:03:06.900
<v Dirk Prüfer>Bin dann da hingegangen und hatte dann erst mal so U-Stahl feilen dürfen und das für ganze drei Monate.

00:03:06.901 --> 00:03:07.500
<v Tim Pritlove>U-Stahl?

00:03:07.501 --> 00:03:08.400
<v Dirk Prüfer>U-Stahl, ja das macht viel Spaß.

00:03:08.401 --> 00:03:10.800
<v Tim Pritlove>Klingt jetzt nicht besonders chemisch.

00:03:10.801 --> 00:03:13.100
<v Dirk Prüfer>Hat auch nicht viel damit zu tun.

00:03:13.101 --> 00:03:16.900
<v Dirk Prüfer>Also das war eine lange Geschichte, die habe ich jetzt ganz kurz nur.

00:03:16.901 --> 00:03:20.600
<v Dirk Prüfer>Und ich habe dann irgendwie gemerkt, das ist es nicht, da kannst du nicht bleiben.

00:03:20.601 --> 00:03:27.300
<v Dirk Prüfer>Und hatte dann das große Glück, dass es in der Nähe ein Gymnasium gab, was den ersten Abiturjahrgang dann eben hatte.

00:03:27.301 --> 00:03:32.900
<v Dirk Prüfer>Da bin ich dann da hingegangen und habe gefragt, ob es denn möglich wäre, da noch aufgenommen zu werden halt.

00:03:32.901 --> 00:03:37.800
<v Dirk Prüfer>Da wurde mir gesagt, das können Sie gerne machen, Sie kommen von der Hauptschule, haben jetzt noch drei Monate später angefangen,

00:03:37.801 --> 00:03:42.800
<v Dirk Prüfer>machen Sie es einfach mal, wenn Sie sitzen bleiben, dann machen wir es ein Jahr später noch mal.

00:03:42.801 --> 00:03:46.700
<v Dirk Prüfer>Das Leibniz-Gymnasium Dormagen, also mein großer Dank an diese Schule.

00:03:46.701 --> 00:03:47.700
<v Tim Pritlove>Okay.

00:03:47.701 --> 00:03:51.700
<v Dirk Prüfer>Weil das war eine unwahrscheinlich schöne Zeit.

00:03:51.701 --> 00:03:57.800
<v Dirk Prüfer>Ich habe also eine Schule erlebt danach, ich dachte, das gibt es gar nicht, also unwahrscheinlich gut gefördert worden,

00:03:57.801 --> 00:04:03.600
<v Dirk Prüfer>vor allem in den Naturwissenschaften auch durch die Lehrer, die es da gab.

00:04:03.601 --> 00:04:05.100
<v Dirk Prüfer>Und habe es dann irgendwie geschafft, da durchzukommen.

00:04:05.101 --> 00:04:09.300
<v Dirk Prüfer>Und dann war immer mein Traum gewesen, Luft- und Raumfahrttechnik zu machen.

00:04:09.301 --> 00:04:11.000
<v Tim Pritlove>Oh.

00:04:11.001 --> 00:04:14.600
<v Dirk Prüfer>Obwohl ich in der Schule eigentlich Mathe und Physik waren jetzt nicht meine besten Fächer gewesen,

00:04:14.601 --> 00:04:17.900
<v Dirk Prüfer>sondern das war eigentlich immer Biologie gewesen.

00:04:17.901 --> 00:04:22.600
<v Dirk Prüfer>Ja dann habe ich Zivildienst gemacht, damals noch diese klassische Linie, also mit Verweigerung und diese Dinge.

00:04:22.601 --> 00:04:26.000
<v Dirk Prüfer>Und habe dann Zivildienst im Krankenhaus gemacht.

00:04:26.001 --> 00:04:33.100
<v Dirk Prüfer>Und hatte das große Glück, dass damals ein Professor von der Universität Aachen bei mir auf der Station lag

00:04:33.101 --> 00:04:35.600
<v Dirk Prüfer>und der war Professor für Luft- und Raumfahrttechnik.

00:04:35.601 --> 00:04:42.300
<v Dirk Prüfer>Und der hat mir dann relativ schnell und knapp vor Augen gehalten, dass das vielleicht nicht das richtige für mich wäre halt,

00:04:42.301 --> 00:04:44.400
<v Dirk Prüfer>weil die Fragen, die er mir gestellt hat und was man nach einem Studium macht,

00:04:44.401 --> 00:04:49.100
<v Dirk Prüfer>das ist also alles das, was man sich nicht unter Raumfahrttechnik vorstellt.

00:04:49.101 --> 00:04:54.500
<v Dirk Prüfer>Also blieb dann die andere Schiene, Biologie, das habe ich dann auch gemacht, an der Uni Köln dann Biologie studiert.

00:04:54.501 --> 00:04:55.500
<v Dirk Prüfer>War eine sehr schöne Zeit.

00:04:55.501 --> 00:04:59.500
<v Dirk Prüfer>Ich finde auch, das sage ich meinen Studierenden heute immer, eine ganz andere Zeit halt.

00:04:59.501 --> 00:05:03.000
<v Dirk Prüfer>Also wenn ich mir heute die Studien angucke, das ist schon so sehr verschult alles.

00:05:03.001 --> 00:05:07.800
<v Dirk Prüfer>Die haben ja gar keine richtige Zeit zu studieren.

00:05:07.801 --> 00:05:14.200
<v Dirk Prüfer>Und bin dann zu meiner Doktorarbeit an das Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln gegangen.

00:05:14.201 --> 00:05:16.500
<v Dirk Prüfer>Habe da promoviert über ein Pflanzenvirus.

00:05:16.501 --> 00:05:20.500
<v Dirk Prüfer>Also auch Pflanzen haben Viren.

00:05:20.501 --> 00:05:25.400
<v Dirk Prüfer>Vielleicht aktuelles Thema, natürlich nicht mit der Tragweite, könnte es aber durchaus auch mal bekommen,

00:05:25.401 --> 00:05:30.100
<v Dirk Prüfer>je nachdem wenn es /unverständlich/ so ein Pflanzenvirus und Ernten zerstört.

00:05:30.101 --> 00:05:32.100
<v Dirk Prüfer>Dann Teile im Ausland gemacht.

00:05:32.101 --> 00:05:36.400
<v Dirk Prüfer>Also nach meiner Doktorarbeit nach Frankreich gegangen, ganz andere Wissenschaftssysteme kennengelernt.

00:05:36.401 --> 00:05:38.300
<v Dirk Prüfer>Das war also schon eine Erfahrung.

00:05:38.301 --> 00:05:44.500
<v Dirk Prüfer>Also wie zum Beispiel Franzosen über Wissenschaft nachdenken, das sind stellenweise ganz andere Gedankenansätze,

00:05:44.501 --> 00:05:46.900
<v Dirk Prüfer>die die dann auch formulieren.

00:05:46.901 --> 00:05:49.300
<v Dirk Prüfer>Für mich eine sehr sehr schöne Erfahrung gewesen.

00:05:49.301 --> 00:05:50.800
<v Dirk Prüfer>Bin dann nach Australien für ein paar Monate gegangen.

00:05:50.801 --> 00:05:54.600
<v Dirk Prüfer>Auch wieder eine ganz andere Herangehensweise kennengelernt.

00:05:54.601 --> 00:06:03.100
<v Dirk Prüfer>Und bin dann zurückgekommen, das war so 98, 1998, also noch im letzten Jahrtausend

00:06:03.101 --> 00:06:06.700
<v Dirk Prüfer>und bin dann noch mal kurz ans Max-Planck und dann hat mich jemand angerufen und meinte,

00:06:06.701 --> 00:06:14.900
<v Dirk Prüfer>er würde jetzt Fraunhofer Direktor werden von einem Fraunhofer-Institut und ob ich da Interesse hätte, das mit aufzubauen.

00:06:14.901 --> 00:06:17.300
<v Dirk Prüfer>Und ehrlich gesagt, zu der Zeit kannte ich Fraunhofer nicht.

00:06:17.301 --> 00:06:21.400
<v Dirk Prüfer>Also Max-Planck kennt jeder, Max-Planck ist die Krönung und das kennt jeder.

00:06:21.401 --> 00:06:23.400
<v Dirk Prüfer>Und ich wollte auch nie weg da.

00:06:23.401 --> 00:06:28.900
<v Dirk Prüfer>Also Grundlagenforschung ist ja schön, man kann ja an dem Institut, heute ist das vielleicht auch wieder ein bisschen anders,

00:06:28.901 --> 00:06:34.200
<v Dirk Prüfer>zu 100 Prozent Forschung machen halt, man hat keine Lehre, man muss das und das und das nicht machen.

00:06:34.201 --> 00:06:40.300
<v Dirk Prüfer>Ich fand aber das auch spannend, bei Fraunhofer zu sein und bin dann ins Sauerland mehr oder weniger gekommen.

00:06:40.301 --> 00:06:45.300
<v Dirk Prüfer>Also ich bin gebürtiger Kölner, bin also in Köln groß geworden, ich liebe halt Großstädte halt auch

00:06:45.301 --> 00:06:51.600
<v Dirk Prüfer>und bin dann so, dann wurde mir gesagt, ja das Institut, was du jetzt erst mal mit aufbauen musst,

00:06:51.601 --> 00:06:54.000
<v Dirk Prüfer>das ist im Sauerland, in Schmallenberg.

00:06:54.001 --> 00:06:58.700
<v Dirk Prüfer>Also wirklich, das ist so, was der Engländer sagt, out in the Boonies, also da ist wirklich gar nichts so richtig,

00:06:58.701 --> 00:07:01.700
<v Dirk Prüfer>was Kultur angeht, da leben natürlich Menschen, das ist alles nicht schlimm.

00:07:01.701 --> 00:07:04.700
<v Dirk Prüfer>Aber für einen Großstädter war das schon eine andere Geschichte.

00:07:04.701 --> 00:07:05.400
<v Tim Pritlove>Ja.

00:07:05.401 --> 00:07:09.800
<v Dirk Prüfer>Da habe ich dann vier Jahre gearbeitet und dann habe ich mir gesagt, das willst du nicht so weiter machen halt.

00:07:09.801 --> 00:07:18.100
<v Dirk Prüfer>Mir fehlte eben halt so der Bezug auch wieder zur Grundlagenforschung, der Bezug eben halt auch zu Ausbildung.

00:07:18.101 --> 00:07:22.900
<v Dirk Prüfer>Und hatte mich dann im Jahre 2004, da wurde eine Professur hier in Münster ausgeschrieben, habe mich darauf beworben

00:07:22.901 --> 00:07:27.600
<v Dirk Prüfer>und die haben mich dann genommen und so bin ich dann heute hier.

00:07:27.601 --> 00:07:29.000
<v Tim Pritlove>Super.

00:07:29.001 --> 00:07:33.300
<v Tim Pritlove>Ja, und hier gibt es auf jeden Fall genug zu tun.

00:07:33.301 --> 00:07:37.000
<v Tim Pritlove>Was ist denn jetzt hier so der Fokus an diesem Institut?

00:07:37.001 --> 00:07:43.700
<v Tim Pritlove>Biologie und Biotechnologie der Pflanzen, okay gut, das klingt in gewissen Maßen eingeschränkt, aber nicht sonderlich.

00:07:43.701 --> 00:07:44.800
<v Dirk Prüfer>Das ist richtig, ja.

00:07:44.801 --> 00:07:48.500
<v Dirk Prüfer>Also wir haben acht Lehrstühle hier an dem Institut.

00:07:48.501 --> 00:07:51.200
<v Dirk Prüfer>Und das ist wirklich ein breiter Blumenstrauß an verschiedensten Disziplinen.

00:07:51.201 --> 00:07:56.600
<v Dirk Prüfer>Also es gibt einen, der forscht mit Algen, andere forschen bei der Wurzelentwicklung.

00:07:56.601 --> 00:08:01.500
<v Dirk Prüfer>Calcium, der Einfluss von Calcium auf Stoffwechselwege.

00:08:01.501 --> 00:08:07.600
<v Dirk Prüfer>Was wir machen, also was mein Lehrstuhl hier tut, ist, wir versuchen grundlegende Dinge im Stoffwechsellauf zu erklären.

00:08:07.601 --> 00:08:09.800
<v Dirk Prüfer>Also gerade in Richtung Biopolymere.

00:08:09.801 --> 00:08:11.900
<v Dirk Prüfer>Das sind so unsere…

00:08:11.901 --> 00:08:16.900
<v Dirk Prüfer>Ja, unser Fokus unserer Wissenschaft liegt wirklich auf Biopolymeren, das ist dann Naturkautschuk,

00:08:16.901 --> 00:08:20.600
<v Dirk Prüfer>das ist durchaus Stärken in der Kartoffel.

00:08:20.601 --> 00:08:24.600
<v Dirk Prüfer>Und versuchen, den dahinterliegende Produktionsweg in der Pflanze aufzuklären.

00:08:24.601 --> 00:08:28.800
<v Dirk Prüfer>Und über das Wissen dann eben halt Pflanzen zu optimieren.

00:08:28.801 --> 00:08:33.800
<v Dirk Prüfer>Und das ist vielleicht das Spannende hier an der WWU, wir haben hier die Möglichkeit, wir mache nicht nur reine Grundlagenforschung,

00:08:33.801 --> 00:08:41.700
<v Dirk Prüfer>sondern wir machen auch den Transfer von dem, was wir denken, was irgendwo eine Marktrelevanz haben könnte,

00:08:41.701 --> 00:08:42.800
<v Dirk Prüfer>das betreiben wir hier auch.

00:08:42.801 --> 00:08:45.900
<v Tim Pritlove>Da ist das Interesse doch gestiegen in letzter Zeit oder?

00:08:45.901 --> 00:08:47.700
<v Dirk Prüfer>Das ist gestiegen halt, ja, definitiv halt.

00:08:47.701 --> 00:08:49.800
<v Dirk Prüfer>Also wir sehen schon also die Notwendigkeit.

00:08:49.801 --> 00:08:55.000
<v Dirk Prüfer>Also es wird auch von den Studierenden immer mehr so artikuliert, dass man das, was man im Labor macht,

00:08:55.001 --> 00:08:59.100
<v Dirk Prüfer>auch irgendwo in einer Form einen gesellschaftlichen Nutzen haben sollte.

00:08:59.101 --> 00:09:04.300
<v Dirk Prüfer>Ich glaube, man sollte aufpassen, man sollte jetzt nicht sagen, jeder muss jetzt unbedingt irgendwas aus seiner Grundlage entwickeln,

00:09:04.301 --> 00:09:10.700
<v Dirk Prüfer>aber das, wo man die Möglichkeit sieht, das sollte man zumindest open geben.

00:09:10.701 --> 00:09:14.600
<v Dirk Prüfer>Also ich sage immer, diese Open Innovation, dass man sagt, ich will ja nur Grundlage machen,

00:09:14.601 --> 00:09:19.900
<v Dirk Prüfer>aber hier nimm es und mach es weiter oder eben halt, wenn man die Möglichkeiten hat und die Chancen sieht,

00:09:19.901 --> 00:09:24.000
<v Dirk Prüfer>dann eben halt mit Partnern von mir aus dann eben das auch weiter zu entwickeln.

00:09:24.001 --> 00:09:25.300
<v Tim Pritlove>Da scheint es ja auch noch eine Menge Potenzial zu geben.

00:09:25.301 --> 00:09:32.900
<v Tim Pritlove>Ich meine, wenn man sich jetzt anschaut, wir erleben ja jetzt im Prinzip so eine langsame Abkehr der ölbasierten Wirtschaft

00:09:32.901 --> 00:09:36.300
<v Tim Pritlove>oder ölbasierten Industrieproduktion.

00:09:36.301 --> 00:09:44.100
<v Tim Pritlove>Dieses Ganze, ach lass uns einfach Öl nehmen Plastik zack bumm, Polyethylen, was nicht alles.

00:09:44.101 --> 00:09:50.800
<v Tim Pritlove>Erzeugt so viel Belastung für die Natur, Belastung auch für die Menschen dann natürlich im zweiten und dritten Schritt,

00:09:50.801 --> 00:09:58.500
<v Tim Pritlove>so dass es ja einen großen Bedarf gibt so, können wir Verpackungsmaterial in irgendeiner Form durch etwas ersetzen,

00:09:58.501 --> 00:10:04.300
<v Tim Pritlove>was aus der Natur kommt, was im Idealfall halt gut abbaubar ist etc.

00:10:04.301 --> 00:10:07.800
<v Tim Pritlove>bis hin zur Bionik, jetzt ist das natürlich hier kein Thema,

00:10:07.801 --> 00:10:14.300
<v Tim Pritlove>aber ich habe so den Eindruck, der Kopf öffnet sich langsam wieder so für die Natur

00:10:14.301 --> 00:10:19.000
<v Tim Pritlove>und wird jetzt nicht nur so als das angesehen, wo man gerne Urlaub macht,

00:10:19.001 --> 00:10:24.900
<v Tim Pritlove>sondern dass das eben auch insbesondere dann auch für die Industrie eine relevante Quelle sein kann.

00:10:24.901 --> 00:10:29.300
<v Dirk Prüfer>Da sprechen Sie was interessantes an, und zwar als ich angefangen hatte, gerade mit Pflanzen zu arbeiten,

00:10:29.301 --> 00:10:33.500
<v Dirk Prüfer>das waren die Zeiten, wo so diese ersten transgenen Pflanzen entwickelt wurden.

00:10:33.501 --> 00:10:37.100
<v Dirk Prüfer>Und dann gab es immer so diese beiden Richtungen, wo man gesagt hat,

00:10:37.101 --> 00:10:43.200
<v Dirk Prüfer>es gibt diese natürliche Richtung, das sind diese Pflanzen, die eben halt da sind, aufs Feld gehen, gezüchtet werden.

00:10:43.201 --> 00:10:48.200
<v Dirk Prüfer>Es gab diese neue Linie, die gesagt hat, über das Verständnis der Gene,

00:10:48.201 --> 00:10:51.400
<v Dirk Prüfer>also dass ich eben bei einer Pflanze dann mal das Genom sequenziert habe,

00:10:51.401 --> 00:10:55.300
<v Dirk Prüfer>dann sehe eben halt, gibt es relevante Gene, dann irgendwo diesen Pfad zusammenzubringen.

00:10:55.301 --> 00:10:58.800
<v Dirk Prüfer>Und das sah eine Zeit lang so aus, dass das überhaupt nicht funktionieren kann

00:10:58.801 --> 00:11:01.000
<v Dirk Prüfer>und das sind so Parallelwege gewesen.

00:11:01.001 --> 00:11:06.000
<v Dirk Prüfer>Es gibt jetzt mittlerweile durchaus Bestreben, halt auch vielleicht durch diese neuen Technologien wie Genom-Editierung,

00:11:06.001 --> 00:11:09.900
<v Dirk Prüfer>wo man auf beiden Seiten auch sieht, man kann das ein bisschen annähern halt.

00:11:09.901 --> 00:11:13.300
<v Dirk Prüfer>Es wird jetzt noch nicht so sein, dass wir hier in den nächsten fünf Jahren irgendwie darüber reden werden,

00:11:13.301 --> 00:11:19.800
<v Dirk Prüfer>transgene Pflanzen oder genom-editierte Pflanzen aufs Feld zu bringen, aber das Verständnis wird besser.

00:11:19.801 --> 00:11:21.900
<v Tim Pritlove>Was genau bezeichnet transgene Pflanzen?

00:11:21.901 --> 00:11:25.400
<v Dirk Prüfer>Transgen wäre jetzt, wenn ich da wirklich ein Fremdgen drin habe halt.

00:11:25.401 --> 00:11:28.900
<v Dirk Prüfer>Mal so ein einfaches Beispiel, ich könnte ja jetzt hingehen, ich habe eine Kartoffel

00:11:28.901 --> 00:11:33.100
<v Dirk Prüfer>und die Kartoffel hat ein Problem mit einem Pathogen, mit einem Virus als Beispiel.

00:11:33.101 --> 00:11:38.300
<v Dirk Prüfer>Jetzt gibt es viele Wildkartoffeln und die sind zum Beispiel resistent gegen dieses Virus.

00:11:38.301 --> 00:11:41.000
<v Dirk Prüfer>Jetzt kann ich die ja klassisch kreuzen.

00:11:41.001 --> 00:11:44.400
<v Dirk Prüfer>Das Problem ist nur bei der klassischen Kreuzung, ich kreuze ja nicht nur die Resistenz rein,…

00:11:44.401 --> 00:11:45.300
<v Tim Pritlove>...sondern alles.

00:11:45.301 --> 00:11:46.400
<v Dirk Prüfer>… sondern alles.

00:11:46.401 --> 00:11:52.000
<v Dirk Prüfer>Das heißt also, die Performance der Elitepflanze, die ich ja mal irgendwann am Ende des Tages gezüchtet habe, bricht wieder zusammen.

00:11:52.001 --> 00:11:58.200
<v Dirk Prüfer>Jetzt kann ich aber das Gen rausnehmen und durch einen gentechnischen Eingriff könnte ich das eben halt in die Hochleistungslinie bringen,

00:11:58.201 --> 00:12:02.400
<v Dirk Prüfer>dann habe ich also nach wie vor meine Hochleistungslinie plus diese Resistenz.

00:12:02.401 --> 00:12:07.800
<v Dirk Prüfer>Das kann man auch als cis-Genetik bezeichnen, weil das eben von der Kartoffel in die Kartoffel geht,

00:12:07.801 --> 00:12:10.200
<v Dirk Prüfer>was ich auch immer durch klassische Kreuzung machen könnte.

00:12:10.201 --> 00:12:14.700
<v Dirk Prüfer>Bei Transgenität wäre es so, ich nehme jetzt ein menschliches Gen und bringe das in die Kartoffel rein.

00:12:14.701 --> 00:12:16.800
<v Dirk Prüfer>Also das was nie zusammen kommen könnte.

00:12:16.801 --> 00:12:19.800
<v Dirk Prüfer>Das wäre jetzt ein Beispiel eine transgene Pflanze halt.

00:12:19.801 --> 00:12:22.900
<v Tim Pritlove>Okay, verstehe.

00:12:22.901 --> 00:12:27.800
<v Tim Pritlove>Okay, also man merkt, die Genscherentechnik hat auf jeden Fall auch eine ganze Menge ermöglicht da in der letzten Zeit.

00:12:27.801 --> 00:12:29.900
<v Dirk Prüfer>Man sieht ja auch die Vorteile halt.

00:12:29.901 --> 00:12:34.300
<v Dirk Prüfer>Also ich meine, man darf ja nicht so denken, dass es draußen auf dem Feld keine Probleme gibt.

00:12:34.301 --> 00:12:40.800
<v Dirk Prüfer>Ob das Ökolandbau ist, ob es der konventionelle Landbau ist, da sind ja genug Probleme da.

00:12:40.801 --> 00:12:43.600
<v Dirk Prüfer>Und es muss immer wieder gezüchtet werden halt.

00:12:43.601 --> 00:12:47.000
<v Dirk Prüfer>Also jetzt nehmen wir den Klimawandel, auf einmal werden die Gebiete trockener,

00:12:47.001 --> 00:12:56.000
<v Dirk Prüfer>diese Pflanzen sind dann nicht adaptiert, also da muss ich wieder anfangen trockentolerantere Pflanzen dann zu selektionieren oder zu züchten

00:12:56.001 --> 00:12:58.800
<v Dirk Prüfer>und so ein Zuchtprozess der dauert halt, das ist Zeit.

00:12:58.801 --> 00:13:05.100
<v Dirk Prüfer>Also die letzte durchgezüchtete Pflanze Zuckerrübe 200 Jahre, unter Napoleon gefördert

00:13:05.101 --> 00:13:09.400
<v Dirk Prüfer>und gesagt, ihr müsst das jetzt mal als europäische Kulturpflanze dann etablieren

00:13:09.401 --> 00:13:11.000
<v Dirk Prüfer>und das hat 200 Jahre gedauert.

00:13:11.001 --> 00:13:13.400
<v Dirk Prüfer>Das kann man ja heute nicht mehr, das kann man ja keinem Menschen mehr verkaufen.

00:13:13.401 --> 00:13:17.800
<v Dirk Prüfer>Wenn Sie sagen, ich brauche 200 Jahre und dann sprechen wir uns wieder.

00:13:17.801 --> 00:13:23.500
<v Dirk Prüfer>Also heute muss das schneller gehen halt und da helfen natürlich so Technologien wie Genom-Editierung immens.

00:13:23.501 --> 00:13:30.400
<v Tim Pritlove>So Naturverbundenheit und Stichwort wie Gentechnik sind ja so in den letzten Jahrzehnten,

00:13:30.401 --> 00:13:36.300
<v Tim Pritlove>gerade in Deutschland, sagen wir mal, nicht unbedingt gemeinsam gefeiert worden.

00:13:36.301 --> 00:13:37.200
<v Tim Pritlove>Da gab es ja sehr viel Widerstand.

00:13:37.201 --> 00:13:42.300
<v Tim Pritlove>Ändert sich das, dieser Blickwinkel, wird das differenzierter?

00:13:42.301 --> 00:13:46.200
<v Tim Pritlove>Weil ich habe oft den Eindruck, dass da auch viele Missverständnisse im Raum sind.

00:13:46.201 --> 00:13:51.400
<v Dirk Prüfer>Also ich würde mal sagen, wenn man das jetzt mal so einteilt zwischen der klassischen Gentechnik,

00:13:51.401 --> 00:13:57.200
<v Dirk Prüfer>wenn man das mal so bezeichnen darf oder Gentechnik 1.0 oder der ersten Generation und der neuen Gentechnik,

00:13:57.201 --> 00:14:02.200
<v Dirk Prüfer>also für die Genom-Editierung da ist deutlich mehr Verständnis da, weil auch die Veränderung,

00:14:02.201 --> 00:14:06.900
<v Dirk Prüfer>die man nachher durchführt, nicht so dramatisch ist wie jetzt bei der ersten Generation.

00:14:06.901 --> 00:14:10.200
<v Dirk Prüfer>Also man macht da ja nicht dieses menschliche Gen jetzt in die Pflanze rein.

00:14:10.201 --> 00:14:14.700
<v Dirk Prüfer>Hat man bei der ersten Generation jetzt auch nicht gemacht, weil man das auf dem Feld unbedingt haben wollte,

00:14:14.701 --> 00:14:21.600
<v Dirk Prüfer>sondern da gab es so Ansätze, dass man Pharmaka oder Antikörper in Pflanzen produziert hat,

00:14:21.601 --> 00:14:25.400
<v Dirk Prüfer>weil das natürlich die Pflanze per se eine billiges Produktionssystem ist.

00:14:25.401 --> 00:14:31.300
<v Dirk Prüfer>Aber mit der neuen Methode führe ich keine fremden Gene da rein, sondern ich modifiziere die Genome.

00:14:31.301 --> 00:14:38.200
<v Dirk Prüfer>Und da kommen die Leute schon eher zusammen, ja, weil das kann ich auch machen mit Radioaktivität oder Chemie,

00:14:38.201 --> 00:14:44.400
<v Dirk Prüfer>das wird ja gemacht in der klassischen Mutationszüchtung, da nimmt man eben ziemlich heftige Chemie

00:14:44.401 --> 00:14:49.200
<v Dirk Prüfer>oder Radioaktivität und dann kann ich auch Mutationen im Genom induzieren,

00:14:49.201 --> 00:14:52.100
<v Dirk Prüfer>das ist aber dann nicht spezifisch, sondern das ist einfach wahllos.

00:14:52.101 --> 00:14:56.700
<v Dirk Prüfer>Ich habe nachher eine Pflanze, wir haben das auch mal gemacht, die hat nicht nur eine Mutation drin,

00:14:56.701 --> 00:14:59.700
<v Dirk Prüfer>die man haben möchte, sondern zig tausend.

00:14:59.701 --> 00:15:03.000
<v Dirk Prüfer>Das heißt, danach muss ich wieder züchten, züchten, züchten, um diese ganzen Mutationen,

00:15:03.001 --> 00:15:04.900
<v Dirk Prüfer>die unerwünscht sind, rauszubringen.

00:15:04.901 --> 00:15:12.300
<v Dirk Prüfer>Jetzt mit einem Verfahrend wie CRIPR als Genom-Editierungsschere da kann ich wirklich gezielt punktgenau eine einzige Mutation setzen.

00:15:12.301 --> 00:15:16.600
<v Dirk Prüfer>Das ist mittlerweile so optimiert, also wir haben Pflanzen hier auch mit CRISPR gemacht,

00:15:16.601 --> 00:15:22.500
<v Dirk Prüfer>die tragen nachher wirklich die eine einzige Mutation, die unterscheiden sich also von der Ausgangspflanze nur durch diese eine Mutation.

00:15:22.501 --> 00:15:24.400
<v Dirk Prüfer>Also eigentlich perfekt.

00:15:24.401 --> 00:15:27.500
<v Dirk Prüfer>Nachhaltig, das ist ein Protein, das ist ein bisschen RNA was man dafür braucht,

00:15:27.501 --> 00:15:32.600
<v Dirk Prüfer>das andere ist Radioaktivität und Chemie, die nicht ganz gesund ist halt.

00:15:32.601 --> 00:15:36.700
<v Tim Pritlove>Oder halt Jahrhunderte lange Zuchterfolge mit Langzeitbeobachtung und so weiter.

00:15:36.701 --> 00:15:38.200
<v Dirk Prüfer>Ganz genau.

00:15:38.201 --> 00:15:43.300
<v Tim Pritlove>Ich finde es immer wieder bemerkenswert, ich denke, wir nehmen ja vieles so als gegeben an,

00:15:43.301 --> 00:15:47.900
<v Tim Pritlove>aber wenn man sich mal anschaut, wie sah Mais vor 500 Jahren aus.

00:15:47.901 --> 00:15:54.200
<v Tim Pritlove>Das ähnelt ja sozusagen dem Produkt, was wir heute aus dem Supermarkt kennen, einfach gar nicht.

00:15:54.201 --> 00:15:59.500
<v Tim Pritlove>Das sind so dürre kleine Pflänzchen mit kleinen Körnerchen, da leuchtet nichts gelb etc.

00:15:59.501 --> 00:16:03.500
<v Tim Pritlove>und es ist nicht so saftig und in gewisser Hinsicht halt auch nicht so nahrhaft.

00:16:03.501 --> 00:16:09.700
<v Tim Pritlove>Und das sind ja eben schon die Erfolge der landwirtschaftlichen Zuchtmethoden.

00:16:09.701 --> 00:16:13.200
<v Tim Pritlove>Und jetzt machen wir eben sehr viel mehr Fortschritte darüber, dass man im Prinzip ja,

00:16:13.201 --> 00:16:16.900
<v Tim Pritlove>ich würde es ja mal so eine gesteuerte Evolution nennen.

00:16:16.901 --> 00:16:21.800
<v Dirk Prüfer>Ja, das ist richtig, das würde ich auch so sehen halt, wir haben viel gelernt,

00:16:21.801 --> 00:16:26.700
<v Dirk Prüfer>welche Gene gute Eigenschaften tragen, welche Gene schlechte Eigenschaften tragen

00:16:26.701 --> 00:16:28.800
<v Dirk Prüfer>und dadurch, dass wir jetzt gezielt modulieren können.

00:16:28.801 --> 00:16:33.200
<v Dirk Prüfer>Und da gibt es immer so ein sehr schönes Beispiel, also die Kartoffel macht ja Stärke, das kennt man ja,

00:16:33.201 --> 00:16:38.000
<v Dirk Prüfer>Kartoffelstärke ist sicherlich so was, was man im Haushalt auch öfter mal benutzt.

00:16:38.001 --> 00:16:45.000
<v Dirk Prüfer>Und die Wildstärke besteht im Prinzip aus zwei Polymeren, das ist einmal Amylopektin und Amylose.

00:16:45.001 --> 00:16:51.800
<v Dirk Prüfer>Und ohne die Industrie würde man nur das eine haben, also man würde einmal nur Amylopektin oder Amylose haben.

00:16:51.801 --> 00:16:55.300
<v Dirk Prüfer>Das kann ich nachher natürlich machen, ich kann die Wildtypstärke rausnehmen und trennen,

00:16:55.301 --> 00:16:57.600
<v Dirk Prüfer>aber das kostet viel Energie und viel Chemie.

00:16:57.601 --> 00:17:03.200
<v Dirk Prüfer>Jetzt kann ich aber die Kartoffel so modifizieren, dass sie nur noch reine Amylopektin Stärke macht auf dem Feld.

00:17:03.201 --> 00:17:08.300
<v Dirk Prüfer>Das heißt nachher, derjenige, der das extrahiert, braucht nicht mehr viel Energie und viel Chemie da rein zu tun,

00:17:08.301 --> 00:17:14.100
<v Dirk Prüfer>sondern er kriegt direkt vom Feld, also von der Natur, die entsprechende Stärke.

00:17:14.101 --> 00:17:16.700
<v Dirk Prüfer>Finde ich, das ist ein sehr guter Ansatz halt.

00:17:16.701 --> 00:17:21.600
<v Dirk Prüfer>Wenn ich es jetzt wieder zurückspiele auf eine Züchtung, dann muss ich erst mal eine Mutation in der Natur finden,

00:17:21.601 --> 00:17:27.600
<v Dirk Prüfer>wo das Gen mutiert ist und dann muss ich 15-20 Jahre züchten, bis ich das Gen drin habe aus der Wildpflanze

00:17:27.601 --> 00:17:32.600
<v Dirk Prüfer>und mit Genom-Editierung kann ich so was durchaus in einem Jahr hinbekommen.

00:17:32.601 --> 00:17:40.300
<v Tim Pritlove>Jetzt ist ja der Anlass unseres Gespräches diese Normierung, diese Nominierung ist ausgebrochen worden für eine Kooperation,

00:17:40.301 --> 00:17:47.600
<v Tim Pritlove>eine Team-Kooperation, Sie sind ja sozusagen einer von dreien, die dort genannt sind.

00:17:47.601 --> 00:17:52.400
<v Tim Pritlove>Dann wiederum natürlich auch respektive für ein größeres Team, nehme ich an.

00:17:52.401 --> 00:18:03.500
<v Tim Pritlove>Dr. Kalla Reka(?) von Continental, der Reifenfirma, und Christian Schulze Gronover, vom…

00:18:03.501 --> 00:18:03.900
<v Dirk Prüfer>… Fraunhofer Institut.

00:18:03.901 --> 00:18:08.900
<v Tim Pritlove>… vom Fraunhofer Institut.

00:18:08.901 --> 00:18:18.800
<v Tim Pritlove>Wie sind Sie da zusammengekommen, was war da der Anlass, wie ergibt sich so eine Kooperation überhaupt?

00:18:18.801 --> 00:18:27.600
<v Dirk Prüfer>Also das Fraunhofer Institut und das universitäre Institut, das ist relativ einfach, weil das ist eine Personalunion sozusagen.

00:18:27.601 --> 00:18:32.900
<v Tim Pritlove>Weil es ja hier sozusagen auch noch eine Fraunhofer Außenstelle hier auch noch gibt, wo Sie der Leiter sind.

00:18:32.901 --> 00:18:37.600
<v Dirk Prüfer>Als ich damals den Ruf bekommen habe, habe ich dann eben halt diese Fraunhofer Außenstelle mitgenommen hier.

00:18:37.601 --> 00:18:37.600
<v Tim Pritlove>Okay.

00:18:37.601 --> 00:18:43.100
<v Dirk Prüfer>Und Herr Schulze Gronover ist dann eben Leiter des Feldes für Biopolymere.

00:18:43.101 --> 00:18:47.500
<v Dirk Prüfer>Und er hat also viel diese Wissenschaftlichkeit gemacht halt, also welche Gene,

00:18:47.501 --> 00:18:52.500
<v Dirk Prüfer>wie ich eben schon mal gesagt habe, sind verantwortlich für die Produktion eben von Naturkautschuk.

00:18:52.501 --> 00:18:57.600
<v Dirk Prüfer>Und wir haben de facto angefangen, also ich habe angefangen im Jahre 1999 mit der Forschung.

00:18:57.601 --> 00:19:00.900
<v Dirk Prüfer>Und das hat aber eine ganz andere Bewandtnis gehabt halt, es hat uns damals wirklich interessiert,

00:19:00.901 --> 00:19:04.200
<v Dirk Prüfer>was ist diese weiße Milch, was ist da drin, was kann man damit machen.

00:19:04.201 --> 00:19:06.000
<v Tim Pritlove>Aus dem normalen Kautschukbaum?

00:19:06.001 --> 00:19:08.400
<v Dirk Prüfer>Nein, aus unserem Löwenzahn, der hier wächst.

00:19:08.401 --> 00:19:09.200
<v Tim Pritlove>Ah okay.

00:19:09.201 --> 00:19:13.400
<v Dirk Prüfer>Weil wir gedacht habe, also da war nicht viel bekannt in der Grundlage und wir hatten uns überlegt,

00:19:13.401 --> 00:19:16.200
<v Dirk Prüfer>also diese Milch kann man ja relativ einfach isolieren.

00:19:16.201 --> 00:19:23.600
<v Tim Pritlove>Moment, vielleicht erst mal Kautschuk, ich meine, man assoziiert das halt einfach mit dem sogenannten Gummibaum,

00:19:23.601 --> 00:19:30.700
<v Tim Pritlove>weil da eben dieser Saft auch rauskommt und all das Gummi, was wir so kennen, das Naturgummi, kommt von diesem Baum.

00:19:30.701 --> 00:19:36.800
<v Tim Pritlove>Da wird die Rinde angeritzt und das tropft dann halt so langsam aus diesem Baum heraus,

00:19:36.801 --> 00:19:40.200
<v Tim Pritlove>wird aufwändig gesammelt und dann weiter verarbeitet.

00:19:40.201 --> 00:19:44.700
<v Tim Pritlove>Aber das ist quasi nicht die einzige Pflanze, die so einen Stoff produziert.

00:19:44.701 --> 00:19:51.600
<v Dirk Prüfer>Nein, also es gibt bei den Pflanzen ungefähr 125000 Arten, die eben halt auch diese weiße Milch produzieren.

00:19:51.601 --> 00:19:58.400
<v Dirk Prüfer>Es gibt aber nur drei, die die Milch so produzieren oder die Inhaltsstoffe in der Milch so produzieren,

00:19:58.401 --> 00:20:05.800
<v Dirk Prüfer>dass sie industriell verwertbar sind, das ist einmal der Kautschukbaum, der jetzt eben halt als Hauptquelle für Naturkautschuk dient,

00:20:05.801 --> 00:20:12.300
<v Dirk Prüfer>dann ist es der russische Löwenzahn oder Taraxacum kok-saghyz, das ist russisch oder kasachisch

00:20:12.301 --> 00:20:16.400
<v Dirk Prüfer>und das heißt so ungefähr wie grüner Kaugummi, weil die kauen auch wirklich da drauf,

00:20:16.401 --> 00:20:20.700
<v Dirk Prüfer>ich habe es einmal gemacht, das schmeckt also wirklich grottig, also keinem zu empfehlen.

00:20:20.701 --> 00:20:27.000
<v Dirk Prüfer>Und dann gibt es die Guayule, das ist so ein, ja der lebt so in semiariden Gebieten kommt die vor die Pflanze,

00:20:27.001 --> 00:20:27.600
<v Dirk Prüfer>ist auch eine zweijährige Pflanze.

00:20:27.601 --> 00:20:28.600
<v Tim Pritlove>Halbtrockene Gebiete.

00:20:28.601 --> 00:20:33.400
<v Dirk Prüfer>Halbtrockene Gebiete, genau und da kann man auch diesen Kautschuk draus extrahieren.

00:20:33.401 --> 00:20:36.500
<v Dirk Prüfer>Das machen die Amerikaner sehr viel mit dieser Guayule.

00:20:36.501 --> 00:20:40.500
<v Tim Pritlove>Was ist das für eine Pflanze, auch eine Blume oder?

00:20:40.501 --> 00:20:46.900
<v Dirk Prüfer>Ja, das ist auch so ein Korbblüter wie der Löwenzahn halt, ist ein bisschen strauchiger, also größer, deutlich größer

00:20:46.901 --> 00:20:52.200
<v Dirk Prüfer>und von der Blüte her weiß ich gar nicht, ich glaube, es hat auch gelbe Blüten, aber da bin ich mir nicht ganz sicher.

00:20:52.201 --> 00:20:58.400
<v Tim Pritlove>Okay, aber unser Löwenzahn hier aus unseren Breiten, den man hier im Garten vorfindet, der hat keinen Kautschuk?

00:20:58.401 --> 00:21:01.000
<v Dirk Prüfer>Der hat ein bisschen nur drin, der ist also nicht geeignet halt.

00:21:01.001 --> 00:21:09.100
<v Dirk Prüfer>Wir haben uns das genau angeschaut eben, man findet ganz geringe Mengen an Kautschuk in dieser Milch aus dem Löwenzahn,

00:21:09.101 --> 00:21:11.900
<v Dirk Prüfer>aber das lohnt sich nicht, also das rechnet sich nicht.

00:21:11.901 --> 00:21:16.200
<v Dirk Prüfer>Man muss so eine gewisse Schwelle überschreiten, damit man auch den Kautschuk extrahieren kann.

00:21:16.201 --> 00:21:21.300
<v Dirk Prüfer>Und das ist so unterschwellig bei dem einheimischen Löwenzahn, dass man es nicht verwenden kann.

00:21:21.301 --> 00:21:24.500
<v Dirk Prüfer>Deswegen sage ich immer bei meinen Vorträgen, weil ich das immer wieder erfahren habe,

00:21:24.501 --> 00:21:28.500
<v Dirk Prüfer>egal ob das nationale oder internationale Vorträge gewesen sind,

00:21:28.501 --> 00:21:31.000
<v Dirk Prüfer>wenn wir das vorstellen bekomme ich spätestens eine halbe Stunde später eine Email

00:21:31.001 --> 00:21:37.800
<v Dirk Prüfer>oder einen Brief oder was immer noch und dann bieten mir Leute unendlich viele Löwenzähne an halt, die sie dann vorbeibringen.

00:21:37.801 --> 00:21:42.800
<v Dirk Prüfer>Das ist alles lieb und nett, aber das bringt nichts, weil das könnten wir nicht verwenden das Material.

00:21:42.801 --> 00:21:49.100
<v Tim Pritlove>Okay, also es ist der sogenannte russische Löwenzahn, der aber eigentlich aus Kasachstan stammt?

00:21:49.101 --> 00:21:50.600
<v Dirk Prüfer>Genau.

00:21:50.601 --> 00:21:53.700
<v Dirk Prüfer>Vielleicht da kurz zu, wie das dazu gekommen ist.

00:21:53.701 --> 00:21:57.800
<v Dirk Prüfer>Der russische Löwenzahn heißt eigentlich deswegen russischer Löwenzahn,

00:21:57.801 --> 00:22:04.100
<v Dirk Prüfer>weil Stalin damals gesagt hat, das große Sowjetreich hat alles nur keinen Kautschuk.

00:22:04.101 --> 00:22:08.400
<v Dirk Prüfer>Und hat dann seine Botaniker dann eben damit verpflichtet und beauftragt,

00:22:08.401 --> 00:22:13.600
<v Dirk Prüfer>sie sollen mal in das ganze Reich gehen und dann mal schauen, ob sie nicht irgendwo eine Alternative finden,

00:22:13.601 --> 00:22:16.500
<v Dirk Prüfer>die auch Naturkautschuk produziert, also eine andere Pflanze.

00:22:16.501 --> 00:22:20.100
<v Dirk Prüfer>Und die haben das dann gemacht und sind dann irgendwann in dieses Xinjiang Gebirge gegangen

00:22:20.101 --> 00:22:25.000
<v Dirk Prüfer>und das ist insofern interessant, weil da hat die Eiszeit aufgehört, also die Gletscher haben da aufgehört.

00:22:25.001 --> 00:22:33.300
<v Dirk Prüfer>Großes Gebirge, der Gletscher dagegen gelaufen, das heißt, alles was dahinter liegt, das war dann eben verschont geblieben von der Eiszeit.

00:22:33.301 --> 00:22:36.800
<v Dirk Prüfer>Und das ist ein Tal, das nennt sich dann also das Tal in den Xinjiang Gebirgen

00:22:36.801 --> 00:22:39.900
<v Dirk Prüfer>und da ist eine unwahrscheinlich hohe pflanzliche Biodiversität drin.

00:22:39.901 --> 00:22:44.200
<v Dirk Prüfer>Und da kommt eben halt dieser russische oder kasachische Löwenzahn wächst halt da.

00:22:44.201 --> 00:22:49.500
<v Dirk Prüfer>Der macht halt sehr viel Kautschuk in seinen Wurzeln schon mal von der Natur aus.

00:22:49.501 --> 00:22:52.300
<v Tim Pritlove>Und das wusste man, weil die Leute da einfach schon den ganzen Tag drauf rumkauen?

00:22:52.301 --> 00:22:53.200
<v Dirk Prüfer>Genau, ja.

00:22:53.201 --> 00:23:00.200
<v Dirk Prüfer>Das haben die beobachtet, dass die die Wurzel ausgegraben haben und dann darauf wie so eine Art Kaugummi dann darauf rumgekaut haben halt

00:23:00.201 --> 00:23:04.000
<v Dirk Prüfer>und hatten dann auch erste so Analysen gemacht.

00:23:04.001 --> 00:23:08.300
<v Dirk Prüfer>Also da gibt es so einen Test, da kann man so eine Wurzel brechen und wenn man das ein bisschen auseinanderzieht,

00:23:08.301 --> 00:23:09.200
<v Dirk Prüfer>dann sieht man so weiße Fäden da drin.

00:23:09.201 --> 00:23:12.400
<v Dirk Prüfer>Also das ist auch so ein Standard, den wir im Augenblick so ein bisschen nehmen,

00:23:12.401 --> 00:23:14.800
<v Dirk Prüfer>also wenn wir eine Pflanze haben, wo wir glauben, da ist sehr viel Kautschuk drin,

00:23:14.801 --> 00:23:18.500
<v Dirk Prüfer>dann brechen wir die Wurzeln, das kann man auch wirklich so sehen halt.

00:23:18.501 --> 00:23:22.700
<v Dirk Prüfer>Ja und die haben die dann mitgenommen, und zwar nach Sankt Petersburg ins Wawilow-Institut,

00:23:22.701 --> 00:23:28.500
<v Dirk Prüfer>das ist so einer der führenden Saatgutbänke in Russland und da haben die die Pflanze erst mal so eingelagert vor allem,

00:23:28.501 --> 00:23:32.300
<v Dirk Prüfer>aber auch schon so ein bisschen angefangen zu züchten halt.

00:23:32.301 --> 00:23:36.100
<v Dirk Prüfer>Und als es dann in die Kriegsjahre ging und Japan eben Südostasien besetzt gehabt hat,

00:23:36.101 --> 00:23:40.900
<v Dirk Prüfer>dann haben natürlich die ganzen Alliierten Mächte keinen Naturkautschuk mehr bekommen

00:23:40.901 --> 00:23:44.200
<v Dirk Prüfer>und ohne Kautschuk kann ich keinen Krieg führen, das war damals einfach so.

00:23:44.201 --> 00:23:44.800
<v Tim Pritlove>Wegen der Reifen.

00:23:44.801 --> 00:23:48.000
<v Dirk Prüfer>Wegen der Reifen halt.

00:23:48.001 --> 00:23:53.400
<v Dirk Prüfer>Und haben dann angefangen intensiv eben, halt einmal auf der amerikanischen Seite diese Guayule zu beforschen

00:23:53.401 --> 00:23:58.600
<v Dirk Prüfer>und auf der russischen Seite eben haben sie diesen russischen Löwenzahn beforscht.

00:23:58.601 --> 00:24:04.500
<v Dirk Prüfer>Und als dann Südostasien befreit wurde von den Alliierten eben halt, dass Japan dann zurückgingen,

00:24:04.501 --> 00:24:08.200
<v Dirk Prüfer>dann bekamen die Achsenmächte keinen Kautschuk mehr.

00:24:08.201 --> 00:24:11.700
<v Dirk Prüfer>Das heißt, dann ist in Deutschland angefangen worden, mit dem russischen Löwenzahn zu forschen.

00:24:11.701 --> 00:24:15.500
<v Dirk Prüfer>Was die gemacht haben, auf ihrem Russlandfeldzug haben sie einfach die Pflanze mitgebracht.

00:24:15.501 --> 00:24:21.100
<v Dirk Prüfer>Also die wussten darum und haben es mitgebracht und haben damals eben in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft,

00:24:21.101 --> 00:24:25.200
<v Dirk Prüfer>also Vorläufer Max-Planck, auch Zuchtprogramme gehabt, um diesen Löwenzahn zu optimieren

00:24:25.201 --> 00:24:29.600
<v Dirk Prüfer>und auch Extraktionsprotokolle entwickelt, um da den Kautschuk überhaupt rauszubekommen halt.

00:24:29.601 --> 00:24:35.800
<v Dirk Prüfer>Das kann man alles wunderbar nachlesen, da gibt es so eine Dokumentation in Koblenz,

00:24:35.801 --> 00:24:40.000
<v Dirk Prüfer>wo diese gesamte Nazi-Dokumentation hinterlegt ist und die habe ich auch hier

00:24:40.001 --> 00:24:43.200
<v Dirk Prüfer>und es ist interessant zu lesen, was da so drin steht, also wer da was gemacht hat.

00:24:43.201 --> 00:24:50.200
<v Dirk Prüfer>Und eigentlich ist das dann nicht mehr weiter verfolgt worden, nachdem man in Burna(?) dann eben halt diesen Synthesekautschuk entwickelt hat.

00:24:50.201 --> 00:24:54.500
<v Dirk Prüfer>Den konnte man natürlich schneller aus erdölbasierten Quellen dann eben herstellen.

00:24:54.501 --> 00:24:58.600
<v Dirk Prüfer>Hat auch vernünftige Eigenschaften gehabt, die konnten Reifen draus bauen

00:24:58.601 --> 00:25:02.700
<v Dirk Prüfer>und dann hat man diese Naturkautschukproduktion aus dem russischen Löwenzahn zurückgeführt,

00:25:02.701 --> 00:25:04.500
<v Dirk Prüfer>weil die auch nicht so sehr erfolgreich waren.

00:25:04.501 --> 00:25:09.000
<v Dirk Prüfer>Das lag einfach daran, die haben Wildpflanzen bearbeitet.

00:25:09.001 --> 00:25:12.800
<v Dirk Prüfer>Die Wildpflanze ist nicht so wie man sich das vorstellt.

00:25:12.801 --> 00:25:17.400
<v Dirk Prüfer>Also ich hole mir die heute irgendwo aus dem Tal und morgen habe ich hektarweise diese Pflanze im Feld stehen.

00:25:17.401 --> 00:25:21.100
<v Dirk Prüfer>Kann man später noch mal drauf eingehen, sondern da muss man einiges tun

00:25:21.101 --> 00:25:25.900
<v Dirk Prüfer>und das ist sehr arbeits- und vor allem auch zeitintensiv, deswegen hat man gesagt,

00:25:25.901 --> 00:25:28.900
<v Dirk Prüfer>nein, wir gehen auf die synthetische Variante.

00:25:28.901 --> 00:25:33.100
<v Tim Pritlove>Warum hat denn diese Pflanze diesen Kautschuk, warum bildet die den aus?

00:25:33.101 --> 00:25:38.100
<v Dirk Prüfer>Das ist ein super Frage, halt wir wissen es bis heute nicht.

00:25:38.101 --> 00:25:41.300
<v Dirk Prüfer>Die einzige logische Erklärung ist, das muss ein Fraßschutz sein.

00:25:41.301 --> 00:25:47.700
<v Dirk Prüfer>Also die Wurzel schützt sich damit, dass irgendwelche Würmer oder Insekten,

00:25:47.701 --> 00:25:54.000
<v Dirk Prüfer>was immer da diese Pflanze dann eben attackieren können.

00:25:54.001 --> 00:25:58.600
<v Dirk Prüfer>Das kann man auch so ein bisschen sehen, wir machen so paar Experimente halt mit dem russischen Löwenzahn versus dem einheimischen Löwenzahn

00:25:58.601 --> 00:26:05.600
<v Dirk Prüfer>und sehen halt eben, dass beide Pflanzen ein komplett anderes Spektrum an herbivoren Insekten haben halt.

00:26:05.601 --> 00:26:14.500
<v Dirk Prüfer>Und das ist sicherlich so ein Grund, in diesem Tal muss es irgendwas geben, was diesen Löwenzahn gerne mag

00:26:14.501 --> 00:26:17.900
<v Dirk Prüfer>und der Löwenzahn wehrt sich dagegen eben durch die Produktion von Kautschuk.

00:26:17.901 --> 00:26:24.200
<v Dirk Prüfer>Weil das muss man sich, wenn man diese Wurzel durchschneidet, dann sieht man wirklich so einen Gummiring da drin,

00:26:24.201 --> 00:26:28.900
<v Dirk Prüfer>das heißt also, das, was da dran frisst, das kann vielleicht die Außenrinde abfressen.

00:26:28.901 --> 00:26:31.000
<v Tim Pritlove>Aber dann ist die wie ein Mantel drum herum.

00:26:31.001 --> 00:26:32.300
<v Dirk Prüfer>Genau, und dann hat die wirklich so einen Mantel drin.

00:26:32.301 --> 00:26:36.700
<v Dirk Prüfer>Es gab auch schon mal die Idee, so eine Art Thermoschutz, weil da wird es brutal kalt.

00:26:36.701 --> 00:26:41.800
<v Dirk Prüfer>Also im Winter, das ist so Kontinentalklima, also Temperaturen beschrieben bis zu -30 Grad, im Sommer plus.

00:26:41.801 --> 00:26:45.500
<v Dirk Prüfer>Also die Pflanze die hält so was, die ist ja zweijährig, also die kann mehrjährig sogar sein,

00:26:45.501 --> 00:26:49.800
<v Dirk Prüfer>die hält ein Temperaturspektrum von 60 Grad aus, war auch eine Idee,

00:26:49.801 --> 00:26:52.100
<v Dirk Prüfer>aber wir glauben eher, dass es ein Fraßschutz ist.

00:26:52.101 --> 00:26:54.900
<v Dirk Prüfer>Und unser einheimischer Löwenzahn der muss das irgendwann verloren haben.

00:26:54.901 --> 00:27:00.600
<v Dirk Prüfer>Sehr wahrscheinlich deswegen, weil dieses Pathogen oder dieser Krankheitserreger hier nicht vorkommen halt.

00:27:00.601 --> 00:27:03.500
<v Tim Pritlove>Und dann macht es keinen Sinn, das noch zu produzieren.

00:27:03.501 --> 00:27:04.200
<v Dirk Prüfer>Genau.

00:27:04.201 --> 00:27:09.900
<v Tim Pritlove>Wenn es denn überhaupt, also weiß man denn, dass unser Löwenzahn mehr oder weniger von dem russischen abstammt?

00:27:09.901 --> 00:27:12.200
<v Tim Pritlove>Haben die irgendwie eine gemeinsame Linie?

00:27:12.201 --> 00:27:13.600
<v Tim Pritlove>Ich meine, ähnlich sind sie ja.

00:27:13.601 --> 00:27:18.900
<v Dirk Prüfer>Sind ähnlich halt, also der russische sieht ein bisschen vom Habitus ein bisschen anders aus.

00:27:18.901 --> 00:27:23.200
<v Dirk Prüfer>Der macht viel mehr Blüten als unserer, das liegt einfach an der Fortpflanzungsbiologie.

00:27:23.201 --> 00:27:27.000
<v Dirk Prüfer>Der vermehrt sich sexuell, das macht unserer nicht.

00:27:27.001 --> 00:27:31.600
<v Dirk Prüfer>Wir haben die Genome sequenziert von beiden Pflanzen, wir sehen sehr sehr viele Ähnlichkeiten in der DNA.

00:27:31.601 --> 00:27:36.100
<v Dirk Prüfer>Aber wir sehen auch deutliche Unterschiede und vor allem in der Kautschukbiosynthese sehen wir Unterschiede halt.

00:27:36.101 --> 00:27:41.000
<v Dirk Prüfer>Wir sehen also das was er verloren hat oder vielleicht nie gehabt hat, das kann natürlich auch sein,

00:27:41.001 --> 00:27:46.600
<v Dirk Prüfer>dass der russische evolutiv vielleicht jünger ist und das irgendwann mal dazu gewonnen hat.

00:27:46.601 --> 00:27:49.500
<v Tim Pritlove>Aber die sind wahrscheinlich irgendwie aus einem gemeinsamen Stamm irgendwann hervorgegangen,

00:27:49.501 --> 00:27:51.300
<v Tim Pritlove>den es so jetzt in der Form nicht mehr gibt.

00:27:51.301 --> 00:27:52.700
<v Dirk Prüfer>Genau.

00:27:52.701 --> 00:27:59.500
<v Dirk Prüfer>Was man aber sieht, es gibt Hybride, die also zusammen gekommen sind, also wo der russische mit dem einheimischen dann zusammen gekommen ist,

00:27:59.501 --> 00:28:05.900
<v Dirk Prüfer>hat einen ganz komplizierten Namen, nennt sich Brevicorniculatum und da sieht man eben so eine Mittelstellung halt.

00:28:05.901 --> 00:28:13.100
<v Dirk Prüfer>Der hat ein bisschen mehr Kautschuk als der offizinale, also der einheimische und ein bisschen weniger als der kok-saghyz.

00:28:13.101 --> 00:28:19.600
<v Tim Pritlove>Was macht denn Kautschuk aus, also was ist denn in diesem Stoff eigentlich so,

00:28:19.601 --> 00:28:24.400
<v Tim Pritlove>dass man ihn auch nicht so ohne weiteres durch irgendetwas ersetzen kann?

00:28:24.401 --> 00:28:32.700
<v Dirk Prüfer>Also Naturkautschuk im Vergleich zu diesem synthetischen Pendant, der hat eine viel höhere Kälteflexibilität.

00:28:32.701 --> 00:28:38.200
<v Dirk Prüfer>Die Zugfestigkeit ist höher und deswegen braucht man das gerade in so Produkten,

00:28:38.201 --> 00:28:41.600
<v Dirk Prüfer>die so eine hohe mechanische Belastung haben, also sprich LKW-Reifen halt,

00:28:41.601 --> 00:28:46.500
<v Dirk Prüfer>so ein LKW-Reifen, beladener LKW da kann man sich vorstellen, was da für Lasten drauf sind.

00:28:46.501 --> 00:28:51.100
<v Dirk Prüfer>Wenn die jetzt zum Beispiel eine Bordsteinkante haben, die ganze Verdehnung, die es da gibt und so was,

00:28:51.101 --> 00:28:54.700
<v Dirk Prüfer>das können Sie mit Naturkautschuk ausgleichen, aber nicht mit synthetischem Kautschuk.

00:28:54.701 --> 00:29:00.600
<v Dirk Prüfer>Oder Winterreifen, also im Winter habe ich natürlich bei Minusgraden oder was immer ganz andere Ansprüche an die Performance von so einem Reifen,

00:29:00.601 --> 00:29:05.200
<v Dirk Prüfer>deswegen ist auch im Winterreifen der Anteil an Naturkautschuk dann eben höher.

00:29:05.201 --> 00:29:08.100
<v Dirk Prüfer>So einen klassischen Sommerreifen, den kann ich auch aus Synthesekautschuk bauen halt.

00:29:08.101 --> 00:29:13.400
<v Dirk Prüfer>Aber da, wo Kälte, mechanische Belastung viel ist, da brauche ich Naturkautschuk.

00:29:13.401 --> 00:29:22.500
<v Dirk Prüfer>Und alle Versuche, die man bis jetzt gemacht hat, dieses Prinzip zu verstehen, was ist eigentlich Naturkautschuk

00:29:22.501 --> 00:29:25.800
<v Dirk Prüfer>und warum kann das der Synthesekautschuk nicht oder kann ich die Eigenschaften übertragen,

00:29:25.801 --> 00:29:29.600
<v Dirk Prüfer>sind bis vor einem Jahr immer fehlgeschlagen.

00:29:29.601 --> 00:29:33.600
<v Dirk Prüfer>Also wir wissen mittlerweile was die Kompetenten sind, man kann sie auch übertragen.

00:29:33.601 --> 00:29:38.500
<v Dirk Prüfer>Man kriegt auch ein neues Material und das ist gerade in der Testung halt.

00:29:38.501 --> 00:29:42.300
<v Dirk Prüfer>Ich glaube, wir haben jetzt wenn wir mit unserem Naturkautschuk arbeiten, mit Löwenzahn, verstanden,

00:29:42.301 --> 00:29:48.300
<v Dirk Prüfer>was eigentlich die biologischen Komponenten sind in dem Kautschuk, weil von der Chemie ist das das gleiche Synthese und Naturkautschuk,

00:29:48.301 --> 00:29:54.400
<v Dirk Prüfer>aber da sind natürlich biologische Faktoren mit drin im Naturkautschuk und die machen eben halt diese besonderen Eigenschaften.

00:29:54.401 --> 00:30:00.200
<v Tim Pritlove>Das heißt, sie enthalten eigentlich dieselben Stoffe, nur sind diese Stoffe anders miteinander verbunden?

00:30:00.201 --> 00:30:02.100
<v Dirk Prüfer>Genau, ja.

00:30:02.101 --> 00:30:04.300
<v Tim Pritlove>Okay.

00:30:04.301 --> 00:30:07.300
<v Tim Pritlove>Tja, also es gibt noch viele Rätsel zu klären.

00:30:07.301 --> 00:30:11.100
<v Tim Pritlove>So und jetzt ist natürlich klar, wenn man eigentlich weiß, okay es gibt diese Pflanze,

00:30:11.101 --> 00:30:23.400
<v Tim Pritlove>die hat im Prinzip das was man will und warum ist denn überhaupt die Nachfrage nach einer alternativen Quelle so hoch?

00:30:23.401 --> 00:30:26.900
<v Tim Pritlove>Also was ist das Problem jetzt mit dem Gummibaum?

00:30:26.901 --> 00:30:34.900
<v Dirk Prüfer>Also man muss sich einfach mal die Produktion angucken, das ist auch irgendwo wo ich mein biologisches Herz verloren habe drin.

00:30:34.901 --> 00:30:40.400
<v Dirk Prüfer>Seit etlichen Jahren betreue ich auch Projekte, die mit der Ölpalme in Verbindung stehen,

00:30:40.401 --> 00:30:46.200
<v Dirk Prüfer>wo man eben sieht, ich war sehr oft vor Ort in Südostasien, wo man sieht eben,

00:30:46.201 --> 00:30:51.700
<v Dirk Prüfer>was so der Impact von diesen Pflanzen auf diese Ökosysteme dann ist.

00:30:51.701 --> 00:30:54.500
<v Tim Pritlove>Also vor allen in den Monokulturen, die damit verbunden sind.

00:30:54.501 --> 00:30:58.500
<v Dirk Prüfer>Ja. Und was man sehen kann, wenn der Bedarf hier in Europa steigt und Europa ist halt so ein Pull.

00:30:58.501 --> 00:31:03.100
<v Dirk Prüfer>Nordamerika, Europa und wenn man hier sagt, ich kann mich an diese Zeiten erinnern,

00:31:03.101 --> 00:31:06.900
<v Dirk Prüfer>wo es auf einmal hieß, wir brauchen Biodiesel, Biodiesel, Biodiesel, dafür braucht man Öl

00:31:06.901 --> 00:31:11.000
<v Dirk Prüfer>und Palmöl ist natürlich das, da kann ich die größten Mengen mit produzieren.

00:31:11.001 --> 00:31:16.200
<v Dirk Prüfer>Die haben natürlich sofort reagiert, weil so eine Ölpalme, bis die produktiv wird dauert 20 Jahre,

00:31:16.201 --> 00:31:20.900
<v Dirk Prüfer>das heißt also, ich muss schon jetzt anfangen, um in 20 Jahren damit auch Geld zu verdienen,

00:31:20.901 --> 00:31:24.900
<v Dirk Prüfer>das haben die dann gemacht mit dem Resultat, dass unwahrscheinlich viele Urwälder zerstört worden sind.

00:31:24.901 --> 00:31:27.300
<v Dirk Prüfer>Das gleiche passiert auch mit dem Naturkautschuk halt.

00:31:27.301 --> 00:31:33.400
<v Dirk Prüfer>Also wenn jetzt, und das sehen wir ja, es gibt einen Mehrbedarf, der liegt bei ungefähr 500000 Tonnen

00:31:33.401 --> 00:31:38.900
<v Dirk Prüfer>in den 20, 30er Jahren und diesen Mehrbedarf mit dem Kautschukbaum zu decken heißt,

00:31:38.901 --> 00:31:45.300
<v Dirk Prüfer>ich muss Urwald holzen, und zwar in dem Sinn kann man es genau umrechnen, eine Tonne pro Hektar,

00:31:45.301 --> 00:31:51.900
<v Dirk Prüfer>500000 Hektar müssen dann wieder zum Opfer fallen und das ist eben halt das, was man auch sieht.

00:31:51.901 --> 00:32:00.500
<v Dirk Prüfer>Und deswegen ist es sehr sehr sinnvoll hinzugehen und da etwas gegenzustellen.

00:32:00.501 --> 00:32:03.700
<v Dirk Prüfer>Und wenn ich mit Leuten rede sage ich immer, man darf nicht nur motzen halt.

00:32:03.701 --> 00:32:07.700
<v Dirk Prüfer>Es gibt ja viele Leute, die sagen, das können wir so nicht machen, das ist ganz katastrophal

00:32:07.701 --> 00:32:09.700
<v Dirk Prüfer>und wie kann das überhaupt sein?

00:32:09.701 --> 00:32:13.500
<v Dirk Prüfer>Ich sage den Leuten immer, ihr müsst euch bewusst sein, wir sind ja eigentlich diejenigen,

00:32:13.501 --> 00:32:16.700
<v Dirk Prüfer>die das da unten verursachen, die machen ja nicht aus Spaß ihre Urwälder da abzuholzen,

00:32:16.701 --> 00:32:20.500
<v Dirk Prüfer>sondern die sehen einen Bedarf auf dem europäischen Markt und der ist extrem,

00:32:20.501 --> 00:32:29.200
<v Dirk Prüfer>Soja zum Beispiel in Südamerika auch ein Beispiel, dann holen die sich das Go mehr oder weniger ein,

00:32:29.201 --> 00:32:34.200
<v Dirk Prüfer>wie sehen eure Märkte aus und dann passiert das, was wir eben halt im Augenblick überall auf diesem Planeten,

00:32:34.201 --> 00:32:37.500
<v Dirk Prüfer>gerade in diesen Tropenregionen sehen.

00:32:37.501 --> 00:32:42.900
<v Dirk Prüfer>Und um dem entgegenwirken zu können, müssen wir eine Alternative entwickeln, also wir müssen eine Alternative anbieten.

00:32:42.901 --> 00:32:46.400
<v Dirk Prüfer>Sonst durch Reden wird das nichts werden halt.

00:32:46.401 --> 00:32:49.800
<v Dirk Prüfer>Sondern wir müssen sagen, wir brauchen in Europa eine Proteinpflanze, die eben Soja ersetzt.

00:32:49.801 --> 00:32:55.200
<v Dirk Prüfer>Wir brauchen eine Naturkautschukpflanze, die auch den Kautschukbaum teilweise ersetzen kann

00:32:55.201 --> 00:32:56.500
<v Dirk Prüfer>und wir brauchen Ölpflanzen.

00:32:56.501 --> 00:33:01.200
<v Dirk Prüfer>Da sind wir gut unterwegs, wir haben Raps und Leinen und alles mögliche, da gibt es viele Pflanzen,

00:33:01.201 --> 00:33:03.200
<v Dirk Prüfer>da sind wir sicher am besten unterwegs.

00:33:03.201 --> 00:33:06.700
<v Dirk Prüfer>Aber bei Naturkautschuk gab es gar nichts.

00:33:06.701 --> 00:33:09.900
<v Dirk Prüfer>Und das war jetzt auch so die Intension zu sagen,…

00:33:09.901 --> 00:33:11.900
<v Tim Pritlove>Gibt es was bei Soja?

00:33:11.901 --> 00:33:16.400
<v Dirk Prüfer>Man baut mittlerweile im Süden Soja an, das sind so die ersten Versuche.

00:33:16.401 --> 00:33:17.900
<v Dirk Prüfer>Also so ein bisschen so diese /unverständlich/ daran zu machen,

00:33:17.901 --> 00:33:21.700
<v Dirk Prüfer>aber was man auch hat sind eben halt diese ganzen Lupinen zum Beispiel,

00:33:21.701 --> 00:33:25.300
<v Dirk Prüfer>da hat es auch mal einen Zukunftspreis für gegeben, das ist eine Pflanze, die Protein macht.

00:33:25.301 --> 00:33:31.600
<v Dirk Prüfer>Es gibt Erbsen, Bohnen, diese Dinge kommen wieder rein, sind von der Kulturführung schwierig,

00:33:31.601 --> 00:33:35.400
<v Dirk Prüfer>aber wird mit Sicherheit auch wieder mehr zu sehen sein auf den Feldern halt.

00:33:35.401 --> 00:33:40.300
<v Dirk Prüfer>Weil wenn wir dem entgegenwirken wollen, gerade in Südamerika und da ist es wirklich dramatisch,

00:33:40.301 --> 00:33:44.300
<v Dirk Prüfer>wenn man sich das anschaut, müssen wir so was dann eben auf den Markt bringen.

00:33:44.301 --> 00:33:49.400
<v Dirk Prüfer>Oder vielleicht einfach immer noch so als Tipp, weniger Fleisch essen, dann wäre das Problem eh weg.

00:33:49.401 --> 00:33:50.400
<v Tim Pritlove>Oder weniger Auto fahren.

00:33:50.401 --> 00:33:51.600
<v Dirk Prüfer>Oder weniger Auto fahren.

00:33:51.601 --> 00:33:52.600
<v Tim Pritlove>Und weniger Reifen kaufen.

00:33:52.601 --> 00:33:55.400
<v Tim Pritlove>Aber das ist ja das Problem mit unserer Konsumgesellschaft.

00:33:55.401 --> 00:34:00.000
<v Tim Pritlove>Klar, auch da kann man steuern, aber auch das ist natürlich ein langsamer Prozess

00:34:00.001 --> 00:34:07.000
<v Tim Pritlove>und letzten Endes muss man irgendwie immer alles gleichzeitig probieren, also sonst kommt man ja irgendwie nirgendwo hin.

00:34:07.001 --> 00:34:13.000
<v Tim Pritlove>Mit anderen Worten, wir haben ein Problem mit der Gummiproduktion, die Gumminachfrage ist nach wie vor groß in der Industrie,

00:34:13.001 --> 00:34:18.300
<v Tim Pritlove>vor allem für Reifen, aber nicht nur, aber ich denke, Reifen sind so eigentlich der Großteil oder?

00:34:18.301 --> 00:34:18.900
<v Dirk Prüfer>70 Prozent.

00:34:18.901 --> 00:34:22.000
<v Tim Pritlove>70 Prozent, okay, also signifikant.

00:34:22.001 --> 00:34:26.700
<v Tim Pritlove>Es gibt in zunehmendem Maße auch so ein Käuferbewusstsein für solche Sachen,

00:34:26.701 --> 00:34:30.500
<v Tim Pritlove>dass, wenn man sagt, okay guck mal, das Produkt ist irgendwie jetzt mal anders erzeugt,

00:34:30.501 --> 00:34:34.400
<v Tim Pritlove>dann kann man damit auch eine gewisse Aufmerksamkeit schaffen, das reicht alleine sicherlich noch nicht

00:34:34.401 --> 00:34:37.300
<v Tim Pritlove>und es wäre halt gut, eine Alternative zu haben.

00:34:37.301 --> 00:34:41.800
<v Tim Pritlove>So jetzt hat man einfach diesen russischen Löwenzahn und jetzt sind wir, glaube ich, so an dem Punkt,

00:34:41.801 --> 00:34:45.600
<v Tim Pritlove>wo dieses Team dann auch in irgendeiner Form ein bisschen enger zusammengearbeitet hat.

00:34:45.601 --> 00:34:49.100
<v Tim Pritlove>Ich vermute mal, Continental hat gesagt, so Leute wie sieht es denn jetzt eigentlich aus

00:34:49.101 --> 00:34:52.400
<v Tim Pritlove>hier mit dem anderen Kautschuk, kann man den jetzt mal irgendwie benutzen?

00:34:52.401 --> 00:34:54.900
<v Tim Pritlove>Was muss denn jetzt hier geschehen?

00:34:54.901 --> 00:34:58.400
<v Dirk Prüfer>Also wir hatten de facto mit dem russischen Löwenzahn kurze Zeit vorher angefangen,

00:34:58.401 --> 00:35:01.400
<v Dirk Prüfer>weil wir hatten diese gesamten Löwenzähne, die man so kriegen kann,

00:35:01.401 --> 00:35:07.900
<v Dirk Prüfer>also wir hatten die so vergleichend studiert und hatten diese Ergebnisse mal auf einem Kongress in Aachen vorgestellt,

00:35:07.901 --> 00:35:11.200
<v Dirk Prüfer>und da waren Vertreter von Continental im Publikum.

00:35:11.201 --> 00:35:11.800
<v Tim Pritlove>Wann war das?

00:35:11.801 --> 00:35:17.300
<v Dirk Prüfer>Das war 2008/09 muss das gewesen sein.

00:35:17.301 --> 00:35:21.200
<v Dirk Prüfer>Und dann sind wir zusammen gekommen und haben gesagt, naja das ist eine spannende Geschichte

00:35:21.201 --> 00:35:25.800
<v Dirk Prüfer>und da haben wir dann auch unsere Arbeiten ein bisschen intensiviert in Richtung Kautschukbiosynthese,

00:35:25.801 --> 00:35:30.600
<v Dirk Prüfer>also die Herstellung von Kautschuk im russischen Löwenzahn.

00:35:30.601 --> 00:35:34.500
<v Dirk Prüfer>Und das war eine interessante Zeit, weil da sind wir auch dann hingegangen und haben gesagt,

00:35:34.501 --> 00:35:37.000
<v Dirk Prüfer>wir können das nicht aus Bordmitteln machen.

00:35:37.001 --> 00:35:42.100
<v Dirk Prüfer>Also jeder weiß vielleicht, Universitäten da ist das Geld jetzt nicht so stark vertreten halt,

00:35:42.101 --> 00:35:43.800
<v Dirk Prüfer>dass man da einfach mal so ein bisschen so.

00:35:43.801 --> 00:35:45.800
<v Tim Pritlove>Wächst noch nicht auf dem Feld.

00:35:45.801 --> 00:35:46.800
<v Dirk Prüfer>Nein, wächst nicht auf dem Feld halt.

00:35:46.801 --> 00:35:51.400
<v Dirk Prüfer>Und sind dann zur öffentlichen Fördereinrichtung gegangen.

00:35:51.401 --> 00:35:58.600
<v Dirk Prüfer>Also das war eine Zeit, wo ich auch gesagt habe, schade eigentlich, dass man mit so einer Idee nicht auf Anklang stoßen kann.

00:35:58.601 --> 00:36:01.800
<v Dirk Prüfer>Das ist so, wir wurden wirklich regelrecht ausgelacht.

00:36:01.801 --> 00:36:02.800
<v Tim Pritlove>Von wem jetzt?

00:36:02.801 --> 00:36:05.700
<v Dirk Prüfer>Von Förderern halt, jetzt ohne die Fördereinrichtung zu benennen.

00:36:05.701 --> 00:36:07.600
<v Tim Pritlove>Ja, aber so private oder staatliche?

00:36:07.601 --> 00:36:13.700
<v Dirk Prüfer>Staatliche, die gesagt haben, was ist das denn für eine spinnerte Idee halt, also Löwenzahn, so ein Blödsinn.

00:36:13.701 --> 00:36:20.200
<v Dirk Prüfer>Oder Meetings anberaumt wurden, wo wir das vorstellen sollten und dann sind die Leute einfach nicht gekommen.

00:36:20.201 --> 00:36:26.600
<v Dirk Prüfer>Und es war halt ein schöner Moment, ich hatte vor fünf Jahren Glück gehabt, noch mal einen Vortrag halten zu dürfen,

00:36:26.601 --> 00:36:29.300
<v Dirk Prüfer>wo sie alle im Publikum, im Auditorium standen und…

00:36:29.301 --> 00:36:32.000
<v Tim Pritlove>Alle, die nein gesagt haben.

00:36:32.001 --> 00:36:35.100
<v Dirk Prüfer>Und dann doch irgendwie gesagt haben, oh das hätten sie sich nie vorgestellt halt

00:36:35.101 --> 00:36:38.300
<v Dirk Prüfer>und wäre toll, dass es jetzt so funktioniert hat.

00:36:38.301 --> 00:36:39.600
<v Dirk Prüfer>Ist im Nachgang auch besser geworden halt.

00:36:39.601 --> 00:36:46.500
<v Dirk Prüfer>Als man mit Continental zusammen gekommen ist, da wurde auch gesagt, naja also wenn so ein großer Reifenproduzent da drin ist,

00:36:46.501 --> 00:36:51.800
<v Dirk Prüfer>dann ist das so ein bisschen so ein Signal, da scheint mehr dran zu sein als so eine spinnerte Idee

00:36:51.801 --> 00:36:56.100
<v Dirk Prüfer>von ein paar Wissenschaftlern aus irgendeinem Institut in Deutschland oder auf dieser Welt.

00:36:56.101 --> 00:37:01.700
<v Dirk Prüfer>Und dann war der Vorteil eben halt, dass wir gesagt haben von Anfang an, wir gehen auf eine ganze Wertschöpfungskette.

00:37:01.701 --> 00:37:05.500
<v Dirk Prüfer>Wir hätten ja anfangen können mit der Züchtung und sagen, wir züchten einfach mal

00:37:05.501 --> 00:37:08.900
<v Dirk Prüfer>und wenn wir soweit denken, das ist alles super, dann gehen wir zu einer Firma und sagen,

00:37:08.901 --> 00:37:11.900
<v Dirk Prüfer>hier wir haben schöne neue Naturkautschukquelle, testet mal.

00:37:11.901 --> 00:37:20.100
<v Dirk Prüfer>Dann passiert eben das, was oftmals passiert, dann macht man den Test und dann wird hinten festgestellt, das stimmt alles nicht mehr.

00:37:20.101 --> 00:37:22.700
<v Dirk Prüfer>Deswegen war uns von Anfang an wichtig, die Rückmeldung aus dem Produkt zu haben.

00:37:22.701 --> 00:37:27.900
<v Dirk Prüfer>Wir haben also immer bei jedem Züchtungsschritt immer geschaut, hier habt ihr ein bisschen was,

00:37:27.901 --> 00:37:31.000
<v Dirk Prüfer>schaut euch an, ist die Performance noch da.

00:37:31.001 --> 00:37:33.600
<v Dirk Prüfer>Weil wenn man es nicht so machen würde, könnte es am Ende des Tages passieren,

00:37:33.601 --> 00:37:40.600
<v Dirk Prüfer>dass man eine super gezüchtete Löwenzahnpflanze hat, die aber dann eigentlich nur noch Kaninchenfutter ist halt,

00:37:40.601 --> 00:37:44.800
<v Dirk Prüfer>weil der wertgebende Stoff der ist dann nicht mehr drin.

00:37:44.801 --> 00:37:50.700
<v Dirk Prüfer>Und dieser Prozess eben dieser Überführung, das ist oftmals auch so was, wo ein bisschen gesagt wird,

00:37:50.701 --> 00:37:52.400
<v Dirk Prüfer>naja ist eine Pflanze halt.

00:37:52.401 --> 00:37:57.200
<v Dirk Prüfer>Ich amüsiere mich immer köstlich darüber, das gibt es ja alle Jahre wieder, da kommt so ein Bericht,

00:37:57.201 --> 00:38:00.500
<v Dirk Prüfer>da ist irgendein Wissenschaftler in irgendeinen Urwald auf diesem Planeten gegangen

00:38:00.501 --> 00:38:03.400
<v Dirk Prüfer>und dann holt er eine Pflanze raus und die rettet die ganze Welt.

00:38:03.401 --> 00:38:04.200
<v Tim Pritlove>Heureka.

00:38:04.201 --> 00:38:10.000
<v Dirk Prüfer>Ja, die braucht keinen Dünger, die braucht kein Wasser, die braucht noch nicht mal Boden oder irgendwas, die wächst eigentlich so

00:38:10.001 --> 00:38:12.500
<v Dirk Prüfer>und das ist wirklich Blödsinn.

00:38:12.501 --> 00:38:17.300
<v Dirk Prüfer>das sind Pflanzen, das sind Wildpflanzen, wenn man in diesem kasachischen Tal ist, dann sieht die ja auch sehr schön aus,

00:38:17.301 --> 00:38:22.700
<v Dirk Prüfer>aber wenn ich die da rausnehme, Samen davon mache und das haben wir auch getan wirklich so

00:38:22.701 --> 00:38:28.200
<v Dirk Prüfer>und sind aufs Feld gegangen, das ist eine Katastrophe halt, da wächst eine super, die andere wächst gar nicht,

00:38:28.201 --> 00:38:31.000
<v Dirk Prüfer>die andere wächst ein bisschen, die andere fällt vor Krankheit um.

00:38:31.001 --> 00:38:35.900
<v Dirk Prüfer>Und das war der Moment, wo wir gesagt haben, das ist klar, wir müssen jetzt hier züchten halt.

00:38:35.901 --> 00:38:37.300
<v Dirk Prüfer>Sein lassen oder züchten.

00:38:37.301 --> 00:38:40.100
<v Dirk Prüfer>Da haben wir gesagt, nein wir wollen die Pflanze wirklich entwickeln.

00:38:40.101 --> 00:38:43.700
<v Dirk Prüfer>Und dann eben über Selektion zusammen mit einem Pflanzenzüchter, das haben wir gar nicht mehr gemacht,

00:38:43.701 --> 00:38:47.800
<v Dirk Prüfer>sondern wir haben einen Pflanzenzüchter, der das dann eben aktiv betreibt

00:38:47.801 --> 00:38:50.000
<v Dirk Prüfer>und dann die Eliten immer wieder gekreuzt halt.

00:38:50.001 --> 00:38:56.100
<v Dirk Prüfer>Und das ist der Weg eben, deswegen heißt es auch Züchtung, der Pflanze was beizubringen, was wir jetzt gerne von ihr hätten.

00:38:56.101 --> 00:38:59.100
<v Dirk Prüfer>Und das dauert halt seine Zeit.

00:38:59.101 --> 00:39:05.600
<v Dirk Prüfer>Und wir haben jetzt eben als Beispiel mal, das ist immer das Merkmal, wo wir am weitesten mit sind,

00:39:05.601 --> 00:39:13.700
<v Dirk Prüfer>vom Kautschukgehalt von rund 2-3 Prozent sind wir jetzt auf 15-20 Prozent hochgekommen in den zehn Jahren.

00:39:13.701 --> 00:39:17.000
<v Tim Pritlove>Zwei Prozent im Verhältnis zu was?

00:39:17.001 --> 00:39:18.100
<v Tim Pritlove>Nur die Wurzeln?

00:39:18.101 --> 00:39:25.900
<v Dirk Prüfer>Ja, man nimmt die Wurzel, trocknet die, und zwei Prozent der Trockenwurzelmasse oder des Trockengewichts ist dann eben Kautschuk.

00:39:25.901 --> 00:39:27.600
<v Tim Pritlove>Jetzt im ursprünglichen Zustand?

00:39:27.601 --> 00:39:28.500
<v Dirk Prüfer>Im ursprünglichen genau.

00:39:28.501 --> 00:39:30.600
<v Tim Pritlove>Und durch die Züchtung konnte das dann gesteigert werden?

00:39:30.601 --> 00:39:32.900
<v Dirk Prüfer>Auf 15-20 Prozent, ja.

00:39:32.901 --> 00:39:44.500
<v Tim Pritlove>15-20 Prozent, ah also ein Fünftel der Wurzel im Maximalfall ist einfach unmittelbar nutzbares Kautschuk.

00:39:44.501 --> 00:39:50.300
<v Tim Pritlove>Und das ist auch von der Art her genauso wie das Kautschuk, was aus dem Gummibaum kommt?

00:39:50.301 --> 00:39:54.000
<v Dirk Prüfer>Ja, genau, also das ist ja das Schöne gewesen, also die ersten Studien haben ganz klar belegt,

00:39:54.001 --> 00:40:00.900
<v Dirk Prüfer>dass es auf jeden Fall äquivalent ist, die Eigenschaften, also die konnten den Rohstoff so nehmen wie er ist.

00:40:00.901 --> 00:40:06.800
<v Dirk Prüfer>Aber bei der Continental, das war auch sehr herausfordernd, die konnten das jetzt nicht nehmen

00:40:06.801 --> 00:40:09.900
<v Dirk Prüfer>und einfach in die Mischer reinschmeißen, die sie da standardmäßig laufen lassen für Synthese

00:40:09.901 --> 00:40:15.300
<v Dirk Prüfer>oder Kautschuk aus dem Kautschukbaum, sondern da mussten auch die Prozesse alle adaptiert werden halt,

00:40:15.301 --> 00:40:22.500
<v Dirk Prüfer>weil das Polymer an sich oder dieser Rohstoff, der da rauskommt, das ist nicht so diese weiße Milch, die man kennt,

00:40:22.501 --> 00:40:27.300
<v Dirk Prüfer>wo man den Kautschuk rausholt, sondern das ist mehr so ein bräunlicher Klumpen,

00:40:27.301 --> 00:40:31.000
<v Dirk Prüfer>sieht aus wie so ein Schwamm, kann man sagen halt, so ein Naturschwamm.

00:40:31.001 --> 00:40:34.900
<v Dirk Prüfer>Und zu diesem Naturkautschuk hat man eben noch andere Komponenten drin,

00:40:34.901 --> 00:40:37.500
<v Dirk Prüfer>das liegt einfach an der Extraktion, so wie wir das machen.

00:40:37.501 --> 00:40:41.900
<v Dirk Prüfer>Und das führt dazu, dass das ein bisschen klebriger ist das Material.

00:40:41.901 --> 00:40:48.400
<v Dirk Prüfer>Das heißt, man konnte also da auch, musste man Prozesse komplett neu denken, um das Material zu verwenden.

00:40:48.401 --> 00:40:52.600
<v Tim Pritlove>Also zumindest vorgeschaltete Prozesse, um überhaupt erst mal denselben Ausgangsstoff zu haben,

00:40:52.601 --> 00:40:56.200
<v Tim Pritlove>ab dem man dann aber auch wirklich dieselben Maschinen und selben Prozesse verwenden konnte?

00:40:56.201 --> 00:40:59.500
<v Dirk Prüfer>Genau. Man muss ich überlegen halt, also das hatten Sie eben schon mal angedeutet,

00:40:59.501 --> 00:41:03.800
<v Dirk Prüfer>also in Südostasien ist es so, wenn die ihre Bäume, das heißt Tapping, also die gehen da hin

00:41:03.801 --> 00:41:07.100
<v Dirk Prüfer>und machen diesen Rindenschnitt, da kennt man diese Kokosschalen, die da drunter hängen,

00:41:07.101 --> 00:41:13.100
<v Dirk Prüfer>da tropft diese Milch rein, dann tun die Säure da rein und dann fällt dieser Kautschuk aus aus dieser Milch,

00:41:13.101 --> 00:41:18.300
<v Dirk Prüfer>dann hat man eben diesen Feststoff, den man braucht und das wird dann so verschifft.

00:41:18.301 --> 00:41:19.100
<v Dirk Prüfer>Das ist dann hochsauber.

00:41:19.101 --> 00:41:24.500
<v Dirk Prüfer>Bei uns ist es so, wir nehmen die Wurzel, da ist natürlich ein bisschen Erde immer noch dran gehaftet,

00:41:24.501 --> 00:41:31.500
<v Dirk Prüfer>da sind natürlich auch tausende andere Substanzen in der Wurzel drin und die zermahlen wir.

00:41:31.501 --> 00:41:36.500
<v Dirk Prüfer>Das ist ein rein wässriger Prozess, das heißt, es ist jetzt nicht irgendwie, dass da irgendwelche organischen Lösungsmittel reinkommen,

00:41:36.501 --> 00:41:40.500
<v Dirk Prüfer>die jetzt eben schädlich sind, sondern das ist rein wasserbasiert.

00:41:40.501 --> 00:41:46.100
<v Dirk Prüfer>Aber durch diese Extraktion mit dem Wasser kommen natürlich auch andere Substanzen in dieses Polymer rein

00:41:46.101 --> 00:41:49.600
<v Dirk Prüfer>und das muss man nachher in diesen Prozess integrieren.

00:41:49.601 --> 00:41:52.800
<v Dirk Prüfer>Das scheint aber nicht nachteilig zu sein das zu tun.

00:41:52.801 --> 00:41:58.100
<v Dirk Prüfer>Weil die Reifenperformance, die man sieht, ist sehr gut und bei dem Fahrradreifen,

00:41:58.101 --> 00:42:02.600
<v Dirk Prüfer>der jetzt gebaut worden ist, da kriegt man auch Rückmeldungen von vielen vielen Nutzern,

00:42:02.601 --> 00:42:11.500
<v Dirk Prüfer>die sagen halt, dass die so ein gutes Gefühl darauf haben, weil dieser Grip oder diese Hafteigenschaften des Reifens wohl deutlich besser sind

00:42:11.501 --> 00:42:14.500
<v Dirk Prüfer>als das was man vorher hatte.

00:42:14.501 --> 00:42:17.400
<v Tim Pritlove>Kommen wir gleich noch mal zu den Reifen selber, aber mich würde noch mal interessieren,

00:42:17.401 --> 00:42:22.700
<v Tim Pritlove>was jetzt eigentlich konkret im Rahmen dieser Züchtung verändert wurde.

00:42:22.701 --> 00:42:27.700
<v Tim Pritlove>Wir hatten es ja eingangs schon gesagt, Züchtung ist jetzt nicht nur radioaktiv bestrahlen

00:42:27.701 --> 00:42:32.200
<v Tim Pritlove>und dann mal gucken was dabei rauskommt und dann testet man und züchtet mit dem weiter,

00:42:32.201 --> 00:42:39.000
<v Tim Pritlove>was irgendwie am nächsten rankommt, sondern man muss ja schon erst mal auch ein genetisches Verständnis haben,

00:42:39.001 --> 00:42:42.200
<v Tim Pritlove>welches Gen trägt jetzt eigentlich welche Funktion?

00:42:42.201 --> 00:42:43.400
<v Dirk Prüfer>Genau.

00:42:43.401 --> 00:42:45.500
<v Tim Pritlove>Woher weiß man das, wie kriegt man das raus?

00:42:45.501 --> 00:42:48.600
<v Dirk Prüfer>Vielleicht können wir das auch wieder an der Kautschukbiosynthese festmachen.

00:42:48.601 --> 00:42:49.800
<v Tim Pritlove>Klar gerne.

00:42:49.801 --> 00:42:58.100
<v Dirk Prüfer>Wir sind hingegangen und haben also uns diese Milch angeguckt und haben geschaut, was ist denn da an Protein drin?

00:42:58.101 --> 00:43:02.400
<v Dirk Prüfer>Da gibt es heute hochmoderne Hochdurchsatzverfahren, das sind diese sogenannten Omex-Technologien(?),

00:43:02.401 --> 00:43:10.000
<v Dirk Prüfer>Proteomex(?), Transkriptomex(?), das sind also, wo man mit vielen vielen Daten eben halt Dinge einengen kann

00:43:10.001 --> 00:43:14.100
<v Dirk Prüfer>und am Ende des Tages genau da rauskommt auf diese Gene, die einen interessieren.

00:43:14.101 --> 00:43:18.000
<v Dirk Prüfer>Und das haben wir ganz einfach gemacht, wir haben also diesen einheimischen Löwenzahn genommen,

00:43:18.001 --> 00:43:22.500
<v Dirk Prüfer>der ja kein Kautschuk macht oder wenig und wir haben den russischen genommen, der jetzt viel macht.

00:43:22.501 --> 00:43:26.100
<v Tim Pritlove>Und erst mal verglichen, was haben die gemeinsam und was kann es sozusagen nicht sein.

00:43:26.101 --> 00:43:27.800
<v Dirk Prüfer>Was haben sie gemeinsam.

00:43:27.801 --> 00:43:30.300
<v Tim Pritlove>Okay, wieviel bleibt dann noch übrig?

00:43:30.301 --> 00:43:37.900
<v Dirk Prüfer>Am Ende sind wir so, das ist noch eine Menge halt, aber sie haben dann immer so um die 150 Gene gehabt eben halt, die da so nahe kamen halt.

00:43:37.901 --> 00:43:41.300
<v Dirk Prüfer>Und dann schaut man sich an, werden die noch unterschiedlich gebildet,

00:43:41.301 --> 00:43:46.700
<v Dirk Prüfer>also wieviel wird von dem Protein wirklich in den Pflanzen gebildet und dann kommt man wieder ein Stück runter.

00:43:46.701 --> 00:43:50.600
<v Dirk Prüfer>Und weil wir das so gemacht haben über die Zeit, haben wir dann nachher so zehn Kandidaten gefunden,

00:43:50.601 --> 00:43:57.000
<v Dirk Prüfer>wo wir von glaubten, das müssen Schlüsselkandidaten sein, wirklich die dafür verantwortlich sind.

00:43:57.001 --> 00:44:00.400
<v Tim Pritlove>Was war das so für ein Zeitraum so gefühlt, bis man da an diesem Punkt war?

00:44:00.401 --> 00:44:05.200
<v Dirk Prüfer>Ja, das war auch so sechs Jahre, sechs, sieben Jahre, viele Doktorarbeiten dahinter,

00:44:05.201 --> 00:44:06.900
<v Dirk Prüfer>also da sitzen Menschen dahinter.

00:44:06.901 --> 00:44:11.700
<v Tim Pritlove>Also wirklich ein Großteil dieser Zeit, wir reden ja jetzt von einem Zeitraum von ungefähr zwölf Jahren,

00:44:11.701 --> 00:44:16.600
<v Tim Pritlove>wenn ich das richtig mitbekommen habe, also die Hälfte ist sozusagen erst mal nur einengen?

00:44:16.601 --> 00:44:23.000
<v Dirk Prüfer>Genau. Und dann eben die Funktionalität auch zu überprüfen, also diesen finalen Beweis.

00:44:23.001 --> 00:44:24.500
<v Dirk Prüfer>Da sind wir jetzt wieder bei der Gentechnik.

00:44:24.501 --> 00:44:25.500
<v Dirk Prüfer>Also das machen wir in unseren Laboren.

00:44:25.501 --> 00:44:32.400
<v Dirk Prüfer>Wir modifizieren dann zum Beispiel eine Pflanze, die viel Kautschuk macht, da schalten wir das Gen aus, so.

00:44:32.401 --> 00:44:35.300
<v Dirk Prüfer>Und dann schauen wir uns nachher an, macht die noch Kautschuk?

00:44:35.301 --> 00:44:39.700
<v Dirk Prüfer>Und wenn sie keinen mehr macht, dann weiß man, das muss auf jeden Fall ein Faktor sein.

00:44:39.701 --> 00:44:43.000
<v Dirk Prüfer>Und dann haben wir über diese letzten verbliebenen haben wir dann halt eben noch weiter eingeengt

00:44:43.001 --> 00:44:46.100
<v Dirk Prüfer>und haben dann eben so fünf, sechs Kandidaten, die wirklich ganz wertvoll sind.

00:44:46.101 --> 00:44:51.300
<v Dirk Prüfer>Und die finden wir dann auch nicht mehr in dem Offizinale(?) und anderen Löwenzähnen halt.

00:44:51.301 --> 00:44:55.300
<v Dirk Prüfer>Und das sind dann eben halt die Dinge, man könnte sagen, ihr habt doch diese schönen Pflanzen,

00:44:55.301 --> 00:44:58.300
<v Dirk Prüfer>die ihr schon genetisch verändert habt, die sind doch super, die können doch auf das Feld,

00:44:58.301 --> 00:45:02.900
<v Dirk Prüfer>aber dann kommen wir jetzt wieder in diese öffentliche Diskussion, das geht nicht.

00:45:02.901 --> 00:45:10.400
<v Dirk Prüfer>Und deswegen haben wir die jetzt genommen, um damit eben halt, wir wissen ja, welches Gen jetzt drin sein muss in der Pflanze.

00:45:10.401 --> 00:45:12.900
<v Dirk Prüfer>Und das kann man sich vorstellen wie bei einem Corona-Test, jetzt bei diesem PCR-Test.

00:45:12.901 --> 00:45:18.400
<v Dirk Prüfer>Das ist mittlerweile was jeder kennt, PCR, das ist das Schöne, das macht uns das Leben auch ein bisschen einfacher.

00:45:18.401 --> 00:45:22.500
<v Dirk Prüfer>Also wir können jetzt sagen, da steht eine Pflanze, und zwar im Keimling, wenn die gerade aus dem Samen rauskommt,

00:45:22.501 --> 00:45:28.200
<v Dirk Prüfer>können wir durch eine PCR nachweisen, okay diese Pflanze trägt das Gen natürlich.

00:45:28.201 --> 00:45:32.200
<v Dirk Prüfer>Also das hat mit Gentechnik nichts mehr zu tun, sondern natürlicherweise, und diese nicht.

00:45:32.201 --> 00:45:36.400
<v Dirk Prüfer>Somit kann der Züchter eben relativ frühzeitig schon seinen Pflanzenpool, also der fängt mit 30.000 an,

00:45:36.401 --> 00:45:42.200
<v Dirk Prüfer>kann sie dann auf 100 eingrenzen und diese 100 tragen auch nur diese Eigenschaft dann.

00:45:42.201 --> 00:45:43.300
<v Dirk Prüfer>Das war so der Durchbruch.

00:45:43.301 --> 00:45:45.000
<v Dirk Prüfer>Und wir haben natürlich weitaus mehrere Merkmale.

00:45:45.001 --> 00:45:49.800
<v Dirk Prüfer>Also der russische Löwenzahn der liegt eigentlich platt wie eine Flunder auf dem Acker.

00:45:49.801 --> 00:45:52.200
<v Dirk Prüfer>Der stellt seine Blätter nicht hoch.

00:45:52.201 --> 00:45:58.400
<v Dirk Prüfer>Habe ich mir damals auch gedacht, das ist jetzt so, weil ich jetzt auch nicht aus der Agronomie komme halt,

00:45:58.401 --> 00:46:00.400
<v Dirk Prüfer>kein Problem, aber wie erntet man so was?

00:46:00.401 --> 00:46:03.700
<v Dirk Prüfer>Wenn so was ganz flach auf dem Boden liegt, ist unwahrscheinlich schwierig halt.

00:46:03.701 --> 00:46:06.100
<v Tim Pritlove>Weil man es nicht richtig greifen kann.

00:46:06.101 --> 00:46:10.100
<v Dirk Prüfer>Man kann es nicht greifen halt, da kann man sich diese Kirmesautomaten vorstellen,

00:46:10.101 --> 00:46:14.800
<v Dirk Prüfer>die so eine Puppe unten aus dem Ding greift, aber das hätte alles nicht funktioniert.

00:46:14.801 --> 00:46:18.400
<v Dirk Prüfer>Was wir jetzt gemacht haben oder wo wir dabei sind, wir züchten Pflanzen, die halt die Blätter hochstellen.

00:46:18.401 --> 00:46:23.700
<v Dirk Prüfer>Das heißt, dann kann ich mit so einem Möhrenernter, das sind sogenannte Klemmbandroder.

00:46:23.701 --> 00:46:26.500
<v Dirk Prüfer>Die packen das oben und ziehen es raus.

00:46:26.501 --> 00:46:28.500
<v Tim Pritlove>Weil man will ja die Wurzel haben, das ist ja das wichtige.

00:46:28.501 --> 00:46:33.700
<v Dirk Prüfer>Genau, dann habe ich eine Orientierung drin und kann dann die direkt unter Blattgrün abschneiden,

00:46:33.701 --> 00:46:35.100
<v Dirk Prüfer>dann habe ich nur noch die Wurzel.

00:46:35.101 --> 00:46:38.500
<v Dirk Prüfer>Wenn ich es so ausgrabe, wie wir es eine Zeit lang gemacht haben halt,

00:46:38.501 --> 00:46:42.600
<v Dirk Prüfer>also mit diesem Pflug, der einfach die unten abschneidet und nach oben bringt,

00:46:42.601 --> 00:46:46.100
<v Dirk Prüfer>dann habe ich nachher aber in tausend Orientierungen da liegen halt.

00:46:46.101 --> 00:46:48.300
<v Dirk Prüfer>Das heißt, dann brauche ich wieder eine Maschine, die erst mal das so hinlegt,

00:46:48.301 --> 00:46:53.300
<v Dirk Prüfer>dass nachher so ein Cuttermesser, also so ein Messer, was es abschneidet, auch immer an der richtigen Stelle schneidet.

00:46:53.301 --> 00:46:57.900
<v Dirk Prüfer>Also die Zukunft ist auf jeden Fall, dass wir so über Klemmbandrodetechnologie gehen.

00:46:57.901 --> 00:46:59.700
<v Dirk Prüfer>Das heißt, in der Züchtung müssen wir da auch reagieren drauf.

00:46:59.701 --> 00:47:05.600
<v Dirk Prüfer>Dann gibt es Resistenzen, also es gibt natürlich auch Pathogene, die hier auf dem Feld auf einmal da sind,

00:47:05.601 --> 00:47:08.300
<v Dirk Prüfer>die der in der Natur nicht gesehen hat.

00:47:08.301 --> 00:47:09.500
<v Tim Pritlove>Zumindest nicht in Kasachstan.

00:47:09.501 --> 00:47:13.000
<v Dirk Prüfer>Keine Chance haben halt, da muss man Resistenzzüchtung machen halt.

00:47:13.001 --> 00:47:18.400
<v Dirk Prüfer>Also das ist so doch ein breites Portfolio an Eigenschaften, die wir uns angucken.

00:47:18.401 --> 00:47:22.900
<v Tim Pritlove>Was ist denn das natürliche Klima, in dem diese Pflanze eigentlich in Kasachstan so wächst?

00:47:22.901 --> 00:47:25.300
<v Tim Pritlove>Sind das auch trockene Gebiete oder ist das sehr feucht?

00:47:25.301 --> 00:47:28.400
<v Dirk Prüfer>Diese Pflanze hat so die Eigenschaft, also haben viele Latexpflanzen,

00:47:28.401 --> 00:47:31.100
<v Dirk Prüfer>also das ist normalerweise jetzt wie hier jetzt.

00:47:31.101 --> 00:47:35.500
<v Dirk Prüfer>Also wenn es jetzt Frühjahr ist oder irgendwas, es wird im Sommer ein bisschen heißer,

00:47:35.501 --> 00:47:40.500
<v Dirk Prüfer>deswegen was die Pflanze auch im Sommer tut, die hat so eine Dormanz, also die zieht sich so zusammen.

00:47:40.501 --> 00:47:40.900
<v Tim Pritlove>So einen Schlafmodus.

00:47:40.901 --> 00:47:45.800
<v Dirk Prüfer>Schlafmodus, sie zieht sich so ein bisschen zurück in den Herbst rein und dann treibt sie noch mal gut aus.

00:47:45.801 --> 00:47:50.600
<v Dirk Prüfer>Hier auf den Feldern sieht man eigentlich, dass die unter den klimatischen Bedingungen,

00:47:50.601 --> 00:47:54.600
<v Dirk Prüfer>also wenn wir jetzt mal vom Klimawandel absehen und die letzten Jahre, die sehr trocken war,

00:47:54.601 --> 00:47:57.300
<v Dirk Prüfer>dann kriegt jede Pflanze ein Problem halt.

00:47:57.301 --> 00:47:57.900
<v Tim Pritlove>Ja.

00:47:57.901 --> 00:47:59.700
<v Dirk Prüfer>Also wächst die eigentlich ganz vernünftig.

00:47:59.701 --> 00:48:04.500
<v Dirk Prüfer>Ist natürlich immer noch, weil viel Wildmaterial drin ist, ist noch nicht das Ende erreicht.

00:48:04.501 --> 00:48:10.200
<v Dirk Prüfer>Also Kautschukgehalt ja, aber Performance auf dem Feld nein, da müssen wir noch einiges tun halt,

00:48:10.201 --> 00:48:15.300
<v Dirk Prüfer>also dass die konstant den gleichen Phänotypen, also das Aussehen muss konstanter sein halt,

00:48:15.301 --> 00:48:20.400
<v Dirk Prüfer>die ist noch so ein bisschen sieht man manchmal, ist sie so wie man sie sich vorstellt

00:48:20.401 --> 00:48:24.900
<v Dirk Prüfer>und dann ist sie aber auch wieder so ein bisschen anders aussehend halt und man will so eine Uniformität haben.

00:48:24.901 --> 00:48:26.900
<v Dirk Prüfer>Da züchten wir aber auch gerade dran halt.

00:48:26.901 --> 00:48:33.100
<v Dirk Prüfer>Auch da holen wir wieder Gene, wo wir von wissen, dass sie dafür verantwortlich sind und nutzen das.

00:48:33.101 --> 00:48:35.300
<v Tim Pritlove>Das heißt, man ist auch noch lange nicht am Ende dieser Reise angekommen.

00:48:35.301 --> 00:48:36.400
<v Dirk Prüfer>Nein.

00:48:36.401 --> 00:48:43.000
<v Tim Pritlove>Es ist nur so, das Primärziel, diesen Kautschuk in brauchbaren Mengen zu haben

00:48:43.001 --> 00:48:45.700
<v Tim Pritlove>und ich weiß gar nicht, von welchen Mengen reden wir jetzt eigentlich bei einer einzelnen Pflanze?

00:48:45.701 --> 00:48:48.800
<v Tim Pritlove>Gut, 20 Prozent der Wurzel, wie groß ist die Wurzel?

00:48:48.801 --> 00:48:54.400
<v Dirk Prüfer>Ja, so eine Wurzel die wiegt so 200 Gramm, irgendwas halt, das ist nicht viel was da rauskommt.

00:48:54.401 --> 00:48:54.900
<v Tim Pritlove>Okay.

00:48:54.901 --> 00:48:58.100
<v Dirk Prüfer>Aber so rechnen wir auch nicht.

00:48:58.101 --> 00:49:01.700
<v Tim Pritlove>Na gut, aber das sind dann 40 Gramm Kautschuk pro einzelner Löwenzahnpflanze,

00:49:01.701 --> 00:49:03.300
<v Tim Pritlove>klingt jetzt nicht wenig.

00:49:03.301 --> 00:49:09.600
<v Dirk Prüfer>Nein, wenig ist es nicht halt, aber wir haben immer wieder diese Sache, wie konkurriert ihr mit einem Baum?

00:49:09.601 --> 00:49:11.900
<v Dirk Prüfer>Finde ich eine berechtigte Frage, habe ich mir damals auch Gedanken drüber gemacht.

00:49:11.901 --> 00:49:17.700
<v Dirk Prüfer>Weil so ein Kautschukbaum, das ist schon ein mächtiges Ding halt.

00:49:17.701 --> 00:49:22.400
<v Dirk Prüfer>Aber auch da darf man nicht vergessen, so ein Baum produziert pro Jahr 1,5 Kilogramm Naturkautschuk pro Jahr.

00:49:22.401 --> 00:49:28.900
<v Dirk Prüfer>Das ist nicht viel, ich dachte immer, das wäre viel viel mehr, ich dachte immer, das geht schon in den dreistelligen Kilogrammbereich.

00:49:28.901 --> 00:49:35.200
<v Dirk Prüfer>Auf dem Hektar stehen ungefähr 600 Bäume, also reden wir so grob über eine Tonne Naturkautschuk pro Hektar.

00:49:35.201 --> 00:49:41.400
<v Dirk Prüfer>Jetzt haben wir natürlich auch mit dem Löwenzahn viel viel mehr Pflanzen auf dem Feld.

00:49:41.401 --> 00:49:46.900
<v Dirk Prüfer>Und das, wenn wir jetzt diese 15 Prozent, die da sind in den Pflanzen und eben noch diese Biomasse erhöhen,

00:49:46.901 --> 00:49:51.000
<v Dirk Prüfer>wo wir gerade dran arbeiten, ist diese Tonne auch das absolut realistische Ziel.

00:49:51.001 --> 00:49:56.400
<v Dirk Prüfer>Also das müssen wir auch erreichen, um eben halt, ist halt so, man muss halt den Preis treffen,

00:49:56.401 --> 00:50:02.200
<v Dirk Prüfer>der auch bei dem Naturkautschukbaum eben da ist oder man muss dann eben…

00:50:02.101 --> 00:50:06.900
<v Dirk Prüfer>Exzellentere Produkte machen oder so High Quality Products oder irgendwas, aber das ist nicht das Ziel.

00:50:02.201 --> 00:50:02.100
<v Tim Pritlove>Oder mehr.

00:50:06.901 --> 00:50:09.700
<v Dirk Prüfer>Also es soll wirklich so eins zu eins Ersatz dann auch sein.

00:50:09.701 --> 00:50:15.400
<v Tim Pritlove>Aber der Vorteil ist ja im Prinzip, dass die Pflanze sehr viel anspruchsloser ist als dieser Kautschukbaum.

00:50:15.401 --> 00:50:20.300
<v Tim Pritlove>Während der Kautschukbaum eben dann nur in besonders heißen Regionen, ich weiß gar nicht was die Anforderungen jetzt sind,

00:50:20.301 --> 00:50:21.900
<v Tim Pritlove>dass der gut gedeihen kann.

00:50:21.901 --> 00:50:28.000
<v Dirk Prüfer>Das sind so Tropenwälder, also Südostasien, Malaysia, Thailand, da so die Länder, Indonesien.

00:50:28.001 --> 00:50:33.700
<v Tim Pritlove>Okay, also Hitze ist sozusagen ein Faktor, Luftfeuchtigkeit etc., Bodenbeschaffenheit natürlich auch.

00:50:33.701 --> 00:50:39.600
<v Tim Pritlove>Aber dieser Löwenzahn ist ja, ich meine, Löwenzahn kennt man ja, wächst ja überall, hat man so den Eindruck.

00:50:39.601 --> 00:50:42.000
<v Tim Pritlove>Gilt das auch für den russischen Löwenzahn?

00:50:42.001 --> 00:50:45.700
<v Dirk Prüfer>Ja, der ist ein bisschen schwäche auf der Brust, sage ich mal, als der einheimische halt.

00:50:45.701 --> 00:50:49.500
<v Dirk Prüfer>Den einheimischen kennt man ja, ist ja egal, wenn man auf dem Bürgersteig irgendwo in der Ecke.

00:50:49.501 --> 00:50:50.000
<v Tim Pritlove>Ist nicht wegzukriegen.

00:50:50.001 --> 00:50:53.000
<v Dirk Prüfer>Wächst halt überall.

00:50:53.001 --> 00:50:56.900
<v Dirk Prüfer>Und der russische Löwenzahn kann sich nicht gegen den einheimischen durchsetzen.

00:50:56.901 --> 00:51:01.300
<v Dirk Prüfer>Also wenn man so ein Feld hat, wo beide wachsen, dann überwächst der einheimische den russischen Löwenzahn.

00:51:01.301 --> 00:51:03.800
<v Dirk Prüfer>Das sieht man eindeutig.

00:51:03.801 --> 00:51:09.300
<v Dirk Prüfer>Natürlich wenn die jetzt züchterisch optimiert wird und die Pflanze natürlich auch immer mehr an die Bodenqualitäten hier angepasst ist,

00:51:09.301 --> 00:51:12.200
<v Dirk Prüfer>wird die sicherlich auch mal stärker werden halt.

00:51:12.201 --> 00:51:16.500
<v Dirk Prüfer>Aber auch da, also man wird um eine Düngung nicht rumkommen halt.

00:51:16.501 --> 00:51:18.600
<v Dirk Prüfer>Man wird auch um Pflanzenschutz nicht rumkommen.

00:51:18.601 --> 00:51:27.000
<v Dirk Prüfer>Das was ich eben sagte halt, in der Wildnis überhaupt kein Problem halt, aber da auf dem Feld in einer Monokultur muss man da auch schon was tun.

00:51:27.001 --> 00:51:31.800
<v Tim Pritlove>Aber im Prinzip könnte man sich ja jetzt auch noch mal bei dem einheimischen Löwenzahn genetisch bedienen oder?

00:51:31.801 --> 00:51:37.800
<v Dirk Prüfer>Das ist was wir auch tun, wir versuchen so Hybride zu machen, also wir kreuzen den russischen mit dem einheimischen

00:51:37.801 --> 00:51:42.500
<v Dirk Prüfer>und versuchen halt diese kautschuktragenden Anteile, also diese Gene, die Kautschuk produzieren,

00:51:42.501 --> 00:51:44.700
<v Dirk Prüfer>auf den einheimischen zu übertragen.

00:51:44.701 --> 00:51:46.000
<v Tim Pritlove>Sor um.

00:51:46.001 --> 00:51:47.800
<v Dirk Prüfer>Ja, das ist klassische Züchtung, man könnte jetzt wieder dieses …

00:51:47.801 --> 00:51:51.900
<v Tim Pritlove>Man könnte ja auch sagen, man kann auch die Anspruchslosigkeit auf den russischen übertragen.

00:51:51.901 --> 00:51:54.200
<v Dirk Prüfer>Das kann man auch machen, geht ja beide Wege halt.

00:51:54.201 --> 00:51:59.900
<v Dirk Prüfer>Also was aus Hybrid rauskommt, normalerweise diese Hybride die outperformen, nennt man das,

00:51:59.901 --> 00:52:02.600
<v Dirk Prüfer>also die werden besser als die beiden Eltern, die da drin sind.

00:52:02.601 --> 00:52:06.800
<v Dirk Prüfer>Das machen wir gerade auch halt, ist auch wieder ein längerer Prozess.

00:52:06.801 --> 00:52:09.800
<v Dirk Prüfer>Ist auch nichts was man von heute auf morgen machen kann.

00:52:09.801 --> 00:52:13.200
<v Dirk Prüfer>Einfacher wäre es natürlich jetzt wieder, ich nehme mir die Gene raus und bringe die rüber.

00:52:13.201 --> 00:52:16.400
<v Dirk Prüfer>Haben wir ja schon diskutiert, dass das nicht geht.

00:52:16.401 --> 00:52:22.900
<v Dirk Prüfer>Und aber von seiner Anspruchslosigkeit, also was wir schon sehen ist halt, die brauchen jetzt nicht diese Hochertragsböden.

00:52:22.901 --> 00:52:29.800
<v Dirk Prüfer>Wir gehen auf so Sekundärertragsflächen halt, das heißt das sind Flächen, die eigentlich nicht geeignet sind für die Nahrungsproduktion.

00:52:29.801 --> 00:52:32.900
<v Dirk Prüfer>Also auch wegzukommen von dieser Tank-Teller-Diskussion.

00:52:32.901 --> 00:52:37.600
<v Dirk Prüfer>Wird oftmals gesagt, naja nachher haben wir nichts mehr zu essen und Naturkautschuk für die Reifen.

00:52:37.601 --> 00:52:38.700
<v Dirk Prüfer>Nein, das wird es nicht sein.

00:52:38.701 --> 00:52:44.600
<v Tim Pritlove>Was für Flächen wären das dann, die quasi heute ungenutzt sind?

00:52:44.601 --> 00:52:47.000
<v Dirk Prüfer>Also die Flächenanzahl kenne ich gar nicht, aber vielleicht mal so ein Beispiel zu bringen,

00:52:47.001 --> 00:52:52.800
<v Dirk Prüfer>also wenn man diesen Mehrbedarf von diesen 400-500 Tausend Tonnen, der im Augenblick an Naturkautschuk besteht,

00:52:52.801 --> 00:52:58.700
<v Dirk Prüfer>als Deckungslücke für die 2030er Jahre, wenn man den mit russischem Löwenzahn jetzt decken wollte,

00:52:58.701 --> 00:53:02.500
<v Dirk Prüfer>reden wir über die Fläche von Mallorca ungefähr.

00:53:02.501 --> 00:53:08.300
<v Dirk Prüfer>Wenn man mit Russen redet, wo der natürlich im gesamten Bereich wachsen könnte, dann sagen die,…

00:53:08.301 --> 00:53:09.100
<v Tim Pritlove>Mallorca haben wir.

00:53:09.101 --> 00:53:11.000
<v Dirk Prüfer>… fällt nicht auf.

00:53:11.001 --> 00:53:11.800
<v Tim Pritlove>Ja.

00:53:11.801 --> 00:53:16.200
<v Dirk Prüfer>Und man kann ihn ja auch in ganz Europa noch, in ganz Nordamerika, im Süden eben halt Australien,

00:53:16.201 --> 00:53:21.200
<v Dirk Prüfer>Südafrika die Bereiche und dann auch Teile von Südamerika, Chile, Argentinien anpflanzen.

00:53:21.201 --> 00:53:25.900
<v Dirk Prüfer>Also die Kultivierungsgebiete wären groß halt, um da Flächen zu finden.

00:53:25.901 --> 00:53:29.700
<v Dirk Prüfer>Es gibt auch diese Frage immer gerne, was bräuchte man,

00:53:29.701 --> 00:53:33.700
<v Dirk Prüfer>wenn man die weltweite Gesamtproduktion Naturkautschuk mit dem Löwenzahn machen würde?

00:53:33.701 --> 00:53:39.100
<v Dirk Prüfer>Dann wäre das eine Fläche so ungefähr Österreich, Schweiz, also auch überschaubar.

00:53:39.101 --> 00:53:40.700
<v Dirk Prüfer>Also wenn man das mal auf den ganzen Planeten sehen würde.

00:53:40.701 --> 00:53:42.200
<v Dirk Prüfer>Aber das ist gar nicht unsere Intension.

00:53:42.201 --> 00:53:46.200
<v Dirk Prüfer>Also wir wollen wirklich den Mehrbedarf decken, weil also man darf nie vergessen,

00:53:46.201 --> 00:53:49.000
<v Dirk Prüfer>bei der ganzen Nachhaltigkeit haben wir ja auch die soziale Komponente drin.

00:53:49.001 --> 00:53:54.600
<v Dirk Prüfer>Wir wollen natürlich jetzt nicht die Arbeitsplätze in Südostasien vernichten, das sollte man auch nicht tun.

00:53:54.601 --> 00:53:59.900
<v Dirk Prüfer>Weil die Flächen, die da jetzt genutzt werden, die sind da und die wird man auch nie wieder zurückholen können als Urwälder.

00:53:59.901 --> 00:54:06.000
<v Dirk Prüfer>Und damit sollen die auch weiter ihren Naturkautschuk produzieren, aber nicht mehr diesen Mehrbedarf.

00:54:06.001 --> 00:54:09.300
<v Tim Pritlove>Ja, mehr sollte es nicht werden.

00:54:09.301 --> 00:54:15.000
<v Tim Pritlove>Das heißt, die Ziele für die Züchtung liegen jetzt da drin, also ich weiß nicht, kann man das noch steigern,

00:54:15.001 --> 00:54:17.500
<v Tim Pritlove>dass da noch mehr Kautschuk bei rauskommt?

00:54:17.501 --> 00:54:20.000
<v Dirk Prüfer>Also wir sehen jetzt, er kommt an die Grenze halt.

00:54:20.001 --> 00:54:24.300
<v Dirk Prüfer>Weil das ist klar, wenn so viel Kautschuk in der Wurzel ist, dann werden die anderen Funktionen nicht mehr richtig bedient.

00:54:24.301 --> 00:54:26.500
<v Tim Pritlove>Dann besteht das nur noch aus Gummi.

00:54:26.501 --> 00:54:30.900
<v Dirk Prüfer>Ja, also man sieht, wenn man an die 20 rankommt, sieht man auch schon so Wachstumsdepressionen,

00:54:30.901 --> 00:54:36.200
<v Dirk Prüfer>also die sehen nicht mehr so richtig gut aus halt.

00:54:36.201 --> 00:54:44.900
<v Tim Pritlove>Okay, aber so Resistenzen gegen Schädlinge, Resistenzen gegen Trockenheit, gut haben wir schon gehört, ist ja quasi eingebaut das Feature,

00:54:44.901 --> 00:54:47.900
<v Tim Pritlove>aber das sind ja auch Sachen, die man unter Umständen noch machen kann

00:54:47.901 --> 00:54:52.800
<v Tim Pritlove>und im Prinzip ist das ja so eine Transformation von so einer Wildpflanze, die eigentlich nichts will,

00:54:52.801 --> 00:54:58.400
<v Tim Pritlove>außer sich gegen irgendwelche Käfer oder sonst irgendwelche Würmer zu schützen, zu so einer richtigen Nutzpflanze.

00:54:58.401 --> 00:55:01.000
<v Tim Pritlove>Im Prinzip genauso wie dieses Maisbeispiel, was ich vorhin gemacht habe,

00:55:01.001 --> 00:55:04.000
<v Tim Pritlove>auch so der Mais, der da irgendwie erst mal so vor sich ihn existiert

00:55:04.001 --> 00:55:10.200
<v Tim Pritlove>und dann als Nahrungsquelle duschoptimiert wird.

00:55:10.201 --> 00:55:16.100
<v Tim Pritlove>Ja, so jetzt kommen wir doch noch mal vielleicht auf die Reifen, weil klag ja eben schon an,

00:55:16.101 --> 00:55:20.600
<v Tim Pritlove>wir reden jetzt nicht von irgendeinem könnte vielleicht unter Umständen irgendwann mal passieren,

00:55:20.601 --> 00:55:22.200
<v Tim Pritlove>sondern man kann das heute schon kaufen.

00:55:22.201 --> 00:55:31.700
<v Tim Pritlove>Also es gibt tatsächlich Produkte, konkret eben Reifen, hier steht so ein Fahrradreifen neben mir.

00:55:31.701 --> 00:55:35.300
<v Tim Pritlove>Das ist halt einfach so ein Fahrradreifen, würde ich jetzt sagen, wenn man jetzt hier nicht darauf geschrieben hätte,

00:55:35.301 --> 00:55:38.700
<v Tim Pritlove>woraus er gemacht ist, hätte ich jetzt irgendwie auch keinen Unterschied feststellen können,

00:55:38.701 --> 00:55:41.400
<v Tim Pritlove>weil es gibt diesen Unterschied in diesem Sinne eigentlich auch gar nicht oder?

00:55:41.401 --> 00:55:47.500
<v Dirk Prüfer>Nein, also das ist der sogenannte Urban Taraxagum, das ist so ein Trademark eben von der Continental

00:55:47.501 --> 00:55:52.800
<v Dirk Prüfer>und die haben, das ist eigentlich nicht der erste Reifen, der gebaut worden ist,

00:55:52.801 --> 00:55:57.400
<v Dirk Prüfer>wir haben also wirklich damals eigentlich angefangen mit PKW-Reifen, das war das erste.

00:55:57.401 --> 00:56:01.300
<v Dirk Prüfer>Also aus dem ersten Kautschuk, den wir erhalten haben, sind direkt PKW-Reifen gebaut worden,

00:56:01.301 --> 00:56:09.000
<v Dirk Prüfer>und zwar nicht so irgendwelche Prototypenreifen, die vielleicht irgendwie aussehen wie ein Reifen,

00:56:09.001 --> 00:56:13.600
<v Dirk Prüfer>sondern Conti hat damals gesagt, wir bauen direkt unseren besten Reifen aus Löwenzahn.

00:56:13.601 --> 00:56:18.400
<v Dirk Prüfer>Und den vergleichen wir dann auch mit dem aus dem Kautschukbaum direkt.

00:56:18.401 --> 00:56:23.300
<v Dirk Prüfer>Dann sind dann, ich weiß gar nicht mehr die Zahl, es waren zweistellige Zahlen halt,

00:56:23.301 --> 00:56:29.300
<v Dirk Prüfer>irgendwo 30-40 Reifen daraus gebaut worden und die sind dann eben halt auch diesen Herz- und Nierentests unterworfen worden.

00:56:29.301 --> 00:56:34.500
<v Dirk Prüfer>Das heißt, sie sind einmal auf diesem Contidrom, das ist so eine kleine Formel 1 Strecke,

00:56:34.501 --> 00:56:39.400
<v Dirk Prüfer>die da im Norden von Hannover ist, getestet worden von diesen Testfahrern auch.

00:56:39.401 --> 00:56:44.800
<v Dirk Prüfer>Die also nichts anderes machen, als diese Neuentwicklungen von Conti dann eben zu prüfen.

00:56:44.801 --> 00:56:49.600
<v Dirk Prüfer>Und da sind alle Tests super abgeschlossen.

00:56:49.601 --> 00:56:51.800
<v Dirk Prüfer>War jetzt nicht irgendwie, dass ihnen die Dinger um die Ohren geflogen sind,

00:56:51.801 --> 00:56:57.400
<v Dirk Prüfer>sondern die haben alles mit der gleichen Bravour abgeschlossen wie das Pendant aus dem Kautschukbaum.

00:56:57.401 --> 00:57:03.500
<v Dirk Prüfer>Dann sind sie auch im Winter getestet worden irgendwo in Nordfinnland oder Nordschweden unter diesen winterlichen Bedingungen.

00:57:03.501 --> 00:57:08.000
<v Dirk Prüfer>Da kommen wir wieder auf diesen Winterreifen zurück, wo man Kautschuk eben braucht, Naturkautschuk.

00:57:08.001 --> 00:57:10.500
<v Dirk Prüfer>Auch da waren die Werte gut.

00:57:10.501 --> 00:57:14.700
<v Dirk Prüfer>Und danach sind LKW-Reifen gebaut worden, also ein stückweit größer halt,

00:57:14.701 --> 00:57:20.100
<v Dirk Prüfer>also das ist schon massiv, wenn man da so einen LKW-Reifen mal stehen hat, ganz andere Dimensionen.

00:57:20.101 --> 00:57:21.600
<v Dirk Prüfer>Und alle diese Werte waren positiv.

00:57:21.601 --> 00:57:26.100
<v Dirk Prüfer>Und dann sind Alterungen getestet worden, also hält der Reifen auch, UV-Stabilität

00:57:26.101 --> 00:57:28.600
<v Dirk Prüfer>und das ist alles positiv.

00:57:28.601 --> 00:57:30.100
<v Dirk Prüfer>Und dann kamen wir zu dem Punkt, naja was macht man jetzt?

00:57:30.101 --> 00:57:38.000
<v Dirk Prüfer>Jetzt hat man eine Pflanze und wir konnten einen Hektar oder zwei Hektar anbauen pro Jahr.

00:57:38.001 --> 00:57:39.500
<v Dirk Prüfer>Was machen wir jetzt?

00:57:39.501 --> 00:57:41.900
<v Tim Pritlove>Also zwei Tonnen Gummi.

00:57:41.901 --> 00:57:48.200
<v Dirk Prüfer>Na, das war da noch viel weniger halt, da waren wir bei 100 Kilo angekommen oder irgendwas.

00:57:48.201 --> 00:57:55.000
<v Dirk Prüfer>Also wenn wir doch jetzt wirklich zeigen wollen, dass das eine nachhaltige Quelle für Naturkautschuk ist, müssen wir skalieren.

00:57:55.001 --> 00:57:59.700
<v Dirk Prüfer>Und dann kam die Idee eben auf, da haben wir damals viele Gespräche geführt eben mit Anklam,

00:57:59.701 --> 00:58:05.900
<v Dirk Prüfer>das ist in Mecklenburg-Vorpommern oben, unter Hiddensee so geografisch.

00:58:05.901 --> 00:58:11.800
<v Dirk Prüfer>Stadt von Otto Lilienthal, also der kommt daher, da gibt es auch ein schönes Museum.

00:58:11.801 --> 00:58:13.600
<v Tim Pritlove>Was ist da in Anklam?

00:58:13.601 --> 00:58:16.900
<v Dirk Prüfer>Das ist da insofern, da gibt es eine Zuckerfabrik und ich hatte da mal einen Vortrag gehalten

00:58:16.901 --> 00:58:22.700
<v Dirk Prüfer>und ich fand immer die Logistik von einer Zuckerfabrik wäre auch die richtige für so eine Kautschukfabrik.

00:58:22.701 --> 00:58:23.700
<v Tim Pritlove>Warum?

00:58:23.701 --> 00:58:29.200
<v Dirk Prüfer>Weil die haben zentral ihre Fabrik, ringsum, so sagt man, 50-80 Kilometer Radius hat man die Felder.

00:58:29.201 --> 00:58:31.100
<v Dirk Prüfer>Dann werden die Rüben da hingebracht.

00:58:31.101 --> 00:58:36.900
<v Dirk Prüfer>Die haben einen großen Vorhof, wo die die Rüben hinwerfen, dann werden die gewaschen, geschnetzelt und so weiter.

00:58:36.901 --> 00:58:42.600
<v Dirk Prüfer>Eigentlich genauso, man würde den Löwenzahn vom Feld holen, legt den irgendwo auf eine Miete,

00:58:42.601 --> 00:58:47.800
<v Dirk Prüfer>mal in Anführungsstrichen, davor, kommt in eine Waschstraße rein, weil da ist natürlich auch Erde dran,

00:58:47.801 --> 00:58:53.700
<v Dirk Prüfer>das sind ja beides Feldfrüchte, wo man den unterirdischen Teil dann nimmt halt.

00:58:53.701 --> 00:58:57.100
<v Dirk Prüfer>Muss dann auch geschnetzelt werden, also das ist so ein bisschen von der Logistik ähnlich.

00:58:57.101 --> 00:59:03.600
<v Dirk Prüfer>Und die Böden sind da genau die, die wir eigentlich haben wollten, relativ sandige Böden auch.

00:59:03.601 --> 00:59:07.000
<v Dirk Prüfer>Und hatten dann damals damit gesprochen und Conti hat es dann übernommen und hat dann gesagt,

00:59:07.001 --> 00:59:13.100
<v Dirk Prüfer>okay, dann gehen wir jetzt den nächsten Schritt und haben dann eben halt eine Versuchsstätte da hingebaut.

00:59:13.101 --> 00:59:17.400
<v Dirk Prüfer>Also das ist schon recht groß dieses Anklam, das heißt /unverständlich/,

00:59:17.401 --> 00:59:21.600
<v Dirk Prüfer>das ist eine relativ große Einheit, wo nicht nur der Kautschukextraktionsprozess,

00:59:21.601 --> 00:59:25.200
<v Dirk Prüfer>also die Mühlen sind jetzt viel größer geworden als wir die je hatten.

00:59:25.201 --> 00:59:27.500
<v Dirk Prüfer>Also wir hatten so kleine, die sahen aus wie eine Waschmaschine.

00:59:27.501 --> 00:59:28.800
<v Tim Pritlove>Kaffeemühlen sozusagen.

00:59:28.801 --> 00:59:30.000
<v Dirk Prüfer>Ja so ungefähr.

00:59:30.001 --> 00:59:34.900
<v Dirk Prüfer>Und das sind jetzt natürlich riesige Dinger, die da stehen halt, das hat dann schon Dimensionen, das ist eine riesige Halle.

00:59:34.901 --> 00:59:38.400
<v Tim Pritlove>Aber die Wurzeln müssen ja vorher noch getrocknet werden, liegen die dann einfach in der Sonne?

00:59:38.401 --> 00:59:42.100
<v Dirk Prüfer>Nein, die werden gekocht und kommen dann direkt nass in die Mühlen auch rein.

00:59:42.101 --> 00:59:43.300
<v Tim Pritlove>Ah okay.

00:59:43.301 --> 00:59:44.700
<v Dirk Prüfer>Und man braucht natürlich entsprechendes Feld.

00:59:44.701 --> 00:59:49.200
<v Dirk Prüfer>Und dann haben die natürlich jetzt auch mit vielen Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern dann ihre Verträge,

00:59:49.201 --> 00:59:50.700
<v Dirk Prüfer>dass die eben halt den Löwenzahn für die anbauen.

00:59:50.701 --> 00:59:52.700
<v Tim Pritlove>Entschuldigung, warum muss der gekocht werden?

00:59:52.701 --> 00:59:59.500
<v Dirk Prüfer>Diese Wurzel wird dann im Prinzip erst mal weicher als sie so ist

00:59:59.501 --> 01:00:02.400
<v Dirk Prüfer>und dieses Polymer wird dann auch verfestigt ein bisschen.

01:00:02.401 --> 01:00:04.500
<v Tim Pritlove>Gummipolymer.

01:00:04.501 --> 01:00:05.800
<v Dirk Prüfer>Ja, genau.

01:00:05.801 --> 01:00:06.700
<v Tim Pritlove>Also es wird noch besser durch das Kochen?

01:00:06.701 --> 01:00:08.200
<v Dirk Prüfer>Es wird besser zu extrahieren halt.

01:00:08.201 --> 01:00:10.200
<v Tim Pritlove>Besser zu extrahieren, ah okay.

01:00:10.201 --> 01:00:12.900
<v Dirk Prüfer>Und das passiert jetzt gerade.

01:00:12.901 --> 01:00:15.700
<v Dirk Prüfer>Also jährlich wird das dann eben hochskaliert.

01:00:15.701 --> 01:00:20.200
<v Dirk Prüfer>Und das ist auch so was, das ist schwer zu erklären, also am Anfang sagt man,

01:00:20.201 --> 01:00:22.900
<v Dirk Prüfer>jetzt könnt ihr doch morgen schon Autoreifen bauen, und zwar als Serie.

01:00:22.901 --> 01:00:27.700
<v Dirk Prüfer>Conti sagt immer, und das finde ich auch gut, wir gehen dann mit Reifen auf den Markt,

01:00:27.701 --> 01:00:29.800
<v Dirk Prüfer>wenn wir auch den Markt nachhaltig bedienen können.

01:00:29.801 --> 01:00:33.600
<v Dirk Prüfer>Es nützt uns nichts, wenn wir sagen, wir produzieren jetzt, sage ich mal, dieses Jahr eine Million Autoreifen

01:00:33.601 --> 01:00:37.300
<v Dirk Prüfer>und nächstes Jahr können wir nicht, weil die Nachhaltigkeit nicht gegeben ist.

01:00:37.301 --> 01:00:40.100
<v Dirk Prüfer>Und deswegen skalieren die gerade.

01:00:40.101 --> 01:00:43.200
<v Dirk Prüfer>Und in der Skalierung fällt natürlich unwahrscheinlich viel Kautschuk an

01:00:43.201 --> 01:00:44.700
<v Dirk Prüfer>und deswegen baut man jetzt erst mal diese Fahrradreifen daraus.

01:00:44.701 --> 01:00:49.700
<v Tim Pritlove>Weil man da einfach sehr viel weniger Markt oder weniger Material hat, um diesen Markt zu bedienen.

01:00:49.701 --> 01:00:51.900
<v Dirk Prüfer>Genau und man muss es nicht wegwerfen halt.

01:00:51.901 --> 01:00:57.900
<v Dirk Prüfer>Man hat schon ein super Produkt und macht jetzt die Skalierung und da wollte ich eigentlich drauf hinaus.

01:00:57.901 --> 01:01:02.700
<v Dirk Prüfer>Ich kann nicht sagen, ich mache heute einen Hektar und morgen 100 Hektar,

01:01:02.701 --> 01:01:04.700
<v Dirk Prüfer>weil irgendeiner muss das Saatgut produzieren.

01:01:04.701 --> 01:01:08.100
<v Dirk Prüfer>Das ist jetzt bei Zuckerrübe oder bei Raps, da gibt es große Saatgutproduzenten,

01:01:08.101 --> 01:01:13.800
<v Dirk Prüfer>da kann ich sagen, ich brauche für 100, 200, 10000, 40000 Hektar Saatgut, die sind ja darauf eingestellt.

01:01:13.801 --> 01:01:16.600
<v Dirk Prüfer>Hier muss erst mal die gesamte Kette aufgebaut werden.

01:01:16.601 --> 01:01:22.700
<v Dirk Prüfer>Das sind so Dinge, die man, also ich zum Beispiel als jemand, der an der Universität arbeitet, nie dran gedacht hat.

01:01:22.701 --> 01:01:28.100
<v Dirk Prüfer>Muss ja irgendwann mal einer da sein, der sagt, ich mache mal zigtausend Kilogramm Löwenzahnsaatgut.

01:01:28.101 --> 01:01:31.800
<v Dirk Prüfer>Und das kann sich jeder zu Hause mal anschauen, wenn ich so eine Pusteblume habe,

01:01:31.801 --> 01:01:35.200
<v Dirk Prüfer>wieviel Saatgut da drin ist, können wir vielleicht auf eine Küchenwaage legen, da wird man sehr enttäuscht sein.

01:01:35.201 --> 01:01:38.400
<v Dirk Prüfer>Dann kann man sich mal vorstellen, was man für Mengen da produzieren muss,

01:01:38.401 --> 01:01:42.500
<v Dirk Prüfer>um überhaupt so viele Felder zu bauen und das passiert jetzt gerade, man skaliert.

01:01:42.501 --> 01:01:46.300
<v Tim Pritlove>Gehört ja auch noch eine Ökonomie dazu im landwirtschaftlichen Betrieb.

01:01:46.301 --> 01:01:53.100
<v Tim Pritlove>Ich meine, es muss ja auch dort angenommen werden und als Gelegenheit auch angesehen werden, das sind ja auch langfristige Entscheidungen.

01:01:53.101 --> 01:01:58.800
<v Tim Pritlove>Man muss Maschinenprozesse, ausgebildete Mitarbeiter etc. haben.

01:01:58.801 --> 01:02:05.400
<v Tim Pritlove>Man muss das irgendwie auch, sagen wir mal, in so eine Firma integrieren und ist ja auch in gewisser Hinsicht ein Investitionswagnis.

01:02:05.401 --> 01:02:10.900
<v Dirk Prüfer>Genau. Also das war auch am Anfang so ein bisschen unser Problem, als wir mit den ersten Landwirten gesprochen haben

01:02:10.901 --> 01:02:13.900
<v Dirk Prüfer>und das noch nicht so publik war auch.

01:02:13.901 --> 01:02:17.000
<v Dirk Prüfer>Da haben die uns immer gesagt, wir sind doch nicht bescheuert, wir bauen doch kein Unkraut an.

01:02:17.001 --> 01:02:20.600
<v Dirk Prüfer>Also /unverständlich/

01:02:20.601 --> 01:02:24.600
<v Dirk Prüfer>Und das ist auch das Problem, die meisten Pflanzenschutzmittel, die wirken natürlich gegen Löwenzahn auch halt,

01:02:24.601 --> 01:02:28.000
<v Dirk Prüfer>weil man das ja eigentlich nicht haben möchte.

01:02:28.001 --> 01:02:32.800
<v Dirk Prüfer>Aber und das war eigentlich wirklich spannend, als diese ersten Anbauversuche waren

01:02:32.801 --> 01:02:37.700
<v Dirk Prüfer>und auch die gesehen haben, da ist wirklich ein Markt, dann kamen auch so viele Tüftler rein halt.

01:02:37.701 --> 01:02:43.500
<v Dirk Prüfer>Weil man musste, es gab nicht die Sämaschine zum Beispiel, wie kann ich Löwenzahn säen.

01:02:43.501 --> 01:02:50.200
<v Dirk Prüfer>Dann hat an natürlich Maschinen, die da im Park drinstehen, ob das jetzt Rapssaatgutsäer oder irgendwas sind, ausprobiert,

01:02:50.201 --> 01:02:52.900
<v Dirk Prüfer>aber man musste auch immer wieder mal ein bisschen was umschrauben halt.

01:02:52.901 --> 01:02:54.800
<v Tim Pritlove>Weil die Samen andere Größe haben?

01:02:54.801 --> 01:02:59.800
<v Dirk Prüfer>Weil die eine andere Größe haben halt, und die Ablage eine andere ist, als das man es bei Gräsern macht.

01:02:59.801 --> 01:03:02.400
<v Tim Pritlove>Also wie tief die dann da rein müssen und so?

01:03:02.401 --> 01:03:07.600
<v Dirk Prüfer>Genau, der darf nicht sehr tief drin sitzen, weil der, wenn er zu tief ist, dann keimt er nicht mehr.

01:03:07.601 --> 01:03:13.300
<v Dirk Prüfer>Dann ist es auch von der Größe, das ist noch nicht so richtig homogen, dass alle Saatkörner gleich groß sind.

01:03:13.301 --> 01:03:17.200
<v Dirk Prüfer>Die sind auch nicht pilliert, das kennt man ja, so Pillen eben, wo so Zuckerrübensaatgut drin ist,

01:03:17.201 --> 01:03:22.300
<v Dirk Prüfer>die werden als Pillen abgelegt, dann gibt es so ein großes Rad, wo die einzelnen Dinger drin sitzen und abgelegt werden.

01:03:22.301 --> 01:03:23.700
<v Dirk Prüfer>Das gab es alles nicht.

01:03:23.701 --> 01:03:25.300
<v Tim Pritlove>Als Pillen?

01:03:25.301 --> 01:03:27.900
<v Dirk Prüfer>Das nennt man Pillierung, das sieht aus wie so eine kleine Pille und da ist das Saatgut mitten drin

01:03:27.901 --> 01:03:31.600
<v Dirk Prüfer>und außen drum ist eben halt so eine Polymerschicht eben halt.

01:03:31.601 --> 01:03:32.400
<v Tim Pritlove>Warum?

01:03:32.401 --> 01:03:36.700
<v Dirk Prüfer>Das ist einmal, weil man es besser ablegen kann und dann sind aber auch noch Nährstoffe da drin halt.

01:03:36.701 --> 01:03:40.500
<v Tim Pritlove>Ah, so ein Kickstartdüngemittel sozusagen dabei.

01:03:40.501 --> 01:03:47.400
<v Dirk Prüfer>Genau. Ja. Und Erntemaschinen gab es nicht, keine Spritzmittel, also Pflanzenschutz.

01:03:47.401 --> 01:03:54.500
<v Dirk Prüfer>Alles geht gegen Löwenzahn, wenn ich da so ein normales Herbizid drauf spritze, ist der auch weg halt.

01:03:54.501 --> 01:03:57.200
<v Dirk Prüfer>Also unwahrscheinlich viele Herausforderungen gerade in der landwirtschaftlichen Praxis.

01:03:57.201 --> 01:04:02.000
<v Dirk Prüfer>Das wird aber jetzt gelernt und wir kriegen mittlerweile Anrufe, wir haben gehört, ihr macht doch da oben und so

01:04:02.001 --> 01:04:06.600
<v Dirk Prüfer>und wir sitzen jetzt hier irgendwo im Hunsrück(?) oder am Niederrhein oder wo immer auch,

01:04:06.601 --> 01:04:09.600
<v Dirk Prüfer>würden wir auch gerne machen halt.

01:04:09.601 --> 01:04:13.500
<v Dirk Prüfer>Also liegt auch viel daran, weil man diese klassischen Feld/unverständlich/,

01:04:13.501 --> 01:04:17.500
<v Dirk Prüfer>Zuckerrübe ist ja unter Druck gekommen halt, weil ja so diese Subventionen wegfallen

01:04:17.501 --> 01:04:22.200
<v Dirk Prüfer>oder das Zuckerrübengeld wegfällt, kommt immer wieder jetzt mehr aus Südamerika,

01:04:22.201 --> 01:04:25.500
<v Dirk Prüfer>ich halte es für eine schlechte Entwicklung, weil das geht wieder auf die Regenwälder,

01:04:25.501 --> 01:04:29.900
<v Dirk Prüfer>dass da Zuckerrohr angebaut wird, ist aber jetzt erst mal so.

01:04:29.901 --> 01:04:32.000
<v Dirk Prüfer>Und deswegen suchen die auch Ersatz.

01:04:32.001 --> 01:04:37.100
<v Dirk Prüfer>Und jede Pflanze, die wir in diese Agro… man redet gern so über Agrobiodiversität.

01:04:37.101 --> 01:04:43.900
<v Dirk Prüfer>Also wir brauchen mehr Kulturpflanzen, außer eben nur Mais anzubauen halt oder Zuckerrübe anzubauen.

01:04:43.901 --> 01:04:47.600
<v Dirk Prüfer>Dann die Getreide, die wir haben halt, Kartoffeln und so was.

01:04:47.601 --> 01:04:52.300
<v Tim Pritlove>Weil das einfach die Böden auslaugt, weil quasi immer dieselben Stoffe entnommen werden.

01:04:52.301 --> 01:04:57.100
<v Dirk Prüfer>Das ist einmal und vor allem auch es gibt Regionen, wo ich nicht diese breite Palette mehr habe halt.

01:04:57.101 --> 01:05:00.700
<v Dirk Prüfer>Wenn mir da die Zuckerrübe rausfällt, dann habe ich da nicht mehr viel andere Sachen

01:05:00.701 --> 01:05:06.600
<v Dirk Prüfer>oder Roggen rausfällt oder irgendwas halt, und dann sind die heilfroh, wenn es mal was anderes gibt.

01:05:06.601 --> 01:05:10.700
<v Dirk Prüfer>Wir sehen auch so ein bisschen einen Vorteil, also wenn man diese Diskussion sieht mit,

01:05:10.701 --> 01:05:16.600
<v Dirk Prüfer>Insekten sterben halt, also Löwenzahn ist schon eine attraktive Pflanze für Insekten.

01:05:16.601 --> 01:05:20.800
<v Dirk Prüfer>Wir sehen doch viele Bienen da drauf, das sieht man auch zu Hause.

01:05:20.801 --> 01:05:21.600
<v Tim Pritlove>Auch auf dem russischen?

01:05:21.601 --> 01:05:23.800
<v Dirk Prüfer>Auch auf dem russischen ja.

01:05:23.801 --> 01:05:29.300
<v Dirk Prüfer>Und man muss dann nur wieder auch aufpassen, deswegen wir haben so Stakeholderdialoge auch,

01:05:29.301 --> 01:05:34.100
<v Dirk Prüfer>also wir haben von Anfang immer gesagt, machen wir nicht diesen closed Job,

01:05:34.101 --> 01:05:38.300
<v Dirk Prüfer>also sitzt Conti, Fraunhofer und Uni sitzt zusammen und wir denken uns was schönes aus,

01:05:38.301 --> 01:05:42.200
<v Dirk Prüfer>sondern lasst uns frühzeitig mit der Öffentlichkeit reden.

01:05:42.201 --> 01:05:48.100
<v Dirk Prüfer>Also wir machen jährlich so ein Seminar, wo auch eben halt NGOs drin sind, also da sitzen durchaus BUND,

01:05:48.101 --> 01:05:53.600
<v Dirk Prüfer>vom Bund, von Nabu Vertreter drin, denen wir die Dinge vorstellen und fragen die aktiv auch,

01:05:53.601 --> 01:05:55.400
<v Dirk Prüfer>also seht ihr Problem oder nicht.

01:05:55.401 --> 01:06:01.100
<v Dirk Prüfer>Und auch interessant halt, dann war das Zellaer Bieneninstitut drin und der hat uns dann gesagt,

01:06:01.101 --> 01:06:10.200
<v Dirk Prüfer>ja Löwenzahn ist gut, gar keine Frage, ihr dürft nur nicht den Fehler machen halt,

01:06:10.201 --> 01:06:15.300
<v Dirk Prüfer>wenn man ein Überangebot hat an Löwenzahn, dann werden natürlich die Bienen präferenziell das nehmen.

01:06:15.301 --> 01:06:18.600
<v Dirk Prüfer>Dann ist ja irgendwann der Löwenzahn verblüht und wenn danach nichts kommt,

01:06:18.601 --> 01:06:20.200
<v Dirk Prüfer>kann das auch negative Wirkungen haben.

01:06:20.201 --> 01:06:25.400
<v Dirk Prüfer>Deswegen ist auch so ein bisschen der Versuch eben halt, das kann man beim Löwenzahn sehr schön machen,

01:06:25.401 --> 01:06:30.400
<v Dirk Prüfer>der blüht also nicht nur im Mai, sondern blüht auch noch im Juni, im Juli und so weiter halt.

01:06:30.401 --> 01:06:34.100
<v Dirk Prüfer>Man nennt das sehr blühfreudig, dieses Ding halt.

01:06:34.101 --> 01:06:35.400
<v Tim Pritlove>Ah, je nachdem wann er gepflanzt wird?

01:06:35.401 --> 01:06:37.500
<v Dirk Prüfer>Nein, auch so.

01:06:37.501 --> 01:06:38.600
<v Dirk Prüfer>Also der ist nicht so synchron wie unsere.

01:06:38.601 --> 01:06:44.100
<v Dirk Prüfer>Hier kennt man das ja, im Mai sind die ganzen Wiesen voll mit diesen gelben Blüten.

01:06:44.101 --> 01:06:48.200
<v Dirk Prüfer>Im Juni, spätestens im Juli ist das vorbei.

01:06:48.201 --> 01:06:48.800
<v Tim Pritlove>Ja.

01:06:48.801 --> 01:06:50.100
<v Dirk Prüfer>Das ist bei dem ein bisschen anders.

01:06:50.101 --> 01:06:55.300
<v Dirk Prüfer>Auf der einen Seite schön für Insekten, auf der anderen Seite nicht so gut für die agronomische Praxis,

01:06:55.301 --> 01:07:03.700
<v Dirk Prüfer>alldieweil Blüte kostet Energie und man will ja eigentlich die Energie dafür haben, dass er viel Naturkautschuk macht,

01:07:03.701 --> 01:07:08.900
<v Dirk Prüfer>deswegen wird es da auch sicherlich langfristig dann dahin gehen, dass man versucht, das alles zu synchronisieren halt.

01:07:08.901 --> 01:07:16.400
<v Dirk Prüfer>Aber das ist alles steuerbar und da muss man sich das genau anschauen

01:07:16.401 --> 01:07:18.500
<v Dirk Prüfer>und das ist wichtig, dass wir diese Begleitforschung haben.

01:07:18.501 --> 01:07:23.300
<v Dirk Prüfer>Also wir haben Wissenschaftler dabei, die schauen sich an, was passiert mit Bienen, die da drauf sitzen

01:07:23.301 --> 01:07:27.900
<v Dirk Prüfer>oder anderen, also Wildbienen vor allem auch, andere Insekten, aber gibt es auch Auskreuzungspotenzial.

01:07:27.901 --> 01:07:32.100
<v Dirk Prüfer>Also ist das jetzt so, dass wenn ich da jetzt hektarweise russischen Löwenzahn habe,

01:07:32.101 --> 01:07:34.300
<v Dirk Prüfer>dass das überall hingeht durch die Pusteblumen, dass also überall…

01:07:34.301 --> 01:07:36.700
<v Tim Pritlove>Also es ist auch eine Pusteblume?

01:07:36.701 --> 01:07:41.900
<v Dirk Prüfer>Ist auch eine Pusteblume und das wird aber gemacht, wir haben einen Spezialisten,

01:07:41.901 --> 01:07:44.600
<v Dirk Prüfer>den Herrn Uhlemann, der schaut sich an, gibt es Hybridisierung,

01:07:44.601 --> 01:07:47.400
<v Dirk Prüfer>das heißt also, kreuzt der russische Löwenzahn sich mit dem einheimischen

01:07:47.401 --> 01:07:56.600
<v Dirk Prüfer>und man bekommt neue Varietäten daraus oder wie gesagt, kann dadurch die Pusteblume irgendwo in Naturschutzgebiete reingehen

01:07:56.601 --> 01:07:59.400
<v Dirk Prüfer>und auf einmal haben wir da überall den Löwenzahn stehen.

01:07:59.401 --> 01:08:02.200
<v Dirk Prüfer>Haben wir nicht, kann ich direkt beantworten.

01:08:02.201 --> 01:08:07.000
<v Dirk Prüfer>Also das liegt noch ein bisschen daran, dass diese Pflanze halt einfach nicht so diese Durchtriebskraft hat.

01:08:07.001 --> 01:08:12.400
<v Dirk Prüfer>Kann man auch sehr schön sehen, wir haben, als wir den Löwenzahn haben wollten,

01:08:12.401 --> 01:08:18.300
<v Dirk Prüfer>das habe ich noch gar nicht gesagt, das war gar nicht so einfach da ranzukommen,

01:08:18.301 --> 01:08:22.700
<v Dirk Prüfer>weil diese Löwenzähne, die in so Saatgutbänken abgelegt worden sind weltweit,

01:08:22.701 --> 01:08:28.900
<v Dirk Prüfer>also botanische Gärten, die haben alle die falsche Pflanze abgelegt, das war nicht der russische Löwenzahn.

01:08:28.901 --> 01:08:32.000
<v Dirk Prüfer>Sind dann auch in die Gebiete gegangen eben halt, wo das mal angebaut worden ist,

01:08:32.001 --> 01:08:39.000
<v Dirk Prüfer>und man findet den nicht, also der ist keine invasive Art, das ist uns auch bescheinigt von den entsprechenden Behörden.

01:08:39.001 --> 01:08:44.300
<v Dirk Prüfer>Aber trotzdem wird das beobachtet halt, dass also jetzt nicht irgendwann mal der Moment kommt und man denkt,

01:08:44.301 --> 01:08:44.300
<v Dirk Prüfer>jetzt haben wir …

01:08:44.301 --> 01:08:46.400
<v Tim Pritlove>Das war jetzt nicht so eine gute Idee.

01:08:46.401 --> 01:08:50.800
<v Dirk Prüfer>Weil das ist auch so ein bisschen verrückt, also wenn man in der Gesellschaft diese Diskussion führt,

01:08:50.801 --> 01:08:53.600
<v Dirk Prüfer>alle finden Löwenzahn so als Symbol der Ökologie, finden die toll.

01:08:53.601 --> 01:09:01.000
<v Dirk Prüfer>Man sieht ja auch sehr oft so diese Pusteblume, aber keiner will es im Garten haben halt.

01:09:01.001 --> 01:09:06.600
<v Dirk Prüfer>Da gibt es ja diese Ausstecher und diese ganzen Sachen halt und das sieht man immer wieder.

01:09:06.601 --> 01:09:11.700
<v Dirk Prüfer>Deswegen muss man da aufpassen halt, dass man jetzt nicht da eben zu beiträgt,

01:09:11.701 --> 01:09:17.200
<v Dirk Prüfer>dass auf einmal diese Pflanze invasiv wird halt, deswegen wird sich das auch genau angeschaut.

01:09:17.201 --> 01:09:21.000
<v Tim Pritlove>Es gibt ja jetzt auch so, das führt jetzt vielleicht ein bisschen zu weit,

01:09:21.001 --> 01:09:24.500
<v Tim Pritlove>aber gerade wenn man jetzt so intensiv an so einer Pflanze forscht, ist das ja vielleicht auch etwas,

01:09:24.501 --> 01:09:33.900
<v Tim Pritlove>was man ausprobieren kann, dass man jetzt im zunehmenden Maße Lebensmittel auch so nicht auf dem freien Feld angebaut werden,

01:09:33.901 --> 01:09:38.700
<v Tim Pritlove>sondern mit so hydroponischen Systemen, so quasi sich so Fabriken baut,

01:09:38.701 --> 01:09:41.100
<v Tim Pritlove>wo Lebensmittel gezüchtet werden.

01:09:41.101 --> 01:09:49.000
<v Tim Pritlove>Ist das für solche Nutzpflanzen auch eine Option, dass sozusagen jenseits des Feldes zu machen?

01:09:49.001 --> 01:09:53.000
<v Dirk Prüfer>Also wir haben an dem Fraunhofer Institut in Aachen, also in der Mutter von dieser Außenstelle,

01:09:53.001 --> 01:09:56.600
<v Dirk Prüfer>da haben wir auch so eine Vertical Farm stehen.

01:09:56.601 --> 01:10:00.900
<v Dirk Prüfer>Das Problem ist einfach, dieser Löwenzahn, dieser Kautschuk, der produziert wird,

01:10:00.901 --> 01:10:04.000
<v Dirk Prüfer>in dieser hydroponischen Kultur wird der nicht gemacht.

01:10:04.001 --> 01:10:07.500
<v Dirk Prüfer>Das ist so, ich sage immer gerne, das ist ein Wellnesstempel für eine Pflanze halt.

01:10:07.501 --> 01:10:11.500
<v Dirk Prüfer>Unter den Bedingungen macht sie das, dass sie schön wächst halt,

01:10:11.501 --> 01:10:15.900
<v Dirk Prüfer>aber alle Stoffe, die sie braucht, um so ein bisschen Abwehr zu machen, scheinen so runtergefahren zu werden halt.

01:10:15.901 --> 01:10:17.400
<v Dirk Prüfer>Also wir haben ganz ganz große Wurzeln.

01:10:17.401 --> 01:10:23.900
<v Tim Pritlove>Ach so, weil das Gummi ist ja ein Schutz und wenn es nichts gibt, gegen das man sich wehren muss, dann fällt das weg.

01:10:23.901 --> 01:10:27.800
<v Dirk Prüfer>Es kann auch einfach der fehlende Kontakt zur Erde sein.

01:10:27.801 --> 01:10:32.500
<v Dirk Prüfer>Das kann multifaktoriell sein, aber wir haben dann wirklich schöne Wurzeln, aber da ist kein Kautschuk mehr drin halt.

01:10:32.501 --> 01:10:37.600
<v Dirk Prüfer>Jetzt gibt es auch eine Berechnung aus Amerika, die haben das wirklich mal am Computer durchgerechnet,

01:10:37.601 --> 01:10:45.600
<v Dirk Prüfer>also selbst wenn es gehen würde, ist das Primärinvest, um überhaupt mal in Produktionsbereiche reinzukommen von ein paar Tonnen,

01:10:45.601 --> 01:10:50.800
<v Dirk Prüfer>liegt bei 13 Milliarden US Dollar, was man investieren müsste, um die ganzen Farmen aufzubauen,

01:10:50.801 --> 01:10:59.200
<v Dirk Prüfer>um da jährlich eine Maintenance, also diese Erhaltung von diesen Kulturen, von rund 1,3 Millionen Dollar,

01:10:59.201 --> 01:11:04.300
<v Dirk Prüfer>und solange ein Kilogramm Kautschuk 1,30 Euro kostet, brauchen wir über so was nicht reden halt.

01:11:04.301 --> 01:11:07.900
<v Dirk Prüfer>Also das kann man wirklich mit Pflanzen machen, das ist ja was man im Augenblick auch sieht,

01:11:07.901 --> 01:11:14.300
<v Dirk Prüfer>wenn man mal in die Supermärkte geht, das sind Gewürzpflanzen, die natürlich hochpreisig sind,

01:11:14.301 --> 01:11:21.700
<v Dirk Prüfer>da lohnt sich das, aber wenn ich jetzt wirklich an eine Pflanze gehe, wo der Rohstoffertrag relativ gering ist,

01:11:21.701 --> 01:11:23.900
<v Dirk Prüfer>dann wird sich das noch nicht rechnen.

01:11:23.901 --> 01:11:27.500
<v Dirk Prüfer>Das wird vielleicht mal kommen, wenn es mal draußen nicht mehr geht.

01:11:27.501 --> 01:11:33.400
<v Dirk Prüfer>Also wenn es wirklich einen Klimawandel gibt, der so intensiv ist, dass wir Nutzpflanzen auf dem Feld nicht mehr anbauen können,

01:11:33.401 --> 01:11:36.800
<v Dirk Prüfer>dann wird man natürlich diese Dinge neu überdenken.

01:11:36.801 --> 01:11:40.800
<v Tim Pritlove>Mit anderen Worten, eigentlich ist die Pflanze ideal gerade für Böden, die jetzt,

01:11:40.801 --> 01:11:47.000
<v Tim Pritlove>haben wir ja auch schon gesagt, jetzt nicht unbedingt primär für Lebensmittelproduktion infrage kommen,

01:11:47.001 --> 01:11:56.600
<v Tim Pritlove>aber vielleicht auch für Böden, die auch generell derzeit auch so für die Agrarindustrie so nicht im Auge war?

01:11:56.601 --> 01:12:02.100
<v Dirk Prüfer>Also was mir sehr am Herzen liegt ist, wir haben auch so Kooperationen halt gerade mit diesen Revieren halt jetzt,

01:12:02.101 --> 01:12:04.000
<v Dirk Prüfer>wo es den Strukturwandel gibt.

01:12:04.001 --> 01:12:07.100
<v Dirk Prüfer>Wir haben in Zusammenarbeit mit dem rheinischen Revier, das ist noch nicht mit dem Löwenzahn,

01:12:07.101 --> 01:12:12.300
<v Dirk Prüfer>aber da arbeite ich gerade dran, das sind ja diese Rekultivierungsflächen halt und die sind primär erst mal …

01:12:12.301 --> 01:12:15.300
<v Tim Pritlove>Also so Tagebauflächen.

01:12:15.301 --> 01:12:18.800
<v Dirk Prüfer>Ja. Und wir wissen ja, die Ausstiegsszenarien wie sie aussehen halt

01:12:18.801 --> 01:12:24.300
<v Dirk Prüfer>und es wird natürlich versucht auch, in diesen Regionen Alternativen zu etablieren.

01:12:24.301 --> 01:12:27.600
<v Dirk Prüfer>Jetzt wäre es eigentlich aus meiner Sicht natürlich auch eine schöne Initiative zu sagen,

01:12:27.601 --> 01:12:35.000
<v Dirk Prüfer>es gibt ja in Europa oder in Deutschland und in Europa generell und auch in Nordamerika gibt es ja keine kautschukproduzierende Industrie.

01:12:35.001 --> 01:12:38.900
<v Dirk Prüfer>Habe ich, glaube ich, eben schon mal erwähnt und man könnte natürlich diese Regionen nehmen,

01:12:38.901 --> 01:12:41.100
<v Dirk Prüfer>um halt so was da zu etablieren.

01:12:41.101 --> 01:12:46.700
<v Dirk Prüfer>Das hieße, man macht jetzt nicht mehr Braunkohle als Beispiel, sondern man macht Naturkautschuk.

01:12:46.701 --> 01:12:50.900
<v Dirk Prüfer>Man hat da eine Fabrik stehen, die Naturkautschuk produziert, hat natürlich riesige Flächen,

01:12:50.901 --> 01:12:56.800
<v Dirk Prüfer>die da rekultiviert worden sind, eben halt die jetzt erst mal nicht für die Nahrungsmittelproduktion vorgesehen sind

01:12:56.801 --> 01:13:00.700
<v Dirk Prüfer>und könnte da so was schon so durchaus implementieren.

01:13:00.701 --> 01:13:02.500
<v Tim Pritlove>Würde das auch den Böden zugute kommen?

01:13:02.501 --> 01:13:03.300
<v Dirk Prüfer>Mit Sicherheit.

01:13:03.301 --> 01:13:07.900
<v Dirk Prüfer>Also das ist ja auch so bei Löwenzahn, das sieht man sehr oft, das sind auch so eine der ersten Pflanzen, die kommen halt.

01:13:07.901 --> 01:13:13.500
<v Dirk Prüfer>Bodenverfestigung und und und halt, aber auch Eintrag an Nährstoffen und diese Dinge halt.

01:13:13.501 --> 01:13:17.800
<v Dirk Prüfer>Strukturierung von Böden, also man könnte sich so was durchaus vorstellen halt.

01:13:17.801 --> 01:13:26.200
<v Dirk Prüfer>Und ich glaube, der Wille ist da, das zu tun und wie gesagt, wir würden dann auch Szenarien haben,

01:13:26.201 --> 01:13:30.400
<v Dirk Prüfer>dass wir gar nicht mehr an Flächen gehen, die irgendwie mal landwirtschaftlich genutzt werden,

01:13:30.401 --> 01:13:33.000
<v Dirk Prüfer>sondern wir würden auf vollkommen neue Flächen auch gehen können.

01:13:33.001 --> 01:13:37.600
<v Dirk Prüfer>Mit dem Charme eben halt auch, dass man da eben eine neue Industrie etabliert,

01:13:37.601 --> 01:13:42.200
<v Dirk Prüfer>die eben halt auch für die Leute, die da jetzt irgendwann mal eben aus der Braunkohle rausgehen

01:13:42.201 --> 01:13:49.000
<v Dirk Prüfer>und keine Arbeit mehr haben, vielleicht da eine neue Zukunft finden können auch.

01:13:49.001 --> 01:13:54.100
<v Tim Pritlove>Klingt ja eigentlich alles ganz vielversprechend, wenn ich das mal so sagen darf.

01:13:54.101 --> 01:13:56.300
<v Tim Pritlove>Auf jeden Fall ist hier noch Arbeit zu leisten, aber die wird jetzt auch geleistet.

01:13:56.301 --> 01:14:03.200
<v Tim Pritlove>Diese Kooperation geht weiter und ist auch langfristig auf sicherem Terrain?

01:14:03.201 --> 01:14:07.700
<v Dirk Prüfer>Ja, das ist was, also das ist eine eingeschworene Gemeinschaft worden halt.

01:14:07.701 --> 01:14:12.400
<v Dirk Prüfer>Das ist schön zu sehen halt, ich sage immer gerne, wenn man mich vor zehn Jahren gefragt hätte,

01:14:12.401 --> 01:14:16.100
<v Dirk Prüfer>was ein Reifen ist, ja da hätte ich nicht viel zu sagen können.

01:14:16.101 --> 01:14:19.500
<v Dirk Prüfer>Wenn man vor zehn Jahren bei Conti jemanden gefragt hätte, was denn Pflanzenzüchtung ist,

01:14:19.501 --> 01:14:23.900
<v Dirk Prüfer>wäre das wahrscheinlich auch sehr mau gewesen, was da rausgekommen wäre.

01:14:23.901 --> 01:14:26.200
<v Dirk Prüfer>Also wir haben sehr viel voneinander gelernt, wir haben sehr viel Vertrauen aufgebaut.

01:14:26.201 --> 01:14:29.500
<v Dirk Prüfer>Klar gibt es hin und wieder auch Streit, das ist immer so.

01:14:29.501 --> 01:14:35.600
<v Dirk Prüfer>Gibt es auch in der besten Familie, aber das soll schon langfristig sein, ja.

01:14:35.601 --> 01:14:41.600
<v Tim Pritlove>Ja, dann fällt mir jetzt auch nichts mehr ein, was ich noch fragen könnte.

01:14:41.601 --> 01:14:48.100
<v Tim Pritlove>Eine schöne Geschichte ist das auf jeden Fall, weil es auch schön zeigt,

01:14:48.101 --> 01:14:56.100
<v Tim Pritlove>glaube ich, wie der Grundlagenforschungsbereich auch sehr aktiv so zum industriellen Geschehen beitragen kann,

01:14:56.101 --> 01:15:04.000
<v Tim Pritlove>und nebenbei auch noch so ein paar Probleme unserer Umweltzerstörungsproblematiken auch noch mit einsammelt.

01:15:04.001 --> 01:15:07.000
<v Tim Pritlove>Und so kann es weitergehen meiner Meinung nach.

01:15:07.001 --> 01:15:12.300
<v Dirk Prüfer>Ja. Kann ich nur unterstützen und vielen Dank für das wirklich angenehme Gespräch halt.

01:15:12.301 --> 01:15:13.200
<v Tim Pritlove>Ja, ich habe zu danken.

01:15:13.201 --> 01:15:22.300
<v Dirk Prüfer>Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren dann auch diese Autoreifen dann aus Löwenzahn also auf dem PKW sehen und auf dem LKW,

01:15:22.301 --> 01:15:23.500
<v Dirk Prüfer>das würde mich schon doch sehr freuen.

01:15:23.501 --> 01:15:26.400
<v Tim Pritlove>Aber wenn man es auf dem Fahrrad haben will, dann kann man jetzt schon zugreifen.

01:15:26.401 --> 01:15:28.200
<v Dirk Prüfer>Da kann man jetzt zugreifen.

01:15:28.201 --> 01:15:30.600
<v Tim Pritlove>Alles klar, Herr Prüfer, vielen Dank.

01:15:30.601 --> 01:15:31.700
<v Dirk Prüfer>Ich habe zu danken.

01:15:31.701 --> 01:15:33.900
<v Tim Pritlove>Und vielen Dank fürs Zuhören hier bei Forschergeist.

01:15:33.901 --> 01:15:38.400
<v Tim Pritlove>Bald geht es wieder weiter und bis dahin sage ich, tschüss und bis bald.
