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Podcast: Forschergeist
Episode: FG087 Computertomographie
Publishing Date: 2021-10-31T10:04:41+01:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg087-computertomographie/

00:00:43.101 --> 00:00:47.500
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:47.501 --> 00:00:53.900
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle hier zur Ausgabe 87 bei Forschergeist.

00:00:53.901 --> 00:00:56.800
<v Tim Pritlove>Und heute geht es um die Zukunft.

00:00:56.801 --> 00:01:08.200
<v Tim Pritlove>Denn es sind vor ein paar Tagen die Nominierungen veröffentlicht worden für den deutschen Zukunftspreis 2021,

00:01:08.201 --> 00:01:13.000
<v Tim Pritlove>bei dem unter anderem auch der Stifterverband seine Finger mit im Spiel hat.

00:01:13.001 --> 00:01:19.500
<v Tim Pritlove>Und das ist ein Preis, der besondere technische Entwicklungen belohnt im Ingenieursbereich

00:01:19.501 --> 00:01:22.600
<v Tim Pritlove>oder auch im naturwissenschaftlichen Bereich.

00:01:22.601 --> 00:01:27.400
<v Tim Pritlove>Und wir wollen das zum Anlass nehmen, mit diesen nominierten Gruppen zu sprechen.

00:01:27.401 --> 00:01:32.700
<v Tim Pritlove>Und heute ist die erste Folge davon und dazu bin ich nach Forchheim gefahren zu Siemens,

00:01:32.701 --> 00:01:37.900
<v Tim Pritlove>zu den Siemens Healthineers und begrüße meinen Gesprächspartner für heute, nämlich Thomas Flohr.

00:01:37.901 --> 00:01:38.900
<v Tim Pritlove>Schönen guten Tag Herr Flohr.

00:01:38.901 --> 00:01:41.400
<v Thomas Flohr>Schönen guten Tag.

00:01:41.401 --> 00:01:48.800
<v Tim Pritlove>Ja Herr Flohr, wir sind hier bei Siemens, Siemens ist ja in vielen Bereichen unterwegs, das weiß man

00:01:48.801 --> 00:01:51.700
<v Tim Pritlove>und genauso auch in der Gesundheitstechnik.

00:01:51.701 --> 00:01:59.200
<v Tim Pritlove>Dieser Standort ist im Wesentlichen dafür prädestiniert, hier wird sehr viel gemacht, richtig?

00:01:59.201 --> 00:02:05.600
<v Thomas Flohr>Naja, an diesem Standort hier in Forchheim ist eigentlich ein Hauptzentrum der medizinischen Technik.

00:02:05.601 --> 00:02:14.000
<v Thomas Flohr>Hier sind verschiedene Geschäftsbereiche, wie wir das nennen, untergebracht, unter anderem die Computertomographie.

00:02:14.001 --> 00:02:17.700
<v Tim Pritlove>Genau, und um die soll es heute im Wesentlichen auch gehen.

00:02:17.701 --> 00:02:21.000
<v Tim Pritlove>Sie sind ja in diesem Bereich engagiert.

00:02:21.001 --> 00:02:28.900
<v Tim Pritlove>Und ja eine neue Entwicklung im Bereich der Computertomographie die hat dann auch zu dieser Nominierung für den Zukunftspreis geführt.

00:02:28.901 --> 00:02:35.100
<v Tim Pritlove>Bevor wir darüber sprechen, würde mich natürlich erst mal interessieren, wie Sie selbst zum Ingenieur geworden sind.

00:02:35.101 --> 00:02:43.100
<v Tim Pritlove>Was hat Sie denn in diesen Feld gezogen, waren Sie schon immer hier unterwegs oder ist das eher eine jüngere Entwicklung?

00:02:43.101 --> 00:02:46.100
<v Thomas Flohr>Naja, jetzt bin ich zunächst mal kein Ingenieur, sondern Physiker.

00:02:46.101 --> 00:02:49.700
<v Thomas Flohr>Das ist jetzt vielleicht ein kleines Detail, aber schon, glaube ich, wichtig.

00:02:49.701 --> 00:02:52.400
<v Tim Pritlove>Okay, wichtig.

00:02:52.401 --> 00:03:02.700
<v Thomas Flohr>Ich bin in diesem Gebiet eigentlich schon tätig, seit ich von der Universität abgegangen bin.

00:03:02.701 --> 00:03:09.500
<v Thomas Flohr>Ich habe mich mein ganzes Berufsleben lang mit der Computertomographie beschäftigt.

00:03:09.501 --> 00:03:20.100
<v Thomas Flohr>Ist vielleicht etwas ungewöhnlich, aber hat auch dazu geführt, dass ich, glaube ich, schon mit der Methode sehr verwurzelt bin.

00:03:20.101 --> 00:03:21.500
<v Tim Pritlove>Wie kam es denn dazu?

00:03:21.501 --> 00:03:31.900
<v Thomas Flohr>Es kam dazu ganz einfach, ich war promoviert an der Uni, war fertig, habe mir überlegt, bleibst du jetzt an der Uni, machst du eine Unikarriere

00:03:31.901 --> 00:03:40.600
<v Thomas Flohr>oder gehst du in die Industrie und habe mich dann letztendlich entschieden, nein du gehst in die Industrie.

00:03:40.601 --> 00:03:56.200
<v Thomas Flohr>Einfach aus dem Grund, weil ich im Grunde immer auch sehen wollte, dass aus den Sachen, an denen ich arbeite, irgendein Produkt entsteht, irgendwas nützliches.

00:03:56.201 --> 00:04:09.000
<v Thomas Flohr>Also ich war immer weniger an der hehren Grundlagenforschung interessiert, sondern daran, was wirklich anwendbares, praktisches zu machen.

00:04:09.001 --> 00:04:14.200
<v Tim Pritlove>Das ist ja immer so ein Konflikt, denke ich, in dem alle Wissenschaftler in irgendeiner Form stehen.

00:04:14.201 --> 00:04:14.800
<v Thomas Flohr>Ja.

00:04:14.801 --> 00:04:22.500
<v Tim Pritlove>ob man sich jetzt mehr der Lehre, der Forschung, der Grundlagenforschung widmet oder es in der Industrie macht.

00:04:22.501 --> 00:04:25.300
<v Tim Pritlove>Jetzt hätte ich gern gefragt, wie vergleichen Sie denn die beiden?

00:04:25.301 --> 00:04:29.300
<v Tim Pritlove>Aber Sie haben ja im Prinzip auch nur die eine Seite wirklich jetzt richtig durchlebt oder?

00:04:29.301 --> 00:04:33.400
<v Thomas Flohr>Naja, das ist an sich kein Widerspruch.

00:04:33.401 --> 00:04:44.800
<v Thomas Flohr>Ich habe die eine Seite durchlebt, auf Seiten der Industrie, bin aber nebenbei auch zum Beispiel an der Universität tätig,

00:04:44.801 --> 00:04:52.300
<v Thomas Flohr>an der Universität Tübingen, da konnte ich mich habilitieren im Bereich medizinische Technik.

00:04:52.301 --> 00:05:04.900
<v Thomas Flohr>Ich halte da auch durchaus mal Vorlesungen oder gebe Studentenkurse und das ist, finde ich, sehr bereichernd, auch diesen Aspekt zu sehen.

00:05:04.901 --> 00:05:12.800
<v Thomas Flohr>Also es heißt nicht, dass jemand, der in der Industrie arbeitet, dann für die Wissenschaft oder die Forschung verloren ist.

00:05:12.801 --> 00:05:16.700
<v Thomas Flohr>Das lässt sich durchaus vereinbaren.

00:05:16.701 --> 00:05:19.100
<v Tim Pritlove>Ja, kommen Sie auch dazu, Papers zu schreiben irgendwie auch wirklich?

00:05:19.101 --> 00:05:21.500
<v Thomas Flohr>Ja, natürlich ja.

00:05:21.501 --> 00:05:29.300
<v Thomas Flohr>Das ist auch ein wesentlicher Teil dessen, was wir in meiner/unserer Arbeitsgruppe tun.

00:05:29.301 --> 00:05:38.000
<v Thomas Flohr>Wir sind auch selber wissenschaftlich präsent, wir schreiben Papers, wir nehmen an Konferenzen teil.

00:05:38.001 --> 00:05:43.300
<v Tim Pritlove>Mit anderen Worten, eigentlich genau das gleiche, aber man hat mehr Impact was die tatsächliche Produktentwicklung betrifft,

00:05:43.301 --> 00:05:46.800
<v Tim Pritlove>weil das kann man ja eigentlich mit der Grundlagenforschung nur sehr indirekt beeinflussen.

00:05:46.801 --> 00:05:55.800
<v Thomas Flohr>Man hat in der Industrie sicher mehr Impact, was die tatsächliche Produktentwicklung betrifft, als an einer Universität, wo man so was,

00:05:55.801 --> 00:06:00.100
<v Thomas Flohr>wie Sie sagen, vermutlich eher indirekt beeinflussen kann.

00:06:00.101 --> 00:06:09.600
<v Tim Pritlove>Was muss ein Unternehmen so bereit halten, damit diese Integration von Wissenschaft auch wirklich so einen starken Forschungsschwerpunkt hat,

00:06:09.601 --> 00:06:12.100
<v Tim Pritlove>wo ja im Prinzip dasselbe Problem mitschwingt?

00:06:12.101 --> 00:06:18.800
<v Tim Pritlove>Man forscht zunächst einmal an etwas, von dem man eigentlich noch nicht weiß, ob man da in irgendeiner Form zum Ziel kommen wird.

00:06:18.801 --> 00:06:24.300
<v Tim Pritlove>Das ist ja eigentlich auch immer etwas, was so im Raum schwebt, gehen wir jetzt diesen Weg, gehen wir jetzt diesen Weg,

00:06:24.301 --> 00:06:26.700
<v Tim Pritlove>das kann aber sehr teuer sein.

00:06:26.701 --> 00:06:28.900
<v Tim Pritlove>Ja was glaubt ihr denn, wie erfolgreich ihr sein werdet?

00:06:28.901 --> 00:06:32.100
<v Tim Pritlove>Wissen wir nicht, kann fünf Jahre dauern, kann zwei Monate dauern.

00:06:32.101 --> 00:06:35.900
<v Tim Pritlove>Wie stellt sich ein Unternehmen an der Stelle auf, um so was zu ermöglichen?

00:06:35.901 --> 00:06:44.600
<v Thomas Flohr>Naja, man sollte die Freiheit haben, an solchen auch länger reichweitigen Themen konsequent arbeiten zu können.

00:06:44.601 --> 00:06:53.200
<v Thomas Flohr>Auch dann, wenn zum Beispiel allererste Erfolge ausbleiben, man aber von der Methode überzeugt ist, das weiter verfolgen zu können.

00:06:53.201 --> 00:07:00.300
<v Thomas Flohr>Und diese Freiheit die haben wir hier bei Siemens Healthineers gehabt oder haben sie immer noch.

00:07:00.301 --> 00:07:11.500
<v Thomas Flohr>Wir hatten auch den Support, also die Unterstützung vom Management, ein so lang reichweitiges Projekt, wie das photonenzählende CT,

00:07:11.501 --> 00:07:19.400
<v Thomas Flohr>wirklich über viele Jahre weiter zu verfolgen und über diese Unterstützung und diese Freiheit bin ich eigentlich dankbar.

00:07:19.401 --> 00:07:31.800
<v Tim Pritlove>Die Computertomographie ist ja heute ein extrem wichtiger Teil in der Medizintechnik, in der Diagnostik.

00:07:31.801 --> 00:07:38.500
<v Tim Pritlove>Ich glaube, jeder von uns ist schon irgendwann mal durch die Röhre geschoben worden zum einen oder anderen Moment.

00:07:38.501 --> 00:07:42.200
<v Tim Pritlove>Wenn man mal so ein bisschen auf die Entwicklung schaut und ich würde ganze gerne mal so ein bisschen gucken,

00:07:42.201 --> 00:07:44.300
<v Tim Pritlove>was sich jetzt eigentlich über die Zeit so getan hat.

00:07:44.301 --> 00:07:51.700
<v Tim Pritlove>Wir habe, glaube ich, nächstes Jahr Jubiläum für diese Technologie, 1972 wurde der erste Topograph zur Anwendung gebracht,

00:07:51.701 --> 00:07:52.400
<v Tim Pritlove>wenn ich das richtig sehe.

00:07:52.401 --> 00:07:53.600
<v Thomas Flohr>Ja.

00:07:53.601 --> 00:08:03.700
<v Tim Pritlove>Wo kommt diese Idee eigentlich her, welcher Bedarf sollte hier gedeckt werden und was war der erste Ansatz, der diese Geräte zum Leben erweckt hat?

00:08:03.701 --> 00:08:12.900
<v Thomas Flohr>Vor der Computertomographie gab es eigentlich keine Möglichkeit, wirklich in das Innere des menschlichen Körpers zu schauen.

00:08:12.901 --> 00:08:14.200
<v Thomas Flohr>Man hatte das klassische Röntgen.

00:08:14.201 --> 00:08:20.500
<v Thomas Flohr>Das klassische Röntgen macht aber letztendlich Überlagerungsbilder.

00:08:20.501 --> 00:08:26.600
<v Thomas Flohr>Das heißt, auf einem Röntgenbild sehen Sie die Überlagerung aller Strukturen längs des Röntgenstrahls.

00:08:26.601 --> 00:08:32.800
<v Thomas Flohr>Und da ist es klar, dass ja dichte Strukturen, wie zum Beispiel Knochen, alles dominieren.

00:08:32.801 --> 00:08:39.200
<v Thomas Flohr>Auf einem Röntgenbild des Schädels sieht man deshalb eigentlich nur die knöcherne Schädelkalotte,

00:08:39.201 --> 00:08:43.400
<v Thomas Flohr>man kann aber nicht in das Gehirn schauen.

00:08:43.401 --> 00:08:50.400
<v Thomas Flohr>Früher konnte man deshalb nur sehr mittelbar Aussagen machen über Veränderungen im Gehirn,

00:08:50.401 --> 00:08:56.800
<v Thomas Flohr>mit zum Teil für den Patienten sehr belastenden Untersuchungsverfahren.

00:08:56.801 --> 00:08:58.400
<v Tim Pritlove>Also invasive Methoden?

00:08:58.401 --> 00:09:00.200
<v Thomas Flohr>Invasive Methoden.

00:09:00.201 --> 00:09:10.300
<v Thomas Flohr>Die Computertomographie war die erste Methode, die es ermöglicht hat, überlagerungsfreie Bilder des Körperinneren zu erzeugen,

00:09:10.301 --> 00:09:17.100
<v Thomas Flohr>auf denen auch kleine Kontrastunterschiede, zum Beispiel der Unterschied zwischen dem Gehirn und einer Blutung

00:09:17.101 --> 00:09:20.800
<v Thomas Flohr>oder dem Gehirn und einem Tumor, deutlich sichtbar waren.

00:09:20.801 --> 00:09:32.400
<v Thomas Flohr>Das war der revolutionäre Schritt, den die Computertomographie gemacht hat im Jahr 72, als sie eingeführt wurde.

00:09:32.401 --> 00:09:37.400
<v Tim Pritlove>Was vielleicht nicht unbedingt allen sofort klar ist, ist, wie eigentlich ein Computertomograph funktioniert.

00:09:37.401 --> 00:09:46.500
<v Tim Pritlove>Das besondere ist ja, also auch hier kommt ja Röntgenstrahlung zum Einsatz und anders als jetzt bei einem normalen Röntgenbild,

00:09:46.501 --> 00:09:53.200
<v Tim Pritlove>wo man im Prinzip eine Quelle hat und dann geht das eben durch den Körper und auf der anderen Seite nimmt man das über eine entsprechende Platte,

00:09:53.201 --> 00:09:58.100
<v Tim Pritlove>die quasi belichtet wird durch diese Röntgenstrahlen, nimmt man das auf und schaut sich das dann an und sagt so,

00:09:58.101 --> 00:10:03.800
<v Tim Pritlove>ja okay, ist gebrochen oder ist nicht gebrochen, das war ja im Wesentlichen erst mal so, auch das war schon revolutionär,

00:10:03.801 --> 00:10:10.400
<v Tim Pritlove>weil man muss ja noch nicht mal in den Körper reinschauen, aber um eben sozusagen auch die Weichteile jetzt in irgendeiner Form erfassen zu können

00:10:10.401 --> 00:10:16.800
<v Tim Pritlove>und zu schauen was drin ist, muss man im Prinzip sich um den Körper herumdrehen und viele Bilder auf einmal aufnehmen.

00:10:16.801 --> 00:10:17.400
<v Thomas Flohr>Ja.

00:10:17.401 --> 00:10:21.700
<v Tim Pritlove>Das heißt, die Grundeigenschaft des Computertomographen ist zunächst einmal diese rotierende Strahlung?

00:10:21.701 --> 00:10:32.300
<v Thomas Flohr>Ja, ein Computertomograph ist letztendlich ein Röntgenstrahler und ein auf der anderen Seite des Patienten angeordneter Röntgendetektor,

00:10:32.301 --> 00:10:39.100
<v Thomas Flohr>der übernimmt die Rolle des klassischen Films, der zeichnet die Röntgenquanten oder die Röntgenstrahlen auf,

00:10:39.101 --> 00:10:44.300
<v Thomas Flohr>die den Patienten durchdrungen haben und wandelt sie in elektrische Signale um.

00:10:44.301 --> 00:10:49.200
<v Thomas Flohr>Diese Anordnung aus Röntgenstrahler und Detektor dreht sich um den Patienten

00:10:49.201 --> 00:10:57.600
<v Thomas Flohr>und nimmt während der Rotation etwa 1000 einzelne dünne Röntgenbilder des Patienten auf.

00:10:57.601 --> 00:11:10.500
<v Thomas Flohr>Und aus diesen Daten berechnet dann ein Computer das eigentliche CT-Bild, das die Weichteile des Patienten in einer Schicht abbildet.

00:11:10.501 --> 00:11:13.600
<v Tim Pritlove>Damit es so eine Schicht sein kann, muss ja dieser Detektor dann auch …

00:11:13.601 --> 00:11:16.300
<v Tim Pritlove>Also es ist dann eben nicht so eine breite Platte, wie man das bei einem normalen Röntgenbild hat.

00:11:16.301 --> 00:11:23.600
<v Thomas Flohr>Das ist nicht eine breite Platte, sondern aus dem Röntgenstrahl wird ein dünner Fächer ausgeblendet.

00:11:23.601 --> 00:11:30.500
<v Thomas Flohr>So eine typische Schicht in der Computertomographie ist ein bis fünf Millimeter dick.

00:11:30.501 --> 00:11:35.900
<v Thomas Flohr>Mit modernen Detektoren werden mehrere nebeneinanderliegende Schichten aufgenommen,

00:11:35.901 --> 00:11:38.600
<v Thomas Flohr>typischerweise zum Beispiel 64.

00:11:38.601 --> 00:11:39.100
<v Tim Pritlove>Damit es schneller geht?

00:11:39.101 --> 00:11:41.000
<v Thomas Flohr>Damit es schneller geht.

00:11:41.001 --> 00:11:46.300
<v Tim Pritlove>Und ist dann auch kein punktförmiger Detektor, also es geht jetzt nicht nur ein Strahl geradeaus,

00:11:46.301 --> 00:11:49.400
<v Tim Pritlove>sondern es ist im Prinzip so ein Fächer, wie ein größerer Winkel.

00:11:49.401 --> 00:11:55.200
<v Thomas Flohr>Das ist ein Fächer, man kann sich das vorstellen wie so ein Pixel-Array in der Digitalkamera.

00:11:55.201 --> 00:12:01.100
<v Thomas Flohr>Das hat in Fächerrichtung, also längs des Patientenquerschnitts, etwa 1000 Pixel

00:12:01.101 --> 00:12:11.200
<v Thomas Flohr>und senkrecht dazu, also in Patientenlängsrichtung etwa typischerweise 64 bis 300 Pixel.

00:12:11.201 --> 00:12:12.500
<v Tim Pritlove>Also mehrere Schichten gleichzeitig.

00:12:12.501 --> 00:12:12.800
<v Thomas Flohr>Mehrer Schichten gleichzeitig.

00:12:12.801 --> 00:12:16.100
<v Tim Pritlove>Und jede Schicht wird dann eben in diese 1000 Pixel aufgelöst.

00:12:16.101 --> 00:12:17.300
<v Thomas Flohr>Genau.

00:12:17.301 --> 00:12:23.900
<v Tim Pritlove>Wenn der Strahl dann kommt, der rotiert dann durch und dann gibt es 1000 Bilder pro Umdrehung.

00:12:23.601 --> 00:12:24.700
<v Tim Pritlove>In der Größenordnung.

00:12:23.901 --> 00:12:23.600
<v Thomas Flohr>Ja.

00:12:24.701 --> 00:12:25.600
<v Thomas Flohr>In der Größenordnung.

00:12:25.601 --> 00:12:26.700
<v Tim Pritlove>Nicht alle Geräte sind da gleich.

00:12:26.701 --> 00:12:30.200
<v Thomas Flohr>Nicht alle Geräte sind da gleich, aber das ist eine typische Größe, ja.

00:12:30.201 --> 00:12:31.900
<v Tim Pritlove>Und was ist dieser Detektor?

00:12:31.901 --> 00:12:35.800
<v Tim Pritlove>Was detektiert diesen Strahl?

00:12:35.801 --> 00:12:36.800
<v Thomas Flohr>Der Detektor besteht aus…

00:12:36.801 --> 00:12:38.400
<v Tim Pritlove>Also in der klassischen Computertomographie.

00:12:38.401 --> 00:12:43.400
<v Thomas Flohr>Der klassische Detektor besteht aus lauter einzelnen kleinen Detektorpixeln.

00:12:43.401 --> 00:12:48.800
<v Thomas Flohr>Ein solches Detektorpixel ist etwa ein mal ein Millimeter groß.

00:12:48.801 --> 00:12:58.100
<v Thomas Flohr>Und in einem klassischen Detektor besteht es aus einem Szintillator, das ist Gadoliniumoxid oder Gadoliniumoxysulfid.

00:12:58.101 --> 00:13:03.200
<v Tim Pritlove>Also ein Szintillator ist ein Element, was die Röntgenstrahlung in Licht umwandelt, richtig?

00:13:03.201 --> 00:13:05.400
<v Thomas Flohr>Ja, das wollte ich gerade eben sagen.

00:13:05.401 --> 00:13:14.600
<v Thomas Flohr>Es besteht aus einem Szintillator und einer Fotodiode an der Rückseite dieses Szintillators und die Detektion der Röntgenquanten verläuft in zwei Stufen.

00:13:14.601 --> 00:13:23.000
<v Thomas Flohr>Der Szintillator absorbiert das Röntgenlicht und wandelt seine Energie in sichtbares Licht um.

00:13:23.001 --> 00:13:26.700
<v Thomas Flohr>Der beginnt ganz simpel zu leuchten, in den meisten Fällen ist das schön gelb.

00:13:26.701 --> 00:13:29.500
<v Thomas Flohr>Also der beginnt wirklich schön gelb zu leuchten.

00:13:29.501 --> 00:13:39.800
<v Thomas Flohr>Und dieses Licht wird dann von der Fotodiode, die an der Rückseite angebracht ist, aufgenommen und in den elektrischen Strompuls verwandelt.

00:13:39.801 --> 00:13:46.900
<v Tim Pritlove>Das heißt, die Röntgenstrahlung wird vom Körper beim Durchleuchten des Körpers mehr oder weniger absorbiert.

00:13:46.901 --> 00:13:47.900
<v Thomas Flohr>Ja.

00:13:47.901 --> 00:13:52.700
<v Tim Pritlove>Entsprechend stärker oder schwächer ist das Röntgensignal, trifft auf diesen Szintillator

00:13:52.701 --> 00:13:58.900
<v Tim Pritlove>und das führt dann letzten Endes auch zu einem stärkeren oder schwächeren Lichtsignal, was man dann in den entsprechenden Strom umsetzt.

00:13:58.901 --> 00:14:01.500
<v Thomas Flohr>Im Prinzip ja.

00:14:01.501 --> 00:14:05.300
<v Thomas Flohr>Wobei ein Detail dabei wichtig ist.

00:14:05.301 --> 00:14:10.400
<v Thomas Flohr>Die Röntgenstrahlung, die aus dem Röntgenstrahler kommt, die hat ja nicht nur eine Energie,

00:14:10.401 --> 00:14:24.300
<v Thomas Flohr>sondern das ist ein breites Energieband von Röntgenstrahlen mit Energien von typischerweise 30 Kiloelektronenvolt bis etwa 120 Kiloelektronenvolt.

00:14:24.301 --> 00:14:28.300
<v Thomas Flohr>Das ist so die typische Beschleunigungsspannung einer Röntgenröhre.

00:14:28.301 --> 00:14:37.100
<v Thomas Flohr>Diese Photonen verschiedener Energie werden von den verschiedenen Geweben des Körpers auch verschieden geschwächt.

00:14:37.101 --> 00:14:46.300
<v Thomas Flohr>Nachdem die Röntgenstrahlen den Körper durchtreten haben, sind sie also nicht nur von ihrer Intensität her geschwächt,

00:14:46.301 --> 00:14:51.200
<v Thomas Flohr>sondern auch von ihrer Energieverteilung verändert.

00:14:51.201 --> 00:15:01.800
<v Thomas Flohr>Und diese Energieverteilung gibt an sich eine wichtige Information darüber, welche Gewebe da jetzt durchstrahlt worden sind.

00:15:01.801 --> 00:15:07.000
<v Thomas Flohr>Gerade diese Energieverteilung kann ein konventioneller Detektor aber nicht messen.

00:15:07.001 --> 00:15:13.600
<v Tim Pritlove>So ein bisschen wie mit der Atmosphäre, wo bestimmte Frequenzen, sichtbares Licht kommt durch, andere Strahlung wird absorbiert

00:15:13.601 --> 00:15:15.900
<v Tim Pritlove>und genauso ist es dann halt auch.

00:15:15.901 --> 00:15:22.000
<v Thomas Flohr>Also ein Detektor kann im Grunde jetzt übertragen auf ein Beispiel sichtbaren Lichts nur sagen, es ist hell oder dunkel,

00:15:22.001 --> 00:15:29.600
<v Thomas Flohr>aber nicht sagen, da ist grünes Licht oder rotes Licht oder eine Mischung aus gelb und blau.

00:15:29.601 --> 00:15:33.900
<v Tim Pritlove>Wenn man jetzt diese ganzen Daten einsammelt, das ist ja das, was dann die Computertomographie tut,

00:15:33.901 --> 00:15:39.600
<v Tim Pritlove>das heißt, man durchläuft den ganzen Körper in verschiedenen Schichten, je nachdem wie viele Schichten man gleichzeitig aufnehmen kann,

00:15:39.601 --> 00:15:43.900
<v Tim Pritlove>wie schnell das rotiert, wie schnell diese Daten auch eingesammelt werden können,

00:15:43.901 --> 00:15:46.800
<v Tim Pritlove>dauert es dann halt länger oder nicht, ich weiß nicht.

00:15:46.801 --> 00:15:53.300
<v Tim Pritlove>Der erste Computertomographie wie lange brauchte der, um so einen Körper einmal komplett so durchschnittlichen Erwachsenen abzutasten?

00:15:53.301 --> 00:16:00.000
<v Thomas Flohr>Naja, der allererste Computertomograph war ein reiner Schädelscanner, da konnte man nur den Kopf untersuchen.

00:16:00.001 --> 00:16:05.100
<v Thomas Flohr>Und um eine Schicht abzutasten brauchte der mehrere Minuten.

00:16:05.101 --> 00:16:14.400
<v Thomas Flohr>Der hat etwa acht Minuten lang sich langsam um den Schädel bewegen müssen, um genug Daten dafür aufzunehmen.

00:16:14.401 --> 00:16:23.900
<v Thomas Flohr>Heute ist es so, dass ein moderner Computertomograph 0,25 Sekunden braucht, um genug Daten für ein Bild aufzunehmen.

00:16:23.901 --> 00:16:32.500
<v Thomas Flohr>Der rotiert mit einer Rotationszeit von 0,25 Sekunden um den Patienten und nimmt dabei wie gesagt nicht nur eine Schicht auf,

00:16:32.501 --> 00:16:38.600
<v Thomas Flohr>sondern typischerweise 64 bis mehrere hundert.

00:16:38.601 --> 00:16:42.700
<v Tim Pritlove>Also da hat sich auf jeden Fall geschwindigkeitsmäßig was getan, aber die Limitierung war natürlich am Anfang,

00:16:42.701 --> 00:16:45.200
<v Tim Pritlove>erst mal der Computer muss diese Daten erst mal annehmen und speichern und weiterleiten können

00:16:45.201 --> 00:16:47.300
<v Thomas Flohr>Ja natürlich.

00:16:47.301 --> 00:16:51.400
<v Tim Pritlove>Das war natürlich eine Limitierung und auch die ganze Detektortechnik war relativ neu,

00:16:51.401 --> 00:17:02.800
<v Tim Pritlove>aber und das ist ja eigentlich warum überhaupt der Computer hier mit drinsteht, diese Daten als solche geben ja erst mal keine relevant Information so.

00:17:02.801 --> 00:17:05.200
<v Thomas Flohr>Ja, das ist anders als beim klassischen Röntgenbild.

00:17:05.201 --> 00:17:12.800
<v Thomas Flohr>Beim klassischen Röntgenbild schaut der Arzt das an, was auf dem Film oder dem Detektor abgebildet ist.

00:17:12.801 --> 00:17:20.200
<v Thomas Flohr>Beim Computertomographen sagen die eigentlichen Daten, diese tausend Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Winkelrichtungen,

00:17:20.201 --> 00:17:22.600
<v Thomas Flohr>dem Arzt zunächst mal gar nichts.

00:17:22.601 --> 00:17:32.100
<v Thomas Flohr>Und aus diesem Rohdatensatz muss ein Computer erst mit einem mathematischen Bildberechnungsverfahren das eigentliche CT-Bild berechnen.

00:17:32.101 --> 00:17:43.300
<v Tim Pritlove>Und ich will jetzt nicht zu sehr in die Mathematik einsteigen, aber so wie funktioniert das grundsätzlich und wann wurde das sozusagen erdacht?

00:17:43.301 --> 00:17:56.400
<v Thomas Flohr>Das finde ich ein interessantes Beispiel dafür, wie eine an sich wertfreie Grundlagenforschung dann viele viele Jahre später eine praktische Anwendung finden kann.

00:17:56.401 --> 00:18:03.900
<v Thomas Flohr>Das Verfahren, um aus den Daten CT-Bilder zu berechnen, heißt Faltungsrückprojektionsverfahren.

00:18:03.901 --> 00:18:13.300
<v Thomas Flohr>Letztendlich misst man bei einer CT-Untersuchung die Linienintegrale der Schwächungskoeffizienten des Körpers längs des Röntgenstrahls.

00:18:13.301 --> 00:18:19.100
<v Thomas Flohr>Längs des Röntgenstrahls misst man also im Grunde genommen die aufsummierte Röntgenschwächung.

00:18:19.101 --> 00:18:24.100
<v Thomas Flohr>Und man kennt diese sogenannten Linienintegrale aus vielen verschiedenen Raumrichtungen,

00:18:24.101 --> 00:18:27.300
<v Thomas Flohr>der Computertomograph dreht sich ja um den Patienten.

00:18:27.301 --> 00:18:37.700
<v Thomas Flohr>Und aus diesen Linienintegralen berechnet man dann die Schwächungskoeffizienten, das ist das eigentliche CT-Bild, ortsaufgelöst.

00:18:37.701 --> 00:18:44.600
<v Thomas Flohr>Und eine mathematische Methode, wie man das machen kann, hat ein Mathematiker namens Johann Radon sich ausgedacht,

00:18:44.601 --> 00:18:51.500
<v Thomas Flohr>wie kann ich aus den bekannten Linienintegralen einer Funktion die Funktion selber ausrechnen,

00:18:51.501 --> 00:18:53.600
<v Thomas Flohr>und zwar soweit ich weiß schon im Jahr 1917.

00:18:53.601 --> 00:18:59.400
<v Thomas Flohr>Das war lange lange lange vor der Entwicklung der Computertomographie.

00:18:59.401 --> 00:19:07.500
<v Thomas Flohr>Aber seine Methode, der konnte damals von der Computertomographie nichts wissen, ist heute immer noch die Grundlage der CT-Bildrekonstruktion.

00:19:07.501 --> 00:19:14.800
<v Tim Pritlove>Ja im Prinzip ist es so ein Modell, man stellt sich einen großen sehr löchrigen Schweizer Käse vor,

00:19:14.801 --> 00:19:20.200
<v Tim Pritlove>man kann sozusagen an den verschiedensten Stellen irgendwie reinschauen und mal kommt mehr oder weniger Licht durch.

00:19:20.201 --> 00:19:24.400
<v Tim Pritlove>Und dadurch, dass man quasi denselben Punkt von verschiedenen Punkten aus mal betrachtet

00:19:24.401 --> 00:19:29.000
<v Tim Pritlove>und mal ist es so hell und mal ist es so hell, kann man daraus quasi wieder zurückberechnen wie …

00:19:29.001 --> 00:19:32.100
<v Thomas Flohr>Man kann es sich ganz simpel so vorstellen, das Beispiel mit dem Schweizer Käse ist gut.

00:19:32.101 --> 00:19:39.200
<v Thomas Flohr>Ich durchleuchte einen Schweizer Käse aus ganz verschiedenen Richtungen, und da, wo die Löcher im Käse sind,

00:19:39.201 --> 00:19:43.900
<v Thomas Flohr>kommt in irgendeiner Richtung ein bisschen mehr Licht an.

00:19:43.901 --> 00:19:51.100
<v Thomas Flohr>Das sagt zunächst mal gar nichts, aber wenn ich diese Abfolgen von mehr oder weniger Licht aus allen Raumrichtungen kenne,

00:19:51.101 --> 00:19:57.000
<v Thomas Flohr>kann ich dann durch dieses Rechenverfahren festlegen, wo das Loch im Käse war.

00:19:57.001 --> 00:20:02.200
<v Tim Pritlove>Bzw. wo alle Löcher im Käse sind und damit kennt man eben auch wirklich diese innere Struktur.

00:20:02.201 --> 00:20:09.200
<v Tim Pritlove>Und dann geht es eigentlich nur noch darum, das akkurat fein auflösend zu machen und die Unterschiede gut herausstellen zu können.

00:20:09.201 --> 00:20:11.100
<v Thomas Flohr>Ja.

00:20:11.101 --> 00:20:16.700
<v Tim Pritlove>Als die Computertomographie so das Licht der Welt erblickte, wie schnell hat sich die Medizin darauf eingeschossen?

00:20:16.701 --> 00:20:19.700
<v Thomas Flohr>Die hat sich relativ schnell darauf eingeschossen.

00:20:19.701 --> 00:20:30.100
<v Thomas Flohr>Es ist von Anfang an erkannt worden, was für einen wirklichen Fortschritt die Computertomographie in der Bildgebung bietet.

00:20:30.101 --> 00:20:33.800
<v Thomas Flohr>Und die Entwicklung der Computertomographie ist ja auch entsprechend schnell gegangen.

00:20:33.801 --> 00:20:41.800
<v Thomas Flohr>In den 70er Jahren hatte man reine Schädelscanner, in den 80er Jahren konnte man dann schon den gesamten Körper untersuchen,

00:20:41.801 --> 00:20:46.800
<v Thomas Flohr>allerdings immer noch in einzelnen Schichten.

00:20:46.801 --> 00:20:57.300
<v Thomas Flohr>Dann gab es eine revolutionäre Neuentwicklung, von der die CT auch bis heute lebt, das war die Einführung der Spiral-CT 1990 etwa.

00:20:57.301 --> 00:21:05.200
<v Thomas Flohr>Bisher hat man immer das Messsystem einmal um den Patienten sich bewegen lassen, anhalten lassen,

00:21:05.201 --> 00:21:14.600
<v Thomas Flohr>hat dann den Patienten zur nächsten Schicht transportiert, hat wieder das Messsystem mit dem Strahler sich einmal um den Patienten rotieren lassen.

00:21:14.601 --> 00:21:17.800
<v Thomas Flohr>Das ist langsam und fehlerbehaftet.

00:21:17.801 --> 00:21:21.200
<v Thomas Flohr>Was passiert denn, wenn der Patient sich dazwischen bewegt etc.?

00:21:21.201 --> 00:21:28.200
<v Thomas Flohr>Bei der Spiral-CT nimmt man einfach Daten kontinuierlich auf, das Gerät dreht sich immer, nimmt immer Daten auf

00:21:28.201 --> 00:21:31.400
<v Thomas Flohr>und der Tisch wird kontinuierlich durchgeschoben.

00:21:31.401 --> 00:21:39.100
<v Thomas Flohr>Damit konnte man das erste Mal wirklich größere Volumenbereiche, ganze Organe abbilden und nicht immer nur einzelne Schichten.

00:21:39.101 --> 00:21:41.100
<v Tim Pritlove>Dadurch ändert sich wahrscheinlich die Mathematik so ein bisschen, weil man …

00:21:41.101 --> 00:21:47.700
<v Thomas Flohr>Dann ändert sich die Mathematik so ein bisschen, das kann man aber in den Griff bekommen.

00:21:47.701 --> 00:21:50.900
<v Thomas Flohr>Der wesentliche Schritt war wirklich, jetzt konnte man das erste Mal ganze Organe sehen.

00:21:50.901 --> 00:21:59.300
<v Thomas Flohr>Dann ging das in den 90er Jahren so weiter, dann gab es einen weiteren wirklich wesentlichen Entwicklungsschritt, das war 98/99,

00:21:59.301 --> 00:22:01.000
<v Thomas Flohr>die Einführung der Mehrschicht-CT.

00:22:01.001 --> 00:22:07.700
<v Thomas Flohr>Bislang bestand ein Detektor nur aus einer einzigen Reihe von Pixeln.

00:22:07.701 --> 00:22:19.400
<v Thomas Flohr>Der konnte also wirklich nur eine einzige Schicht aufnehmen, ab 1998/99 war es dann möglich, mehrere nebeneinanderliegende Schichten aufzunehmen,

00:22:19.401 --> 00:22:25.400
<v Thomas Flohr>was die Untersuchungszeit zum Beispiel dramatisch verkürzt oder auch die Untersuchungslänge.

00:22:25.401 --> 00:22:27.000
<v Tim Pritlove>Wahrscheinlich im Wesentlichen eine Kostenfrage gewesen oder?

00:22:27.001 --> 00:22:34.600
<v Thomas Flohr>Na das war nicht nur eine Kostenfrage, das war einmal eine Kostenfrage, aber auf der anderen Seite auch eine Frage der Mathematik,

00:22:34.601 --> 00:22:44.000
<v Thomas Flohr>weil die Strahlen, wenn man sich das mal überlegt, in Patientenlängsrichtung jetzt nicht mehr senkrecht auf den Patienten stehen, sondern schräg.

00:22:44.001 --> 00:22:52.700
<v Thomas Flohr>Wenn ein Strahl von einem Röntgenfokus, also einer Röntgenquelle ausgeht und auf einen ausgedehnten Detektor trifft,

00:22:52.701 --> 00:22:55.600
<v Thomas Flohr>dann steht der schräg auf dem Patienten.

00:22:55.601 --> 00:23:02.700
<v Thomas Flohr>Und das war in dieser ursprünglichen Bildrekonstruktionsmathematik so gar nicht vorgesehen.

00:23:02.701 --> 00:23:10.800
<v Thomas Flohr>Das ist ein Problem, das kriegt man in den Griff, aber es ist nicht so trivial wie es sich vielleicht anhört.

00:23:10.801 --> 00:23:14.600
<v Tim Pritlove>Okay, und dadurch ist dann wiedermal die Geschwindigkeit gesteigert worden.

00:23:14.601 --> 00:23:18.900
<v Tim Pritlove>Und die Geschwindigkeit ist ja nicht ganz unerheblich, weil es auf der einen Seite eine Belastung für den Patienten ist,

00:23:18.901 --> 00:23:25.000
<v Tim Pritlove>was jetzt den Gesamtvorgang betrifft, aber die Geschwindigkeit an sich spielt ja auch eine Rolle, um die …

00:23:25.001 --> 00:23:28.400
<v Tim Pritlove>Ich meine so ein Körper lebt ja im Idealfall.

00:23:28.401 --> 00:23:32.700
<v Thomas Flohr>Ja klar, zum Beispiel Sie möchten gerne die ganze Lunge des Patienten untersuchen.

00:23:32.701 --> 00:23:41.800
<v Thomas Flohr>Und bei dieser Untersuchung soll der Patient nach Möglichkeit den Atem anhalten, um einfach scharfe Bilder zu erzeugen.

00:23:41.801 --> 00:23:45.300
<v Thomas Flohr>Wenn der da jetzt munter weiter atmet, ja.

00:23:45.301 --> 00:23:45.900
<v Tim Pritlove>Dann verwischt das.

00:23:45.901 --> 00:23:49.100
<v Thomas Flohr>Wie lange kann ein kranker Mensch den Atem anhalten?

00:23:49.101 --> 00:23:56.000
<v Thomas Flohr>Wenn Sie das selber mal versuchen, Sie können das wahrscheinlich als gesunder Mensch problemlos 20-30 Sekunden lang tun,

00:23:56.001 --> 00:23:58.900
<v Thomas Flohr>aber ein Lungenkranker der hat mit fünf Sekunden Probleme.

00:23:58.901 --> 00:24:04.900
<v Thomas Flohr>Und in diesen fünf Sekunden muss die gesamte CT-Untersuchung der Lunge abgelaufen sein.

00:24:04.901 --> 00:24:08.100
<v Thomas Flohr>Und drum ist Geschwindigkeit so wichtig.

00:24:08.101 --> 00:24:16.500
<v Tim Pritlove>Ist das so der Stand der Dinge, wo wir bisher mit der konventionellen CT angekommen sind oder gab es noch weiter Entwicklungen?

00:24:16.501 --> 00:24:23.000
<v Thomas Flohr>Es gab dann weitere Entwicklungen, um andere Eigenschaften der CT zu verbessern.

00:24:23.001 --> 00:24:29.700
<v Thomas Flohr>Zum Beispiel gab es dann mal die Einführung der Dual Source CT im Jahr 2005.

00:24:29.701 --> 00:24:36.600
<v Thomas Flohr>Das kann man sich einfach so vorstellen, man baut nicht ein Messsystem, sondern zwei Messsysteme, in ein CT ein,

00:24:36.601 --> 00:24:43.600
<v Thomas Flohr>die messen beide gleichzeitig, dadurch verkürzt sich die Belichtungszeit für ein Bild auf die Hälfte.

00:24:43.601 --> 00:24:44.800
<v Thomas Flohr>Wozu ist das wichtig?

00:24:44.801 --> 00:24:49.500
<v Thomas Flohr>Dann, wenn man bewegte Organe wie das Herz abbilden will.

00:24:49.501 --> 00:24:53.000
<v Tim Pritlove>Und was man mal nicht eben anhalten kann.

00:24:53.001 --> 00:25:01.800
<v Thomas Flohr>Was man mal nicht eben anhalten kann, wo man im Grunde genommen 50-100 Millisekunden Zeit hat in der diastolischen Ruhephase,

00:25:01.801 --> 00:25:04.200
<v Thomas Flohr>um ein scharfes Bild zu erzeugen.

00:25:04.201 --> 00:25:16.600
<v Thomas Flohr>Und damit hat sich die, kann man glaube ich sagen, die Cardio-CT die Abbildung der Herzkranzgefäße mit der Computertomographie in der klinischen Praxis etabliert.

00:25:16.601 --> 00:25:21.500
<v Tim Pritlove>Also Dual Source heißt im Prinzip, dass man noch mal eine zweite Strahlungseinheit noch mit dazu nimmt.

00:25:21.501 --> 00:25:21.900
<v Thomas Flohr>Ja.

00:25:21.901 --> 00:25:27.000
<v Tim Pritlove>Jetzt könnte man ja sagen, okay um es noch schneller zu machen, nimmt man dann 10 oder 20, aber da ist dann irgendwann auch Schluss.

00:25:27.001 --> 00:25:33.000
<v Thomas Flohr>Naja, bei zwei ist eigentlich fast schon Schluss, einfach aus mechanischen Gründen.

00:25:33.001 --> 00:25:33.200
<v Tim Pritlove>Der Platz muss irgendwo da sein.

00:25:33.201 --> 00:25:35.500
<v Thomas Flohr>Der Platz muss irgendwo da sein.

00:25:35.501 --> 00:25:40.500
<v Tim Pritlove>Okay. Das heißt, das ganze Modell hat sich zwar wunderbar weiterentwickelt in den letzten 50 Jahren,

00:25:40.501 --> 00:25:46.200
<v Tim Pritlove>aber in gewisser Hinsicht kam es an bestimmten auch so ein bisschen an seine Grenzen, kann man das so sehen?

00:25:46.201 --> 00:25:48.900
<v Thomas Flohr>Das kann man so sehen.

00:25:48.901 --> 00:25:56.300
<v Thomas Flohr>Man kann das so sehen, die Computertomographie hat im Grunde so eine Art Sättigungsphase erreicht.

00:25:56.301 --> 00:26:07.300
<v Thomas Flohr>Was die Computertomographie, die klassische Computertomographie sehr gut kann, ist, sie kann die Anatomie des Patienten abbilden,

00:26:07.301 --> 00:26:18.500
<v Thomas Flohr>kann sie deutlich abbilden, kann kleine Veränderungen in der Anatomie feststellen, zum Beispiel bei dem Beispiel der Herz-CT zu bleiben,

00:26:18.501 --> 00:26:29.000
<v Thomas Flohr>eine Verengung in den Herzkranzgefäßen, sie kann aber auch oft nicht sagen, was diese Veränderungen für den Patienten wirklich bedeuten.

00:26:29.001 --> 00:26:33.000
<v Thomas Flohr>Und ob und wie man sie behandeln sollte.

00:26:33.001 --> 00:26:36.000
<v Thomas Flohr>Das führt dann dazu, dass Folgeuntersuchungen nötig sind.

00:26:36.001 --> 00:26:47.900
<v Thomas Flohr>Bleiben wir bei dem Herzbeispiel, die Computertomographie kann sehr gut feststellen, dass eine Corona-Arterie eine Verengung, eine Stenose aufweist.

00:26:47.901 --> 00:26:57.700
<v Thomas Flohr>Sie kann aber nicht sagen, ist das jetzt relevant für die Durchblutung des Herzmuskels, schadet das den Patienten

00:26:57.701 --> 00:27:00.900
<v Thomas Flohr>oder beeinflusst das vielleicht die Durchblutung vielleicht gar nicht.

00:27:00.901 --> 00:27:08.600
<v Thomas Flohr>So dass dann in der Regel der Patient in den invasiven Herzkatheter kommt.

00:27:08.601 --> 00:27:13.800
<v Thomas Flohr>Und sich eine invasive Untersuchung anschließen muss.

00:27:13.801 --> 00:27:21.800
<v Thomas Flohr>Es gibt auch andere Beispiele, zum Beispiel kleine Veränderungen in der Leber, irgendwelche Leberläsionen,

00:27:21.801 --> 00:27:28.600
<v Thomas Flohr>die kann die Computertomographie sehr gut feststellen, aber oft nicht sagen, was ist das denn jetzt eigentlich?

00:27:28.601 --> 00:27:34.500
<v Thomas Flohr>Ist das gutartig, ist das bösartig, auch dann gibt es Folgeuntersuchungen.

00:27:34.501 --> 00:27:42.300
<v Tim Pritlove>Es gibt ja jetzt noch so eine verwandte Technologie, sage ich mal, zumindest von dem Grundansatz her, die Magnetresonanztomographie.

00:27:42.301 --> 00:27:49.800
<v Tim Pritlove>Wie verhält sich die Computertomographie zur Magnetresonanztomographie, wieviele Ähnlichkeiten, wieviele Unterschiede hat das?

00:27:49.801 --> 00:27:58.000
<v Thomas Flohr>Die Magnetresonanztomographie ist eine Methode, die ganz anderes Prinzip ausnutzt.

00:27:58.001 --> 00:28:07.100
<v Thomas Flohr>Die basiert also nicht auf Röntgenstrahlung und die Magnetresonanztomographie hat andere Anwendungen als die Computertomographie.

00:28:07.101 --> 00:28:18.700
<v Thomas Flohr>Die Magnetresonanztomographie kann besser als die Computertomographie zum Beispiel Weichteilkontraste darstellen,

00:28:18.701 --> 00:28:22.200
<v Thomas Flohr>aber viel weniger gut räumliche Auflösung.

00:28:22.201 --> 00:28:29.600
<v Thomas Flohr>Wann immer man scharfe Bilder braucht, wann immer man Darstellungen von knöchernem Gewebe braucht,

00:28:29.601 --> 00:28:32.300
<v Thomas Flohr>ist die Computertomographie sicherlich im Vorteil.

00:28:32.301 --> 00:28:42.600
<v Thomas Flohr>Die Computertomographie ist auch viel schneller und viel einfacher einsetzbar als die Magnetresonanztomographie.

00:28:42.601 --> 00:28:49.300
<v Thomas Flohr>Ein Computertomographie-Scan des ganzen Körpers dauert mit einem modernen CT-Gerät wenige Sekunden.

00:28:49.301 --> 00:29:02.300
<v Thomas Flohr>Eine Magnetresonanztomographie-Untersuchung dauert immer noch 20 Minuten, 45 Minuten, also vom Zeitaufwand auch sehr unterschiedlich.

00:29:02.301 --> 00:29:05.000
<v Tim Pritlove>Kommen wir mal zu Ihren jüngsten Entwicklungen.

00:29:05.001 --> 00:29:14.900
<v Tim Pritlove>Sie haben ja jetzt mit Ihrem Team hier die Computertomographie einen Schritt weitergebracht, das kann man, glaube ich, schon mal so sagen.

00:29:14.901 --> 00:29:24.700
<v Tim Pritlove>Wie sind Sie da rangegangen, was war das jetzt für eine Entwicklung und was sind die Neuerungen, die Sie hier auf den Weg gebracht haben?

00:29:24.701 --> 00:29:31.400
<v Thomas Flohr>Die wesentliche Neuerung in unserem neuen Computertomographen ist ein anderer Detektor.

00:29:31.401 --> 00:29:36.600
<v Thomas Flohr>Ein sogenannter quanten- oder photonenzählender Detektor.

00:29:36.601 --> 00:29:46.800
<v Thomas Flohr>Wir haben vorhin schon kurz über das Detektionsprinzip in der Computertomographie geredet, über die konventionellen Detektoren,

00:29:46.801 --> 00:29:52.500
<v Thomas Flohr>wie sie heute in allen medizinischen CTs verwendet werden, das sind eben diese Szintillator-Detektoren,

00:29:52.501 --> 00:29:59.300
<v Thomas Flohr>die in einem zweistufigen Detektionsprozess die Röntgenquanten erst in Licht und dann in elektrische pulse verwandeln

00:29:59.301 --> 00:30:01.900
<v Thomas Flohr>und die bestimmte Nachteile haben.

00:30:01.901 --> 00:30:03.500
<v Tim Pritlove>Weil die Tiefeninformation verloren geht.

00:30:03.501 --> 00:30:13.500
<v Thomas Flohr>Weil diese Energieinformation verloren geht, diese Detektoren können nichts sagen über die Energie der detektierten Röntgenstrahlen.

00:30:13.501 --> 00:30:18.800
<v Thomas Flohr>War die jetzt hoch, war die jetzt niedrig, das ist aber durchaus wesentlich für die Gewebecharakterisierung.

00:30:18.801 --> 00:30:21.900
<v Tim Pritlove>So ein bisschen als wenn man Farbfernsehen auf einem schwarz-weiß-Bildschirm anzeigt.

00:30:21.901 --> 00:30:22.700
<v Thomas Flohr>Ja.

00:30:22.701 --> 00:30:23.500
<v Tim Pritlove>Kann man das so sagen?

00:30:23.501 --> 00:30:28.700
<v Thomas Flohr>So als ob man ein Farbbild auf einem schwarz-weiß-Bildschirm darstellt, das ist ein guter Vergleich.

00:30:28.701 --> 00:30:35.500
<v Thomas Flohr>Die Detektoren können auch prinzipbedingt nicht viel kleiner gemacht werden als sie heute sind.

00:30:35.501 --> 00:30:45.000
<v Thomas Flohr>Heute hat so ein Pixel eine Seitenlänge von ein Millimeter mal ein Millimeter, das kann nicht sehr viel kleiner werden,

00:30:45.001 --> 00:30:49.000
<v Thomas Flohr>das heißt, die Bilder können auch nicht schärfer werden als sie heute sind.

00:30:49.001 --> 00:30:52.000
<v Tim Pritlove>Warum kann das nicht kleiner werden, was ist da die Limitierung?

00:30:52.001 --> 00:30:58.900
<v Thomas Flohr>Na die Limitierung ist die, ein solches Pixel wandelt ja das Röntgenlicht in sichtbares Licht um.

00:30:58.901 --> 00:31:05.300
<v Thomas Flohr>Jetzt muss man verhindern, dass dieses sichtbare Licht einfach ins nächste Pixel eindringt und dort ein Signal erzeugt.

00:31:05.301 --> 00:31:06.700
<v Thomas Flohr>Das nennt man Übersprechen.

00:31:06.701 --> 00:31:15.200
<v Thomas Flohr>Das heißt, die einzelnen Pixel müssen räumlich voneinander separiert werden mit einer Zwischenschicht, die optisch undurchlässig ist.

00:31:15.201 --> 00:31:22.300
<v Thomas Flohr>Und diese Zwischenschicht die muss eine bestimmte Breite haben, in der Regel 0,1 bis 0,2 Millimeter.

00:31:22.301 --> 00:31:28.100
<v Thomas Flohr>Alle Röntgenstrahlen, die auf diese Zwischenschicht treffen, sind aber verloren,

00:31:28.101 --> 00:31:29.600
<v Thomas Flohr>die tragen nicht zum Signal bei.

00:31:29.601 --> 00:31:37.200
<v Thomas Flohr>Das heißt, die haben den Patienten belastet, sie haben den Patienten ja durchdrungen, das war eine Strahlenbelastung für ihn,

00:31:37.201 --> 00:31:39.600
<v Thomas Flohr>sie tragen aber nicht zum Signal bei.

00:31:39.601 --> 00:31:43.500
<v Thomas Flohr>Wenn man jetzt die einzelnen Detektorpixel immer kleiner machen würde,

00:31:43.501 --> 00:31:48.800
<v Thomas Flohr>würde der relative Anteil dieser Zwischenschichten an der Fläche immer größer werden,

00:31:48.801 --> 00:31:53.600
<v Thomas Flohr>weil die Zwischenschichten eben nicht dünner als 0,1/0,2 Millimeter werden dürfen.

00:31:53.601 --> 00:31:56.000
<v Tim Pritlove>Oder wenn man sie kleiner machen würde, würde das Übersprechen zunehmen und dann wäre es unscharf.

00:31:56.001 --> 00:31:59.300
<v Thomas Flohr>Würde es zunehmen, dann wäre es unscharf.

00:31:59.301 --> 00:32:04.300
<v Thomas Flohr>Wenn man aber den relativen Anteil dieser Zwischenschichten immer weiter zunehmen lässt,

00:32:04.301 --> 00:32:07.400
<v Thomas Flohr>nimmt die Dosiseffizienz dieser Detektoren immer weiter ab.

00:32:07.401 --> 00:32:13.000
<v Thomas Flohr>Man hat immer mehr Röntgenstrahlen, die den Detektor treffen, aber eigentlich kein Signal erzeugen.

00:32:13.001 --> 00:32:16.100
<v Tim Pritlove>Und wie löst man das Problem?

00:32:16.101 --> 00:32:19.300
<v Thomas Flohr>Naja nicht mit konventionellen Detektoren.

00:32:19.301 --> 00:32:20.100
<v Tim Pritlove>Ja.

00:32:20.101 --> 00:32:20.900
<v Thomas Flohr>Deswegen …

00:32:20.901 --> 00:32:21.300
<v Tim Pritlove>Sondern hier musste was neues ran.

00:32:21.301 --> 00:32:23.500
<v Thomas Flohr>Hier musste wirklich was neues ran.

00:32:23.501 --> 00:32:30.700
<v Thomas Flohr>Und hier sind wir relativ früh auf photon-/quantenzählende Detektoren gekommen.

00:32:30.701 --> 00:32:34.700
<v Thomas Flohr>Solche Detektoren haben eine ganz andere Funktionsweise.

00:32:34.701 --> 00:32:39.900
<v Thomas Flohr>Die bestehen aus einem Halbleiter, in unserem Fall ist das Cadmiumtellurid.

00:32:39.901 --> 00:32:48.100
<v Thomas Flohr>An dem Halbleiter liegt eine hohe Spannung an, einige hundert Volt, so dass ein starkes elektrisches Feld besteht,

00:32:48.101 --> 00:32:52.400
<v Thomas Flohr>zwischen der Katode und pixelierten Anoden auf der Rückseite.

00:32:52.401 --> 00:33:05.500
<v Thomas Flohr>Und was hier passiert ist, die Röntgenquanten treffen auf den Halbleiter und werden dort absorbiert und direkt in Strompulse verwandelt.

00:33:05.501 --> 00:33:08.600
<v Thomas Flohr>Hier fehlt also der Zwischenschritt über das sichtbare Licht.

00:33:08.601 --> 00:33:15.500
<v Thomas Flohr>Die Röntgenstrahlen werden absorbiert, erzeugen im Halbleiter Elektronenlochpaare, die werden getrennt,

00:33:15.501 --> 00:33:25.600
<v Thomas Flohr>die Elektronen werden von den Anoden aufgesammelt und erzeugen direkt Strompulse.

00:33:25.601 --> 00:33:30.800
<v Tim Pritlove>Jetzt sind wir so tief in der Grundlagenphysik auch angekommen, Röntgenstrahlen.

00:33:30.801 --> 00:33:37.700
<v Tim Pritlove>Man stellt sich das ja normalerweise so als Welle vor, aber man weiß, alles, was irgendwie eine Welle ist, ist halt auch irgendwie ein…

00:33:37.701 --> 00:33:38.400
<v Thomas Flohr>Auch ein Teilchen.

00:33:38.401 --> 00:33:39.500
<v Tim Pritlove>Ist auch halt einfach ein Teilchen.

00:33:39.501 --> 00:33:46.700
<v Tim Pritlove>Das heißt, man kann sich diese Strahlenmenge, die den Körper durchschreitet, am Ende nach der Absorption durch den Körper,

00:33:46.701 --> 00:33:52.900
<v Tim Pritlove>treffen mehr oder weniger viele Quanten auf diesen Detektor auf.

00:33:52.901 --> 00:33:54.000
<v Thomas Flohr>Ja.

00:33:54.001 --> 00:33:55.600
<v Tim Pritlove>Und das ist wie so ein Dauerfeuer, was man sich vorstellen kann.

00:33:55.601 --> 00:33:55.900
<v Thomas Flohr>Wie so ein Dauerfeuer.

00:33:55.901 --> 00:34:01.900
<v Thomas Flohr>Man kann sich Röntgenstrahlen vorstellen als einen Strom von Teilchen, ganz simpel,

00:34:01.901 --> 00:34:06.800
<v Thomas Flohr>der Röntgenstrahler ist eine Gießkanne und aus dieser Gießkanne fallen Wassertropfen raus.

00:34:06.801 --> 00:34:09.700
<v Thomas Flohr>Und diese Wassertropfen sind die einzelnen Röntgenquanten.

00:34:09.701 --> 00:34:19.900
<v Tim Pritlove>Und dieses Cadmiumtellurid ist jetzt ein Kristall oder so was und in dem Moment, wo diese Röntgenteilchen auftreffen,

00:34:19.901 --> 00:34:23.600
<v Tim Pritlove>was macht dieser Stoff dann daraus?

00:34:23.601 --> 00:34:27.300
<v Tim Pritlove>Also der erzeugt unmittelbar Strom?

00:34:27.301 --> 00:34:34.900
<v Thomas Flohr>Na die Röntgenteilchen die treffen auf den Kristall auf, die haben eine Energie, wenn sie dort auftreffen

00:34:34.901 --> 00:34:44.900
<v Thomas Flohr>und diese Energie wird im Kristall abgegeben, das heißt, die im Kristall befindlichen Atome werden ionisiert,

00:34:44.901 --> 00:34:52.700
<v Thomas Flohr>es entstehen Elektronen, die da freigesetzt werden und diese Elektronen werden in dem starken elektrischen Feld,

00:34:52.701 --> 00:34:59.500
<v Thomas Flohr>das an dem Halbleiter angelegt ist, zur Anode hin abgelenkt und erzeugen da einen Strompuls.

00:34:59.501 --> 00:35:03.100
<v Tim Pritlove>Und umso mehr Partikel kommen, umso höher ist dieser Strompuls?

00:35:03.101 --> 00:35:12.500
<v Thomas Flohr>Jetzt ist es so, jedes einzelne Partikel erzeugt einen Strompuls für sich und je höher die Energie des einzelnen Röntgenquants war,

00:35:12.501 --> 00:35:15.800
<v Thomas Flohr>desto höher wird auch der Strompuls sein.

00:35:15.801 --> 00:35:22.000
<v Thomas Flohr>Jetzt haben wir das erste Mal eine Eigenschaft des Detektors, die ein konventioneller Detektor nicht hat,

00:35:22.001 --> 00:35:31.300
<v Thomas Flohr>die Höhe des Strompulses ist proportional zur Energie des Röntgenquants, das ihn erzeugt hat

00:35:31.301 --> 00:35:40.200
<v Thomas Flohr>und wir können nun die Höhe dieses Strompulses messen und haben deswegen auch ein Aussage über die Energie der Röntgenstrahlen,

00:35:40.201 --> 00:35:44.200
<v Thomas Flohr>die auf den Detektor aufgetroffen sind, die wir vorher nicht hatten.

00:35:44.201 --> 00:35:51.500
<v Tim Pritlove>Das heißt, niedrigere Energiestrahlen können als solche erkannt werden auch in ihrer Energiemenge

00:35:51.501 --> 00:35:54.200
<v Tim Pritlove>und die stärkeren können auch erkannt werden.

00:35:54.201 --> 00:35:54.600
<v Thomas Flohr>Ja.

00:35:54.601 --> 00:35:58.000
<v Tim Pritlove>Aber die kommen ja irgendwie mehr oder weniger gleichzeitig an oder?

00:35:58.001 --> 00:36:01.800
<v Thomas Flohr>Naja, es kommen viele Röntgenquanten gleichzeitig an.

00:36:01.801 --> 00:36:04.000
<v Thomas Flohr>Die erzeugen gleichzeitig Strompulse.

00:36:04.001 --> 00:36:06.000
<v Tim Pritlove>Ja.

00:36:06.001 --> 00:36:17.300
<v Thomas Flohr>Was man in den Detektor jetzt einbaut ist eine Zählvorrichtung, die alle Quanten zählt, die eine bestimmte Energieschwelle überschreiten.

00:36:17.301 --> 00:36:23.100
<v Thomas Flohr>Wenn man sich jetzt einen ganz simplen Detektor vorstellt, der nur eine einzige solche Zählvorrichtung hat

00:36:23.101 --> 00:36:33.100
<v Thomas Flohr>und eine untere Schwelle von zum Beispiel 20 keV, dann wird ein Zähler alle Photonen einfach zählen,

00:36:33.101 --> 00:36:37.900
<v Thomas Flohr>die diese Schwelle von 20 keV überschreiten.

00:36:37.901 --> 00:36:44.200
<v Thomas Flohr>Wenn jetzt da gleichzeitig welche ankommen, die eine Energie von 30, von 50, von 70 keV haben,

00:36:44.201 --> 00:36:50.200
<v Thomas Flohr>werden die alle gezählt werden, weil sie ja die Schwelle von 20 keV überschreiten.

00:36:50.201 --> 00:36:51.700
<v Thomas Flohr>Damit hat man noch nichts gewonnen.

00:36:51.701 --> 00:36:59.400
<v Thomas Flohr>Man kann aber jetzt in den Detektor mehrere solche Zählvorrichtungen einbauen mit verschiedenen Schwellen.

00:36:59.401 --> 00:37:07.100
<v Thomas Flohr>Das haben wir getan, in unserem Detektor sind vier Zählvorrichtungen mit vier unterschiedlichen Schwellen.

00:37:07.101 --> 00:37:16.400
<v Thomas Flohr>Machen wir jetzt mal das einfache Beispiel, ich habe gleichzeitig drei Röntgenquanten, zwei mit einer Energie von 30 keV,

00:37:16.401 --> 00:37:23.900
<v Thomas Flohr>eins mit einer Energie von 70 keV und ich führe zwei Schwellen ein, die eine hat einen untere Grenze von 20 keV,

00:37:23.901 --> 00:37:34.200
<v Thomas Flohr>die andere eine untere Grenze von 40 keV, dann wird die untere Zählvorrichtung mit der Schwelle von 20 keV alle drei Röntgenquanten zählen,

00:37:34.201 --> 00:37:42.200
<v Thomas Flohr>die beiden mit 30 keV und das mit 70 keV, die zweite Zählvorrichtung, die eine untere Energie von 40 keV,

00:37:42.201 --> 00:37:51.800
<v Thomas Flohr>also eine Schwelle von 40 keV hatte, wird aber nur das Röntgenquant mit 70 keV zählen, weil nur das überschreitet diese Schwelle,

00:37:51.801 --> 00:37:54.700
<v Thomas Flohr>die beiden anderen mit 30 keV liegen drunter.

00:37:54.701 --> 00:37:59.300
<v Thomas Flohr>Wir haben nicht zwei sondern vier solche Schwellen eingeführt

00:37:59.301 --> 00:38:07.800
<v Thomas Flohr>und können deswegen die auftreffenden und detektierten Röntgenstrahlen deshalb in vier Energietöpfe einordnen.

00:38:07.801 --> 00:38:16.800
<v Tim Pritlove>Um mal bei dem Bild mit dem Farbfernsehen zu bleiben, man würde halt sozusagen separat das rote, das blaue und das grüne Licht sich anschauen,

00:38:16.801 --> 00:38:21.900
<v Tim Pritlove>was ja unterschiedliche Frequenzbereiche hat und es funktioniert im Prinzip analog zu so einem Frequenzfilter,

00:38:21.901 --> 00:38:22.400
<v Tim Pritlove>kann man fast sagen.

00:38:22.401 --> 00:38:23.200
<v Thomas Flohr>Im Grunde ja.

00:38:23.201 --> 00:38:26.600
<v Tim Pritlove>Nur dass eben die Frequenz in dem Moment eben die Energie dieser Röntgenstrahlen ist.

00:38:26.601 --> 00:38:31.200
<v Thomas Flohr>Ja, wir haben im Grunde genommen einen Frequenzfilter mit vier Energiebändern.

00:38:31.201 --> 00:38:40.400
<v Tim Pritlove>So und das bedeutet, dass man jetzt mit diesen neuen Detektoren erstens also eine komplett neue Information enthält.

00:38:40.401 --> 00:38:41.100
<v Thomas Flohr>Ja.

00:38:41.101 --> 00:38:47.700
<v Tim Pritlove>Also man hat die Farbe quasi jetzt, die in dem Signal ist und wenn ich das richtig verstanden habe,

00:38:47.701 --> 00:38:52.300
<v Tim Pritlove>ist halt auch jetzt diese optische Trennung auf einmal nicht mehr so erforderlich.

00:38:52.301 --> 00:38:58.500
<v Thomas Flohr>Genau, die optische Trennung, man hat einmal den Vorteil, dass man die Energie der Quanten kennt, also praktisch ihre Farbe.

00:38:58.501 --> 00:39:02.300
<v Thomas Flohr>Man hat aus dem schwarz-weiß-Bild ein Farbbild gemacht.

00:39:02.301 --> 00:39:10.700
<v Thomas Flohr>Dann gibt es diesen Zwischenschritt über das Licht nicht mehr, das heißt, ich muss auch keine optische Trennung zwischen Detektorelementen machen,

00:39:10.701 --> 00:39:16.000
<v Thomas Flohr>sondern die Detektorelemente werden im Wesentlichen selber durch das starke elektrische Feld definiert,

00:39:16.001 --> 00:39:24.300
<v Thomas Flohr>das heißt, ich kann die einzelnen Detektorpixel sehr sehr viel kleiner machen und erzeuge damit schärfere Bilder.

00:39:24.301 --> 00:39:29.100
<v Tim Pritlove>Wenn man vorher bei Millimeter als Grenze war, wo ist man dann jetzt?

00:39:29.101 --> 00:39:38.500
<v Thomas Flohr>Jetzt sind wir bei etwa 0,2 Millimeter für die Größe von einem einzelnen, 0,2 mal 0,2 Millimeter für das kleine Pixel unseres Detektors.

00:39:38.501 --> 00:39:41.300
<v Thomas Flohr>Im Vergleich zu 1 Millimeter mal 1 Millimeter.

00:39:41.301 --> 00:39:48.700
<v Tim Pritlove>Also im Prinzip die 25-fache Auflösung, wenn man sozusagen in jeder Achse ein Fünftel der Größe hat.

00:39:48.701 --> 00:39:50.600
<v Thomas Flohr>Ja, nur darf man es nicht multiplizieren.

00:39:50.601 --> 00:39:53.600
<v Thomas Flohr>Also theoretisch die fünffache.

00:39:53.601 --> 00:39:54.800
<v Tim Pritlove>Also fünffache.

00:39:54.801 --> 00:39:55.200
<v Thomas Flohr>Die fünffache Auflösung im Vergleich zu dem konventionellen Mode.

00:39:55.201 --> 00:39:57.000
<v Tim Pritlove>Ja okay, eindimensional.

00:39:57.001 --> 00:39:58.900
<v Tim Pritlove>Aber das ist schon eine Menge.

00:39:58.901 --> 00:40:09.600
<v Thomas Flohr>Es ist schon eine Menge, klinisch nutzbar davon wird sein, wir haben im Vergleich zu einem heutigen modernen CT schon die doppelte Auflösung,

00:40:09.601 --> 00:40:11.400
<v Thomas Flohr>das kann man sagen.

00:40:11.401 --> 00:40:15.600
<v Tim Pritlove>Doppelte Auflösung und das Ganze eben aber auch noch gepaart mit der Auflösung in der Strahlung.

00:40:15.601 --> 00:40:19.200
<v Tim Pritlove>Also dadurch, dass man diese vier Bänder hat, also komme ich schon dann auf 20.

00:40:19.201 --> 00:40:25.300
<v Thomas Flohr>Ja ja, wir haben die vier Bänder, wir haben die Farbinformation, wir haben eine verdoppelte räumliche Auflösung

00:40:25.301 --> 00:40:30.700
<v Thomas Flohr>und wir haben in unserem Gerät jetzt auch dieses Dual Source Prinzip angewandt.

00:40:30.701 --> 00:40:37.100
<v Thomas Flohr>Wir haben also nicht nur einen solchen neuen Detektor in das Gerät eingebaut, sondern gleich zwei.

00:40:37.101 --> 00:40:44.300
<v Thomas Flohr>Um auch den dritten Parameter, die zeitliche Auflösung, die Belichtungszeit pro Bild so kurz wie möglich zu halten,

00:40:44.301 --> 00:40:48.800
<v Thomas Flohr>um bewegte Organe wie zum Beispiel das Herz oder die Lunge gut abbilden zu können.

00:40:48.801 --> 00:40:56.400
<v Tim Pritlove>Ist denn die eigentliche Zählung der Quanten letztlich auch noch eine feinere Information

00:40:56.401 --> 00:41:04.400
<v Tim Pritlove>als man das vorher mit dieser Lichtstromumwandlung hatte oder ist das eigentlich vergleichbar in der Lösung

00:41:04.401 --> 00:41:11.600
<v Tim Pritlove>oder erfasst man die gemessene Energie auch noch genauer als man das vorher mit dem Szintillator getan hat?

00:41:11.601 --> 00:41:18.400
<v Thomas Flohr>Ein Szintillator hat in dem Zusammenhang noch einen weiteren Nachteil.

00:41:18.401 --> 00:41:26.400
<v Thomas Flohr>Ein Szintillator kann nichts über die Energie der detektierten Röntgenstrahlen sagen,

00:41:26.401 --> 00:41:34.900
<v Thomas Flohr>aber es ist bei einem Szintillator immer so, dass die Röntgenstrahlen mit der niedrigen Energie weniger Licht erzeugen

00:41:34.901 --> 00:41:41.000
<v Thomas Flohr>und deswegen weniger zum Signal beitragen als die Röntgenstrahlen mit der höheren Energie.

00:41:41.001 --> 00:41:46.800
<v Thomas Flohr>Ich kann nur die Summe messen, aber in der Summe ist es so, dass die, die die niedrige Energie hatten,

00:41:46.801 --> 00:41:50.800
<v Thomas Flohr>weniger beigetragen haben als die, die höhere Energie hatten.

00:41:50.801 --> 00:41:56.500
<v Thomas Flohr>Das ist für ein CT-Bild und die Kontraste im CT-Bild schlecht,

00:41:56.501 --> 00:42:05.600
<v Thomas Flohr>weil die Kontrastinformation im CT-Bild wird eigentlich von den Röntgenstrahlen mit der niedrigen Energie im Wesentlichen getragen.

00:42:05.601 --> 00:42:15.300
<v Thomas Flohr>Das heißt, ein konventioneller, klassischer Szintillationsdetektor liefert schlechtere Bildkontraste als sie sein müssten.

00:42:15.301 --> 00:42:22.000
<v Thomas Flohr>Das macht ein photonenzählender Detektor nicht, weil selbst in der einfachsten Betriebsweise,

00:42:22.001 --> 00:42:28.000
<v Thomas Flohr>wenn ich nur eine einzige Zählvorrichtung aktivere, also nur eine einzige Schwelle

00:42:28.001 --> 00:42:36.000
<v Thomas Flohr>und alle Röntgenquanten zähle, die diese Schwelle überwinden, dann tragen die alle gleichmäßig zum Signal bei,

00:42:36.001 --> 00:42:43.700
<v Thomas Flohr>weil sie halt alle gezählt werden und das Röntgenquant mit 30 keV wird genauso gezählt wie das Röntgenquant mit 70 keV.

00:42:43.701 --> 00:42:56.200
<v Thomas Flohr>Das heißt, die Röntgenquanten mit der niedrigen Energie tragen mehr zum Signal bei als mit einem konventionellen Szintillationsdetektor,

00:42:56.201 --> 00:43:05.200
<v Thomas Flohr>das heißt, die Bildkontraste sind besser, die sind prinzipbedingt mit einem photonenzählenden Detektor höher als mit einem Szintillationsdetektor.

00:43:05.201 --> 00:43:11.600
<v Tim Pritlove>Und man kann dann vor allem, weil man die Daten unterscheiden kann, sehr viel feiner das auch nachtunen und sagen…

00:43:11.601 --> 00:43:14.600
<v Thomas Flohr>Man kann es dann auch noch zusätzlich sehr viel feiner nachtunen.

00:43:14.601 --> 00:43:23.100
<v Thomas Flohr>Man kann diese Aufteilung in die vier Farbtöpfe nehmen, um Gewebe viel feiner zu charakterisieren,

00:43:23.101 --> 00:43:33.500
<v Thomas Flohr>um viel besser sagen zu können, was sehe ich da eigentlich, auch um verschiedene Materialien voneinander unterscheiden zu können.

00:43:33.501 --> 00:43:44.600
<v Thomas Flohr>Ein Problem in der CT-Bildgebung ist ja, dass die CT nur auf die Röntgenschwächung reagiert.

00:43:44.601 --> 00:43:51.700
<v Thomas Flohr>Materialien, die chemisch unterschiedlich sind, aber die gleiche Röntgenschwächung aufweisen,

00:43:51.701 --> 00:43:55.300
<v Thomas Flohr>erscheinen im CT-Bild gleichartig.

00:43:55.301 --> 00:44:03.100
<v Thomas Flohr>Ein einfaches Beispiel dafür ist, bei den meisten CT-Untersuchungen wird iodhaltiges Kontrastmittel verabreicht.

00:44:03.101 --> 00:44:08.800
<v Thomas Flohr>Iod hat eine relativ hohe Röntgenschwächung.

00:44:08.801 --> 00:44:12.000
<v Thomas Flohr>Iod reichert sich in den Gefäßen an.

00:44:12.001 --> 00:44:22.400
<v Thomas Flohr>Diese iodgefüllten Gefäße schwächen dann die Röntgenstrahlung stärker und erscheinen auf dem CT-Bild hell.

00:44:22.401 --> 00:44:23.700
<v Tim Pritlove>Hell für mehr geschwächt.

00:44:23.701 --> 00:44:30.800
<v Thomas Flohr>Hell für mehr geschwächt, stärker geschwächte Objekte werden auf einem CT-Bild heller dargestellt.

00:44:30.801 --> 00:44:34.300
<v Thomas Flohr>Die Knochen schwächen die Röntgenstrahlung auch stark.

00:44:34.301 --> 00:44:39.800
<v Thomas Flohr>Das heißt, auch Knochen sind auf einem CT-Bild hell, sie sind weiß.

00:44:39.801 --> 00:44:48.000
<v Thomas Flohr>Man kann jetzt oft ohne anatomische Erkenntnisse allein aufgrund der Helligkeit im CT-Bild nicht unterscheiden,

00:44:48.001 --> 00:44:55.400
<v Thomas Flohr>ist das jetzt ein Kontrastmitteliodgefülltes Gefäß oder ist das ein Knochen.

00:44:55.401 --> 00:45:03.300
<v Thomas Flohr>Das hat wiederum eine besondere Rolle, wenn man die Herzkranzgefäße des Patienten abbildet.

00:45:03.301 --> 00:45:09.000
<v Thomas Flohr>Um die Herzkranzgefäße abbilden zu können, hat man dem Patienten ein iodhaltiges Kontrastmittel gegeben,

00:45:09.001 --> 00:45:15.000
<v Thomas Flohr>damit dieses Iod in den Herzkranzgefäßes sie im CT-Bild hell macht.

00:45:15.001 --> 00:45:18.400
<v Thomas Flohr>Viele Menschen haben aber auch Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen.

00:45:18.401 --> 00:45:27.000
<v Thomas Flohr>Diese Verkalkungen sind auch hell und man kann dann auf einem normalen CT-Bild oft nicht unterscheiden,

00:45:27.001 --> 00:45:36.100
<v Thomas Flohr>ja ist das jetzt eine Verkalkung oder ist das das kontrastmittelgefüllte Gefäßlumen.

00:45:36.101 --> 00:45:43.200
<v Thomas Flohr>Man kann bei Patienten, die Verkalkungen haben in den Herzkranzgefäßen, oft nicht sagen,

00:45:43.201 --> 00:45:49.400
<v Thomas Flohr>ja ist denn das Gefäß an dieser Stelle eigentlich noch durchlässig?

00:45:49.401 --> 00:45:55.500
<v Thomas Flohr>Solche Patienten müssen dann zum Beispiel gleich in einem Herzkatheter untersucht werden.

00:45:55.501 --> 00:46:03.400
<v Thomas Flohr>Mit dem neuen CT kann ich, weil ich ja die Energieinformationen in vier Energietöpfen kenne,

00:46:03.401 --> 00:46:13.200
<v Thomas Flohr>das Calcium, die Verkalkung trennen von dem Iod, weil die das Spektrum der Röntgenstrahlen anders beeinflussen,

00:46:13.201 --> 00:46:17.500
<v Thomas Flohr>also sprich, letztendlich das Signal in anderen Energiebereichen…

00:46:17.501 --> 00:46:18.600
<v Tim Pritlove>Die haben eine andere Signatur.

00:46:18.601 --> 00:46:20.200
<v Thomas Flohr>Die haben eine andere Signatur.

00:46:20.201 --> 00:46:29.000
<v Thomas Flohr>Ich kann also das Calcium von dem iodgefüllten Gefäß trennen und kann das Calcium markieren und aus dem Bild entfernen,

00:46:29.001 --> 00:46:38.000
<v Thomas Flohr>so dass der Blick auf das unverstellte Gefäßlumen bleibt und man wirklich auch bei Kalzifizierungen sagen kann,

00:46:38.001 --> 00:46:41.200
<v Thomas Flohr>ja hier ist das Gefäß eigentlich noch durchlässig oder nicht.

00:46:41.201 --> 00:46:47.000
<v Tim Pritlove>Das heißt, um das mal ein bisschen zusammenzufassen,

00:46:47.001 --> 00:46:57.700
<v Tim Pritlove>durch diesen neuen Detektor mit diesem Cadmiumtellurid, der unmittelbaren Umwandlung der Röntgenstrahlen in eine Strominformation,

00:46:57.701 --> 00:47:05.200
<v Tim Pritlove>die höher auflöst und die eben auch diese unterschiedlichen Energielevel zumindest in diesen vier Abstufungen noch unterscheidet,

00:47:05.201 --> 00:47:13.600
<v Tim Pritlove>erreicht man auf der einen Seite eine sehr viel höhere Bildauflösung, also fünfmal so viele Pixel auf demselben Raum,

00:47:13.601 --> 00:47:17.900
<v Tim Pritlove>das heißt, man kann es feiner unterscheiden.

00:47:17.901 --> 00:47:25.700
<v Tim Pritlove>Man hat höhere Kontraste dadurch, dass man sehr viel besser die Information als solche messen kann

00:47:25.701 --> 00:47:29.900
<v Tim Pritlove>und eben auch diese Signaturen unterschiedlicher Stoffe voneinander trennen kann

00:47:29.901 --> 00:47:35.700
<v Tim Pritlove>und nicht nur so ein, da ist was oder da ist was nicht Information bekommt.

00:47:35.701 --> 00:47:44.200
<v Tim Pritlove>Und das allein ist ja schon ein nennenswerter Fortschritt, würde ich mal sagen.

00:47:44.201 --> 00:47:45.100
<v Thomas Flohr>Ja.

00:47:45.101 --> 00:47:48.200
<v Tim Pritlove>Also das ist ja eine sehr erstrebenswerte Eigenschaft.

00:47:48.201 --> 00:47:50.100
<v Thomas Flohr>Ja, das denken wir auch.

00:47:50.101 --> 00:47:50.900
<v Tim Pritlove>Ja.

00:47:50.901 --> 00:47:58.000
<v Thomas Flohr>Sie haben das sehr gut zusammengefasst, wir können sehr viel schärfere Bilder erzeugen,

00:47:58.001 --> 00:48:04.100
<v Thomas Flohr>wir können Bilder mit höherem Bildkontrast erzeugen und wir können durch die Signatur,

00:48:04.101 --> 00:48:09.300
<v Thomas Flohr>durch die Frequenzsignatur Stoffe chemisch voneinander unterscheiden,

00:48:09.301 --> 00:48:14.300
<v Thomas Flohr>die auf einem konventionellen CT-Bild gleich aussehen.

00:48:14.301 --> 00:48:23.100
<v Thomas Flohr>Und wir können auch sehr gut bewegte Organe damit abbilden wegen dem Dual-Source-Prinzip

00:48:23.101 --> 00:48:29.500
<v Thomas Flohr>und können damit auch zum Beispiel Herz oder Lunge deutlich besser charakterisieren als vorher.

00:48:29.501 --> 00:48:30.800
<v Tim Pritlove>Aber Dual Source gab es ja auch schon vorher.

00:48:30.801 --> 00:48:31.600
<v Thomas Flohr>Dual Source gab es auch vorher.

00:48:31.601 --> 00:48:32.900
<v Tim Pritlove>Gab es da trotzdem noch eine Geschwindigkeitssteigerung?

00:48:32.901 --> 00:48:45.300
<v Thomas Flohr>Nein, das gab es auch vorher, aber wir können jetzt sozusagen diese zusätzlichen Verbesserungen auch mit der Geschwindigkeit eines Dual Source kombinieren.

00:48:45.301 --> 00:48:48.000
<v Tim Pritlove>Die höhere Geschwindigkeit kann man auch noch bei einer höheren Bewegung,

00:48:48.001 --> 00:48:50.900
<v Tim Pritlove>entweder der Organe oder des Körpers als solchem, immer noch scharfe Bilder machen.

00:48:50.901 --> 00:48:51.500
<v Thomas Flohr>Genau.

00:48:51.501 --> 00:48:52.900
<v Tim Pritlove>Das ist halt wie ein Foto schießen während jemand läuft.

00:48:52.901 --> 00:48:55.400
<v Thomas Flohr>Ist wie Fotoschießen, ist wie Sportfotografie.

00:48:55.401 --> 00:48:58.600
<v Thomas Flohr>Wenn jemand schnell läuft, dann möchte man eine kurze Belichtungszeit haben,

00:48:58.601 --> 00:49:04.400
<v Thomas Flohr>man möchte aber auch eine Kamera haben, die sehr viele feine Pixel hat, damit das Bild scharf ist,

00:49:04.401 --> 00:49:07.300
<v Thomas Flohr>und das ist auch schön, wenn man den in Farbe abbilden kann.

00:49:07.301 --> 00:49:12.500
<v Tim Pritlove>Benötigen denn diese Detektoren mehr Strahlung als die alten??

00:49:12.501 --> 00:49:23.400
<v Thomas Flohr>Nein. Nein, die benötigen im Gegenteil sogar weniger Strahlung, dadurch dass sie feiner geteilt sind,

00:49:23.401 --> 00:49:32.000
<v Thomas Flohr>dass das Messsystem besser ist und dadurch dass sie Kontraste besser abbilden als konventionelle Detektoren,

00:49:32.001 --> 00:49:37.200
<v Thomas Flohr>kommt man mit weniger Röntgenstrahlung für den Patienten aus.

00:49:37.201 --> 00:49:43.200
<v Thomas Flohr>Und erste klinische Untersuchungen von klinischen Partnern von uns haben schon gezeigt,

00:49:43.201 --> 00:49:46.600
<v Thomas Flohr>dass das 40 Prozent sein kann, also durchaus beträchtlich.

00:49:46.601 --> 00:49:47.700
<v Tim Pritlove>Mhm /bejahend/

00:49:47.701 --> 00:49:51.600
<v Thomas Flohr>Man kommt mit etwa 40 Prozent weniger Strahlendosis aus.

00:49:51.601 --> 00:49:58.600
<v Tim Pritlove>Wieviel weniger Strahlung ist das dann im Vergleich zu dem ersten Computertomographen?

00:49:58.601 --> 00:50:00.800
<v Tim Pritlove>Wie weit sind wir davon entfernt jetzt?

00:50:00.801 --> 00:50:03.500
<v Thomas Flohr>Ach je, ich glaube, das kann man so gar nicht vergleichen.

00:50:03.501 --> 00:50:07.400
<v Thomas Flohr>Das sind aber sicher Größenordnungen.

00:50:07.401 --> 00:50:17.300
<v Thomas Flohr>Also um das mal einzuordnen, ein modernes CT-Gerät braucht für eine Untersuchung etwa eine Strahlendosis von

00:50:17.301 --> 00:50:25.700
<v Thomas Flohr>je nachdem was man untersucht, würde man sagen, 0,5 bis 4-5 Millisievert.

00:50:25.701 --> 00:50:34.900
<v Thomas Flohr>Und die jährliche Hintergrundbelastung, die einfach dadurch entsteht, dass es Strahlenquellen überall in der Natur gibt,

00:50:34.901 --> 00:50:37.500
<v Thomas Flohr>die beträgt etwa 3 Millisievert.

00:50:37.501 --> 00:50:46.300
<v Thomas Flohr>Also wir sind in der Größenordnung von der jährlichen Hintergrundbelastung für einen CT-Scan oder auch schon deutlich darunter.

00:50:46.301 --> 00:50:50.200
<v Tim Pritlove>Also Bananen sind genauso gefährlich sozusagen.

00:50:50.201 --> 00:50:53.500
<v Thomas Flohr>Bananen weiß ich nicht, aber zum Beispiel …

00:50:53.501 --> 00:50:55.400
<v Tim Pritlove>Den wird ja immer hohe Strahlen, Radioaktivität nachgesagt.

00:50:55.401 --> 00:51:00.600
<v Thomas Flohr>Ja, ständig über den Atlantik zu fliegen, ist sicherlich genauso gefährlich.

00:51:00.601 --> 00:51:04.500
<v Tim Pritlove>Ja, okay.

00:51:04.501 --> 00:51:11.700
<v Tim Pritlove>Jetzt sind die ganzen Fortschritte technischer Natur natürlich interessant, aber es gibt ja auch noch andere Entwicklungen,

00:51:11.701 --> 00:51:16.300
<v Tim Pritlove>insbesondere im Computerbereich und in bildgebenden Verfahren.

00:51:16.301 --> 00:51:20.300
<v Tim Pritlove>In den letzten Jahren hat sich ja eine ganze Menge getan, weil die Computer natürlich schneller geworden sind,

00:51:20.301 --> 00:51:26.800
<v Tim Pritlove>Speicherung von großen Datenmengen ist in zunehmenden Maße einfacher und günstiger geworden.

00:51:26.801 --> 00:51:32.100
<v Tim Pritlove>Und überhaupt sieht man ja auch, dass so bildgebende Verfahren,

00:51:32.101 --> 00:51:41.000
<v Tim Pritlove>mathematische Methoden aus irgendwie komplexen Bildmaterial etwas neues und anschaulicheres zu erzeugen,

00:51:41.001 --> 00:51:43.900
<v Tim Pritlove>ja, das greift irgendwie um sich.

00:51:43.901 --> 00:51:51.700
<v Tim Pritlove>Sagen wir mal, die Ablichtung von Umgebung aus Luftbildern, wo man dann irgendwie Bildern aus verschiedenen Bereichen schießt,

00:51:51.701 --> 00:51:56.600
<v Tim Pritlove>um daraus so ein 3D-Modell zu machen, ist ja in gewisser Hinsicht auch ein bisschen vergleichbar mit dem,

00:51:56.601 --> 00:52:02.900
<v Tim Pritlove>was Sie in dem Computertomographen machen, weil das ja eigentlich auch mehr oder weniger Luftbilder aus verschiedenen Winkeln sind.

00:52:02.901 --> 00:52:11.500
<v Tim Pritlove>Wie hat sich dieser Softwareteil weiterentwickelt und spielt das jetzt hier in der nächsten Generation von Tomographen auch eine Rolle?

00:52:11.501 --> 00:52:16.100
<v Thomas Flohr>Naja, für diesen Softwareteil gibt es eigentlich zwei Aspekte.

00:52:16.101 --> 00:52:23.700
<v Thomas Flohr>Der eine Aspekt ist einer, den man vielleicht gar nicht so sehr auf Anhieb sieht.

00:52:23.701 --> 00:52:36.200
<v Thomas Flohr>Aber solche lernbasierten Verfahren oder künstliche Intelligenz wird in einem Computertomographen heute schon verwendet,

00:52:36.201 --> 00:52:39.400
<v Thomas Flohr>um dem Benutzer die Bedienung zu vereinfachen.

00:52:39.401 --> 00:52:47.300
<v Thomas Flohr>Wenn zum Beispiel ein Computertomographie-Scan gemacht wird, wird zunächst eine Übersichtsaufnahme gemacht.

00:52:47.301 --> 00:52:51.300
<v Thomas Flohr>Da wird, das entspricht etwa einem konventionellen Röntgenbild.

00:52:51.301 --> 00:52:54.800
<v Thomas Flohr>Dabei wird der Detektor und die Röhre nicht gedreht, sondern die stehen still,

00:52:54.801 --> 00:53:03.000
<v Thomas Flohr>fahren einmal über den Patienten drüber und erzeugen eine röntgenbildähnliche Darstellung,

00:53:03.001 --> 00:53:08.100
<v Thomas Flohr>auf der der Arzt oder die MTA dann die eigentliche Untersuchung plant.

00:53:08.101 --> 00:53:17.300
<v Thomas Flohr>Sie will die Lunge untersuchen und muss daher den Untersuchungsbereich so festlegen, dass die Lunge genau getroffen wird.

00:53:17.301 --> 00:53:19.700
<v Tim Pritlove>Erst mal allein zur Positionierung und zur Kalibrierung?

00:53:19.701 --> 00:53:26.500
<v Thomas Flohr>Allein für Positionierung, das machen heute Computeralgorithmen, die schlagen ihr das automatisch vor,

00:53:26.501 --> 00:53:34.800
<v Thomas Flohr>schau mal her, ich habe die Lunge erkannt, du solltest deinen Scanbereich von hier bis da definieren

00:53:34.801 --> 00:53:38.800
<v Thomas Flohr>und ich habe auch erkannt, dass der Patient nicht auf der optimalen Höhe liegt,

00:53:38.801 --> 00:53:41.600
<v Thomas Flohr>sondern dass du den ein bisschen höher legen solltest.

00:53:41.601 --> 00:53:46.900
<v Thomas Flohr>Dahinter steckt auch schon künstliche Intelligenz, lernbasierte Verfahren.

00:53:46.901 --> 00:53:47.700
<v Tim Pritlove>Also Machine-Learning-Verfahren.

00:53:47.701 --> 00:53:52.300
<v Thomas Flohr>Einfach Machine-Learning, die einfach an vielen vielen Patientenbildern gelernt haben, wie die Lunge aussieht

00:53:52.301 --> 00:53:57.500
<v Thomas Flohr>Und wie man letztendlich vorschlagen kann, das ist der richtige Scanbereich.

00:53:57.501 --> 00:54:06.500
<v Thomas Flohr>Das ist sehr sehr unspektakulär, wird aber heute schon in vielen CTs von Ärzten ganz selbstverständlich genutzt.

00:54:06.501 --> 00:54:12.700
<v Thomas Flohr>Dann gibt es den anderen Bereich, den Sie hier ansprechen, was mache ich denn mit den eigentlichen Bildern, die ich erzeugt habe?

00:54:12.701 --> 00:54:22.400
<v Thomas Flohr>Kann ich da mit künstlicher Intelligenz mehr Information oder andere Informationen herausholen als der Radiologe?

00:54:22.401 --> 00:54:28.600
<v Thomas Flohr>Auch da gibt es Techniken, die auch heute schon im Einsatz sind.

00:54:28.601 --> 00:54:39.100
<v Thomas Flohr>Jetzt nicht, um den Radiologen zu ersetzen, wie oft die Angst ist, sondern einfach um ihn zu unterstützen und ihnen Routineaufnahmen abzunehmen.

00:54:39.101 --> 00:54:49.800
<v Thomas Flohr>In CT-Bildern bestimmte Organe automatisch zu finden, automatisch darin bestimmte Messungen vorzunehmen,

00:54:49.801 --> 00:54:56.800
<v Thomas Flohr>zum Beispiel den Durchmesser der Aorta oder bei Herzaufnahmen automatisch festzustellen,

00:54:56.801 --> 00:55:00.400
<v Thomas Flohr>wieviel Kalk ist denn jetzt in den Herzkranzgefäßen?

00:55:00.401 --> 00:55:05.900
<v Thomas Flohr>Das wird heute schon getan und so was ist in der Regel basierend auf Maschinenlernen.

00:55:05.901 --> 00:55:13.300
<v Thomas Flohr>Also das ist die erste unmittelbare Anwendung des Maschinenlernens, Bilder besser darzustellen,

00:55:13.301 --> 00:55:17.200
<v Thomas Flohr>automatische Messungen vorzunehmen, um den Radiologen zu entlasten.

00:55:17.201 --> 00:55:24.400
<v Thomas Flohr>Dann der nächste Schritt kann sein, jetzt kann ich automatisch Anomalien in den Bildern entdecken, auch daran arbeiten wir.

00:55:24.401 --> 00:55:31.500
<v Thomas Flohr>Beispiel dafür ist, bei einem Schädelscan möchte man automatisch eine Blutung im Schädel entdecken können,

00:55:31.501 --> 00:55:38.300
<v Thomas Flohr>das kann ein Computer, um den befundenen Arzt darauf hinzuweisen, schau mal, da ist ein Fall.

00:55:38.301 --> 00:55:45.600
<v Thomas Flohr>In deiner ganzen Liste von Fällen da ist einer, der hat vermutlich eine Blutung, schau den mal als ersten an.

00:55:45.601 --> 00:55:52.100
<v Thomas Flohr>Und wenn wir jetzt weitergehen, gerade mit diesem neuen CT haben wir ja eine Vielzahl von neuen Informationen,

00:55:52.101 --> 00:55:54.000
<v Thomas Flohr>auch von anderen Informationen.

00:55:54.001 --> 00:56:05.500
<v Thomas Flohr>Und diese Informationen dann zu verbinden mit maschinenlernenden Ansätzen, um noch mehr aus diesen Informationen rauszuholen,

00:56:05.501 --> 00:56:15.500
<v Thomas Flohr>um Krankheitsprozesse vielleicht wirklich früher erkennen zu können oder früher auch charakterisieren zu können,

00:56:15.501 --> 00:56:17.500
<v Thomas Flohr>ist sicher ein wesentlicher Schritt.

00:56:17.501 --> 00:56:23.100
<v Tim Pritlove>Machine-Learning, also maschinelles Lernen erfordert ja sozusagen auch immer eine Wahrheit zu haben.

00:56:23.101 --> 00:56:28.300
<v Tim Pritlove>Man kann ja so einen Algorithmus nur dann irgendwas erkennen lassen, wenn auch klar ist so,

00:56:28.301 --> 00:56:36.100
<v Tim Pritlove>okay guck dir das mal an, das war, was weiß ich, ein Tumor, hier war eine Verkalkung, hier Blutung etc. tausend Beispiele

00:56:36.101 --> 00:56:41.900
<v Tim Pritlove>und so funktioniert ja das Maschinenlernen, indem man eben einfach möglichst viele Wahrheiten und viele Unwahrheiten präsentiert

00:56:41.901 --> 00:56:45.500
<v Tim Pritlove>und immer sagt, das war es und das war es nicht.

00:56:45.501 --> 00:56:51.100
<v Tim Pritlove>Ich erinnere mich selber noch, Bekannte von mir war Radiologin und hat auch sehr viel so Tumoruntersuchung,

00:56:51.101 --> 00:56:56.100
<v Tim Pritlove>Frühuntersuchung gemacht und so weiter, und das war halt irre.

00:56:56.101 --> 00:57:02.800
<v Tim Pritlove>Also erst mal welche Technik in der Frühzeit so erforderlich war, also hochgradig kalibrierte schwarzweiß-Bildschirme,

00:57:02.801 --> 00:57:10.100
<v Tim Pritlove>die so diese ganzen Graustufen auf eine extrem präzise Art und Weise angezeigt haben.

00:57:10.101 --> 00:57:17.200
<v Tim Pritlove>Und trotzdem schaute man im Wesentlichen auf so einen waberndes Nichts, wo es einfach extrem viel Erfahrung braucht,

00:57:17.201 --> 00:57:21.500
<v Tim Pritlove>um diese Bilder überhaupt in irgendeiner nennenswerten Form interpretieren zu können.

00:57:21.501 --> 00:57:28.200
<v Tim Pritlove>Ich denke, jeder kennt das auch, wenn man selbst mal in Behandlung war und dann kriegt man so ein Röntgenbild gezeigt,

00:57:28.201 --> 00:57:34.700
<v Tim Pritlove>und das ist einfach im Wesentlichen alles so Nebel morgens um 7 Uhr und dann zeigen die Ärzte drauf und sagen,

00:57:34.701 --> 00:57:38.800
<v Tim Pritlove>hier sehen Sie ja, hier da ist irgendwie alles im Eimer und da ist alles super.

00:57:38.801 --> 00:57:40.700
<v Tim Pritlove>Und ich so, ja okay, meinetwegen.

00:57:40.701 --> 00:57:43.400
<v Tim Pritlove>Sprich, es braucht viel Erfahrung.

00:57:43.401 --> 00:57:50.500
<v Tim Pritlove>Die Frage ist, wie arbeiten Sie jetzt mit den Radiologinnen und Radiologen zusammen,

00:57:50.501 --> 00:57:58.400
<v Tim Pritlove>inwiefern ist jetzt auch Siemens hier als im Wesentlichen ja geräteherstellender Produzent, Technologieproduzent

00:57:58.401 --> 00:58:02.400
<v Tim Pritlove>mit der Forschungslandschaft und mit den Ärztinnen und Ärzten verbunden,

00:58:02.401 --> 00:58:08.200
<v Tim Pritlove>dass man diese Information auch zuverlässig einsammeln und eben auch erlernen kann?

00:58:08.201 --> 00:58:22.400
<v Thomas Flohr>Wir haben ein enges Netz von klinischen Partnern, mit denen wir seit zum Teil vielen Jahren in Kooperation zusammenarbeiten.

00:58:22.401 --> 00:58:31.300
<v Thomas Flohr>Mit denen wir dann auch zum Beispiel neue Geräte, wie jetzt diesen Computertomographen, erproben

00:58:31.301 --> 00:58:38.700
<v Thomas Flohr>und deren Feedback dann bei uns natürlich sehr wesentlich einfließt.

00:58:38.701 --> 00:58:48.900
<v Thomas Flohr>Das ist für uns auch ganz ganz wesentlich, ohne dieses enge Netz klinischer Partner hätten wir zum Beispiel den,

00:58:48.901 --> 00:58:56.700
<v Thomas Flohr>also den quantenzählenden Computertomographen vermutlich nicht so schnell in der Form,

00:58:56.701 --> 00:58:59.900
<v Thomas Flohr>wie wir ihn jetzt haben, marktreif gebracht.

00:58:59.901 --> 00:59:10.000
<v Thomas Flohr>Also das ist so, wir haben zum Teil langjährige Kooperationspartner, mit denen wir zusammen Studien durchführen,

00:59:10.001 --> 00:59:18.400
<v Thomas Flohr>mit denen wir zusammen neue Software evaluieren und die uns wirklich wertvolles Feedback geben.

00:59:18.401 --> 00:59:25.000
<v Tim Pritlove>Also mit anderen Worten, Sie sind da in einem permanenten Austausch mit Universitätskliniken und anderen Forschungsstandorten.

00:59:25.001 --> 00:59:27.000
<v Thomas Flohr>Ja, sind wir.

00:59:27.001 --> 00:59:30.800
<v Tim Pritlove>Um diese Information dann auch entsprechend prüfen zu können.

00:59:30.801 --> 00:59:35.300
<v Tim Pritlove>Wenn ich es richtig sehe, das ist auch noch so ein bisschen auf einer zweiten Ebene,

00:59:35.301 --> 00:59:43.700
<v Tim Pritlove>also es wird jetzt, glaube ich, auch gerade ein neues Produktionszentrum errichtet in Forchheim für diese neue Technologie?

00:59:43.701 --> 00:59:50.100
<v Thomas Flohr>Es ist ein Produktionszentrum errichtet worden für die Kristallzucht hier in Forchheim.

00:59:50.101 --> 00:59:55.600
<v Thomas Flohr>Der Cadmiumtellurid-Kristall ist ja der wesentliche Bestandteil dieses Detektors.

00:59:55.601 --> 01:00:06.000
<v Thomas Flohr>Und wir haben hier ein Zentrum gebaut, in dem wir diesen Kristall einerseits in der nötigen hohen Qualität produzieren können,

01:00:06.001 --> 01:00:13.400
<v Thomas Flohr>aber dann auch in der Menge, die wir für eine breite Einführung dieser CT-Geräte brauchen.

01:00:13.401 --> 01:00:15.300
<v Tim Pritlove>Das existiert schon oder das entsteht gerade?

01:00:15.301 --> 01:00:22.500
<v Thomas Flohr>Das existiert, also dieses Kristallzentrum existiert, das ist eingeweiht worden, die haben auch schon Kristalle.

01:00:22.501 --> 01:00:22.500
<v Tim Pritlove>Funktioniert auch schon.

01:00:22.501 --> 01:00:24.800
<v Thomas Flohr>Funktioniert auch schon.

01:00:24.801 --> 01:00:32.200
<v Thomas Flohr>Das ist so auch ein wesentlicher Schritt, wir wollen ja jetzt nicht ein solches CT irgendwo installieren

01:00:32.201 --> 01:00:38.900
<v Thomas Flohr>und manufakturartig einen solchen Detektor mal zusammenbasteln.

01:00:38.901 --> 01:00:48.800
<v Thomas Flohr>Sondern ein solcher Detektor der muss sich ja industriell fertigen lassen, weil wir idealerweise viele hunderte solche CT produzieren wollen.

01:00:48.801 --> 01:00:56.300
<v Thomas Flohr>Und der muss sich auch industriell zu akzeptablen Kosten fertigen lassen und natürlich mit der geforderten Qualität.

01:00:56.301 --> 01:01:01.000
<v Thomas Flohr>Das ist ein mindestens ebenso wesentlicher Schritt, das zu erreichen.

01:01:01.001 --> 01:01:09.400
<v Tim Pritlove>Wenn man jetzt auf die neue Technik schaut, so in der Summe, welche Möglichkeiten das Ganze ergibt,

01:01:09.401 --> 01:01:19.900
<v Tim Pritlove>wie schätzen Sie die Auswirkung, die potenziellen Auswirkungen, sage ich mal, auf medizinische Diagnostik aus?

01:01:19.901 --> 01:01:28.200
<v Tim Pritlove>Was könnte durch diesen Sprung, diesen technischen Schritt ermöglicht werden,

01:01:28.201 --> 01:01:36.200
<v Tim Pritlove>wo derzeit vielleicht die Diagnostik im Grenzbereich des ungefähren arbeitet?

01:01:36.201 --> 01:01:43.100
<v Thomas Flohr>Ja wir glauben, dass wir mit diesem Computertomographen einen wesentlichen Schritt in die Richtung gehen,

01:01:43.101 --> 01:01:46.600
<v Thomas Flohr>CT-Bilder aussagekräftiger zu machen.

01:01:46.601 --> 01:01:54.000
<v Thomas Flohr>Ich habe bereits gesagt, CT-Bilder können kleine Veränderungen auch heute schon empfindlich darstellen,

01:01:54.001 --> 01:01:58.000
<v Thomas Flohr>aber sie können oft nicht sagen, was bedeutet das für den Patienten?

01:01:58.001 --> 01:02:05.800
<v Thomas Flohr>Und hier wollen wir einen Schritt weitergehen und wollen eine möglichst umfassende Aussage ermöglichen,

01:02:05.801 --> 01:02:15.700
<v Thomas Flohr>um so zum Beispiel frühere Diagnosen oder auch bessere Diagnosen mit weniger Folgeuntersuchungen zu ermöglichen.

01:02:15.701 --> 01:02:24.500
<v Thomas Flohr>Um bei diesem Herzbeispiel zu bleiben, Patienten, die starke Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen haben,

01:02:24.501 --> 01:02:29.500
<v Thomas Flohr>haben manchmal gar kein wirkliches Problem.

01:02:29.501 --> 01:02:34.600
<v Thomas Flohr>Diese Verkalkungen blockieren den Blutfluss in den Herzkranzgefäßen nicht.

01:02:34.601 --> 01:02:42.200
<v Thomas Flohr>Trotzdem müssen die sich heute einer invasiven Herzkatheteruntersuchung unterziehen,

01:02:42.201 --> 01:02:47.400
<v Thomas Flohr>wenn man die Durchblutung der Herzkranzgefäße wirklich feststellen will,

01:02:47.401 --> 01:02:56.200
<v Thomas Flohr>weil man auf einem herkömmlichen CT das nicht kann, weil diese Kalzifizierungen nicht vom Iod in den Gefäßen zu trennen sind

01:02:56.201 --> 01:02:59.300
<v Thomas Flohr>und alles überstrahlen, so dass man im Grunde nichts sieht.

01:02:59.301 --> 01:03:06.000
<v Thomas Flohr>Wir hoffen, dass wir auch für diese Patienten in Zukunft sicher sagen können, diese Koronararterie,

01:03:06.001 --> 01:03:15.100
<v Thomas Flohr>dieses Herzkranzgefäß ist trotz dem ganzen Kalk ausreichend durchblutet, und so zum Beispiel diesen Patienten den Gang zum Herzkatheter ersparen.

01:03:15.101 --> 01:03:25.800
<v Thomas Flohr>Auch hoffen wir, dass wir zum Beispiel gerade in der Onkologie kleine Tumoren in der Leber deutlich früher erkennen können,

01:03:25.801 --> 01:03:34.600
<v Thomas Flohr>durch die besseren Bildkontraste, deutlich besser charakterisieren können und sie vor allem auch standardisierter darstellen zu können

01:03:34.601 --> 01:03:38.000
<v Thomas Flohr>als mit einem jetzigen CT.

01:03:38.001 --> 01:03:43.400
<v Thomas Flohr>Wir glauben schon, dass wir da einen wesentlichen Schritt gemacht haben.

01:03:43.401 --> 01:03:50.000
<v Thomas Flohr>Und wenn ich das sagen darf, werden wir darin auch von anderen bestätigt, von klinischen Partnern,

01:03:50.001 --> 01:03:58.500
<v Thomas Flohr>zum Beispiel der Professor Krestin, der ist einer der frühen Nutzer dieses Systems, der ist Radiologiechef in Rotterdam

01:03:58.501 --> 01:04:08.900
<v Thomas Flohr>in den Niederlanden, der hat wirklich gesagt, er glaubt, dass in naher Zukunft jedes CT ein quantenzählendes Ct sein wird.

01:04:08.901 --> 01:04:19.500
<v Thomas Flohr>Und vielleicht auch noch ein Ereignis, das schon bemerkenswert ist, das Gerät hat jetzt seine USA-Zulassung bekommen,

01:04:19.501 --> 01:04:26.900
<v Thomas Flohr>in den USA macht diese Zulassung eine Behörde, die FDA, die Food and Drug Administration

01:04:26.901 --> 01:04:37.700
<v Thomas Flohr>und diese Behörde, die erteilt sonst einfach nur eine Zulassung zum klinischen Betrieb, der heißt (?)

01:04:37.701 --> 01:04:44.900
<v Thomas Flohr>Jetzt bei der Zulassung dieses Quantenzählers haben die selber eine Pressemitteilung gemacht, was ganz ungewöhnlich ist

01:04:44.901 --> 01:04:51.500
<v Thomas Flohr>und haben in diese Pressemitteilung reingeschrieben, dass ihrer Meinung nach das quantenzählende CT

01:04:51.501 --> 01:04:59.500
<v Thomas Flohr>die einzige wirklich relevante Neuerung in der Computertomographie seit zehn Jahren ist.

01:04:59.501 --> 01:05:08.100
<v Thomas Flohr>Das von einer US-Behörde unterstreicht, glaube ich, schon das Potenzial, das in dieser Methode steckt und das auch andere sehen.

01:05:08.101 --> 01:05:09.400
<v Tim Pritlove>Die Zulassung ist ja schon erfolgt.

01:05:09.401 --> 01:05:10.500
<v Thomas Flohr>Die Zulassung ist erfolgt ja.

01:05:10.501 --> 01:05:11.300
<v Tim Pritlove>Auch in Europa.

01:05:11.301 --> 01:05:13.500
<v Thomas Flohr>Auch in Europa ja.

01:05:13.501 --> 01:05:15.000
<v Tim Pritlove>Vielleicht noch mal kurz zu den Anwendungen.

01:05:15.001 --> 01:05:24.600
<v Tim Pritlove>Wir hatten ja jetzt gerade in dieser Corona-Zeit wieder dieses spezifische Problem, komplett neue Krankheit

01:05:24.601 --> 01:05:31.600
<v Tim Pritlove>und man wusste eben nicht, wie es sich auswirkt und gerade bei schwerstbetroffenen Covid-Patienten

01:05:31.601 --> 01:05:39.800
<v Tim Pritlove>war es ja oft so, dass dann eben, ich deute es mal als im Wesentlichen Computertomographie-Untersuchung des Körpers,

01:05:39.801 --> 01:05:48.500
<v Tim Pritlove>der Lunge da vorgenommen oder in viel schwarz oder viel weiß in dem Fall zu sehen war.

01:05:48.501 --> 01:05:52.200
<v Tim Pritlove>Wie könnte sich die Technik an der Stelle auswirken?

01:05:52.201 --> 01:05:55.700
<v Tim Pritlove>Ist das so seine Anwendung, wo das einen Unterschied machen könnte?

01:05:55.701 --> 01:05:58.500
<v Thomas Flohr>Ja, wir glauben schon, dass es auch hier einen Unterschied machen könnte.

01:05:58.501 --> 01:06:04.400
<v Thomas Flohr>Und zum besseren Verständnis dieser Krankheit beitragen kann.

01:06:04.401 --> 01:06:13.300
<v Thomas Flohr>Ein Kooperationspartner von uns zum Beispiel untersucht mit diesem Gerät jetzt eine Kohorte von Postcovid-Patienten.

01:06:13.301 --> 01:06:18.100
<v Thomas Flohr>Das sind Patienten, die haben die Covid-Infektion eigentlich überstanden,

01:06:18.101 --> 01:06:24.800
<v Thomas Flohr>haben aber Monate nach der Infektion immer noch Probleme.

01:06:24.801 --> 01:06:33.300
<v Thomas Flohr>Und bei denen erkennt man auch auf CT-Scans der Lunge durchaus noch Veränderungen der Lungenstruktur.

01:06:33.301 --> 01:06:43.800
<v Thomas Flohr>Während ein konventionelles CT nur diese Veränderung zeigen könnte, können wir jetzt mit den neuen CT auch sagen,

01:06:43.801 --> 01:06:51.900
<v Thomas Flohr>wie ist denn an dieser Stelle die Durchblutung der Lunge und damit der Gasaustausch beeinträchtigt?

01:06:51.901 --> 01:06:57.000
<v Thomas Flohr>Also wir können nicht nur sagen, schau mal, da ist irgendwas, das ist heller als es eigentlich sein sollte,

01:06:57.001 --> 01:07:05.000
<v Thomas Flohr>sondern wir können auch sagen, nein hier ist auch der Gasaustausch der Lunge gestört oder hier ist er nicht gestört.

01:07:05.001 --> 01:07:10.300
<v Thomas Flohr>Und diese Zusatzinformation kann schon helfen, solche Krankheiten besser zu verstehen.

01:07:10.301 --> 01:07:14.000
<v Tim Pritlove>Wie gelangt man zu dieser Einschätzung, dass der Gasaustausch gestört ist?

01:07:14.001 --> 01:07:18.100
<v Tim Pritlove>Also was sieht man dann, was das aussagt?

01:07:18.101 --> 01:07:22.000
<v Thomas Flohr>Man kann die Durchblutung des Lungenparenchyms(?) abbilden.

01:07:22.001 --> 01:07:30.200
<v Thomas Flohr>Durch diese Energieauflösung, also sprich durch diese spektrale Charakterisierung, die der Detektor bietet,

01:07:30.201 --> 01:07:38.800
<v Thomas Flohr>kann man erkennen, wo im Lungenparenchym Iod aufgenommen wurde, also das iodhaltige Kontrastmittel

01:07:38.801 --> 01:07:44.800
<v Thomas Flohr>und das ist ein Maß dafür, wie gut das Lungengewebe an dieser Stelle durchblutet ist.

01:07:44.801 --> 01:07:50.900
<v Thomas Flohr>Und da wo das Lungengewebe nicht durchblutet ist, findet auch kein Gasaustausch statt.

01:07:50.901 --> 01:07:55.100
<v Tim Pritlove>Okay. Ja, das ist alles sehr verheißungsvoll und weist in die Zukunft,

01:07:55.101 --> 01:08:00.100
<v Tim Pritlove>insofern eine angemessene Nominierung für einen Zukunftspreis aus meiner Perspektive.

01:08:00.101 --> 01:08:04.700
<v Tim Pritlove>Haben wir noch irgendwas wichtiges vergessen Herr Flohr?

01:08:04.701 --> 01:08:07.000
<v Thomas Flohr>Nein, aus meiner Sicht eigentlich nicht.

01:08:07.001 --> 01:08:12.200
<v Tim Pritlove>Wie lange werden wir denn jetzt noch warten müssen, bis diese Technologie Verbreitung findet?

01:08:12.201 --> 01:08:13.200
<v Tim Pritlove>Geht es jetzt schon los?

01:08:13.201 --> 01:08:15.300
<v Thomas Flohr>Es wird jetzt losgehen ja.

01:08:15.301 --> 01:08:26.400
<v Thomas Flohr>Diese Technologie ist jetzt ja schon bei etwa 20 Institutionen installiert in Europa und in den USA.

01:08:26.401 --> 01:08:30.800
<v Thomas Flohr>Und sie wird im nächsten Jahr dann generell verfügbar sein.

01:08:30.801 --> 01:08:35.400
<v Thomas Flohr>Also im nächsten Jahr kann sich das dann jeder kaufen.

01:08:35.401 --> 01:08:36.900
<v Tim Pritlove>Super.

01:08:36.901 --> 01:08:38.600
<v Tim Pritlove>Dann sage ich, vielen Dank für die Ausführungen.

01:08:38.601 --> 01:08:40.900
<v Thomas Flohr>Bitte schön.

01:08:40.901 --> 01:08:43.600
<v Tim Pritlove>Und ich sage auch, vielen Dank fürs Zuhören hier bei Forschergeist.

01:08:43.601 --> 01:08:48.300
<v Tim Pritlove>Bald geht es wieder weiter und bis dahin sage ich, tschüss und bis bald.
