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Podcast: Forschergeist
Episode: FG081 Wissenschaftskommunikation in Krisen
Publishing Date: 2020-06-05T16:47:08+02:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg081-wissenschaftskommunikation-in-krisen/

00:00:42.301 --> 00:00:48.700
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:48.701 --> 00:00:58.400
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 81. Ausgabe hier in unserer Gesprächsreihe über Wissenschaft, wissenschaftliche Fragen

00:00:58.401 --> 00:01:01.900
<v Tim Pritlove>und alles was damit zusammenhängt.

00:01:01.901 --> 00:01:07.900
<v Tim Pritlove>Ja und wie das jetzt so der neue Stil ist, wird auch diese Sendung natürlich aus der Ferne aufgenommen.

00:01:07.901 --> 00:01:13.300
<v Tim Pritlove>Und das passt auch ganz gut, denn wir wollen über Wissenschaftskommunikation reden.

00:01:13.301 --> 00:01:18.300
<v Tim Pritlove>Und da kommen ja ein paar neue Aufgaben gerade hinzu, so hat es den Eindruck.

00:01:18.301 --> 00:01:20.600
<v Tim Pritlove>Das wollen wir alles klären und besprechen.

00:01:20.601 --> 00:01:25.700
<v Tim Pritlove>Ich begrüße Frau Stefanie Molthagen-Schnöring, hallo, schönen guten Tag.

00:01:25.701 --> 00:01:26.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Hallo.

00:01:26.801 --> 00:01:32.000
<v Tim Pritlove>Frau Molthagen-Schnöring, Sie sind, ja, alles mögliche.

00:01:32.001 --> 00:01:39.500
<v Tim Pritlove>Sie beschreiben sich selber auch als Kommunikatorin, würde ich mal sagen, aber auch als Moderatorin.

00:01:39.501 --> 00:01:50.800
<v Tim Pritlove>Da steckt eine ganze Menge drin, aber vor allem haben Sie es ja auch studiert, Kommunikationswissenschaften und Kulturwissenschaften unter anderem, richtig?

00:01:50.801 --> 00:01:52.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Richtig, genau.

00:01:52.601 --> 00:01:59.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Immer schon an Schnittstellen aktiv gewesen, vielfältig interessiert und schnell für viele Themen zu begeistern.

00:01:59.401 --> 00:02:06.300
<v Tim Pritlove>Das Ganze war dann, glaube ich, gepaart noch mit einem Germanistikstudium, was kam denn hier zuerst oder war das alles gleichzeitig?

00:02:06.301 --> 00:02:15.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>In der Tat war eigentlich mein ursprünglicher Berufswunsch immer, etwas mit Sprache zu machen und Germanistik war irgendwie das naheliegendste,

00:02:15.001 --> 00:02:23.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wenn man im Deutschunterricht sich so vorstellte, man möchte auch weiterhin gerne schreiben und sprechen.

00:02:23.101 --> 00:02:30.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und da hatte ich damals als erstes eben diesen Impuls, Germanistik zu studieren, auch durchaus wegen der Literaturwissenschaft.

00:02:30.201 --> 00:02:36.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Habe dann aber sehr schnell gemerkt, dass mir eigentlich die Linguistik, also die Sprachwissenschaft, sehr viel mehr Freude bringt

00:02:36.001 --> 00:02:42.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und sich auch viel besser vereinen lässt mit den Interessen, sowohl im wissenschaftlichen also auch im praktischen Bereich,

00:02:42.001 --> 00:02:49.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>weil man wunderbar analysieren kann, wie Sprache sich entwickelt, was passiert, wenn Menschen miteinander sprechen.

00:02:49.101 --> 00:02:57.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und insofern habe ich Germanistik mit dem Schwerpunkt Linguistik studiert und die anderen Fächer waren wie Nebenfächer.

00:02:57.301 --> 00:03:00.800
<v Tim Pritlove>Was passiert denn, wenn Menschen miteinander sprechen?

00:03:00.801 --> 00:03:03.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja, ganz interessante Dinge passieren da natürlich.

00:03:03.001 --> 00:03:09.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also verschiedenste Ebenen werden angesprochen, sowohl rational als auch emotional.

00:03:09.401 --> 00:03:16.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wir kennen ja alle diese einfachen, aber dennoch richtigen, Kommunikationsmodelle von Watzlawick und Schulz von Thun und anderen,

00:03:16.101 --> 00:03:23.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>nach denen man eben bei der Kommunikation merkt, dass wir eben nicht nur auf einer rein inhaltlichen Ebene miteinander sprechen,

00:03:23.101 --> 00:03:33.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern auch eine Beziehungsebene und andere Ebenen da mit im Spiel sind und das Ganze natürlich dann noch geframt wird von den verschiedenen Rahmenbedingungen,

00:03:33.401 --> 00:03:38.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wenn wir uns in einem Unternehmen befinden oder in der Wissenschaft befinden oder in der Politik befinden,

00:03:38.701 --> 00:03:42.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>so dass Kommunikation am Ende doch ganz schön komplex ist.

00:03:42.001 --> 00:03:46.800
<v Tim Pritlove>Da werden wir gleich weiter noch drauf eingehen.

00:03:46.801 --> 00:03:52.800
<v Tim Pritlove>Jetzt würde mich aber nochmal kurz Ihr weiterer Lebensweg an der Stelle interessieren, weil es ist ja beim Studium nicht geblieben.

00:03:52.801 --> 00:03:58.900
<v Tim Pritlove>Sie haben dann aber auch keine rein wissenschaftliche Karriere eingeschlagen mit den drei Studien im Gepäck.

00:03:58.901 --> 00:04:06.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genau, ich wollte eigentlich nach dem Studium erst mal raus und ein bisschen stärker in der Praxis tätig werden

00:04:06.801 --> 00:04:13.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und bin von daher direkt nach meiner Promotion in einer Kommunikationsberatung gelandet

00:04:13.301 --> 00:04:21.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und habe dort zunächst einmal mich mit Geschäftsberichten beschäftigt, auch eine sehr spezielle Form der Kommunikation.

00:04:21.601 --> 00:04:29.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Durfte also für große Konzerne Geschäftsberichte mit konzipieren und dann kamen irgendwann Nachhaltigkeitsberichte dazu.

00:04:29.601 --> 00:04:33.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Dann kam die strategische Kommunikation dazu.

00:04:33.201 --> 00:04:39.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und dann kam irgendwann die Liebe dazu und der Liebe wegen bin ich dann aus Hamburg damals nach Berlin gezogen

00:04:39.401 --> 00:04:47.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und habe dort in einer Kommunikationsagentur gearbeitet, die sehr viel für Ministerien tätig war,

00:04:47.101 --> 00:04:52.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>auch eben schon im Bereich der Wissenschaft, für das BMBF, aber auch andere

00:04:52.201 --> 00:05:00.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und durfte dann dort als Leitung Strategiekampagnen und Kommunikationsaktivitäten mit entwickeln für diese Kunden.

00:05:00.801 --> 00:05:03.200
<v Tim Pritlove>Also unter anderem für Ministerien, nicht nur für Ministerien?

00:05:03.201 --> 00:05:10.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genau, unter anderem auch weiterhin für Unternehmen, von daher für NGOs, also ein breites Spektrum.

00:05:10.201 --> 00:05:16.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Auch für politische Parteien, so dass man in der Tat mal einen Blick in diese verschiedenen Systeme werfen konnte.

00:05:16.501 --> 00:05:22.100
<v Tim Pritlove>Die Wissenschaft dann auch oder bezog sich das erst mal noch nicht unbedingt darauf?

00:05:22.101 --> 00:05:23.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wir haben damals auch für Hochschulen Kommunikation gemacht.

00:05:23.801 --> 00:05:29.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also es gibt ja auch Hochschulen, die beispielsweise Image-Broschüren oder Geschäftsberichte rausbringen,

00:05:29.701 --> 00:05:41.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>aber eben nicht für einzelne Forschungsaktivitäten oder wenn dann für Forschungsaktivitäten, dann eben eher von der Seite der Ministerien.

00:05:41.401 --> 00:05:47.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Allerdings, muss ich sagen, hat mich die Wissenschaft nie losgelassen und ich habe in meiner Zeit bei den Agenturen dann doch manchmal vermisst,

00:05:47.201 --> 00:05:57.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass man sich wieder ein bisschen intellektueller mit Themen beschäftigt und habe von daher auch während ich in den Agenturen war den Kontakt gehalten,

00:05:57.101 --> 00:06:02.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>war Lehrbeauftragte, weil ich auch das vermisst habe eben Wissen zu vermitteln.

00:06:02.801 --> 00:06:09.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Habe dann an verschiedenen Hochschulen in Berlin und auch außerhalb von Berlin eben Lehraufträge gehabt.

00:06:09.501 --> 00:06:14.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und so kam dann immer mehr der Wunsch wieder zurückzukommen in die Wissenschaft.

00:06:14.301 --> 00:06:25.700
<v Tim Pritlove>Und das ist Ihnen ja dann auch ganz gut gelungen, denn mittlerweile sind Sie Professorin für Wirtschaftskommunikation an der Hochschule für Technik und Wissenschaft in Berlin.

00:06:25.701 --> 00:06:27.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Hochschule für Technik und Wirtschaft, genau, das ist die…

00:06:27.701 --> 00:06:31.500
<v Tim Pritlove>Okay, ja das wird heute, glaube ich, noch fünfmal durcheinander geraten.

00:06:31.501 --> 00:06:37.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist okay, das passiert mir auch manchmal, Wissenschaft und Wirtschaft sind nah beieinander.

00:06:37.801 --> 00:06:38.400
<v Tim Pritlove>Ja.

00:06:38.401 --> 00:06:43.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genau, seit 2011 bin ich dort Professorin für Wirtschaftskommunikation mit dem Schwerpunkt Text und Medien.

00:06:43.801 --> 00:06:48.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das heißt, ich bin wieder auch durchaus an meine linguistischen Wurzeln zurückgekehrt

00:06:48.701 --> 00:06:58.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und erarbeite eben auch mit Studierenden, was sind eigentlich Kriterien für gute Texte, aber natürlich beschränkt sich die Kommunikation nicht auf textliche Kommunikation,

00:06:58.701 --> 00:07:04.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern dann kommt die visuelle Kommunikation dazu, die persönliche Kommunikation, insofern ist das ein breites Spektrum.

00:07:04.101 --> 00:07:14.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich lehre viel im Bereich Kommunikationsmanagement mit einem starken Fokus schon auch auf Öffentlichkeitsarbeit von Institutionen jeder Art.

00:07:14.601 --> 00:07:22.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und aufgrund meiner Interessen und auch Erfahrungen in meinem vorherigen Berufsleben geht das auch stark in Richtung Kommunikation eben von NGOs,

00:07:22.201 --> 00:07:28.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>von politischen Institutionen und eben auch vermehrt von der Wissenschaft.

00:07:28.801 --> 00:07:43.000
<v Tim Pritlove>Jetzt ist ja die HTW ohnehin so ein bunter Fleck in der Universitätslandschaft in Berlin, die ja vor allem so durch die großen Universitäten so dominiert ist.

00:07:43.001 --> 00:07:52.200
<v Tim Pritlove>Ich habe aber immer so den Eindruck, dass die HTW so auch mit ihrem Fokus auf angewandte Wissenschaften so eine Sonderstellung einnimmt

00:07:52.201 --> 00:07:59.100
<v Tim Pritlove>und auch ein bisschen anders kommuniziert, anders sich nach außen gibt als es die anderen Universitäten tun.

00:07:59.101 --> 00:08:02.400
<v Tim Pritlove>Ist das ein berechtigter Eindruck?

00:08:02.401 --> 00:08:06.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also wenn Sie das positiv wahrnehmen, freut mich das und das ist natürlich total berechtigt.

00:08:06.401 --> 00:08:15.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>In der Tat finde ich, dass wir eine sehr gute offensive Kommunikation machen, sicherlich auch an der Stelle sich bemerkbar macht,

00:08:15.001 --> 00:08:22.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass wir eben nicht nur eine technische Hochschule sind, sondern auch Kreativ- und Kulturstudiengänge bei uns haben,

00:08:22.301 --> 00:08:28.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>so dass die Kommunikation eben auch teilweise mit entwickelt wurde von den entsprechenden Kolleginnen, also auch die Außenkommunikation

00:08:28.901 --> 00:08:35.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und auch Studierende bei uns sehr aktiv sind, die Projekte machen, um eben beispielsweise mal zu lernen, wie macht man denn eine Webseite

00:08:35.701 --> 00:08:41.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>oder ein Magazin oder eine Kampagne und das spiegelt sich auch in unserer Kommunikation wieder.

00:08:41.001 --> 00:08:48.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und in der Tat ist es das, was ich eigentlich so faszinierend an dieser Hochschule finde, dass wir, wenn ich dieses ja doch sehr strapazierte Wort gebrauchen darf,

00:08:48.801 --> 00:08:53.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>interdisziplinäre, transdisziplinär aufgestellt sind.

00:08:53.501 --> 00:09:00.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich bin jetzt seit einem Jahr Vizepräsidentin für Forschung und Transfer in der Hochschule und lerne immer mehr die verschiedenen Studiengänge,

00:09:00.201 --> 00:09:06.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wir haben um die 70 Studiengänge, kennen und merke, wie spannend das ist,

00:09:06.201 --> 00:09:12.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wenn jetzt eben beispielsweise die regenerativen Energien gemeinsame Projekte mit den Kommunikationsdesignern machen

00:09:12.401 --> 00:09:22.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>oder wenn es Projekte gibt zwischen BWL und Informatik, also da gibt es ganz viele gemeinsame Themen,

00:09:22.901 --> 00:09:28.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die ja heute quasi auf der Hand liegen, wenn man sich anschaut, was wir für große Herausforderungen in unserer Gesellschaft haben.

00:09:28.201 --> 00:09:34.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Digitalisierung, Klimawandel etc., die glaube ich keine Disziplin allein wird lösen können.

00:09:34.601 --> 00:09:39.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und da sehe ich einfach das große Potential der Hochschule und das macht mir persönlich auch wahnsinnig viel Spaß

00:09:39.301 --> 00:09:42.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und da sind wir wieder beim Thema Schnittstellen und Grenzgänger.

00:09:42.501 --> 00:09:50.500
<v Tim Pritlove>Wir hatten ja auch schon Ihren Kollegen Volker Quaschning hier im Gespräch, der ja auch ziemliche Sichtbarkeit sich selbst erarbeitet hat,

00:09:50.501 --> 00:09:56.500
<v Tim Pritlove>insbesondere in der Klimawandeldiskussion in der letzten Zeit auch nochmal besonders erhalten hat.

00:09:56.501 --> 00:10:04.800
<v Tim Pritlove>Auch wenn das natürlich jetzt gerade in der Corona-Krise alles so ein bisschen auf Platz 2 geschoben zu werden scheint.

00:10:04.801 --> 00:10:14.700
<v Tim Pritlove>Aber diese Freiräume zu bieten oder auch zu lassen vielmehr, ist das eine bewusste Politik an der HTW?

00:10:14.701 --> 00:10:25.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja, das durchaus, also es ist uns sehr wichtig, im Rahmen unserer Transferstrategie, dass wir eben eine größtmögliche Öffnung gegenüber Gesellschaft und Wirtschaft herstellen können

00:10:25.801 --> 00:10:32.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und das ist natürlich sehr vielfältig aufgrund der verschiedensten Profile, die Professorinnen und Mitarbeiterinnen bei uns haben,

00:10:32.601 --> 00:10:40.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und auch nicht jeder möchte mit Wissenschaftskommunikation nach außen treten, sondern es gibt auch andere Möglichkeiten natürlich des Transfers.

00:10:40.101 --> 00:10:50.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Es gibt Kollegen, die setzen sich dafür ein, dass Studierende, die ein Unternehmen gründen wollen, beispielsweise mit ihren Gründungsideen weiter vorankommen.

00:10:50.001 --> 00:10:59.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die sind sehr aktiv im Bereich von Schule, dass sie beispielsweise auch Angebote für Schülerinnen machen.

00:10:59.401 --> 00:11:06.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>So dass, glaube ich, da eine große Freiheit da ist, sich ja auch ein bisschen auszuleben und seinen Interessen zu folgen.

00:11:06.801 --> 00:11:15.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Mich freut es natürlich jetzt persönlich sehr, dass wir mit Volker Quaschning jemanden haben, der sehr präsent ist in diesem ganzen Klimadiskurs

00:11:15.901 --> 00:11:23.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und dass natürlich auch in irgendeiner Form dann auf die HTW wieder abstrahlt, insofern ist das jetzt auch eine win-win-Situation, wenn man so will,

00:11:23.401 --> 00:11:28.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>aber auch etwas, was man wie gesagt jetzt nicht von jedem erwarten kann.

00:11:28.401 --> 00:11:35.500
<v Tim Pritlove>Wir hatten ja das Thema Wissenschaftskommunikation hier schon aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

00:11:35.501 --> 00:11:44.800
<v Tim Pritlove>Mit Onur Güntürkün haben wir hier schon mal länger drüber gesprochen, aber auch so Nebenaspekte, so wie Science Slams,

00:11:44.801 --> 00:11:52.100
<v Tim Pritlove>also mehr so kulturelle Aktivitäten, um sozusagen Wissenschaft ins Volk zu bringen.

00:11:52.101 --> 00:11:56.000
<v Tim Pritlove>Es gibt ja verschiedene Ziele, die man haben kann.

00:11:56.001 --> 00:12:07.500
<v Tim Pritlove>So auf der einen Seite so ein bisschen eben die Ansprache der Öffentlichkeit, des Mainstreams, sozusagen die Akzeptanz von Wissenschaft als solche zu fördern,

00:12:07.501 --> 00:12:19.100
<v Tim Pritlove>so als höheres Ziel, aber natürlich auch genauso eben die konkrete Vermittlung zum eigenen Forschungsnutzen, sich selbst bekannt zu machen, Forschung bekannt zu machen,

00:12:19.101 --> 00:12:26.300
<v Tim Pritlove>natürlich auch im weiteren Sinne Drittmittel anzuwerben, all diese ganzen Zwänge, das ist ja bekannt.

00:12:26.301 --> 00:12:37.600
<v Tim Pritlove>Gerade diese Perspektive, die Sie jetzt haben, interessant mich jetzt erst mal zwischen Wissenschafts- und Wirtschaftskommunikation.

00:12:37.601 --> 00:12:48.700
<v Tim Pritlove>Gibt es denn da jetzt erst mal einen grundlegenden Unterschied in der Herangehensweise, wie hier Wissenschaft oder Wirtschaft an eine Öffentlichkeit herangehen sollten

00:12:48.701 --> 00:12:54.200
<v Tim Pritlove>oder sehen Sie da erst mal beide Bereiche gleich aufgestellt?

00:12:54.201 --> 00:12:59.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich glaube, in den Methoden und in den Prozessen gibt es keine großen Unterschiede.

00:12:59.901 --> 00:13:06.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also wenn ich als Unternehmen kommunizieren will, muss ich mir genauso darüber Gedanken machen, wer sind eigentlich meine Zielgruppen,

00:13:06.501 --> 00:13:11.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>als wenn ich das Ganze als Hochschule oder als Wissenschaftler tue.

00:13:11.201 --> 00:13:17.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das heißt, so bestimmte Fragestellungen Richtung Ziele, Richtung Zielgruppen, was sind die Botschaften, mit denen ich nach außen treten möchte

00:13:17.301 --> 00:13:27.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und mit welchen Maßnahmen möchte ich dann eben mein Publica überzeugen, das sind im Prinzip ja mehr oder weniger universelle Standards.

00:13:27.201 --> 00:13:37.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist sicherlich, wenn man mit viel Geld hantieren kann, hat man da vielleicht andere Möglichkeiten, aber auf der anderen Seite glaube ich,

00:13:37.601 --> 00:13:43.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>ist alleine so das im Kopf zu haben, dass es eben diese verschiedenen Fragestellungen gibt, auch für Wissenschaftler unglaublich hilfreich,

00:13:43.301 --> 00:13:48.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>weil sie dann nämlich plötzlich erkennen, ah okay, ich muss jetzt auch nicht immer die Öffentlichkeit überzeugen,

00:13:48.301 --> 00:13:54.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern ich habe vielleicht jetzt gerade, wie Sie schon selber sagten, vielleicht eher ein bestimmtes Lobbying-Interesse.

00:13:54.501 --> 00:13:58.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich möchte vielleicht an bestimmte Unternehmen ran, mit denn ich gemeinsam Projekte machen möchte.

00:13:58.601 --> 00:14:03.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also dass man sozusagen sich da auch entscheiden muss, mit wem möchte ich eigentlich kommunizieren?

00:14:03.801 --> 00:14:10.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Abgesehen davon, da haben Sie natürlich völlig recht, dass die Wissenschaft schon auch nochmal in einer anderen Verantwortung ist,

00:14:10.701 --> 00:14:14.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>erst recht, wenn sie stabil finanziert ist.

00:14:14.201 --> 00:14:21.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, die Verantwortung, die wir als Wissenschaft jetzt heute haben in diesen Zeiten, auch in Bezug auf die Förderung eines demokratischen Diskurses,

00:14:21.701 --> 00:14:27.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>das sehe ich als eine Aufgabe, die jetzt doch nochmal stärker bei der Wissenschaft als bei der Wirtschaft liegt,

00:14:27.401 --> 00:14:33.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>auch wenn sich die Wirtschaft in den letzten Monaten und Jahren ja auch zunehmend zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen geäußert hat.

00:14:33.901 --> 00:14:35.900
<v Tim Pritlove>Oder äußern muss.

00:14:35.901 --> 00:14:37.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Oder äußern muss, absolut genau.

00:14:37.901 --> 00:14:41.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber natürlich auch mit einem spezifischen eigenen Interesse.

00:14:41.401 --> 00:14:46.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, auch die Wissenschaft und auch Wissenschaftlerinnen haben eben ein Eigeninteresse,

00:14:46.301 --> 00:14:53.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>also es ist nicht nur immer zum Wohle des Ganzen sozusagen, sondern man möchte, wie wir gerade schon besprochen hatten,

00:14:53.001 --> 00:14:55.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>da eben auch bestimmte Ziele erreichen.

00:14:55.201 --> 00:15:00.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Insofern merken Sie, die riesigen Unterschiede sehe ich jetzt vielleicht nicht.

00:15:00.301 --> 00:15:10.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Abgesehen davon, dass natürlich die Art der Finanzierung und schon auch die Eigeninteressen von Wirtschaft schon nochmal deutlicher zutage treten

00:15:10.101 --> 00:15:11.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>als es in der Wissenschaft vielleicht der Fall ist.

00:15:11.801 --> 00:15:17.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, da kann man auch durchaus noch Aufklärung leisten für die Wissenschaftskommunikation.

00:15:17.901 --> 00:15:21.100
<v Tim Pritlove>Ich meine, diese Zielgruppen auszumachen, ist es überhaupt …

00:15:21.101 --> 00:15:27.400
<v Tim Pritlove>Also inwiefern ist es denn sinnvoll, diese Zielgruppen überhaupt zu unterscheiden?

00:15:27.401 --> 00:15:32.800
<v Tim Pritlove>Denn ich habe so ein bisschen so auch den Eindruck, dass man sich heutzutage das auch gar nicht mehr so genau aussuchen kann.

00:15:32.801 --> 00:15:43.200
<v Tim Pritlove>Klassische non-online, nicht digitale Kommunikation war ja immer sehr zielgerichtet, einfach zwangsläufig durch die Limitierung des Weges.

00:15:43.201 --> 00:15:46.200
<v Tim Pritlove>Wem schicke ich die Briefe, wer nimmt an einer Konferenz teil?

00:15:46.201 --> 00:15:52.500
<v Tim Pritlove>Also diese Öffentlichkeiten, die man vorher bereitstellen konnten, waren ja in sich schon mal sehr klar geordnet.

00:15:52.501 --> 00:16:00.400
<v Tim Pritlove>Aber wenn man heutzutage über Social Media oder eben auch nur über seine Webseite kommuniziert, kann man sich ja im Prinzip jeden einfangen

00:16:00.401 --> 00:16:09.200
<v Tim Pritlove>und viele stellen dann eben auch fest, man fängt sich dann eben auch mehr ein, andere ein als man gedacht hat und stellt dann halt auf einmal fest,

00:16:09.201 --> 00:16:14.700
<v Tim Pritlove>so oha, da passt aber jetzt meine Sprache gar nicht, denn ich werde jetzt hier komplett falsch verstanden,

00:16:14.701 --> 00:16:25.800
<v Tim Pritlove>andererseits, oh Gott, was mache ich denn jetzt, ich habe ja gar keine andere Sprache bzw. denkt man oder vielleicht ist es dann auch so, jetzt ist meine Sprache gar nicht geeignet,

00:16:25.801 --> 00:16:33.600
<v Tim Pritlove>überhaupt alle nur in irgendeiner Form erdenklichen Öffentlichkeiten anzusprechen.

00:16:33.601 --> 00:16:39.100
<v Tim Pritlove>Also wie würden Sie denn sozusagen generell Zielgruppen unterscheiden oder macht so eine Unterscheidung gar keinen Sinn?

00:16:39.101 --> 00:16:41.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich glaube, generell kann man das nicht unterscheiden.

00:16:41.501 --> 00:16:47.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Man muss halt eben darüber klar nachdenken, in welchem Feld bewege ich mich und was will ich eben erreichen?

00:16:47.301 --> 00:16:55.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und natürlich, wenn ich in den sozialen Medien unterwegs bin, dann habe ich ein stärkeres Grundrauschen immer dabei

00:16:55.401 --> 00:16:59.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und habe natürlich auch eine andere Öffentlichkeit, als wenn ich in spezifische Fachöffentlichkeiten gehe.

00:16:59.801 --> 00:17:03.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber auch das kann ich natürlich über soziale Medien machen, wenn ich in bestimmte Fachgruppen reingehe,

00:17:03.901 --> 00:17:09.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die es ja auch auf sozialen Medien gibt und mich dort dann öfter zu Wort melde.

00:17:09.701 --> 00:17:17.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Insofern ist es immer noch eine Entscheidung, welches Ziel will ich mit meiner Kommunikation erreichen?

00:17:17.401 --> 00:17:22.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Möchte ich mich als Wissenschaftler profilieren und eine Marke aufbauen, dann ist es vielleicht für mich wichtig,

00:17:22.201 --> 00:17:25.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass ich in Twitter oder anderen sozialen Medien auch unterwegs bin.

00:17:25.201 --> 00:17:32.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Möchte ich mit Journalistinnen ins Gespräch kommen oder sage ich, nein das ist alles irgendwie nicht meins, aber ich habe ein hohes Interesse daran,

00:17:32.301 --> 00:17:40.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>in meinem spezifischen Forschungsfeld diese Reputation zu haben, dann werde ich eben andere Medien bedienen und andere Wege gehen.

00:17:40.501 --> 00:17:44.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und auch das ist natürlich trotzdem immer noch auch Wissenschaftskommunikation.

00:17:44.501 --> 00:17:51.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Insofern wir müssen uns diese Frage immer stellen, wen wollen wir von etwas überzeugen?

00:17:51.601 --> 00:18:00.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn ich jetzt einfach nur Kommunikation in den Raum hinein mache und mich dann aber ärgere, dass irgendwie komische Reaktionen zurückkommen,

00:18:00.101 --> 00:18:03.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dann ist das nicht großartig verwunderlich.

00:18:03.701 --> 00:18:13.200
<v Tim Pritlove>Das heißt, es gibt schon noch die Unterscheidung der Zielgruppen, die muss aber jeder erst mal für sich selber finden und die Sprache ändert sich schon,

00:18:13.201 --> 00:18:15.000
<v Tim Pritlove>je nachdem wohin ich meine Botschaft schicken möchte?

00:18:15.001 --> 00:18:22.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Klar, wenn ich jetzt zum Beispiel sage, okay mir ist es jetzt wahnsinnig wichtig, dass ich auch irgendwie jüngere Leute erreiche mit meiner Kommunikation,

00:18:22.101 --> 00:18:30.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Sie hatten ja jetzt den Kollegin Quaschning ja erwähnt, das ist ein Beispiel für jemanden, der wirklich sehr stark auch gerade auf die jüngeren Zielgruppen geht.

00:18:30.301 --> 00:18:40.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Der macht dann eben entsprechende YouTube-Videos, die sicherlich sich jetzt auch nicht jeder andere angucken würde, aber er sagt, okay das ist jetzt für diese Zielgruppe gedacht.

00:18:40.301 --> 00:18:47.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und macht dann aber auch noch andere Dinge, die dann vielleicht eher wieder Richtung seiner anderen Rezipientinnen gehen.

00:18:47.901 --> 00:18:55.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also das meine ich, dass man halt irgendwie natürlich auch eine Sprache, auch ein Medium in einer gewissen Art und Weise diesen Zielen und diesen Zielgruppen anpasst

00:18:55.901 --> 00:19:07.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und dass es natürlich heute ein recht hohes Interesse daran gibt, gerade auch jüngere Menschen zu erreichen und dafür auch die Sprache der Wissenschaft vielleicht dann doch etwas kompliziert ist,

00:19:07.501 --> 00:19:14.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass wir vielleicht auch gerade in Deutschland eine Wissenschaftssprache benutzen, die nicht so allgemein verständlich ist.

00:19:14.801 --> 00:19:24.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn Sie sich jetzt eben Fachbücher aus dem angelsächsischen Raum anschauen, haben Sie häufig eine ganz andere Sprache und damit schon einen ganz anderen Zugang auch zu den Menschen.

00:19:24.101 --> 00:19:30.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, dessen muss man sich halt einfach bewusst sein, was natürlich die Sprache auch …

00:19:30.801 --> 00:19:36.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Nicht jede Sprache oder nicht mit jeder Sprache man jeden wie gesagt erreichen kann.

00:19:36.901 --> 00:19:45.200
<v Tim Pritlove>Jetzt gehen wir mal konkret sozusagen auf die Bedürfnisse von Wissenschaftskommunikation.

00:19:45.201 --> 00:19:57.000
<v Tim Pritlove>Wenn man jetzt sich überlegt, okay ich kommuniziere jetzt in bestimme Kanäle rein, Sie haben es schon erwähnt, Alter, Vorbildung oder Interessenlage, das sind alles so Kategorien,

00:19:57.001 --> 00:20:03.300
<v Tim Pritlove>ist auch nicht unbedingt so einen lineare Geschichte und im Zweifelsfall auch so eine größere Matrix, wo man sich dann zurechtfinden muss.

00:20:03.301 --> 00:20:06.300
<v Tim Pritlove>Und man versucht also, jetzt die richtige Sprache zu entwickeln.

00:20:06.301 --> 00:20:11.900
<v Tim Pritlove>Das bedeutet ja erst mal auch, sehr viel Zeit zu investieren, nehme ich an, reinzuhören.

00:20:11.901 --> 00:20:22.000
<v Tim Pritlove>Wie ist denn das, wenn man in einem anderen Alter ist, dann hat man halt die Jugendsprache nicht drauf oder versteht sie auch relativ schnell miss oder kommt dann vielleicht auch schon in dieses Problem,

00:20:22.001 --> 00:20:26.000
<v Tim Pritlove>dass man dann einfach so rüberkommt, dass man sich dann halt einfach nur sinnlos anbiedert und das wirkt dann unter Umständen auch ein bisschen alberner so.

00:20:26.001 --> 00:20:29.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genau, das darf es auch nicht sein.

00:20:29.501 --> 00:20:41.900
<v Tim Pritlove>Genauso gibt es natürlich dann vielleicht auch ein bisschen von den alten Zeiten geprägte Wissenschaftskreise, den dann eine zu muntere Herangehensweise dann auch irgendwie suspekt vorkommt.

00:20:41.901 --> 00:20:48.000
<v Tim Pritlove>Stellt sich mir eben die Frage, einerseits wie stellt man jetzt diese Werkzeuge für sich richtig ein?

00:20:48.001 --> 00:21:01.400
<v Tim Pritlove>Was würden Sie denn sagen, wie bereitet man sich denn darauf überhaupt vor, also was muss man hier für sich studieren, um sich erst mal in diese Lage zu versetzen nd wie misst man danach den Erfolg?

00:21:01.401 --> 00:21:05.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich glaube, da haben Sie was ganz richtiges gesagt, sich bloß nicht anbiedern.

00:21:05.701 --> 00:21:13.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also jetzt nicht meinen, dass man jetzt irgendwie in Jugendsprech abdriften muss, weil man jetzt mit Jugendlichen kommuniziert, das um Gottes Willen nicht.

00:21:13.401 --> 00:21:22.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Es muss schon authentisch sein und von daher muss man eben und ich meine, wenn man als Professorin oder als Professor tätig ist, hat man es ja eigentlich ständig mit dieser Generation junger Menschen zu tun

00:21:22.901 --> 00:21:31.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und weiß schon relativ gut wie die ticken und was die mögen und wird auch schnell feststellen, dass dabei eben eine gewisse Authentizität schon sehr wichtig ist.

00:21:31.801 --> 00:21:37.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das muss man vielleicht für sich selber feststellen, dass man auch nicht der Typ ist, der vielleicht irgendwie in einem YouTube-Video etwas erklären möchte

00:21:37.001 --> 00:21:42.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und das dann gleich eben in einen breiteren Verteiler hineingibt.

00:21:42.401 --> 00:21:50.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Vielfach ist es so, da geht es schon so Richtung Professionalisierung jetzt auch von Wissenschaftskommunikation, dass es natürlich an den Hochschulen selber,

00:21:50.901 --> 00:22:03.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>aber auch von unabhängigen oder mehr oder weniger unabhängigen Beratungen auch Angebote gibt, die man in diesem Bereich nutzen kann, um sich eben da auch schlau zu machen,

00:22:03.401 --> 00:22:15.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass man eben Tagungen besuchen kann, Workshops mitmachen kann und wie gesagt jetzt auch die Hochschulkommunikation als organisationsunterstützend mit- und wahrnehmen kann,

00:22:15.401 --> 00:22:23.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>denn dort sitzen ja auch Leute, die sich jeden Tag mit Wissenschaftskommunikation beschäftigen, die das dann eben vermittelnd tun und die ja auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermitteln

00:22:23.901 --> 00:22:25.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>an Journalisten etc. pp.

00:22:25.301 --> 00:22:34.100
<v Tim Pritlove>Haben Sie denn an der HTW konkrete Angebote für die Mitarbeiter der Universität, um sich genau in diesem Bereich besser schulen zu können?

00:22:34.101 --> 00:22:43.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also wir haben auf jeden Fall da Möglichkeiten, die könnten immer noch ausgebaut werden, aber in der Tat gibt es da Angebote, genau.

00:22:43.101 --> 00:22:49.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also beispielsweise zum Thema Umgang mit sozialen Medien, da gibt es dann eben entsprechend gemeinsame Workshops,

00:22:49.701 --> 00:22:58.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wo dann auch die Mitarbeiterinnen aus der Hochschulkommunikation sich mit den Kolleginnen dann auch zusammensetzen und in so einem Workshop eben auch gemeinsam darüber nachdenken,

00:22:58.701 --> 00:23:04.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>was ist ein gutes Bild, was da auch ein Studiengang oder ein einzelner Professor nach außen halt abgeben möchte?

00:23:04.501 --> 00:23:15.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist natürlich bei einer Hochschule, die jetzt auch knapp 300 Professorinnen hat und dann auch viele wissenschaftliche Mitarbeiterinnen dann am Ende des Tages auch eine Frage begrenzter Ressourcen,

00:23:15.401 --> 00:23:22.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass man jetzt da nicht jede individuelle Anfrage vielleicht so bedienen kann, aber grundsätzlich gibt es das Angebot.

00:23:22.301 --> 00:23:30.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und es gibt natürlich auch viele andere Träger, das Berliner Zentrum für Hochschullehre etc., die solche Sachen auch inzwischen im Angebot haben.

00:23:30.001 --> 00:23:38.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also diese Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es und die würde ich auch als jemand, der jetzt nicht vielleicht vom Fach kommt, auf jeden Fall mal wahrnehmen,

00:23:38.301 --> 00:23:50.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>also einen Workshop mitmachen und dadurch einerseits nimmt einem das vielleicht auch Sorgen, die man hat, in Bezug auf die Nutzung von beispielsweise sozialen Medien

00:23:50.401 --> 00:23:59.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und auf der anderen Seite zeigt es einem aber auch auf, dass es auch keine Rocket Science ist, also dass es auch etwas ist, was man in der Tat lernen kann, wenn man möchte.

00:23:59.701 --> 00:24:12.000
<v Tim Pritlove>Trotzdem hat man oft so den Eindruck, dass Leute, die jetzt tief in ihrer Wissenschaft drin stecken, so aus zwei oder vielleicht sogar noch ein paar mehr Gründen da so sich ein bisschen zurückhalten.

00:24:12.001 --> 00:24:20.100
<v Tim Pritlove>So eine offene Kommunikation nicht suchen, also man könnte sagen, so ein leicht elitärer Ansatz mit, naja das ist ja alles so kompliziert was ich hier mache, das versteht ja sowieso keiner

00:24:20.101 --> 00:24:29.500
<v Tim Pritlove>und ich will eigentlich mich nur mit Leuten unterhalten, die irgendwie auf meinem Level sind, mal so ein bisschen abfällig gesagt.

00:24:29.501 --> 00:24:37.900
<v Tim Pritlove>Ich meine, das ist natürlich auch eine Form der Authentizität an der Stelle, dass man sich quasi dann dieser Diskussion auch gar nicht so richtig stellt.

00:24:37.901 --> 00:24:47.700
<v Tim Pritlove>Also was macht denn diese Authentizität aus und wie sehr darf man dann sein eigenes Plateau oder wie sehr sollte man sein eigenes Plateau verlassen?

00:24:47.701 --> 00:24:54.200
<v Tim Pritlove>Weil es ja kann auch nicht sein, dass man sich jetzt allem vorenthält und sagt, so ihr kommt ja gar nicht an mein Wissen ran, mit euch rede ich gar nicht.

00:24:54.201 --> 00:24:57.800
<v Tim Pritlove>Auf der anderen Seite soll man sich aber auch nicht zu sehr anbiedern.

00:24:57.801 --> 00:25:02.100
<v Tim Pritlove>Wo ist da der Graubereich, in den man vordringen sollte?

00:25:02.101 --> 00:25:08.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich meine, die Frage wurde ja auch schon vielen Politikern gestellt, die jetzt in social media dann gegangen sind und wo man sich gefragt hat,

00:25:08.701 --> 00:25:14.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>ist das jetzt gut, dass derjenige dort ist oder merkt man nicht, dass der das gar nicht selber macht, sondern dass das irgendwie jemand ganz anderes macht?

00:25:14.901 --> 00:25:16.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das merkt man relativ schnell.

00:25:16.701 --> 00:25:23.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich glaube, dass wir jetzt heutzutage eigentlich fast alle einen Umgang mit diesen Medien gewohnt sind, aber dass wir nicht erwarten können,

00:25:23.501 --> 00:25:26.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass jetzt jeder auch jeder Wissenschaftler sich dort äußert.

00:25:26.901 --> 00:25:31.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das wäre auch, muss man ja auch ganz ehrlich sagen, wo würde das hinführen?

00:25:31.701 --> 00:25:41.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also es gibt eh schon so viel Kommunikation und einen wahnsinnigen Überschuss an Informationen und ich glaube, man muss dann eben in der Tat so etwas dann aufbauen

00:25:41.301 --> 00:25:49.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und dann vielleicht auch eben überlegen und das fand ich zum Beispiel sehr gut auch bei den Scientists for Future, die dann quasi auch eine Gruppe gebildet haben,

00:25:49.201 --> 00:25:55.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass jetzt auch nicht jeder immer zu allem was sagen muss, sondern die sich halt auch mal abwechseln, die sich auch gegenseitig die Bälle zuspielen.

00:25:55.801 --> 00:26:02.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, das ist ein sehr kluger, sehr guter Umgang, dass auch deutlich wird, es geht eben nicht nur um die Interessen eines einzelnen,

00:26:02.901 --> 00:26:08.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>es ist nicht nur das einzelne Marketing, sondern es geht in der Tat auch um das Thema.

00:26:08.201 --> 00:26:18.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das, würde ich sagen, ist natürlich bei der Wissenschaftskommunikation nach wie vor ganz wichtig, dass es nämlich Themen gibt, die ein Wissenschaftler, eine Wissenschaftlerin besetzt,

00:26:18.601 --> 00:26:30.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die sie vermitteln wollen, wo sie auch eine gewisse Mission sozusagen damit verbinden, dass sie zu diesem Thema sprechfähig sind und kompetent sind und das ist so die Grundvoraussetzung.

00:26:30.001 --> 00:26:33.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das muss man den Wissenschaftlerinnen auch abnehmen.

00:26:33.001 --> 00:26:35.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist genau das, was dann eben auch authentisch wirkt.

00:26:35.901 --> 00:26:48.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn also jemand nicht nachweisen kann, dass er eben auch schon in einem gewissen Bereich publiziert hat und in dem gewissen Bereich dann eben auch auf wissenschaftlichen Tagungen war etc.,

00:26:48.101 --> 00:26:55.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dann wäre es eben auch nicht authentisch, wenn der sich nach außen stellen würde und sagen würde, ich bin jetzt der große Experte für das Thema X oder Y.

00:26:55.201 --> 00:27:08.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also dieses eng bei den Themen bleiben, gucken, ob man sich eben mit anderen abstimmen kann und dann in dem Maße eben authentisch sein, dass man sich eben nicht verstellt.

00:27:08.801 --> 00:27:18.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das kann ich gar nicht genauer beschreiben jetzt, das ist natürlich auch sehr abhängig von den einzelnen Personen, mit denen Sie es da zu tun haben.

00:27:18.901 --> 00:27:24.600
<v Tim Pritlove>Jetzt wollten wir uns ein wenig mal konzentrieren auf die Krisenkommunikation.

00:27:24.601 --> 00:27:27.000
<v Tim Pritlove>Wie passend, dass wir gerade eine Krise haben.

00:27:27.001 --> 00:27:30.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Haben wir eigentlich ständig.

00:27:30.801 --> 00:27:37.600
<v Tim Pritlove>Eigentlich haben wir Dauerkrisen, die Wahrnehmung davon ist bloß, glaube ich, immer sehr unterschiedlich, wann denn nun eine Krise tatsächlich eintrifft.

00:27:37.601 --> 00:27:45.500
<v Tim Pritlove>Klassischerweise, glaube ich, verbindet man so Krisenkommunikation natürlich eher mit der Wirtschaft an der Stelle.

00:27:45.501 --> 00:27:50.800
<v Tim Pritlove>Also keine Ahnung, irgendwie Fabrik ist explodiert, dicke Diskussionen über die Sicherheitsmaßnahmen.

00:27:50.801 --> 00:27:55.200
<v Tim Pritlove>Wurde hier alles richtig getan, wird mit den Opfern richtig umgegangen etc.?

00:27:55.201 --> 00:28:02.400
<v Tim Pritlove>Wir haben da schon viele Firmen scheitern sehen, die dann einfach zum falschen Zeitpunkt das Falsche gesagt haben oder eben auch einfach …

00:28:02.401 --> 00:28:03.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>… nichts gesagt haben.

00:28:03.801 --> 00:28:13.200
<v Tim Pritlove>… nichts gesagt haben, genau und sich damit eigentlich dann noch sehr viel tiefer in den Mist gefahren haben als das ohnehin schon stattgefunden hat.

00:28:13.201 --> 00:28:21.300
<v Tim Pritlove>Das ist, glaube ich, auch so ein Bewusstsein, was überhaupt erst so in den letzten ein-zwei Jahrzehnten so ein bisschen hochgekommen ist, dass man sich an der Stelle eben schnell vergaloppieren kann

00:28:21.301 --> 00:28:24.900
<v Tim Pritlove>und dass es wichtig ist, sich genau dafür vorzubereiten.

00:28:24.901 --> 00:28:30.800
<v Tim Pritlove>Ich denke, so Krisenkommunikationstraining ist, glaube ich, in der Wirtschaft mittlerweile Standard oder?

00:28:30.801 --> 00:28:41.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also zumindest bei größeren Unternehmen ist das in der Tat der Fall, aber auch nicht bei jedem mittelständischen Unternehmen wird man feststellen, wenn eine Krise auftritt,

00:28:41.401 --> 00:28:43.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass die da wirklich gut darauf vorbereitet waren.

00:28:43.201 --> 00:28:55.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist dann häufig auch immer sehr theoretisch, ist ja auch gut so, aber gleichwohl, glaube ich, ist es den Unternehmen bewusst, dass da Dinge passieren können, an denen sie teilweise ja auch gar nicht selber schuld sind.

00:28:55.001 --> 00:29:01.800
<v Tim Pritlove>Ja, schuld muss man ja nicht sein, aber man kann halt schnell als Schuldiger gebrandmarkt werden, wenn man sich einfach nur falsch dazu verhält.

00:29:01.801 --> 00:29:05.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Absolut richtig, genau, ja.

00:29:05.401 --> 00:29:10.700
<v Tim Pritlove>Allein schon weil die anderen die Krisenkommunikation besser beherrschen und in der Lage sind, einem den Buhmann zuzuschieben.

00:29:10.701 --> 00:29:19.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja, weil man zu spät reagiert, wie gesagt wir hatten das Thema, gar nicht reagiert, auch das kann eine Strategie sein, die teilweise sogar berechtigt ist.

00:29:19.001 --> 00:29:27.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also in der Krisenkommunikation ist es schon so, dass es so ein Set an möglichen Strategien gibt und man jetzt nicht sagen kann, es ist gut, wenn man sofort was sagt,

00:29:27.701 --> 00:29:36.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern man muss natürlich dann auch wissen, ob man, wenn man sofort was sagt, auch das Richtige sagt oder ob man vielleicht dann doch nochmal eine Stunde länger abwarten soll.

00:29:36.701 --> 00:29:47.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber in einer Zeit, in der wir eben durch die sozialen Medien sehr getrieben sind und die Dynamik sehr hoch ist, kann es sich eigentlich niemand leisten und das gilt dann eben genauso gut auch für Krisen,

00:29:47.001 --> 00:29:53.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die in anderen Bereichen passieren, im öffentlichen Bereich etc., da gar keine Stellungnahme abzugeben.

00:29:53.401 --> 00:30:00.300
<v Tim Pritlove>Ist Ihnen denn in der Corona-Krise irgendein Unternehmen durch besonders gute oder schlechte Krisenkommunikation schon aufgefallen?

00:30:00.301 --> 00:30:05.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ach in der Corona-Zeit habe ich vor allen Dingen wirklich die Kommunikation von anderen Seiten wahrgenommen.

00:30:05.001 --> 00:30:08.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich fand die Unternehmen in der Corona-Zeit relativ ruhig.

00:30:08.701 --> 00:30:23.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also es gab ja dann einige, die irgendwann gesagt haben, dass sie ich auch beteiligen, dass sie jetzt auch gemeinsam an Impfstoffen forschen, auch wenn das vielleicht gar nicht so in ihrem ersten ökonomischen Eigeninteresse ist.

00:30:23.801 --> 00:30:33.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das hat man dann irgendwann schon wahrgenommen, aber ich glaube, in der Corona-Zeit war die Kommunikation bisher sehr stark bestimmt von der eben eher politischen oder auch Wissenschaftskommunikation.

00:30:33.801 --> 00:30:41.600
<v Tim Pritlove>Genau, das sind ja im Prinzip die drei Akteure, die man jetzt hier auch mal gegeneinander abwägen sollte.

00:30:41.601 --> 00:30:46.900
<v Tim Pritlove>In dem Moment, wo klar war, Krise ist, ist natürlich die Politik in der ersten Reihe.

00:30:46.901 --> 00:31:04.200
<v Tim Pritlove>Hat sich aber ja in diesem Fall mehr oder weniger vom Start weg extrem auf die Wissenschaft berufen oder sich von ihr flankieren lassen, wodurch natürlich die Wissenschaft selbst auch mehr in den Fokus gerät.

00:31:04.201 --> 00:31:19.200
<v Tim Pritlove>Es ist nunmal in dem Moment, wo es um Viren geht, ganz klar, in größerem Maße ein wissenschaftliches Thema oder ich würde sagen, zumindest ist die Akzeptanz dafür, dass es ein wissenschaftliches Thema ist, relativ groß gewesen.

00:31:19.201 --> 00:31:20.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Schön, dass Sie sagen, gewesen.

00:31:20.801 --> 00:31:23.000
<v Tim Pritlove>Ja.

00:31:23.001 --> 00:31:24.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das hat sich auch schon durchaus verändert.

00:31:24.901 --> 00:31:26.400
<v Tim Pritlove>Ja genau, wie haben Sie denn das wahrgenommen?

00:31:26.401 --> 00:31:30.700
<v Tim Pritlove>Wie hat sich denn das so vor Ihren Augen abgespielt?

00:31:30.701 --> 00:31:37.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also zunächst mal war es ja in der Tat so, dass es eine ziemlich einheitliche Erzählung, wie man so schön sagt, gab, mit diesem Thema flatten the curve,

00:31:37.901 --> 00:31:46.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass im Prinzip da alle irgendwie sich hinter gestellt haben und man doch eine hohe, hohe Einheit sehen konnte in den ersten gut vier Wochen.

00:31:46.901 --> 00:31:53.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Jetzt sagen schon die ersten, na das war irgendwie fast gleichgeschaltet, das war kein demokratischer Diskurs.

00:31:53.201 --> 00:31:57.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>In der Tat ist in dieser Phase wenig Diskurs gewesen.

00:31:57.701 --> 00:32:04.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also irgendwann gab es natürlich diejenigen, die ersten, die gesagt haben, man darf jetzt nicht nur an die Gesundheit denken, sondern man muss auch an die Wirtschaft denken.

00:32:04.301 --> 00:32:11.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber trotz allem war es doch eine Kommunikation, die so in die gleiche Richtung ging.

00:32:11.701 --> 00:32:20.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist, glaube ich, aber eine Ausnahmesituation und lässt sich in einer demokratischen Gesellschaft, wie wir gerade sehen, auch nicht lange durchhalten, weil dann kommen doch die anderen Meinungen.

00:32:20.301 --> 00:32:28.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und dann ist natürlich schon jetzt sehr interessant zu beobachten, wie das auch schnell umgeschlagen ist und wie auch die Wissenschaft immer mehr in die Kritik geraten ist

00:32:28.501 --> 00:32:33.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und ja auch sich sehr viel rechtfertigen musste, wie überhaupt Wissenschaft funktioniert.

00:32:33.001 --> 00:32:41.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also das finde ich einerseits sehr positiv, dass das auch so oft betont werden musste, dass hoffentlich auch mehr Menschen verstehen, dass Wissenschaft eben nicht die endgültigen Wahrheiten hat,

00:32:41.201 --> 00:32:47.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern per Definition einen Prozess darstellt, in dem sich dann eben auch Erkenntnisse verändern können.

00:32:47.701 --> 00:33:00.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist erst mal eine, finde ich, richtige und gute Botschaft, aber da muss man natürlich dann jetzt auch sagen, wenn Menschen das Gefühl haben, ach naja gut, so schlimm war das ja jetzt hier alles irgendwie nicht,

00:33:00.401 --> 00:33:11.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dann auch wieder sehr schnell Kritik auch aufkommt, dass es zu langsam geht, dass die Menschen sich da irgendwie schnellere Lockerungen wünschen etc..

00:33:11.001 --> 00:33:23.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>So dass plötzlich jetzt wieder ein Pluralismus von Meinungen da ist, vor allen Dingen auch an den harten Rändern, sage ich mal, Befürworter gegen Gegner von Lockerungen etc..

00:33:23.901 --> 00:33:25.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich sage immer gerne, es gibt wenig dazwischen.

00:33:25.501 --> 00:33:34.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also diese argumentative Auseinandersetzung würde meiner Meinung nach eigentlich dazwischen stattfinden müssen, dass man wirklich mal Dinge gegeneinander abwägt,

00:33:34.101 --> 00:33:42.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>das wäre auch das, was ich eigentlich auch als die Verantwortung von Wissenschaft sehe und ich finde, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das auch hier in Deutschland gar nicht schlecht machen.

00:33:42.801 --> 00:33:55.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Dass man natürlich immer noch mehr auch in den Diskurs einbinden könnte, dass sich dann in so einem Diskurs auch Menschen äußern, die eigentlich keine wirklich ernstzunehmenden Wissenschaftler sind,

00:33:55.901 --> 00:34:03.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>aber gerade in so einem Moment jetzt auch Oberwasser haben, das merkt man schon auch.

00:34:03.701 --> 00:34:15.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also insofern hat sich das verlagert, die Öffentlichkeit ist kritischer geworden und das bezieht sich damit durchaus auch auf die Wissenschaft oder die Art und Weise, wie man die Kommunikation von Wissenschaft aber auch Politik wahrnimmt.

00:34:15.601 --> 00:34:26.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber grundsätzlich würde ich so mal sagen, war es schon interessant zu sehen, wie schnell auch die Wissenschaft in der Öffentlichkeit eine sehr hohe Resonanz hatte

00:34:26.301 --> 00:34:37.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und man ja auch in Umfragen beispielsweise beim Wissenschaftsbarometer gesehen hat, dass das Vertrauen der Menschen in die Wissenschaft in den anfänglichen Wochen sogar noch gewachsen ist.

00:34:37.801 --> 00:34:51.100
<v Tim Pritlove>Ja, es ist kein Ruhm in Prävention, sagt man ja so schön, also diese Wahrnehmung, dass ja dann irgendwie auf einmal gar nichts gewesen ist, weil ausnahmsweise mal Dinge richtig gemacht wurden,

00:34:51.101 --> 00:34:56.400
<v Tim Pritlove>die ist natürlich generell schwierig und lässt sich so an der Stelle überhaupt nicht so richtig bekämpfen.

00:34:56.401 --> 00:35:05.200
<v Tim Pritlove>Aber um vielleicht nochmal dieses Wechselspiel von Wissenschaft und Politik mehr in den Fokus zu nehmen, ich meine, zunächst einmal ist ja immer in jeder Krise erst mal die Politik gefragt.

00:35:05.201 --> 00:35:12.600
<v Tim Pritlove>Also zumindest in so einer deutschlandweiten Krise, wo es ganz klar dann eben auch um Entscheidungen und eben vor allem um die richtigen Entscheidungen geht.

00:35:12.601 --> 00:35:19.400
<v Tim Pritlove>Wie haben Sie denn das beobachtet, wie die Politik die Wissenschaft eingebunden hat und wie bewerten Sie das?

00:35:19.401 --> 00:35:29.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich glaube, man hat schon gemerkt, dass wir eine Kanzlerin haben, die sehr wissenschaftsnah ist, die selber auch aus einem naturwissenschaftlichen Umfeld kommt

00:35:29.901 --> 00:35:41.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und die in der Tat auch die Wissenschaft sehr schnell mit an Bord geholt hat, um entsprechende Entscheidungen auch vorbereiten zu lassen.

00:35:41.101 --> 00:35:50.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Dass die Entscheidung dann doch von der Politik getroffen werden muss, ist systemimmanent und das kann man definitiv nicht der Wissenschaft dann sozusagen vorwerfen,

00:35:50.501 --> 00:35:59.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern die Wissenschaft hat hier in der Tat eine beratende und begleitende Funktion gehabt, wie sie das auch an anderen Stellen hat, aber hier in dieser Form natürlich einmalig,

00:35:59.501 --> 00:36:08.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>weil es eben so eine neue unglaublich ungewohnte Situation ist, also eigentlich wirklich das Paradigma einer Krise, die also überraschend auftritt.

00:36:08.701 --> 00:36:13.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist ja auch ein Definitionsmerkmal von Krisen, dass sie eben überraschend auftreten.

00:36:13.501 --> 00:36:22.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und es gibt natürlich auch Krisen, die sich so anschleichen, wo man schon über Jahre eigentlich wahrnehmen kann, da ist was nicht in Ordnung, wenn wir an die Klimathematik denken.

00:36:22.401 --> 00:36:35.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber in diesem Fall hatten wir es wirklich mal mit einer Krise par excellence zu tun, sehr überraschender Eintritt und da ist meine Wahrnehmung, dass in der Tat die Politik die Wissenschaft sehr schnell mit ins Boot geholt hat

00:36:35.501 --> 00:36:45.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und auch für die richtigen Themen sozusagen genutzt hat, denn neben den Virologen, die ja von vornherein gefragt waren, wurde dann ja auch die Leopoldina gefragt,

00:36:45.401 --> 00:36:53.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die ja eben auch ein Spektrum verschiedenster Wissenschaftlerinnen abbildet, weniger Frauen, aber Wissenschaftler.

00:36:53.501 --> 00:37:04.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>So dass man an der Stelle zumindest ja auch wieder gesehen hat, man versucht hier auch verschiedene wissenschaftliche Stimmen mit zu hören und in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen.

00:37:04.001 --> 00:37:16.300
<v Tim Pritlove>Ja. Das heißt, zunächst einmal war die Wahrnehmung, Wissenschaft sozusagen Begleiter der Politik, Rückgrat der Entscheidungsfindung, sage ich mal.

00:37:16.301 --> 00:37:21.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Naja, ich meine, es gab ja sogar in den Medien schon sehr interessante Kommentare.

00:37:21.401 --> 00:37:29.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also dass Herr Drosten dann quasi schon zum Kanzler ausgerufen wurde, daran sieht man schon durchaus natürlich auch wiederum,

00:37:29.801 --> 00:37:36.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass eine mediale Logik eben auch gerade sehr stark diese Personalisierung liebt und die war eben auch gegeben.

00:37:36.201 --> 00:37:44.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das hat man ja auch nicht immer, weil Wissenschaftlerinnen ja, wie wir gerade schon besprochen hatten, auch nicht immer diejenigen sind, die als Personen so in den Vordergrund treten,

00:37:44.501 --> 00:37:52.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern natürlich mit ihren Themen in Verbindung gebracht werden, aber hier hatten wir plötzlich diese Person und das ist natürlich was, was die Medien lieben.

00:37:52.301 --> 00:38:00.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und dann ist man sehr sehr schnell bei dieser Personalisierung und vielleicht auch bei einer gewissen Überhöhung dessen, was denn dann die Wissenschaft hier in diesem Moment leisten kann.

00:38:00.901 --> 00:38:05.300
<v Tim Pritlove>Da hat sich der Herr Drosten ja selbst mehrfach sehr kritisch zu geäußert.

00:38:05.301 --> 00:38:12.000
<v Tim Pritlove>Ich denke, so sein Auftreffen im Mainstream und in der totalen Öffentlichkeit hatte für ihn jetzt nicht nur positive Auswirkungen.

00:38:12.001 --> 00:38:24.700
<v Tim Pritlove>Klar, Wahrnehmung der eigenen Wissenschaft, das freut einen natürlich, aber die ganzen Nebeneffekte, die dann eben durch diese Personalisierung auch noch besonders verstärkt werden, waren dann, glaube ich, weniger schön.

00:38:24.701 --> 00:38:33.800
<v Tim Pritlove>Und es gab verschiedene Kommentare von ihm, wo er sich dann doch sehr skeptisch über seine Rolle oder seine wahrgenommene Rolle äußert.

00:38:33.801 --> 00:38:43.500
<v Tim Pritlove>Nicht nur über diese ganz offensichtlichen negativen Nebenwirkungen, wie Morddrohungen und keine Ahnung, was da alles noch zusammenkommen sein dürfte,

00:38:43.501 --> 00:38:49.900
<v Tim Pritlove>sondern dass eben auch diese Wahrnehmung entstand, es wäre jetzt die Wissenschaft die entscheidet.

00:38:49.901 --> 00:39:01.300
<v Tim Pritlove>Und er hat ja auch immer wieder betont, dass es eben die Politik ist, die entscheidet und dass er diese Entscheidung ja einerseits nicht trifft, gar nicht treffen kann,

00:39:01.301 --> 00:39:19.700
<v Tim Pritlove>aber dass auch seine Beratungshaltung nicht so ist mit, das ist das, was ihr entscheiden müsst, sondern eher ein, hier sind die Fakten, auf denen ihr eine Entscheidung treffen könnt.

00:39:19.701 --> 00:39:19.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genau, ja.

00:39:19.901 --> 00:39:22.200
<v Tim Pritlove>Kommt das so rüber?

00:39:22.201 --> 00:39:25.500
<v Tim Pritlove>Also ist das eine Botschaft, die in der Öffentlichkeit auch verstanden wird?

00:39:25.501 --> 00:39:34.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich würde denken, dass ja viele der Medien das dann auch aufgegriffen haben und eben auch in dieser Form weiter reflektiert haben.

00:39:34.601 --> 00:39:47.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Da muss man jetzt natürlich auch differenzieren, mit welchen Medien wir es zu tun haben, sind es die sozialen Medien oder sind es die Online-Medien, die auf sehr schnelles Klicken aus sind,

00:39:47.401 --> 00:39:58.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wo man eben eher eine effekthaschende Überschrift braucht oder sind es eben die Medien und da hat man es dann aber gesehen in der Zeit, in der Süddeutschen, in der FAZ,

00:39:58.801 --> 00:40:06.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass auch die Rolle der Wissenschaft sehr stark mit reflektiert wurde und ich glaube, darüber das schon angekommen ist.

00:40:06.501 --> 00:40:12.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ob das jetzt die Öffentlichkeit per se so wahrgenommen hat, müsste man in der Tat mal schauen, was Studien dazu sagen werden.

00:40:12.601 --> 00:40:20.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Es gibt jetzt ja gerade sehr viele Studien, die sich mit der Wahrnehmung von Corona oder mit den Auswirkungen von Corona auf die verschiedensten Lebensbereiche beschäftigen,

00:40:20.701 --> 00:40:25.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>da wird sicherlich dazu auch mal etwas kommuniziert werden.

00:40:25.901 --> 00:40:37.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber in der Tat hatte ich so das Gefühl, dass die klassischen, die seriösen Medien auch in irgendeiner Form das mit reflektieren und damit auch in die Öffentlichkeit zu tragen, wie Sie es gerade beschrieben hatten.

00:40:37.801 --> 00:40:45.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Übrigens ist das trotzdem nochmal ganz interessant, weil wir gerade so darüber geredet hatte, welche Systeme sind es irgendwie, die in dieser Corona-Krise eine Rolle gespielt haben?

00:40:45.401 --> 00:40:54.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wir hatten jetzt die Wissenschaft, die Wirtschaft und die Politik, aber ich finde so ein ganz entscheidendes System sind im Prinzip die Medien.

00:40:54.701 --> 00:41:05.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und natürlich sind die auch von wirtschaftlichen Interessen geprägt, zum Teil jedenfalls und da glaube ich, die Rolle der Medien in dieser Konstellation, die lohnt es auf jeden Fall sich auch nochmal genauer anzuschauen,

00:41:05.901 --> 00:41:13.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>um eben genau das auch feststellen zu können, inwiefern Wissenschaftskommunikation sich in Zukunft verändern wird,

00:41:13.301 --> 00:41:23.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>inwiefern Wissenschaftlerinnen vielleicht sagen werden, ich möchte nicht, dass mir so was passiert wie dem Drosten, ich möchte eigentlich forschen und jetzt nicht jeden Tag da draußen stehen müssen

00:41:23.101 --> 00:41:29.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und irgendwie mein Gesicht in die Kamera halten, so dass das durchaus einen Effekt haben wird.

00:41:29.501 --> 00:41:42.400
<v Tim Pritlove>Ich hatte jetzt gerade hier in der letzten Sendung Gespräch mit Jan-Hinrik Schmidt, auch viel über Medienkommunikation generell und den Wandel der Medien über die Zeit gesprochen.

00:41:42.401 --> 00:41:55.100
<v Tim Pritlove>Und wenn sich irgendwas nennenswert verändert hat, dann ist es ja eben auch die zur Verfügung stehenden Medien und durch die digitalen Medien und social media eben auch diese Änderung der Verbreitungskanäle.

00:41:55.101 --> 00:42:06.200
<v Tim Pritlove>Jetzt ist es ja ganz interessant, dass in diesem Fall ausgerechnet ein Podcast, ja ein Wort, was man vor ein paar Jahren noch den Leuten erklären musste, wurde einem ja jetzt von der Kanzlerin und allen anderen

00:42:06.201 --> 00:42:15.600
<v Tim Pritlove>und nicht zuletzt dann eben auch durch diesen Coronavirus Podcast so ein allgemeiner Begriff, dass man es jetzt wahrscheinlich niemandem mehr jemals erklären muss.

00:42:15.601 --> 00:42:18.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das muss Sie doch sehr freuen oder?

00:42:18.601 --> 00:42:22.300
<v Tim Pritlove>Das hat mir ein gewisses Lächeln aufgezogen, gar keine Frage.

00:42:22.301 --> 00:42:22.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genugtuung.

00:42:22.901 --> 00:42:27.100
<v Tim Pritlove>Aber ich habe damit eh gerechnet, dass das irgendwann passieren wird, vielleicht aber nicht unbedingt auf diese Art und Weise.

00:42:27.101 --> 00:42:42.500
<v Tim Pritlove>Aber das Interessante daran ist ja, dass das eben, obwohl es ein Projekt war, was vom NDR durchgeführt wurde, sie es ja jetzt gar nicht so sehr primär da in so ein klassisches Format gedrängt haben,

00:42:42.501 --> 00:42:49.400
<v Tim Pritlove>sondern eigentlich bewusst ein neues Format gewählt haben, in dem eben eine andere Kommunikation auch möglich ist.

00:42:49.401 --> 00:43:00.800
<v Tim Pritlove>Klar, insbesondere Hörerinnen und Hörer dieses Podcasts werden das schon lange wissen, dass eben diese Ausführlichkeit und dieses Abwägende und dieses doch etwas Meinungslastigere,

00:43:00.801 --> 00:43:11.200
<v Tim Pritlove>was man in Podcasts häufig findet oder zumindest finden kann und sollte, eine andere Qualität auch in der Kommunikation hat.

00:43:11.201 --> 00:43:23.900
<v Tim Pritlove>Und da wir jetzt vielleicht auch über diese Top-Hype auch dieses Podcasts schon ein bisschen hinaus sind und die Leute sich so ein bisschen dran gewöhnt haben, dass da jetzt nicht jeden Tag neue bahnbrechende Informationen kommen

00:43:23.901 --> 00:43:31.400
<v Tim Pritlove>und ich glaube, Herr Drosten auch so ein bisschen gegengesteuert hat und einfach so, ich mache jetzt hier mal so weiter hardcore meine Wissenschaft und jetzt quatschen wir mal so intensiv hier über Studien,

00:43:31.401 --> 00:43:40.800
<v Tim Pritlove>bis wirklich alle die, die nicht hierher gehören auch wieder abgeschaltet haben, man eben in seinen eigenen Formaten und darauf wollte ich jetzt so ein bisschen hinaus,

00:43:40.801 --> 00:43:55.900
<v Tim Pritlove>doch ganz andere Steuerungsmöglichkeiten hat, als wenn man sich eben ausschließlich immer auf diese Formate der totalen Verkürzung, die die Leute gewohnt sind und permanent kommunizieren, einlässt.

00:43:55.901 --> 00:44:08.500
<v Tim Pritlove>Worauf ich hinaus will ist, diese Erkenntnisse, dass man eigentlich mit einem Medium auch die eigene Zielgruppe sehr viel mehr steuern kann, das ist doch etwas, was ich jetzt langsam rumsprechen sollte.

00:44:08.501 --> 00:44:10.200
<v Tim Pritlove>Tut es das?

00:44:10.201 --> 00:44:17.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja genau und da sind wir jetzt bei dem professionellen Kommunikationsmanagement wieder, also die Überlegung, wen will ich ansprechen und dann,

00:44:17.301 --> 00:44:20.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>was sind die Kanäle, mit denen ich diese Menschen erreichen kann.

00:44:20.001 --> 00:44:29.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist in der Tat ja eine entscheidende Frage, vor der ich stehe, wenn ich jede Art von Kommunikation plane und sie nicht nur einfach passieren lasse.

00:44:29.301 --> 00:44:42.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und dass es in der Tat natürlich jetzt heute eine größere Vielfalt da vielleicht gibt an öffentlichen Medien oder zumindest auch an den verschiedensten Online-Medien.

00:44:42.701 --> 00:44:51.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Auf der anderen Seite, was ich ganz interessant finde, jetzt kommen wir mal vom Podcast kurz mal weg, dass Wissenschaftlerinnen auch signalisieren,

00:44:51.201 --> 00:45:03.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>was sie eigentlich vor allen Dingen in den letzten Jahren als sehr gewinnbringend erlebt haben in Bezug auf Wissenschaftskommunikation ist, zu den Leuten zu gehen, und zwar in persönliche Dialoge.

00:45:03.601 --> 00:45:13.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist anstrengend, das ist auch nicht immer nett und einfach und das bedeutet, dass man sich dann halt eben auch mal aus der Hochschule irgendwie wegbewegen muss,

00:45:13.201 --> 00:45:19.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>aber dieses auch mal bewusst die Zentren verlassen, wo wir eh immer in unseren Filterblasen sind.

00:45:19.401 --> 00:45:27.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also als Sie mich gerade gefragt haben, wie ich das wahrgenommen hätte, wie die Öffentlichkeit das wahrgenommen hat, da habe ich auch wieder gedacht,

00:45:27.301 --> 00:45:38.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>naja ich kann Ihnen das aus meiner Filterblase heraus beantworten, aber die ist eben auch begrenzt, weil ich eben auch natürlich bestimmte Medien rezipiere und andere wiederum nicht.

00:45:38.101 --> 00:45:45.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das ist ganz interessant, weil damit hat natürlich Drosten auf eine gewisse Art und Weise jetzt mit diesem Podcast dann auch mal gebrochen,

00:45:45.901 --> 00:45:54.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>weil darüber natürlich jetzt schon auch die Möglichkeit war, nochmal an ein anderes Publikum heranzukommen, wird man das sicherlich auch auswerten.

00:45:54.201 --> 00:46:00.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist jetzt natürlich auch ein super bekannter Podcast, ob das jetzt bei anderen so funktionieren würde, ist jetzt nochmal eine andere Frage.

00:46:00.601 --> 00:46:09.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber um nochmal darauf zurückzukommen, die Maßnahmen, die wir zur Verfügung haben, auch im Bereich Wissenschaftskommunikation, sind wirklich vielfältig.

00:46:09.601 --> 00:46:16.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und es kann auch sein, dass ich mal irgendwo in eine Volkshochschule gehe auf dem Land und da mal einen Vortrag halte und das für mich als total gewinnbringend empfinde,

00:46:16.401 --> 00:46:22.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>weil ich merke, ich habe da irgendwie Leute erreicht, die ich jetzt über Twitter gar nicht erreiche.

00:46:22.901 --> 00:46:31.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also insofern glaube ich, ist das für mich ganz wichtig, dass wir bei Wissenschaftskommunikation auch nicht immer nur über die reichweitenstarken Medien reden,

00:46:31.801 --> 00:46:39.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>also über irgendwie wieviele Follower hat jemand jetzt bei Twitter oder wieviele Zuhörer gibt es in dem Podcast.

00:46:39.001 --> 00:46:49.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das sind natürlich quantitativ interessante Zahlen, die auch was aussagen und natürlich möchte jeder irgendwie möglichst viele Follower haben, aber auf der anderen Seite kann das eben unter dem Gesichtspunkt,

00:46:49.601 --> 00:46:59.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wie vermittele ich eigentlich das was ich tue und sorge auch dafür, dass Wissenschaft eben auch andere Menschen erreicht als diejenigen, die eh schon damit zu tun haben,

00:46:59.701 --> 00:47:04.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>kann das sehr viel erfüllender sein, da auch auf andere Formate zu setzen.

00:47:04.401 --> 00:47:08.800
<v Tim Pritlove>Also quasi eine qualitative Messung einer Zielgruppe?

00:47:08.801 --> 00:47:15.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich bin eh ein Freund von qualitativer Forschung, genau, insofern würde ich immer sagen, ja genau.

00:47:15.801 --> 00:47:25.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das muss natürlich dann am Ende des Tages, wenn man das jetzt als Organisation sieht, keine Ahnung, eine Forschungsorganisation, die sich jetzt vornimmt, sie möchten auch in der Wissenschaftskommunikation präsenter sein,

00:47:25.601 --> 00:47:32.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dann muss man das natürlich über die Vielfalt der Wissenschaftlerinnen sich dann eben auch anschauen und auch entsprechend würdigen.

00:47:32.201 --> 00:47:43.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich finde, das ist eben auch ganz wichtig, dass nach innen das in die Organisation hinein transportiert wird, dass es da eben jetzt nicht nur den einen Wert oder die eine richtige Strategie gibt.

00:47:43.901 --> 00:47:51.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Da sind wir wieder beim Thema, was passt zu mir als Wissenschaftler, was ist authentisch, womit kann ich mich identifizieren, wo habe ich auch das Gefühl, einen Mehrwert liefern zu können,

00:47:51.601 --> 00:48:04.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>weil ich vielleicht jemand bin, der gerne mit den Leuten in die Diskussion geht oder bin ich jemand, der sagt, um Gottes Willen nein, aber ich kann mir schon vorstellen, mal bei irgendwie einem Podcast mitzumachen

00:48:04.601 --> 00:48:07.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>oder mal irgendwie bei einer Talkshow dabei zu sein so.

00:48:07.701 --> 00:48:11.200
<v Tim Pritlove>Oder eben auch eigene Formate aufzubauen.

00:48:11.201 --> 00:48:11.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Oder das.

00:48:11.401 --> 00:48:22.400
<v Tim Pritlove>Weil das ja dann … ich meine, was damit mitkommt, was, glaube ich, oft nicht gesehen wird ist, dass eigene Kanäle auch bedeuten, dass man damit ja auch eigene Communitys aufbaut.

00:48:22.401 --> 00:48:28.500
<v Tim Pritlove>Wenn man immer nur zu Gast ist so, dann ist es ja nichts eigenes.

00:48:28.501 --> 00:48:38.400
<v Tim Pritlove>Aber in dem Moment, wo man selber gestaltet und wo man selber diese Kanäle auch pflegt und dann natürlich auch zwangsläufig auch weiterentwickelt und sich, glaube ich, auch sehr viel mehr Gedanken darüber macht,

00:48:38.401 --> 00:48:51.400
<v Tim Pritlove>wie man dann sendet und Feedback erhält, kann man ja dann auch über die Kommunikation als solche sehr viel mehr auch lernen und dann eben mitnehmen.

00:48:51.401 --> 00:48:53.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Absolut, da bin ich total bei Ihnen.

00:48:53.501 --> 00:49:05.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, auch jeder, der das irgendwie anfängt, der wird auch schnell Feuer fangen und das habe ich ja auch bei dem Kollegen Quaschning gesehen, der dann sehr vielfältige eigene Formate auch kreiert hat

00:49:05.101 --> 00:49:14.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und in der Tat ja, glaube ich, auch Freude daran gefunden hat, das dann weiterzutreiben, neben dem, was er sonst so in Forschung und Lehre macht.

00:49:14.301 --> 00:49:20.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich finde das immer sehr beeindruckend, wenn ich sehe, wie aktiv er da unterwegs ist, auch mit seiner eigenen Kommunikation.

00:49:20.701 --> 00:49:29.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genau, aber man muss dabei auch wissen, das wissen Sie, das weiß ich, dass so was jetzt auch nicht nebenbei zu machen ist mal eben so, sondern dass das eben aufwändig ist, dass man auch dranbleiben muss.

00:49:29.501 --> 00:49:39.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also wenn ich jetzt so einen eigenen Kanal habe, ein Blog oder ähnliches und nach zwei Beiträgen dann abbreche und nach einem halben Jahr irgendwie mal denke, ach ich könnte mal wieder was machen.

00:49:39.701 --> 00:49:46.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Man muss halt schon dann auch einen gewissen langen Atem mitbringen, gerade auch bis man sich so was aufgebaut hat, auch das geht ja nicht von jetzt auf gleich.

00:49:46.401 --> 00:49:55.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Nicht jeder Wissenschaftler wird es ja irgendwie schaffen, dass er sofort hunderte von Anhängern da hinter sich versammelt oder Menschen, die das interessiert, was er tut.

00:49:55.501 --> 00:50:04.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also insofern man braucht da schon auch einen langen Atem und das hat halt eben auch mit Arbeit zu tun.

00:50:04.201 --> 00:50:15.800
<v Tim Pritlove>Hat es mit Sicherheit, andererseits die Corona-Krise hat ja noch so einen anderen interessanten Fallout, dass man eben sich jetzt nicht mehr so auf Konferenzen treffen kann und das ist ja so ein bisschen die Urvorstellung der wissenschaftlichen Debatte.

00:50:15.801 --> 00:50:29.900
<v Tim Pritlove>Ich stelle meine Paper hin, ich hänge da mein Poster auf, ich stelle mich da zehn Minuten davor und quatsche mit den Leuten und man freut sich, wenn man dann im Laufe von drei-vier Tagen in so einer relativ aufwendigen Reise mit zehn Leuten gesprochen hat.

00:50:29.901 --> 00:50:40.000
<v Tim Pritlove>Jetzt stellen alle fest so, aha digital kann man sich ja auch ganz interessant unterhalten, Videokonferenzen sind jetzt so Standard und auch die Totalverweigerer müssen jetzt mitmachen und merken,

00:50:40.001 --> 00:50:47.400
<v Tim Pritlove>dass es dann vielleicht doch nicht so schlimm ist, vielleicht merken sie auch, dass es schon immer so schlimm war wie sie immer dachten.

00:50:47.401 --> 00:50:54.200
<v Tim Pritlove>Aber man merkt mindestens eine gewisse Gewöhnung oder vielleicht eben auch eine Akzeptanz macht sich auf jeden Fall in vielen Bereichen breit.

00:50:54.201 --> 00:51:01.300
<v Tim Pritlove>Worauf ich hinaus will ist, dass ja Kommunikation auch Debatte ist.

00:51:01.301 --> 00:51:08.000
<v Tim Pritlove>Dass ja der Diskurs in der Kommunikation ja eigentlich ein fester Bestandteil ist.

00:51:08.001 --> 00:51:26.000
<v Tim Pritlove>Und die Wissenschaft, die immer so für sich selbst ja so hoch aufhängt, ja wir sind die, die Erkenntnisse durch eine offene Debatte über Informationen haben, in Form von Papers, die dann auf Konferenzen vorgestellt und diskutiert werden,

00:51:26.001 --> 00:51:36.900
<v Tim Pritlove>müssten sich ja dann eigentlich in dieser tatsächlichen unmittelbaren direkten Kommunikation eigentlich gleich zu Hause fühlen oder?

00:51:36.901 --> 00:51:39.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das impliziert irgendwie so ein bisschen, dass es Ihrer Meinung nach anders ist.

00:51:39.701 --> 00:51:44.300
<v Tim Pritlove>Also dass es nicht über eigene Kanäle gemacht wird, darauf wollte ich ja hinaus.

00:51:44.301 --> 00:51:52.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja. Genau, also ich glaube schon, dass natürlich Wissenschaft da wo sie stattfindet auch immer unter bestimmten Voraussetzungen stattfindet.

00:51:52.201 --> 00:52:04.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn Sie bei diesen Fachkonferenzen sind, dann ist das ja auch eine Community von Leuten, die sich immer wieder trifft und zum Teil sind die Debatten, die man sich dann dort auch anhören darf, auch wiederkehrende Debatten.

00:52:04.101 --> 00:52:04.800
<v Tim Pritlove>Ja.

00:52:04.801 --> 00:52:17.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also der Austausch ist manchmal schon auch ein bisschen was bekanntes, also manchmal fehlt mir da auch durchaus die Querperspektive oder habe das Gefühl, die ist gar nicht so unbedingt gewünscht.

00:52:17.201 --> 00:52:27.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Die Fachgesellschaften, es gibt auch immer spezifischere, immer kleinere Gruppierungen, ob da irgendwie immer noch so viel Debatte wirklich stattfindet, ich weiß es nicht.

00:52:27.401 --> 00:52:38.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber in der Tat sollte das eigentlich diesem Prinzip nahekommen, nur ist es wie gesagt so, bei der Konferenz habe ich da irgendwie einen Austausch auf Augenhöhe mit Menschen,

00:52:38.901 --> 00:52:51.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>deren Argumentation auch sich auf einer fachlichen Ebene bewegt, das ist was anderes, als wenn ich jetzt eine Debatte auf Twitter oder Facebook führe, wo mir dann vielleicht auch mit …

00:52:51.801 --> 00:52:57.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>ja wo ich auch mit Aussagen konfrontiert bin, die wirklich überhaupt gar keine fachliche Qualität mehr haben, wie gehe ich denn damit um?

00:52:57.001 --> 00:53:00.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wie gehe ich damit um, wenn ich irgendwie angegriffen werden plötzlich als Person?

00:53:00.001 --> 00:53:04.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wir hatten diese verschiedenen Ebenen von Kommunikation ganz am Anfang.

00:53:04.401 --> 00:53:10.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Bei einer Fachkonferenz gehe ich ja davon aus, dass wir alle auf einer fachlichen Ebene miteinander diskutieren.

00:53:10.001 --> 00:53:18.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das kann ich aber in diesem medialen Raum nicht so einfach tun, es sei denn ich habe irgendwie ein sehr spezifisches fachliches Online-Magazin oder ein Online-Blog, wo ich eben weiß,

00:53:18.501 --> 00:53:21.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>da ist eine bestimmte Fachcommunity zu Hause.

00:53:21.101 --> 00:53:32.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber insofern glaube ich schon, dass es nochmal eine andere Qualität hat und dass man sich dessen auch bewusst sein muss, wenn man sagt, naja gut, Diskurs ist ja meins, kenne ich doch aus der Wissenschaft nicht anders,

00:53:32.101 --> 00:53:36.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>führe ich dann einfach genauso in den sozialen Medien weiter, das funktioniert nicht.

00:53:36.601 --> 00:53:47.700
<v Tim Pritlove>Ja, ich wollte nicht auf die sozialen Medien so sehr hinaus, weil die sind ja dann in dem Sinne auch keine eigenen Kanäle, sondern in dem Moment, wo man das selber gestaltet, wo man selber quasi die Moderation übernimmt.

00:53:47.701 --> 00:53:52.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja, aber selbst wenn Sie es irgendwo selber gestalten, müssen Sie auch in irgendeiner Form es weiter verbreiten.

00:53:52.501 --> 00:53:53.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wo verbreiten Sie es?

00:53:53.101 --> 00:53:55.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn ich es jetzt auf YouTube gestalte, habe ich einen YouTube-Kanal.

00:53:55.401 --> 00:54:01.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn ich den jetzt nicht als Closed Shop mache, können da ja auch alle möglichen Menschen drauf.

00:54:01.701 --> 00:54:03.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Oder was meinen Sie mit eigenen Medien?

00:54:03.201 --> 00:54:08.800
<v Tim Pritlove>Naja, also in dem Moment, wo ich das Gespräch suche und Dialoge.

00:54:08.801 --> 00:54:19.900
<v Tim Pritlove>Ich meine, das, was wir hier jetzt auch machen, ist ja im Prinzip genauso eine Debatte und so ein Dialog, ein Ring um Deutung und Wahrheiten und eben auch Meinungen und das ist ja sozusagen der Inhalt,

00:54:19.901 --> 00:54:24.500
<v Tim Pritlove>der Kanal ist ja am Ende nur die Ausspielung.

00:54:24.501 --> 00:54:32.400
<v Tim Pritlove>Also dass man selber sich seine Gesprächspartner sucht, dass man selber versucht, das als Teil seiner Forschung vielleicht auch zu verstehen.

00:54:32.401 --> 00:54:34.800
<v Tim Pritlove>Das ist etwas, was ich selten sehe.

00:54:34.801 --> 00:54:36.200
<v Tim Pritlove>Die Kommunikation ist immer ausgelagert.

00:54:36.201 --> 00:54:45.300
<v Tim Pritlove>So ich mache jetzt meine Forschung und wenn ich die Tür das nächste Mal wieder aufmache, dann kommuniziere ich jetzt mal mit der Öffentlichkeit, aber jetzt will die Tür wieder zumachen, weil ich muss jetzt wieder forschen.

00:54:45.301 --> 00:54:54.800
<v Tim Pritlove>Aber dass ja Kommunikation selber auch Forschung sein kann, ein fester Bestandteil, ist vielleicht etwas, was noch nicht so ganz präsent ist in der ganzen Debatte.

00:54:54.801 --> 00:55:02.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja, finde ich einen super spannenden Gedanken und kann ich Ihnen, glaube ich, auch nur zustimmen, wenn ich das jetzt aus meinen Erfahrungen heraus reflektiere,

00:55:02.301 --> 00:55:09.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass vielleicht gerade auch diejenigen, die an diesem Diskurs und der Diskussion Interesse haben sollten, doch häufig auffallend ruhig sind.

00:55:09.601 --> 00:55:19.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also es gab, glaube ich, im letzten Jahr mal irgendwann einen Artikel in der Zeit, da ging es darum, inwiefern sich denn auch Fachgesellschaften aus der Germanistik oder andere

00:55:19.501 --> 00:55:28.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>eben zu bestimmten Entwicklungen auch im Rahmen der Flüchtlingsdebatte und anderer Themen äußern und dass da doch relativ wenig kommt.

00:55:28.101 --> 00:55:37.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und gerade wenn Debatten ja eben auch über Sprache oder über visuelle Kommunikation vorangetrieben werden, würde man natürlich das schon erwarten.

00:55:37.801 --> 00:55:45.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Da sind die Wissenschaften zum Teil in der Tat, glaube ich, noch in einem anderen Jahrhundert unterwegs.

00:55:45.601 --> 00:55:56.800
<v Tim Pritlove>Was, um nochmal kurz auf den Podcast mit Christian Drosten zurückzukommen bzw. das gilt im Prinzip eigentlich auch für alle anderen Produktionen, also einen virologischen Podcast zu haben,

00:55:56.801 --> 00:56:07.900
<v Tim Pritlove>das gehört ja heutzutage schon zum guten Ton und ich finde das auch gut, dass so viele Wissenschaftler auf so eine neue Art und Weise auch sichtbar geworden, weil sie natürlich auch streitbarer werden.

00:56:07.901 --> 00:56:25.700
<v Tim Pritlove>Vor allem ist auch immer ganz interessant zu sehen, wie dieser dünne Grad, auf dem marschiert wird, zwischen, ich präsentiere Erkenntnisse aus Studien, die sozusagen so die reine wissenschaftliche Idealvorstellung sind mit,

00:56:25.701 --> 00:56:37.200
<v Tim Pritlove>ich habe das gelesen, ich habe mir darüber Gedanken gemacht, das sind meine Schlüsse oder das ist das, was sich hier verifizierbar, unbestreitbar herauslesen lässt,

00:56:37.201 --> 00:56:44.600
<v Tim Pritlove>aber dann man doch sehr schnell auch in so einen Bereich der weichen Interpretationen bis hin zu Meinungen kommt.

00:56:44.601 --> 00:56:56.500
<v Tim Pritlove>Da kann man dann eben gerade Herrn Drosten auch immer wieder dabei beobachten, wie er sagt, ja aber das ist jetzt wirklich nur meine Meinung, dass das jetzt mal bitte überhaupt nicht falsch verstanden wird.

00:56:56.501 --> 00:57:01.300
<v Tim Pritlove>Was ich sehr gut verstehen kann, weil ich glaube, bei dieser großen öffentlichen Beobachtung ist es nochmal besonders wichtig.

00:57:01.301 --> 00:57:09.500
<v Tim Pritlove>Frage ist für mich, wie schlimm ist das eigentlich, Meinungen hier mit in diesen wissenschaftlichen Diskurs reinzubringen?

00:57:09.501 --> 00:57:14.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also zunächst mal, ich bin geprägt von der Schule des Konstruktivismus.

00:57:14.001 --> 00:57:20.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>In Münster haben wir Kommunikationswissenschaften mit diesem sehr stark konstruktivistischen Ansatz studiert damals.

00:57:20.801 --> 00:57:32.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und da war irgendwie immer schon klar, naja es ist eine konstruierte Wirklichkeit und Menschen haben auch ihre eigene Wirklichkeit und schaffen sich auch ihre eigenen Fakten.

00:57:32.001 --> 00:57:39.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und selbst wenn ich Fakten präsentiere, schon die Art und Weise wie ich Fakten interpretiere, ist ja auch schon wiederum eine Form von Interpretation.

00:57:39.901 --> 00:57:48.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also insofern würde ich sagen, die Wahrheit und damit auch sozusagen die Fakten alleine gibt es irgendwie nicht.

00:57:48.001 --> 00:57:54.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Die Objektivität, sondern das ist ja auch was, was man in den Wissenschaften, deswegen ist man da so trainiert drauf, dass man das immer wieder betont,

00:57:54.901 --> 00:58:03.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass es eben jetzt gerade vielleicht nicht faktisch abgesichert ist oder dass es in dem Fall eben noch keine zweite Studie gibt, die das auch bestätigt hat,

00:58:03.901 --> 00:58:06.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>das finde ich aber eigentlich sehr …

00:58:06.601 --> 00:58:15.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>also ich würde mir wünschen, dass wir Menschen öfter uns daran erinnern und damit das quasi auch in der Kommunikation mit reflektieren, auch wenn wir miteinander kommunizieren,

00:58:15.401 --> 00:58:18.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>jetzt gar nicht mehr nur über wissenschaftliche Themen.

00:58:18.201 --> 00:58:27.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, es ist wichtig, dass Wissenschaftler und das haben wir ja in dieser Klimadebatte gesehen, auch durchaus eine Meinung mit vertreten können.

00:58:27.001 --> 00:58:36.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das sind Menschen und die beschäftigen sich mit Themen und wenn die sich mit diesen Themen beschäftigen und irgendwie erkennen, da geht gerade irgendwas richtig schief,

00:58:36.301 --> 00:58:47.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>weil eben die Politik bestimmte Dinge nicht sieht oder weil in der Wirtschaft eben bestimmte Entwicklungen ignoriert werden, dass ich da auch als Wissenschaftler eine Meinung zu haben darf.

00:58:47.701 --> 00:58:51.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Da würde ich sagen, ja auf jeden Fall.

00:58:51.301 --> 00:59:03.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Dann aber bitte auch eine Meinung, die ich in irgendeiner Form nach wie vor begründen kann und wenn sozusagen die Meinung, also wenn andere eine andere Meinung vertreten,

00:59:03.401 --> 00:59:08.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass ich dann auch in der Lage sein muss, darauf in der Diskussion einzugehen.

00:59:08.801 --> 00:59:17.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und dann zumindest vielleicht sagen zu können, gut das ist nicht meine Meinung, aber ich kann das irgendwie verstehen, nachvollziehen oder man kann sich auch irgendwie näher kommen,

00:59:17.301 --> 00:59:28.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>argumentativ austauschen, das ist natürlich auch wieder so ein Idealbild, was es dann gibt, aber wie gesagt, ich glaube, Wissenschaftlerinnen sind Menschen und es gibt nicht die Wahrheit,

00:59:28.101 --> 00:59:37.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>insofern ist es auch eigentlich ganz gut, wenn so ein Bild vielleicht auch ein bisschen entzaubert wird.

00:59:37.001 --> 00:59:48.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Der große weiße Gott, der da steht, der Arzt, das ist auch ein Mensch und insofern ja, warum sollen Menschen, also auch andere Menschen das auch nicht so wahrnehmen können?

00:59:48.801 --> 00:59:52.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wird da vielleicht auch einer gewissen Verletzlichkeit, die Menschen da auch mitbringen.

00:59:52.801 --> 01:00:00.400
<v Tim Pritlove>Ich glaube, wir erleben hier eine ganz interessante Zeit, wie sich auch so ein Kampf um die Deutungshoheit entwickelt.

01:00:00.401 --> 01:00:12.100
<v Tim Pritlove>Bisher waren so die Inhaber der großen Kanäle am Ende immer die, die entscheiden darüber, wie irgendwas wahrgenommen wird.

01:00:12.101 --> 01:00:20.600
<v Tim Pritlove>Man kann komplizierte Sachverhalte, wissenschaftliche Erkenntnisse bemüht formulieren und versuchen zu beschreiben, aber wenn man eben dann diesen Endkanal nicht unter Kontrolle hat,

01:00:20.601 --> 01:00:28.500
<v Tim Pritlove>dann passiert dann halt irgendwas und das hat ja auch bei vielen Wissenschaftlern oft auch, denke ich, für Frust gesorgt.

01:00:28.501 --> 01:00:31.100
<v Tim Pritlove>So man wird nicht verstanden etc..

01:00:31.101 --> 01:00:45.000
<v Tim Pritlove>Jetzt gibt es natürlich diesen immer ein wenig im Schatten stehenden Wissenschaftsjournalismus, dessen Aufgabe, glaube ich, bisher auch immer war, im Wesentlichen Wissenschaft so zu übersetzen,

01:00:45.001 --> 01:00:53.800
<v Tim Pritlove>dass es eben das überlebt, dort in der öffentlichen Wahrnehmung noch korrekt wahrgenommen zu werden.

01:00:53.801 --> 01:01:01.200
<v Tim Pritlove>Durch die ganzen Verschiebungen und die größere Aufmerksamkeit frage ich mich, was bedeutet das jetzt für den Wissenschaftsjournalismus?

01:01:01.201 --> 01:01:12.300
<v Tim Pritlove>Auf der einen Seite sieht man ja, dass auch wissenschaftsjournalistische Outlets, besonders so auf YouTube etc., auch so eine eigene Dominanz auf einmal entwickeln können, weil die einfach populär sind, gut gemacht sind

01:01:12.301 --> 01:01:21.200
<v Tim Pritlove>und eben auch sehr viel mehr in die Tiefe gehen, vielleicht ist auch dieser Podcast ein ähnliches Beispiel dafür.

01:01:21.201 --> 01:01:27.900
<v Tim Pritlove>Wie ist Ihre Wahrnehmung vom Wissenschaftsjournalismus und ist der jetzt auch neu herausgefordert?

01:01:27.901 --> 01:01:29.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Naja, auf jeden Fall.

01:01:29.101 --> 01:01:39.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich glaube schon, der Wissenschaftsjournalismus war immer wichtig, aber er war immer so ein Nischenthema und wurde ja dann auch eben eher in die späten Abendstunden verdrängt

01:01:39.001 --> 01:01:42.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>oder auf die letzten Seiten der Zeitungen.

01:01:42.301 --> 01:01:55.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und da sehen wir, glaube ich, jetzt, dass diese Verschränkung von Themen, also Politik und Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, dass diese Verschränkungen auch mehr als eine Berechtigung dafür sind,

01:01:55.101 --> 01:02:07.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass der Wissenschaftsjournalismus gestärkt wird und da auch Wissenschaftsjournalistinnen weiter ausgebildet werden, das, glaube ich, ist schon etwas, was wir hoffentlich aus dieser Krise mitnehmen.

01:02:07.201 --> 01:02:11.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Es geht um das Einordnen, es geht darum, komplexe Zusammenhänge darzustellen.

01:02:11.801 --> 01:02:18.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Dafür braucht man wahrscheinlich auch mal mehr Zeit, was sicherlich auch im Journalismus in den letzten Jahren, daran hat es gemangelt an dieser Ressource.

01:02:18.901 --> 01:02:29.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Dass man aber jetzt eben auch feststellt, wie wichtig es ist, solche Themen zu begleiten, auch die Politik dabei zu begleiten, wie sie mit wissenschaftlichen Entscheidungen umgeht etc..

01:02:29.401 --> 01:02:34.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das sind alles Themen, mit denen sich der Wissenschaftsjournalismus auseinandersetzen kann und soll.

01:02:34.701 --> 01:02:41.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Insofern hoffe ich sehr, dass das sich positiv auswirkt für diesen Berufszweig.

01:02:41.101 --> 01:02:48.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Denn Wissenschaftskommunikation in der Tat kann nicht nur die selbst vermittelte Kommunikation aus den Forschungseinrichtungen oder von den Wissenschaftlerinnen sein,

01:02:48.001 --> 01:02:53.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>sondern Wissenschaftskommunikation braucht auch die Fremddarstellung durch den Journalismus.

01:02:53.601 --> 01:03:06.200
<v Tim Pritlove>Denken Sie, das so wie man über Wissenschaftsgeschichte vielleicht viel lernen sollte, egal was man wissenschaftlich studiert, auch Wissenschaftsjournalismus zu so einer Art Grundausbildung gehören könnte für eine wissenschaftliche Karriere beliebiger Art?

01:03:06.201 --> 01:03:14.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also ich glaube auf jeden Fall, Wissenschaftskommunikation, ich weiß nicht, ob gleich Wissenschaftsjournalismus, aber ich würde sagen, in der Wissenschaftskommunikation ist der Wissenschaftsjournalismus dann ja auch mit aufgehoben

01:03:14.201 --> 01:03:23.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und ich glaube, ja, das Thema braucht es auf jeden Fall, wie Sie schon sagten, Wissenschaftsgeschichte oder überhaupt auch Wissenschaftsphilosophie finde ich unglaublich wichtig.

01:03:23.701 --> 01:03:30.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Versuche ich auch mit meinen Studierenden immer zu machen, in jeden Kurs irgendwie einzubinden am Anfang des Studiums.

01:03:30.401 --> 01:03:38.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und so könnte man mit Sicherheit das Thema Wissenschaftskommunikation auch noch als so ein Querschnittsthema, vielleicht gerade auch interdisziplinär fände ich das sehr sehr spannend,

01:03:38.801 --> 01:03:42.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass auch Studierender verschiedener Disziplinen das dann mal miteinander reflektieren.

01:03:42.501 --> 01:03:51.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Was heißt das den für Ingenieure, für Naturwissenschaftler, vielleicht dann aber auch für die Geisteswissenschaftler da auch ein gemeinsames, also auch dieses Verständnis dafür zu haben.

01:03:51.201 --> 01:04:00.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Denn das muss man auch sagen, wir haben jetzt immer so über die Wissenschaftskommunikation gesprochen, wir haben diese verschiedenen Disziplinen, die näher dran sind

01:04:00.101 --> 01:04:06.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>oder nicht so nahe dran sind, die teilweise auch vielleicht eine unterschiedliche Vorstellung haben davon, was das denn eigentlich ist Wissenschaftskommunikation.

01:04:06.101 --> 01:04:14.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich glaube, dieses Verständnis, wenn man das schon bei Studierenden, erst recht aber dann auch bei Nachwuchswissenschaftlerinnen, die übrigens da sehr sehr offen für sind,

01:04:14.501 --> 01:04:27.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wenn man das als ein quasi Weiterbildungselement oder auch curriculare Inhalte berücksichtigt, fände ich sehr sehr gut und wichtig auch in der Tat.

01:04:27.201 --> 01:04:36.300
<v Tim Pritlove>An dieser Stelle ist es, glaube ich, mal ganz angemessen zu sagen, wann wir uns hier unterhalten, weil sich die Dinge ja dann doch immer noch relativ schnell ändern, bevor wir hier im falschen Kontext landen,

01:04:36.301 --> 01:04:39.900
<v Tim Pritlove>also heute ist der 18. Mai, wo wir sprechen.

01:04:39.901 --> 01:04:49.700
<v Tim Pritlove>Gefühlt ist Deutschland so ein bisschen in dem Modus mit Krise, ja okay, jetzt machen wir aber mal wieder was anderes.

01:04:49.701 --> 01:05:09.400
<v Tim Pritlove>Das heißt, wir wechseln gerade so gefühlt von Akutfall, Notalarm, alle bringen sich in Sicherheit und man achtet halt jetzt mal ganz konkret auf das, was die Wissenschaftler in Anführungsstrichen einem jetzt sozusagen mitgegeben haben,

01:05:09.401 --> 01:05:18.800
<v Tim Pritlove>weil man das unmittelbar auch annimmt in diesem grundalarmierten Zustand, vermittelt durch die Politik etc. ganz klar.

01:05:18.801 --> 01:05:21.800
<v Tim Pritlove>Wir haben ja auch schon angedeutet so, ändert sich jetzt so ein bisschen.

01:05:21.801 --> 01:05:23.600
<v Tim Pritlove>Jetzt wird das alles relativiert.

01:05:23.601 --> 01:05:34.600
<v Tim Pritlove>Man merkt auch, eine Gesellschaft lässt sich nicht beliebig lange einfach in so einem Notmodus halten, zumindest solange man nicht das Gefühl hat, dass die Krise nach wie vor existiert.

01:05:34.601 --> 01:05:48.900
<v Tim Pritlove>Und jetzt haben wir ja dann auch den nächsten Brückenschlag gemacht, weil so was, so eine über einem schwebenden Damokles-Krise, die keiner so richtig sehen will, weil keiner schaut nach oben,

01:05:48.901 --> 01:05:53.900
<v Tim Pritlove>haben wir ja mit dem Klimawandel nun schon lange.

01:05:53.901 --> 01:06:02.900
<v Tim Pritlove>Und die Wissenschaft tut sich extrem schwer oder vielleicht tut sie sich nicht schwer, aber die Öffentlichkeit ist sehr schwer zu erreichen und damit auch die Politik, ist sehr schwer zu erreichen,

01:06:02.901 --> 01:06:14.000
<v Tim Pritlove>diese nicht unmittelbar wahrnehmbare Krisenlage als solche auch anzunehmen und dementsprechend auch zu handeln.

01:06:14.001 --> 01:06:25.600
<v Tim Pritlove>Ähnlich ist es ja jetzt überhaupt auch mit dieser zweiten Phase, in der wir uns jetzt offensichtlich befinden, nämlich dass wir nach wie vor die Bedrohung haben durch das Virus, die aber nicht akut ist,

01:06:25.601 --> 01:06:37.700
<v Tim Pritlove>weil wir es irgendwie eingedämmt haben, trotzdem aber Maßnahmen ergreifen müssen, im Idealfall die richtigen Maßnahmen, um eben nicht wieder da zu landen, wo wir schon mal waren.

01:06:37.701 --> 01:06:41.700
<v Tim Pritlove>Und das alles macht es natürlich jetzt schwer.

01:06:41.701 --> 01:06:43.100
<v Tim Pritlove>Wie nehmen Sie das wahr?

01:06:43.101 --> 01:06:54.600
<v Tim Pritlove>Also was könnte jetzt eine richtige Kommunikation sein der Wissenschaft in die Öffentlichkeit, aber natürlich auch in die Politik, die beides entsprechend befeuern kann?

01:06:54.601 --> 01:07:01.100
<v Tim Pritlove>Also was müsste sich in der Kommunikation ändern, damit diese Themen eine andere Wahrnehmung erhalten?

01:07:01.101 --> 01:07:04.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja, das ist eine schwierige Frage.

01:07:04.201 --> 01:07:08.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Am Ende des Tages, wenn ich die beantworten könnte, vielleicht wäre ich dann schon an einer ganz anderen Stelle.

01:07:08.901 --> 01:07:11.600
<v Tim Pritlove>Wäre die Welt schon gerettet. Ich weiß.

01:07:11.601 --> 01:07:23.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Nein, in der Tat stelle ich mir die Frage auch, weil man sich ja gefragt hat, was kann man jetzt lernen aus diesen ersten Wochen und Monaten der Corona-Krise für das Thema Klima?

01:07:23.301 --> 01:07:26.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Oder anders gesagt, sind das zwei völlig unterschiedliche Themen?

01:07:26.901 --> 01:07:36.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich sehe das ähnlich wie Sie, sobald dieses Thema von mir persönlich wieder ein bisschen weiter weggerückt ist, nehme ich das vielleicht nicht mehr so ernst oder so wahr.

01:07:36.901 --> 01:07:50.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das ist, glaube ich, bei dem Klimathema das unglaublich schwierige, weil es a) unglaublich komplex ist und weil ich b) einfach für mein eigenes unmittelbares Leben diese Gefahr eben noch nicht so wahrnehmen kann

01:07:50.401 --> 01:07:58.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>oder noch nicht sehe, also jetzt irgendwie, das Wasser steht hier schon vor Berlin, also sehe ich, da ist irgendwie was schlimmes da.

01:07:58.001 --> 01:08:01.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist, glaube ich, in so Krisen in der Tat ein Problem.

01:08:01.001 --> 01:08:09.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Man sagt ja auch, man hat so diese latenten Krisen und das scheint jetzt auch bei Corona ja der Fall zu sein, eine Krise, die irgendwie weiter da bleibt, die latent da bleibt

01:08:09.001 --> 01:08:21.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und ich glaube, was man nur machen kann oder was heißt nur, aber was man machen kann und sollte natürlich ist, dass man weiterhin gerade jetzt als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler sich Gehör verschafft,

01:08:21.601 --> 01:08:32.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die Scientist for Future machen das ja sehr beständig, auch jetzt während der Corona-Krise haben die auch nicht von ihrem Thema abgelassen und haben auch gesagt,

01:08:32.101 --> 01:08:42.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Mensch guckt euch doch jetzt mal an, plötzlich fliegen so viel weniger Flugzeuge, man sieht, das CO2 in der Luft wird alles irgendwie, die Luft wird besser etc. pp., guckt mal, es sind direkte Auswirkungen.

01:08:42.601 --> 01:08:51.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich glaube, das ist halt eben so dieser Punkt, diese direkten Auswirkungen auf das Leben der Menschen irgendwo zu finden, das hilft natürlich unglaublich bei der Kommunikation.

01:08:51.401 --> 01:09:01.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ob es am Ende des Tages dabei hilft, dass jetzt die Politik die Entscheidungen so trifft, weiß man nicht, weil das haben wir ja jetzt auch gelernt, Politik ist eben ein Abwägen von Interessen

01:09:01.501 --> 01:09:11.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und von verschiedenen Interessen und das hat die Politik in der Klimadiskussion natürlich auch immer schon gesagt, dass es eben auch andere Interesse da abzuwägen gibt

01:09:11.401 --> 01:09:13.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und das sehen wir jetzt in der Corona-Krise auch wieder.

01:09:13.601 --> 01:09:21.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also insofern ich kann Ihnen da leider jetzt keine glasklare Antwort geben, was man machen muss, damit das sozusagen alles gut wird, wenn man so will.

01:09:21.301 --> 01:09:33.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Aber ich glaube, im Gespräch zu bleiben, immer wieder auch zu gucken, was sind jetzt gerade aktuelle Erkenntnisse, die wir haben, die darstellen, was passiert da gerade auf dieser Welt,

01:09:33.201 --> 01:09:41.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>und das Ganze dann auch durchaus in Bilder zu bringen, die Menschen aufrütteln, die Menschen wahrnehmen, das ist dann natürlich so der nächste Schritt.

01:09:41.801 --> 01:09:47.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Da sind wir vielleicht auch wieder beim Wissenschaftsjournalismus, der solche Themen ja auch über eine gewisse Zeit mal begleiten kann.

01:09:47.601 --> 01:09:56.200
<v Tim Pritlove>Aber, um mal so ein bisschen einen anderen Hut aufzusetzen, man könnte es ja auch umdrehen und sagen, ja gut, Corona-Virus, da war die Reaktion klar, weil da war der Bösewicht klar.

01:09:56.201 --> 01:10:00.400
<v Tim Pritlove>Man hatte die unmittelbare Bedrohung, ihr werdet alle sterben etc..

01:10:00.401 --> 01:10:06.900
<v Tim Pritlove>In gewisser Hinsicht ist das ja auch so eine unterschwellige Botschaft in dem Klimawandel, aber irgendwo greift sie nicht.

01:10:06.901 --> 01:10:07.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Weil sie nicht so greifbar ist.

01:10:07.701 --> 01:10:09.200
<v Tim Pritlove>Weil sie nicht so greifbar ist.

01:10:09.201 --> 01:10:11.900
<v Tim Pritlove>Vielleicht müsste man sie ja dann in der Kommunikation greifbarer machen.

01:10:11.901 --> 01:10:16.900
<v Tim Pritlove>Also in irgendeiner Form plastischer darstellen.

01:10:16.901 --> 01:10:31.700
<v Tim Pritlove>Ich will jetzt nicht mit Hollywood kommen, aber in der Inszenierung von dramatischen Krisen haben die ja einige Erfahrung und zeigen immer wieder, dass es eben durchaus möglich ist, eine Story zu entwickeln, eine Darstellung zu machen.

01:10:31.701 --> 01:10:43.900
<v Tim Pritlove>Vielleicht könnte man das der Wissenschaft vorwerfen, dass sie an der Stelle nicht kreativ genug ist, die Drehbücher auch wirklich griffig zu formulieren, die dann letzten Endes die Kommunikation definieren sollen.

01:10:43.901 --> 01:10:52.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also in der Tat glaube ich, dass die Wissenschaft, gerade jetzt die Scientist for Future, da schon wirklich sehr sehr gut unterwegs waren und dass die uns schon Bilder gezeigt haben,

01:10:52.601 --> 01:10:56.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die eigentlich uns genug aufrütteln müssten.

01:10:56.401 --> 01:11:05.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Warum das dann doch nicht passiert, hat wie gesagt meines Erachtens einfach damit zu tun, das es für uns immer noch zu weit ist und wir nicht das Gefühl haben, dass es uns wirklich betrifft.

01:11:05.601 --> 01:11:07.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist ja eben genau der Punkt.

01:11:07.301 --> 01:11:16.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn jetzt diese ganzen Lockerungen, solange bin ich dafür, also nicht ich, sondern ich als Mensch bin ich dafür, wie in meinem Umfeld nichts passiert ist.

01:11:16.701 --> 01:11:19.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Sobald in meinem Umfeld was passiert, werde ich meine Meinung ändern.

01:11:19.501 --> 01:11:28.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist, glaube ich, recht menschlich und insofern dieses Dranbleiben, klar darüber nachdenken, wie kann man Dinge vielleicht nochmal anders darstellen.

01:11:28.401 --> 01:11:35.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das würde ich jetzt aber nicht alleine nur als wissenschaftliche Aufgabe, sondern in der Tat als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen.

01:11:35.401 --> 01:11:45.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Da gibt es ja auch andere Akteurinnen und Akteure und da brauchen wir, glaube ich, auch so einen Zusammenschluss, dass eben die Wissenschaft, dass NGOs, dass im Prinzip auch diejenigen,

01:11:45.801 --> 01:11:51.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die in diesem Themenfeld aktiv sind, da auch gemeinsam Lösungen entwickeln.

01:11:51.401 --> 01:12:01.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Allein wird das die Wissenschaft nicht schaffen, aber ich glaube, dass sie da unglaublich wichtige Impulse in den letzten Jahren schon gegeben hat und da ein wichtiger Player geworden ist,

01:12:01.101 --> 01:12:07.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>der auch wahrgenommen wird, der auch ernst genommen wird, der auch in den Medien auftritt.

01:12:07.101 --> 01:12:09.900
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich glaube, da muss man so weitermachen und darf sich nicht entmutigen lassen.

01:12:09.901 --> 01:12:20.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das sind halt Themen, die offenbar lange oder länger brauchen, die Debatte haben wir ja auch schon länger und werden wahrscheinlich nicht von einem Tag auf den anderen die Einstellungen verändern,

01:12:20.101 --> 01:12:29.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>aber ich glaube schon, dass sich in den letzten Jahren auch, natürlich gerade auch durch die jungen Menschen, die auf die Straße gegangen sind, und die eigentlich auch erst den Anstoß gegeben haben,

01:12:29.301 --> 01:12:31.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass sich dadurch schon einiges verändert hat in den Köpfen.

01:12:31.601 --> 01:12:34.500
<v Tim Pritlove>Weil denen klarer ist, was sie zu verlieren haben.

01:12:34.501 --> 01:12:39.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Das ist in der Tat vermutlich auch genau der Punkt.

01:12:39.101 --> 01:12:41.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Wenn ich die Kommunikation …

01:12:41.001 --> 01:12:49.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Also Kommunikation auf Zielgruppen hin zu orientieren heißt natürlich auch, dass die Zielgruppen merken, dass sie was damit zu tun haben und das ist leider den jungen Menschen klarer,

01:12:49.601 --> 01:12:57.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>wobei ich glaube, auch schon inzwischen die älteren, die Familie haben, die Kinder haben, die Enkelkinder haben, das schon auch so sehen.

01:12:57.001 --> 01:13:09.100
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Die Frage der eigenen Verhaltensänderung, das ist wirklich ein schwieriges Thema, inwiefern ich nicht nur sage, ja ich finde das ja alles gut und richtig, aber ich selber steige trotzdem noch in den Flieger,

01:13:09.101 --> 01:13:24.600
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>was ich übrigens nicht mehr tue, aber inwiefern man da wirklich sich das eigene Verhalten anpasst und verändert, da braucht es wahrscheinlich irgendwie doch noch mehr Kreativität und Fantasie, wie Sie schon gesagt hatten.

01:13:24.601 --> 01:13:30.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ob da ein Hollywoodstreifen reicht, mal gucken, weiß ich nicht.

01:13:30.201 --> 01:13:40.500
<v Tim Pritlove>Gut, ich denke, damit sind wir so ein bisschen an der gesteckten Ziele hier für dieses Gespräch geraten.

01:13:40.501 --> 01:13:47.000
<v Tim Pritlove>Gibt es noch etwas, was Sie uns zusätzlich mitgeben wollen, was wir jetzt so noch vielleicht nicht direkt angesprochen haben?

01:13:47.001 --> 01:13:51.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Naja ich glaube, wir sind da durch das Thema ganz gut durchgekommen.

01:13:51.501 --> 01:14:01.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ich glaube, was ich vielleicht noch an der Stelle einfach betonen möchte, ist, dass Kommunikation auch einfach unglaublich viel Spaß macht und dass man keine Angst davor haben muss,

01:14:01.001 --> 01:14:04.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>auch wenn es manchmal Reaktionen gibt, die einem nicht gefallen.

01:14:04.701 --> 01:14:14.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Insofern sich darauf einzulassen, auch mal andere Menschen zu erreichen als die, mit denen man sonst so zu tun hatte, kann wirklich auch ein sehr befriedigendes Gefühl sein.

01:14:14.001 --> 01:14:23.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und das auszuprobieren und vielleicht auch mal zu erleben, dass man damit auch mal vielleicht scheitert oder die eigenen Ansprüche nicht ganz erfüllt, ich glaube, das ist es trotzdem wert.

01:14:23.501 --> 01:14:26.700
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und ich sehe da ein ganz großes Potenzial.

01:14:26.701 --> 01:14:36.200
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Übrigens wir hatten gerade über die jungen Menschen gesprochen, die auf die Straße gehen und gegen den Klimawandel demonstrieren, da sehe ich ein ganz großes Potenzial eben auch bei den Nachwuchswissenschaftlerinnen,

01:14:36.201 --> 01:14:45.500
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>die wir haben, die eben auch mit neuen Medien, mit anderen Medien groß geworden sind, die eine größere Offenheit vielleicht auch haben, die rechtzeitig ins Boot zu holen.

01:14:45.501 --> 01:14:55.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Und da ist es dann allerdings wichtig, aber das will ich jetzt nur noch zum Ende sagen, dass wir da keine politische Diskussion damit jetzt aufmachen, da ist es natürlich auch wichtig,

01:14:55.801 --> 01:15:02.800
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>dass die in irgendeiner Form merken, dass es ihnen zumindest nicht schadet, im besten Fall auch für ihre wissenschaftlichen Karrieren was nutzt.

01:15:02.801 --> 01:15:11.200
<v Tim Pritlove>Ja, ich denke, man ist jetzt auch ein bisschen weiter aufgestiegen in der Superhelden-Kategorie, wo man so potenziell als Weltenretter wahrgenommen werden kann.

01:15:11.201 --> 01:15:12.900
<v Tim Pritlove>Das hat mancher ja schon verinnerlicht.

01:15:12.901 --> 01:15:14.000
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Genau.

01:15:14.001 --> 01:15:18.800
<v Tim Pritlove>Da sind auf jeden Fall noch eine Menge Stellen zu besetzen in diesem Segment.

01:15:18.801 --> 01:15:19.400
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Ja.

01:15:19.401 --> 01:15:22.800
<v Tim Pritlove>Ja, Frau Molthagen-Schnöring, vielen vielen Dank für die Ausführungen.

01:15:22.801 --> 01:15:26.300
<v Stefanie Molthagen-Schnöring>Vielen Dank, dass ich hier mit Ihnen mich austauschen durfte.

01:15:26.301 --> 01:15:27.400
<v Tim Pritlove>Ja.

01:15:27.401 --> 01:15:32.500
<v Tim Pritlove>Und auch vielen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhörer von Forschergeist.

01:15:32.501 --> 01:15:35.100
<v Tim Pritlove>Das war es für diese Ausgabe.

01:15:35.101 --> 01:15:37.300
<v Tim Pritlove>Wir hören uns hier sicherlich bald wieder.

01:15:37.301 --> 01:15:39.100
<v Tim Pritlove>Ich sage, tschüss und bis bald.
