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NOTE
Podcast: Forschergeist
Episode: FG080 Medien und Meinungsbildung
Publishing Date: 2020-05-25T20:37:25+02:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg080-medien-und-meinungsbildung/

00:00:43.001 --> 00:00:48.900
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:48.901 --> 00:00:57.900
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle hier zu einer neuen Ausgabe unserer Gesprächsreihe rund um wissenschaftliche Fragen,

00:00:57.901 --> 00:01:01.500
<v Tim Pritlove>wissenschaftliche Forschung.

00:01:01.501 --> 00:01:10.600
<v Tim Pritlove>Und ja, nun hat es mich auch erwischt, entgegen meiner üblichen Verhaltensweise, doch immer alle zu besuchen

00:01:10.601 --> 00:01:18.600
<v Tim Pritlove>und vor Ort ein face-to-face Gespräch zu machen, muss ich natürlich in den Corona-Zeiten da auch zurückstecken

00:01:18.601 --> 00:01:24.900
<v Tim Pritlove>und das Ganze mal über die Ferne probieren, wie es funktioniert und insofern bin ich ganz froh,

00:01:24.901 --> 00:01:30.700
<v Tim Pritlove>dass das Thema heute sich rund um moderne Mediennutzung dreht.

00:01:30.701 --> 00:01:37.800
<v Tim Pritlove>Sehr passend und auf der anderen Seite auch den passenden Experten vorweisen kann, nämlich den Jan-Hinrik Schmidt.

00:01:37.801 --> 00:01:38.200
<v Tim Pritlove>Hallo Jan.

00:01:38.201 --> 00:01:40.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Hallo Tim, grüße dich.

00:01:40.401 --> 00:01:45.300
<v Tim Pritlove>Genau, denn für dich ist das alles nichts neues, dir muss man nicht erklären, wie man mit dem Internet arbeitet,

00:01:45.301 --> 00:01:48.700
<v Tim Pritlove>das macht die Sache auf jeden Fall schon mal ein bisschen einfacher.

00:01:48.701 --> 00:01:56.600
<v Tim Pritlove>Ich glaube, da haben in den aktuellen Zeiten eine Menge Leute viel Nachholbedarf und sind auch kräftig am kämpfen.

00:01:56.601 --> 00:02:02.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja, ich habe keine Erfahrung mit Pandemien und muss auch gestehen, dass das jetzige Setting,

00:02:02.501 --> 00:02:08.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>ich sitze hier jetzt zu Hause in meinem häuslichen Arbeitszimmer mit technischem Equipment von dir

00:02:08.201 --> 00:02:12.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>und spreche in meinen Computer rein, höre dich aber glasklar, als ob du mir gegenüber säßest, das ist so auch neu,

00:02:12.701 --> 00:02:20.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>das ist hier für mich auch Premiere, aber natürlich der Umgang mit digitalen Medien, auch mit Plattformen,

00:02:20.001 --> 00:02:30.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>die irgendwie den Business-Austausch erleichtern, das ist Teil meiner Arbeitsumwelt, aber auch in gewisser Weise ja auch Teil meines Forschungsgebiets,

00:02:30.401 --> 00:02:36.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>was ich jetzt schon seit diverser Zeit, seit längeren Jahren dann erforschen darf, nämlich die digitalen Medien.

00:02:36.801 --> 00:02:45.200
<v Tim Pritlove>Genau, du bist Senior Researcher beim Hans-Bredow-Institut, wie heißt das vollständig?

00:02:45.201 --> 00:02:48.400
<v Tim Pritlove>Ist am Leibniz Institut für Medienforschung angesiedelt.

00:02:48.401 --> 00:02:54.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau. Da bin ich seit 2007.

00:02:54.601 --> 00:03:00.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Es hieß lange, auch 60/65 Jahre nur Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg.

00:03:00.401 --> 00:03:10.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Seit Anfang 2019 sind wir Mitglied der Leibniz Gemeinschaft, das heißt, jetzt heißen wir offiziell Leibniz Institut für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut.

00:03:10.301 --> 00:03:17.200
<v Tim Pritlove>Aber das Hans-Bredow-Institut ist in der Hinsicht natürlich der bekanntere Name, das hört man ja schon seit längerem.

00:03:17.201 --> 00:03:35.000
<v Tim Pritlove>Und du bist halt seit 2007 dort am Start und hast eigentlich die ganze wilde Zeit live mitverfolgt aus einer Perspektive der Forschung und der besonderen Beobachtung.

00:03:35.001 --> 00:03:45.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also müsste eigentlich schon vorher beginnen, weil ich auch, bevor ich nach Hamburg ans Bredow-Institut kam, mich ja damit auch schon beschäftigt habe.

00:03:45.201 --> 00:03:55.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich habe in den 90ern in Bamberg Soziologie studiert, war dann 99 mit meinem Diplom fertig und hatte bis dahin im Studium eigentlich gar nichts mit Kommunikation und Medien zu tun,

00:03:55.801 --> 00:04:00.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern habe andere Fächer, ich habe Bevölkerungswissenschaft und Urbanistik und Sozialplanung so als Schwerpunkte gehabt und Methoden.

00:04:00.801 --> 00:04:08.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und hatte dann aber das Glück, dass ich Anfang 2000 in Bamberg in die Kommunikationswissenschaft quasi gerutscht bin,

00:04:08.801 --> 00:04:16.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>das war wirklich letztlich ein ganz witziger Zufall, weil ich einen Studenten kannte, der war Hilfskraft in einem Forschungsprojekt

00:04:16.801 --> 00:04:22.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und die suchten in einem laufenden Projekt jemanden, der dort einspringen kann, weil der alte Stelleninhaber gewechselt ist

00:04:22.601 --> 00:04:31.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dann bin ich zum 01.01.2000 an die Forschungsstelle neue Kommunikationsmedien gewechselt an der Uni Bamberg eben in den Kommunikationswissenschaften.

00:04:31.501 --> 00:04:37.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und habe dann erst mal etwas mehr als ein Jahr ein Projekt betreut, wo es um online-Tageszeitungen ging.

00:04:37.901 --> 00:04:42.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das war damals als Phänomen noch vergleichsweise neu.

00:04:42.101 --> 00:04:49.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wir haben auch, was damals auch noch jetzt nicht komplett revolutionär, aber doch ungewöhnlich, war, wir haben online-Befragungen durchgeführt.

00:04:49.701 --> 00:04:55.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja und so bin ich also in die Beschäftigung auch die wissenschaftliche Beschäftigung an sich reingerutscht

00:04:55.401 --> 00:04:59.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dann auch konkret noch die Beschäftigung mit dem Internet und den neuen Kommunikationsmedien.

00:04:59.501 --> 00:05:08.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich habe dann in der Zeit danach auch noch in anderen verschiedenen Stellen im Umfeld der Uni Bamberg gearbeitet und meine Promotion geschrieben.

00:05:08.501 --> 00:05:15.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Die drehte sich um den virtuellen lokalen Raum, ich habe also mich mit der Frage auseinandergesetzt, ob das Internet tatsächlich den Raum verschwinden lässt,

00:05:15.901 --> 00:05:22.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>die Bedeutung des Raumes verschwinden lässt, das war so eine gängige These in den 1990er Jahren.

00:05:22.301 --> 00:05:31.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Habe das einmal so theoretisch ein bisschen auseinander genommen und habe auch verschiedene empirische Studien rund um lokal bezogene Internetangebote untersucht.

00:05:31.601 --> 00:05:39.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann hatte ich das riesige Glück sozusagen im Rückblick, dass so in der Endphase meiner Promotion, als es dann auch so für mich so ein bisschen darum ging,

00:05:39.501 --> 00:05:44.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>ja was mach ich denn jetzt weiter, wie geht es denn weiter, dass da die Weblogs aufkamen.

00:05:44.501 --> 00:05:57.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das war so die Phase 2004/2005, da haben wir auch in Deutschland uns drüber, da fing die Debatte an, dass es im Netz da so neue interessante Seiten gibt,

00:05:57.101 --> 00:06:03.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>die Weblogs, die irgendwie so eine Mischung sind aus online-Tagebüchern und dann gibt es welche, die doch eher so ein bisschen vielleicht quasi journalistisch sind

00:06:03.701 --> 00:06:07.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder in anderen tauschen sich Expertinnen und Experten aus.

00:06:07.501 --> 00:06:17.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das war also ein neues kommunikatives Phänomen, was ich spannend fand und wo ich mich dann ein bisschen näher damit auseinandergesetzt habe,

00:06:17.701 --> 00:06:25.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>um erst mal auch rauszufinden, was machen die Menschen eigentlich mit diesem neuen technischen Format, für welche Zwecke setzen die das ein

00:06:25.401 --> 00:06:29.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder wie ich es dann später auch benannt habe, welche Praktiken des Bloggens bilden sich heraus.

00:06:29.401 --> 00:06:37.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das konnte ich dann mit einem DAAD-Stipendium vier Monate lang in Österreich untersuchen.

00:06:37.801 --> 00:06:44.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich war da in Wien und habe mir die Weblog-Community twoday.net ein bisschen näher unter die Lupe genommen,

00:06:44.001 --> 00:06:51.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>die es inzwischen, glaube ich, gar nicht mehr gibt, die war aber so in den 00er Jahren so eine der bekanntesten Weblog-Plattformen.

00:06:51.601 --> 00:07:00.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und nach diesem viermonatigen Aufenthalt in Österreich kam ich wieder zurück nach Bamberg und habe ein DFG-Projekt erfolgreich beantragt,

00:07:00.901 --> 00:07:06.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>in dem meine eigene Stelle als Postdoc-Researcher, also als schon promovierter Forscher drin war

00:07:06.201 --> 00:07:13.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dann habe ich zwei Jahre lang in Bamberg mit meinem eigenen Projekt eben Praktiken des online-gestützten Netzwerkens oder Networkings untersucht.

00:07:13.401 --> 00:07:17.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und habe da Weblogs und Netzwerkplattformen miteinander verglichen.

00:07:17.701 --> 00:07:19.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also das, was man heute so vor allem von Facebook kennt.

00:07:19.801 --> 00:07:27.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das waren damals, naja ich hatte openBC bzw. jetzt heißt es ja Xing, die hatte ich mir so als Fallstudie und habe noch zwei-drei andere Plattformen untersucht

00:07:27.301 --> 00:07:40.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>und habe da mit Nutzern gesprochen etc., und das war also ein Projekt, was letztlich in der ersten Blütephase des web 2.0, wie es damals ja hieß, lief.

00:07:40.301 --> 00:07:45.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und ich hatte wirklich den großen Vorteil, dass ich eben in einer Zeit, wo alle anfingen, hoppla da passiert was neues, da müsste man doch mal,

00:07:45.801 --> 00:07:47.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>da weiß man nichts drüber, wer kann uns da was dazu sagen?

00:07:47.901 --> 00:07:53.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da hatte ich also schon ein Forschungsprojekt dazu, das heißt, ich konnte dann auch dazu Dinge sagen.

00:07:53.401 --> 00:08:04.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich habe sozusagen zu dem Thema web 2.0, social web geforscht, war da auf Tagungen, war auch letztlich vernetzt sozusagen in der entsprechenden Bloggerszene

00:08:04.601 --> 00:08:12.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>zum Beispiel in Deutschland, habe, glaube ich, dich in dem Kontext auch kennengelernt und war da so eine Mischung aus teilnehmendem wissenschaftlichen Beobachter

00:08:12.001 --> 00:08:16.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>und eben sozusagen Forscher, der von außen darauf guckt.

00:08:16.001 --> 00:08:23.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das Ganze hat dann dazu geführt, dass ich, als das Bredow-Institut 2007 jemanden gesucht hat, der Forschung zu digitalen Medien macht,

00:08:23.301 --> 00:08:26.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass ich dann eben das Glück hatte, diese richtig tolle Stelle zu bekommen.

00:08:26.201 --> 00:08:39.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann seit 2007 bin ich eben am Bredow-Institut mit der etwas sperrigen Jobbezeichnung Senior Researcher für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation.

00:08:39.501 --> 00:08:44.400
<v Tim Pritlove>Ja, 2007 war überhaupt ein sehr interessantes Jahr.

00:08:44.401 --> 00:08:51.200
<v Tim Pritlove>Es war ja auch das erste Jahr, wo die re:publica das erste Mal stattfand, da warst du ja dann wahrscheinlich auch, wenn ich mich richtig erinnere.

00:08:51.201 --> 00:08:52.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau, ja.

00:08:52.701 --> 00:08:56.400
<v Tim Pritlove>Hattest du da nicht sogar auch schon zu Blogs sogar schon einen Talk gegeben?

00:08:56.401 --> 00:09:05.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau, ich habe, das müsste 2007 gewesen sein, habe ich einen Vortrag gehalten „Mythen der Blogosphäre“, wo ich so ein bisschen auseinander genommen habe,

00:09:05.601 --> 00:09:11.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>welche Mythen oder welche „Vorurteile“ so über die Blogosphäre eigentlich herumschwirren.

00:09:11.901 --> 00:09:16.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau, das muss 2007 gewesen sein.

00:09:16.001 --> 00:09:21.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>In den Jahren danach war ich eben auch öfter mal, ich müsste das jetzt sogar nachschlagen, ich hatte dann einige Vorträge.

00:09:21.501 --> 00:09:29.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich erinnere mich vor allem immer noch so an die wechselnden Locations, also Kalkscheune und dann auch Friedrichstadtpalast auf der Bühne, da hatte ich auch einen Vortrag mal.

00:09:29.201 --> 00:09:32.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Oder einmal da in dem Quatsch Comedy Club.

00:09:32.001 --> 00:09:41.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau, das war das, was ich vorhin meinte, dass ich so in dieser Zeit, wo sich eben auch in Deutschland die Szene, die sich mit dem social web beschäftigt,

00:09:41.301 --> 00:09:49.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>größer wurde, aber noch nicht so groß war, dass man sich so in einer wissenschaftlichen Konferenz einerseits und mehr so einer aktivistischen Konferenz andererseits aufgesplittet hatte,

00:09:49.801 --> 00:09:56.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern dass alles noch bei der re:publica speziell zusammenkam, dass ich da eben den Zugang hatte und mitmischen konnte.

00:09:56.901 --> 00:09:57.600
<v Tim Pritlove>Was war denn so dein Eindruck?

00:09:57.601 --> 00:10:02.900
<v Tim Pritlove>Ich meine, bis dahin hattest du dich ja eigentlich eher wissenschaftlich damit beschäftigt.

00:10:02.901 --> 00:10:06.700
<v Tim Pritlove>Ich weiß nicht, inwiefern du das selber schon als deinen eigenen Lebensraum definiert hättest.

00:10:06.701 --> 00:10:20.200
<v Tim Pritlove>Aber wenn man dann auf die re:publica kam so, die ja dann lange Zeit als Blogger-Treffen, Blogger-Messe, was auch immer, also die Leute rangen ja nach Namen dafür, was denn das nun sei.

00:10:20.201 --> 00:10:21.800
<v Tim Pritlove>Worum es denn nun eigentlich auch ginge.

00:10:21.801 --> 00:10:24.900
<v Tim Pritlove>Geht es jetzt hier nur um Weblogs etc.?

00:10:24.901 --> 00:10:26.500
<v Tim Pritlove>Ich denke, heute wissen wir in etwa, worum es ging.

00:10:26.501 --> 00:10:32.200
<v Tim Pritlove>Es ging halt um diese Auseinandersetzungen mit eben genau diesen neuen Realitäten und was es bringt.

00:10:32.201 --> 00:10:35.700
<v Tim Pritlove>Was war denn so dein Eindruck von dieser Community, die dort zusammen kam?

00:10:35.701 --> 00:10:46.100
<v Tim Pritlove>Weil das war ja dann quasi keine wissenschaftliche Situation im eigentlichen Sinne, sondern das war ja dann fleischgewordene Technik.

00:10:46.101 --> 00:10:50.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja. Ich fand und finde die re:publica großartig.

00:10:50.201 --> 00:10:58.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich war damals, also das waren so diese ersten Erfahrungen, tatsächlich auch als Wissenschaftler in einem Setting aufzutreten

00:10:58.101 --> 00:11:03.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>und über seine eigene Forschung und seine eigenen Gedanken zu sprechen, die man jetzt nicht „vor Gleichgesinnten“

00:11:03.801 --> 00:11:08.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder wirklich vor der eigenen Fachcommunity hält, sondern wo man raus muss aus dem Elfenbeinturm.

00:11:08.201 --> 00:11:10.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das fand ich interessant.

00:11:10.701 --> 00:11:18.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Interessant ist jetzt ein euphemistisches Wort für, das war sowohl faszinierend, anregend, teilweise auch herausfordernd,

00:11:18.601 --> 00:11:26.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>manchmal auch ein klein bisschen nervig, ich erinnere mich an Debatten jetzt außerhalb der re:publica, wo also dann auch abgesprochen wurde,

00:11:26.201 --> 00:11:32.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass man als Wissenschaftler überhaupt etwas zu Blogs sagen könnte, weil also das Bild, die Wissenschaftler,

00:11:32.601 --> 00:11:40.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>die in ihrem Laborkittel von außen auf die Forschungsobjekte gucken, das traf irgendwie auch manche Blogger so ein bisschen.

00:11:40.601 --> 00:11:44.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>So wir wollten uns nicht beobachten lassen oder wir wollen uns nicht beobachten lassen, geht weg ihr Wissenschaftler,

00:11:44.501 --> 00:11:49.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>ihr zerstört unseren Lebensraum und all diese Dinge, die spielten so in dieser Zeit mit rum,

00:11:49.601 --> 00:11:57.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil eben auch sich auch erst herausbildete, für welche Zwecke Blogs eigentlich geeignet sind, wer sich selber als Blogger versteht,

00:11:57.101 --> 00:12:01.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>ob es jemanden gibt, der eine Definitionsmacht darüber hat, wer nun ein Blogger, eine Bloggerin ist oder wer nicht.

00:12:01.501 --> 00:12:06.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das waren Debatten, die wurden eben auch, nicht ausschließlich aber auch, auf der re:publica geführt und ich fand es großartig,

00:12:06.601 --> 00:12:08.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>da als Wissenschaftler teilzuhaben.

00:12:08.901 --> 00:12:14.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wie gesagt, ich war dann tatsächlich eher so eine Art teilnehmender Beobachter an meinem eigenen Forschungsfeld.

00:12:14.101 --> 00:12:15.000
<v Tim Pritlove>Hast du denn selber gebloggt?

00:12:15.001 --> 00:12:17.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich habe selber gebloggt, ja.

00:12:17.501 --> 00:12:20.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich habe, glaube ich, 2004 angefangen.

00:12:20.801 --> 00:12:26.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ganz am Anfang eher so ein bisschen Netzfundstücke, das hatte keine große Reichweite.

00:12:26.101 --> 00:12:35.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich habe dann im Zuge der Forschungsprojekte das Blog auch ein bisschen stärker in die wissenschaftliche Richtung sozusagen gehen lassen,

00:12:35.501 --> 00:12:38.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>also habe dann auch mal über meine wissenschaftliche Arbeit gebloggt.

00:12:38.701 --> 00:12:46.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Es gab damals auch so eine Art lockeres Netzwerk von den Heart-Blogging-Scientists???, das waren so ein paar andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Doktoranden teilweise,

00:12:46.901 --> 00:12:56.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>die auch gebloggt haben und ausprobiert haben, wie man dieses Format für wissenschaftliche Themen oder für wissenschaftliche Forschung nutzen kann.

00:12:56.001 --> 00:12:59.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau, also ich blogge seitdem.

00:12:59.701 --> 00:13:07.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>So mein eigenes Bloggen, nicht nur das Layout meiner Seite, sondern so ein bisschen auch die Schwerpunkte haben sich im Laufe der Jahre immer so verschoben.

00:13:07.201 --> 00:13:13.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Im Moment ist es tatsächlich oder inzwischen seit einer Weile ist es tatsächlich eher so ein bisschen wieder zu einer Visitenkarte geworden,

00:13:13.101 --> 00:13:17.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil ich da eher dann nochmal darauf hinweise, wenn irgendwie ein neuer Aufsatz von mir erscheint oder so.

00:13:17.701 --> 00:13:20.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und einmal im Monat gebe ich so einen kurzen Einblick, an welchen Themen ich gerade sitze.

00:13:20.601 --> 00:13:29.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Es ist also nicht mehr dieses stärker diskursive, dass ich dort mit anderen debattiere oder selber Dinge, die noch nicht fertig sind, zur Diskussion stelle,

00:13:29.201 --> 00:13:34.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>wie es in den 00er Jahren war, aber das hat sich, glaube ich, auch an anderen Stellen verändert, das Bloggen,

00:13:34.901 --> 00:13:39.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil inzwischen sich ja auch das Netz und das social web verändert hat sie den 00er Jahren.

00:13:39.301 --> 00:13:41.900
<v Tim Pritlove>Ja, bleiben wir vielleicht nochmal bei der Momentaufnahme damals.

00:13:41.901 --> 00:13:42.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Gerne, ja.

00:13:42.701 --> 00:13:52.400
<v Tim Pritlove>Das war ja im Prinzip eine neue Öffentlichkeit, ohne die Beobachtung durch die Öffentlichkeit.

00:13:52.401 --> 00:14:02.000
<v Tim Pritlove>Also es spielte sich ja quasi so eine Suböffentlichkeit ab, die zwar teilweise hier und da kommentiert und mal darüber berichtet wurde,

00:14:02.001 --> 00:14:11.300
<v Tim Pritlove>aber im Prinzip war das ja so ein Diskurs, der dort geführt wurde, der innerhalb so einer bestimmten Elite stattfand.

00:14:11.301 --> 00:14:23.500
<v Tim Pritlove>Jetzt ist es ja immer so, wenn so eine Gruppe sich vielleicht nicht in demselben Maße beobachtet fühlt, und auch sich natürlich auch ein bisschen feiert,

00:14:23.501 --> 00:14:30.000
<v Tim Pritlove>aber auch eben diese ganze Experimentierlust rauslässt, dann entstehen ja eigentlich auch erst mal ganz interessante Dinge,

00:14:30.001 --> 00:14:34.500
<v Tim Pritlove>weil ja auch erst mal so ein Kontrollmechanismus der Gesellschaft wegfällt.

00:14:34.501 --> 00:14:39.600
<v Tim Pritlove>Wie hast du diese Öffentlichkeit wahrgenommen, die dabei heraussprang?

00:14:39.601 --> 00:14:40.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Kann ich auf zwei Arten beantworten.

00:14:40.601 --> 00:14:47.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das eine ist, dass ich jetzt aus einer eher wissenschaftlichen Sicht mich ja auch tatsächlich genau mit der Frage auseinandergesetzt habe,

00:14:47.201 --> 00:14:50.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>welche Art von Öffentlichkeit entsteht da eigentlich?

00:14:50.001 --> 00:14:56.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Meine Antwort ist dann, eine persönliche Öffentlichkeit, die anders funktioniert als die klassisch journalistisch massenmediale Öffentlichkeit.

00:14:56.601 --> 00:15:01.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das wäre so die eine Antwort, aber mir scheint, ein bisschen scheint deine Frage in eine andere Richtung zu gehen,

00:15:01.901 --> 00:15:07.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>das würde ich so mit dem Begriff eben der Community oder der Verwendungsgemeinschaften beschreiben.

00:15:07.101 --> 00:15:14.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also man konnte nachzeichnen, das habe ich eben auch versucht, das war Thema auch meiner Forschungsarbeit damals,

00:15:14.501 --> 00:15:23.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>wie sich sozusagen ausgelöst oder ausgehend von einem technischen Kommunikationsformat, dem Weblog, was ja formal gesprochen relativ simpel ist,

00:15:23.901 --> 00:15:30.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>das ist eine Webseite, wo Beiträge draufstehen, die Beiträge sind meistens rückwärts chronologisch sortiert und sie können kommentiert und einzeln verlinkt werden,

00:15:30.601 --> 00:15:33.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>so das ist das Weblog jetzt in einer halbwegs technischen Definition.

00:15:33.901 --> 00:15:42.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Aber wie sich davon ausgehend eben unterschiedliche Verwendungsweisen herausgebildet haben, das Technik-Blog,

00:15:42.501 --> 00:15:50.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>das tatsächlich eher journalistische Blog, die Strick-Blogs, die Musik- Blogs, die Online-Tagebücher etc..

00:15:50.001 --> 00:15:56.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und in diesen einzelnen Verwendungsweisen sich aber auch sozusagen Regeln und Erwartungen herausstabilisiert haben.

00:15:56.701 --> 00:15:59.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Was heißt, was macht eigentlich das Bloggen aus?

00:15:59.801 --> 00:16:04.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Welche Erwartungen haben wir an die Art, wie dort gesprochen und geschrieben wird?

00:16:04.401 --> 00:16:12.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Welche Erwartungen haben wir an sozusagen das Diskutieren in den Kommentaren?

00:16:12.001 --> 00:16:18.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und da sozusagen in dieser Selbstverständigung, was machen wir da eigentlich, da gab es dann halt Personen,

00:16:18.401 --> 00:16:24.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>die ein bisschen meinungsstärker auch eher dann zu Wortführern gehörten, das waren dann so die Alpha-Blogger,

00:16:24.201 --> 00:16:29.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>sage ich mal, die halt gut vernetzt waren, auf die gehört wurde, an denen man sich auch gerieben hat.

00:16:29.201 --> 00:16:36.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da gab es auch den Streit in der Blogosphäre, also Don Alfonso, den man ja inzwischen aus ganz anderem Kontext ja auch kennt,

00:16:36.201 --> 00:16:41.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>das war ja auch ein ganz ausgesprochener sogenannter interner Kritiker der Blogger-Szene damals

00:16:41.701 --> 00:16:46.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und das waren Dinge, die konnte ich eben kommunikationswissenschaftlich untersuchen

00:16:46.601 --> 00:16:54.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>und ich habe das gedeutet eben als Auseinandersetzung und Verständigungsprozesse darüber, was die Praktiken des Bloggens eben so ausmacht.

00:16:54.301 --> 00:17:05.000
<v Tim Pritlove>Denkst du, dass die Community dabei sich ihre Regeln sozusagen selbst erarbeitet und auch selbst aufrechterhalten hat?

00:17:05.001 --> 00:17:11.700
<v Tim Pritlove>Also wie hast du das wahrgenommen, wie diese Regelwerke des Miteinanders sich dort entfalten haben?

00:17:11.701 --> 00:17:18.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja, also die kamen an sich aus dieser Community heraus.

00:17:18.801 --> 00:17:26.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Sie waren aber nicht komplett isoliert oder anders gesagt, es gab ja trotz allem auch Beobachtung von außen,

00:17:26.001 --> 00:17:34.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>spätestens dann, als zum Beispiel auch in Deutschland Politikerinnen und Politiker angefangen haben, Blogs einzusetzen und das mal auszuprobieren.

00:17:34.401 --> 00:17:39.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Im Zuge dessen kamen zum Beispiel auch Journalistinnen und Journalisten dazu, die halt auf einmal gesehen haben,

00:17:39.601 --> 00:17:43.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>hoppla, da versucht ein Politiker jetzt so was neues, ein Blog, was ist das denn?

00:17:43.801 --> 00:17:48.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann wurde in gewisser Weise von außen auf dieses Format geguckt.

00:17:48.601 --> 00:17:56.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Anderes Beispiel, das auch für Aufsehen gesorgt hatte, war, dass von Jung von Matt, ich weiß den Namen gerade nicht mehr, wer es war,

00:17:56.301 --> 00:18:03.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber jemand, der in der Werbeszene in Werbeagenturen einen sehr hohen Namen hatte, dass der Blogs als die Klowände des Internet bezeichnet hat zum Beispiel.

00:18:03.801 --> 00:18:09.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Er wollte damit ausdrücken, naja in Blogs da kann ja jeder reinschreiben, was er so sie will, da muss man nichts drauf geben.

00:18:09.101 --> 00:18:14.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Aber das war natürlich, also wenn man selber jetzt als Blogger oder als Bloggerin, wenn da gesagt wurde, na du schreibst ja nur auf eine Klowand,

00:18:14.801 --> 00:18:20.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>das hat natürlich viele getroffen und dann wurde darüber wieder debattiert, dann war das innerhalb der Blogs eine Debatte,

00:18:20.201 --> 00:18:23.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>auch wahrscheinlich auf der re:publica wurde darüber gesprochen.

00:18:23.501 --> 00:18:30.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dadurch waren diese Selbstverständigungsdebatten, also die reagierten auf die Fremdbeobachtungen durch andere, auf Zuschreibungen,

00:18:30.401 --> 00:18:35.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>vielleicht auf Abwertungen auch, während zugleich immer wieder man dann eben auch so diese Phänomene hatte,

00:18:35.601 --> 00:18:39.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass man gesehen hat, hoppla, auf einmal können anscheinend doch Blogs auch irgendwas bewirken.

00:18:39.201 --> 00:18:45.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da wurden Themen, die in Blogs entstanden, wurden auf einmal in journalistischen Medien aufgegriffen oder es bildeten sich dann Blogs,

00:18:45.601 --> 00:18:51.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>wie Netzpolitik zum Beispiel heraus oder auch die re:publica als Veranstaltung, über die halt berichtet wurde.

00:18:51.001 --> 00:18:58.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das heißt, da wurden Blogs anscheinend dann doch zumindest in manchen Teilen der journalistischen Öffentlichkeit ja irgendwie zumindest wahrgenommen

00:18:58.601 --> 00:19:03.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>und auch nicht immer nur abwertend beschrieben, sondern auch anerkannt, dass da etwas neues passiert.

00:19:03.801 --> 00:19:11.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also insofern ging da interne Selbstverständigung und auch interne Normbildung, so nach dem Motto, wir gucken uns ein bisschen auf die Finger,

00:19:11.301 --> 00:19:17.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>was wir hier machen, ging dann mit der Fremdbeobachtung und der Auseinandersetzung mit der Fremdbeobachtung dann eigentlich Hand in Hand.

00:19:17.801 --> 00:19:20.100
<v Tim Pritlove>Das war übrigens Jean-Remy von Matt…

00:19:20.101 --> 00:19:21.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Danke dir, genau.

00:19:21.501 --> 00:19:25.000
<v Tim Pritlove>…der das geschrieben hat, ich habe es gerade nochmal nachgeschlagen, weil ich erinnere mich natürlich noch ganz gut an diese Geschichte,

00:19:25.001 --> 00:19:27.400
<v Tim Pritlove>aber es ist jetzt auch schon wieder alles so lange her.

00:19:27.401 --> 00:19:30.800
<v Tim Pritlove>Und das Interessante war, das Ganze war ja dann wiederum eine Reaktion der Reaktion.

00:19:30.801 --> 00:19:36.500
<v Tim Pritlove>Also es gab ursprünglich von Jung von Matt diese Kampagne, „Du bist Deutschland“.

00:19:36.501 --> 00:19:37.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja genau.

00:19:37.801 --> 00:19:45.800
<v Tim Pritlove>Und das wurde dann halt in dieser ganzen Blogosphäre sehr kritisch debattiert und das war dann, glaube ich, eigentlich der entscheidende Punkt,

00:19:45.801 --> 00:19:56.500
<v Tim Pritlove>Auf einmal gab es da eine Masse von Kritikern, von Leuten, die sich da angemaßt haben, da Meinungen nicht nur zu haben, sondern eben auch zu veröffentlichen,

00:19:56.501 --> 00:20:00.400
<v Tim Pritlove>die sich eben nicht in Journalismus so fassen ließ.

00:20:00.401 --> 00:20:00.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau.

00:20:00.601 --> 00:20:06.600
<v Tim Pritlove>Und dann kam halt diese Reaktion, die sicherlich damals ein bisschen übertrieben war, weil so.

00:20:06.601 --> 00:20:13.900
<v Tim Pritlove>Ich musste allerdings auch vor kurzem gerade über diesen Spruch nochmal nachdenken und dachte mir so, ja Klowände, Internet und so,

00:20:13.901 --> 00:20:20.000
<v Tim Pritlove>also das war schon so ein bisschen auch eine self-fulfilling prophecy an der Stelle, weil ich glaube, an dem Punkt sind wir angekommen.

00:20:20.001 --> 00:20:21.600
<v Tim Pritlove>Da werden wir ja auf jeden Fall auch noch drüber sprechen.

00:20:21.601 --> 00:20:27.800
<v Tim Pritlove>Nichts desto trotz diese Auseinandersetzung mit diesem, was seid ihr eigentlich und was habt ihr für so einen eigenen Anspruch

00:20:27.801 --> 00:20:32.700
<v Tim Pritlove>oder was ist denn überhaupt eure Legitimation, eine Meinung zu haben?

00:20:32.701 --> 00:20:37.500
<v Tim Pritlove>Das entspann sich ja auch speziell dann eben in der Konfrontation mit dem Journalismus.

00:20:37.501 --> 00:20:42.000
<v Tim Pritlove>Ich weiß, das ging dann über Jahre, immer diese Debatte, sind Blogs ein journalistisches Medium?

00:20:42.001 --> 00:20:43.200
<v Tim Pritlove>Ist ein Blogger ein Journalist?

00:20:43.201 --> 00:20:49.200
<v Tim Pritlove>Kann ein Journalist ein Blogger sein und so weiter, das ging ja laufenden Meter hin und her.

00:20:49.201 --> 00:20:53.700
<v Tim Pritlove>Ähnlich mit Podcast und Radio, das hält ja auch noch bis heute an.

00:20:53.701 --> 00:20:55.900
<v Tim Pritlove>Und daran hat mich sich viel gerieben.

00:20:55.901 --> 00:21:02.500
<v Tim Pritlove>Wie hast du denn gerade diese konkrete Auseinandersetzung mit dem Journalismus beobachtet?

00:21:02.501 --> 00:21:12.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da ist das Interessante ja, dass das auch eine Frage war, die sich in meinem Fach, also in der Kommunikationswissenschaft, besonders gestellt hat,

00:21:12.401 --> 00:21:18.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil die Kommunikationswissenschaft ist ja die Wissenschaft von der öffentlichen Kommunikation, jetzt mal ein bisschen verkürzt gesagt.

00:21:18.901 --> 00:21:24.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und für die Kommunikationswissenschaft war es in gewisse Weise ja auch eine Frage, sind Weblogs ein legitimer Untersuchungsgegenstand?

00:21:24.801 --> 00:21:30.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich hatte da wiederum jetzt auch biografisch ein bisschen den Vorteil, dass ich nicht in der Kommunikationswissenschaft sozialisiert wurde,

00:21:30.701 --> 00:21:37.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern eben aus der Soziologie stamme, so dass ich mir, ich überspitze jetzt mal, nie so richtig die Frage gestellt habe, darf ich das jetzt untersuchen?

00:21:37.901 --> 00:21:45.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Oder ist das jetzt ein legitimer Untersuchungsgegenstand, sondern mich hat das halt interessiert, auch eher mit dem soziologischen Blick,

00:21:45.001 --> 00:21:47.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>welche Praktiken bilden sich heraus?

00:21:47.201 --> 00:21:54.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und diese Auseinandersetzung oder die Reibung mit dem Journalismus, die Frage, die du gerade auch selber gestellt hast,

00:21:54.501 --> 00:22:04.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>ist Bloggen Journalismus und so weiter, die habe ich dann so beantwortet, dass ich sage, es gibt so Überlappungs- oder Überschneidungsbereiche,

00:22:04.001 --> 00:22:09.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber natürlich ist nicht jedes Blog auch gleichzeitig ein Ausdruck journalistischen Handelns.

00:22:09.201 --> 00:22:17.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und ich habe dann eigentlich eher beschrieben oder herausgearbeitet, wie sich journalistisch hergestellte, also publizistische Öffentlichkeit,

00:22:17.701 --> 00:22:25.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>durch Blogs und später auch durch andere Internetformate letztlich sozusagen erweitert oder an den Rändern, das ist jetzt nicht abwertend gemeint,

00:22:25.701 --> 00:22:31.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>an den Rändern sozusagen noch weiter geführt wird, weil die Blogs zum Beispiel, jetzt ein Beispiel für diese Erweiterungen,

00:22:31.301 --> 00:22:35.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>die Blogs ja auch Themen aufgreifen, die in den Massenmedien gesetzt werden, weiterführen

00:22:35.601 --> 00:22:41.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>und umgekehrt wiederum die journalistischen Medien Themen aufgegriffen haben, die in den Blogs hochgekommen sind.

00:22:41.101 --> 00:22:47.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also dass es da eigentlich eher so eine Verlängerung der journalistisch hergestellten Öffentlichkeit gab.

00:22:47.501 --> 00:22:53.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ansonsten nur so ganz grundsätzlich fand ich diese Frage, sind Blogs nun Journalismus, als substanzielle Frage eigentlich eher langweilig,

00:22:53.601 --> 00:22:58.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil Blogs sind ganz viel oder können ganz viel sein, da ist das ja eigentlich nur ein Ausschnitt.

00:22:58.001 --> 00:23:03.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Mich haben zum Beispiel ja auch die Strick-Blogs interessiert oder die Blogs, die Jugendliche damals geführt haben.

00:23:03.001 --> 00:23:11.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das war in Zeiten vor Facebook, Instagram, vor SchülerVZ gab es auch Blogs von Teenies, die dann über Tokyo Hotel gebloggt haben.

00:23:11.101 --> 00:23:15.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das wurde von den etablierten Bloggern auf der re:publica größtenteils natürlich, die haben da drauf geguckt, das sind doch auch keine Blogs,

00:23:15.601 --> 00:23:17.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>das ist doch irgendwas.

00:23:17.901 --> 00:23:23.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also auch da haben interessanterweise auch innerhalb der Blogosphäre solche Abgrenzungsdiskurse stattgefunden.

00:23:23.301 --> 00:23:27.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das war so eins der Themen von diesem Vortrag, den ich vorhin erwähnt hatte, zu den Mythen der Blogosphäre.

00:23:27.901 --> 00:23:39.000
<v Tim Pritlove>Trotzdem ist ja in dieser Journalismusfrage steckt ja auch immer so ein bisschen dieses drin mit, wodurch erhält man denn jetzt hier quasi seinen Führerschein zu berichten?

00:23:39.001 --> 00:23:46.900
<v Tim Pritlove>Und bis dahin galt eben Journalismus als, naja da geht man auf eine Journalismusschule und dann ist man bei einer Zeitung

00:23:46.901 --> 00:23:54.700
<v Tim Pritlove>oder bei irgendeinem anderen anerkannt journalistischen Medium, macht da seine Ausbildung und werkelt sich nach oben

00:23:54.701 --> 00:23:58.300
<v Tim Pritlove>und dann ist man halt Journalist und dann hat man auch einen Journalistenausweis.

00:23:58.301 --> 00:24:09.300
<v Tim Pritlove>Und Blogosphäre hat ja eigentlich lange Zeit dagegengehalten, bis heute eigentlich in gewisser Hinsicht und gesagt, nein, das kann man so sehen,

00:24:09.301 --> 00:24:16.800
<v Tim Pritlove>wir sehen uns vielleicht auch nicht unbedingt alle als Journalisten, aber wir sehen uns auch nicht zwangsläufig als nicht-Journalisten,

00:24:16.801 --> 00:24:22.600
<v Tim Pritlove>weil wir genauso auch Fakten aufgraben können, genauso Meinungen veröffentlichen können.

00:24:22.601 --> 00:24:31.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Zu der Frage muss ich auch sagen, da kann ich inzwischen auch so, weil auch noch mehr Jahre vergangen und noch eine weitere Entwicklung stattgefunden hat,

00:24:31.401 --> 00:24:37.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>kann ich auch anders antworten als ich es vielleicht 2007 gemacht hätte oder damals gemacht habe.

00:24:37.801 --> 00:24:47.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also zum einen ist wichtig nochmal festzuhalten, dass Blogs ja letztlich ein Versprechen einlösen, dass das Netz immer so mit sich bringt,

00:24:47.101 --> 00:24:54.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>nämlich jeder kann mitmachen, das ist ja auch ein Teil dieses Versprechens, was so in diesem alten Web 2.0 Diskurs irgendwie so mitschwang.

00:24:54.901 --> 00:25:02.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dass jeder mitmachen kann, dass jeder sozusagen seine Stimme in die digitale Öffentlichkeit tragen kann, heißt aber natürlich nicht,

00:25:02.201 --> 00:25:08.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass damit automatisch jeder auch zum öffentlichen Sprecher im Sinne des Journalisten wird, die Beobachtung ist ganz richtig.

00:25:08.001 --> 00:25:13.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und es mag Blogger geben, die sich auch wie eine Art Journalisten verstehen, aber viele andere Blogger haben letztlich,

00:25:13.801 --> 00:25:18.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>wenn man es abstrakt ausdrücken will, haben eben ihr Recht auf Meinungsäußerung sozusagen ausgeübt.

00:25:18.901 --> 00:25:25.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Sie hatten eben Dinge, die sie interessiert haben, das können Hobbys gewesen sein, Erlebnisse, das kann auch mal ein politisches Thema gewesen sein.

00:25:25.801 --> 00:25:32.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und sie haben mit den Blogs eine Möglichkeit, ihre Stimme zu Gehör zu bringen und ihr Publikum zu finden.

00:25:32.301 --> 00:25:39.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das Publikum sind dann vielleicht ein paar Hundert oder so, die sich halt auch für das Thema interessieren

00:25:39.001 --> 00:25:41.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder irgendwie in dem erweiterten Netzwerk von der Person sind.

00:25:41.201 --> 00:25:46.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist genau dieses Phänomen, was ich mit dem Begriff der persönlichen Öffentlichkeit auch ausdrücken möchte,

00:25:46.601 --> 00:25:54.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass es eben neben der journalistisch publizistisch hergestellten Öffentlichkeit eben auch noch andere Formen von Öffentlichkeit in den digitalen Medien gibt

00:25:54.501 --> 00:26:00.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>und die persönliche Öffentlichkeit ist, was man selber mit Hilfe der digitalen Medien schaffen kann, wo man selber bestimmt,

00:26:00.201 --> 00:26:01.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>über welche Themen schreibt man.

00:26:01.201 --> 00:26:05.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man muss sich nicht an journalistischen Nachrichtenfaktoren orientieren.

00:26:05.201 --> 00:26:12.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man muss nicht die journalistischen Darstellungsformen, den Kommentar, die Nachricht, die Glosse kennen, man schreibt so wie man möchte.

00:26:12.601 --> 00:26:18.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und den Bezug zum Journalismus bekommt es eben dadurch, was ich vorhin schon gesagt hatte, dass zum Teil eben diese Sphären überlappen,

00:26:18.701 --> 00:26:24.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil Themen in beiden Öffentlichkeitssphären behandelt werden, aber auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

00:26:24.501 --> 00:26:29.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>So jetzt habe ich ein bisschen, glaube ich, deine Frage aus den Augen verloren, kannst du nochmal die Frage sagen?

00:26:29.601 --> 00:26:37.700
<v Tim Pritlove>Naja, also ist schon durchaus, also es ist ja das Aufbrechen dieser althergebrachten Legitimation.

00:26:37.701 --> 00:26:40.500
<v Tim Pritlove>Also wer sagt sozusagen was es ist.

00:26:40.501 --> 00:26:51.400
<v Tim Pritlove>Ich meine, es gibt ja auch gerade aus dem Umfeld der re:publica, was ja so den Mitgründern, da gehörte eben Markus Beckedahl und sein Blog netzpolitik.org,

00:26:51.401 --> 00:27:00.400
<v Tim Pritlove>was ja ganz klar als Blog angetreten ist, um eben in diesem spezifischen Bereich der Netzpolitik zu berichten

00:27:00.401 --> 00:27:05.700
<v Tim Pritlove>und mittlerweile ja, glaube ich, überhaupt nicht mehr zur Diskussion steht, dass es sich hierbei um ein journalistisches Format handelt.

00:27:05.701 --> 00:27:06.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja.

00:27:06.501 --> 00:27:12.800
<v Tim Pritlove>Also der Beweis ist an der Stelle ja, glaube ich, auch restlos gebracht worden.

00:27:12.801 --> 00:27:27.400
<v Tim Pritlove>Aber spulen wir mal ein bisschen vor, verlassen wir diese Zeit der relativen unbeobachteten Elitengruppen, weil dann gab es ja dann,

00:27:27.401 --> 00:27:33.100
<v Tim Pritlove>wie schon zuvor, immer wieder neue Schübe durch technischen Wandel.

00:27:33.101 --> 00:27:39.600
<v Tim Pritlove>Und wo vorher halt die Blogs am Start waren und jeder sich im Prinzip noch selber um seinen eigenen Webserver kümmern müsste,

00:27:39.601 --> 00:27:45.400
<v Tim Pritlove>wenn man sich nicht eben auf einer dieser Bloggingplattformen rumgetrieben hat, wie das von dir erwähnte twoday.net,

00:27:45.401 --> 00:27:47.100
<v Tim Pritlove>was es übrigens noch gibt, ich habe gerade nochmal nachgeschaut, also hält sich wacker.

00:27:47.101 --> 00:27:50.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Cool.

00:27:50.401 --> 00:28:02.600
<v Tim Pritlove>Und relativ früh war ja schon YouTube dabei, da war bloß noch nicht so richtig absehbar, was sich dort an eigenen Formaten künftig mal tummeln können wird.

00:28:02.601 --> 00:28:08.900
<v Tim Pritlove>Dann kam natürlich Facebook auf als Plattform und irgendwann auch Twitter.

00:28:08.901 --> 00:28:15.000
<v Tim Pritlove>Wie haben denn diese neuen Player jetzt das ganze Geschehen geprägt?

00:28:15.001 --> 00:28:23.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Oha, das ist die 100.000 Euro Frage oder es ist tatsächlich jetzt komplex.

00:28:23.101 --> 00:28:34.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wenn ich es sehr verkürzt wiedergeben will ist irgendwann so um 2010 herum, sage ich mal, das kann man nicht auf ein genaues Datum festmachen,

00:28:34.301 --> 00:28:42.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber irgendwo dann hat sich die Struktur der digitalen Öffentlichkeit erkennbar gewandelt gegenüber dem, was wir jetzt gerade eben die ganze letzte Zeit,

00:28:42.901 --> 00:28:50.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>die letzten Minuten besprochen haben, also dass das Web in den 2010er Jahren ist strukturell nochmal erkennbar anders als das Web 2.0,

00:28:50.801 --> 00:28:52.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>das sozial Web der 00er Jahre.

00:28:52.901 --> 00:29:00.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das hat sehr viel mit den von dir genannten Akteuren zu tun, nicht weil YouTube auf einmal auch Videos erlaubte oder so,

00:29:00.801 --> 00:29:06.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>das ist nicht das Entscheidende, sondern weil es sich bei diesen Akteuren um Plattformen handelt oder um Intermediäre,

00:29:06.901 --> 00:29:12.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>also um Akteure, die eben gewisse Dinge zentralisieren.

00:29:12.201 --> 00:29:16.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Die Blogosphäre ist was dezentrales.

00:29:16.001 --> 00:29:22.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Es gab halt viele verschiedene Blogs und die waren untereinander vernetzt, haben sich gekannt, was auch immer.

00:29:22.201 --> 00:29:27.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Facebook oder YouTube ist erst mal eine Plattform, ich benutze diesen Begriff mal, ich kann den nachher auch nochmal problematisieren,

00:29:27.401 --> 00:29:36.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber es ist eine Plattform, die auch eine Infrastruktur bereitstellt, um Videos zu veröffentlichen oder sein eigenes Profil anzulegen

00:29:36.001 --> 00:29:38.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>und sich davon ausgehend mit Leuten zu vernetzen, wie im Fall von Facebook.

00:29:38.901 --> 00:29:46.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Diese Plattformen machen es nochmal leichter, selber seine eigene persönliche Öffentlichkeit im Netz zu schaffen.

00:29:46.301 --> 00:29:55.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Die Hürde, einen Blog aufzusetzen, war schon deutlich kleiner als in den 1990er Jahren eine Webseite zu programmieren

00:29:55.001 --> 00:30:02.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dadurch sozusagen haben Blogs auch eine gewisse Verbreitung bekommen, aber es war trotzdem immer noch nicht so einfach

00:30:02.601 --> 00:30:06.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>wie es heutzutage ist, sich bei Facebook anzumelden oder später dann bei Instagram oder so was.

00:30:06.501 --> 00:30:14.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>So dass YouTube, Facebook und so weiter eben nochmal so einen Verbreitungsschub dieser, heute sagen wir, sozialen Medien geführt haben,

00:30:14.801 --> 00:30:19.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil es nochmal für ganz andere Nutzergruppen auf einmal leicht möglich war.

00:30:19.301 --> 00:30:25.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Speziell bei Facebook kamen natürlich auch diese Netzwerkeffekte dazu, dass man irgendwie mitbekommen hat im eigenen Umfeld,

00:30:25.101 --> 00:30:30.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>da gibt es jetzt so was, da sind Leute auf Facebook, da kann man irgendwie diskutieren und alte Schulfreunde wiederfinden

00:30:30.401 --> 00:30:33.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dann haben es eben immer mehr Leute ausprobiert.

00:30:33.101 --> 00:30:38.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also dadurch ist speziell Facebook ja so um 2010 herum in Deutschland auch so unglaublich rasant gewachsen

00:30:38.401 --> 00:30:45.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und hat dann im Prinzip alle anderen Angebote, die es damals noch gab in Deutschland, die VZ-Netzwerke, wer kennt wen etc., hat es ja vom Markt gefegt.

00:30:45.601 --> 00:30:57.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>So inzwischen, das kann wie gesagt keine klare Marke setzen, aber so im Laufe er Zeit, Anfang der 2010er Jahre, haben diese Plattformen eben dann ihre Stellung ausgebaut,

00:30:57.001 --> 00:31:08.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>haben sich konsolidiert und haben, das war dann in der Entwicklung nochmal ein bisschen später, haben dann aber auch alle letztlich ihre Funktionsweise so umgestellt,

00:31:08.601 --> 00:31:18.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass sie also ein auf umfassender Verdatung beruhendes System aufgebaut haben, um Informationsströme zu lenken.

00:31:18.201 --> 00:31:25.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das war jetzt abstrakt formuliert, aber die Funktionsweise von YouTube, Twitter, Facebook und so weiter, die unterscheidet sich natürlich in einzelnen Details,

00:31:25.601 --> 00:31:32.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber im Grunde geht es bei diesen Plattformen darum, dass die Plattformbetreiber Daten von uns Nutzern sammeln,

00:31:32.501 --> 00:31:42.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>indem sie unsere Aktivitäten protokollieren und diese Daten dann dazu verwenden, um zu kanalisieren, welche Art von Inhalten sehen wir, kriegen wir zu sehen?

00:31:42.201 --> 00:31:48.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist dann zum Beispiel wie sich der Newsfeed bei Facebook zusammenstellt oder auch die algorithmischen Empfehlungen bei YouTube,

00:31:48.401 --> 00:31:51.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber auch der ganze Komplex mit personalisierter Werbung.

00:31:51.901 --> 00:32:00.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das sind, wir können das alles gerne später nochmal vertiefen, aber das ist so jetzt wirklich in a nutshell so ein ganz wesentlicher Strukturwandel

00:32:00.601 --> 00:32:12.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>von doch noch eher zentralen Angeboten und dezentralen persönlichen Öffentlichkeiten im Internet der 2000er Jahre

00:32:12.201 --> 00:32:18.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>hin zu den stark auf einige wenige große Plattformen konzentrierten, man kann auch sagen monopolisierten, Netz der Intermediäre,

00:32:18.101 --> 00:32:22.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>was wir in den 2010er und jetzt im Beginn der 2020er Jahre haben.

00:32:22.201 --> 00:32:29.300
<v Tim Pritlove>Vor allem wurde ja der Begriff des Netzwerkeffekts an der Stelle auch erst so richtig popularisiert, weil man sah ihn auf einmal so richtig walten,

00:32:29.301 --> 00:32:37.700
<v Tim Pritlove>insbesondere bei Facebook hat sich das dann halt abgespielt, dass eben dieses, wenn erst mal genug Leute auf einer Plattform sind

00:32:37.701 --> 00:32:43.500
<v Tim Pritlove>und es dann so einen Tipping Point gibt, wo alle anderen sagen, naja wenn die anderen da auch sind, dann gehe ich da halt auch hin,

00:32:43.501 --> 00:32:47.900
<v Tim Pritlove>das ist ja auch etwas, wo dann so die Blogosphäre sehr drunter gelitten hat.

00:32:47.901 --> 00:32:56.000
<v Tim Pritlove>Eine ähnliche Entwicklung sieht man zum Beispiel jetzt auch gerade im Podcasting, was sich ja diesen ganzen Plattformen noch relativ lange ferngehalten hat

00:32:56.001 --> 00:33:03.400
<v Tim Pritlove>oder sich die Plattformen zumindest vom Podcasting weit ferngehalten haben, dass eben jetzt diese Netzwerkeffekte hier auch greifen.

00:33:03.401 --> 00:33:12.200
<v Tim Pritlove>Was hatte denn das für einen Effekt auf die Kommunikation an sich?

00:33:12.201 --> 00:33:22.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja gut, das eine hatte ich ja schon angesprochen, ist eben erst mal relativ banal, dass Netzwerkeffekte das Wachstum von der Nutzerschaft/Nutzerinnenschaft begünstigen

00:33:22.601 --> 00:33:29.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dass es aber dann in einem zweiten Schritt eben auch letztlich zu einer Beschränkung auf einige wenige

00:33:29.801 --> 00:33:35.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder vielleicht sogar nur einen dominierenden Akteur kommt, weil so eine Plattform gewinnt ihren Wert dadurch,

00:33:35.801 --> 00:33:41.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>wenn ich da hingehe, möchte ich mit möglichst vielen anderen kommunizieren können, so dass es dann so eine Art natürliche Tendenz hin gibt,

00:33:41.101 --> 00:33:46.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass sich dann alle dann doch irgendwie bei einem sammeln, das ist so der eine Aspekt.

00:33:46.201 --> 00:33:51.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Könnte man mathematisch modellieren sozusagen, wie diese Netzwerkeffekte gegriffen haben und sich abgespielt haben.

00:33:51.401 --> 00:33:57.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Kommunikationssoziologisch interessant ist zum Beispiel die Beobachtung, dass mit diesem Wachstum eben auch, sagen wir,

00:33:57.901 --> 00:34:04.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>es zu einer Verbreiterung der Nutzerschaft kam und so dieses Gefühl, wir sind hier eine kleine homogene Szene,

00:34:04.001 --> 00:34:12.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>wir haben ja länger drüber gesprochen vorhin, wie es so in den Anfängen der Blogosphäre und der Blogs gab mit der re:publica als Kristallisationspunkt und Klassentreffen,

00:34:12.601 --> 00:34:19.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass das irgendwann dann eben, man könnte sagen, zerfasert ist, sich ausdifferenziert hat, was auch immer,

00:34:19.301 --> 00:34:25.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>also es hätte nie im Leben ein Klassentreffen aller Facebook-Nutzer geben können.

00:34:25.001 --> 00:34:29.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Selbst bei der Blogosphäre gab es natürlich ganz viele, die nie zu so einem Treffen gekommen wären,

00:34:29.401 --> 00:34:30.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber ich glaube, es ist klar, worauf ich hinaus will.

00:34:30.801 --> 00:34:42.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also es war einfach dann so, die Nutzerzahlen sind so in die Höhe gegangen, dass sich da auch wieder zwangsläufig ganz unterschiedliche Gruppierungen und Communitys und Netzwerke ausgebildet hatten.

00:34:42.301 --> 00:34:49.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man sah das dann zum Beispiel daran, dass man auf einmal auf Facebook eben Leute wiedergefunden hat oder gesehen hat,

00:34:49.901 --> 00:34:59.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>die alten Klassenkameraden oder vielleicht auch die eigene Großmutter oder die eigenen Eltern oder so, die das ganz anders genutzt haben als man selber.

00:34:59.001 --> 00:35:04.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Die irgendwie auch ganz andere Themen hatten, es war ganz lange natürlich der Reiz dieses, ich treffe alte Bekannte wieder,

00:35:04.401 --> 00:35:09.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>ich kann mich wieder mit alten Schulfreunden vernetzen, das macht ja auch viel aus.

00:35:09.901 --> 00:35:12.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist auch der Wert, den viele Menschen in diesen Netzwerkplattformen sehen.

00:35:12.601 --> 00:35:20.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Aber so dieses Gefühl, wir teilen so ein Verständnis von unserer Rolle, so wie es die Blogger sind, dass wir hier die Facebook-Nutzer sind zum Beispiel

00:35:20.901 --> 00:35:26.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder die YouTube-Nutzer, das hat sich nie rausgebildet, dafür waren die Gruppen einfach zu groß.

00:35:26.001 --> 00:35:28.200
<v Tim Pritlove>Ist nicht identitätsstiftend gewesen.

00:35:28.201 --> 00:35:35.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau. Das ist vielleicht ein interessanter Punkt nochmal, weil das auch was war, was ich so aus diesen ersten Arbeiten mit den Weblogs herausarbeiten konnte

00:35:35.801 --> 00:35:44.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>und was mir jetzt aber, also was ich immer noch hilfreich finde, dass all diese Plattformen, über die wir reden, ganz grundsätzlich ja drei verschiedene Praktiken unterstützen.

00:35:44.301 --> 00:35:47.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich nenne das halt Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement, Informationsmanagement.

00:35:47.801 --> 00:35:54.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und diese drei Dinge kommen zusammen, ich kann ausdrücken wer ich bin oder wer ich sein will, Identitätsmanagement.

00:35:54.001 --> 00:35:59.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich kann Beziehungen, soziale Beziehungen knüpfen, also neu knüpfen oder auch pflegen, Beziehungsmanagement.

00:35:59.801 --> 00:36:06.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und ich kann mich aber über die Welt um mich herum informieren, kann auf dem Laufenden bleiben, Informationsmanagement.

00:36:06.001 --> 00:36:11.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das sind so die drei Nutzungsversprechen, die diese sozialen Medien eben auch haben und die auch den Reiz ausmachen für viele Menschen.

00:36:11.501 --> 00:36:20.100
<v Tim Pritlove>Jetzt haben wir ja einen Medienteil die ganze Zeit ein wenig im Hintergrund gelassen, nur am Rande angesprochen, nämlich die Massenmedien.

00:36:20.101 --> 00:36:27.000
<v Tim Pritlove>Die ja nun lange lange Zeit gewohnt waren, mehr oder weniger zuständig zu sein für all diese ganzen Informationsfluss

00:36:27.001 --> 00:36:34.300
<v Tim Pritlove>und die vielleicht auch so manche andere Aspekte so abgedeckt haben und wenn es nur der Leserbrief ist.

00:36:34.301 --> 00:36:45.600
<v Tim Pritlove>Die standen ja so aus meiner Perspektive relativ lange recht schockiert vor dieser ganzen Entwicklung und ist dann auch so durch verschiedene klassischen Phasen,

00:36:45.601 --> 00:36:54.700
<v Tim Pritlove>das gibt es alles gar nicht und so weiter und dann konnte man nicht mehr leugnen, dass es das gibt, dann war das erst mal alles ganz Teufelszeug

00:36:54.701 --> 00:36:58.200
<v Tim Pritlove>und musste unbedingt abgelehnt werden und so weiter.

00:36:58.201 --> 00:37:06.000
<v Tim Pritlove>Wie hast du diese Reaktionen der Massenmedien genommen und welche Rolle haben sie in dieser Zeit gehabt?

00:37:06.001 --> 00:37:13.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also für die Massenmedien waren das im Prinzip auch zwei Wellen oder zwei Phasen der Herausforderung.

00:37:13.501 --> 00:37:20.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und im Rückblick kann man sagen, das was in den 00er Jahren so mit den Gefechten mit der Blogosphäre stattfand,

00:37:20.101 --> 00:37:27.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>wirklich nur Vorgeplänkel war, weil die auch hier die Plattform eigentlich die viel größeren Herausforderungen sind,

00:37:27.501 --> 00:37:33.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil die nicht nur die Sonderstellung des Journalismus in publizistischer Hinsicht angreifen.

00:37:33.901 --> 00:37:35.200
<v Tim Pritlove>Deutungshoheit.

00:37:35.201 --> 00:37:43.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau und die Frage, wer bestimmt, welche Informationen in die Öffentlichkeit kommen?

00:37:43.501 --> 00:37:45.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Sondern sie greifen sie auch und vor allem in ökonomischer Hinsicht an.

00:37:45.801 --> 00:37:51.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also das heißt, die untergraben letztlich das Geschäftsmodell des zumindest privatwirtschaftlich organisierten Journalismus,

00:37:51.601 --> 00:37:58.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>nämlich Aufmerksamkeit von Menschen zu bündeln, indem man Nachrichten zur Verfügung stellt oder Inhalte zur Verfügung stellt

00:37:58.501 --> 00:38:01.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>und diese Aufmerksamkeit dann über Werbung zu monetarisieren.

00:38:01.401 --> 00:38:06.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist ja auch das Geschäftsmodell der Tageszeitungen, des klassischen Fernsehsenders.

00:38:06.801 --> 00:38:15.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wie gesagt, Öffentlich-Rechtliche klammern wir mal aus, aber privatwirtschaftlich organisierte Medienangebote finanzieren sich zum überwiegenden Teil

00:38:15.201 --> 00:38:22.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder das ist so das klassische Modell gewesen, finanziert sich zum überwiegenden Teil über Werbeerlöse und nicht über den Verkauf oder das Abo oder so.

00:38:22.501 --> 00:38:30.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>So und jetzt, das hat mit „dem Internet“ schon angefangen und die Intermediäre, die Plattformbetreiber haben das jetzt nochmal verschärft,

00:38:30.401 --> 00:38:36.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>entstehen eben neue Akteure, die Werbekuchen abschöpfen bildlich gesprochen.

00:38:36.201 --> 00:38:42.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also anders gesagt, Werbeausgaben verlagern sich ins Internet und da verlagern sie sich eben zu Google und zu Facebook insbesondere.

00:38:42.001 --> 00:38:48.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das ist in gewisser Weise die größere Herausforderung, auch für den professionell betriebenen Journalismus,

00:38:48.201 --> 00:38:55.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil dann eben die Finanzierungsgrundlage dann auch massiv erodiert.

00:38:55.301 --> 00:39:04.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und da ist die Frage, was macht Facebook eigentlich mit unserer publizistischen Öffentlichkeit, mit der Art, wie wir uns als Gesellschaft informieren,

00:39:04.601 --> 00:39:12.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>wie wir uns orientieren, wie wir über bestimmte Themen debattieren, die macht diese Frage nicht obsolet, im Gegenteil, die ist extrem wichtig,

00:39:12.501 --> 00:39:19.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil die auch viel dann mit demokratischer Meinungsbildung und Willensbildung zu tun hat, aber für den Journalismus ist eben im Moment, glaube ich,

00:39:19.401 --> 00:39:26.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>so die fast drängendere Frage, wie können wir uns eigentlich finanzieren, wenn wir im Netz auf einmal da diese neuen Akteure haben,

00:39:26.501 --> 00:39:32.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>die unglaublich viele Werbemittel in dem Fall dann abschöpfen, was könnten andere Finanzierungsquellen sein zum Beispiel?

00:39:32.101 --> 00:39:41.400
<v Tim Pritlove>Ja das ist insofern ganz interessant, als dass ja dann eben auch diese klassische Zuschreibung, um was für ein Medium es sich eigentlich handelt, auch aufgeweicht wurde.

00:39:41.401 --> 00:39:48.200
<v Tim Pritlove>Wenn man sich heute Spiegel anschaut, was mittlerweile auch nur noch Spiegel und nicht mal mehr Spiegel Online und Spiegel ist,

00:39:48.201 --> 00:39:55.600
<v Tim Pritlove>also einerseits ist das klassische Geschäft und das Onlinegeschäft verschmolzen, jetzt eben auch im Namen.

00:39:55.601 --> 00:40:04.000
<v Tim Pritlove>Man publiziert Videos, man publiziert Podcasts, es mag auch im Einzelnen auch noch so blogartige Beiträge geben.

00:40:04.001 --> 00:40:11.300
<v Tim Pritlove>Also diese ganzen Berichtsformen haben sich komplett geändert und man kann jetzt gar nicht mal mehr sagen, ja Spiegel das ist eine Zeitung

00:40:11.301 --> 00:40:17.100
<v Tim Pritlove>oder das ist ein Magazin, genauso verhält es sich auch im öffentlich-rechtlichen Raum, weil man hat ja auch gesehen,

00:40:17.101 --> 00:40:23.400
<v Tim Pritlove>dass auch der Gesetzgeber hier so seine Schwierigkeiten hatte, dass regulatorisch entsprechend nachzuführen.

00:40:23.401 --> 00:40:31.700
<v Tim Pritlove>Man siehe nur diese permanente Debatte zwischen den privaten Verlagen und den Öffentlich-Rechtlichen, wer denn jetzt was wie wo senden darf.

00:40:31.701 --> 00:40:39.400
<v Tim Pritlove>Ihr seid doch Fernsehen, dann könnt ihr doch hier nicht einfach eine App rausbringen oder Texte ins Internet stellen, was fällt euch denn eigentlich ein?

00:40:39.401 --> 00:40:48.600
<v Tim Pritlove>Auf der anderen Seite ist natürlich aber auch Springer wunderbar dabei, im Prinzip eigene Fernsehformate unter den klassischen Zeitungsmarken zu etablieren.

00:40:48.601 --> 00:40:56.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja. Genau. Also wenn wir für einen Moment mal diese medienpolitische Frage nochmal außer Acht lassen, zeigen, glaube ich, diese Beispiele,

00:40:56.501 --> 00:41:02.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass es inzwischen also nicht mehr möglich ist, die Frage, ist das Journalismus oder nicht, an einen bestimmten Verbreitungsweg zu koppeln,

00:41:02.801 --> 00:41:08.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>so wie man eine Zeit lang sagen konnte, okay wenn es ein bedrucktes Stück Papier, also bedruckte Zeitung ist, dann ist das Journalismus.

00:41:08.401 --> 00:41:15.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also auch da gab es Grauzonen und so weiter, Stichwort Anzeigenblätter, aber mal anders formuliert,

00:41:15.301 --> 00:41:20.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>ganz lange folgte dieses Monopol des Journalismus, man spricht ja auch von einer Gate-Keeper-Funktion,

00:41:20.101 --> 00:41:27.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>also Journalismus ist die Instanz, die für uns filtert, was in der Welt wichtiges passiert und dann an uns verbreitet, das war daran geknüpft,

00:41:27.301 --> 00:41:30.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass es vergleichsweise schwierig war, Massenreichweite herzustellen.

00:41:30.501 --> 00:41:35.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man brauchte Druckerpressen ganz banal, um halt in großer Auflage Zeitungen zu bedrucken.

00:41:35.101 --> 00:41:40.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man brauchte Rundfunkmasten und Infrastruktur, um zu senden Fernsehen oder Radio.

00:41:40.401 --> 00:41:51.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist mit dem Internet, Internet hat auch eine dahinterliegende wichtige Infrastruktur, aber die Hürden sind gesunken, nun prinzipiell Reichweite zu erreichen.

00:41:51.901 --> 00:41:58.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das heißt, man kann die Frage, Journalismus oder nicht, eben nicht mehr an der verwendeten Medientechnologie festmachen,

00:41:58.101 --> 00:42:01.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern braucht andere Kriterien.

00:42:01.601 --> 00:42:07.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man kann das zum Beispiel über die Selektions- und Darstellungsmechanismen machen, also man könnte ja argumentieren,

00:42:07.501 --> 00:42:14.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>der Journalismus unterscheidet sich von anderen Formen des ins Netz Schreibens dadurch, dass es eben bestimmte Kriterien gibt,

00:42:14.901 --> 00:42:20.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>nach denen gefiltert wird, ist das aufgreifenswert oder ist das berichtenswert oder nicht?

00:42:20.101 --> 00:42:24.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das sind dann die, in der Forschung nennt man das, die klassischen Nachrichtenfaktoren, die ein Ereignis haben muss,

00:42:24.501 --> 00:42:26.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>damit es für den Journalismus berichtenswert ist.

00:42:26.801 --> 00:42:29.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man kann sich an den Darstellungsformen aufgreifen.

00:42:29.901 --> 00:42:32.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also wenn wir ein Thema aufgegriffen haben, wie berichten wir darüber?

00:42:32.801 --> 00:42:41.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>So mit dem Anspruch des Journalismus zum Beispiel auch, zumindest in der Nachricht soweit es geht objektiv zu bleiben

00:42:41.201 --> 00:42:45.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>und Ansichten und Meinungen vielleicht dann in die Form des Kommentars auszuleisten.

00:42:45.301 --> 00:42:46.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also das wäre eine Möglichkeit.

00:42:46.501 --> 00:42:53.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann ist es eigentlich, dann kann Journalismus eben auf gedrucktem Papier oder im Fernsehen oder eben auch im Internet stattfinden.

00:42:53.901 --> 00:42:58.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Nochmal eine andere Möglichkeit wäre, noch abstrakter über gesellschaftliche Funktionen zu gehen.

00:42:58.601 --> 00:43:06.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also die Frage sich zu stellen, welche Funktionen erfüllt der Journalismus eigentlich für eine Gesellschaft oder welche Funktion sollte er erfüllen?

00:43:06.201 --> 00:43:12.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und sind andere Organisations- und Kommunikationsformen denkbar, die diese Funktion auch erfüllen können

00:43:12.201 --> 00:43:17.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder sind Funktionen, wie gesellschaftliche Selbstverständigung oder sozusagen die Synchronisierungsfunktion,

00:43:17.301 --> 00:43:22.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass eine Gesellschaft weiß, welche Themen gerade auf der Agenda stehen, ist das zwingend an die Organisationsform Journalismus gebunden?

00:43:22.401 --> 00:43:30.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also solche Fragen stellen sich jetzt, wenn man eben nicht mehr die Debatten macht, alles was im Netz ist, kann kein Journalismus sein oder so.

00:43:30.101 --> 00:43:36.600
<v Tim Pritlove>Na damit sind wir ja im Prinzip jetzt nach diesem Rückblick auf wie es sich entwickelt hat ja eigentlich im Jetzt auch angekommen.

00:43:36.601 --> 00:43:46.000
<v Tim Pritlove>Jetzt haben wir einfach diese Situation, die Plattformen dominieren einen großen Teil des Informationsflusses, der eben beileibe nicht nur von den Massenmedien ausgeht,

00:43:46.001 --> 00:43:49.400
<v Tim Pritlove>sondern eben im großen Teil von den Leuten auch selbst getragen ist.

00:43:49.401 --> 00:44:00.300
<v Tim Pritlove>Es haben sich unzählige an Bubbles und Communitys und andere Informationskanäle herausgebildet, Alternativmedien, wie man manchmal auch sagt

00:44:00.301 --> 00:44:04.300
<v Tim Pritlove>und auch wenn das schon wieder so einen Beigeschmack hat.

00:44:04.301 --> 00:44:15.200
<v Tim Pritlove>Wir sehen uns jetzt also einfach einer Situation gegenüber, in der das klassische Verteilungsmodell so naja zumindest Schlagseite bekommen hat.

00:44:15.201 --> 00:44:21.300
<v Tim Pritlove>Das ist jetzt vielleicht gerade ganz interessant, dass wir jetzt dieses Gespräch zum aktuellen Zeitpunkt führen,

00:44:21.301 --> 00:44:28.100
<v Tim Pritlove>denn wir sind ja jetzt nun mitten noch im Corona Lockdown hier weltweit und in Deutschland natürlich auch

00:44:28.101 --> 00:44:32.600
<v Tim Pritlove>und das hat natürlich auch einen interessanten Effekt des Zusammenrückens gehabt.

00:44:32.601 --> 00:44:40.300
<v Tim Pritlove>Auf einmal spielt die Tagesschau wieder eine große Rolle, überhaupt macht es gerade so den Eindruck, als ob die Medien an sich,

00:44:40.301 --> 00:44:48.600
<v Tim Pritlove>also vor allem die etablierten Medien, eine größere Rolle spielen, das ist zumindest so ein bisschen mein unterschwelliger Eindruck,

00:44:48.601 --> 00:44:56.100
<v Tim Pritlove>weil die Vertrauensfrage auf einmal auf eine andere Art und Weise gestellt wird als das vielleicht noch vor wenigen Monaten der Fall war.

00:44:56.101 --> 00:44:59.000
<v Tim Pritlove>Wie beobachtest du das?

00:44:59.001 --> 00:45:01.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja, also die Beobachtung teile ich.

00:45:01.001 --> 00:45:16.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist inzwischen auch so durch erste Studien ja auch nachgewiesen, dass sich Aufmerksamkeit wieder hin zu den klassischen publizistischen Nachrichtenangeboten zum Beispiel verlagert hat.

00:45:16.901 --> 00:45:23.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich würde das versuchen aus der Sicht der Nutzerinnen und Nutzer zu erklären.

00:45:23.701 --> 00:45:32.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Dass wir es also hier jetzt mit einem einschneidenden Ereignis haben, mit einem Ereignis für das wir als einzelne Person, aber auch als Gesellschaft,

00:45:32.201 --> 00:45:40.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>ja bisher keine Erfahrungen hatten, dass in solchen Zeiten es ein immens hohes Orientierungsbedürfnis gibt.

00:45:40.001 --> 00:45:43.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also Menschen wollen wissen, also vielleicht nicht alle, aber die meisten Menschen wollen wissen, was passiert da gerade,

00:45:43.401 --> 00:45:48.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>wie kann ich mich schützen, was muss ich tun, um mich nicht anzustecken, um vielleicht auch andere nicht anzustecken?

00:45:48.601 --> 00:45:54.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Welche Beschlüsse gelten gerade, was darf ich noch, was darf ich nicht?

00:45:54.201 --> 00:46:00.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also all diese Informationsbedürfnisse sind jetzt sozusagen bei der Gesamtbevölkerung auf einmal auf der Tagesordnung.

00:46:00.501 --> 00:46:02.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Menschen müssen sich darüber informieren.

00:46:02.301 --> 00:46:13.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und die Leistung der publizistischen oder der Massenmedien besteht ja gerade darin, dass sie Informationen, gleichlaufende Informationen,

00:46:13.201 --> 00:46:19.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>schnell und gleichzeitig an ein großes Publikum, nämlich an das Massenpublikum verbreiten können.

00:46:19.501 --> 00:46:25.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das heißt, da ist erst mal ganz banal die technische Leistung er Massenmedien, anders als, sagen wir mal, WhatsApp, ist eben,

00:46:25.401 --> 00:46:30.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>ein und dieselbe Information kann unglaublich viele Bürgerinnen und Bürger gleichzeitig erreichen.

00:46:30.301 --> 00:46:43.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist so der eine Punkt, dass man also darüber, dass man jetzt als einzelne Person ja auch weiß, gelernt hat im Laufe der Zeit,

00:46:43.501 --> 00:46:47.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass man sich für solche aktuellen Nachrichten eben auch an die Massenmedien wenden kann und da dann Informationen bekommt.

00:46:47.701 --> 00:46:53.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man kann dann gleichzeitig, das was ich jetzt erzähle reflektieren wir alle natürlich nicht so ständig in der Mediennutzung,

00:46:53.601 --> 00:46:58.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber eben abstrakt gesprochen, man kann davon ausgehen, dass andere das dann auch wissen.

00:46:58.201 --> 00:47:04.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also das was ich aus den Massenmedien weiß, davon kann ich ausgehen, das wissen vielleicht auch andere.

00:47:04.301 --> 00:47:09.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das wird Teil unserer geteilten Realität.

00:47:09.301 --> 00:47:18.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und gleichzeitig gilt eben auch noch, du hast das Stichwort Vertrauen schon gesagt, dass zumindest in weiten Teilen der Bevölkerung es eben auch dieses Vertrauen ja weiterhin gibt,

00:47:18.201 --> 00:47:28.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass die journalistischen Medien bei allen Probleme und auch unterschiedlichen Abstufungen im Wesentlichen ja Informationen liefern, die gecheckt sind,

00:47:28.201 --> 00:47:32.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>also es wird uns nicht kompletter Nonsens erzählt und so weiter.

00:47:32.101 --> 00:47:38.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das heißt, das ist sozusagen ein Wissen, das wir gelernt haben darüber wie Medien funktionieren,

00:47:38.401 --> 00:47:44.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>was sich dann niederschlägt in einem zumindest grundlegendem Vertrauen darin, dass das, was ich aus der Tagesschau

00:47:44.901 --> 00:47:49.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder meinetwegen auch aus meiner Tageszeitung vor Ort erfahre, dass ich mich danach richten kann.

00:47:49.901 --> 00:47:54.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist erst mal sozusagen der grundlegende Mechanismus.

00:47:54.001 --> 00:48:00.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und ich habe so den Eindruck, das kann ich jetzt nicht irgendwie aus Studien groß bestätigen, das ist mehr jetzt so mein Alltagseindruck,

00:48:00.301 --> 00:48:07.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass so in den ersten Wochen dieser Fokussierungseffekt, also in den ersten Wochen sozusagen von der Corona-Pandemie

00:48:07.601 --> 00:48:14.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>und auch dann den ersten Wochen dieser Ausgangsbeschränkungen etc., dass da diese Fokussierung extrem stark war,

00:48:14.701 --> 00:48:22.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil der Informationsbedarf so hoch war und dass sich das dann aber jetzt im Laufe der letzten Wochen ja wieder ausdifferenziert hat,

00:48:22.901 --> 00:48:30.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>teilweise auch danach, weil es natürlich in der Bevölkerung auch kein einheitliches Meinungsbild gibt, ob nun diese Beschränkungen alle gerechtfertigt sind,

00:48:30.401 --> 00:48:32.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>ob die der richtige Weg sind.

00:48:32.501 --> 00:48:41.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>In den Medien selber wird eben mittlerweile ja auch unterschiedlich stark thematisiert, dass es unterschiedliche Ansichten gibt,

00:48:41.201 --> 00:48:46.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>sowohl unter den Politikerinnen und Politikern, die entscheiden müssen, als auch teilweise ja innerhalb der Wissenschaft,

00:48:46.301 --> 00:48:52.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass es da wissenschaftliche Stimmen gibt, die bestimmte Maßnahmen eher strenger und manche, die die eher lockerer sehen wollen etc.

00:48:52.601 --> 00:48:59.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dadurch kommt jetzt sozusagen wieder eine Differenzierung rein, die aber nach wie vor in den Massenmedien noch abgebildet wird.

00:48:59.701 --> 00:49:07.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann sozusagen als weitere Schritt kommt die Vielfalt an Informationen dazu, die man eben in den digitalen Medien findet.

00:49:07.001 --> 00:49:11.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich wollte jetzt gerade sagen, die man in den nicht journalistischen Medien findet, wobei das nicht ganz stimmt,

00:49:11.801 --> 00:49:18.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>denn auch sozusagen es finden sich ja auch inzwischen, Stichwort Alternativmedien, finden sich auch Angebote,

00:49:18.701 --> 00:49:26.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>die zumindest zu weiten Teilen auch ansatzweise journalistisch arbeiten, aber eben trotzdem es sich zur Aufgabe gemacht haben,

00:49:26.601 --> 00:49:33.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Stimmen zu Gehör zu bringen, die es nicht durch den Filter der publizistischen, sozusagen in Anführungsstrichen, ist nicht mein Wort,

00:49:33.001 --> 00:49:38.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>der Mainstreampresse finden, so dass Menschen dort dann eben auch, wenn sie das möchten, mal Informationen bekommen,

00:49:38.901 --> 00:49:43.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>die im Gegensatz zu dem stehen, was jetzt zum Beispiel Angela Merkel verkündet.

00:49:43.101 --> 00:49:50.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und wenn man das jetzt noch koppelt, das ist ein sehr langes Argument jetzt, wenn man das jetzt noch koppelt mit den Prozessen der Meinungsbildung,

00:49:50.201 --> 00:49:58.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>die so im persönlichen Gespräch stattfinden, dass man sich mit den Nachbarn unterhält, in der Familie, dass man sich austauscht,

00:49:58.101 --> 00:50:04.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>dann ist sozusagen wenn man das noch mit reinnimmt, was sich auch ausdifferenziert, dann kann man, glaube ich, inzwischen sagen,

00:50:04.501 --> 00:50:12.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass also diese ursprüngliche Fokussierung auf Informationen einiger weniger journalistischer Outlets, dass die inzwischen abgeschwächt wurde zumindest.

00:50:12.501 --> 00:50:18.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dass es wieder zu einer Situation kommt, die es vorher auch schon gab, dass also Massenmedien nach wie vor fokussieren,

00:50:18.101 --> 00:50:24.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass es aber bestimmte Gruppen der Bevölkerung und auch bestimmte Anteile der Bevölkerung zu bestimmten Themen gibt,

00:50:24.001 --> 00:50:29.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>die sich aus anderen Quellen mit anderen Ansichten informieren wollen und danach dann ihre Meinung bilden.

00:50:29.501 --> 00:50:31.100
<v Tim Pritlove>Da kommen wir gleich vielleicht nochmal dazu.

00:50:31.101 --> 00:50:36.000
<v Tim Pritlove>Ich wollte das nochmal kurz aufgreifen, weil du meintest ja so, okay Massenmedien qualifiziert jetzt in dieser Situation etwas.

00:50:36.001 --> 00:50:38.900
<v Tim Pritlove>Sie können irgendwie alle erreichen.

00:50:38.901 --> 00:50:43.000
<v Tim Pritlove>Das ist ja im Prinzip das, was wir gesagt haben, könnten ja jetzt auch alle anderen.

00:50:43.001 --> 00:50:47.100
<v Tim Pritlove>Also ich könnte ja auch mit meinem Podcast, mit meinem Blog theoretisch ja auch alle erreichen.

00:50:47.101 --> 00:50:54.700
<v Tim Pritlove>Okay gut, ich bin noch nicht über den über Funk und Kabel ausgesendeten Fernsehen, das mag schon nochmal einen Unterschied haben,

00:50:54.701 --> 00:50:58.700
<v Tim Pritlove>aber viele nehmen das ja auch mittlerweile über das Internet über Streams wahr.

00:50:58.701 --> 00:51:01.600
<v Tim Pritlove>Das heißt, es muss schon nochmal einen anderen Faktor geben.

00:51:01.601 --> 00:51:10.400
<v Tim Pritlove>Einen hast du genannt, dieses Vertrauen in die journalistische Überprüfung, diese Double Check Prozess oder explizit auch dieses Factchecking,

00:51:10.401 --> 00:51:14.100
<v Tim Pritlove>was in letzter Zeit ja auch noch mit dazu gekommen ist, das ist das eine.

00:51:14.101 --> 00:51:21.100
<v Tim Pritlove>Andererseits eben auch so ein, du meintest so, also die Qualität der Medien ist nicht nur, dass man sie an sich schätzt,

00:51:21.101 --> 00:51:26.100
<v Tim Pritlove>sondern dass man auch davon ausgeht, dass alle anderen auch dieselbe Information haben können.

00:51:26.101 --> 00:51:26.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau.

00:51:26.401 --> 00:51:28.300
<v Tim Pritlove>Das ist ja, glaube ich, auch nochmal ein ganz interessanter Punkt.

00:51:28.301 --> 00:51:37.300
<v Tim Pritlove>Einerseits so ein Lagerfeuereffekt, okay wir sitzen jetzt hier auch alle in einem Boot und wir sind zumindest synchronisiert in der Information,

00:51:37.301 --> 00:51:41.900
<v Tim Pritlove>weil wir das Gefühl haben, dass das an sich auch nochmal einen Wert darstellt.

00:51:41.901 --> 00:51:49.600
<v Tim Pritlove>Also es ist gar nicht mal so, nur die Information an sich ist für mich jetzt wichtig, sondern es ist für mich wichtig, dass wir alle dieselbe Information

00:51:49.601 --> 00:51:52.900
<v Tim Pritlove>oder zumindest dieselbe Informationsbasis haben.

00:51:52.901 --> 00:52:01.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau. Entweder das oder auch nur, du kannst es noch einen Schritt sozusagen niedriger hängen, dass wir zumindest wissen, über welche Themen gerade gesprochen wird.

00:52:01.101 --> 00:52:02.700
<v Tim Pritlove>Ja.

00:52:02.701 --> 00:52:07.100
<v Tim Pritlove>Ja okay, die Thematisierung an sich, dass klar ist, was ist eigentlich wichtig.

00:52:07.101 --> 00:52:18.000
<v Tim Pritlove>Also welchem Thema muss man Aufmerksamkeit entgegenbringen, anders als sonst, wo sich mehr oder weniger um seinen eigenen Kram kümmert.

00:52:18.001 --> 00:52:24.200
<v Tim Pritlove>Okay, jetzt haben wir natürlich den anderen Elefanten im Raum schon die ganze Zeit gehört.

00:52:24.201 --> 00:52:32.100
<v Tim Pritlove>Wir erleben seit, tja weiß nicht, zehn Jahren so einen Wandel von unten.

00:52:32.101 --> 00:52:38.700
<v Tim Pritlove>Die Plattformen haben halt es ermöglicht, alle möglichen Kommunikationsräume sich selber zu schaffen

00:52:38.701 --> 00:52:50.200
<v Tim Pritlove>und man hat so den Eindruck, man hat jetzt eine Welt mit Millionen an den Globus umstreckenden Stammtischen geboren,

00:52:50.201 --> 00:53:02.200
<v Tim Pritlove>in denen eigene Realitäten, Vorurteile und Meinungsbildung stattfindet, die teilweise einfach so vor sich hinläuft

00:53:02.201 --> 00:53:05.700
<v Tim Pritlove>oder eben auch konkret ausgenutzt wird.

00:53:05.701 --> 00:53:18.000
<v Tim Pritlove>Extreme Beispiele, die Wahl in den USA, die Abstimmung über den Brexit, das sind alles Dinge, die ganz offensichtlich massiv beeinflusst worden sind.

00:53:18.001 --> 00:53:25.200
<v Tim Pritlove>Also wo einerseits die Diskussion in den Netzen selber schon seine eigene Dynamik entwickelt hat, die schwer zu kontrollieren war,

00:53:25.201 --> 00:53:32.900
<v Tim Pritlove>aber die eben zusätzlich auch noch mit Brandbeschleuniger übergossen wurde dadurch, dass eben diese ganzen Algorithmen

00:53:32.901 --> 00:53:47.700
<v Tim Pritlove>durch Unternehmen wie Cambridge Analytica auch gezielt genutzt wurden, um eine bestimmte Botschaft so als Verstärker, so Geschmacksverstärker da noch mit reinzubringen,

00:53:47.701 --> 00:53:54.700
<v Tim Pritlove>um so selbstaufschaukelnde Effekte mit reinzubringen.

00:53:54.701 --> 00:54:08.100
<v Tim Pritlove>Wie kann man dieses Phänomen greifen und welche Entwicklung hat das so in deinen Augen genommen?

00:54:08.101 --> 00:54:13.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja, also letztlich, ich kann es mir leicht machen und sagen, naja man muss da differenzieren

00:54:13.101 --> 00:54:18.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>und du hast ganz viele verschiedene Phänomene jetzt ja auch schon angesprochen in deiner Herleitung der Frage.

00:54:18.701 --> 00:54:27.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also ich tue mich schwer, diese Wandel der digitalen Öffentlichkeit, den wir jetzt in den letzten vier-fünf Jahren vielleicht nochmal beobachten,

00:54:27.101 --> 00:54:29.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>den auch nur auf einen Nenner zu bringen.

00:54:29.301 --> 00:54:43.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also in gewisser Weise erleben wir jetzt, jetzt heißt hier, sagen wir mal, seit Trump und Brexit, also seit 2016/17 in etwa, erleben wir,

00:54:43.301 --> 00:54:51.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass die digitale Öffentlichkeit eben auf einer Medieninfrastruktur beruht, und damit meine ich nicht nur das Technische, also die Kabel und die Funkmasten,

00:54:51.901 --> 00:54:59.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern auch sozusagen die Plattform mit ihrer Logik, mit ihrer Medienlogik, also dass die Öffentlichkeit auf einer Infrastruktur basiert,

00:54:59.701 --> 00:55:08.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>die nicht per se gut oder nicht per se demokratisch ist, sondern die eben auch für andere Zwecke eingesetzt werden kann,

00:55:08.501 --> 00:55:16.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>die zu Manipulation eingesetzt werden kann, zu Propaganda, ich muss den Begriff Fakenews hier gar nicht verwenden, der ist problematisch,

00:55:16.801 --> 00:55:21.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber dazu benutzt werden kann, um strategisch zu kommunizieren

00:55:21.701 --> 00:55:30.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>und diese strategischen Ziele müssen eben nicht immer im Sinne der sozusagen der klassischen habermasschen aufgeklärten Vernunft oder so liegen.

00:55:30.301 --> 00:55:37.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da fließen viele verschiedene Entwicklungen jetzt zusammen, die zum Beispiel was mit der Möglichkeit zu tun haben,

00:55:37.701 --> 00:55:46.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass man gezielt einzelne Bevölkerungssegmente auswählen und targetten kann, indem man denen sozusagen relativ spezifisch, zielgruppenspezifisch,

00:55:46.801 --> 00:55:52.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>halt bestimmte Botschaften zuspielt, das ist so ein Mechanismus, der beruht wiederum auf dem, was ich vor einer Weile vorhin schon mal erläutert habe,

00:55:52.901 --> 00:56:01.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass die Grundlogik dieser Plattformen ja ist, Informationsströme auf Grundlage von verdateten Informationen über die Nutzerinnen und Nutzer zu kanalisieren.

00:56:01.701 --> 00:56:11.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und ich kann jetzt eben, wenn ich das möchte, eine politische Botschaft zum Beispiel, relativ zielgenau an ein sehr eng beschriebenes Segment der Bevölkerung ausspielen,

00:56:11.501 --> 00:56:17.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>ohne dass vielleicht andere Personen überhaupt davon Kenntnis nehmen, dass ich eine bestimmte Botschaft aussende, das ist so ein Bereich.

00:56:17.501 --> 00:56:25.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Der andere Bereich ist, dass auf diese Plattformen ja auch was zusammenwächst, was ziemlich lange getrennt war,

00:56:25.701 --> 00:56:32.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>nämlich wir haben sozusagen das Senden oder das Publizieren von Informationen auf der einen Seite, bestimmte Botschaften werden verbreitet

00:56:32.501 --> 00:56:39.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und wir haben die Anschlusskommunikation in den Kommentaren, also das, wo vielleicht dann auch stärker noch Meinungsbildung stattfindet.

00:56:39.601 --> 00:56:44.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und diese beiden Dinge waren in der alten Welt, also klassische Massenmedien, waren die getrennt.

00:56:44.701 --> 00:56:51.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da gab es dann eben die Tagesschau und dann das Gespräch in der Familie am Abendbrottisch hinterher über die Nachrichten

00:56:51.101 --> 00:56:57.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder es gab die Tageszeitung und dann vielleicht mal den Leserbrief, aber im Großen und Ganzen waren eben publizistische Kommunikation

00:56:57.001 --> 00:57:02.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>und der Austausch von Menschen über das, was sie aus den Medien erfahren haben, das waren verschiedene Medientechnologien, das war getrennt voneinander.

00:57:02.801 --> 00:57:11.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>In den digitalen Medien finden wir das an ein und derselben Stelle, auf der Facebook-Seite, bei dem Facebook-Eintrag, wo drunter kommentiert wird.

00:57:11.001 --> 00:57:19.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>In dem Twitter-Thread, wo ein Link zu einer bestimmten Nachricht gepostet wird und drunter dann die Leute sich zu Wort melden,

00:57:19.301 --> 00:57:23.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>darauf antworten, sich streiten, was auch immer, bei YouTube etc. das gleiche.

00:57:23.101 --> 00:57:27.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist ein zweites Beispiel, wie hier also eine andere Medienlogik entstanden ist im Laufe der Jahre,

00:57:27.901 --> 00:57:34.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>die dazu führt, dass bestimmte Konversationen auf einmal sichtbar werden, die es vorher vielleicht auch schon gab, Stichwort Stammtisch,

00:57:34.101 --> 00:57:38.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>die aber nie so diese gleiche Sichtbarkeit hatten, wie sie es jetzt möglicherweise haben.

00:57:38.801 --> 00:57:43.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Denn wenn ich einen Eintrag auf der Facebook-Seite der Tagesschau sehe und darunter gleich die Kommentare,

00:57:43.401 --> 00:57:47.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>dann ist da sozusagen im Sinne der Reichweite erst mal Gleichstand hergestellt zwischen den Journalisten,

00:57:47.601 --> 00:57:54.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>die die Facebook-Seite selber bestücken und dem was drunter halt Nutzer in den Kommentaren von sich geben können.

00:57:54.101 --> 00:58:01.600
<v Tim Pritlove>Was ja auch noch verstärkend wirkt, ist ja diese Funktionalität des Teilens, die, glaube ich, so in der Form damals auch noch nicht war.

00:58:01.601 --> 00:58:09.200
<v Tim Pritlove>Also klar, debattieren und Feedback geben, der Kanal hat sich ein bisschen verändert, aber ist ja in seiner Qualität im wesentlichen dasselbe,

00:58:09.201 --> 00:58:13.800
<v Tim Pritlove>aber dieses Teilen, diese Weiterreichen und Empfehlen und Liken und wie man es noch alles nennen möchte,

00:58:13.801 --> 00:58:19.700
<v Tim Pritlove>das scheint mir so ein bisschen so ein Brandbeschleuniger in der ganzen Debattenkultur zu sein.

00:58:19.701 --> 00:58:27.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja genau, das ist zum einen, also es trägt dazu bei, dass sich bestimmte Informationen oder Ansichten eben weiter verbreiten können.

00:58:27.801 --> 00:58:34.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich bin als Sender, jetzt mal in Anführungsstrichen, anfangs vielleicht gar nicht drauf angewiesen, dass mir jetzt unglaublich viele Leute folgen

00:58:34.101 --> 00:58:39.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder meine Seite abonniert haben oder so was, sondern ich kann vielleicht darauf vertrauen, das, was ich sagen möchte,

00:58:39.201 --> 00:58:44.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass das so im Sinne der Mundpropaganda halt von meinem Publikum weitergetragen wird, dass die das selber, du hast genannt,

00:58:44.301 --> 00:58:52.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>retweeten, liken, anderen empfehlen, so dass die Steigerung von Reichweite oder Aufmerksamkeit eben auch durch diese, man nennt es ja dann

00:58:52.201 --> 00:58:54.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>solche viralen Effekte, stattfinden kann.

00:58:54.701 --> 00:59:06.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Die Tücke ist, oder nicht die Tücke, da muss man vielleicht noch sagen als zweite Beobachtung dazu, dass das Weiterleiten und Empfehlen

00:59:06.201 --> 00:59:09.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>durch Nutzerinnen und Nutzer selbst auch nur ein Baustein ist.

00:59:09.101 --> 00:59:15.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Der zweite vervielfältigende Baustein sind die algorithmischen Empfehlungen, die die Plattformen selber machen,

00:59:15.501 --> 00:59:19.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>also nach dem Motto, das hier könnte dich auch interessieren.

00:59:19.501 --> 00:59:25.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und diese beiden Empfehlungsmechanismen, nutzergenerierte Empfehlungen und algorithmisch generierte Empfehlungen,

00:59:25.001 --> 00:59:32.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>die spielen zusammen, um sozusagen die Reichweite von bestimmten Videos oder Postings oder was auch immer zu erhöhen.

00:59:32.301 --> 00:59:40.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und zumindest im Moment ist es im Großen und Ganzen so, dass beide Mechanismen Kommunikation belohnen, die möglichst zugespitzt ist,

00:59:40.701 --> 00:59:47.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>die prägnant ist, die die Leute vielleicht auch aufregt, so dass sie das Gefühl haben, da muss ich was machen oder das müssen auch andere sehen,

00:59:47.401 --> 00:59:53.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>und da spielt dann wiederum das nutzergenerierte und das Algorithmische zusammen, weil die Algorithmen in der Entscheidung,

00:59:53.801 --> 01:00:03.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>was empfehle ich, was leite ich weiter, sich auch danach richten oder daraufhin programmiert sind, die Algorithmen selber sind keine handelnden Akteure,

01:00:03.301 --> 01:00:10.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>also sie sind darauf programmiert, dass sie Dinge mit einer höheren Wahrscheinlichkeit empfehlen, die gerade im Moment besonders stark debattiert werden.

01:00:10.301 --> 01:00:16.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das ist eine Sache, ich habe es jetzt erst mal neutral beschrieben, aber das ist was, was ja auch populistische Kommunikation ausnutzt,

01:00:16.101 --> 01:00:19.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>um es jetzt ins Politische zu wenden, was Trump ja auch ausnutzt.

01:00:19.901 --> 01:00:27.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das Wissen, dass man sowohl das Publikum als auch die Algorithmen triggern kann, indem man möglichst hart und prägnant

01:00:27.901 --> 01:00:35.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und vielleicht auch überdreht kommuniziert, weil man dadurch dann Aufregung und im zweiten Schritt dann Aufmerksamkeit generiert.

01:00:35.601 --> 01:00:42.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist so das Muster, das macht in gewisser Weise ja auch manche Debatten und manche Verläufe so unerträglich,

01:00:42.801 --> 01:00:49.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil eigentlich klar ist, hier wird jetzt nur sozusagen noch einer drauf gepackt und die Empörungsspirale muss nochmal gedreht werden,

01:00:49.101 --> 01:01:00.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>um überhaupt Gehör zu finden, und es macht es auf der anderen Seite eben auch schwer für, ich sage jetzt mal wieder abstrakt, vernunftgeleitete Kommunikation,

01:01:00.001 --> 01:01:05.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>also Argumentationen, die vielleicht versuchen abzuwägen oder irgendwie auch mal zu sehen, hat die andere Person vielleicht auch recht.

01:01:05.701 --> 01:01:14.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Diese Art von Kommunikation tut sich da vielleicht ein bisschen schwerer, weil sie nicht per se zu so einem Erregungslevel irgendwie beiträgt.

01:01:14.001 --> 01:01:18.300
<v Tim Pritlove>Sich auf das Spiel auch gar nicht einlassen kann, weil man da eigentlich nur verlieren kann.

01:01:18.301 --> 01:01:27.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau, nein, sie würde dann in dem Fall eben sozusagen ihre eigenen Grundlagen, nämlich das vernunftgeleitete oder das abwägende würde sie untergraben.

01:01:27.501 --> 01:01:33.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also das, was ich jetzt gerade gesagt habe, man kann auch da wiederum zeigen, dass es da auch Gegenbewegungen gibt,

01:01:33.601 --> 01:01:43.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass nämlich unter bestimmten Umständen interessanterweise gerade wieder das abgewogen Objektive wiederum sozusagen teilenswert ist.

01:01:43.501 --> 01:01:48.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich glaube, hier kann man durchaus den Drosten-Podcast nennen, der ja gerade deswegen so populär geworden ist

01:01:48.801 --> 01:02:00.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>und der sich auch sehr sehr stark durch Empfehlungen und durch Mundpropaganda verbreitet hat, gerade weil er nüchtern und unaufgeregt kommuniziert,

01:02:00.001 --> 01:02:03.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber das ist möglicherweise vielleicht eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

01:02:03.801 --> 01:02:14.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ganz viel der Kommunikation im Netz, dieser viralen Dinge auch, da geht es eher um Sachen, die irgendwie spektakulär zugespitzt oder was auch immer sind.

01:02:14.501 --> 01:02:24.000
<v Tim Pritlove>Ja, vor allem lässt sich ja bemerken, dass bestimmte Leute sich auch schon richtig aus einem offenen Dialog ausgekoppelt zu haben scheinen.

01:02:24.001 --> 01:02:34.800
<v Tim Pritlove>Wir haben dieses Phänomen der Verschwörungstheorien, das heißt, Leute die Erklärungsmuster herbeiziehen, die so auf den ersten Blick vollkommen absurd erscheinen,

01:02:34.801 --> 01:02:42.300
<v Tim Pritlove>insbesondere in dieser Anhäufung, aber es macht ja ganz den Eindruck, als ob sich das auch weiterhin verstärkt.

01:02:42.301 --> 01:02:44.300
<v Tim Pritlove>Es ist immer eine Frage der Wahrnehmung.

01:02:44.301 --> 01:02:51.600
<v Tim Pritlove>Alles was so aufgeregt daherkommt und skandalisierend vor sich hin schreit, das bekommt dann immer erst mal mehr Aufmerksamkeit,

01:02:51.601 --> 01:02:57.800
<v Tim Pritlove>sowohl durch die Algorithmen als eben auch vielleicht durch die Reaktion der Leute selber, weil sie dann vielleicht auch erst mal besorgt sind,

01:02:57.801 --> 01:03:04.500
<v Tim Pritlove>oh Gott da ist ja was ganz furchtbares passiert und stelle dir mal vor, das stimmt dann eben auch, und dann frage ich mich halt,

01:03:04.501 --> 01:03:06.600
<v Tim Pritlove>ob das überhaupt noch einzufangen ist.

01:03:06.601 --> 01:03:16.400
<v Tim Pritlove>Also ist dieser Trend, den wir sehen, siehst du den als umkehrbar oder kehrt der sich schon um?

01:03:16.401 --> 01:03:27.800
<v Tim Pritlove>Ist es etwas, wo man drauf Einfluss nehmen muss, damit es sich in irgendeiner Form wieder in handelbare Bahnen lenken lässt?

01:03:27.801 --> 01:03:36.900
<v Tim Pritlove>Ist das ein technisches Problem, also wie gehen wir damit um, dass so viele Leute hier komplett aus der Spur zu laufen scheinen?

01:03:36.901 --> 01:03:42.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist ein technisches und ein soziologisches und ein psychologisches Problem wahrscheinlich.

01:03:42.001 --> 01:03:46.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also man sollte nicht hoffen, dass man nur an einer Schraube drehen muss.

01:03:46.301 --> 01:03:54.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also wenn man Verschwörungstheoretiker mal nimmt, da begebe ich mich jetzt außerhalb meiner Expertise, ich bin kein Psychologe,

01:03:54.101 --> 01:04:03.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber das hat, also die Neigung, Verschwörungstheorien Glauben zu schenken, hat ziemlich sicher was mit bestimmten psychologischen Dispositionen auch zu tun.

01:04:03.301 --> 01:04:08.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Mit der Frage, wie ich mir die Welt selber erkläre, ohne dass es sich darauf reduzieren lässt.

01:04:08.101 --> 01:04:18.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Es hat auch was mit soziologischen Phänomenen zu tun, dass sich solche bestimmten Ansichten oder Meinungen dann eben auch verstärken können,

01:04:18.301 --> 01:04:20.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>wenn man in einer Gruppe Gleichgesinnter ist.

01:04:20.601 --> 01:04:28.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also wenn um mich rum alle sagen, ja klar, natürlich vergiftet die Regierung uns durch Chemtrails am Himmel

01:04:28.701 --> 01:04:36.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder natürlich ist das Corona-Virus in einem Forschungslabor in China entstanden, wenn das um mich rum alle glauben, dann bin ich auch sozusagen stärker geneigt

01:04:36.401 --> 01:04:38.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dann kommt eben das Technische ins Spiel.

01:04:38.101 --> 01:04:44.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also die Medienlogik dieser Plattformen hat eben auch dazu geführt, dass die es leichter haben sich zu finden

01:04:44.301 --> 01:04:51.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und sich auch abzuschotten letztlich, nicht ausschließlich abzuschotten, weil sie ja auch oft ein Sendungsbewusstsein haben und sagen,

01:04:51.601 --> 01:04:54.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>sie wollen ihre Verschwörungstheorien oder ihre Ansichten, was auch immer, verbreiten,

01:04:54.801 --> 01:05:02.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber sie finden eben ihre Räume im Netz, auch in den sozialen Medien, wo sie sich halt in ihren eigenen Meinungen ständig bestärken können und sagen,

01:05:02.601 --> 01:05:08.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>natürlich ist das so und guck mal hier, hier habe ich schon wieder bei, dann wird irgendein obskurer YouTube-Kanal genannt,

01:05:08.301 --> 01:05:14.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>hier habe ich schon wieder ein Video gefunden, dass eindeutig beweist, dass es ein Forschungslabor ist oder dass es die Chemtrails gibt.

01:05:14.301 --> 01:05:16.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das sind diese Echokammern über die wir hier reden.

01:05:16.301 --> 01:05:23.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also wo Menschen vielleicht auch gar nicht mehr empfänglich sind für abweichende Meinungen, psychologisch nicht mehr empfänglich,

01:05:23.201 --> 01:05:27.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber auch dass sozusagen medientechnisch abweichende Meinungen es da vielleicht auch gar nicht mehr reinfinden,

01:05:27.601 --> 01:05:31.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>weil sie rausgefiltert werden oder denen eben nicht empfohlen werden.

01:05:31.401 --> 01:05:39.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das, also gerade weil es nicht ein rein technisches Problem ist, sondern da auch noch andere psychologische und soziologische Faktoren eine Rolle spielen,

01:05:39.001 --> 01:05:48.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>bin ich auch skeptisch, dass man das jetzt einfach wird ändern können oder abschaffen können, indem man sozusagen irgendwo an den Parametern von YouTube rumschraubt.

01:05:48.001 --> 01:05:54.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich glaube, man hat da Möglichkeiten, man kann anscheinend, da bin ich jetzt auch nicht mehr der richtige Experte für,

01:05:54.801 --> 01:06:03.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber man kann offensichtlich auch ja zum Beispiel diese Parameter von den Empfehlungsalgorithmen natürlich entsprechend einstellen

01:06:03.101 --> 01:06:10.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>und anscheinend könnte man dann auch die so kalibrieren, dass die vielleicht Dinge aus einem bestimmten Kosmos, von dem man ziemlich sicher ausgehen kann,

01:06:10.801 --> 01:06:15.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass das verschwörungstheoretische Umfelder sind, dass die eben nicht noch beliebig an irgendwelche anderen Nutzer weiter empfohlen werden,

01:06:15.601 --> 01:06:20.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber das wird das Problem der Verschwörungstheorien an sich und auch das Problem ihrer Verbreitung

01:06:20.901 --> 01:06:26.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>und ihres sozusagen Verfangens in bestimmten Bevölkerungsgruppen eben nicht lösen.

01:06:26.001 --> 01:06:36.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Gerade bei diesem Thema schwanke ich aber auch selber immer zwischen der Haltung, das ist wirklich schlimm und drängend und da muss dringend was gemacht werden

01:06:36.601 --> 01:06:43.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>und auf der anderen Seite aber auch dieser Einsicht, das betrifft nach wie vor eben nur einen letztlich sehr kleinen Teil der Bevölkerung,

01:06:43.901 --> 01:06:45.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>wenn wir jetzt über Verschwörungstheorien sprechen.

01:06:45.401 --> 01:06:53.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Zwischen diesen beiden Polen, sage ich mal, schwankt so ein bisschen ja auch die öffentliche Debatte und die Debatte der Wissenschaft und der Forschung dazu.

01:06:53.401 --> 01:06:58.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Jetzt bei Corona da ist meine eigene Meinungsbildung auch noch nicht abgeschossen.

01:06:58.401 --> 01:07:08.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Bei Corona können wir anscheinend beobachten, dass sozusagen die Informationen, die vielleicht ursprünglich mal aus so verschwörungstheoretischen Umfeldern kommen,

01:07:08.701 --> 01:07:15.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass die anscheinend inzwischen auch bei anderen Bevölkerungsteilen verfangen, die von sich selber gar nicht sagen würden,

01:07:15.001 --> 01:07:21.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>ich hänge jetzt einer Verschwörungstheorie an, aber die zum Beispiel bestimmte Dinge weiterleiten, die also nicht evidenzbasiert sind,

01:07:21.801 --> 01:07:28.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>das war so in der Frühphase der Pandemie waren das ja auch so WhatsApp-Nachrichten über Ibuprofen,

01:07:28.001 --> 01:07:35.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>wo angeblich irgendwo in Wien geheimgehaltene Ergebnisse zeigen, dass Ibuprofen schädlich ist und so, das ist so ein Muster.

01:07:35.401 --> 01:07:40.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wenn das auf Menschen trifft, die ein Orientierungsbedürfnis haben und die nicht in der Lage sind, meine ich nicht als Vorwurf,

01:07:40.201 --> 01:07:45.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern die de facto nicht in der Lage, all diese Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, dann kann es natürlich problematisch werden,

01:07:45.201 --> 01:07:50.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>wenn also Dinge nicht mehr ganz offensichtlich als Nonsens, Stichwort Chemtrails, zu erkennen sind,

01:07:50.701 --> 01:07:56.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern irgendwo halt vielleicht was haben, wo Leute sagen, da könnte ja was dran sein und das kann dann problematisch werden,

01:07:56.501 --> 01:08:03.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>wenn sich solche Dinge dann weiter verbreiten und letztlich Verunsicherungen säen oder eben auch Misstrauen säen.

01:08:03.201 --> 01:08:09.100
<v Tim Pritlove>Nun stellt sich ja die Frage, wie kann man dem technisch beikommen?

01:08:09.101 --> 01:08:18.400
<v Tim Pritlove>Also du hast ja gerade drei Sachen genannt, wo man da ansetzen muss, soziologisch, was war das, psychologisch und technisch.

01:08:18.401 --> 01:08:29.300
<v Tim Pritlove>Technisch wird ja einiges getan, wenn man jetzt heute durch YouTube durchblättert, nahezu alles, was sich in irgendeiner Form mit dieser Corona-Krise beschäftigt,

01:08:29.301 --> 01:08:38.400
<v Tim Pritlove>ist halt mit einem dicken fetten farbigen Balken unterlegt mit, ja hier Covid-19 Informationen gibt es hier von der Bundeszentrale für Gesundheit etc..

01:08:38.401 --> 01:08:45.400
<v Tim Pritlove>Oder wenn ich mir halt Flat Earth-Videos anschaue, dann werden entsprechende Wikipedia-Einträge verlinkt.

01:08:45.401 --> 01:08:48.200
<v Tim Pritlove>Also da wird ja in gewissen Hinsicht schon nachgesteuert.

01:08:48.201 --> 01:08:57.900
<v Tim Pritlove>Stellt sich natürlich dann auch wieder die Frage, wer definiert jetzt hier, ab wann ein Inhalt überhaupt hinweiswürdig ist

01:08:57.901 --> 01:09:01.200
<v Tim Pritlove>und natürlich auch, in welche Richtung wird hier ein Hinweis gegeben?

01:09:01.201 --> 01:09:11.300
<v Tim Pritlove>Weil in dem Moment, wo man natürlich solche technischen Systeme in Place hat, über deren Ausrichtung ja am Ende konkret die Plattform verfügt,

01:09:11.301 --> 01:09:15.100
<v Tim Pritlove>kann man sich natürlich das Ganze auch genauso vorstellen, dass es in die andere Richtung geht.

01:09:15.101 --> 01:09:15.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja.

01:09:15.801 --> 01:09:22.700
<v Tim Pritlove>Berichtest über, ja hier warum Impfstoffe eine tolle Idee sind so und dann hast du irgendwann den roten Balken darunter, der sagt so,

01:09:22.701 --> 01:09:25.000
<v Tim Pritlove>naja da muss man aber ganz vorsichtig sein so.

01:09:25.001 --> 01:09:27.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja, extrem heikles Terrain in der Tat.

01:09:27.401 --> 01:09:36.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also man kann es auch auf die Ebene runterbrechen, an welcher Stelle greifen Plattformbetreiber möglicherweise auch in die Meinungsfreiheit, in die Informationsfreiheit ein,

01:09:36.601 --> 01:09:44.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass ich also natürlich nicht nur das Recht habe, meine Meinung frei zu äußern innerhalb strafrechtlicher Grenzen und so weiter,

01:09:44.401 --> 01:09:53.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern ich habe natürlich auch ein Recht, mich aus den Quellen zu informieren, die ich für richtig halte und sozusagen der Staat soll mir nicht vorschreiben,

01:09:53.401 --> 01:10:00.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>ob ich an Chemtrails glaube oder nicht, wenn das nicht irgendwie nachher zu Folgen führt, die auch wiederum mit dem Strafrecht kollidieren.

01:10:00.901 --> 01:10:08.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also die Reichsbürger wäre so ein Beispiel, wo es noch klarer erkennbar ist als jetzt bei, sagen wir mal, den Chemtrails,

01:10:08.101 --> 01:10:17.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass man da schon in den Bereich kommt, wo bestimmte Verschwörungstheorien, die Bundesrepublik Deutschland gibt es eigentlich gar nicht,

01:10:17.001 --> 01:10:24.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>wo die einhergehen mit anscheinend auch der Bereitschaft, tatsächlich vielleicht mal auch notfalls mit Waffengewalt sich irgendwie zu wehren,

01:10:24.601 --> 01:10:29.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>um es mal irgendwie vorsichtig auszudrücken, und zwar vorsichtig ausgedrückt auch deswegen, weil das natürlich auch eine Grauzone ist

01:10:29.801 --> 01:10:33.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>und irgendwie ich nicht ganz klar sagen kann, wo die Grenzen sind.

01:10:33.401 --> 01:10:41.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich kann das nicht sagen als Wissenschaftler oder als Bürger, aber YouTube und Facebook können das eigentlich auch nicht sagen

01:10:41.301 --> 01:10:45.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>als in den USA beheimateten privatwirtschaftliche Unternehmen.

01:10:45.801 --> 01:10:52.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Letzten Endes ist das eine Frage, die Gerichte zu klären haben im Einzelfall und abzuwägen, ob halt bestimmte Meinungsäußerungen oder

01:10:52.401 --> 01:10:57.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>bestimmtes Verhalten eben jetzt Strafnormen verletzt hat oder nicht.

01:10:57.301 --> 01:11:06.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also da haben wir jetzt lange ausgeholt, um nochmal den Punkt zu machen, dass wir in der Tat in diesem Zuge dieses Medienwandels,

01:11:06.901 --> 01:11:12.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>mit dem ich vorhin eingeleitet habe, wir haben in den 10er Jahren und jetzt zu Beginn der 20er Jahre die besondere Stellung dieser Intermediäre,

01:11:12.501 --> 01:11:20.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass das sich eben nicht nur auf die Gestalt der Öffentlichkeit auswirkt, sondern auch ganz handfeste regulative Fragen aufgeworfen hat.

01:11:20.501 --> 01:11:28.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wieviel Regulierung sollen und wollen wir eigentlich diesen Intermediären auferlegen, auch wieviele Pflichten zu regulieren,

01:11:28.901 --> 01:11:35.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>also wieviele Pflichten einzugreifen in die Moderierung von Meinungsäußerungen zum Beispiel oder von Beiträgen.

01:11:35.301 --> 01:11:40.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und an welchen Stellen sagen wir, nein das wollen wir eigentlich nicht, dass das die Plattformbetreiber vielleicht nach intransparenten Kriterien machen,

01:11:40.501 --> 01:11:42.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>das muss anders geregelt werden.

01:11:42.001 --> 01:11:48.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und ich habe da auch keine umfassend erschöpfende Antwort, weil das auch ganz oft dann wiederum vom Einzelfall

01:11:48.701 --> 01:11:52.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder von der Art der Kommunikation, die reguliert werden soll, abhängt.

01:11:52.501 --> 01:12:03.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Aber das ist, wenn man medienpolitisch, medienregulatorisch da darauf guckt, ist das eine Herausforderung, die wir jetzt in den 2020er Jahren dringend angehen müssen,

01:12:03.301 --> 01:12:09.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>wenn wir irgendwie ein Interesse daran haben, dass wir weiterhin eine demokratische Öffentlichkeit haben wollen und daran sollten wir ein Interesse haben.

01:12:09.001 --> 01:12:18.900
<v Tim Pritlove>Gibt es denn da irgendwelche Modelle, die da in der Wissenschaft und der Forschung da entsprechend diskutiert werden, wie man da herangehen kann?

01:12:18.901 --> 01:12:27.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja, also jetzt so richtig ausgefeilte Modelle kann ich nicht liefern, aber man kann natürlich so Kriterien entwickeln.

01:12:27.401 --> 01:12:36.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also jetzt als ein Beispiel was das … nehmen wir mal das Löschen von Inhalten, Löschen von Kommentaren oder auch von Videos,

01:12:36.301 --> 01:12:48.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>da wäre so ein Kriterium der Transparenz, dass also transparent sein muss, wann welche Inhalte nach sozusagen unter Bezug auf welche Kriterien gelöscht werden

01:12:48.001 --> 01:12:49.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder gelöscht wurden.

01:12:49.701 --> 01:12:58.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Man kann auch als Kriterium ansetzen, dass das sozusagen anfechtbar sein muss, dass man als Nutzerin oder als Nutzer eben auch die Möglichkeit hat,

01:12:58.501 --> 01:13:05.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>in Berufung zu gehen, das wäre so das Äquivalent aus dem Justizsystem, dass ich also sage, ich bin damit nicht einverstanden, dass hier was von mir gelöscht wurde

01:13:05.301 --> 01:13:11.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder dass mein Account gesperrt wurde, ich möchte dagegen vorgehen und dass es dann Mechanismen gibt, wie diese Berufung, so nenne ich es jetzt mal,

01:13:11.601 --> 01:13:14.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>wiederum verhandle wird.

01:13:14.901 --> 01:13:23.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da ist, gerade was dieses letztere Verfahren angeht, ist Facebook gerade ja auch dabei, ich verfolge das jetzt nicht in den allerletzten Details,

01:13:23.001 --> 01:13:30.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber zumindest vor Corona waren die schon relativ weit, um so eine Art Berufungssystem zu installieren mit einer Instanz,

01:13:30.701 --> 01:13:40.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>die auch sozusagen organisatorisch weitestgehend von Facebook abgekoppelt ist, um sozusagen eben Facebook gegenüber eine neutrale Instanz,

01:13:40.501 --> 01:13:42.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>eine Berufungsinstanz zu bilden.

01:13:42.301 --> 01:13:50.500
<v Tim Pritlove>All diese ganzen regulatorischen Wünsche, die so auf Gerichtsbarkeit basieren, stellt natürlich auch immer gleich die Frage,

01:13:50.501 --> 01:13:53.300
<v Tim Pritlove>welche Gerichtsbarkeit soll denn jetzt hier greifen?

01:13:53.301 --> 01:14:01.100
<v Tim Pritlove>Und dass das amerikanische Gesetz jetzt auch nicht unbedingt immer Blaupause sein kann für alle nationalen Reglungen ist auch klar.

01:14:01.101 --> 01:14:14.800
<v Tim Pritlove>Ich stelle mir halt immer die Frage, ist jetzt eine rechtliche Regulierung unserer Kommunikationskanäle a) überhaupt möglich und b) selbst wenn sie möglich wäre,

01:14:14.801 --> 01:14:17.100
<v Tim Pritlove>ist es überhaupt zielführend?

01:14:17.101 --> 01:14:27.600
<v Tim Pritlove>Oder gibt es nicht in gewisser Hinsicht vielleicht auch sogar schon selbstreinigende Kräfte am Horizont, die schon in irgendeiner Form wirken?

01:14:27.601 --> 01:14:33.900
<v Tim Pritlove>Also von ein paar haben wir ja jetzt auch gesprochen, die zumindest so temporär eine Gegenbewegung ausgeübt haben.

01:14:33.901 --> 01:14:39.900
<v Tim Pritlove>Da wissen wir jetzt nicht, wie lange das anhält, wir wissen nicht, in welcher Qualität sich das durchsetzt, wir wissen auch nicht,

01:14:39.901 --> 01:14:46.800
<v Tim Pritlove>ob dem dann wieder die nächste Gegenbewegung entgegenschwappt, die noch schlimmer ist als die letzte.

01:14:46.801 --> 01:14:55.000
<v Tim Pritlove>Trotzdem wäre es natürlich mal interessant zu hören, was ihr euch sozusagen aus der Medienforschung da bisher für Gedanken gemacht habt,

01:14:55.001 --> 01:15:01.800
<v Tim Pritlove>inwiefern so eine Selbstregulierung möglich ist oder vielleicht auch wünschenswerter?

01:15:01.801 --> 01:15:04.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ja, also das ist ein ganz wichtiger Punkt, der mir auch wichtig ist.

01:15:04.501 --> 01:15:11.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich will jetzt nicht die gesamte Regulierung auch wiederum nur den Gerichten zuschieben, genauso wenig wie ich sie nur den Plattformbetreibern zuschieben will,

01:15:11.201 --> 01:15:19.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Weil ich glaube, dass wir auch als Gesellschaft, zu der auch die Betreiber und die Gerichte gehören, aber trotzdem als Gesellschaft, als Zivilgesellschaft könnte man sagen,

01:15:19.101 --> 01:15:27.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>ja ein Interesse daran haben sollten, ebenfalls zu regulieren, also sprich, uns darüber zu verständigen, wie wir eigentlich diese Plattformen verwenden wollen

01:15:27.401 --> 01:15:30.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>und wie digitale Öffentlichkeit aussehen soll.

01:15:30.101 --> 01:15:40.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das betrifft zum Beispiel den Bereich von Austausch im Netz, wo jetzt gar nicht strafrechtlich relevant, aber trotzdem sozusagen unter der Gürtellinie kommuniziert wird.

01:15:40.001 --> 01:15:48.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wo Menschen sich beschimpfen, wo Argumente ausgetauscht werden, wo es also eben nicht um die Verständigung geht,

01:15:48.501 --> 01:15:54.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern wo irgendwie unter der Gürtellinie debattiert oder gestritten wird.

01:15:54.101 --> 01:16:01.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Was ich damit sagen will ist, dass wir selber als einzelne, als Nutzerinnen und Nutzer, es ja auch mit in der Hand haben, wie diese Plattformen gestaltet werden,

01:16:01.801 --> 01:16:06.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass wir selber eben uns auch bewusst werden, dass wir selber auch eine gewisse Verantwortung haben,

01:16:06.401 --> 01:16:10.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>was zum Beispiel die Debattenkultur in den sozialen Medien angeht,

01:16:10.501 --> 01:16:16.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>was aber auch den Informationsfluss angeht, wir selber tragen ja dazu bei, hatten wir gerade auch vorher am Wickel,

01:16:16.201 --> 01:16:21.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>indem wir selber Informationen weiterleiten und verbreiten, tragen wir auch zu dieser Öffentlichkeit bei.

01:16:21.601 --> 01:16:29.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und das ist also ein Punkt, wo es auch Ansätze gibt, ich denke da zum Beispiel auch an so Initiativen wie ichbinhier, wo versucht wird,

01:16:29.001 --> 01:16:40.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>gegen Hassrede im Netz gegenzusteuern, indem Menschen nicht individuell, sondern in größeren Gruppen, in bestimmte Räume im Netz reingehen und Gegenrede üben.

01:16:40.401 --> 01:16:43.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Zu versuchen, Diskussionen zu versachlichen oder zumindest andere Argumente einzubringen.

01:16:43.901 --> 01:16:52.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist jetzt nur ein Beispiel unter vielen, dass wir eben nicht uns drauf verlassen sollten oder verlassen dürfen, dass es irgendwann mal ein Gericht schon entscheiden wird,

01:16:52.301 --> 01:16:58.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass ein bestimmter Kommentar unzulässig ist, sondern dass wir selber das auch mit in der Hand haben.

01:16:58.301 --> 01:17:08.000
<v Tim Pritlove>Ja, worauf konzentriert sich denn jetzt die Medienforschung oder zumindest deine Arbeit zu diesem Zeitpunkt?

01:17:08.001 --> 01:17:12.200
<v Tim Pritlove>Was ist denn das, worauf man als nächstes blicken möchte?

01:17:12.201 --> 01:17:18.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also ich selber kann das auch tatsächlich an einem ganz konkreten Datum festmachen, nämlich am 01. Juni,

01:17:18.001 --> 01:17:23.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>das ist das Startdatum für das Forschungsinstitut gesellschaftlicher Zusammenhalt.

01:17:23.701 --> 01:17:30.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist ein Zusammenschluss von insgesamt elf Universitäten und Instituten aus ganz Deutschland.

01:17:30.701 --> 01:17:38.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da sind wir als Bredow-Institut auch dabei und wir haben das Glück und die Ehre, dass wir erst mal auf vier Jahre gefördert werden vom Bundesforschungsministerium,

01:17:38.301 --> 01:17:43.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>um uns aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts auseinanderzusetzen.

01:17:43.801 --> 01:17:50.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da sind also Soziologen dabei, Politikwissenschaftlerinnen, Geschichtswissenschaften ist vertreten, Raumwissenschaften

01:17:50.101 --> 01:17:53.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>und wir eben als Kommunikations- und Medienforschung.

01:17:53.301 --> 01:18:02.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und es wird drum gehen, empirische Forschung, aber auch sozusagen begrifflich theoretische Arbeit rund um dieses Konzept gesellschaftlicher Zusammenhalt zu machen.

01:18:02.301 --> 01:18:04.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Was ist das?

01:18:04.601 --> 01:18:06.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ist das immer gut?

01:18:06.801 --> 01:18:09.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Gibt es Situationen, wo es vielleicht auch zu viel Zusammenhalt gibt?

01:18:09.501 --> 01:18:16.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wie ist es empirisch um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland bestellt innerhalb bestimmter Gruppen, in bestimmten Regionen?

01:18:16.501 --> 01:18:23.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wir untersuchen am Bredow-Institut zum Beispiel die Frage, inwiefern Journalismus

01:18:23.301 --> 01:18:30.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>oder auch öffentlich-rechtliche Medienangebote zu gesellschaftlichem Zusammenhalt beitragen können oder sollten.

01:18:30.501 --> 01:18:37.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und ich habe die Ehre und ein bisschen auch die Pflicht oder die Bürde, dass ich die Aktivitäten, die wir in Hamburg zu dem Thema machen,

01:18:37.501 --> 01:18:44.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>also die einzelnen Projekte, dass ich die koordiniere, also nicht alleine, aber sozusagen ich steuere das so ein bisschen

01:18:44.601 --> 01:18:52.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und werde mich also in den nächsten vier Jahren nochmal ganz speziell mit dieser Frage auseinandersetzen, welche Rolle Medien für gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen.

01:18:52.601 --> 01:18:55.000
<v Tim Pritlove>Wo greift man da an?

01:18:55.001 --> 01:19:00.200
<v Tim Pritlove>Also was könnte da jetzt so ein erster Blickpunkt sein, den man versucht zu gewinnen?

01:19:00.201 --> 01:19:01.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich greife mal zwei Sachen raus.

01:19:01.701 --> 01:19:09.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Es gibt ein Teilprojekt, also wir haben insgesamt vier Forschungsvorhaben in Hamburg eingebracht

01:19:09.101 --> 01:19:15.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>und eins, was eher so Transferaktivitäten, also Wissensvermittlung bündelt, aber ein Forschungsvorhaben,

01:19:15.001 --> 01:19:22.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>was sich speziell mit der Rolle des Journalismus für gesellschaftlichen Zusammenhalt beschäftigt, das leitet Wiebke Lose, meine Kollegin,

01:19:22.301 --> 01:19:29.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>da wird es am Anfang erst mal um die Frage gehen, gibt es so was wie zusammenhaltssensiblen Journalismus?

01:19:29.101 --> 01:19:32.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wenn ja, also wie würde der aussehen?

01:19:32.201 --> 01:19:38.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann in dem zweiten Schritt wird es zwei Befragungen geben, eine unter Journalistinnen und Journalisten

01:19:38.401 --> 01:19:45.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>und eine bevölkerungsrepräsentative Befragung, die die wechselseitigen Vorstellungen und Erwartungen abgleicht.

01:19:45.701 --> 01:19:52.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also die Journalisten werden gefragt unter anderem, seht ihr es als eure Aufgabe an, für gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen?

01:19:52.301 --> 01:19:55.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann wird es ziemlich sicher innerhalb der Journalisten in Deutschland unterschiedliche Ansichten zu geben.

01:19:55.901 --> 01:20:03.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und in der Bevölkerungsbefragung werden wir unter anderem die Frage stellen, sollte der Journalismus zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen?

01:20:03.601 --> 01:20:06.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und dann kann man im Prinzip Erwartungen und Erwartungserwartungen abgleichen.

01:20:06.001 --> 01:20:10.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist so ein Beispiel von einem der Projekte, die wir in Hamburg machen.

01:20:10.401 --> 01:20:16.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das andere ist eher so eine Art Infrastrukturprojekt, was ich aber sehr spannend und interessant finde.

01:20:16.401 --> 01:20:21.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Da wird es drum gehen, dass wir auch sozusagen die Infrastruktur bei uns am Institut aufbauen,

01:20:21.801 --> 01:20:25.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>um so Debatten in den sozialen Medien beobachten zu können.

01:20:25.201 --> 01:20:29.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das ist jetzt auch nichts revolutionär neues, das machen schon viele Forschungsteams an verschiedenen Standorten.

01:20:29.801 --> 01:20:34.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wir machen das bei uns am Institut bisher noch eher unsystematisch und haben jetzt die Möglichkeit,

01:20:34.301 --> 01:20:40.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>eben das Ganze im Rahmen dieses Forschungsinstituts gesellschaftlicher Zusammenhalt eben auf einen längeren Zeitraum

01:20:40.901 --> 01:20:44.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>und auch ein bisschen grundsätzlicher sozusagen anzugehen.

01:20:44.301 --> 01:20:54.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Zum Beispiel dass wir halt Tools entwickelt, um die Kommunikation von Politikerinnen und Politikern auf Twitter oder auf Instagram sozusagen nachzeichnen zu können.

01:20:54.201 --> 01:20:59.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und wir möchten die Daten und die Werkzeuge, die wir dann da entwickeln, eben auch anderen Instituten innerhalb des Verbundes,

01:20:59.301 --> 01:21:04.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber perspektivisch auch darüber hinaus, zur Verfügung stellen, damit die dann eigene Fragestellungen damit beantworten können.

01:21:04.501 --> 01:21:11.100
<v Tim Pritlove>Einfach auch um so ein paar quantitative Rahmendaten zu gewinnen, um einfach auch mal zu belegen, okay so und so läuft das jetzt gerade.

01:21:11.101 --> 01:21:12.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Genau.

01:21:12.201 --> 01:21:22.200
<v Tim Pritlove>Ja, das ist ja im Datenjournalismus auch so ein Bereich, der in den letzten Jahren und auch jetzt gerade in diesem Jahr ein besonderes Hoch erlebt hat.

01:21:22.201 --> 01:21:29.300
<v Tim Pritlove>Auch so ein Thema gewesen, diese Analyse dieser Netzwerkstrukturen, einfach um zu verstehen, was dort abläuft.

01:21:29.301 --> 01:21:35.800
<v Tim Pritlove>Was ist deine Erwartung, wie die Ergebnisse solcher Forschungsinhalte dann wiederum in die reale Gesellschaft zurückspielen können?

01:21:35.801 --> 01:21:36.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Ich sage mal, gemischt.

01:21:36.901 --> 01:21:48.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Also mir ist bewusst, dass es ein Thema ist, also gesellschaftlicher Zusammenhalt ist ein auch gesellschaftlich umkämpfte Frage.

01:21:48.001 --> 01:21:56.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>Überhaupt die Frage, gibt es den noch, erodiert der oder nicht oder artikuliert der sich anders, ist schon beantwortet.

01:21:56.701 --> 01:22:03.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Vielleicht unterschiedliche politische Strömungen anders, so dass wir auch mit unseren wissenschaftlichen Forschungen da uns halt auf ein Gebiet begeben,

01:22:03.301 --> 01:22:09.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>wo wir auch in gesellschaftliche Debatten reingezogen werden und wo wir nicht davon ausgehen können,

01:22:09.201 --> 01:22:14.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>da muss jetzt bloß der Kommunikationswissenschaftler aus Hamburg kommen und sagen, so ist es und dann glaubt das die ganze Welt.

01:22:14.001 --> 01:22:15.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das wäre ja naiv.

01:22:15.101 --> 01:22:17.200
<v Tim Pritlove>Was?

01:22:17.201 --> 01:22:18.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>Naja, ich hätte es auch …

01:22:18.301 --> 01:22:26.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Nein, Spaß beiseite, also ich meine, das ist die gleich Debatte, die wir jetzt im Moment deutlich pointierter ja im Zusammenhang mit Corona sehen

01:22:26.201 --> 01:22:34.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>mit der Frage, wie weit richten wir uns als Gesellschaft eigentlich an dem wissenschaftlichen Disziplin, nämlich der Virologie oder der Epidemiologie aus?

01:22:34.101 --> 01:22:42.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>In kleinerem Maßstab vielleicht ein bisschen abgeschichtet ist das aber die gleiche Frage, die uns dann irgendwann vor die Füße fallen wird.

01:22:42.901 --> 01:22:51.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Inwiefern ist das, was wir wissenschaftlich zu dem Thema erforschen und an Befunden kommunizieren, inwiefern findet das Gehör in der Politik,

01:22:51.901 --> 01:22:54.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>aber auch in der Gesellschaft darüber hinaus.

01:22:54.101 --> 01:23:02.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wir wollen das in dem Gesamtinstitut, also über diese elf Standorte hinweg unter anderem dadurch auch nicht lösen, aber dem begegnen,

01:23:02.001 --> 01:23:06.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>indem wir nicht sagen, wir forschen jetzt vier Jahre und am Ende gibt es ein Buch, mal ganz platt gesagt,

01:23:06.901 --> 01:23:13.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern Transferaktivitäten sind von vornherein an allen Standorten in allen Projekten eingeplant.

01:23:13.301 --> 01:23:18.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Und vor allem, Transfer heißt eben nicht, wir die Wissenschaft erklären euch jetzt mal wie die Welt wirklich ist,

01:23:18.401 --> 01:23:24.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>sondern Transfer heißt auch, dass wir versuchen, soweit das geht, im Forschungsprozess stimmen aus der Gesellschaft reinzubringen.

01:23:24.801 --> 01:23:32.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Dass wir Diskussionsformate zulassen, wo also gegenseitige Meinungen ausgetauscht werden.

01:23:32.101 --> 01:23:40.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das es also in all diesen Fällen darum geht, dass wir uns als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eben auch in die Gesellschaft hinein begeben müssen,

01:23:40.101 --> 01:23:45.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>um für das, was wir wissenschaftlich erforschen, zu Gehör zu bringen, aber auch irgendwie in eine Diskussion einzusteigen,

01:23:45.601 --> 01:23:49.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>ob wir denn eine angemessene Beschreibung der Wirklichkeit liefern.

01:23:49.801 --> 01:23:57.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Klar sagen wir als Wissenschaftler, die Art, wie wir Wissen produzieren, die hat einen besonderen Geltungsanspruch,

01:23:57.201 --> 01:23:59.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>das ist unsere Aufgabe als Wissenschaftler.

01:23:59.201 --> 01:24:06.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wir stellen uns Fragen und beantworten die dann nach nachvollziehbaren Kriterien und versuchen eigentlich auch immer das, was wir herausfinden,

01:24:06.601 --> 01:24:09.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>sozusagen wiederum zu falsifizieren.

01:24:09.001 --> 01:24:14.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>So nach dem Motto, wenn du mir ein besseres Argument bringst, dann hast du recht, dann lag ich falsch

01:24:14.501 --> 01:24:17.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>und dann versuchen wir, dein Argument irgendwie wieder zu entkräften.

01:24:17.901 --> 01:24:23.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das geht also auch immer mit Zweifel und mit sozusagen Veränderungen von Wissen einher.

01:24:23.401 --> 01:24:31.000
<v Jan-Hinrik Schmidt>Aber ja das ist eben nicht die einzige Art von gültigem Wissen in der Gesellschaft, sondern aus Sicht der Politik kommen da vielleicht auch noch andere Überlegungen

01:24:31.001 --> 01:24:32.400
<v Jan-Hinrik Schmidt>und andere Dinge ins Spiel.

01:24:32.401 --> 01:24:39.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Wir versuchen natürlich als Wissenschaft unser Wissen auch so zu transportieren und so zu vermitteln und so entstehen zu lassen über,

01:24:39.501 --> 01:24:41.300
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass das akzeptiert wird.

01:24:41.301 --> 01:24:51.100
<v Jan-Hinrik Schmidt>Aber wie gesagt, ich wäre naiv, wenn ich jetzt sage, die Welt wartet jetzt nur drauf, dass diese eine Studie, die wir machen oder der Forschungsbefund jetzt endlich die Welt als Ganzes erklärt, das wäre naiv.

01:24:51.101 --> 01:25:00.900
<v Tim Pritlove>Naja, aber aufgeben darf man ja nicht und diese Zeit, die jetzt gerade so ein bisschen in dem Ruf steht, so eine wissenschaftsverachtende Zeit zu sein,

01:25:00.901 --> 01:25:06.700
<v Tim Pritlove>wir wissen, das kann sich auch alles schnell wieder ändern, wenn das entsprechend ausschlägt.

01:25:06.701 --> 01:25:13.000
<v Tim Pritlove>Gerade diese Corona-Krise ist da an der Stelle natürlich auch eine Chance, gerade weil man eben jetzt sieht so,

01:25:13.001 --> 01:25:19.900
<v Tim Pritlove>ja okay gut, ist vielleicht mal gar nicht so eine schlechte Idee, auf die Wissenschaft zu hören, weil in dem Moment, wo man es nicht macht,

01:25:19.901 --> 01:25:23.700
<v Tim Pritlove>führt es eben sofort zu einer Katastrophe.

01:25:23.701 --> 01:25:34.600
<v Tim Pritlove>Jetzt ist Virologie nicht gleich alles andere, hast du ja auch schon gesagt, aber ich denke, es gibt überhaupt grundsätzlich mehr Anlass und gab es schon immer diese Anlass,

01:25:34.601 --> 01:25:39.300
<v Tim Pritlove>mehr auf die Wissenschaft zu hören und ich hoffe, das wird dann auch.

01:25:39.301 --> 01:25:47.900
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das noch, jetzt bin ich endgültig jenseits eigenen Betätigungsfeldes, aber das Ganze wird ja umso drängender, wenn man sagt,

01:25:47.901 --> 01:25:52.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>jetzt haben wir die Pandemie, aber wir haben gleichzeitig ja auch noch den Klimawandel und es ja schon interessant ist,

01:25:52.501 --> 01:26:01.700
<v Jan-Hinrik Schmidt>dass bei der Pandemie in einem relativ kurzen Zeitraum eben klar wurde, die Politik richtet sich nach Empfehlungen der Wissenschaft,

01:26:01.701 --> 01:26:08.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>während es beim Klimawandel anscheinend größere Hürden oder Widerstände gibt.

01:26:08.601 --> 01:26:10.100
<v Tim Pritlove>Schwierigkeiten gibt, ja.

01:26:10.101 --> 01:26:15.500
<v Jan-Hinrik Schmidt>Die, glaube ich, nicht an wissenschaftlichem Wissen per se liegen, sondern a) wahrscheinlich an der Art des Problems

01:26:15.501 --> 01:26:21.600
<v Jan-Hinrik Schmidt>und b) den Möglichkeiten zur Lösung und c) den Interessen, die daran hängen und das war jetzt so ad hoc.

01:26:21.601 --> 01:26:28.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Das wäre ein eigener Podcast, ich hinterlasse den Gedanken nur einfach nochmal, Stichwort Wissenschaftsgläubigkeit oder Wissenschaftsvertrauen,

01:26:28.201 --> 01:26:34.800
<v Jan-Hinrik Schmidt>das wird uns in der Bewältigung der Klimakrise wird uns das auch nochmal dringend beschäftigen müssen.

01:26:34.801 --> 01:26:35.900
<v Tim Pritlove>Ja, wird sich zeigen.

01:26:35.901 --> 01:26:50.700
<v Tim Pritlove>Ich meine, die Zeit der Corona-Krise mit ihren ganzen Diskussionen mit flatten the curve, genauso eine ähnliche Kurve haben wir beim Klimawandel im Prinzip genauso zu bearbeiten.

01:26:50.701 --> 01:26:53.800
<v Tim Pritlove>Gut, das wird sich zeigen.

01:26:53.801 --> 01:26:57.000
<v Tim Pritlove>Und da werden wir hier sicherlich auch bei Forschergeist nochmal drauf eingehen.

01:26:57.001 --> 01:27:00.400
<v Tim Pritlove>Aber ich würde sagen, für heute machen wir hier den Deckel erst mal zu.

01:27:00.401 --> 01:27:02.200
<v Tim Pritlove>Jan vielen Dank für die Ausführungen.

01:27:02.201 --> 01:27:03.200
<v Jan-Hinrik Schmidt>Gerne.

01:27:03.201 --> 01:27:07.500
<v Tim Pritlove>Und ja, vielen Dank fürs Zuhören hier bei Forschergeist, bald geht es wieder weiter.

01:27:07.501 --> 01:27:09.800
<v Tim Pritlove>Ich sage, tschüss und bis bald.
