WEBVTT

NOTE
Podcast: Forschergeist
Episode: FG052 Deutsches Museum Bonn
Publishing Date: 2017-12-23T14:00:47+01:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg052-deutsches-museum-bonn/

00:00:43.001 --> 00:00:48.600
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:48.601 --> 00:00:55.800
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle hier zur Ausgabe Nummer 52 unserer Gesprächsreihe.

00:00:55.801 --> 00:01:06.900
<v Tim Pritlove>Und heute tauchen wir mal in die Wissensvermittlung ein, und zwar die ganz konkrete Wissensvermittlung in Form von Museen.

00:01:06.901 --> 00:01:15.900
<v Tim Pritlove>Dazu bin ich nach Bonn gefahren zum Deutschen Museum in Bonn und begrüße ganz herzlich meine Gesprächspartnerin Andrea Niehaus, schönen guten Tag.

00:01:15.901 --> 00:01:17.000
<v Andrea Niehaus>Ja hallo.

00:01:17.001 --> 00:01:22.100
<v Tim Pritlove>Frau Niehaus, Sie sind ja hier die Leiterin. Schon ganz schön lange?

00:01:22.101 --> 00:01:28.300
<v Andrea Niehaus>Ja, die Zeit vergeht, Zeit ist relativ, wie es mal jemand gesagt hat.

00:01:28.301 --> 00:01:33.500
<v Tim Pritlove>Ja. Relativität spüren.

00:01:33.501 --> 00:01:35.600
<v Andrea Niehaus>Ja ich mach das total gerne.

00:01:35.601 --> 00:01:38.300
<v Andrea Niehaus>Ich sage immer, ich habe den schönsten Job der Welt.

00:01:38.301 --> 00:01:44.400
<v Andrea Niehaus>Ich habe hier im Deutschen Museum Bonn die Museumsarbeit angefangen.

00:01:44.401 --> 00:01:46.800
<v Andrea Niehaus>Davor habe ich ganz normal studiert.

00:01:46.801 --> 00:01:52.200
<v Andrea Niehaus>Und zwar, das wird jetzt vielleicht den ein oder anderen überraschen, ich bin Kunsthistorikerin von der Ausbildung her.

00:01:52.201 --> 00:01:57.700
<v Andrea Niehaus>Kenne aber das Deutsche Museum seit meiner Kindheit, denn mein Vater ist Ingenieur.

00:01:57.701 --> 00:02:01.800
<v Andrea Niehaus>Um genau zu sein Architekt, begeisterter Modellflieger als Hobby.

00:02:01.801 --> 00:02:11.500
<v Andrea Niehaus>Und immer wenn es ab in den Süden ging, sind wir natürlich über das Deutsche Museum nach München oder über München dann ins deutsche Museum gefahren, andersherum.

00:02:11.501 --> 00:02:17.100
<v Andrea Niehaus>Und das gehört natürlich zu meinen Kindheitserinnerungen, da durch die Säle zu streifen.

00:02:17.101 --> 00:02:21.700
<v Andrea Niehaus>Dass ich hier später mal arbeiten würde, wusste ich damals natürlich noch nicht.

00:02:21.701 --> 00:02:28.500
<v Andrea Niehaus>Aber als ich fertig war mit dem Studium, war schon für mich klar, dass ich ans Museum gehen würde.

00:02:28.501 --> 00:02:34.400
<v Andrea Niehaus>Für mich war auch klar, dass ich einen großen Schwerpunkt in der Vermittlung sehe.

00:02:34.401 --> 00:02:41.700
<v Andrea Niehaus>Und da waren mir ehrlich gesagt die Kunstmuseen alle zumindest in Deutschland alle noch viel zu langweilig.

00:02:41.701 --> 00:02:52.600
<v Andrea Niehaus>Also mir reicht es einfach nicht, paar Schildchen neben die Bilder zu hängen und dann darauf zu warten, dass die Besucher halt wissen, was man da sieht.

00:02:52.601 --> 00:03:00.000
<v Andrea Niehaus>Sondern ich bin bei einem Lehrer in die Schule gegangen, der gesagt hat, man versteht nur das was man sieht oder man sieht nur das was man versteht.

00:03:00.001 --> 00:03:04.600
<v Andrea Niehaus>Und insofern ist für mich ein ganz starker Ansatz die Vermittlung gewesen.

00:03:04.601 --> 00:03:08.000
<v Tim Pritlove>War das denn im Deutschen Museum in München gleich anders?

00:03:08.001 --> 00:03:16.800
<v Andrea Niehaus>Natürlich. Ich meine alleine das was wir ausstellen, nämlich technische Geräte, denen sieht man ja nun wirklich nicht an wie sie funktionieren.

00:03:16.801 --> 00:03:25.700
<v Andrea Niehaus>Und das war ja eigentlich die entscheidende Idee von unserem Museumsgründer Oskar von Miller, der 1903 das Deutsche Museum gegründet hat.

00:03:25.701 --> 00:03:34.300
<v Andrea Niehaus>Dass die Leute wirklich verstehen sollen, wie die technischen Geräte funktionieren, wie Wissenschaft funktioniert.

00:03:34.301 --> 00:03:39.100
<v Andrea Niehaus>Und der hatte sich ja auch eine ganze Reihe von bekannten Wissenschaftlern an seine Seite geholt.

00:03:39.101 --> 00:03:50.800
<v Andrea Niehaus>Das war der Wilhelm Konrad Röntgen, das war Karl Benz, Karl von Linde, das sind alles noch Namen, die nachklingen, nämlich in Unternehmen.

00:03:50.801 --> 00:04:02.400
<v Andrea Niehaus>Und das ist der Ansatz des Deutschen Museums, die Sachen zum Sprechen zu bringen, aber auch den Museumsbesuch zu einem Erlebnis zu machen, das Spaß macht.

00:04:02.401 --> 00:04:07.500
<v Andrea Niehaus>Also ohne Vermittlung geht im Deutschen Museum gar nichts.

00:04:07.501 --> 00:04:17.900
<v Andrea Niehaus>Und ich habe mich dann hier bewusst nach Bonn orientiert, weil das Museum damals 95 noch relativ neu war.

00:04:17.901 --> 00:04:23.200
<v Andrea Niehaus>Mit einem sehr rührigen Leiter, das war der Dr. Peter Frieß.

00:04:23.201 --> 00:04:30.900
<v Andrea Niehaus>Und bei dem, habe ich gedacht, lerne ich am allermeisten. Und das war auch eine gute Entscheidung muss ich sagen bis heute.

00:04:30.901 --> 00:04:33.500
<v Tim Pritlove>Vielleicht nochmal kurz zu dem Deutschen Museum in München.

00:04:33.501 --> 00:04:40.200
<v Tim Pritlove>Das ist ja ein sehr großes Museum, das ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal da war, muss ich zugestehen.

00:04:40.201 --> 00:04:42.300
<v Tim Pritlove>Aber was hat den Unterschied so ausgemacht?

00:04:42.301 --> 00:04:47.300
<v Tim Pritlove>Ich meine jetzt nur weil es Technik ist, dann ist es automatisch anders, das funktioniert ja jetzt noch nicht.

00:04:47.301 --> 00:04:53.700
<v Tim Pritlove>Es muss ja dann auch irgendetwas in der Aufbereitung anders sein, als man es vielleicht klassischerweise einem Museum zuschreibt.

00:04:53.701 --> 00:04:54.700
<v Andrea Niehaus>Genau.

00:04:54.701 --> 00:04:56.400
<v Tim Pritlove>Inwiefern ist das gelungen dort?

00:04:56.401 --> 00:04:58.600
<v Andrea Niehaus>Also ich finde es nach wie vor sehr gelungen.

00:04:58.601 --> 00:05:07.400
<v Andrea Niehaus>Denn die Exponate stehen dort nicht immer stumm rum, sondern man kann sie auch in Bewegung versetzen.

00:05:07.401 --> 00:05:20.500
<v Andrea Niehaus>Oder aber, wenn man es am Original selber nicht mehr kann, gibt es ein Modell, dass die Funktionsweise einer Apparatur eben auch zeigt oder das Prinzip dahinter erklärt.

00:05:20.501 --> 00:05:28.100
<v Andrea Niehaus>Und das denke ich ist eine gute Zusammenschau, denn wir sagen ja immer, Lernen funktioniert auf verschiedenen Kanälen.

00:05:28.101 --> 00:05:37.800
<v Andrea Niehaus>Man muss hören, man muss sehen, man muss fühlen, man muss begreifen und das sind alles Kanäle, Vermittlungskanäle, die das Deutsche Museum schon sehr gut anspricht.

00:05:37.801 --> 00:05:51.200
<v Andrea Niehaus>Und die Demonstration, das Hands-On, das was die Science-Centre ja heute sozusagen in Extenso machen, das ist etwas, was im Deutschen Museum eben von Beginn an eben auch mit einbezogen wurde.

00:05:51.201 --> 00:05:56.100
<v Andrea Niehaus>Im Unterschied zu den Science-Centern haben wir aber auch unsere historischen Exponate.

00:05:56.101 --> 00:06:05.700
<v Andrea Niehaus>Beispielsweise ich habe ja den Röntgen schon genannt, die erste Röntgenapparatur oder von Herrn Benz das erste Auto.

00:06:05.701 --> 00:06:11.000
<v Andrea Niehaus>Das sind natürlich auch Sachen, wo die Leute schon auch mit Ehrfurcht davor stehen.

00:06:11.001 --> 00:06:26.300
<v Andrea Niehaus>Und wo man sich dann auch überlegt, Mensch da hat der Herr Benz drin gesessen und ist mit seiner Frau oder seine Frau mit ihm, eigentlich war ja die Geschichte eher umgekehrt, hat diese erste entscheidende Autofahrt gemacht, um zu sagen, Mensch das Ding läuft.

00:06:26.301 --> 00:06:36.300
<v Andrea Niehaus>Und das sind diese Authentizität der Objekte, das ist etwas, was wir natürlich nach wie vor sehr fördern, auf die wir auch zurecht finde ich stolz sind.

00:06:36.301 --> 00:06:45.000
<v Andrea Niehaus>Aber es gilt eben bei uns auch das Drumherum, das heißt ich muss den Leuten auch sagen, ja was ist denn damit passiert, wie funktioniert das?

00:06:45.001 --> 00:06:54.900
<v Andrea Niehaus>Oder ich habe ein Modell, an dem ich die Dinge sozusagen in Bewegung setzen kann, um selber zu verstehen, Mensch was passiert denn da eigentlich?

00:06:54.901 --> 00:06:57.100
<v Andrea Niehaus>Das sieht man den Sachen ja eben nicht an.

00:06:57.101 --> 00:07:07.400
<v Tim Pritlove>Bevor wir vielleicht auf die Details des Museums selber kommen, vielleicht nochmal kurz wie so die Entwicklungsgeschichte gelaufen ist.

00:07:07.401 --> 00:07:16.300
<v Tim Pritlove>Also zunächst einmal gab es ja nur das Deutsche Museum in München, wodurch ist denn dann hier überhaupt die Idee für einen Ableger entstanden?

00:07:16.301 --> 00:07:25.200
<v Andrea Niehaus>Also soweit ich das wirklich mal zurückverfolgt habe, gab es erste Ideen schon in den 80er Jahren.

00:07:25.201 --> 00:07:48.300
<v Andrea Niehaus>Damals hat die Stadt Bonn, damals ja noch Bundeshauptstadt, ihre 2000 Jahr-Feier vorbereitet und es gab ein Gespräch hier mit dem Stifterverband im Wissenschaftszentrum, ob man hier in Räumlichkeiten nicht eine Ausstellung zum Thema Technik, angefangen von den Römern bis in die heutige Zeit, machen könnte.

00:07:48.301 --> 00:07:50.200
<v Andrea Niehaus>Das war so die erste Idee.

00:07:50.201 --> 00:07:53.100
<v Tim Pritlove>Dazu muss man erläutern, Wissenschaftszentrum hier in Bonn …

00:07:53.101 --> 00:07:54.600
<v Andrea Niehaus>Genau richtig.

00:07:54.601 --> 00:08:00.500
<v Tim Pritlove>… ist ein Ort, an dem verschiedenste wissenschaftliche Gruppen untergebracht sind.

00:08:00.501 --> 00:08:09.700
<v Tim Pritlove>Jetzt standen wir vorhin noch vor der Tafel, die Liste kriege ich jetzt nicht mehr so ganz zusammen, aber Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft alle sind in irgendeiner Form vertreten, DAAD.

00:08:09.701 --> 00:08:18.600
<v Andrea Niehaus>Und damals sind natürlich viel mehr …. Und damals war auch die Stiftung preußischer Kulturbesitz hier, die eine große Ausstellungsfläche eben auch hatten.

00:08:18.601 --> 00:08:24.900
<v Andrea Niehaus>Und es gab einen ungenutzten Keller, sage ich jetzt mal, das zweite Untergeschoss.

00:08:24.901 --> 00:08:31.700
<v Andrea Niehaus>Das erste, wo früher mal ein Schwimmbad oder Europas modernstes Fitnesscenter entstehen sollte.

00:08:31.701 --> 00:08:38.500
<v Andrea Niehaus>Anfang der 70er Jahre, als das Wissenschaftszentrum hier gebaut wurde, gab es ja die Energiekrise.

00:08:38.501 --> 00:08:45.500
<v Andrea Niehaus>Man hat sich dann überlegt, oh das wird aber teuer, wenn man hier ein Schwimmbad und Sauna und so etwas betreibt, allein von den Energiekosten.

00:08:45.501 --> 00:08:49.900
<v Andrea Niehaus>Und hat die Pläne dann letztendlich zurückgehalten.

00:08:49.901 --> 00:08:51.500
<v Andrea Niehaus>Es war aber schon quasi angelegt.

00:08:51.501 --> 00:09:01.000
<v Andrea Niehaus>Aber diese Räumlichkeiten sind dann nur noch für Partys der DFG, als Archiv genutzt worden, aber hatten nicht wirklich eine richtige Nutzung.

00:09:01.001 --> 00:09:10.500
<v Andrea Niehaus>Und da hat die Stadt Bonn eben angesetzt, entweder Stiftung preußischer Kulturbesitz oder direkt schon in diesen Kellerräumlichkeiten, das weiß ich jetzt nicht mehr ganz genau.

00:09:10.501 --> 00:09:22.000
<v Andrea Niehaus>Aber auf jeden Fall ist aus dieser ersten Idee eine zweite Idee entstanden, wenn wir schon eine Ausstellung machen, die temporär ist, wenn wir schon Geld ausgeben …

00:09:22.001 --> 00:09:23.400
<v Tim Pritlove>Warum lassen wir sie nicht gleich stehen.

00:09:23.401 --> 00:09:25.000
<v Andrea Niehaus>Genau richtig.

00:09:25.001 --> 00:09:30.200
<v Andrea Niehaus>Und dann kamen tatsächlich diese Kellerflächen mit ins Spiel.

00:09:30.201 --> 00:09:33.300
<v Andrea Niehaus>Und man ist dann auf’s Deutsche Museum zugegangen.

00:09:33.301 --> 00:09:45.700
<v Andrea Niehaus>Es gab ja damals in Deutschland keine anderen Technikmuseen, die man groß hätte fragen können und das Deutsche Museum ist natürlich immer noch das bedeutendste Technikmuseum hier in Deutschland.

00:09:45.701 --> 00:09:57.100
<v Andrea Niehaus>Und die haben gesagt, ja das könnten wir uns eigentlich ganz gut vorstellen, in der Bundeshauptstadt, gerade letztendlich vor dem Aspekt auch Lobbyarbeit, das sind ja alles schon so Dinge.

00:09:57.101 --> 00:10:00.600
<v Andrea Niehaus>Aber wir können es nicht selber finanzieren.

00:10:00.601 --> 00:10:22.700
<v Andrea Niehaus>Dazu muss man sagen, dass das Deutsche Museum zwar damals 1903 vom deutschen Kaiser mitgegründet wurde, aber nach dem zweiten Weltkrieg, es gibt keine Nationalmuseen mehr und das Deutsche Museum ist zu 70% vom Freistaat Bayern finanziert und zu 30% über die Leibniz-Forschungsgemeinschaft.

00:10:22.701 --> 00:10:30.300
<v Andrea Niehaus>Das heißt es sind glaube ich 50% Bund und 50% sind das alle Bundesländer.

00:10:30.301 --> 00:10:45.000
<v Andrea Niehaus>Aber das ist entscheidend für uns, auch jetzt in der Situation, in der wir uns gerade befinden, dass das Land Bayern kein Geld nach Nordrhein-Westfalen geben wollte für unsere Aufbaukosten.

00:10:45.001 --> 00:10:54.100
<v Andrea Niehaus>Der Stifterverband hat auf diese Aussage hin natürlich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um jene Finanzierung zu sichern.

00:10:54.101 --> 00:10:57.000
<v Andrea Niehaus>Damals zu sichern.

00:10:57.001 --> 00:11:03.000
<v Andrea Niehaus>Und hat dann das Land Nordrhein-Westfalen wirklich mit ins Boot bekommen und die Bundeshauptstadt Bonn.

00:11:03.001 --> 00:11:09.200
<v Andrea Niehaus>Vielleicht nochmal zurück auch zu den Plänen, da ist ja politisch einiges passiert in Bonn, nämlich die Wiedervereinigung.

00:11:09.201 --> 00:11:15.700
<v Andrea Niehaus>Und die ersten Pläne waren so 1985, da war das ja noch in weiter Ferne.

00:11:15.701 --> 00:11:17.100
<v Tim Pritlove>Da war das noch richtige Bundeshauptstadt.

00:11:17.101 --> 00:11:21.800
<v Andrea Niehaus>Genau richtig. Da wusste man ja noch nicht, was 89 passiert.

00:11:21.801 --> 00:11:30.700
<v Andrea Niehaus>Und 89 und dann vor allen Dingen 90 sind die Pläne mit so einem Deutschen Museum Bonn hier natürlich erst mal in der Schublade gelandet.

00:11:30.701 --> 00:11:39.500
<v Andrea Niehaus>Weil man ja auch wirklich nicht wusste, Bonn Berlin, wie geht es hier weiter?

00:11:39.501 --> 00:11:48.600
<v Andrea Niehaus>Dann 92 wurden die Pläne wieder aus der Schublade rausgeholt, denn Bonn hat sich quasi eine neue Ausprägung gegeben.

00:11:48.601 --> 00:11:53.100
<v Andrea Niehaus>Hat sich überlegt, Mensch was machen wir denn jetzt, wenn Berlin Bundeshauptstadt wird?

00:11:53.101 --> 00:11:57.300
<v Andrea Niehaus>Und die Entscheidung ist ja in der Zeit dann auch gefallen.

00:11:57.301 --> 00:12:04.100
<v Andrea Niehaus>Und man hat sich dann ein 5-Säulen-Modell, so wird es immer genannt, gegeben.

00:12:04.101 --> 00:12:10.600
<v Andrea Niehaus>Und Wissenschaft ist eine der Säulen gewesen, die den Strukturwandel hier in der Region eben mit stützen sollte.

00:12:10.601 --> 00:12:15.700
<v Andrea Niehaus>Da ist ja auch eine eigene Hochschule gegründet worden, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

00:12:15.701 --> 00:12:26.500
<v Andrea Niehaus>Da ist in Remagen ein Teil von der Hochschule Koblenz mit gegründet worden, der RheinAhrCampus.

00:12:26.501 --> 00:12:32.300
<v Andrea Niehaus>Und unter anderem hat man sich überlegt, Mensch da war doch mal was mit einem Museum.

00:12:32.301 --> 00:12:35.400
<v Andrea Niehaus>Das wäre ja eigentlich gar nicht mal so schlecht, wenn wir das hier auch noch mit unterbringen können.

00:12:35.401 --> 00:12:48.100
<v Andrea Niehaus>Und so kamen wir wieder aus der Schublade hervor mit einer Konstruktion, dass das Land Nordrhein-Westfalen die Investitionskosten getragen hat.

00:12:48.101 --> 00:13:01.100
<v Andrea Niehaus>Die Stadt Bonn, die ursprünglich dafür vorgesehen war, in die Betriebskosten hineinging und der Stifterverband mehr oder weniger die Personalkosten für den Aufbau des Museums getragen hat.

00:13:01.101 --> 00:13:05.100
<v Andrea Niehaus>Und eine 10-jährige Mietfreiheit gewährt hat.

00:13:05.101 --> 00:13:19.100
<v Andrea Niehaus>Das war also so eine Trias, die das Ganze wirklich so vorangetrieben hat, nach vielen Gesprächen, dass man im November 1995 wirklich hier eröffnen konnte.

00:13:19.101 --> 00:13:23.500
<v Tim Pritlove>Da war dann zumindest für 10 Jahre erst mal alles klar?

00:13:23.501 --> 00:13:27.800
<v Andrea Niehaus>Genau richtig. Also eigentlich waren wir ein Experiment, würde ich mal sagen.

00:13:27.801 --> 00:13:31.400
<v Andrea Niehaus>Auch seitens des Deutschen Museums sicherlich.

00:13:31.401 --> 00:13:46.700
<v Andrea Niehaus>Denn wir haben ja, anders als unser Mutterhaus, mit 73.000 m2, das ist schon ordentlich, dafür braucht man quasi fast zwei Monate, um sich alles anzugucken, sind wir wesentlich kleiner mit 1.400 m2.

00:13:46.701 --> 00:13:52.200
<v Andrea Niehaus>Haben auch nicht so das enzyklopädische Wissen, das unser Münchner Haus hat.

00:13:52.201 --> 00:14:12.500
<v Andrea Niehaus>Dass wir, ich sage mal, den allerersten Computer und den letzten Computer zeigen, sondern wir fokussieren und haben etwa 100 Exponate, an denen wir exemplarisch erklären, wie Forschung in Deutschland organisiert ist, wie Wissenschaft in Deutschland organisiert ist.

00:14:12.501 --> 00:14:21.800
<v Andrea Niehaus>Wie das funktioniert und welche herausragenden Leistungen es letztendlich in den letzten Jahrzehnten gegeben hat.

00:14:21.801 --> 00:14:28.500
<v Andrea Niehaus>Und dadurch, dass wir eben relativ wenig Platz haben, mussten wir uns fokussieren.

00:14:28.501 --> 00:14:39.700
<v Andrea Niehaus>Das Deutsche Museum sammelt ja international und wir konzentrieren uns eigentlich auf Forschung und Technik in Deutschland nach 1945.

00:14:39.701 --> 00:14:44.400
<v Tim Pritlove>Was ist denn jetzt eigentlich durch dieses Verhältnis zum Deutschen Museum bestimmt?

00:14:44.401 --> 00:14:50.900
<v Tim Pritlove>Ich meine, man kann ja sagen, andere Finanzierungsstrukturen, anderer Ort, was hat es denn dann eigentlich noch mit dem Mutterhaus zu tun?

00:14:50.901 --> 00:14:52.900
<v Tim Pritlove>Was für eine Art Verbindung existiert dort?

00:14:52.901 --> 00:15:05.000
<v Andrea Niehaus>Ja ich denke, wir sind auch in andere Sicht noch ein Experimentierfeld, dass man einfach versucht hat, dass wir auch personell in relativ schlanken Strukturen arbeiten müssen.

00:15:05.001 --> 00:15:06.900
<v Andrea Niehaus>Es ist nicht immer ganz einfach.

00:15:06.901 --> 00:15:14.100
<v Andrea Niehaus>Aber unser Mutterhaus stellt uns dafür eben auch Leistungen zur Verfügung, auf die wir zurückgreifen können.

00:15:14.101 --> 00:15:19.400
<v Andrea Niehaus>Hier in Bonn gibt es keinen einzigen Kurator, das heißt jemand, der ein bestimmtes Fachgebiet hat.

00:15:19.401 --> 00:15:28.600
<v Andrea Niehaus>Das Deutsche Museum in München hat etwa 52 Fachbereiche, von der Schifffahrt bis zur Raumfahrt, von der Biologie bis zur Chemie.

00:15:28.601 --> 00:15:32.900
<v Andrea Niehaus>Und betreut in dem Bereich eben die Exponate.

00:15:32.901 --> 00:15:37.800
<v Andrea Niehaus>Und entscheidet dann eben auch, wie und was gesammelt wird.

00:15:37.801 --> 00:15:45.300
<v Andrea Niehaus>Wir arbeiten mit diesen, das sind auch nicht mehr 52 Kuratoren, das war es einmal, wir arbeiten aber mit den Münchner Kuratoren sehr eng zusammen.

00:15:45.301 --> 00:15:49.500
<v Andrea Niehaus>Wir stellen ja deren Sachen, deren Exponate sozusagen aus.

00:15:49.501 --> 00:15:53.500
<v Andrea Niehaus>Und können, wenn wir Fachfragen haben, immer wieder auf sie zurückkommen.

00:15:53.501 --> 00:15:57.300
<v Andrea Niehaus>Uns wird ja auch vieles angeboten, zu sammeln.

00:15:57.301 --> 00:16:03.700
<v Andrea Niehaus>Wo wir manchmal sagen, ja das können wir natürlich nicht selber entscheiden, da müssen wir jetzt erst mal unsere Fachkuratoren in München fragen.

00:16:03.701 --> 00:16:08.300
<v Andrea Niehaus>Und entscheiden dann gemeinsam, ist das was, ist das interessant, wo stellen wir es aus?

00:16:08.301 --> 00:16:11.000
<v Andrea Niehaus>Und insofern ist da eine ganz ganz enge Zusammenarbeit.

00:16:11.001 --> 00:16:14.600
<v Andrea Niehaus>Das ist für uns auch wirklich wichtig, die Fachkompetenz in unserem Rücken zu haben.

00:16:14.601 --> 00:16:20.800
<v Andrea Niehaus>Das ist aber nur das eine. Das andere ist eben, dass unsere gesamte Verwaltung in München läuft.

00:16:20.801 --> 00:16:33.000
<v Andrea Niehaus>Das heißt unsere Personalverwaltung, Finanzverwaltung, Exponateverwaltung, da haben wir keinerlei Personal vor Ort, das das machen muss, sondern das läuft eben alles sozusagen über München.

00:16:33.001 --> 00:16:36.600
<v Tim Pritlove>Man kann sich hier sozusagen auf das Schöne konzentrieren?

00:16:36.601 --> 00:16:40.600
<v Andrea Niehaus>Sagen wir mal so, wir können uns auf die eigentliche Museumsarbeit konzentrieren.

00:16:40.601 --> 00:16:42.000
<v Tim Pritlove>Ja.

00:16:42.001 --> 00:16:48.500
<v Andrea Niehaus>Und da eben auch versuchen, neue Wege zu gehen, neue Wege zu suchen und einfach auszuprobieren.

00:16:48.501 --> 00:16:50.800
<v Andrea Niehaus>Wirklich ein Experimentierfeld.

00:16:50.801 --> 00:16:53.900
<v Andrea Niehaus>Und auch relativ schnell entscheiden zu können.

00:16:53.901 --> 00:17:00.300
<v Andrea Niehaus>Entscheidungen in München über Ausstellungen brauchen manchmal 2-3 Jahre.

00:17:00.301 --> 00:17:02.700
<v Andrea Niehaus>Wir brauchen keinen so großen Vorlauf.

00:17:02.701 --> 00:17:06.800
<v Andrea Niehaus>Das ist bei unserem Thema, zeitgenössische Forschung und Technik, natürlich auch immer schwierig.

00:17:06.801 --> 00:17:10.800
<v Andrea Niehaus>Wir müssen manchmal innerhalb eines halben Jahres entscheiden können, ob wir was machen oder nicht.

00:17:10.801 --> 00:17:19.300
<v Andrea Niehaus>Und insofern sind diese schlanken Strukturen, die flachen Hierarchien für uns eben auch ganz wichtig.

00:17:19.301 --> 00:17:21.500
<v Tim Pritlove>Na dann kommen wir doch mal auf den Inhalt.

00:17:21.501 --> 00:17:25.600
<v Tim Pritlove>Also schönes Stichwort, wie war nochmal die Formulierung?

00:17:25.601 --> 00:17:29.800
<v Andrea Niehaus>Zeitgenössische Forschung und Technik in Deutschland nach 1945.

00:17:29.801 --> 00:17:30.900
<v Andrea Niehaus>Schöner Untertitel nicht?

00:17:30.901 --> 00:17:34.700
<v Tim Pritlove>Okay. Da ist ja jetzt mittlerweile auch schon einiges dazu gekommen, aber ist ja schon mal ein ganz klarer Fokus.

00:17:34.701 --> 00:17:35.700
<v Andrea Niehaus>Genau.

00:17:35.701 --> 00:17:42.200
<v Tim Pritlove>Dass man sagt, okay wir schauen jetzt einfach ab der Gründung der Bundesrepublik Deutschland auf alles.

00:17:42.201 --> 00:17:52.200
<v Tim Pritlove>Und auch nicht nur auf die Bundesrepublik Deutschland, sondern teilweise wird ja auch die Zweistaatlichkeit im Museum selbst thematisiert.

00:17:52.201 --> 00:17:55.400
<v Tim Pritlove>Warum nicht weiter zurückblicken?

00:17:55.401 --> 00:18:00.100
<v Andrea Niehaus>Naja wir haben uns damals auch auf das Bonner Thema mit konzentriert.

00:18:00.101 --> 00:18:04.100
<v Andrea Niehaus>Wir sind hier nicht das einzige Museum, das in Bonn auch neu gegründet wurde.

00:18:04.101 --> 00:18:14.400
<v Andrea Niehaus>Sondern wir sind gemeinsam in einem Verbund, das nennt sich Museumsmeile, auch mit dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die ja quasi einen ähnlichen Fokus haben.

00:18:14.401 --> 00:18:29.700
<v Andrea Niehaus>Nach 1945, das ist eben auch verbunden mit der Bonner Geschichte, die ja sozusagen auch erst nach 45, vor allen Dingen auch nach der Entscheidung, Bonn eben Bundeshauptstadt zu werden, verknüpft ist.

00:18:29.701 --> 00:18:34.400
<v Andrea Niehaus>Und insofern denke ich, macht das auch Sinn hier in der Stadt.

00:18:34.401 --> 00:18:48.800
<v Andrea Niehaus>Vor allen Dingen auch, ich sage mal, regionale Bezüge geschichtlicher Art zu knüpfen, aber auch durchaus regionale Bezüge, indem wir halt auch schauen, was ist denn in Nordrhein-Westfalen alles denn so passiert?

00:18:48.801 --> 00:18:55.500
<v Andrea Niehaus>Ich würde mal sagen, ein gutes Drittel unserer Exponate stammt auch wirklich hier aus Nordrhein-Westfalen.

00:18:55.501 --> 00:18:59.500
<v Andrea Niehaus>Wir haben tatsächlich auch Bonner Exponate, und zwar solche, auf die wir sehr sehr stolz sind.

00:18:59.501 --> 00:19:05.800
<v Andrea Niehaus>Bonn und die Universität ist ja sehr stark in ihrer Physik, unter anderem, muss man jetzt ja sagen.

00:19:05.801 --> 00:19:16.900
<v Andrea Niehaus>Und wir haben den ersten Elektronenbeschleuniger mit starker Fokussierung, ich sage mal immer, der Urvater vom Cern, also der Riesenbeschleuniger in Genf.

00:19:16.901 --> 00:19:25.400
<v Andrea Niehaus>Und haben letztendlich eben auch glaube ich eine der zusammenhängendsten Sammlungen von Exponaten des Nobelpreisträgers Wolfgang Paul.

00:19:25.401 --> 00:19:33.800
<v Andrea Niehaus>Der hier in Bonn eben ganz eindeutig Geschichte geschrieben hat, gerade mit der Teilchenphysik.

00:19:33.801 --> 00:19:41.300
<v Andrea Niehaus>Und insofern gehört das sozusagen zu unseren Stammexponaten, zu den Stammexponaten.

00:19:41.301 --> 00:19:47.400
<v Andrea Niehaus>Aber man kann auch weiter nach Köln zum DLR gehen, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, wo wir Exponate haben.

00:19:47.401 --> 00:19:58.200
<v Andrea Niehaus>Oder ins Forschungszentrum Jülich, wo wir eben auch unter anderem einen Physiknobelpreisträger ausstellen, nämlich den Peter Grünberg mit seinem Magnetresonanzeffekt.

00:19:58.201 --> 00:20:04.300
<v Andrea Niehaus>Also insofern denke ich machte das auch wirklich Sinn, hier zu gucken, was ist in der Gegend?

00:20:04.301 --> 00:20:10.500
<v Andrea Niehaus>Aber natürlich sammeln wir auch Dinge von Stuttgart bis Schleswig-Holstein.

00:20:10.501 --> 00:20:13.200
<v Andrea Niehaus>Jetzt muss ich aber schwer mal überlegen, was wir aus Schleswig-Holstein haben.

00:20:13.201 --> 00:20:18.900
<v Andrea Niehaus>Aber auf jeden Fall war es uns wichtig, wirklich einen Überblick zu geben.

00:20:18.901 --> 00:20:24.500
<v Tim Pritlove>Aber man kann auch sozusagen was erzählen, selbst wenn Einstein sozusagen nicht mehr in der Aufgabenbeschreibung drin ist?

00:20:24.501 --> 00:20:26.200
<v Andrea Niehaus>Natürlich. Man kann immer was erzählen.

00:20:26.201 --> 00:20:27.000
<v Tim Pritlove>Ja.

00:20:27.001 --> 00:20:30.600
<v Andrea Niehaus>Und das ist denke ich auch das, was wir machen wollen, wir wollen Geschichten erzählen.

00:20:30.601 --> 00:20:32.800
<v Andrea Niehaus>Und wir haben etwa 100 Exponate.

00:20:32.801 --> 00:20:43.200
<v Andrea Niehaus>Die sind zusammengefasst in 35 Kurzgeschichten, so nennen wir sie, die eben auch ein gemeinsames Thema haben.

00:20:43.201 --> 00:20:51.300
<v Andrea Niehaus>Wie die „Elementarteilchen“ oder andere Strukturaufklärungen.

00:20:51.301 --> 00:20:55.500
<v Andrea Niehaus>Also wir versuchen halt wirklich, hier in dem Museum Geschichten zu erzählen.

00:20:55.501 --> 00:20:59.700
<v Tim Pritlove>Ja und es sind auch relativ komplexe Themen schon, die hier angefasst werden.

00:20:59.701 --> 00:21:07.000
<v Tim Pritlove>Also normalerweise, wenn man jetzt so an Museum und Technik heranführen denkt, klar es sind auch so viele Basics drin so.

00:21:07.001 --> 00:21:14.900
<v Tim Pritlove>Der fliegende Ball auf dem Luftstrom etc., was man sicherlich an vielen Orten schon mal gesehen hat und auch zurecht gesehen hat.

00:21:14.901 --> 00:21:16.300
<v Tim Pritlove>Weil auch das muss natürlich herangeführt werden.

00:21:16.301 --> 00:21:23.200
<v Tim Pritlove>Aber dann geht man ein paar Meter weiter, und dann hat man auf einmal so einen Ionenbeschleuniger und komplexere Sachen.

00:21:23.201 --> 00:21:29.700
<v Tim Pritlove>Ist das immer so einfach, so megakomplexe Sachen so aufzubereiten, dass das auch sinnvoll ist?

00:21:29.701 --> 00:21:35.700
<v Andrea Niehaus>Das ist glaube ich das allerschwerste, was unseren Alltag eben auch ausmacht.

00:21:35.701 --> 00:21:45.200
<v Andrea Niehaus>Und ich glaube, seit den 20 Jahren oder es gibt uns ja jetzt seit über 20 Jahren, sind wenige Steine mehr auf dem anderen geblieben.

00:21:45.201 --> 00:21:48.900
<v Andrea Niehaus>Also wir haben das Museum schon komplett umgebaut.

00:21:48.901 --> 00:21:57.400
<v Andrea Niehaus>Nicht so komplett, wie wir es wünschten, aber wir sind glaube ich anders aufgestellt, als in der Zeit, wo das Museum eröffnet wurde.

00:21:57.401 --> 00:22:02.800
<v Andrea Niehaus>Weil wir einfach auch gemerkt haben, das ist sehr anspruchsvoll, was wir hier ausstellen.

00:22:02.801 --> 00:22:15.000
<v Andrea Niehaus>Und wir müssen sozusagen, wir merken ja auch, dass die Besucher, die zu uns kommen, eben auch nicht mehr das Grundlagenwissen haben, um das zu verstehen, was wir hier ausstellen.

00:22:15.001 --> 00:22:25.000
<v Andrea Niehaus>Und wir haben eigentlich Ende der 90er Jahre, da war von MIND-Bildung, was heute einem ja so leicht über die Lippen geht, noch überhaupt nichts in Aussicht.

00:22:25.001 --> 00:22:33.800
<v Andrea Niehaus>Da haben wir schon festgestellt, dass viele Schulklassen in Physik oder in der Chemie schon gar nicht mehr mit ihrem Wissen durchdringen, was wir hier ausstellen.

00:22:33.801 --> 00:22:35.900
<v Andrea Niehaus>Geschweige denn auch Erwachsene.

00:22:35.901 --> 00:22:39.300
<v Andrea Niehaus>Sondern dass es ein Museum eigentlich für Fachleute ist.

00:22:39.301 --> 00:22:44.600
<v Tim Pritlove>Woran liegt das, dass das Wissen so nicht mehr da ist?

00:22:44.601 --> 00:22:46.700
<v Andrea Niehaus>Möglicherweise weil es auch sehr sehr komplex geworden ist.

00:22:46.701 --> 00:22:56.700
<v Andrea Niehaus>Man erforscht ja immer mehr, die Erkenntnis schreitet immer voran, und es ist eben heute alles nicht so einfach zu durchdringen.

00:22:56.701 --> 00:23:05.500
<v Andrea Niehaus>Und ich denke, wir müssen und das war unser Weg, erst mal wieder back to the roots, zu den Grundlagen.

00:23:05.501 --> 00:23:16.100
<v Andrea Niehaus>Und um den Faden nochmal von vorhin aufzunehmen, wir haben Ende der 90er Jahre eigentlich unser gesamtes Kinder- und Jugendprogramm angefangen zu entwickeln.

00:23:16.101 --> 00:23:33.800
<v Andrea Niehaus>Weil wir gemerkt haben, Schulklassen, die ein Interesse haben, die auch erwarten, wenn sie ins Deutsche Museum kommen, dass ihnen die Vermittlungskonzepte unseres Mutterhauses sozusagen angeboten werden, waren möglicherweise auch enttäuscht, dass sie es bei uns einfach nicht bekommen haben.

00:23:33.801 --> 00:23:41.200
<v Andrea Niehaus>Denn für uns ist es auch wirklich schwierig, mit diesem Fokus zeitgenössische Forschung und Technik.

00:23:41.201 --> 00:23:45.900
<v Andrea Niehaus>Wir haben eben keine Dampfmaschine, die man in Gang setzen kann, wie unsere Münchner Kollegen.

00:23:45.901 --> 00:23:52.300
<v Andrea Niehaus>Oder eben die „Dampflok“, wo die Augen leuchten.

00:23:52.301 --> 00:24:04.400
<v Andrea Niehaus>Sondern wir stellen häufig nur kleine Geräte aus oder auch etwas größere Geräte, da kann man dann sagen, das ist wichtig, aber man muss es eben zum Leben erwecken.

00:24:04.401 --> 00:24:08.800
<v Andrea Niehaus>Und das ist glaube ich in unserem Bereich extrem schwierig.

00:24:08.801 --> 00:24:14.100
<v Andrea Niehaus>Und wir versuchen da wirklich viele Register zu ziehen.

00:24:14.101 --> 00:24:20.700
<v Andrea Niehaus>Und haben denke ich über die Jahre, die es uns gibt, verschiedene Register dann auch wirklich entwickelt.

00:24:20.701 --> 00:24:23.500
<v Tim Pritlove>Da würde mich ja mal interessieren, was da der Trick ist.

00:24:23.501 --> 00:24:32.400
<v Tim Pritlove>Weil ich überlege jetzt gerade mal, unter anderem habe ich jetzt beim Durchgehen einen schönen mp3-Encoder gesehen.

00:24:32.401 --> 00:24:36.300
<v Tim Pritlove>Das ist ja auch so eine Entwicklung, die in Deutschland vorgenommen wurde.

00:24:36.301 --> 00:24:41.200
<v Tim Pritlove>Wenn man sich dann so die ersten Laborgeräte anschaut, dann sieht das ja ganz beeindruckend aus.

00:24:41.201 --> 00:24:47.300
<v Tim Pritlove>Viel diskrete Elektronik, die da zusammengeschraubt ist und wahrscheinlich auch eine Menge Strom verbraucht hat.

00:24:47.301 --> 00:24:51.800
<v Tim Pritlove>Aber zumindest schon zeigt, welche Ingenieurstätigkeit dahinter ist.

00:24:51.801 --> 00:24:58.600
<v Tim Pritlove>Aber um jetzt sozusagen zu erfassen, was denn Audioencoding überhaupt ist und auf was das arbeitet.

00:24:58.601 --> 00:25:11.700
<v Tim Pritlove>Man muss ja eigentlich bei vielem irgendwie sowieso immer bis 1850 oder zumindest bis 1900 zurückgehen, um diese Grundlagen auch wirklich zu bekommen.

00:25:11.701 --> 00:25:18.800
<v Tim Pritlove>Also was ich sagen will, ist es denn sozusagen zu verschmerzen, dass man jetzt diese ersten 50 Jahre mehr oder weniger rauslässt?

00:25:18.801 --> 00:25:31.100
<v Andrea Niehaus>Wir lassen sie ja nicht raus, sondern wir haben einige andere Stationen, nur an anderen Stellen auch noch sozusagen ausgestellt.

00:25:31.101 --> 00:25:35.400
<v Andrea Niehaus>Aber ich denke, die mp3-Technik kann auch erst mal für sich stehen.

00:25:35.401 --> 00:25:41.600
<v Andrea Niehaus>Und das Interessante ist ja, dass viele Leute meinen, das ist eine Erfindung aus Amerika.

00:25:41.601 --> 00:25:49.500
<v Andrea Niehaus>Wo man zumindest auch mal geradestehen kann, dass das ganze aus Nürnberg Erlangen kommt, aus dem Fraunhofer Institut.

00:25:49.501 --> 00:25:53.700
<v Andrea Niehaus>Und das Schöne ist für uns diese Bewegung public understanding of science.

00:25:53.701 --> 00:25:58.400
<v Andrea Niehaus>Wo wir eben auch Ende der 90er Jahre wirklich von Anfang an mitgemacht haben.

00:25:58.401 --> 00:26:09.500
<v Andrea Niehaus>Denn die Wissenschaftler haben eben auch verstanden, dass sie ihre Erfindungen, ihre Erkenntnisse letztendlich dem Publikum mitteilen müssen, der Öffentlichkeit.

00:26:09.501 --> 00:26:15.900
<v Andrea Niehaus>Und das war für uns auch ein ganz ganz wichtiger Prozess, von dem wir profitiert haben.

00:26:15.901 --> 00:26:23.700
<v Andrea Niehaus>Denn wir haben das Fraunhofer Institut beispielsweise damals die Erfinder der mp3-Technik gefragt, ob sie uns helfen, das Ganze zu vermitteln.

00:26:23.701 --> 00:26:27.500
<v Andrea Niehaus>Und da sind wir natürlich sofort auf offene Türen gestoßen.

00:26:27.501 --> 00:26:35.100
<v Andrea Niehaus>Das war, sage ich mal, also vor diesem ganzen Prozess, manchmal schon auch etwas schwieriger.

00:26:35.101 --> 00:26:41.100
<v Andrea Niehaus>Wenn man den Wissenschaftlern gesagt hat, ja Sie müssen es so erklären, dass Lieschen Müller es auch versteht.

00:26:41.101 --> 00:26:54.400
<v Andrea Niehaus>Ich habe da manche schönen Szenen erlebt, wo man mehr oder weniger nicht bereit war, auf des Volkes Stimme sozusagen zu hören oder sich darauf hinabzulassen.

00:26:54.401 --> 00:26:56.100
<v Andrea Niehaus>Das ist ganz anders geworden, das ist super.

00:26:56.101 --> 00:27:03.800
<v Andrea Niehaus>Das ist auch super für uns, weil wir die Wissenschaftler sozusagen mit im Boot haben und gemeinsam Lösungen finden, wie man das vermitteln kann.

00:27:03.801 --> 00:27:10.400
<v Andrea Niehaus>Im Falle der mp3-Technik das Fraunhofer Institut eben wirklich einen ganz tollen Computerbeitrag entwickelt.

00:27:10.401 --> 00:27:13.400
<v Andrea Niehaus>Wo wir eben auch ein paar Anregungen geben konnten.

00:27:13.401 --> 00:27:15.900
<v Andrea Niehaus>Und das zeigen wir bei uns dann im Museum.

00:27:15.901 --> 00:27:23.600
<v Tim Pritlove>Wodurch hat sich das geändert? Also was ist auf einmal anders, dass da irgendwas drüber nachgedacht wird?

00:27:23.601 --> 00:27:46.600
<v Andrea Niehaus>Ja ich denke wirklich, diese entscheidende Gründungsveranstaltung, damals glaube ich noch in der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo sich die großen Forschungschefs zusammengetan haben, um dieses Manifest public understanding of science done the humanities „Push“ genannt eben auch zu gründen.

00:27:46.601 --> 00:27:55.500
<v Andrea Niehaus>Wo man eben auch von oben gesagt hat, es ist unglaublich wichtig, dass wir unsere Erkenntnisse der Öffentlichkeit eben auch mitteilen.

00:27:55.501 --> 00:27:58.200
<v Andrea Niehaus>Das hat glaube ich eine Bewegung in Gang gesetzt.

00:27:58.201 --> 00:28:03.800
<v Andrea Niehaus>Wo ja die Wissenschaftssommer, wo der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft ja auch sehr sehr aktiv war.

00:28:03.801 --> 00:28:11.700
<v Andrea Niehaus>Diese Ausschreibung, Stadt der Wissenschaft, das sind ja alles Meilensteine in etwas, was heute eigentlich schon fast normal herkommt.

00:28:11.701 --> 00:28:21.600
<v Andrea Niehaus>Wenn man heute Wissenschaftler fragt, wollen Sie bei uns einen Vortrag halten oder wollen Sie an einer Diskussionsrunde teilnehmen, dann ist das kein Thema mehr.

00:28:21.601 --> 00:28:23.600
<v Andrea Niehaus>Und insofern freue ich mich.

00:28:23.601 --> 00:28:25.900
<v Andrea Niehaus>Und wir profitieren wie gesagt davon.

00:28:25.901 --> 00:28:30.900
<v Andrea Niehaus>Und die mp3-Technik wie gesagt, es auszustellen ist ja auch immer nur ein Teil.

00:28:30.901 --> 00:28:34.600
<v Andrea Niehaus>Ich hatte ja vorhin gesagt, wir haben keinen Stein auf dem anderen gelassen.

00:28:34.601 --> 00:28:38.900
<v Andrea Niehaus>Wir haben natürlich auch ein Forum bei uns dann quasi entwickelt.

00:28:38.901 --> 00:28:53.600
<v Andrea Niehaus>Wir haben dafür Dinge weggeräumt, abgerissen, Exponate sozusagen in das Depot gestellt, damit wir als Museum eben auch einen Veranstaltungsort und ein Veranstaltungsraum bekommen, wo wir eben die Wissenschaftler einladen.

00:28:53.601 --> 00:28:57.200
<v Andrea Niehaus>Wo wir Diskussionsrunden machen.

00:28:57.201 --> 00:29:07.300
<v Andrea Niehaus>Adressat ist die Öffentlichkeit, um sich da eben auch wirklich von den Wissenschaftlern direkt Informationen zu holen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren.

00:29:07.301 --> 00:29:11.400
<v Andrea Niehaus>Das ist eben auch ganz ganz wichtig.

00:29:11.401 --> 00:29:16.700
<v Tim Pritlove>Der Begriff Museum, dem heftet ja schon noch so ein bisschen der Staub an.

00:29:16.701 --> 00:29:18.000
<v Andrea Niehaus>Zu Unrecht.

00:29:18.001 --> 00:29:21.700
<v Tim Pritlove>Sicherlich zu Unrecht, aber es ist so.

00:29:21.701 --> 00:29:30.900
<v Tim Pritlove>Also manche bringen jetzt neue Begriffe auf, es fiel hier auch schon, Science Centre ist so einer dieser Worte.

00:29:30.901 --> 00:29:35.000
<v Tim Pritlove>Ich weiß nicht, es gibt glaube ich noch irgendwas anderes, was ich jetzt gerade vergraben habe.

00:29:35.001 --> 00:29:38.900
<v Tim Pritlove>Aber das ist ja auch eine Bewegung, die jetzt nicht nur in Deutschland stattfindet.

00:29:38.901 --> 00:29:43.100
<v Tim Pritlove>Sondern ich habe das schon an verschiedensten Orten …

00:29:43.101 --> 00:29:49.700
<v Tim Pritlove>Auch in Deutschland gibt es verschiedene, Wolfsburg hier diese Pheno???.

00:29:49.701 --> 00:29:52.300
<v Tim Pritlove>Es gibt also verschiedene mit ähnlichen Namen.

00:29:52.301 --> 00:30:01.600
<v Tim Pritlove>Also dieses Spielerische, neu aufzurollen und ein Verständnis für Technik und Wissenschaft herbeizuführen, ist ja schon ein globaler Trend.

00:30:01.601 --> 00:30:05.600
<v Tim Pritlove>Also gibt es auch außerhalb von Deutschland an vielen Stellen.

00:30:05.601 --> 00:30:13.700
<v Tim Pritlove>Kann der Begriff Museum da noch mithalten oder muss man den vielleicht irgendwann mal ablegen?

00:30:13.701 --> 00:30:17.800
<v Andrea Niehaus>Das ist eine ganz ganz tricky Frage ehrlich gesagt.

00:30:17.801 --> 00:30:20.900
<v Andrea Niehaus>Ich bin durch und durch Museumsfreund, wie gesagt.

00:30:20.901 --> 00:30:26.000
<v Andrea Niehaus>Museum ist zu Unrecht verstaubt oder wie auch immer.

00:30:26.001 --> 00:30:31.400
<v Andrea Niehaus>Ich glaube, das sehen auch andere unterschiedlich, für andere ist er ganz positiv besetzt.

00:30:31.401 --> 00:30:40.600
<v Andrea Niehaus>Weil wir bewahren ja Dinge, die ansonsten vielleicht auf dem Müll landen würden, für die Menschheit auf.

00:30:40.601 --> 00:30:45.700
<v Andrea Niehaus>Wer weiß, was mit Karl Benz’ erstem Auto passiert wäre oder der Anlage von Röntgen.

00:30:45.701 --> 00:30:50.400
<v Andrea Niehaus>Ich meine, ich bin damals mit Peter Grünberg durchs Forschungszentrum Jülich spaziert.

00:30:50.401 --> 00:30:51.500
<v Andrea Niehaus>Ich glaube durch alle Labors.

00:30:51.501 --> 00:30:57.300
<v Andrea Niehaus>Und der hat gesagt, er hat mit einem Gerät seine ersten Messungen gemacht, aber er weiß nicht mehr, welche.

00:30:57.301 --> 00:31:03.200
<v Andrea Niehaus>Das ist schade, dass dieses Bewusstsein eben heute nicht mehr ganz so stark ist.

00:31:03.201 --> 00:31:06.100
<v Andrea Niehaus>Dass man immer wieder als Museum sagen muss, bitte nicht wegschmeißen.

00:31:06.101 --> 00:31:08.900
<v Andrea Niehaus>Bevor ihr es wegschmeißt, fragt bitte mich.

00:31:08.901 --> 00:31:11.700
<v Andrea Niehaus>Gerade in meinem Bereich zeitgenössische Forschung und Technik.

00:31:11.701 --> 00:31:18.100
<v Andrea Niehaus>Ich sitze quasi bei den Wissenschaftlern auf dem Schoß und sage, bitte nicht wegschmeißen.

00:31:18.101 --> 00:31:31.100
<v Andrea Niehaus>Und ich denke, die Science Centre, es gab früher mal in den 90er Jahren, als das so hochschwappte, natürlich auch so ein bisschen Animositäten zwischen den Museen und den Science Centern.

00:31:31.101 --> 00:31:34.800
<v Andrea Niehaus>Weil Science Centre extrem finanziell gut ausgestattet wurden.

00:31:34.801 --> 00:31:45.400
<v Andrea Niehaus>Jede Stadt, jede Kommune hat sich dann mit einem Science Centre geschmückt und wir Museen mussten dann halt immer so ein bisschen aus der Röhre gucken.

00:31:45.401 --> 00:31:48.200
<v Andrea Niehaus>Heute ist eine gute Zusammenarbeit eigentlich die Regel.

00:31:48.201 --> 00:31:56.800
<v Andrea Niehaus>Es gibt Verbände, in denen sowohl Science Centre als auch Science Museums sitzen und gemeinsam Dinge entwickeln.

00:31:56.801 --> 00:32:00.200
<v Andrea Niehaus>Also insofern, denke ich, können wir voneinander auch lernen.

00:32:00.201 --> 00:32:04.700
<v Andrea Niehaus>Also da habe ich ehrlich gesagt keinerlei Berührungsängste.

00:32:04.701 --> 00:32:05.900
<v Tim Pritlove>Also gibt es da überhaupt noch einen Unterschied?

00:32:05.901 --> 00:32:11.500
<v Andrea Niehaus>Ja, das sind die historischen Exponate, das ist der größte Unterschied.

00:32:11.501 --> 00:32:16.000
<v Andrea Niehaus>Und wenn ein Science Centre Exponat sagt, dann meint er seine Demonstrationen.

00:32:16.001 --> 00:32:25.900
<v Andrea Niehaus>Jetzt muss man dazu sagen, dass die Science Centre ihre Exponate in der Regel auch nicht selber bauen.

00:32:25.901 --> 00:32:33.300
<v Andrea Niehaus>Es gibt welche, die tun das, aber in der Regel gibt es einfach Firmen, die die Science Centre bestücken.

00:32:33.301 --> 00:32:42.100
<v Andrea Niehaus>Und je nachdem wie das Konzept eben eines Science Centres aussieht, erkennt man den Ball, den auch wir haben, mit dem Bernoulli-Effekt.

00:32:42.101 --> 00:32:50.100
<v Andrea Niehaus>Dieser Fön, mit dem man einen Ball balanciert, den hat man natürlich in allen anderen Science Centres auch.

00:32:50.101 --> 00:32:57.400
<v Andrea Niehaus>Unsere historischen Exponate machen uns aber sozusagen einzigartig.

00:32:57.401 --> 00:33:00.300
<v Andrea Niehaus>Denn so ein erstes Auto findet man nur im Deutschen Museum.

00:33:00.301 --> 00:33:06.100
<v Andrea Niehaus>Das Stuttgarter Mercedes Museum hat leider nur einen Nachbau.

00:33:06.101 --> 00:33:15.500
<v Andrea Niehaus>Und das ist das, was nochmals diese Museen eben ausmachen, die Authentizität - oh Gott schwieriges Wort - ihrer Objekte.

00:33:15.501 --> 00:33:29.600
<v Andrea Niehaus>Manches von unseren Dingen, jetzt hier auch in Bonn, mag Massenware gewesen sein, ein Exponat, aber es hat eine Bedeutung dadurch, dass ein Wissenschaftler mit diesem Gerät etwas besonderes herausgefunden hat.

00:33:29.601 --> 00:33:32.100
<v Andrea Niehaus>Und das ist eben schon auch diese Aura.

00:33:32.101 --> 00:33:41.900
<v Andrea Niehaus>Da bin ich dann auch wirklich Kulturfrau, das ist diese Aura, die um ein Exponat herumschwebt, die meines Erachtens wirklich unvergleichbar ist.

00:33:41.901 --> 00:33:54.200
<v Andrea Niehaus>Und ich kann mich noch wie heute erinnern, wir haben die erste Messapparatur von dem sogenannten Patch-Clamp-Messplatz von den beiden Nobelpreisträgern Erwin Neher und Bert Sakmann.

00:33:54.201 --> 00:34:02.500
<v Andrea Niehaus>Und die beiden waren mal bei einer Veranstaltung bei uns und haben sich davor gestellt und gesagt, mein Gott was haben wir damals gebastelt.

00:34:02.501 --> 00:34:12.200
<v Andrea Niehaus>Wir haben überhaupt nicht gewusst, wir hatten nur eine Idee, wie wir das rausbekommen wollten und was haben wir damals wirklich gebastelt.

00:34:12.201 --> 00:34:18.100
<v Andrea Niehaus>Also an diesen Spruch kann ich mich bis heute noch dran erinnern, weil es eben auch so diese Genese zeigt.

00:34:18.101 --> 00:34:25.700
<v Andrea Niehaus>Viele unserer Exponate haben ja wirklich eine Geschichte, eine Entstehungsgeschichte und ich finde die großartig.

00:34:25.701 --> 00:34:37.500
<v Andrea Niehaus>Denn das sind ja auch unsere Rolemodels, unsere Exponateväter und -mütter, so nennen wir die sie immer ganz nett, sind ja auch Rolemodels für die jungen Leute, die zu uns kommen.

00:34:37.501 --> 00:34:42.100
<v Andrea Niehaus>Weil jeder weiß ja heute nicht mehr was er wird und wie werde ich das?

00:34:42.101 --> 00:34:47.600
<v Andrea Niehaus>Wenn ich Erfinder werden will, was muss ich da eigentlich studieren und solche Sachen.

00:34:47.601 --> 00:35:05.300
<v Andrea Niehaus>Also wir können eben auch wirklich diese Vorbilder liefern, indem wir diese Geschichten erzählen, vielleicht einem Jungen oder Mädchen letztendlich eben sagen, Mensch die Erfinder, die wir ausstellen, standen mal genau vor derselben Frage.

00:35:05.301 --> 00:35:08.400
<v Andrea Niehaus>Und haben dieses und jenes gemacht.

00:35:08.401 --> 00:35:13.200
<v Andrea Niehaus>Also ich denke, das ist auch nochmal eine ganz wichtige Funktion, die wir als Museum eben auch erfüllen.

00:35:13.201 --> 00:35:27.300
<v Andrea Niehaus>Außer dass wir die Sachen einfach nur konservieren, haben wir wirklich eine sehr große, spielen wir wirklich eine sehr sehr große Rolle mit unserer Vermittlung in der Nachwuchsbindung.

00:35:27.301 --> 00:35:30.800
<v Tim Pritlove>Schauen wir doch nochmal auf die außergewöhnlichen Exponate.

00:35:30.801 --> 00:35:32.400
<v Tim Pritlove>Es gibt ja deren gleich mehrere.

00:35:32.401 --> 00:35:39.300
<v Tim Pritlove>Gleich wenn man reinkommt, dann strahlt einen ein Transrapid an.

00:35:39.301 --> 00:35:45.600
<v Tim Pritlove>Sicherlich auch eine der … fragwürdige Bedeutung hat.

00:35:45.601 --> 00:35:49.400
<v Tim Pritlove>Weil ist es denn jetzt eine Leistung oder ist es denn eigentlich ein Scheitern?

00:35:49.401 --> 00:35:52.800
<v Tim Pritlove>Technisch ist es sicherlich auf jeden Fall eine Leistung.

00:35:52.801 --> 00:36:02.200
<v Tim Pritlove>Und wir werden sicherlich auch irgendwann nochmal sehen, dass bestimmte Dinge ja außerhalb von Deutschland durchaus Erfolg haben, nur irgendwie in Deutschland aus irgendwelchen Gründen nicht so richtig.

00:36:02.201 --> 00:36:11.200
<v Andrea Niehaus>Das kann man, da muss ich Ihnen wieder heftig widersprechen, das ist ja das Schöne, dass wir an solchen Beispielen eben auch andere Geschichten erzählen können.

00:36:11.201 --> 00:36:14.200
<v Andrea Niehaus>Ich warte noch ein bisschen auf die Geschichte, dass wir sie auch wirklich erzählen.

00:36:14.201 --> 00:36:22.200
<v Andrea Niehaus>Mit einem Exponat aber der Transrapid ist von der technischen Leistung her wirklich großartig.

00:36:22.201 --> 00:36:27.700
<v Andrea Niehaus>Man hat sozusagen es nur nicht geschafft, es politisch durchzusetzen.

00:36:27.701 --> 00:36:30.100
<v Andrea Niehaus>Und das ist ja auch das, was wir zeigen.

00:36:30.101 --> 00:36:40.600
<v Andrea Niehaus>Wissenschaft und Technik entsteht ja nicht in luftleerem Raum, sondern es muss immer Bedingungen geben, die Wissenschaft und Technik sozusagen möglich machen.

00:36:40.601 --> 00:36:43.600
<v Andrea Niehaus>Es müssen die richtigen Entscheidungen gefällt werden.

00:36:43.601 --> 00:36:47.500
<v Andrea Niehaus>Es müssen die richtigen wirtschaftlichen Komponenten eben sein.

00:36:47.501 --> 00:36:56.400
<v Andrea Niehaus>Es ist wie gesagt ein Geflecht von Gesellschaft, von Wirtschaft, von Politik und Wissenschaft, das Dinge sozusagen voranbringt.

00:36:56.401 --> 00:37:06.600
<v Andrea Niehaus>Und im Falle des Transrapids war das ja eine sehr sehr alte Technologie bzw. die Idee geht wirklich auf die 1920er Jahre zurück.

00:37:06.601 --> 00:37:11.400
<v Andrea Niehaus>Und wurde dann in den 60er Jahren mehr oder weniger auch aus der Schublade geholt.

00:37:11.401 --> 00:37:18.300
<v Andrea Niehaus>Und die Idee lebt aber interessanterweise wohl weiter, und zwar in Fahrstühlen.

00:37:18.301 --> 00:37:36.000
<v Andrea Niehaus>Die Firma Thyssen Krupp hat in Rottweil ein großes Zentrum gebaut, einen Turm, wo sie letztendlich eben Fahrstühle testet, die genau mit diesem elektromagnetischen Prinzip und diesen ganzen Feinheiten, die am Transrapid ausprobiert wurden, bestückt.

00:37:36.001 --> 00:37:46.800
<v Andrea Niehaus>Und da bin ich schon im Gespräch, aber ich habe leider da noch keine frohe Kunde, dass ich auch das mal bei uns thematisiere.

00:37:46.801 --> 00:37:49.000
<v Tim Pritlove>Das sind diese Fahrstühle, die auch quer fahren oder?

00:37:49.001 --> 00:37:53.100
<v Andrea Niehaus>Genau. Also spannend spannend spannend.

00:37:53.101 --> 00:37:59.300
<v Andrea Niehaus>Und ich meine, gut ich finde es selber sehr sehr schade, dass man nach Shanghai fahren muss, um Transrapid fahren zu können.

00:37:59.301 --> 00:38:05.600
<v Andrea Niehaus>Ich selber habe das mehrere Male gemacht, aber auch in Lathe auf der Versuchsstrecke.

00:38:05.601 --> 00:38:13.200
<v Andrea Niehaus>Ja, die es ja nicht mehr gibt. Aber es wird ein neues Museum geben über den Transrapid.

00:38:13.201 --> 00:38:20.500
<v Tim Pritlove>Sehr schön aus persönlicher Sicht finde ich natürlich auch das Trautonium, was dort herumsteht von Oskar Sala.

00:38:20.501 --> 00:38:30.700
<v Tim Pritlove>Ein außergewöhnlicher Erfinder und Musiker in einem, der im Prinzip so die ganze Synthesizer-Entwicklung vorweggenommen hat.

00:38:30.701 --> 00:38:32.600
<v Tim Pritlove>Warum steht das da?

00:38:32.601 --> 00:38:36.300
<v Andrea Niehaus>Ja weil es sozusagen einzigartig ist, ein tolles Schätzchen.

00:38:36.301 --> 00:38:45.900
<v Andrea Niehaus>Wie ich schon sagte, wir haben manchmal Apparaturen, die wirklich aus einer Massenproduktion kommen und durch einen Wissenschaftler zu etwas besonderem wurden.

00:38:45.901 --> 00:38:52.600
<v Andrea Niehaus>Das Trautonium, das Mixtur-Trautonium ist per se etwas ganz besonderes.

00:38:52.601 --> 00:39:01.400
<v Andrea Niehaus>Und ich meine, ich finde es immer sehr sehr spannend, dass das Deutsche Museum auch eine große Sammlung von Musikinstrumenten hat, die in irgendeiner Weise einen technischen Bezug haben.

00:39:01.401 --> 00:39:04.200
<v Andrea Niehaus>Und das sind nun eigentlich schon relativ viele.

00:39:04.201 --> 00:39:13.700
<v Andrea Niehaus>Und der Oskar Sala hat eben mit diesem Mixtur-Trautonium erstens relativ viele Patente da auch reingesteckt, der war ja Physiker und Komponist.

00:39:13.701 --> 00:39:19.400
<v Andrea Niehaus>Hat bei Hindemith Komposition studiert und hat das Gerät ständig weiter entwickelt.

00:39:19.401 --> 00:39:31.400
<v Andrea Niehaus>Und mit diesem Gerät ist der Thriller von Hitchcocks Film, ist die Musik - Entschuldigung - von Hitchcocks Film „Die Vögel“ vertont worden.

00:39:31.401 --> 00:39:35.100
<v Andrea Niehaus>Und insofern wurde damit Geschichte geschrieben.

00:39:35.101 --> 00:39:42.900
<v Tim Pritlove>Schon mal beim Kling-Klang-Studio angefragt, ob die nicht auch noch ein paar Durchbrüche der Synthesizer-Entwicklung bringen kann?

00:39:42.901 --> 00:39:44.400
<v Tim Pritlove>Ist ja auch Nordrhein-Westfalen.

00:39:44.401 --> 00:39:49.000
<v Andrea Niehaus>Ja, also Stockhausen hatten wir natürlich auch mal als Exponat.

00:39:49.001 --> 00:39:56.100
<v Andrea Niehaus>Das ist dann sozusagen durch die mp3-Technik verdrängt worden das Exponat, aber wir sind immer offen.

00:39:56.101 --> 00:39:57.700
<v Andrea Niehaus>Wir brauchen nur immer den Platz.

00:39:57.701 --> 00:39:58.400
<v Tim Pritlove>Ja.

00:39:58.401 --> 00:40:00.900
<v Andrea Niehaus>Kommt ein Exponat, muss ein anderes weichen.

00:40:00.901 --> 00:40:04.800
<v Tim Pritlove>Ja mit Kraftwerk in Kontakt zu treten, scheint auch nicht so einfach zu sein.

00:40:04.801 --> 00:40:10.400
<v Andrea Niehaus>Nein richtig. Aber das schöne ist, Oskar Sala und die Kraftwerks-Leute haben sich gekannt.

00:40:10.401 --> 00:40:15.800
<v Andrea Niehaus>Die haben auch - damals war das natürlich jetzt nicht so, dass man sich Emails geschrieben hat, aber korrespondiert und telefoniert.

00:40:15.801 --> 00:40:22.800
<v Andrea Niehaus>Die Kraftwerks-Leute waren sehr interessiert an dem, was der Oskar Sala gemacht hat.

00:40:22.801 --> 00:40:28.100
<v Andrea Niehaus>Und Oskar Sala war ja wirklich ein berühmter Mann, der diverse Preise abgeräumt hat.

00:40:28.101 --> 00:40:32.400
<v Andrea Niehaus>Ich habe ihn persönlich auch noch erleben können und was war das interessant.

00:40:32.401 --> 00:40:46.300
<v Andrea Niehaus>Also wirklich ein recht kleiner Mann, der - ich habe ihn erlebt, ich glaube, da war er schon Ende 80, bei einer Preisverleihung bei der Bundeskunsthalle für sein Lebenswerk.

00:40:46.301 --> 00:40:51.600
<v Andrea Niehaus>Und ich glaube gegen Mitternacht taute er auf und hat dann bis 4 Uhr morgens durchgemacht.

00:40:51.601 --> 00:40:55.100
<v Andrea Niehaus>Ein unglaublich toller Mann.

00:40:55.101 --> 00:41:01.600
<v Tim Pritlove>Was mich persönlich natürlich immer sehr anspricht, ist die Computerentwicklung, die war ja in Deutschland auch nicht ganz irrelevant.

00:41:01.601 --> 00:41:04.900
<v Tim Pritlove>In Ihrem Museum steht ein Z23.

00:41:04.901 --> 00:41:08.900
<v Tim Pritlove>Immerhin so auch der erste Transistorcomputer.

00:41:08.901 --> 00:41:13.000
<v Tim Pritlove>Was kann man denn an solchen Exponaten erklären?

00:41:13.001 --> 00:41:17.600
<v Tim Pritlove>Also was wird denn mit dem Teil dann vermittelt?

00:41:17.601 --> 00:41:23.000
<v Andrea Niehaus>Also wir haben ja die Speichereinheit dieses Z23 ausgestellt.

00:41:23.001 --> 00:41:26.600
<v Andrea Niehaus>Und das ist sozusagen die erste mit Transistoren.

00:41:26.601 --> 00:41:29.300
<v Andrea Niehaus>Und man sieht natürlich vor allen Dingen erst mal die Größe.

00:41:29.301 --> 00:41:32.500
<v Andrea Niehaus>Das ist ja ein, ich sage mal, riesiger Schrank.

00:41:32.501 --> 00:41:42.800
<v Andrea Niehaus>Und direkt daneben steht der Peter Grünberg mit seiner kleinen „Festplatte“, um einfach mal die Dimensionen von damals und heute klarzumachen.

00:41:42.801 --> 00:41:52.400
<v Andrea Niehaus>Der Zuse ist von 65, ich glaube das waren 200.000 Rechenoperationen pro Minute.

00:41:52.401 --> 00:42:02.300
<v Andrea Niehaus>Ich glaube heutige Rechenoperationen pro Sekunde sind im Millionenbereich, vielleicht sogar bei einer Milliarde und wesentlich kleiner.

00:42:02.301 --> 00:42:11.900
<v Andrea Niehaus>Also mir zeigt das oder das, was wir damit eben auch zeigen wollen, ist letztendlich eben auch die Miniaturisierung.

00:42:11.901 --> 00:42:17.300
<v Tim Pritlove>Ja. Glaube da sind wir auch schon weiter als Millionen und Milliarden.

00:42:17.301 --> 00:42:27.700
<v Andrea Niehaus>Ich glaube beim iPhone beim letzten, ich weiß nicht, ob man hier Produkte nennen kann, aber sind es glaube ich ein paar Milliarden pro Sekunde.

00:42:27.701 --> 00:42:35.500
<v Tim Pritlove>Also es bewegt sich auf jeden Fall schon in einem Bereich, wo es irgendwie schon fast überhaupt nicht mehr relevant ist, das noch groß zusammenzuzählen.

00:42:35.501 --> 00:42:50.100
<v Tim Pritlove>Ja, dieser … ich war jetzt früh am Morgen dort, alles voll mit Schulklassen, hatte ich den Eindruck.

00:42:50.101 --> 00:42:52.500
<v Tim Pritlove>Das dürfte eine ganze Menge der Aktivität ausmachen.

00:42:52.501 --> 00:42:56.800
<v Tim Pritlove>Wie geht man denn pädagogisch an diese ganze Sache heran?

00:42:56.801 --> 00:43:00.000
<v Andrea Niehaus>Ich meine schöne Dinge ausstellend das irgendwie erklären, ist ja so das eine.

00:43:00.001 --> 00:43:12.500
<v Tim Pritlove>Aber ich vermute mal, in dem Moment, wo man die Tür aufmacht und die Kids kommen reingelaufen und die entscheiden dann darüber, was interessant ist und was nicht interessant ist, dann fängt man doch erst zu lernen und anzupassen.

00:43:12.501 --> 00:43:15.400
<v Tim Pritlove>Wie geht man da ran?

00:43:15.401 --> 00:43:20.700
<v Tim Pritlove>Wie positioniert man das Museum auch als Ausbildungsort?

00:43:20.701 --> 00:43:27.200
<v Andrea Niehaus>Wie gesagt, Anfang der 90er Jahre ist uns klar geworden, dass wir da was tun müssen.

00:43:27.201 --> 00:43:32.500
<v Andrea Niehaus>Dass das Museum so eigentlich nur für Spezialisten funktioniert.

00:43:32.501 --> 00:43:40.500
<v Andrea Niehaus>Und das war sozusagen der Startschuss für uns, ein Workshop-Programm zu entwickeln für Kinder und Jugendliche.

00:43:40.501 --> 00:43:49.500
<v Andrea Niehaus>Mittlerweile umfasst unser Programm glaube ich fast 45, ich glaube wir nähern uns schon fast 50, Themen rund um die Naturwissenschaften.

00:43:49.501 --> 00:43:53.300
<v Andrea Niehaus>Wo es uns vor allen Dingen um die Vermittlung der Grundlagen geht.

00:43:53.301 --> 00:43:56.700
<v Andrea Niehaus>Also wie gesagt, mit einer Anbindung an Exponate.

00:43:56.701 --> 00:44:01.600
<v Andrea Niehaus>Aber nehmen wir doch zum Beispiel das Mixtur-Trautonium, wie produziert denn das Töne?

00:44:01.601 --> 00:44:03.400
<v Andrea Niehaus>Was sind Töne überhaupt?

00:44:03.401 --> 00:44:09.200
<v Andrea Niehaus>Also wirklich back to the roots, erst mal ganz vorne anfangen.

00:44:09.201 --> 00:44:16.100
<v Andrea Niehaus>Und die physikalischen Grundlagen von Musik eben auch zu erfahren.

00:44:16.101 --> 00:44:20.300
<v Andrea Niehaus>Die Workshops sind natürlich alle so konzipiert, dass man vieles eben selber machen kann.

00:44:20.301 --> 00:44:29.600
<v Andrea Niehaus>Denn begreifen oder verstehen tut man vor allen Dingen, wenn man auch begreifen kann, also sprich wirklich mit seiner Hand Dinge tun kann, produzieren kann.

00:44:29.601 --> 00:44:35.500
<v Andrea Niehaus>Und insofern ist das handlungsorientierte Lernen eine ganz ganz wichtige Komponente bei uns.

00:44:35.501 --> 00:44:57.700
<v Andrea Niehaus>Wir haben beispielsweise zum Thema Computer Ende der 90er Jahre auch schon angefangen, hier mit dem Fraunhofer-Institut für autonome intelligente Systeme, die also ganz stark in der Robotik sind, an einem Workshop-Programm, das nannte sich damals Roberta und sollte sozusagen die Informatik eben auch für Mädchen spannend machen.

00:44:57.701 --> 00:45:03.900
<v Andrea Niehaus>Indem sie eben einen Roboter bauen aus Lego, Lego Mindstorm fing damals an.

00:45:03.901 --> 00:45:09.400
<v Andrea Niehaus>Und die sollten den eben nicht nur bauen, sondern eben natürlich auch programmieren.

00:45:09.401 --> 00:45:12.800
<v Andrea Niehaus>Und da sind wir sofort mit eingestiegen, weil das fanden wir super.

00:45:12.801 --> 00:45:15.300
<v Andrea Niehaus>Und das läuft bei uns bis heute.

00:45:15.301 --> 00:45:25.800
<v Andrea Niehaus>Das sind wirklich auch sehr erfolgreiche Programme, weil das auch Kinder wirklich ab 8 Jahre wirklich auch sehr anspricht.

00:45:25.801 --> 00:45:34.400
<v Andrea Niehaus>Und wir haben jetzt auch oder schon seit Jahren eine Schule, die hier regelmäßig die Generalprobe für die großen Wettbewerbe macht.

00:45:34.401 --> 00:45:53.000
<v Andrea Niehaus>Die heißen RoboCup oder FirstLegoLeague, das sind also zwei separate Workshops, wo hier wirklich 200 Schulkinder dann aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammen kommen und hier mit ihren kleinen Lego-Robotern letztendlich einen ganz großen Parcours bewältigen müssen.

00:45:53.001 --> 00:45:57.400
<v Andrea Niehaus>Und insofern eine kleine Keimzelle, aus der sich dann vieles entwickelt.

00:45:57.401 --> 00:46:03.700
<v Andrea Niehaus>Das ist denke ich so unsere Vorgehensweise.

00:46:03.701 --> 00:46:17.800
<v Andrea Niehaus>Das zweite, was wirklich auch sehr sehr gut angenommen wird, wir haben gemerkt, dass wir viel zu wenig machen für Kinder aus etwas benachteiligten sozialen Gruppen.

00:46:17.801 --> 00:46:28.800
<v Andrea Niehaus>Dass zwar die Gymnasien zu uns kommen mit ihren tollen engagierten Lehrern, dass uns die Hauptschulen beispielsweise aber nicht so unbedingt frequentieren.

00:46:28.801 --> 00:46:32.200
<v Andrea Niehaus>Daraus haben wir eben auch ein Programm gemacht.

00:46:32.201 --> 00:46:40.900
<v Andrea Niehaus>Wir haben die deutsche Telekomstiftung dazu gewinnen können, bei uns ein Schülerlabor zu Alltagschemie zu entwickeln, das wirklich sehr sehr niederschwellig ist.

00:46:40.901 --> 00:46:45.800
<v Andrea Niehaus>Dafür haben wir auch ein Teil des Museums umgebaut, unseren Eingangsbereich.

00:46:45.801 --> 00:46:55.600
<v Andrea Niehaus>Da wo früher ein Überblick über das deutsche Forschungssystem, allerdings ein bisschen langweilig, dargestellt war, das haben wir rausgekloppt und haben das Ganze ins Internet gestellt.

00:46:55.601 --> 00:47:01.800
<v Andrea Niehaus>Weil das ja dann sozusagen auch ein gutes Medium ist für solche Überblicke.

00:47:01.801 --> 00:47:11.100
<v Andrea Niehaus>Und haben mitten im Eingangsbereich hinter der Kasse wirklich unser Schülerlabor, was aber aussieht, wie eine ganz ganz große Küche.

00:47:11.101 --> 00:47:16.700
<v Andrea Niehaus>Unsere „Chemikalien“ stehen in Wandschränken.

00:47:16.701 --> 00:47:24.500
<v Andrea Niehaus>Da kann man also sehen, dass man Backpulver da hat oder Essigessenz oder Rohrreiniger und solche Sachen.

00:47:24.501 --> 00:47:25.600
<v Tim Pritlove>Also normale Dinge sozusagen.

00:47:25.601 --> 00:47:27.700
<v Andrea Niehaus>Genau richtig, oder Shampoo.

00:47:27.701 --> 00:47:39.300
<v Andrea Niehaus>Und so sind eigentlich auch die Workshops aufgezogen, so ein bisschen als Geschichte, als Story, wie man ja heute schön neudeutsch sagt, Storytelling.

00:47:39.301 --> 00:47:41.600
<v Andrea Niehaus>Beispielsweise haben wir einen tollen CSI-Workshop.

00:47:41.601 --> 00:47:45.300
<v Andrea Niehaus>Also wer war der Dieb?

00:47:45.301 --> 00:47:48.300
<v Andrea Niehaus>Wo es wirklich letztendlich darum geht, man findet im Museum Dinge.

00:47:48.301 --> 00:48:02.000
<v Andrea Niehaus>Ein weißes Pulver oder eine Serviette mit roten Flecken und dann muss man sozusagen wie in der Gerichtsmedizin untersuchen, was es denn ist.

00:48:02.001 --> 00:48:05.000
<v Andrea Niehaus>Ob das weiße Pulver Zucker ist oder Salz?

00:48:05.001 --> 00:48:08.900
<v Andrea Niehaus>Ob der rote Fleck Rotkohl ist oder rote Bete.

00:48:08.901 --> 00:48:11.700
<v Andrea Niehaus>Und das eben mit ganz ganz einfachen Analysemitteln.

00:48:11.701 --> 00:48:15.300
<v Andrea Niehaus>Also sprich, Essigessenz oder anderen Dingen.

00:48:15.301 --> 00:48:21.200
<v Andrea Niehaus>Ja mit Hilfe von Experimenten den Dieb finden.

00:48:21.201 --> 00:48:27.600
<v Andrea Niehaus>Und der Hit jetzt gerade zur Weihnachtszeit ist natürlich die Weihnachtsbäckerei.

00:48:27.601 --> 00:48:34.600
<v Andrea Niehaus>Das sind Lebkuchen aus der Mikrowelle.

00:48:34.601 --> 00:48:38.700
<v Andrea Niehaus>Wo die Kinder eben wirklich etwas lernen über Backtriebmittel.

00:48:38.701 --> 00:48:42.800
<v Tim Pritlove>Ich dachte schon, man muss rausfinden, wo der Weihnachtsmann wohnt.

00:48:42.801 --> 00:48:48.600
<v Andrea Niehaus>Nein, aber man muss auch die richtige Temperatur finden, denn manchmal riecht es auch ein bisschen verbrannt und bisschen verkokelt.

00:48:48.601 --> 00:48:52.300
<v Andrea Niehaus>Das ist dann, wenn der Lebkuchen zu lange in der Mikrowelle ist.

00:48:52.301 --> 00:48:58.600
<v Andrea Niehaus>Also wirklich die Kinder oder Besucher dort abholen, wo sie stehen.

00:48:58.601 --> 00:49:04.500
<v Andrea Niehaus>Und das ist eben unsere Philosophie und kommt wirklich super an und die Hauptschulen lieben das.

00:49:04.501 --> 00:49:10.900
<v Andrea Niehaus>Ich meine hier in Nordrhein-Westfalen haben wir inzwischen ja den Trend, dass die Hauptschulen abgeschafft werden, aber die Schüler gibt es ja trotzdem.

00:49:10.901 --> 00:49:12.800
<v Andrea Niehaus>Die bleiben in den Gesamtschulen.

00:49:12.801 --> 00:49:19.100
<v Andrea Niehaus>Und mit denen arbeiten wir jetzt eben auch eng zusammen und haben auf dem Ganzen noch etwas aufgesattelt.

00:49:19.101 --> 00:49:30.500
<v Andrea Niehaus>90 Minuten ist ja alles sehr schön und kann eben auch was bewirken, aber wir haben ein Projekt in der Experimentierküche aufgesattelt, das nennt sich Laborführerschein.

00:49:30.501 --> 00:49:35.500
<v Andrea Niehaus>Das umfasst 40 Stunden, das ist schon richtig aufwendig für die Schüler.

00:49:35.501 --> 00:49:39.300
<v Andrea Niehaus>Das machen die in der 8. Klasse, das machen sie freiwillig.

00:49:39.301 --> 00:49:40.500
<v Tim Pritlove>Was lernt man da?

00:49:40.501 --> 00:49:46.700
<v Andrea Niehaus>Man lernt viel über Kunststoffe und man lernt aber auch viel über sich selber.

00:49:46.701 --> 00:49:48.600
<v Andrea Niehaus>Man lernt auch viel über seine Stärken.

00:49:48.601 --> 00:49:54.500
<v Andrea Niehaus>Das Ganze ist gekoppelt mit einem Persönlichkeitsbildungsprozess.

00:49:54.501 --> 00:49:56.600
<v Andrea Niehaus>Experimentieren ist ein sozialer Prozess.

00:49:56.601 --> 00:50:00.500
<v Andrea Niehaus>Das heißt man steht in der Gruppe zusammen, man muss in Kleinstgruppen miteinander arbeiten.

00:50:00.501 --> 00:50:03.100
<v Andrea Niehaus>Man muss miteinander kommunizieren.

00:50:03.101 --> 00:50:07.700
<v Andrea Niehaus>Und das sind eben auch Dinge, die wir den Kindern oder den Jugendlichen eben auch beibringen.

00:50:07.701 --> 00:50:17.400
<v Andrea Niehaus>Dass es wichtig ist, dass man sich vorstellen kann, dass man eben sozusagen auch mal erfährt, was man gut kann.

00:50:17.401 --> 00:50:25.100
<v Andrea Niehaus>Und wenn man etwas nicht so gut kann, dass man sozusagen es verbessern kann, wenn man übt.

00:50:25.101 --> 00:50:29.700
<v Andrea Niehaus>Und das ist wirklich eines meiner Lieblingsprojekte, der Laborführerschein.

00:50:29.701 --> 00:50:38.400
<v Andrea Niehaus>Nach diesen 40 Stunden, wo die Kinder übrigens auch Unternehmen kennenlernen, mit den Auszubildenden sprechen.

00:50:38.401 --> 00:50:47.200
<v Andrea Niehaus>Die Maschinen - wir machen hier einfache Kunststoffversuche, dass man mit einem Fön den Joghurtbecher Plattmacht und dann wieder rauszieht.

00:50:47.201 --> 00:50:50.600
<v Andrea Niehaus>Tief- und Hochziehen, diese ganzen Prozesse.

00:50:50.601 --> 00:50:54.600
<v Andrea Niehaus>Das lernen dann die Kinder halt wirklich in einem großen Unternehmen kennen.

00:50:54.601 --> 00:50:55.800
<v Andrea Niehaus>Oder sie lernen den Ausgangsstoff kennen.

00:50:55.801 --> 00:51:02.600
<v Andrea Niehaus>Wir haben ja ein großes Unternehmen, LyondellBasell, das ist einer der größten Polystyrol, Polypropylenhersteller hier.

00:51:02.601 --> 00:51:09.400
<v Andrea Niehaus>Und da lernen sie eben den Ausgangsstoff eben auch kennen, in welchen riesigen Maschinen so etwas hergestellt wird.

00:51:09.401 --> 00:51:12.100
<v Andrea Niehaus>Das ist für die natürlich auch ungemein beeindruckend.

00:51:12.101 --> 00:51:18.900
<v Andrea Niehaus>Vor allen Dingen, wenn sie dann mit den Auszubildenden ins Gespräch kommen, die ja auch mal in ihrer Situation waren und denen auch Tipps geben können.

00:51:18.901 --> 00:51:26.400
<v Andrea Niehaus>Du weißt nciht, was du werden willst oder wie du es anstellst, dann kannst du das und das machen und mir hat damals geholfen, dass ich so und so gemacht habe.

00:51:26.401 --> 00:51:32.300
<v Andrea Niehaus>Das ist wirklich ein super Netzwerk und eine tolle Austauschbörse.

00:51:32.301 --> 00:51:40.800
<v Andrea Niehaus>Und nach diesen 40 Stunden bekommen sie eben hinterher ein IHK-Zertifikat, was sie wirklich in ihre Bewerbungsunterlagen tun können.

00:51:40.801 --> 00:51:43.700
<v Andrea Niehaus>Sie haben einen kleinen Zeh in den Unternehmen.

00:51:43.701 --> 00:51:49.200
<v Andrea Niehaus>Wir haben etwa 12 Außenorte, die als Partner da immer wieder mitmachen.

00:51:49.201 --> 00:52:00.000
<v Andrea Niehaus>Darunter auch die Universität Bonn, aber auch die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, wo die Schüler mal ein echtes Labor kennenlernen und die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.

00:52:00.001 --> 00:52:17.000
<v Andrea Niehaus>Also insofern ist wirklich das ein ganz ganz tolles Projekt, um die Schüler wirklich auch sozusagen diese schwere Entscheidung, was will ich später mal werden, gerade in der 8. Klasse, um ihnen da wirklich auch ein paar Hilfestellungen eben auch zu geben.

00:52:17.001 --> 00:52:19.300
<v Andrea Niehaus>Und ihre Persönlichkeit mit zu entwickeln.

00:52:19.301 --> 00:52:26.100
<v Andrea Niehaus>Das ist wirklich toll, dass wir immer wieder erleben, diese Zertifikatsübergaben werden auch von den Schülern moderiert.

00:52:26.101 --> 00:52:43.800
<v Andrea Niehaus>Dass Schüler, die vormals kein Wort aus dem Mund bekommen haben oder auch Schüler mit besonderem Förderbedarf, wo wir hinterher wirklich dachten, das gibt es ja gar nciht, sich wirklich vor 100 Leute gestellt haben und dann sozusagen durch den Nachmittag geführt haben.

00:52:43.801 --> 00:52:51.600
<v Andrea Niehaus>Da merkt man halt wirklich, was man bewegen kann und das vergisst keiner nie im Leben.

00:52:51.601 --> 00:52:57.900
<v Tim Pritlove>So mit Chemie und Physik das ist ja ich sage mal auch schon so ein bisschen verbreitet.

00:52:57.901 --> 00:53:06.100
<v Tim Pritlove>Was so ein bisschen neuer Trend ist, ist ja auch, dass Programmieren mehr in der Schule angegangen wird.

00:53:06.101 --> 00:53:09.900
<v Tim Pritlove>Was bis vor kurzem irgendwie noch so ein bisschen glaube ich vielen noch ein bisschen merkwürdig vorkam.

00:53:09.901 --> 00:53:19.300
<v Tim Pritlove>Oder wo einfach auch die Problematik war, dass entweder die Anschaffung von Systemen so teuer ist oder dass schlicht einfach die Lehrer noch nicht selber auf diesem Stand waren.

00:53:19.301 --> 00:53:29.800
<v Tim Pritlove>In Großbritannien hat es schon längere Tradition bei der BBC, mit den frühen Computerprojekten und jetzt geht es ja hin in diese Kleinelektronik.

00:53:29.801 --> 00:53:33.500
<v Tim Pritlove>Es gibt ja in Deutschland auch so ein Projekt, dieses Calliope-Projekt.

00:53:33.501 --> 00:53:36.800
<v Tim Pritlove>Spielt das hier auch schon eine Rolle?

00:53:36.801 --> 00:53:38.900
<v Andrea Niehaus>Ja das spielt eine Rolle.

00:53:38.901 --> 00:53:49.800
<v Andrea Niehaus>Wir sind uns allerdings noch nicht so ganz sicher, und das sind ja viele nicht, wie wir es wirklich gut auf die Reihe bringen.

00:53:49.801 --> 00:53:57.100
<v Andrea Niehaus>Ich glaube, bevor man programmiert oder bevor man programmieren lernt, braucht man erst mal die Basics.

00:53:57.101 --> 00:54:07.400
<v Andrea Niehaus>Und insofern geht unsere Überlegung eben auch dahin, dass Programmieren wirklich auch vorzuschalten mit einem kleinen Crashkurs Elektrotechnik.

00:54:07.401 --> 00:54:16.200
<v Andrea Niehaus>Denn ich muss erst mal auch wissen, was ein Widerstand ist oder andere Dinge, bevor ich wirklich dann ins Programmieren gehe.

00:54:16.201 --> 00:54:22.500
<v Andrea Niehaus>Erstaunlicherweise teilen diese Einstellungen auch wirklich Leute, die in der Computerbranche sind.

00:54:22.501 --> 00:54:32.500
<v Andrea Niehaus>Aber im Moment treiben uns leider, werden wir gerade noch ein bisschen abgelenkt von einer sehr existentiellen Sorge.

00:54:32.501 --> 00:54:36.400
<v Andrea Niehaus>Aber wir würden da gerne etwas machen, auf jeden Fall.

00:54:36.401 --> 00:54:40.100
<v Andrea Niehaus>Wir sind nur noch nicht ganz so weit, wir beobachten eher, was so alles passiert.

00:54:40.101 --> 00:54:45.700
<v Andrea Niehaus>Aber das Calliope haben wir natürlich auch auf dem Schirm, es gibt ja inzwischen auch andere Systeme.

00:54:45.701 --> 00:54:55.800
<v Andrea Niehaus>Und wir haben ja schon etwas, diese Roberta-Sache ist natürlich schon auch ein erster Schritt in die Richtung.

00:54:55.801 --> 00:54:58.000
<v Andrea Niehaus>Wir interessieren uns sehr für den 3D-Druck.

00:54:58.001 --> 00:55:04.200
<v Andrea Niehaus>Ich habe hier bspw. spiele hier gerade mit Legosteinen aus dem 3D-Drucker.

00:55:04.201 --> 00:55:09.500
<v Andrea Niehaus>Braucht 20 Minuten ein Steinchen.

00:55:09.501 --> 00:55:17.600
<v Andrea Niehaus>Ist aber insofern natürlich auch für die Kinder und Jugendlichen ein Ergebnis, das man halt anfassen kann.

00:55:17.601 --> 00:55:21.400
<v Andrea Niehaus>Das darf man eben auch nicht unterschätzen.

00:55:21.401 --> 00:55:29.200
<v Andrea Niehaus>Und insofern nochmals, wir beobachten gerade so ein bisschen, was man machen kann, aber wir haben natürlich auch so unsere Ansprüche.

00:55:29.201 --> 00:55:39.300
<v Andrea Niehaus>Und da haben wir noch nichts spruchreif, aber wir sind auf jeden Fall sehr aktiv in dem Bereich.

00:55:39.301 --> 00:55:45.400
<v Tim Pritlove>Ja Lego scheint ja gerade ein Inhalt der Sonderausstellung zu sein, die gerade läuft.

00:55:45.401 --> 00:55:51.200
<v Tim Pritlove>Das ist natürlich eine tolle Brücke eigentlich, weil mit Lego kann jeder was anfangen.

00:55:51.201 --> 00:55:58.200
<v Tim Pritlove>Vielleicht noch kurz, was das Programmieren betrifft, ich würde ja so sagen, Programmieren und Elektrotechnik sind eigentlich nochmal so zwei verschiedene Sachen.

00:55:58.201 --> 00:56:08.600
<v Tim Pritlove>Das mag dann relevant sein, wenn es konkret um diese kleinen Elektronikplatinen geht, wo man Dinge anschließen muss und dann wirklich mit Steuerungen arbeitet.

00:56:08.601 --> 00:56:19.300
<v Tim Pritlove>Aber das Programmieren an sich konzeptionell denke ich lässt sich natürlich von Elektrotechnik wunderbar trennen, weil es ja hier eine reine Kopfsache ist.

00:56:19.301 --> 00:56:28.600
<v Andrea Niehaus>Genau, nur ich glaube wir reden ja wirklich über digitale Bildung, das ist ja eigentlich sozusagen die Überschrift, wo das Programmieren drunter fällt.

00:56:28.601 --> 00:56:33.500
<v Andrea Niehaus>Und ich finde es immer so schade, wenn man dann einfach so punktuell Dinge draufsattelt.

00:56:33.501 --> 00:56:40.800
<v Andrea Niehaus>Genauso wie die Forderung, dass die Schüler Wirtschaft als Fach in der Schule haben wollen.

00:56:40.801 --> 00:56:43.200
<v Andrea Niehaus>Viele Dinge hängen doch einfach miteinander zusammen.

00:56:43.201 --> 00:56:51.100
<v Andrea Niehaus>Und ich glaube, es ist wichtiger, statt immer das punktuell zu machen, das halt wirklich in diesen größeren Zusammenhängen zu sehen.

00:56:51.101 --> 00:56:54.700
<v Andrea Niehaus>Was das Lernen ja auch sehr viel effektiver macht.

00:56:54.701 --> 00:57:01.200
<v Andrea Niehaus>Ich meine, klar ist das vielleicht schön, wenn die Schüler dann letztendlich dieses Programmieren beherrschen.

00:57:01.201 --> 00:57:08.200
<v Andrea Niehaus>Aber ich fände es doch schade, wenn die Zusammenhänge fehlen würden und da bin ich eigentlich eher unterwegs.

00:57:08.201 --> 00:57:16.200
<v Andrea Niehaus>Das ist wie bei dem Schülerlabor zur Alltagschemie, wo es dann gar nicht so sehr um sozusagen die chemische Formel geht.

00:57:16.201 --> 00:57:21.600
<v Andrea Niehaus>Bei der Oberstufe schon, aber nicht in der 2. oder 3. Klasse.

00:57:21.601 --> 00:57:26.100
<v Andrea Niehaus>Das würde die Kinder eben auch überfordern, sie sollen ja Spaß an der Sache haben.

00:57:26.101 --> 00:57:32.300
<v Andrea Niehaus>Und wen nich jetzt hier mal sehe, ich habe das vorhin so aus unserer Kommentarwand gegriffen.

00:57:32.301 --> 00:57:37.200
<v Andrea Niehaus>„Es war voll cool“ oder vor allen Dingen, „es hat sehr viel Spaß gemacht“.

00:57:37.201 --> 00:57:40.200
<v Andrea Niehaus>Dann ist das doch die „Einstiegsdroge“.

00:57:40.201 --> 00:57:46.600
<v Andrea Niehaus>Also erst mal muss es Spaß machen und letztendlich ist es dann ein Stufenprozess.

00:57:46.601 --> 00:57:57.200
<v Andrea Niehaus>Und ich glaube, das gilt auch für uns als Museum, dass wir dieses sogenannte Konzept des lebenslangen Lernens eben auch hier vertreten.

00:57:57.201 --> 00:58:00.200
<v Andrea Niehaus>Lernen und Bildung ist wie eine Spirale.

00:58:00.201 --> 00:58:10.400
<v Andrea Niehaus>Man braucht an jeder sozusagen in jeder Etage braucht man sozusagen einen Impuls, den man setzen muss und das hört nie auf.

00:58:10.401 --> 00:58:11.500
<v Tim Pritlove>Ja.

00:58:11.501 --> 00:58:18.300
<v Andrea Niehaus>Und da nochmal dieses Punktuelle mag ja sehr schön sein, aber wir sehen das halt einfach wirklich in größeren Zusammenhängen.

00:58:18.301 --> 00:58:30.400
<v Tim Pritlove>Ich erinnere mich gerade, dass wir hier bei Forschergeist ziemlich am Anfang auch das Thema Talentförderung schon mal diskutiert haben.

00:58:30.401 --> 00:58:38.000
<v Tim Pritlove>In einem etwas anderen Kontext, da ging es darum, Schüler quasi für die Universitäten zu entdecken.

00:58:38.001 --> 00:58:42.200
<v Tim Pritlove>Schönes Gespräch hier mit Suat Yilmaz.

00:58:42.201 --> 00:58:52.800
<v Tim Pritlove>Mir fällt das jetzt gerade ein, weil ich mir denke, wenn man jetzt quasi das Museum auch als pädagogischen Ort versteht und hier dann eben Schüler auch entdeckt in gewisser Hinsicht.

00:58:52.801 --> 00:58:57.000
<v Tim Pritlove>Oder zumindest die Lehrer dann vielleicht auch beobachten, dass eben Schüler ihrer Klasse …

00:58:57.001 --> 00:59:08.300
<v Tim Pritlove>Gibt es dann hier auch eine Anbindung an, ich sage mal, Forschungszentren oder andere Bildungseinrichtungen, wo man dann eben auch Empfehlungen aussprechen kann?

00:59:08.301 --> 00:59:13.600
<v Tim Pritlove>Sagen kann, hier wenn wir das gefallen hat, dann geh doch mal da hin, dass man da so einen direkten Weg aufbaut?

00:59:13.601 --> 00:59:19.800
<v Andrea Niehaus>Genau. Also das ist denke ich die Idee, die hinter dem Laborführerschein eben auch steht.

00:59:19.801 --> 00:59:26.100
<v Andrea Niehaus>Dass wir begabte Menschen oder interessierte Schüler eben auch weitervermitteln können.

00:59:26.101 --> 00:59:29.600
<v Andrea Niehaus>Und wir haben eben auch schon so unsere kleinen Erfolgsstories.

00:59:29.601 --> 00:59:32.700
<v Andrea Niehaus>Wir haben noch keinen Nobelpreisträger, okay daran arbeiten wir noch.

00:59:32.701 --> 00:59:38.400
<v Andrea Niehaus>Auf die kann ja unser Mutterhaus, weil es das einfach schon so lange gibt, zurückblicken.

00:59:38.401 --> 00:59:41.300
<v Tim Pritlove>Ich meine nach 20 Jahren, da sind die noch nicht alt genug.

00:59:41.301 --> 00:59:44.800
<v Andrea Niehaus>Und ich muss sagen, es muss ja auch nicht immer gleich ein Nobelpreisträger dabei rauskommen.

00:59:44.801 --> 00:59:52.600
<v Andrea Niehaus>Aber der Cebit-Innovationspreisträger in 2016 war der Sebastian Stenzel.

00:59:52.601 --> 00:59:57.300
<v Andrea Niehaus>Der ist Studierender damals gewesen an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg, Informatik.

00:59:57.301 --> 01:00:09.200
<v Andrea Niehaus>Und der hat ein Programm entwickelt, den Cryptomator, das ist ein Cryptographieprogramm sozusagen, das jetzt von 1+1 glaube ich verwendet wird.

01:00:09.201 --> 01:00:23.900
<v Andrea Niehaus>Und der hat so nett gesagt, als er damals den Preis in Hannover entgegennahm, dass die Besuche im Deutschen Museum Bonn ihm die Zusammenhänge von Naturwissenschaften und Technik haben verstehen lassen.

01:00:23.901 --> 01:00:25.900
<v Andrea Niehaus>Das meinte ich nochmal mit diesen Zusammenhängen.

01:00:25.901 --> 01:00:32.900
<v Andrea Niehaus>Dass es eben nicht nur einfach so rausgegriffen wird, sondern dass man eben das in dieser Komplexität eben auch begreifen kann.

01:00:32.901 --> 01:00:34.900
<v Andrea Niehaus>Das ist doch schon super oder?

01:00:34.901 --> 01:00:36.500
<v Tim Pritlove>Das macht einen bestimmt froh.

01:00:36.501 --> 01:00:44.300
<v Andrea Niehaus>Und diesen Herrn Stenzel oder dieses kleine Startup, das sich hier in Bonn gegründet hat, mit denen stehe ich in Kontakt.

01:00:44.301 --> 01:00:53.600
<v Andrea Niehaus>Und hoffe ja auch (bald ein Exponat einzuwerben).

01:00:53.601 --> 01:00:59.700
<v Andrea Niehaus>Oder beispielsweise wir sind eben auch Austragungsort für Forschung und auch das wird unser nächstes Exponat werden.

01:00:59.701 --> 01:01:02.500
<v Andrea Niehaus>Das habe ich jetzt quasi schon in der Tasche.

01:01:02.501 --> 01:01:12.400
<v Andrea Niehaus>Das ist der erste Roboter, der autonom Führungen gemacht hat und dessen Algorithmen heute noch die Grundlage des autonomen Fahrens sind.

01:01:12.401 --> 01:01:21.100
<v Andrea Niehaus>Weil nämlich hier eine Studentenkombo von der Uni Bonn mit ihrem Professor angeklopft haben und gefragt haben, ob sie den Roboter hier laufen lassen können.

01:01:21.101 --> 01:01:28.300
<v Andrea Niehaus>Da haben wir natürlich gesagt, ja klasse, super, toll, attraktiv.

01:01:28.301 --> 01:01:40.100
<v Andrea Niehaus>Und einer von diesen Doktoranden damals ist heute Leibniz-Preisträger, Wolfram Burgert, an der Uni in Freiburg und der andere ist später nach Stanford gegangen und wurde Vizepräsident von Google.

01:01:40.101 --> 01:01:53.100
<v Andrea Niehaus>Also wenn das mal nicht auch eine schöne Erfolgsgeschichte ist, wo wir eben tatsächlich ein Mosaikstein sind in der Biografie in Naturwissenschaft und Technik erfolgreicher Menschen.

01:01:53.101 --> 01:02:03.200
<v Andrea Niehaus>Aber es geht uns eben nicht nur darum, Exzellenz hier sozusagen mit zu befördern, sondern als Museum, als öffentlicher Ort, geht es uns ja immer auch um die Scientific Literacy.

01:02:03.201 --> 01:02:06.300
<v Andrea Niehaus>Es gibt eigentlich keinen entsprechenden deutschen Begriff.

01:02:06.301 --> 01:02:10.000
<v Tim Pritlove>Wissenschaft als Breitensport.

01:02:10.001 --> 01:02:13.400
<v Andrea Niehaus>Ja ist nicht schlecht, höre ich zum ersten Mal, aber nicht schlecht.

01:02:13.401 --> 01:02:16.100
<v Tim Pritlove>Habe ich mir gerade so ausgedacht.

01:02:16.101 --> 01:02:21.100
<v Andrea Niehaus>Aber es ist ganz schön, weil wir verstehen uns ja hier auch nicht als Hochkultur.

01:02:21.101 --> 01:02:31.100
<v Andrea Niehaus>Sondern wir gehen halt wirklich in die Breite und uns ist es wirklich wichtig, dieses Schlagwort „Bildung für alle“ aus den 60er Jahren, das ist uns eben nach wie vor eben auch sehr wichtig.

01:02:31.101 --> 01:02:40.900
<v Andrea Niehaus>Dass wir eben alle Altersgruppen und möglichst auch alle sozialen Gruppen eben auch hier mit unseren Dingen begeistern.

01:02:40.901 --> 01:02:51.500
<v Andrea Niehaus>Und ich freue mich immer ganz besonders, wenn unsere Laborschüler, die ja aus wirklich aus allen, die kommen von Förderschulen, wir haben einen Migrationsanteil von ca. 80%.

01:02:51.501 --> 01:03:02.900
<v Andrea Niehaus>Wenn die wirklich auch mit ihren Eltern und Geschwistern am Wochenende wiederkommen, weil sie das Museum eben als einen Ort begreifen, vor allen Dingen das Deutsche Museum, an dem sie willkommen geheißen werden.

01:03:02.901 --> 01:03:12.700
<v Andrea Niehaus>Das hätten wir nie gedacht, dass uns dieser Begriff auch mal sozusagen positiv im Sinne von Integration ausgelegt wird.

01:03:12.701 --> 01:03:25.700
<v Andrea Niehaus>Dass wir diesen Respekt, den wir diesen Menschen entgegenbringen, eben auch dazu führt, dass sie sagen, Mensch wir fühlten uns da so wohl, wir sind mit so viel Respekt behandelt worden, dass wir da am Wochenende eben wieder hingehen.

01:03:25.701 --> 01:03:37.800
<v Andrea Niehaus>Das finde ich eben auch super und freut mich immer sehr, dass aus diesem kleinen Pflänzchen, dass wir dann immer säen, dass sich da unglaublich viel entwickelt.

01:03:37.801 --> 01:03:41.500
<v Andrea Niehaus>Und manchmal wissen wir ja alles gar nicht, was sich entwickelt.

01:03:41.501 --> 01:03:46.100
<v Andrea Niehaus>Aber nochmal vielleicht zur Talentsuche.

01:03:46.101 --> 01:04:05.300
<v Andrea Niehaus>Eine erste Laborfühschülerin aus einer Hauptschule, deren Eltern wirklich Analphabeten sind, aus Marokko sind die eingewandert, hat sofort gesagt, nach dem Laborführerschein, sie möchte ein Praktikum bei dem großen Unternehmen LyondellBasell machen.

01:04:05.301 --> 01:04:12.100
<v Andrea Niehaus>Davon ist sie dann aber wieder abgekommen, als sie nach ein paar Tagen gemerkt hat, das ist nichts für sie.

01:04:12.101 --> 01:04:15.400
<v Andrea Niehaus>Sie möchte lieber sozusagen mit Menschen zu tun haben, sie möchte helfen.

01:04:15.401 --> 01:04:24.200
<v Andrea Niehaus>Sie hat dann eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht in einem Hospital, in einem Krankenhaus, das dann auf unser Projekt aufmerksam wurde.

01:04:24.201 --> 01:04:30.200
<v Andrea Niehaus>Und letztendlich dann eben auch einige Schüler immer sozusagen aufgenommen hat.

01:04:30.201 --> 01:04:46.000
<v Andrea Niehaus>Aber dieses Mädchen, die Sadia, hat dann später ihre Ausbildung beendet, hat ihr Abitur nachgemacht und studiert heute Gesundheitswissenschaften an der Universität Paderborn.

01:04:46.001 --> 01:05:02.900
<v Andrea Niehaus>Also ich finde das ist eine super Erfolgsgeschichte, das sagt sie auch ganz öffentlich, dass ihr das hier sehr viel gebracht hat, dass sie auch wirklich gelernt hat zu schauen, wer ist sie eigentlich, wo liegen ihre Stärken.

01:05:02.901 --> 01:05:13.200
<v Andrea Niehaus>Und ja das freut mich und wir hoffen, dass wir wie gesagt noch viele anderer solcher Geschichten eben auch hier produzieren können.

01:05:13.201 --> 01:05:13.700
<v Tim Pritlove>Wer hat denn noch nicht angerufen?

01:05:13.701 --> 01:05:19.600
<v Tim Pritlove>Also wer sollte denn, wer könnte denn noch auf das Museum aufmerksam werden?

01:05:19.601 --> 01:05:23.400
<v Tim Pritlove>Mit wem würden Sie denn ganz gerne noch eine Kooperation machen?

01:05:23.401 --> 01:05:30.500
<v Tim Pritlove>Also ich meine jetzt keine konkreten einzelnen, weil die sind bestimmt alle schon angerufen worden.

01:05:30.501 --> 01:05:40.000
<v Tim Pritlove>Aber wer könnte denn sozusagen das Konzept Museum noch für sich entdecken?

01:05:40.001 --> 01:05:52.000
<v Andrea Niehaus>Naja also … mein geheimster Traum ist ja letztendlich, dass wir hier an diesem Standort weitermachen können.

01:05:52.001 --> 01:06:01.500
<v Andrea Niehaus>Und das ist ja ein Traum, der sozusagen ja nicht so besonders greifbar ist, leider Gottes, muss man sagen, segeln wir ja in schwierigen Zeiten.

01:06:01.501 --> 01:06:08.800
<v Andrea Niehaus>Und wenn Sie mich nach Kooperationspartnern fragen, dann muss ich ganz ehrlich sagen, es müssen Kooperationspartner mit ganz viel Geld sein.

01:06:08.801 --> 01:06:11.900
<v Andrea Niehaus>So schnöde bin ich inzwischen.

01:06:11.901 --> 01:06:33.800
<v Andrea Niehaus>Denn wenn Sie sich an den Anfang unseres Gespräch erinnern, diese Trias mit dem Land NRW, der Stadt Bonn und dem Stifterverband, da ist ja sozusagen das Land NRW, nachdem wir eröffnet sind natürlich sozusagen die haben einmalig die Investitionskosten gezahlt und damit war deren Part erledigt.

01:06:33.801 --> 01:06:47.600
<v Andrea Niehaus>Die Stadt Bonn hatte uns dann an der Backe und hat bis 2017 eben auch noch 830.000 Euro an uns gezahlt, damit wir hier unsere Arbeit machen können.

01:06:47.601 --> 01:06:53.400
<v Andrea Niehaus>Das sind etwa 70% unseres Budgets, diese fallen aber in 18 weg.

01:06:53.401 --> 01:06:58.800
<v Andrea Niehaus>Und zwar nicht komplett glücklicherweise, sondern zu 50%.

01:06:58.801 --> 01:07:13.900
<v Andrea Niehaus>Und wir haben jetzt in den letzten zwei Jahren wirkclih zugesehen, dass es in irgendeiner Weise für uns weitergeht. Und haben eine Lösung zumindest einigermaßen für 2020.

01:07:13.901 --> 01:07:19.700
<v Andrea Niehaus>Aber für mich bedeutet das schon einen großen Einschnitt insofern, dass ich Personal entlassen muss, auch im Bildungsbereich.

01:07:19.701 --> 01:07:30.200
<v Andrea Niehaus>Dass ich meine Öffnungszeiten einschränke, dass ich meine Preise erhöhe und dass ich jeden Cent, den ich vorher schon dreimal umgedreht, jetzt mindestens 100 mal umdrehen muss.

01:07:30.201 --> 01:07:39.400
<v Andrea Niehaus>Und das sind natürlich erschwerte Arbeitsbedingungen, wo ich sage, ich würde mich gerne wieder wirklich auf die Entwicklung toller Programme zur Digitalisierung konzentrieren.

01:07:39.401 --> 01:07:46.100
<v Andrea Niehaus>Aber im Moment konzentriere ich mich wirklich, wie ich das nächste Jahr hier überstehe.

01:07:46.101 --> 01:07:51.500
<v Andrea Niehaus>Und insofern bin ich im Moment leider sehr aufs Geld fixiert.

01:07:51.501 --> 01:07:55.100
<v Andrea Niehaus>Aber ich glaube, es ist für einen guten Zweck.

01:07:55.101 --> 01:08:04.900
<v Andrea Niehaus>Denn all diese jungen Menschen, von denen ich vorhin berichtet habe, sind im Prinzip genau die Menschen, die doch so händeringend gesucht werden.

01:08:04.901 --> 01:08:07.300
<v Andrea Niehaus>Wir reden hier von einem Fachkräftemangel.

01:08:07.301 --> 01:08:12.200
<v Andrea Niehaus>Wir wissen, dass viele technische Berufe, viele Stellen gar nicht mehr besetzt werden können.

01:08:12.201 --> 01:08:22.400
<v Andrea Niehaus>Und in fünf Jahren wird das absolute Chaos ausbrechen, weil viele eben in den Ruhestand gehen und diese Stellen durch ja welche Leute eigentlich ersetzt werden können?

01:08:22.401 --> 01:08:35.500
<v Andrea Niehaus>Also müsste doch die Wirtschaft oder auch das Land Nordrhein-Westfalen doch ein großes Interesse haben, uns hier weiter zu halten, damit wir hier unsere Arbeit machen können.

01:08:35.501 --> 01:08:39.200
<v Andrea Niehaus>Und daran arbeiten wir.

01:08:39.201 --> 01:08:44.600
<v Andrea Niehaus>Wenn da jemand anrufen würde, ich stehe zur Verfügung.

01:08:44.601 --> 01:08:48.100
<v Tim Pritlove>Ja gut, aber es geht ja jetzt nicht nur um, gib uns Geld und lass uns in Ruhe.

01:08:48.101 --> 01:08:48.300
<v Andrea Niehaus>Nein.

01:08:48.301 --> 01:08:52.500
<v Tim Pritlove>Sondern es geht ja sozusagen darum, dass man jetzt hier auch eine echte Kooperation aufbauen kann.

01:08:52.501 --> 01:08:54.000
<v Andrea Niehaus>Genau das.

01:08:54.001 --> 01:08:55.600
<v Tim Pritlove>Darauf wollte ich eigentlich so ein bisschen hinaus.

01:08:55.601 --> 01:09:07.000
<v Tim Pritlove>Also was für Kooperationsmodelle wären denn aus Ihrer Perspektive noch denkbar, die vielleicht bisher noch gar nicht in dem Maße ausgespielt wurden?

01:09:07.001 --> 01:09:11.500
<v Andrea Niehaus>Ich denke, es kommt auch wirklich auf denjenigen an, der anruft.

01:09:11.501 --> 01:09:20.100
<v Andrea Niehaus>Aber wir haben in der Vergangenheit wie gesagt nur 70% unseres Geldes von der öffentlichen Hand, den Reset haben wir uns immer selber besorgt durch Projekte.

01:09:20.101 --> 01:09:28.700
<v Andrea Niehaus>Und haben eben mit vielen Partnern, das waren Stiftungen und das sind auch immer noch Stiftungen hier wirklich gemeinsam Projekte entwickelt.

01:09:28.701 --> 01:09:32.300
<v Andrea Niehaus>Die deutsche Telekomstiftung ist da wirklich ganz vorbildlich gewesen.

01:09:32.301 --> 01:09:45.200
<v Andrea Niehaus>Denn die Geldgeber wollen ja nicht einfach nur das Geld an uns geben und sagen, jetzt macht mal, sondern haben ja auch ein großes Interesse sozusagen das inhaltlich eben auch mitzuprägen.

01:09:45.201 --> 01:09:51.400
<v Andrea Niehaus>Sie müssen es ja auch sozusagen wieder anderen verkaufen, dass sie bei uns eine Menge Geld lassen.

01:09:51.401 --> 01:09:54.800
<v Andrea Niehaus>Also insofern ist das für uns ja auch eine große Hilfe.

01:09:54.801 --> 01:10:02.700
<v Andrea Niehaus>Also wir sind niemals sozusagen Einzelkämpfer, sondern agieren halt immer in Teams.

01:10:02.701 --> 01:10:05.200
<v Andrea Niehaus>Ich denke, man muss das wirklich davon abhängig machen.

01:10:05.201 --> 01:10:10.100
<v Andrea Niehaus>Ich meine, wir haben Projekte mit der EU gemacht, wir haben andere Dinge gemacht.

01:10:10.101 --> 01:10:14.100
<v Andrea Niehaus>Ich glaube wir haben schon fast alle Kooperationsformen durchgespielt.

01:10:14.101 --> 01:10:16.700
<v Andrea Niehaus>Aber sind immer offen für anderes.

01:10:16.701 --> 01:10:23.700
<v Andrea Niehaus>Aber ich betone nochmals, erst mal muss unsere Existenz hier gesichert sein, und dann können wir wieder über Projekte reden.

01:10:23.701 --> 01:10:38.100
<v Tim Pritlove>Gut, dann frage ich mich, gibt es noch ein paar letzte salbungsvolle Worte, die man hier nochmal loslassen sollte, die wir jetzt noch nicht angesprochen haben?

01:10:38.101 --> 01:10:46.800
<v Andrea Niehaus>Auf jeden Fall, große Unterstützung bekamen wir und bekommen wir sicherlich auch von einem sehr aktiven Förderverein.

01:10:46.801 --> 01:10:51.300
<v Andrea Niehaus>Und der hat sich eben auch aus Unternehmen hier aus der Region gegründet.

01:10:51.301 --> 01:11:07.500
<v Andrea Niehaus>Ohne diesen Förderverein, dessen Schirmherr im Übrigen Ranga Yogeshwar ist und dessen Vorsitzender Antonio Casellas, ist früher Vizepräsident bei GKN Sinter Metals, das ist hier ein großes Unternehmen im Süden von Bonn.

01:11:07.501 --> 01:11:22.000
<v Andrea Niehaus>Diese beiden und es kommen noch viele viele andere mit dazu, unter anderem Ulrike Lenk, die Geschäftsführerin des Wissenschaftszentrums, die haben hier wirklich in de letzten beiden Jahren einen riesigen Job gemacht.

01:11:22.001 --> 01:11:29.800
<v Andrea Niehaus>Denn ohne die wären wir glaube ich hier sang- und klanglos einfach wegrationalisiert worden, bzw. weggespart worden.

01:11:29.801 --> 01:11:43.800
<v Andrea Niehaus>Und dieser Förderverein hat es geschafft, dass sich die Stadt Bonn nicht komplett aus unserer Finanzierung zurückzieht, sondern immerhin, und da muss man schon sehr dankbar sein, 400.000 Euro pro Jahr in unser Budget hineingibt.

01:11:43.801 --> 01:11:49.800
<v Andrea Niehaus>Also insofern möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei dem Förderverein bedanken.

01:11:49.801 --> 01:12:02.000
<v Andrea Niehaus>Und das ist ja genau das Argument, was sie haben, die vielen Unternehmen, die Mitglied sind, wissen ja alle selber an eigenem Leibe, wie schwierig es ist, qualifizierte Fachkräfte zu bekommen.

01:12:02.001 --> 01:12:09.000
<v Andrea Niehaus>Und wenn wir denen erzählen was wir machen, mit dem Laborführerschein oder überhaupt mit unseren 50 verschiedenen Workshopthemen.

01:12:09.001 --> 01:12:17.900
<v Andrea Niehaus>Ob das nun Brennstoffzelltechnologie ist oder ob es um Papierflieger geht, um Aerodynamik und solche Dinge.

01:12:17.901 --> 01:12:20.800
<v Andrea Niehaus>Das fasziniert eben auch die Unternehmen.

01:12:20.801 --> 01:12:37.400
<v Andrea Niehaus>Und das Thema Lego ist natürlich voll anschlussfähig insofern, dass wir zwar hier einen Sammler ausstellen mit seinen tollen Produkten, dass wir uns aber auch mit dem Thema Spritzguss auseinandersetzen werden im nächsten Jahr.

01:12:37.401 --> 01:12:59.500
<v Andrea Niehaus>Denn die Legosteinchen kann man per 3D-Druck, dauert aber sehr lange, aber die vielen Milliarden von Legosteinen werden aus einem Kunststoff hergestellt, ABS, ich erspare Ihnen die lange Version und dieser Werkstoff wurde von Bayer entwickelt 1963.

01:12:59.501 --> 01:13:03.500
<v Andrea Niehaus>Von demselben Erfinder, der auch Makrolon entwickelt hat.

01:13:03.501 --> 01:13:06.000
<v Andrea Niehaus>Das ist der Kunststoff, aus dem die CD gemacht wurde.

01:13:06.001 --> 01:13:09.500
<v Andrea Niehaus>Und das ist zufälligerweise ein Exponat in unserer Sammlung.

01:13:09.501 --> 01:13:16.500
<v Andrea Niehaus>Also insofern haben wir wieder einen schönen Bezug, auch einen regionalen Bezug, denn Bayer ist ja gar nicht so weit von uns entfernt.

01:13:16.501 --> 01:13:24.200
<v Andrea Niehaus>Und regional insofern natürlich auch, weil hier die Region Köln-Bonn auch eine Kunststoffregion ist.

01:13:24.201 --> 01:13:37.400
<v Andrea Niehaus>Hier gibt es viele Hidden Movers, beispielsweise bei Rodenkirchen eine Firma Wilpitz, die Wäschebügel herstellt.

01:13:37.401 --> 01:13:43.100
<v Andrea Niehaus>Diese Wäschebügel werden durch die ganze Welt geschippert, wo sie dann mit Wäsche behängt werden und wieder zurückkommen.

01:13:43.101 --> 01:13:46.500
<v Andrea Niehaus>Und dann im C&A oder im Kaufhof landen.

01:13:46.501 --> 01:13:47.900
<v Andrea Niehaus>Alles aus Spritzguss.

01:13:47.901 --> 01:13:53.500
<v Andrea Niehaus>Und insofern wird das auch nochmal ein großes bestimmendes Thema im nächsten Jahr sein.

01:13:53.501 --> 01:14:13.200
<v Andrea Niehaus>Zeigt auch nochmal, wie wir hier agieren, wirklich in einem Umfeld von Schulen, von Wirtschaft, von Wissenschaft und eben das alles um der Öffentlichkeit eben zu zeigen, wie Wissenschaft und Technik zusammenhängen.

01:14:13.201 --> 01:14:19.800
<v Tim Pritlove>Schönes Schlusswort. Von hier aus vielen Dank für die Ausführungen über das Deutsche Museum Bonn.

01:14:19.801 --> 01:14:25.700
<v Tim Pritlove>Und an alle Zuhörer und Zuhörerinnen vielen Dank, genau dafür, fürs Zuhören.

01:14:25.701 --> 01:14:27.400
<v Tim Pritlove>Ich sage tschüss und bis bald.
