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Podcast: Forschergeist
Episode: FG051 Gründungsmanagement
Publishing Date: 2017-12-05T15:40:52+01:00
Podcast URL: https://forschergeist.de
Episode URL: https://forschergeist.de/podcast/fg051-gruendungsmanagement/

00:00:43.201 --> 00:00:47.600
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

00:00:47.601 --> 00:00:56.200
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle hier zur 51. Ausgabe unserer Gesprächsserie, in der wir so viel über Wissenschaft sprechen.

00:00:56.201 --> 00:01:10.000
<v Tim Pritlove>Und heute wollen wir mal wieder ein wenig ein Metathema angehen, was für Wissenschaftler und nicht nur für Wissenschaftler, sondern insbesondere auch für Studenten sehr interessant sein dürfte.

00:01:10.001 --> 00:01:20.400
<v Tim Pritlove>Nämlich die Frage, wie es eigentlich steht mit der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung und dem Potenzial von Gründungen aus einer Hochschule heraus.

00:01:20.401 --> 00:01:25.200
<v Tim Pritlove>Und dazu begrüße ich meine Gesprächspartnerin, Caroline Bock, schönen guten Tag.

00:01:25.201 --> 00:01:26.700
<v Carolin Bock>Ja guten Tag Herr Pritlove.

00:01:26.701 --> 00:01:39.100
<v Tim Pritlove>Frau Bock wir sind gerade in der TU Darmstadt, Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, der sich ein Fachgebiet zugelegt hat namens Gründungsmanagement.

00:01:39.101 --> 00:01:41.000
<v Tim Pritlove>Seit wann gibt es das?

00:01:41.001 --> 00:01:42.700
<v Carolin Bock>Seit zwei Jahren jetzt, etwas über zwei Jahren.

00:01:42.701 --> 00:01:44.900
<v Tim Pritlove>Okay, und dessen Leiterin Sie sind?

00:01:44.901 --> 00:01:46.300
<v Carolin Bock>Genau.

00:01:46.301 --> 00:01:49.200
<v Tim Pritlove>Wie kam es denn dazu?

00:01:49.201 --> 00:01:58.500
<v Carolin Bock>Ja also zu meinem Hintergrund, ich habe ursprünglich internationale BWL studiert an der Uni Erlangen/Nürnberg.

00:01:58.501 --> 00:02:03.200
<v Carolin Bock>Weil ich mich für ganz verschiedene unterschiedliche Fächer interessiert hatte.

00:02:03.201 --> 00:02:20.300
<v Carolin Bock>Ganz viele Interessen waren, mich da auch schwer entscheiden konnte, soll es eher in eine technische Richtung gehen, soll es eher in eine rechtliche Richtung gehen oder mathematische und fand dann das Studium der Betriebswirtschaftslehre, sehr viele Fächer kombiniert.

00:02:20.301 --> 00:02:24.000
<v Carolin Bock>Also man kann in sehr viele Bereiche reingucken, es ist an die Rechtswissenschaften angedockt.

00:02:24.001 --> 00:02:29.600
<v Carolin Bock>An die Volkswirtschaft, man hat mathematische Grundlagen im Studium.

00:02:29.601 --> 00:02:35.000
<v Carolin Bock>Man kann sich vertiefen in unterschiedlichste Teilbereiche, auch internationales Management und so weiter.

00:02:35.001 --> 00:02:37.100
<v Carolin Bock>Und fand das dann sehr spannend.

00:02:37.101 --> 00:02:41.800
<v Tim Pritlove>Was unterscheidet denn das internationale BWL von dem normalen BWL?

00:02:41.801 --> 00:02:52.000
<v Carolin Bock>Ja von der Struktur des Studiengangs gibt es gewisse Fächer wie Europarecht, internationale Teilfächer, internationales Management und dergleichen, was man belegen musste als Pflichtfächer.

00:02:52.001 --> 00:03:02.100
<v Carolin Bock>Das gab es im normalen BWL-Studium nicht und ein Aspekt, der wesentlich war, auch dass man verpflichtend ein Jahr auch am Stück im Ausland studieren musste.

00:03:02.101 --> 00:03:03.500
<v Carolin Bock>Was ich sehr attraktiv fand.

00:03:03.501 --> 00:03:10.100
<v Carolin Bock>Ich habe mich damals dann entschieden das Ganze an der Uni Lyon in Frankreich zu machen.

00:03:10.101 --> 00:03:13.500
<v Carolin Bock>Und hatte dort die Möglichkeit, das Doppeldiplom zu erwerben.

00:03:13.501 --> 00:03:22.000
<v Carolin Bock>Also ich habe das ganz normal, habe die Hälfte meines Hauptstudiums im Diplom in Nürnberg studiert und die andere Hälfte in Frankreich.

00:03:22.001 --> 00:03:27.800
<v Carolin Bock>Und habe dann von beiden Universitäten den Abschluss bekommen und das war natürlich sehr attraktiv.

00:03:27.801 --> 00:03:32.600
<v Carolin Bock>Weil wenn man jetzt in Frankreich arbeiten möchte, dann wissen die auch was mit dem Abschluss anzufangen.

00:03:32.601 --> 00:03:43.300
<v Carolin Bock>Und außerdem war es kulturell sehr bereichernd, persönlichkeitsbildend und das fand ich damals ein sehr ansprechendes Angebot.

00:03:43.301 --> 00:03:49.100
<v Tim Pritlove>Und wie kam es dann zu der Verbindung mit der TU Darmstadt?

00:03:49.101 --> 00:03:51.500
<v Carolin Bock>Ja das war noch ein bisschen ein längerer Weg.

00:03:51.501 --> 00:03:57.600
<v Carolin Bock>Ich habe dann im Anschluss an mein Studium an der Uni Erlangen/Nürnberg auch noch promoviert im Bereich betriebswirtschaftliche Steuerlehre.

00:03:57.601 --> 00:04:02.800
<v Carolin Bock>Das ist das, wo die meisten Menschen fragen, wie kommt dann jetzt noch der Link zu Gründungen?

00:04:02.801 --> 00:04:06.700
<v Carolin Bock>Ist auch nicht im ersten Augenblick offensichtlich, aber …

00:04:06.701 --> 00:04:09.600
<v Tim Pritlove>Aber über Steuern sollte man schon Bescheid wissen.

00:04:09.601 --> 00:04:19.900
<v Carolin Bock>Richtig. Also ich kann es nur empfehlen, das ist auch was, was ich auch immer noch in meiner Lehre hochhalte, weil von jetzt finanziellen Aspekten, gerade in den neugegründeten Unternehmen, Ahnung zu haben ist nie verkehrt.

00:04:19.901 --> 00:04:24.800
<v Carolin Bock>Auch die steuerliche Bewandtnis ist da auch von Vorteil.

00:04:24.801 --> 00:04:35.800
<v Carolin Bock>Und ich habe mich damals in der Promotion mit der Vorteilhaftigkeit oder der steuerlichen Vorteilhaftigkeit von Finanzierungsinstrumenten beschäftigt, die oft in Gründungsunternehmen, die stark wachsen, eingesetzt werden.

00:04:35.801 --> 00:04:40.100
<v Carolin Bock>Und so kam dann quasi der Link.

00:04:40.101 --> 00:04:43.800
<v Carolin Bock>Ich bin dann noch nach der Promotion zur Habilitation an die TU München gegangen.

00:04:43.801 --> 00:04:52.700
<v Carolin Bock>Habe mich dort wesentlich in Forschung und Lehre mit der Gründungsfinanzierung beschäftigt und von dort wurde ich dann vor zwei Jahren hier an die TU Darmstadt berufen.

00:04:52.701 --> 00:04:57.300
<v Carolin Bock>Und seitdem bin ich hier und vertrete hier das Fachgebiet für Gründungsmanagement.

00:04:57.301 --> 00:05:05.400
<v Tim Pritlove>Was war denn der Grund, dass die TU Darmstadt sich für die Gründung einer solchen Operation ausgesprochen hat?

00:05:05.401 --> 00:05:16.000
<v Carolin Bock>Ich glaube der Hintergrund war mit, warum es  überhaupt auch möglich war, ist auch immer die Einrichtung des neuen Fachgebiets eine finanzielle Frage für eine Universität.

00:05:16.001 --> 00:05:23.100
<v Carolin Bock>Es gibt ja vom Bundeswirtschaftsministerium diesen Exist-Wettbewerb.

00:05:23.101 --> 00:05:35.100
<v Carolin Bock>Exist-4-Wettbewerb für die Gründer oder Gründungshochschulen in Deutschland, wo sich Hochschulen bewerben können, wenn sie explizite Gründungskultur an der Universität fördern möchten.

00:05:35.101 --> 00:05:41.700
<v Carolin Bock>Auch sich auf die Fahnen schreiben, wir möchten Ausgründungen aus der Hochschule heraus steigern.

00:05:41.701 --> 00:05:43.900
<v Carolin Bock>Wir möchten eine Gründungskultur etablieren und so weiter.

00:05:43.901 --> 00:05:48.900
<v Carolin Bock>Und das war ein bundesweit ausgeschriebener Wettbewerb, wo sich auch die TU Darmstadt beworben hatte.

00:05:48.901 --> 00:05:56.500
<v Carolin Bock>Und dann im Jahr 2013 hier auch erfolgreich eine der 22 Gründerhochschulen dieses Exist-4-Wettbewerbs.

00:05:56.501 --> 00:05:58.800
<v Carolin Bock>Da gab es auch Vorläufer schon, Vorprogramme.

00:05:58.801 --> 00:06:02.600
<v Carolin Bock>Und im Rahmen dessen konnte dann massiv ausgebaut werden.

00:06:02.601 --> 00:06:13.800
<v Carolin Bock>Also es gab vorher auch schon Initiativen, aber ein Gründungszentrum an der Universität als Anlaufstelle für jeden, auch für Gründungsberatungen, alle Fragen, die im Zusammenhang mit Gründungen stehen.

00:06:13.801 --> 00:06:20.400
<v Carolin Bock>Konnte hier massiv aufgebaut werden oder ausgebaut werden und unter anderem ein Fachgebiet eingerichtet werden.

00:06:20.401 --> 00:06:29.500
<v Tim Pritlove>Aber ich meine war das jetzt sozusagen nur so, ach da ist was im Angebot, da gibt es jetzt Geld, das machen wir jetzt mal oder ging dem Ganzen nicht …

00:06:29.501 --> 00:06:32.700
<v Tim Pritlove>Ich meine wenn man sich dafür bewirbt, dann muss man das ja sozusagen auch ausfüllen.

00:06:32.701 --> 00:06:35.100
<v Tim Pritlove>Da muss man ja auch eine Einstellung dazu haben.

00:06:35.101 --> 00:06:40.200
<v Tim Pritlove>Inwiefern war denn dieses Gründungsthema zu dem Zeitpunkt schon eines?

00:06:40.201 --> 00:06:54.900
<v Carolin Bock>Es gab sehr viele Initiativen hier schon, die mit Gründungen zusammenhingen oder auch Interessen, wo verschiedene Kollegen sagen, es liegt mir sehr am Herzen oder es gibt auch schon Veranstaltungen, die sich mit dem Thema Ausgründungen oder Gründungen generell beschäftigen.

00:06:54.901 --> 00:06:57.200
<v Carolin Bock>Das gab es auch schon vor diesem Wettbewerb.

00:06:57.201 --> 00:07:01.600
<v Carolin Bock>Das ist unter anderem auch was, was sich unser Präsidium auf die Fahne geschrieben hat zu fördern.

00:07:01.601 --> 00:07:10.500
<v Carolin Bock>Und ja sozusagen als Hochschulleitung da auch dahinter steht, das Ganze sich auf die Fahnen zu schreiben und vorantreiben zu wollen.

00:07:10.501 --> 00:07:26.200
<v Carolin Bock>Und das war glaube ich mit einer der wesentlichen ausschlaggebenden Gründe, dass man erst mal gesagt hat, man hat auch Interesse, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen und natürlich dann sehr froh war, als man da auch eine der geförderten Hochschulen wurde und das Ganze dann auch noch weiter vorantreiben konnte.

00:07:26.201 --> 00:07:29.500
<v Tim Pritlove>Und warum hat man sich das auf die Fahnen geschrieben?

00:07:29.501 --> 00:07:31.800
<v Tim Pritlove>Ich meine das kann einem ja eigentlich auch egal sein.

00:07:31.801 --> 00:07:34.000
<v Carolin Bock>Ja kann einem egal sein.

00:07:34.001 --> 00:07:45.200
<v Carolin Bock>Ich glaube das ist schon auch als Universität, man sagt immer, eine der wesentlichen Missionen der Universität ist zum einen Forschung und zum anderen Lehre.

00:07:45.201 --> 00:07:48.600
<v Carolin Bock>Ich glaube aber, eine dritte Mission ist auch der Transfergedanke.

00:07:48.601 --> 00:07:59.900
<v Carolin Bock>Dass man sagt, das wissen, das generiert wird an den Universitäten in vielfältiger Form, möchte man auch, zumindest soweit möglich, kommerzialisieren.

00:07:59.901 --> 00:08:02.300
<v Carolin Bock>Also eine wirtschaftliche Anwendung daraus generieren.

00:08:02.301 --> 00:08:06.200
<v Carolin Bock>Und das ist schon was, was die TU Darmstadt seit langem praktiziert.

00:08:06.201 --> 00:08:19.100
<v Carolin Bock>Es gibt ja auch erstens durch die Anknüpfung hier von vielen stark forschenden Unternehmen, aber auch durch viele Institute, Fraunhofer, Helmholtz, in der Nähe mit der eine sehr enge Verknüpfung auch der Universität besteht.

00:08:19.101 --> 00:08:25.800
<v Carolin Bock>Gibt es sehr große zum einen Interessen auch anwendungsorientiert die Forschung zu betreiben.

00:08:25.801 --> 00:08:34.100
<v Carolin Bock>Und mehr auch zu schauen, was kann man denn als Transfergedanke in die Gesellschaft hineintragen von dem Wissen, das generiert wird.

00:08:34.101 --> 00:08:37.600
<v Tim Pritlove>Gibt es da Beispiele?

00:08:37.601 --> 00:08:39.300
<v Carolin Bock>An Ausgründungen oder?

00:08:39.301 --> 00:08:44.100
<v Tim Pritlove>Nein wie dieser Wissenstransfer stattfindet.

00:08:44.101 --> 00:08:46.300
<v Carolin Bock>Ja, es sind unterschiedliche Formen.

00:08:46.301 --> 00:08:53.200
<v Carolin Bock>Es kann entweder geschehen über Patente.

00:08:53.201 --> 00:09:02.900
<v Carolin Bock>Also dass die Universität ein Patent hält und jemand sagt, ich möchte das nutzen, dann kann das über Lizenzierung erfolgen oder auch Transferzahlungen.

00:09:02.901 --> 00:09:08.700
<v Carolin Bock>Dass eben diese Technologie, die ja eigentlich Eigentum oder intellektuelles Eigentum der Universität ist, genutzt werden kann.

00:09:08.701 --> 00:09:21.400
<v Carolin Bock>Eine weitere Form ist, dass es eben wirklich eine Ausgründung gibt, dass also entweder Wissenschaftler, Studierende oder ehemalige Mitarbeiter der Universität sagen, wir machen jetzt ein eigenes Unternehmen daraus.

00:09:21.401 --> 00:09:30.900
<v Carolin Bock>Wir sind auch nicht mehr an der Universität tätig, sondern machen hier was, nutzen vielleicht entweder auch diese Technologie oder die wird irgendwie übertragen in das neue Unternehmen.

00:09:30.901 --> 00:09:40.400
<v Carolin Bock>Es gibt sogar rechtlich die Möglichkeit für die TU Darmstadt, sich zu beteiligen an einzelnen Ausgründungen, auch als Universität.

00:09:40.401 --> 00:09:44.800
<v Carolin Bock>Was sehr umstritten ist und auch sehr sehr schwierig im deutschen Kontext das umzusetzen.

00:09:44.801 --> 00:09:48.700
<v Carolin Bock>Weil natürlich jede öffentliche Universität auch öffentlich gefördert ist.

00:09:48.701 --> 00:10:05.600
<v Carolin Bock>Und dann zu sagen, wir spielen jetzt Risikokapitalgeber und spielen mal mit dem öffentlich zur Verfügung gestellten Geld und verteilen das in verschiedene Unternehmen, die hoch riskant sind in der Startup-Phase, ist natürlich auch rechtlich gesehen ein Schritt, der abgesichert sein muss und der nicht so leicht umsetzbar ist.

00:10:05.601 --> 00:10:07.300
<v Tim Pritlove>Aber der umsetzbar ist?

00:10:07.301 --> 00:10:08.600
<v Carolin Bock>Der umsetzbar ist.

00:10:08.601 --> 00:10:11.500
<v Tim Pritlove>Wodurch wird das ermöglicht?

00:10:11.501 --> 00:10:14.300
<v Carolin Bock>Genau die Details kenne ich nicht.

00:10:14.301 --> 00:10:26.700
<v Carolin Bock>Jetzt hat natürlich die TU Darmstadt den Vorteil, dass sie eine autonome Hochschule ist, also dass sie viele Dinge selbst entscheiden kann, ohne jetzt darauf angewiesen zu sein, Rücksprache mit dem Landesministerium zu halten in allen Dingen.

00:10:26.701 --> 00:10:30.900
<v Carolin Bock>Vielleicht wurde das auch dadurch dann initiiert, das weiß ich nicht.

00:10:30.901 --> 00:10:36.500
<v Carolin Bock>Es ist aber auch eine Möglichkeit, die besteht, die wird aber nicht exzessiv genutzt.

00:10:36.501 --> 00:10:41.200
<v Carolin Bock>Also es ist jetzt nicht so, dass wir an 100 Unternehmen direkt als Universität beteiligt sind.

00:10:41.201 --> 00:10:42.300
<v Tim Pritlove>Aber es gibt solche Beteiligungen?

00:10:42.301 --> 00:10:45.000
<v Carolin Bock>Genau. Und das ist natürlich auch was, wo man auch nachdenken könnte.

00:10:45.001 --> 00:10:51.700
<v Carolin Bock>Wenn man sagt, es gibt unterschiedliche Stellhebel, wie man das auch noch verankern kann aus rechtlicher und politischer Hinsicht.

00:10:51.701 --> 00:10:58.400
<v Carolin Bock>Um so eine Gründungskultur zu fördern an Universitäten, ist das zum Beispiel ein Stellhebel, über den man nachdenken könnte.

00:10:58.401 --> 00:11:06.600
<v Carolin Bock>Das ist so eine Möglichkeit, flächenmäßig und auch leicht und in natürlich festgelegten Rahmenbedingungen möglich ist, aber die möglich gemacht wird.

00:11:06.601 --> 00:11:13.400
<v Carolin Bock>Und das wäre natürlich ein Aspekt, der hier schon bahnbrechend sein kann.

00:11:13.401 --> 00:11:24.800
<v Tim Pritlove>Ist ja wahrscheinlich eher auch so eine generelle Frage, wie man sich als Universität und Hochschule in dem Zusammenhang aufstellen möchte.

00:11:24.801 --> 00:11:43.800
<v Tim Pritlove>Weil auf der anderen Seite könnte man ja argumentieren, es ist ja eigentlich viel sinnvoller für uns, wenn wir eine starke Forschungsabteilung haben, die permanent zum Beispiel eben Patente erzeugt oder eben andere Kooperationen anstrebt mit anderen Unternehmen, ohne daran jetzt unmittelbar beteiligt zu sein.

00:11:43.801 --> 00:11:53.000
<v Tim Pritlove>Sondern dass man das quasi als Teil des Forschungsbetriebs sieht und damit natürlich auch einen weiteren Einnahmekanal eröffnet und überhaupt den Fokus auf Forschung legt.

00:11:53.001 --> 00:12:08.200
<v Tim Pritlove>Was ja ohnehin kritisiert wird, dass Forschung an den Universitäten nicht mehr so konkurrenzfähig ist mit zum Beispiel Max-Planck, Fraunhofer und anderen privaten Institutionen im wissenschaftlichen Bereich.

00:12:08.201 --> 00:12:19.300
<v Tim Pritlove>Was wäre dann die Motivation für eine tatsächliche Ausgründung, dass sozusagen diese Aktivität außerhalb der Uni stattfindet, man sich aber trotzdem noch daran beteiligt?

00:12:19.301 --> 00:12:37.200
<v Carolin Bock>Gut die Motivation, sich trotzdem noch dran zu beteiligen ist natürlich bei einer Universität, wenn sie jetzt sagt, das ist intellektuelles Eigentum, was an der Universität generiert wurde, da hat die Universität gewisse Rechte dran, und natürlich auch werden Rückflüsse oder finanzielle Mittel generiert mit diesen Forschungsergebnissen.

00:12:37.201 --> 00:12:41.500
<v Carolin Bock>Dann ist natürlich auch nur rechtmäßig, wenn die Universität sich diese sichert.

00:12:41.501 --> 00:12:44.900
<v Carolin Bock>Das ist jetzt möglich auch über Lizenzierung und andere Modelle.

00:12:44.901 --> 00:12:52.500
<v Carolin Bock>Ein weiteres Modell wäre, dass sich die Uni an diesen Unternehmen beteiligt und sich gar nicht die Patente abkaufen lässt oder die Rechte und dergleichen.

00:12:52.501 --> 00:13:12.100
<v Carolin Bock>Und da gibt es auch Forschungsergebnisse, auch mehrere Studien, die zugegeben eher aus dem angloamerikanischen Bereich stammen, weil das dort häufiger praktiziert wird und auch häufiger möglich ist, dass sich die Universitäten beteiligen, und man dann eine größere Anzahl an untersuchten Unternehmen haben kann, wo man die Modelle testen kann.

00:13:12.101 --> 00:13:16.300
<v Tim Pritlove>Wo aber auch diese Universitäten größtenteils privat organisiert sind, ohnehin schon.

00:13:16.301 --> 00:13:22.500
<v Carolin Bock>Ja oder zumindest die Möglichkeit haben, dass sie auf Fonds bestehen, die für solche Investitionen eingesetzt werden dürfen.

00:13:22.501 --> 00:13:40.300
<v Carolin Bock>Aber hier auch sich zeigt, dass sozusagen langfristig gedacht, also über mehr als 10 Jahre, die finanziellen Rückflüsse für die Universität wesentlich höher und um ein vielfaches höher sind, wenn sie sich über eine Beteiligung am Unternehmen beteiligt, im Gegensatz zu Lizenzierungsmodellen beispielsweise.

00:13:40.301 --> 00:13:43.000
<v Carolin Bock>Und das ist schon interessant.

00:13:43.001 --> 00:13:56.700
<v Carolin Bock>Das ist glaube ich was, was in den Köpfen in der deutschen Hochschullandschaft vielleicht ja viel viel Überzeugungsarbeit braucht, bis so was flächendeckend eingesetzt werden kann und dann wirklich auch praktiziert wird.

00:13:56.701 --> 00:13:59.400
<v Carolin Bock>Und muss auch nicht der Weg sein.

00:13:59.401 --> 00:14:15.400
<v Carolin Bock>Aber wenn wir vielleicht nochmal einen Schritt zurückgehen, warum sollten Universitäten das machen, Ausgründungen fördern, oder überhaupt eine Gründungskultur fördern, ist es sicher so, dass die Universitäten als eine wesentliche Mission Grundlagenforschung betreiben sollten.

00:14:15.401 --> 00:14:22.500
<v Carolin Bock>Weil wir erstens glaube ich hier auch in Deutschland gut sind und es auch eine Mission sein muss.

00:14:22.501 --> 00:14:28.900
<v Carolin Bock>Ein gewisser Bereich, der muss nicht immer gleich anwendbar sein und man muss nicht immer gleich schauen, was kommt denn am Ende dabei rum als Ergebnis.

00:14:28.901 --> 00:14:36.200
<v Carolin Bock>Sondern viele bahnbrechende Dinge können nur über Grundlagenforschung der Grundstock gelegt werden.

00:14:36.201 --> 00:14:46.700
<v Carolin Bock>Es gibt aber ja schon ganz natürlich durch sehr viel Zusammenarbeit mit Praxispartnern, durch Kooperationen zwischen Unternehmen und der Universität.

00:14:46.701 --> 00:15:04.200
<v Carolin Bock>Oder auch allein durch den Anwendungsbezug, den oft Forschungsergebnisse haben, oder Forscher und Wissenschaftler, die an der Universität tätig sind, gibt es schon sehr viele Entwicklungen, die dazu taugen, dass man was ausgründet oder dass man es kommerzialisiert.

00:15:04.201 --> 00:15:08.900
<v Carolin Bock>Und oft verschwinden viele von diesen Dingen in den Schubladen.

00:15:08.901 --> 00:15:26.700
<v Carolin Bock>Weil der Wissenschaftler mit der Doktorarbeit fertig ist, dann die Universität verlässt, weil vielleicht niemand sonst direkt die Nachfolge antritt oder ein eigenes anderes Projekt hat, weil der Institutsleiter oder Professor auch nicht die Zeit hat, sich mit einer möglichen Kommerzialisierung von diesen Forschungsergebnissen zu beschäftigen.

00:15:26.701 --> 00:15:36.800
<v Carolin Bock>Und hier können die Universitäten schon sehr viel Unterstützungsarbeit leisten und das wird auch unter anderem durch dieses BMWI, Exist-4-Projekt gefördert.

00:15:36.801 --> 00:15:53.100
<v Carolin Bock>Dass es meinetwegen eine Anlaufstelle oder Ressourcen an der Universität gibt, die versuchen, derartige Forschungsergebnisse ausfindig zu machen und auch zu sagen, hey lass es nicht in der Schublade liegen, wir wissen vielleicht auch, ihr könnt euch nicht drum kümmern, aber vielleicht kann sich jemand anderes darum kümmern.

00:15:53.101 --> 00:16:07.100
<v Carolin Bock>Und es ist auch ganz häufig der Fall, jetzt ist es auch so, nicht jeder ist eine Gründerpersönlichkeit, nicht jeder ist ein Manager eines Unternehmens.

00:16:07.101 --> 00:16:24.700
<v Carolin Bock>Und vielleicht ist es sogar sehr häufig so, dass der gute Wissenschaftler, die sehr tief in ein Thema einsteigen können, hier vielleicht auch sehr spezialisiert sind oder in ihrem Fachgebiet top Forschungsergebnisse erbringen, vielleicht nicht unbedingt diejenigen sind, die dann rausgehen mit potenziellen Kunden telefonieren.

00:16:24.701 --> 00:16:29.500
<v Carolin Bock>Dann sagen, wollt ihr das, unsere Anwendung kann folgendes, das braucht ihr unbedingt und wir wollen auch folgendes Geld dafür.

00:16:29.501 --> 00:16:43.500
<v Carolin Bock>Aber, und das kann eine Universität schon leisten, diese Schnittstelle zwischen meinetwegen der Wirtschaftswelt da draußen und der Universitätsforschungswelt hier, diese Schnittstelle zu forcieren.

00:16:43.501 --> 00:16:52.400
<v Carolin Bock>Und dann beispielsweise zu sagen, hey ihr als Institut habt ein top Entwicklung gemacht, das ist ganz toll, wir brauchen euch weiter an Bord, um die Forschung voranzutreiben.

00:16:52.401 --> 00:17:07.600
<v Carolin Bock>Aber wir stellen euch gern Personen zur Seite, die beispielsweise das betriebswirtschaftliche Know-how haben, die den Vertrieb organisieren möchten, die hier jetzt versuchen, diese Schnittstelle in die Wirtschaft hinein oder in die Kommerzialisierung zu bauen.

00:17:07.601 --> 00:17:12.800
<v Tim Pritlove>Also sowohl auch für Forschungsbereiche, die auch innerhalb der Universität verbleiben dort als Forschungsinstitut?

00:17:12.801 --> 00:17:14.100
<v Carolin Bock>mhm (bejahend).

00:17:14.101 --> 00:17:33.800
<v Tim Pritlove>Also wenn wir von Gründungskultur und Gründung reden, reden wir nicht ausschließlich über Ausgründungen, im Sinne von verlässt die Uni vollständig, sondern es geht generell darum, dem wissenschaftlichen Betrieb quasi noch einen betriebswirtschaftlichen Betrieb beizufügen und an der Stelle zu verstärken?

00:17:33.801 --> 00:17:37.800
<v Carolin Bock>Genau. Man muss dann aber schauen, wie lässt es sich umsetzen.

00:17:37.801 --> 00:17:44.200
<v Carolin Bock>Also entweder versucht man das weiter durch eine Kooperation oder dergleichen, an der Uni zu belassen, wirklich fix am Forschungsinstitut.

00:17:44.201 --> 00:18:07.900
<v Carolin Bock>Oder man versucht dann schon zu sagen, dieses eine Forschungsergebnis nimmt man auch in eine eigene GmbH oder in irgendeine Ausgründung hinein, rechtlich eigenständiges Unternehmen, weil das natürlich dann anders agieren und operieren kann und auch mit wirtschaftlicher Tätigkeit das leichter umsetzbar ist, auch Sachen zu verkaufen, Geld einzunehmen und so weiter, was jetzt in öffentlichen Forschungsinstituten nur begrenzt möglich ist.

00:18:07.901 --> 00:18:23.300
<v Tim Pritlove>Das heißt dieses eine Detail, was wir vorhin angesprochen hatten mit, es gibt auch den Fall, dass es sich zwar um eine Ausgründung handelt, also quasi wirklich eine vollständig rechtlich von der Uni unabhängige Entität entsteht, die Uni aber trotzdem beteiligt ist, dass das quasi auch so ein Zwischenweg sein kann.

00:18:23.301 --> 00:18:35.300
<v Tim Pritlove>Wo man sagt, okay hier in diesem Fall ist es einfach nicht absehbar, dass man diesen Prozess im Rahmen der Uni als Forschungsinstitut etc. unterbringen kann.

00:18:35.301 --> 00:18:50.900
<v Tim Pritlove>Wir wollen es aber auch nicht komplett gehen lassen und eine Verbindung herstellen und dann ist das quasi eine Option, diese Verbindung aufrechtzuerhalten, wenn es auch erst mal nur eine finanzielle ist oder in der auch ein gewisses Mitspracherecht letztlich besteht durch die Beteiligung.

00:18:50.901 --> 00:18:56.200
<v Carolin Bock>Richtig genau. Oder auch über Lizenzierung und dergleichen, dass da Rückflüsse generiert werden, das geht ja.

00:18:56.201 --> 00:19:03.200
<v Tim Pritlove>Reden wir doch vielleicht nochmal kurz über Gründungskultur an sich, und zwar konkret in Deutschland.

00:19:03.201 --> 00:19:06.900
<v Tim Pritlove>Jetzt ist ja Deutschland ein stark mittelstandsgeprägtes Unternehmen.

00:19:06.901 --> 00:19:13.500
<v Tim Pritlove>Da wird viel vererbt und immer mal wieder gibt es so einzelne, die schießen halt mit so einem neuen Unternehmen hoch.

00:19:13.501 --> 00:19:24.500
<v Tim Pritlove>Aber so, dass wir hier wirklich so gründungsintensiv sind und besonders viel Risiko gehen, ich würde sagen, das gehört nicht unbedingt zum Ruf des Standortes.

00:19:24.501 --> 00:19:28.200
<v Tim Pritlove>Zumindest im Vergleich zu angelsächsischen Bereichen.

00:19:28.201 --> 00:19:30.800
<v Tim Pritlove>Konkret natürlich auch den USA.

00:19:30.801 --> 00:19:33.600
<v Tim Pritlove>Hat sich das geändert?

00:19:33.601 --> 00:19:36.500
<v Tim Pritlove>Ist es vielleicht gar nicht so?

00:19:36.501 --> 00:19:40.300
<v Tim Pritlove>Was ist denn so der Status quo mit dem Wagnis in Deutschland?

00:19:40.301 --> 00:19:46.800
<v Carolin Bock>Gut, ja jetzt sind wir da, was wir in der Forschung häufig haben, dass ich vielleicht auch eine verzerrte Wahrnehmung habe.

00:19:46.801 --> 00:19:53.400
<v Carolin Bock>Weil wenn man sich genau mit einem Thema beschäftigt, dann nimmt man natürlich wahr, es gibt doch überall hier Gründungsaktivitäten.

00:19:53.401 --> 00:19:58.000
<v Tim Pritlove>Also ist von mir jetzt auch nur so eine gefühlte Wahrnehmung, vielleicht stimmt die ja auch gar nicht.

00:19:58.001 --> 00:20:04.300
<v Carolin Bock>Gut, ich glaube schon, dass sich mittlerweile einiges tut.

00:20:04.301 --> 00:20:26.100
<v Carolin Bock>Jetzt auch wenn ich sehe, jetzt bin ich doch schon über 10 Jahre auch nicht mehr als Student an der Uni, dass sozusagen viele, die studieren, oder die auch mit dem Studium fertig werden, es gibt ja im Prinzip drei Wege, die bleiben entweder in der Wissenschaft nach dem Studium, die gehen in die Industrie oder sie gründen selbst.

00:20:26.101 --> 00:20:36.400
<v Carolin Bock>Und sozusagen diesen dritten Faktor Gründung auch in die Köpfe zu kriegen bei unseren Absolventen ist eine wesentliche Mission, die ich auch verfolge.

00:20:36.401 --> 00:20:40.200
<v Carolin Bock>Dass das eine dritte Option ist, die sie gehen können.

00:20:40.201 --> 00:20:44.300
<v Carolin Bock>Und hier habe ich schon die Wahrnehmung, dass sich in den letzten 10-15 Jahren einiges getan hat.

00:20:44.301 --> 00:20:51.000
<v Carolin Bock>Dass einige Absolventen mir sagen, ich ziehe diesen Aspekt Gründung auch in Erwägung.

00:20:51.001 --> 00:21:03.400
<v Carolin Bock>Oder ich kann mir auch vorstellen, selbst zu gründen oder ich habe sogar schon Ideen und möchte das unbedingt umsetzen, aber brauche noch genau, wie finanziere ich denn noch meine Miete und meinen Lebensunterhalt, wie kriege ich das unter einen Hut?

00:21:03.401 --> 00:21:17.300
<v Carolin Bock>Man sieht jetzt auch durch die Startup-Landschaft Berlin, was ja medial sehr gehypt wird, wo aber dennoch ja auch was dahinter ist, dass dort viele Unternehmen gegründet werden, tut sich hier glaube ich schon was.

00:21:17.301 --> 00:21:20.400
<v Carolin Bock>Es ist nicht so, dass wir von heute auf morgen zu einer Gründernation werden.

00:21:20.401 --> 00:21:26.300
<v Carolin Bock>Ich weiß auch nicht, ob wir es tatsächlich wirklich irgendwann werden, dass wir uns auf die Fahnen schreiben können, wir sind eine Gründernation.

00:21:26.301 --> 00:21:37.200
<v Carolin Bock>Aber es zeigt sich jetzt nicht zur Zeit an der Zahl der aktuellen Gründungen, die sind eher rückläufig in den letzten Jahren, der Gesamtanzahl an Gründungen.

00:21:37.201 --> 00:21:47.600
<v Carolin Bock>Was aber schon zunimmt, zumindest leicht, ist der Anteil an hochinnovativen Gründungen oder auch an Ausgründungen von Akademikern und dergleichen.

00:21:47.601 --> 00:22:08.700
<v Carolin Bock>Und ich habe schon auch durch die zunehmende Digitalisierung, wo genau viele Kompetenzen, die auch Absolventen von Unis mitbringen, sei es IT-Kenntnisse, Entwicklung von Maschinen oder Vernetzung von unterschiedlichen Maschinen, dass sich hier schon einiges tut.

00:22:08.701 --> 00:22:15.600
<v Carolin Bock>Wo viele die Chance ergreifen, um zu sagen, jetzt habe ich neben dem Studium so ein bisschen was gemacht, vielleicht auch meine eigene Agentur gehabt und ein bisschen so.

00:22:15.601 --> 00:22:18.400
<v Carolin Bock>Jetzt versuche ich, das wirklich groß zu machen.

00:22:18.401 --> 00:22:24.000
<v Tim Pritlove>Wenn man vielleicht mal andersrum fragt, was hält denn Leute davon ab, diesen Weg zu gehen?

00:22:24.001 --> 00:22:49.600
<v Carolin Bock>Eine der wesentlichen Gründe in Deutschland ist glaube sich schon zum einen Arbeitsplatzsicherheit, gerade für Hochschulabsolventen, also es ist so, dass da viele schon ganz normal entweder Angebote haben oder sehr leicht eine Einstellung bekommen, auch zur Zeit durch die konjunkturelle Lage, in etablierten Unternehmen.

00:22:49.601 --> 00:22:51.700
<v Carolin Bock>Seien es Mittelständler, seien es Großunternehmen.

00:22:51.701 --> 00:22:56.000
<v Carolin Bock>Und natürlich bringt eine Gründung ein hohes Risiko mit sich.

00:22:56.001 --> 00:23:03.700
<v Carolin Bock>Jetzt habe ich vielleicht das Angebot aus der Wirtschaft mit einem ganz tollen Jahresgehalt, wo ich ganz problemlos jede Nacht ruhig schlafen kann, auch einen interessanten Job habe.

00:23:03.701 --> 00:23:15.200
<v Carolin Bock>Und dann zu sagen, nein das mache ich nicht, aber ich versuche jetzt hier mein eigenes Unternehmen hochzuziehen, habe noch keine Ahnung, wer könnte überhaupt Kunde sein, wieviel zahlt der mir, kann ich hier überleben oder sitze ich in drei Monaten auf der Straße?

00:23:15.201 --> 00:23:24.000
<v Carolin Bock>Das ist natürlich ein wesentlicher Faktor, wo viele sagen bei dieser Entscheidungstendenz, dass sie eher den sicheren Weg gehen und einen sicheren Job in der Industrie nehmen.

00:23:24.001 --> 00:23:28.000
<v Carolin Bock>Dann glaube ich ist sehr viel kulturell bedingt.

00:23:28.001 --> 00:23:46.200
<v Carolin Bock>Also es ist so, dass wie Sie sagen, dass es einige Mittelständler gibt, die vielleicht auch mehr oder weniger im persönlichen Umfeld, wo wir sehen, wie so was gehen kann, aber wir sehen nicht unbedingt die direkte Verbindung zu uns.

00:23:46.201 --> 00:23:55.200
<v Carolin Bock>Also ist nicht unbedingt ein Vorbild, wo wir sagen, ja genauso wie der mache ich das auch und sind ja viele Ähnlichkeiten und Parallelen zu mir und dann mache ich einfach was ähnliches und ziehe das hoch.

00:23:55.201 --> 00:24:13.900
<v Carolin Bock>Das ist was, was wir wenn dann stärker etablieren müssten, auch diesen Vorbildcharakter, diese Berichte, Einbindung in die Medien, in unsere Ausbildungssysteme, sowohl in der Schule als auch im Ausbildungssystem an den Hochschulen.

00:24:13.901 --> 00:24:18.100
<v Carolin Bock>Diese Vorbilderfunktion von Gründern, dass die erzählen, wie haben sie es gemacht.

00:24:18.101 --> 00:24:21.700
<v Carolin Bock>Und man dann sieht, ah da hat er eine ähnliche Entscheidungslage wie ich selbst.

00:24:21.701 --> 00:24:26.300
<v Carolin Bock>Oder der hatte auch keine Ahnung so richtig am Anfang, wo es hingehen soll, jetzt läuft es ja ganz gut.

00:24:26.301 --> 00:24:36.700
<v Carolin Bock>Was ganz wichtig ist, was damit zusammenhängt, auch unser, was Sie angedeutet hatten, unsere Einstellung zu Risiko und Unsicherheit.

00:24:36.701 --> 00:24:51.000
<v Carolin Bock>Also dass jetzt viele Menschen in Deutschland sagen, ja nichts lieber als das, begebe ich mich mal ins Risiko, da gründe ich mal ein Unternehmen, das ist ja nicht unbedingt das erste, wozu viele von uns tendieren.

00:24:51.001 --> 00:24:55.200
<v Tim Pritlove>Ja das scheint so ein Ding zu sein in Deutschland.

00:24:55.201 --> 00:24:58.000
<v Tim Pritlove>Also die Sicherheit ist extrem überbewertet.

00:24:58.001 --> 00:25:06.900
<v Tim Pritlove>Dieses, ja da bin ich jetzt beim Daimler, das hat Wert und das hat ja auch sagen wir mal die gesellschaftliche Anerkennung auch automatisch.

00:25:06.901 --> 00:25:09.900
<v Tim Pritlove>Es ist ja nicht so, dass man sagt, oh ich bin jetzt Angestellter.

00:25:09.901 --> 00:25:13.800
<v Tim Pritlove>Da kriegt man ja in der Regel so positiv, oh toll das hast du erreicht und so.

00:25:13.801 --> 00:25:15.500
<v Tim Pritlove>Das ist ja schon was ganz tolles.

00:25:15.501 --> 00:25:23.100
<v Tim Pritlove>Wenn man sagt, ja ich weiß jetzt noch nicht, ob ich in zwei Jahren vielleicht pleite bin oder so und ich probiere halt mal.

00:25:23.101 --> 00:25:26.800
<v Tim Pritlove>Das findet eben nicht dieselbe Anerkennung.

00:25:26.801 --> 00:25:32.700
<v Tim Pritlove>Ist das dann vielleicht auch schon ein Instrument, mit dem man dann Ihre Tätigkeit quasi beginnt?

00:25:32.701 --> 00:25:44.500
<v Tim Pritlove>Dass man schon mal einen anderen Anerkennungskodex auspackt und sagt, ist doch eigentlich was tolles?

00:25:44.501 --> 00:26:00.000
<v Carolin Bock>Ja ich glaube schon, da fungiert, selbst wenn die USA weit weg sind und kulturell anders sind, aber wenn man jetzt da diese Vorzeigegründe, ob es Steve Jobs, Marc Zuckerberg und dergleichen sind, das ist ja dennoch was, was auch bei uns präsent ist.

00:26:00.001 --> 00:26:07.100
<v Carolin Bock>Die waren jetzt auch nicht die besten im Studium, vielleicht sogar abgebrochen und haben es dennoch zu was gebracht.

00:26:07.101 --> 00:26:11.600
<v Carolin Bock>Es gibt natürlich dann Millionen, die auch einen ähnlichen Weg gegangen sind und es nicht dazu gebracht haben.

00:26:11.601 --> 00:26:15.300
<v Tim Pritlove>Ist jetzt auch schwierig zu argumentieren, brich doch einfach dein Studium ab.

00:26:15.301 --> 00:26:19.900
<v Carolin Bock>Exakt. Das kann ich nicht machen.

00:26:19.901 --> 00:26:23.300
<v Carolin Bock>Nein würde ich auch gar nicht.

00:26:23.301 --> 00:26:50.200
<v Carolin Bock>Was hier aber schon entscheidend ist oder sich glaube ich wandelt zur Zeit, wenn ich das richtig beobachte, ist, dass dieses Ansehen von einem guten Angestelltenverhältnis zu einem Gründerdasein sich ein bisschen verschiebt dahingehend, dass ich wahrnehme, dass sich die Präferenzen von Studierenden sich eher verschieben, dass sie sehr viel auch nach Autonomie streben, nach Freiheit.

00:26:50.201 --> 00:27:05.100
<v Carolin Bock>Also jetzt weiß ich nicht vor 10-15 Jahren konnte man viele vielleicht auch noch locken, wenn man gesagt hat, ja und hier ist on top zu dem fixen und variablen Jahresgehalt auch noch ein Dienstwagen drin und es kann folgendes Modell sein.

00:27:05.101 --> 00:27:09.600
<v Carolin Bock>Jetzt heutzutage lockt man damit wenige Absolventen.

00:27:09.601 --> 00:27:15.500
<v Carolin Bock>Die sagen eher, ich hätte lieber für folgendes Carsharing-Portal oder eine BahnCard 100 oder was auch immer.

00:27:15.501 --> 00:27:27.700
<v Carolin Bock>Was die eher als Anreiz dann auch nehmen, dass sie sagen, ich möchte gern, gibt es nicht ein Modell, dass ich mal ein Jahr Auszeit nehmen kann, auch unbezahlt, aber dafür eben für mich um die Welt reisen oder was auch immer machen.

00:27:27.701 --> 00:27:51.900
<v Carolin Bock>Dass die dann sagen, ich weiß ich muss dann sehr viel arbeiten in dem Job, ich muss da auch sehr viel bringen und ich möchte das auch gerne und es ist eine interessante Tätigkeit, aber ich lasse mich nur bis zu einer gewissen Schmerzgrenze „ausbeuten“, sondern ich will auch selbst noch leben und diese Work-Live-Balance hochzuheben, steht schon bei vielen sehr sehr hoch mittlerweile.

00:27:51.901 --> 00:27:56.700
<v Carolin Bock>Und das ist natürlich auch mit einer Tätigkeit als Unternehmensgründer sehr sehr leicht umsetzbar.

00:27:56.701 --> 00:28:01.400
<v Carolin Bock>Da habe ich meine Freiheit, ich kann entscheiden, wie auch immer mach ich es?

00:28:01.401 --> 00:28:04.100
<v Carolin Bock>Die meisten arbeiten sehr viel, aber wissen wofür.

00:28:04.101 --> 00:28:15.300
<v Carolin Bock>Nämlich für die eigene Sache und tun das daher sehr gern, haben aber auch gewisse Freiheiten, wenn die mal ein Freitag bei schönem Wetter es sich zeitlich leisten können und ins Freibad möchten oder wohin auch immer übers Wochenende hin, dann können die das machen.

00:28:15.301 --> 00:28:21.700
<v Tim Pritlove>Hat ja auch gerade so im Punkt Familienplanung dann oft auch nochmal extra Auswirkungen.

00:28:21.701 --> 00:28:32.100
<v Tim Pritlove>Kommen wir nochmal konkret jetzt zu der Arbeit dieses Fach… wie heißt es offiziell? Fachgebiets.

00:28:32.101 --> 00:28:38.400
<v Tim Pritlove>Viel zu allgemein. Dieser Gruppe hier, wie viele Leute sind hier aktiv?

00:28:38.401 --> 00:28:43.200
<v Carolin Bock>Also in meinem Fachgebiet selbst habe ich einen Vollzeitmitarbeiter.

00:28:43.201 --> 00:28:48.700
<v Carolin Bock>Wir arbeiten aber sehr eng zusammen mit unserem Gründungszentrum und dort sind nochmal über 10 Mitarbeiter.

00:28:48.701 --> 00:28:59.200
<v Carolin Bock>Die entweder Gründerberater sind oder Spezialisten hinsichtlich Patentierungen oder Öffentlichkeitsarbeit und solche Aspekte.

00:28:59.201 --> 00:29:07.700
<v Tim Pritlove>Okay das heißt es gibt sowohl ein Gründungszentrum als auch jetzt hier auch nochmal die … wie verhält sich denn das dann zueinander?

00:29:07.701 --> 00:29:11.000
<v Tim Pritlove>Hier ist mehr der rechtliche Aspekt?

00:29:11.001 --> 00:29:20.500
<v Carolin Bock>Nein nicht unbedingt. Unser Gründungszentrum agiert sehr stark hinein in die Identifikation von Technologiefeldern, Anwendungen von Forschungsergebnissen, die ausgegründet werden können.

00:29:20.501 --> 00:29:23.800
<v Carolin Bock>Die beraten alle Gründungsinteressierten.

00:29:23.801 --> 00:29:28.500
<v Carolin Bock>Ja das sind die zwei wesentlichen Aufgaben.

00:29:28.501 --> 00:29:33.900
<v Carolin Bock>Die schaffen die Vernetzung untereinander, auch mit der lokalen Wirtschaft, mit Unternehmen und so weiter.

00:29:33.901 --> 00:29:49.400
<v Carolin Bock>Und wir als Fachgebiet beschäftigen uns wesentlich in Forschung und Lehre mit dem Gebiet Unternehmungsgründungen und tragen das in der Lehre in die Uni hinein, in die unterschiedlichen anderen Fachbereiche, die wir hier an der Uni haben.

00:29:49.401 --> 00:30:03.400
<v Carolin Bock>Also wir sind zwar offiziell am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften angesiedelt, aber gerade an der technischen Uni kommen ganz viele Entwicklungen, die zu Gründungen führen, natürlich aus den unterschiedlichsten Fakultäten.

00:30:03.401 --> 00:30:05.600
<v Carolin Bock>Und unterschiedlichsten Fachrichtungen.

00:30:05.601 --> 00:30:13.400
<v Carolin Bock>Und deshalb ist unsere Lehre auch so angesiedelt, dass sie im Prinzip von jedem Studierenden der Universität belegt werden kann.

00:30:13.401 --> 00:30:18.800
<v Carolin Bock>Sei es als Wahlfach. Wir arbeiten auch sehr stark da rein, dass es kurrikular eingebunden werden kann in die Studiengänge.

00:30:18.801 --> 00:30:23.400
<v Carolin Bock>Dass also die Studierenden nicht nur die Veranstaltungen hören und sagen, ja will ich, weil ich dran interessiert bin.

00:30:23.401 --> 00:30:28.700
<v Carolin Bock>Sondern die auch sozusagen kreditiert bekommen im Rahmen ihres Studiums.

00:30:28.701 --> 00:30:32.800
<v Carolin Bock>Und da auch eine Prüfung ablegen und dann ganz normal die einbringen können.

00:30:32.801 --> 00:30:37.000
<v Tim Pritlove>Das heißt das Gründungszentrum kümmert sich um sehr viel Technikalitäten.

00:30:37.001 --> 00:30:42.100
<v Tim Pritlove>Beobachtet sagen wir mal auch die Forschung, die konkret betreiben wird in der Schule.

00:30:42.101 --> 00:30:48.000
<v Tim Pritlove>Gibt dann vielleicht auch erste Impulse und ist so ein technischer Dienstleister, sage ich mal salopp?

00:30:48.001 --> 00:31:00.500
<v Tim Pritlove>Während Ihr Fachbereich versucht, das Wissen über Gründung konkret mit in die Lehre und auch in die Forschung mit einfließen zu lassen.

00:31:00.501 --> 00:31:06.600
<v Tim Pritlove>Quasi als begleitender Wissensanteil anderer Studiengänge?

00:31:06.601 --> 00:31:08.700
<v Tim Pritlove>Welche Studiengänge betrifft denn das?

00:31:08.701 --> 00:31:11.500
<v Tim Pritlove>Ist das grundsätzlich für alle Studiengänge offen?

00:31:11.501 --> 00:31:15.000
<v Carolin Bock>mhm (bejahend). Also es ist grundsätzlich für alle Studiengänge offen ja.

00:31:15.001 --> 00:31:24.900
<v Carolin Bock>Es kann bei vielen Studiengängen – wir haben so einen Anteil Studium Generale oder auch Wahlfächer, wo meine Vorlesungen und Fächer eingebracht werden können.

00:31:24.901 --> 00:31:40.600
<v Carolin Bock>Und wir arbeiten sehr stark daran, dass beispielsweise ein Schwerpunkt Innovationen und Entrepreneurship, dass hier ganz viele Veranstaltungen wirklich auch als Schwerpunkt Wahlthema in den unterschiedlichsten Studiengängen eingebracht werden können.

00:31:40.601 --> 00:31:49.800
<v Carolin Bock>Also die Studenten können dann durchaus sage ich mal 10-20% ihres gesamten Studiums als Wahlfach auf Entrepreneurship in Innovation legen.

00:31:49.801 --> 00:31:55.400
<v Carolin Bock>Auch wenn sie Informatik studieren, Maschinenbau, Chemie oder andere Fächer.

00:31:55.401 --> 00:32:06.600
<v Carolin Bock>Eben weil wir gesehen haben, dass das – und das ist auch ein wesentlicher Erkenntnisprozess mittlerweile – dass diese Verankerung – nicht nur jetzt für Wirtschaftswissenschaftler – wichtig ist, sondern gerade für alle möglichen Studierenden.

00:32:06.601 --> 00:32:17.900
<v Carolin Bock>Dass die sagen können, entweder habe ich so eine Idee oder ich weiß zwar nicht genau, was damit zusammenhängt, das interessiert mich aber, und ich möchte Kompetenzen in dem Bereich Gründungen und Innovation aufbauen.

00:32:17.901 --> 00:32:24.000
<v Tim Pritlove>Wie hat sich so die Nachfrage nach diesem Fachgebiet entwickelt in den letzten zwei Jahren?

00:32:24.001 --> 00:32:32.500
<v Carolin Bock>Sehr gut. Also ich hatte im ersten, als ich im Oktober kam, auch in dem Oktober im Semester glaube ich so ungefähr 70 Teilnehmer.

00:32:32.501 --> 00:32:35.800
<v Carolin Bock>Was jetzt auch nicht schlecht ist in meiner Grundlagenveranstaltung.

00:32:35.801 --> 00:32:38.100
<v Carolin Bock>Als die heißt Grundlagen des Entrepreneurship.

00:32:38.101 --> 00:32:41.200
<v Carolin Bock>Wenn man ganz neu ist und noch unbekannt.

00:32:41.201 --> 00:32:46.300
<v Carolin Bock>Wir hatten dann im zweiten Jahr, als wir es angeboten haben, schon 250 Teilnehmer.

00:32:46.301 --> 00:32:52.800
<v Carolin Bock>Also das war wirklich ein massives Wachstum, wo wir dann auch Raumwechsel und alles machen mussten, weil wir mit dem Ansturm doch nicht gerechnet hatten.

00:32:52.801 --> 00:32:54.900
<v Carolin Bock>Ja was sehr sehr positiv ist.

00:32:54.901 --> 00:33:02.100
<v Carolin Bock>Und das sind wirklich, deswegen ist die Veranstaltung auch sehr spannend, aus allen möglichen Studienrichtungen.

00:33:02.101 --> 00:33:08.500
<v Carolin Bock>Also da sitzen Sportwissenschaftler drin, Informatiker, Maschinenbauer, Philosophiestudenten, Psychologiestudenten.

00:33:08.501 --> 00:33:14.300
<v Carolin Bock>Und das schafft natürlich auch … die müssen dann auch teilweise, obwohl es eine relativ große Veranstaltung ist, in kleinen Gruppen zusammenarbeiten.

00:33:14.301 --> 00:33:18.400
<v Carolin Bock>Was natürlich allein durch die Vielfalt an Studiengängen sehr interdisziplinär ist.

00:33:18.401 --> 00:33:27.000
<v Carolin Bock>Und das ist glaube ich zum einen für die Studierenden toll, mal über den Tellerrand blicken, mit jemandem zusammenarbeiten müssen, der eine andere Denkweise hat, vielleicht auch eine andere Fachrichtung.

00:33:27.001 --> 00:33:33.400
<v Carolin Bock>Ja und dadurch findet schon auch ein guter Austausch statt und auch eine Vernetzung innerhalb der Universität.

00:33:33.401 --> 00:33:44.500
<v Tim Pritlove>Bei 26.000 und paar zerquetschte Studenten hier an der Uni ist es ja immerhin schon 1%, die sich quasi aktiv dann diesen Fachbereich noch mit dazu wählen.

00:33:44.501 --> 00:33:45.000
<v Carolin Bock>Ja.

00:33:45.001 --> 00:33:46.800
<v Tim Pritlove>Finde ich ja eigentlich schon eine ganz ordentliche Zahl.

00:33:46.801 --> 00:33:58.000
<v Carolin Bock>Und das nur … die haben ja normalerweise eine Studiendauer von 5 Jahren. Also genau muss man über die Studienzeit hinweg vielleicht sogar mehr, oder könnte die Zahl auch höher liegen.

00:33:58.001 --> 00:34:01.100
<v Tim Pritlove>Ja. Nochmal vielleicht zu der Verteidigung.

00:34:01.101 --> 00:34:07.000
<v Tim Pritlove>Also gibt es Studiengänge, wo das Interesse besonders groß ist?

00:34:07.001 --> 00:34:14.000
<v Carolin Bock>Ja, viele Informatikstudiengänge haben sehr großes Interesse.

00:34:14.001 --> 00:34:17.600
<v Carolin Bock>Maschinenbauer, Elektrotechniker.

00:34:17.601 --> 00:34:23.300
<v Carolin Bock>Gut das sind auch sehr starke Studenten oder Studierenden zahlenmäßig sehr starke Studiengänge hier.

00:34:23.301 --> 00:34:30.100
<v Carolin Bock>Aber es gibt auch in den Sportwissenschaften sehr viel Interesse.

00:34:30.101 --> 00:34:34.800
<v Tim Pritlove>Also bei der Informatik kann ich mir das sehr gut vorstellen, dass das sozusagen …

00:34:34.801 --> 00:34:40.200
<v Tim Pritlove>Also einerseits weil natürlich das Digitale natürlich ein heißes Thema ist im Gründungsbereich.

00:34:40.201 --> 00:34:49.200
<v Tim Pritlove>Andererseits kenn ich auch aus eigener Anschauung die Unfähigkeit zur Betriebswirtschaftslehre ist im informatischen Bereich immer sehr verbreitet gewesen.

00:34:49.201 --> 00:34:51.200
<v Tim Pritlove>Über Maschinenbauer kann ich jetzt nicht so viel sagen.

00:34:51.201 --> 00:35:13.800
<v Tim Pritlove>Aber ist natürlich schon so, wenn man sich extrem mit so einem Feld beschäftigt, wo eigentlich ja zunächst einmal wirtschaftliche Größenordnungen nahezu keine Rolle spielen, dass es dann sehr schwierig ist, sich so mit den Zwängen und Realitäten des Wirtschaftslebens auseinanderzusetzen.

00:35:13.801 --> 00:35:20.900
<v Tim Pritlove>Bis hin zu so einer Unwilligkeit, Unfähigkeit, je nachdem mag bei jedem so und so sein.

00:35:20.901 --> 00:35:40.900
<v Tim Pritlove>Insofern ist das ja eigentlich ein sehr schönes Zeichen, dass Studenten sich dann quasi aufstellen und sagen, nein die offene Flanke möchte ich gar nicht haben, und jetzt besser mal schließen und tu mir mal dann dieses Fachgebiet auch noch mit rein.

00:35:40.901 --> 00:35:47.900
<v Tim Pritlove>Mit welchen Erwartungshaltungen kommen denn die Studenten rein?

00:35:47.901 --> 00:35:51.400
<v Carolin Bock>Ja, das ist auch ganz unterschiedlich.

00:35:51.401 --> 00:35:59.500
<v Carolin Bock>Ich frage auch ab quasi per Handzeichen, wer hat schon gegründet?

00:35:59.501 --> 00:36:03.700
<v Carolin Bock>Das sind meist jetzt auch von den 200 Leuten eine Hand voll.

00:36:03.701 --> 00:36:07.200
<v Carolin Bock>Also dass viele dabei sind, halt viele, die neben dem Studium was kleines machen.

00:36:07.201 --> 00:36:08.900
<v Carolin Bock>Aber immerhin das ist ja auch …

00:36:08.901 --> 00:36:12.100
<v Tim Pritlove>Die schon mal angefangen haben und jetzt wissen wollen, ob sie es auch richtig gemacht haben?

00:36:12.101 --> 00:36:17.700
<v Carolin Bock>Richtig. Dann gibt es sehr viele Gründungsinteressierte.

00:36:17.701 --> 00:36:26.600
<v Carolin Bock>Die sich vorstellen können, würde ich mal sagen, das sind so 40%, die sich vorstellen können, ein eigenes Unternehmen zu gründen und deshalb diesen Schwerpunkt auch mit wählen.

00:36:26.601 --> 00:36:35.200
<v Carolin Bock>Die anderen, warum auch immer, das müsste ich dann genauer ergründen, da habe ich erstens nicht so viel Zeit und müsste es vielleicht auch anders abfragen, mit unterschiedlichen Möglichkeiten, die hier bestehen.

00:36:35.201 --> 00:36:43.300
<v Carolin Bock>Ob die das machen, weil es Credits dafür gibt oder weil es von der Zeit her die Vorlesung günstig liegt, das wag ich nicht zu mutmaßen.

00:36:43.301 --> 00:36:53.700
<v Carolin Bock>Aber was auch ist, die müssen gar nicht … das sage ich auch in meiner Vorlesung, die behandelt die Grundlagen des Entrepreneurship, aber es ist eine wissenschaftlich basierte Vorlesung.

00:36:53.701 --> 00:37:07.100
<v Carolin Bock>Also hier behandeln wir unterschiedlichste Aspekte, die mit einer Unternehmensgründung zusammenhängen von der Teamzusammensetzung idealerweise bis hin zu finanziellen Buchführungsaspekten, die wichtig sind.

00:37:07.101 --> 00:37:11.400
<v Carolin Bock>Marketinggrundlagen, Strategiegrundlagen im Umgang mit Wachstum.

00:37:11.401 --> 00:37:17.000
<v Carolin Bock>Internationalisierung, aber auch unternehmerisches Scheitern und solche Fragen.

00:37:17.001 --> 00:37:19.100
<v Carolin Bock>Also eine sehr große Bandbreite.

00:37:19.101 --> 00:37:24.300
<v Carolin Bock>Wir können nicht bei jedem Aspekt logischerweise bei einer Vorlesung ins Detail.

00:37:24.301 --> 00:37:35.600
<v Carolin Bock>Und es ist auch eine wissenschaftlich basierte Vorlesung, das heißt hier behandeln wir auch die Ergebnisse von Studien und die Erkenntnisse, die bislang aus wissenschaftlicher Sicht auf dem Gebiet gewonnen wurden.

00:37:35.601 --> 00:37:46.200
<v Carolin Bock>Es ist jetzt nicht unbedingt eine Vorlesung, die ein Rezeptbuch an die Hand gibt am Ende, wenn die Studenten die Prüfung geschrieben haben, was sie machen müssen, um erfolgreich zu gründen.

00:37:46.201 --> 00:37:51.400
<v Carolin Bock>Das sage ich denen auch ganz offen zu Beginn.

00:37:51.401 --> 00:37:55.700
<v Carolin Bock>Und da gibt es auch noch andere Veranstaltungen, die ich anbiete, die da expliziter darauf eingehen.

00:37:55.701 --> 00:38:14.900
<v Carolin Bock>Oder dann in Zusammenarbeit mit unserem Gründungszentrum, die bieten auch sehr viele Veranstaltungen an, wo dann eher auch – und das kann jeder Studierende hier aus der TU Darmstadt und jeder Absolvent – kann sich an unser Gründungszentrum wenden und bekommt hier wirklich eine Gründungsberatung ganz individuell für eine Idee meinetwegen zur Verfügung gestellt.

00:38:14.901 --> 00:38:21.700
<v Carolin Bock>Und auch kostenfrei für ihn angeboten, wo er sich gezielt auch für die eigene Idee Hilfestellung holen kann.

00:38:21.701 --> 00:38:29.300
<v Carolin Bock>Und das auch nach einem sehr vorgefertigten Schema, das möglichst objektiviert die Beratung sicherstellt auf einem gewissen Qualitätsniveau.

00:38:29.301 --> 00:38:46.700
<v Tim Pritlove>Also zum Beispiel wenn ich jetzt im Maschinenbau tätig bin und da irgendwie mich mit Lasern spezialisiere, könnte man mal hingehen und sagen, gibt es da vielleicht eine Marktlücke, gibt es da Verbindungen auch zu anderen Unternehmen, die schon im Dunstkreis der Universität unterwegs sind?

00:38:46.701 --> 00:38:47.400
<v Tim Pritlove>So die Richtung?

00:38:47.401 --> 00:38:52.600
<v Carolin Bock>Genau, zum Beispiel. Oder Entwicklungen oder ich möchte das weiter vorantreiben, könnt ihr mir helfen?

00:38:52.601 --> 00:38:59.900
<v Carolin Bock>Ich habe schon gesehen, das gibt es, dann vielleicht in einem Unternehmen in den USA, aber die machen einen anderen Bereich oder wie auch immer.

00:38:59.901 --> 00:39:02.200
<v Carolin Bock>Und ich möchte das jetzt vorantreiben, könnt ihr mir dabei helfen?

00:39:02.201 --> 00:39:10.700
<v Carolin Bock>Ich brauche auch wie auch immer finanzielle Mittel, wir sind aber schon ein Team, wir haben folgende Kompetenzen und dann setzen die sich mit einem zusammen.

00:39:10.701 --> 00:39:18.300
<v Tim Pritlove>Also wir haben es jetzt hier quasi mit einer Wissenschaft des Gründungsmanagements zu tun.

00:39:18.301 --> 00:39:28.100
<v Tim Pritlove>Das klingt ja recht neu. Also wie weit ist denn dieses Feld überhaupt greifbar?

00:39:28.101 --> 00:39:38.000
<v Tim Pritlove>Inwiefern agieren denn andere, die tatsächlich dort interessante Studien bringen unter diesem Begriff, ist das schon so ein etabliertes Thema oder findet sich das gerade noch?

00:39:38.001 --> 00:39:43.300
<v Tim Pritlove>Und was für Erkenntnisse bringt denn die Forschung?

00:39:43.301 --> 00:39:55.800
<v Carolin Bock>Ja, also es ist eine sehr sehr junge, in der relativ jungen Wissenschaft jetzt auch der Wirtschaftswissenschaften, ist der Bereich Entrepreneurship oder auch Gründungsmanagement ein sehr sehr junger Bereich.

00:39:55.801 --> 00:40:02.800
<v Carolin Bock>Ich glaube auch die erste Professur im deutschsprachigen Raum wurde entweder 1995 oder 1998 eingerichtet.

00:40:02.801 --> 00:40:06.400
<v Carolin Bock>Also noch nicht vor sehr langer Zeit.

00:40:06.401 --> 00:40:12.300
<v Carolin Bock>Und mittlerweile gibt es aber an den deutschen Unis und Hochschulen über 135 Lehrstühle.

00:40:12.301 --> 00:40:18.500
<v Carolin Bock>Also man sieht auch in dieser kurzen Zeitspanne wurde dieses Themengebiet massiv ausgebaut an den Hochschulen.

00:40:18.501 --> 00:40:20.500
<v Tim Pritlove>Die auch alle unter dem Begriff Gründungsmanagement laufen?

00:40:20.501 --> 00:40:31.000
<v Carolin Bock>Nein das ist Entrepreneurship, das heißt dann manchmal vielleicht auch Technologie-/Innovationsmanagement und Unternehmensgründung oder Startup-Management.

00:40:31.001 --> 00:40:34.200
<v Tim Pritlove>Okay also gibt da noch keinen definierten Brand, unter dem sich jetzt alle versammeln?

00:40:34.201 --> 00:40:37.300
<v Carolin Bock>Nein ich würde sagen, der definierteste Brand ist schon Entrepreneurship.

00:40:37.301 --> 00:40:43.700
<v Carolin Bock>Deswegen heißt meine Vorlesung beispielsweise auch Grundlagen des Entrepreneurship …

00:40:43.701 --> 00:40:47.100
<v Tim Pritlove>Aber das ist funktional äquivalent zu dem Begriff Gründungsmanagement?

00:40:47.101 --> 00:40:51.000
<v Carolin Bock>Wenn man es Wort für Wort übersetzt vermutlich nicht, aber es ist das gemeint.

00:40:51.001 --> 00:40:53.700
<v Tim Pritlove>Das ist gemeint, genau okay.

00:40:53.701 --> 00:40:57.700
<v Carolin Bock>Das ist schon die Disziplin, in der ich angesiedelt bin.

00:40:57.701 --> 00:41:00.800
<v Tim Pritlove>Ich finde das in gewisser Hinsicht nachvollziehbarer Gründungsmanagement.

00:41:00.801 --> 00:41:08.800
<v Tim Pritlove>Weil das ist zwar immer noch so eine merkwürdige Sprachvermischung, aber … macht es irgendwie relativ klar, worum es geht.

00:41:08.801 --> 00:41:12.300
<v Carolin Bock>Genau, und das ist eine sehr junge Disziplin und hier gibt es ganz unterschiedliche Ansätze.

00:41:12.301 --> 00:41:19.200
<v Carolin Bock>Also es geht immer um den Bereich etwas zu gründen, etwas neu zu schaffen.

00:41:19.201 --> 00:41:21.700
<v Carolin Bock>Und es gibt hier ganz unterschiedliche Teilbereiche.

00:41:21.701 --> 00:41:32.300
<v Carolin Bock>Also welche, in dem ich auch viel mache, den Bereich Gründungsfinanzierung oder Entrepreneurial Finance, wo es darum geht, wenn diese Unternehmen wachsen möchten, woher bekommen die Geld?

00:41:32.301 --> 00:41:39.500
<v Carolin Bock>Dann gibt es natürlich was, wo es mit dem Verhalten von Gründern zu tun hat.

00:41:39.501 --> 00:41:48.600
<v Carolin Bock>Oder der Teamzusammensetzung, was sind hier Probleme, die auftreten, was sind typischerweise Rollen, die in Gründerteams auftreten?

00:41:48.601 --> 00:41:54.800
<v Carolin Bock>Welche Eigenschaften sollten Gründerteams idealerweise aufweisen?

00:41:54.801 --> 00:41:57.300
<v Carolin Bock>Welche Teams sind erfolgreicher als andere?

00:41:57.301 --> 00:42:05.900
<v Carolin Bock>Was sind auch sozusagen die Schwierigkeiten oder die Grundlagen von jungen Unternehmen und wie wirkt sich das auf deren Erfolg aus?

00:42:05.901 --> 00:42:11.900
<v Carolin Bock>Also wir sprechen da immer von dieser ressourcenorientierten oder Ressource based view.

00:42:11.901 --> 00:42:19.100
<v Carolin Bock>Jedes Unternehmen und ein junges Unternehmen hat andere Ressourcen oder eine Ressourcenbasis, die zur Verfügung gestellt hat.

00:42:19.101 --> 00:42:35.100
<v Carolin Bock>Es ist meinetwegen die Technologie, die Mitarbeiter, das Team, also die Human Ressources, das ist Kapital und vielleicht darüber auch noch soziale Ressourcen, das Netzwerk, verschiedene Akteure, mit denen man Kooperationen eingehen kann.

00:42:35.101 --> 00:42:42.400
<v Carolin Bock>Und hier kann man natürlich sagen, je nachdem wie diese genutzt werden, diese Ressourcen, ergibt sich ein unternehmerischer Erfolg.

00:42:42.401 --> 00:42:48.600
<v Carolin Bock>Und es kann sich durchaus bei etablierten Unternehmen entscheiden oder unterscheiden von neugegründeten Unternehmen.

00:42:48.601 --> 00:43:00.500
<v Carolin Bock>Weil ein Gründer vielleicht nicht 100.000 Mitarbeiter hat, sondern nur das Gründerteam von vielleicht 3-4 Personen, vielleicht zwei Praktikanten und dann nochmal zwei Festangestellte und wächst dann aber vielleicht schnell.

00:43:00.501 --> 00:43:11.100
<v Carolin Bock>Auch das Wachstum von Unternehmen, die Internationalisierungstendenzen oder Internationalisierungsbemühungen sind vielleicht anders bei etablierten Unternehmen als bei jungen Unternehmen.

00:43:11.101 --> 00:43:18.200
<v Carolin Bock>Das sind viele Fragestellungen. Oder auch unternehmerisches Scheitern ist natürlich sehr relevant bei neugegründeten Unternehmen, weil sehr viele scheitern.

00:43:18.201 --> 00:43:21.100
<v Carolin Bock>Aber das zu analysieren, warum ist das der Fall?

00:43:21.101 --> 00:43:30.300
<v Carolin Bock>Was sind die Hauptgründe? Wie könnten die vielleicht ausgemerzt werden?

00:43:30.301 --> 00:43:33.200
<v Carolin Bock>Dass es nicht zum Scheitern kommt. Das sind so wesentliche Faktoren da.

00:43:33.201 --> 00:43:36.600
<v Tim Pritlove>Bzw. wenn es zum Scheitern kommt, dass es nicht so schlimm ist, dass es zum Scheitern kommt?

00:43:36.601 --> 00:43:39.600
<v Carolin Bock>Zum Beispiel auch richtig.

00:43:39.601 --> 00:43:43.200
<v Tim Pritlove>Also was liefert denn da die Forschung sozusagen?

00:43:43.201 --> 00:43:51.500
<v Tim Pritlove>Also was sind denn so die Erkenntnisse durch Studien und andere Forschungstätigkeit in diesem Bereich, die einen hier voranbringen?

00:43:51.501 --> 00:43:56.200
<v Tim Pritlove>Was weiß man denn jetzt, was man vor fünf Jahren noch nicht wusste?

00:43:56.201 --> 00:43:56.200
<v Carolin Bock>Vor fünf Jahren?

00:43:56.201 --> 00:44:02.800
<v Tim Pritlove>Oder irgendein anderer beliebiger Zeitraum, in dem sich das jetzt nennenswert abgebildet hat?

00:44:02.801 --> 00:44:13.100
<v Carolin Bock>Ja, was man schon sehr … es ist unterschiedlich, wenn wir beispielsweise die Rahmenbedingungen ansehen, auch in gesellschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht.

00:44:13.101 --> 00:44:16.200
<v Carolin Bock>Macht sehr viel aus eine etablierte Gründungskultur.

00:44:16.201 --> 00:44:24.900
<v Carolin Bock>Entweder generell in der Wirtschaft oder auch in der Gesellschaft, dass man sieht, man zieht es in Erwägung, überhaupt zu gründen, das fördert natürlich Gründungsaktivitäten.

00:44:24.901 --> 00:44:32.500
<v Carolin Bock>Aber auch was dazu führen kann, das zu stimulieren und eine Art Startup-Kultur, Gründungskultur zu schaffen in der Gesellschaft.

00:44:32.501 --> 00:44:37.400
<v Carolin Bock>Und da gibt es politische Stellhebel, das ist nochmal ein eigener Punkt für sich.

00:44:37.401 --> 00:44:45.500
<v Carolin Bock>Aber auch eben kulturelle, wo das gefördert wird, dass man sagt, man trägt das schon in die Ausbildung rein, meinetwegen auch schon in Schulen.

00:44:45.501 --> 00:44:55.100
<v Carolin Bock>In die universitäre Ausbildung, dass man sagt, wir kommen überhaupt irgendwann mal in Kontakt mit dem Thema und können es dann für uns auch in Erwägung ziehen.

00:44:55.101 --> 00:45:02.200
<v Carolin Bock>Sonst berühren wir das vielleicht im ganzen Studium nie oder auch in unserem Ausbildungsleben kommen wir da gar nie drauf.

00:45:02.201 --> 00:45:03.400
<v Carolin Bock>Das ist ein wesentlicher Aspekt.

00:45:03.401 --> 00:45:16.200
<v Carolin Bock>Ein weiterer ist, dass schon auch diese Teamzusammensetzungen sehr entscheidend sein können und auch die …

00:45:16.201 --> 00:45:23.500
<v Carolin Bock>Also dass beispielsweise wenn die Kompetenzen im Gründungsteam relativ heterogen sind, also sich gut ergänzen.

00:45:23.501 --> 00:45:36.600
<v Carolin Bock>Wenn ich jemanden habe, der sich eher um die Entwicklung kümmert, jemanden, der sich eher um den Vertrieb kümmert, jemanden, der sagt, ich kümmere mich dann darum, dass wir das Wachstum stemmen oder die Kooperation mit anderen Partnern abzustimmen.

00:45:36.601 --> 00:45:38.900
<v Carolin Bock>Also das ist einer der Erfolgsfaktoren.

00:45:38.901 --> 00:45:41.200
<v Tim Pritlove>Das klingt nach einer relativ einfachen Erkenntnis.

00:45:41.201 --> 00:45:42.200
<v Carolin Bock>Ja.

00:45:42.201 --> 00:45:49.100
<v Tim Pritlove>Wo ich mich jetzt gerade frage, brauche ich da einen wissenschaftlichen Studiengang dafür, um darauf zu kommen?

00:45:49.101 --> 00:45:51.200
<v Tim Pritlove>Oder sehe ich das jetzt ein bisschen zu einfach?

00:45:51.201 --> 00:45:54.700
<v Carolin Bock>Nein, ist durchaus berechtigt.

00:45:54.701 --> 00:46:10.600
<v Carolin Bock>Es ist so, dass wir natürlich da genauer in Details gehen können, dass es dann auch Studien gibt, die sagen, wenn es hochkomplex ist die technologische Anwendung, dann ist es sogar besser, wenn die Kompetenzen im Team der Kerngründer nicht so heterogen sind.

00:46:10.601 --> 00:46:18.200
<v Carolin Bock>Weil sie sich sonst verzetteln oder weil vielleicht derjenige, der den Vertrieb macht, gar keine Ahnung hat, was er da eigentlich verkauft, weil er zu wenig technisches Know-how hat.

00:46:18.201 --> 00:46:20.400
<v Carolin Bock>Und das ist zum Beispiel schon eine Erkenntnis.

00:46:20.401 --> 00:46:30.600
<v Carolin Bock>Also bis vor kurzem war es auch eine sehr breite Erkenntnisse, dass je heterogener ein Team ist quasi, desto besser ist es gewappnet dafür, die Gründung erfolgreich zu machen.

00:46:30.601 --> 00:46:47.100
<v Carolin Bock>Und da kommt man etwas davon ab oder neuere Forschungserkenntnisse deuten auch darauf hin, wenn das technologisch hochkomplex ist, so richtige Hochtechnologiegründungen, dass es teilweise auch gut ist, wenn die nicht so heterogen sind die Gründungsteams.

00:46:47.101 --> 00:46:56.400
<v Carolin Bock>Oder auch ja im Bereich der unterschiedlichen politischen Stellhebel, was kann man tun, um Gründungen zu fördern?

00:46:56.401 --> 00:47:02.600
<v Carolin Bock>Oder ein Ökosystem zu schaffen, in dem Gründer erfolgreich sind?

00:47:02.601 --> 00:47:13.600
<v Carolin Bock>Ja sind es die rechtlichen Gegebenheiten, ist es die Patentpolitik, sind es steuerliche Gesetzgebungen, die hier entscheidend sind?

00:47:13.601 --> 00:47:29.900
<v Carolin Bock>Und hier kann man schon sehr interessante Erkenntnisse auch gewinnen, die dann konkret auch in eine politische Umsetzbarkeit oder hier Hinweise geben für eine politische Umsetzbarkeit, um eine Gründungskultur zu fördern.

00:47:29.901 --> 00:47:36.000
<v Tim Pritlove>Jetzt dreht sich ja eine ganze Menge um dieses Thema, wir haben es ja jetzt schon beleuchtet.

00:47:36.001 --> 00:47:41.100
<v Tim Pritlove>Entrepreneurship ist ein breites Feld.

00:47:41.101 --> 00:47:48.800
<v Tim Pritlove>Sie waren ja auch an der Gründung wiederum einer solchen Gründungsakademie beschäftigt.

00:47:48.801 --> 00:47:51.600
<v Tim Pritlove>Das wird jetzt hier sehr meta.

00:47:51.601 --> 00:48:01.200
<v Tim Pritlove>Konkret dem Social Entrepreneurship Akademie in München, an der vier verschiedene Universitäten beteiligt sind.

00:48:01.201 --> 00:48:11.900
<v Tim Pritlove>Neben dem ganzen Unternehmertum findet ja gerade dieses soziale Unternehmertum derzeit an manchen Stellen nochmal eine besondere Bedeutung.

00:48:11.901 --> 00:48:20.100
<v Tim Pritlove>Was unterscheidet diese sozialen Unternehmerlinien von dem vielleicht normalen Ansatz?

00:48:20.101 --> 00:48:24.500
<v Tim Pritlove>Was hat Sie motiviert, da auch noch mit hinein zu gründen?

00:48:24.501 --> 00:48:27.600
<v Tim Pritlove>Welche Rolle spielt das?

00:48:27.601 --> 00:48:31.900
<v Carolin Bock>Ja das ist ein ganz interessanter Ansatz.

00:48:31.901 --> 00:48:42.500
<v Carolin Bock>Es ist ja oft so, dass ein Kriterium, selbst jetzt in steuerrechtlicher Hinsicht gilt ja ein Unternehmer als Unternehmen, wenn es als Hauptziel eine Gewinnerzielung hat.

00:48:42.501 --> 00:48:45.500
<v Carolin Bock>Das sich in finanziellem Gewinn äußert in der Regel.

00:48:45.501 --> 00:48:53.200
<v Carolin Bock>Das ist bei Sozial Entrepreneur oder sozialen Unternehmen nicht unbedingt so.

00:48:53.201 --> 00:49:03.000
<v Carolin Bock>Sondern die verfolgen oft ja einen gesellschaftlichen Mehrwert durch einen unternehmerischen Ansatz.

00:49:03.001 --> 00:49:15.200
<v Carolin Bock>Also da ist es die Beseitigung von einem gesellschaftlichen Missstand oder gesellschaftlichen Problemen, aber nicht durch reine Fördergelder und Verteilung mit der Gießkanne oder wie auch immer durch reine Zuwendung.

00:49:15.201 --> 00:49:20.300
<v Carolin Bock>Sondern es steckt immer ein unternehmerischer Ansatz dahinter.

00:49:20.301 --> 00:49:32.500
<v Carolin Bock>Das ist mehr oder weniger auf populär geworden durch Mohammad Yunus, der ja dann auch den Friedensnobelpreis bekommen hat dafür, dass er Mikrokredite an die ärmere Bevölkerung vergab.

00:49:32.501 --> 00:49:41.700
<v Carolin Bock>Und wo von vielen etablierten Banken oder auch Wirtschaftsvertretern gesagt wurde, ja wie kann man das machen?

00:49:41.701 --> 00:49:53.800
<v Carolin Bock>An die arme Bevölkerung finanzielle Mittel vergeben, das tun wir eben gerade nicht oder haben auch Vorschriften, die uns das verbieten als Banken, weil die Ausfallrisiken und Ausfallraten hier besonders hoch sein werden.

00:49:53.801 --> 00:50:05.800
<v Carolin Bock>Und Mohammad Yunus ist im Prinzip dennoch diesen Weg gegangen und hat gesagt, ich gebe auch armen Menschen Kredite, damit sie sich eine Art Unternehmen aufbauen können.

00:50:05.801 --> 00:50:12.300
<v Carolin Bock>Also meinetwegen dass sie auch auf den Markt gehen können und Waren verkaufen können, aber die Waren natürlich erst mal mit einem Kredit einkaufen müssen.

00:50:12.301 --> 00:50:22.700
<v Carolin Bock>Und so hat sich das dann gezeigt, dass ja die ganzen Kritiker Unrecht gestraft wurden, weil die Ausfallrisiken waren extrem gering.

00:50:22.701 --> 00:50:41.300
<v Carolin Bock>Er hat fast immer das Geld wiederbekommen und hat dann auch gezeigt, dass er dadurch auch wirklich nachhaltig es schaffen konnte, dass das Überleben der armen Bevölkerung gesichert oder auch wesentlich verbessert wurde, weil sie jetzt sogar eigenes Einkommen generiert haben und nicht mehr auf andere Formen der Unterstützung angewiesen waren.

00:50:41.301 --> 00:50:48.400
<v Tim Pritlove>Und vor allem, wenn ich es richtig erinnere, insbesondere Frauen an der Stelle nochmal einen besonderen Bonus geliefert haben.

00:50:48.401 --> 00:50:50.200
<v Carolin Bock>Ja richtig exakt.

00:50:50.201 --> 00:50:53.600
<v Carolin Bock>Die dann ein eigenes Geschäft haben, Waren verkauft haben oder selbst hergestellt haben.

00:50:53.601 --> 00:51:00.700
<v Carolin Bock>Die ja wiederum verkauft haben und dadurch Einnahmen erzielt haben und es dann ja so …

00:51:00.701 --> 00:51:08.100
<v Tim Pritlove>Und damit sozusagen überhaupt auch erst mal einen Weg in ein Unternehmertum geboten haben, was sich sonst so unter den sozialen Umständen wahrscheinlich gar nicht eröffnet hätte.

00:51:08.101 --> 00:51:09.600
<v Carolin Bock>Exakt.

00:51:09.601 --> 00:51:12.700
<v Tim Pritlove>Also konkret war das ja mit Schwerpunkt in Indien, wenn ich es richtig erinnere.

00:51:12.701 --> 00:51:14.500
<v Carolin Bock>Genau.

00:51:14.501 --> 00:51:21.700
<v Tim Pritlove>Da ist es für Frauen jetzt nicht so einfach, ist es auch sonst nicht, aber dort nochmal besonders.

00:51:21.701 --> 00:51:24.200
<v Tim Pritlove>Und wie kann man das bewerten?

00:51:24.201 --> 00:51:31.800
<v Tim Pritlove>Also ich meine, wenn das normale Unternehmertum nach Umsatz und Gewinn abgerechnet wird, ist es natürlich mit sozialem Unternehmertum nicht so ohne weiteres.

00:51:31.801 --> 00:51:39.200
<v Tim Pritlove>Weil man kann ja nicht sagen, hier guck mal, so viel Gewinn hat die Gesellschaft gemacht, lässt sich ja in Euro schwer gegenrechnen.

00:51:39.201 --> 00:51:58.300
<v Carolin Bock>Richtig. Vor allem weil es ja unterschiedliche Arten gibt, das dann gegen zu bewerten, braucht man die jetzt nicht mehr unterstützen und rechnet entgegen, was man denen als Unterstützung hätte zukommen lassen oder man sagt, es ist ja dennoch eine Art meist unternehmerischer Ansatz dahinter, der vielleicht ein bisschen Gewinn oder Rendite abwirft, wie misst man das jetzt dann?

00:51:58.301 --> 00:52:04.300
<v Carolin Bock>Das kann man aber so nicht aufrechnen, das ist sehr schwer, das zu bewerten.

00:52:04.301 --> 00:52:06.800
<v Carolin Bock>Es gibt aber auch hier Ansätze, die versuchen das zu tun.

00:52:06.801 --> 00:52:33.300
<v Carolin Bock>Und da hat auch eine ehemalige Kollegin von mir an der TU München, Barbara Scheck, hat einen social reporting Standard in ihrer Dissertation entwickelt, der auf verschiedene oder eine Methodik aufzeigt, wie man derartige gesellschaftliche Verbesserungen, politische Verbesserungen, Verbesserung von sozialen Missständen auch bewerten kann und so einen gesellschaftlichen Impact hat.

00:52:33.301 --> 00:52:49.000
<v Carolin Bock>Also dann wirklich auch, was ist ein messbarer Wert für dieses social Entrepreneur Unternehmen, was ist hier ein Mehrwert, der geschaffen wird auf unterschiedliche Art und Weise und wie kann man den darstellen, abbilden, messbar machen?

00:52:49.001 --> 00:52:53.000
<v Carolin Bock>Auch durch unterschiedliche Größen und die vielleicht auch vergleichbar machen.

00:52:53.001 --> 00:53:04.200
<v Carolin Bock>Und es ist insofern auch eine sehr interessante Initiative, die immer wieder Wellen schlägt, aber meiner Ansicht nach noch nicht weit genug.

00:53:04.201 --> 00:53:22.500
<v Carolin Bock>Weil immer noch zum Beispiel bei der Vergabe von öffentlichen Mitteln oder Fördermitteln auch an soziale Institutionen oder auch soziale Unternehmer oft derartige Kriterien oder auch eine Vergleichbarkeit oder eine Art von Impactmessung oft gar keine Rolle spielt.

00:53:22.501 --> 00:53:34.000
<v Carolin Bock>Sondern das wird vergeben nach welchen Kriterien auch immer, aber nicht unbedingt nach messbaren Größen, die natürlich auch abzielen auf solche Beseitigungen von sozialen Missständen oder dergleichen.

00:53:34.001 --> 00:53:44.300
<v Carolin Bock>Und da könnte man schon eher versuchen, das auch zu vereinheitlichen, auch zwischen unterschiedlichsten Ansätzen im sozialen Bereich und hier stärker auf so eine Art Standard abzustellen.

00:53:44.301 --> 00:53:48.300
<v Tim Pritlove>Spielt das hier eine Rolle in Ihrer Lehre?

00:53:48.301 --> 00:54:08.200
<v Carolin Bock>Es spielt eine Rolle, derzeit keine große, weil die Hauptansätze, die wir derzeit in der Lehre machen, nicht mit social Entrepreneurship zusammenhängen, sondern dadurch auch, dass ich an einer technischen Universitäten bin, sehr viel eher mit konkreten Anwendungsfällen, die aus der Technik oder auch den Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften kommen.

00:54:08.201 --> 00:54:15.900
<v Tim Pritlove>Trotzdem macht es so ein bisschen den Eindruck, als müsste Ihr Feld eigentlich auch einen erhöhten interdisziplinären Bedarf haben.

00:54:15.901 --> 00:54:22.100
<v Tim Pritlove>Steht man hier in Verbindung mit anderen Fachbereichen der Universität oder anderer Universitäten?

00:54:22.101 --> 00:54:28.200
<v Tim Pritlove>Ich meine wenn wir über Teams reden, dann habe ich gleich die Psychologie im Hintergrund etc., ist das so?

00:54:28.201 --> 00:54:37.800
<v Carolin Bock>Ja das ist so. Also zum einen dadurch, dass meine Lehre auch in viele andere Studiengänge eingebunden ist, sind wir hier im Austausch mit vielen anderen Fakultäten.

00:54:37.801 --> 00:54:53.100
<v Carolin Bock>Ist auch so dadurch, dass viele Entwicklungen oder Gründungsideen aus anderen Fachrichtungen kommen, bin ich hier auch im Austausch mit Kollegen und auch innerhalb verschiedener Unis ist man dann auch teilweise durch Anknüpfungen und dergleichen gut vernetzt.

00:54:53.101 --> 00:55:05.400
<v Carolin Bock>Also das ist auch was, was jetzt an meinem Fachgebiet sehr sehr spannend ist, dass man immer wieder Einblick, wenn auch nicht besonders tief, aber Einblick in ganz unterschiedliche neue technologische Entwicklungen erhält.

00:55:05.401 --> 00:55:15.600
<v Carolin Bock>Hier sich auch gut austauschen kann, auch natürlich ganz vielfältige Erfahrungen macht durch diese unterschiedlichen interdisziplinären Verknüpfungen.

00:55:15.601 --> 00:55:17.600
<v Carolin Bock>Das ist super spannend finde ich.

00:55:17.601 --> 00:55:28.200
<v Tim Pritlove>Es wird sicherlich auch passende Konferenzen und ähnliche Ereignisse geben, die jetzt hier relevant sind.

00:55:28.201 --> 00:55:29.900
<v Tim Pritlove>Gibt es da irgendwas, was man erwähnen sollte?

00:55:29.901 --> 00:55:36.600
<v Carolin Bock>Ja, also im deutschsprachigen Raum sehr relevant ist, ist das sogenannte G-Forum.

00:55:36.601 --> 00:55:44.100
<v Carolin Bock>Die interdisziplinäre Jahreskonferenz der Gründungs- oder des Förderkreises Gründungsforschung.

00:55:44.101 --> 00:55:58.000
<v Carolin Bock>Das ist ein Verein hier auch im deutschsprachigen Raum und hier findet auch ein reger Austausch statt von vielen Forschern, die sich im deutschsprachigen Raum vor allem mit dem Bereich Gründungsforschung beschäftigen.

00:55:58.001 --> 00:56:06.100
<v Carolin Bock>Aber genauso gut mit vielen, die in der Innovationsforschung tätig sind, auch mit Praxis oder Praktikern, die hier in dem Feld agieren.

00:56:06.101 --> 00:56:20.000
<v Carolin Bock>Sei es als Förderer, sei es weil sie sich interessieren, sei es als Unternehmen, weil sie hier in dem Bereich sehr innovativ sein möchten oder auch eine Förderung von Gründungsunternehmen sich gerne damit beschäftigen.

00:56:20.001 --> 00:56:22.400
<v Tim Pritlove>Werden wir doch nochmal ein bisschen praktisch zum Abschluss.

00:56:22.401 --> 00:56:43.900
<v Tim Pritlove>Wenn ich jetzt hier studieren würde, irgendein Feld, vorhin habe ich Maschinenbau genannt, bleiben wir einfach mal dabei, letztlich auch egal, ich denke mir erst mal nichts böses und studiere hier so vor mich hin.

00:56:43.901 --> 00:57:00.200
<v Tim Pritlove>Angenommen ich komme jetzt selber noch nicht so auf die Idee, was gibt es hier für Incentives, was werden hier für Maßnahmen seitens entweder dieses Studiengangs oder vielleicht auch des Gründerzentrums oder der Uni an sich genommen, um sozusagen Studierende auch überhaupt erst mal auf diesen Pfad zu bringen?

00:57:00.201 --> 00:57:19.500
<v Tim Pritlove>Überhaupt erst mal so diese Vorstellung in den Kopf zu bekommen mit, ja du kannst jetzt hier nicht nur eine Wissensauskunftei und Dienstleister werden, sondern du hast vielleicht auch die Berufung selber ein Business zu schaffen, was eigentlich deinen eigenen Fähigkeiten mehr entgegenkommt.

00:57:19.501 --> 00:57:24.800
<v Tim Pritlove>Weil ich denke, und das ist ja auch nochmal so ein kleiner Nebenaspekt, den ich auch so aus der eigenen selbständigen Arbeit heraus kenne.

00:57:24.801 --> 00:57:34.500
<v Tim Pritlove>Man kann sich ja im Prinzip, wenn man so diese Freiheit der eigenen wirtschaftlichen Entfaltung hat, man kann sich ja sozusagen auch seinen Beruf so zusammenzimmern, wie man ihn braucht.

00:57:34.501 --> 00:57:45.200
<v Tim Pritlove>Einerseits von dem technischen Interesse her, andererseits auch sagen wir mal von der Ausgestaltung der konkreten zeitlichen und inhaltlichen Ausgestaltung der Tätigkeit, das ist ja durchaus attraktiv.

00:57:45.201 --> 00:57:57.300
<v Tim Pritlove>Aber wie erreicht man Leute überhaupt oder was für Maßnahmen werden jetzt hier konkret unternommen, um Studierende überhaupt erst mal in Berührung zu bringen mit dieser Vorstellung?

00:57:57.301 --> 00:58:09.400
<v Carolin Bock>Hier ist es ganz wichtig, oder hier machen wir zum Beispiel was oder eine Sache, die entscheidend ist, jetzt kann ich nicht, ich bin nicht in jedem Studiengang direkt in den Fachveranstaltungen vertreten.

00:58:09.401 --> 00:58:13.700
<v Carolin Bock>Als der Maschinenbauer, wenn er nicht will, kann er gut um mich herumkommen.

00:58:13.701 --> 00:58:31.600
<v Carolin Bock>Es ist aber so, dass ganz viele meiner Kollegen schon Initiativen oder auch Veranstaltungen haben, die das Thema Gründungen beleuchten, was ich auch sehr interessant fand, als ich hierher kam, dass das nicht, obwohl es ja ein neu geschaffenes Fachgebiet war, nicht so war, dass es hier nur eine grüne Wiese gab und ich alles aufbauen musste.

00:58:31.601 --> 00:58:36.400
<v Carolin Bock>Sondern es gab schon sehr sehr viele Kollegen, die sich mit dem Thema beschäftigen.

00:58:36.401 --> 00:58:55.000
<v Carolin Bock>Und das ist auch eine der entscheidenden Sachen, was wir auch versuchen zu forcieren, das jetzt verschiedene Kollegen, die in den unterschiedlichsten Studiengängen in den fachspezifischen Veranstaltungen tätig sind, dass die auch schon mal hinweisen oder dieses Thema Gründungen aufgreifen in ihren Veranstaltungen.

00:58:55.001 --> 00:59:00.800
<v Carolin Bock>Jemand es dann spannend findet und sagt, ach das möchte ich vertiefen und dann vielleicht weitere Veranstaltungen wählt.

00:59:00.801 --> 00:59:11.200
<v Carolin Bock>Zum anderen haben wir natürlich unterschiedliche Initiativen, unser Gründungszentrum Highest an der TU Darmstadt hat zum Beispiel auch einen Gründerstammtisch oder hat unterschiedliche Veranstaltungen.

00:59:11.201 --> 00:59:20.200
<v Carolin Bock>Eins davon ist auch ein ganz zwangloser Gründerstammtisch, der in regelmäßigen Abständen, was auch bekannt gegeben wird auf der Homepage, stattfindet in der Kneipe hier in Darmstadt.

00:59:20.201 --> 00:59:25.200
<v Carolin Bock>Wo Gründer hingehen und sich austauschen, aber ganz zwanglos beim Bierchen am Abend.

00:59:25.201 --> 00:59:28.300
<v Carolin Bock>Und wenn jemand Interesse hat, kann er sagen, ah da setze ich mich einfach mal dazu.

00:59:28.301 --> 00:59:34.900
<v Carolin Bock>Ich höre vielleicht beim ersten Mal nur hin, finde ich vielleicht spannend, geh beim nächsten Mal wieder hin oder sowas.

00:59:34.901 --> 00:59:41.800
<v Carolin Bock>Dann haben wir auch einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, der einmal im Jahr läuft.

00:59:41.801 --> 00:59:49.700
<v Carolin Bock>Den wir jetzt ja glaube ich seit 5-6 Jahren durchführen, und der sehr regen Zuspruch findet.

00:59:49.701 --> 00:59:55.600
<v Carolin Bock>Wir haben auch im letzten Jahr das erste Mal auch sozusagen alle Preise auf zwei unterschiedlichen Kategorien ausgeschrieben.

00:59:55.601 --> 01:00:03.700
<v Carolin Bock>Also einen für Studierende, studentische Ideen, und einen für Ideen von wissenschaftlichen Mitarbeitern.

01:00:03.701 --> 01:00:05.600
<v Carolin Bock>Und es ist auch ganz bewusst als Ideenwettbewerb ausgeschrieben.

01:00:05.601 --> 01:00:15.800
<v Carolin Bock>Es müssen keine tatsächlichen Gründungsideen sein, es müssen auch nicht schon gegründete Unternehmen sein hier von Studierenden oder Mitarbeitern.

01:00:15.801 --> 01:00:25.000
<v Carolin Bock>Sondern wer eine Idee hat und sagt, ich habe eine Entdeckung gemacht oder ich habe da was im Kopf und das würde ich gern ausarbeiten, kann dieses Konzept einreichen und nimmt an diesem Ideenwettbewerb teil.

01:00:25.001 --> 01:00:28.900
<v Carolin Bock>Und er hat auch über diese Zeit hinweg massiven Zulauf gefunden.

01:00:28.901 --> 01:00:41.000
<v Carolin Bock>Jetzt von der Anzahl der eingereichten Ideen kann ich es nicht aus dem Kopf sagen, aber allein die Teilnehmerzahl, also auch die Zuhörer natürlich, war im letzten Jahr bei über 1000 und ich glaube im Jahr davor bei ca. 500.

01:00:41.001 --> 01:00:42.800
<v Carolin Bock>Und so ist das wirklich massiv auch angewachsen.

01:00:42.801 --> 01:00:47.600
<v Carolin Bock>Was eine enorme Veranstaltung ist, die dann natürlich auch Tragkraft hat und Bekanntheit innerhalb der Universität.

01:00:47.601 --> 01:00:47.800
<v Tim Pritlove>1000?

01:00:47.801 --> 01:00:57.000
<v Carolin Bock>Teilnehmer an der Abschlussveranstaltung, wo auch die Preise prämiert wurden, und sich dann die Ideen oder die Gewinnerideen kurz präsentieren dürfen.

01:00:57.001 --> 01:01:01.700
<v Carolin Bock>Und so was fördert natürlich auch den Gründergedanken.

01:01:01.701 --> 01:01:20.600
<v Carolin Bock>Wir versuchen, da haben wir sicher auch noch einiges an Arbeit zu leisten, was immer ganz sinnvoll ist an der Uni, dass es eine Institution gibt oder so eine Art One-Stop-Shop, wenn ein Studierender eine Idee hat, die er vielleicht gründen will oder umsetzen will, dass er weiß, mit wem bespreche ich die jetzt oder wo sollte ich denn damit hingehen?

01:01:20.601 --> 01:01:31.300
<v Carolin Bock>Und da wollen wir, das ist jetzt auch so, unser Gründungszentrum Highest kennt bei weitem noch nicht jeder Student hier an der Uni, aber das stärker zu etablieren, zu wissen, ah wenn du eine Idee hast …

01:01:31.301 --> 01:01:37.000
<v Carolin Bock>Natürlich hat sich unser Präsidium Gründungsförderung auch als Strategie auf die Fahnen geschrieben.

01:01:37.001 --> 01:01:45.900
<v Carolin Bock>Aber die rufen vielleicht nicht gleich im Präsidium an, sondern sollen dann wissen, ich kann zu Highest gehen und es ist auch leicht möglich und ich kriege da einen Termin oder ich schaue mal bei so einem Gründerstammtisch vorbei.

01:01:45.901 --> 01:01:46.400
<v Tim Pritlove>Wie heißt das genau?

01:01:46.401 --> 01:01:51.600
<v Carolin Bock>Highest, also so wie das höchste im Englischen.

01:01:51.601 --> 01:01:53.200
<v Tim Pritlove>Ah Highest, verstehe.

01:01:53.201 --> 01:01:59.000
<v Carolin Bock>Genau und das ist eine Home of Innovation Growth and Entrepreneurship.

01:01:59.001 --> 01:02:05.900
<v Carolin Bock>Daraus eine Abkürzung zusammengesetzt und so haben wir das dann gelabelt sozusagen unser Gründungszentrum.

01:02:05.901 --> 01:02:44.100
<v Tim Pritlove>Wenn ich jetzt konkret beschließe, okay jetzt habe ich hier eine super Idee, weil ich habe mich sagen wir mal irgendeinem neuen technologischen Durchbruch zugewendet – jetzt erfinde ich mal was – Nanotechnologie, irgendwie Beschichtung von Werkzeugmaschinen, hat keiner auf dem Markt etc. und man hat so das Gefühl, da gibt es jetzt für das, womit ich mich jetzt hier ein Jahr lang intensiv beschäftigt habe ohnehin kein Unternehmen und das einzige, was es dann doch gibt, finde ich langweilig.

01:02:44.101 --> 01:02:53.900
<v Tim Pritlove>Was macht man denn dann und was hat man denn dann für Möglichkeiten, entweder aus dem Studium heraus, also während des Studiums oder in einem Anschluss jetzt hier.

01:02:53.901 --> 01:03:00.500
<v Tim Pritlove>Also was für Möglichkeiten bieten sich denn konkret, die ich jetzt nutzen müsste?

01:03:00.501 --> 01:03:07.300
<v Carolin Bock>Gut, also die erste Frage ist glaube ich immer, hat man das alleine gemacht oder hat man zusammengearbeitet?

01:03:07.301 --> 01:03:08.100
<v Tim Pritlove>Noch einen Studentenkollegen genau.

01:03:08.101 --> 01:03:15.800
<v Carolin Bock>Also zunächst würde ich mal selbst recherchieren, gibt es das noch nicht irgendwo anders?

01:03:15.301 --> 01:03:18.900
<v Tim Pritlove>Habe ich schon gemacht, gibt es nicht.

01:03:15.801 --> 01:03:15.300
<v Carolin Bock>Ist das vielleicht doch …

01:03:18.901 --> 01:03:20.000
<v Tim Pritlove>Oder ist sagen wir mal …

01:03:20.001 --> 01:03:33.500
<v Carolin Bock>Das ist immer gefährlich, das sage ich immer meinen Studierenden, das ist ja nur ein Zitat von dem Venture Capitalist, either you don’t know, how to use google or there ist no market.

01:03:33.501 --> 01:03:42.100
<v Tim Pritlove>Na gut, aber kann ja auch sein, dass man feststellt, okay da gibt es so 2-3 andere Startups, die sich halt in diesem Bereich bewegen und die das ähnlich sehen.

01:03:42.101 --> 01:03:47.200
<v Carolin Bock>Ja, gibt es auch, ist ein reeller Fall auch, der hier immer wieder vorkommt.

01:03:47.201 --> 01:03:51.000
<v Carolin Bock>Viele sagen dann, ich möchte das auch gründen, ich möchte das vorantreiben.

01:03:51.001 --> 01:03:54.700
<v Carolin Bock>Machen es in der Regel oft nebenher neben dem Studium.

01:03:54.701 --> 01:04:01.000
<v Carolin Bock>Manchmal merkt dann einer, entweder das Studium ist eh nicht so seins oder er macht vielleicht den Bachelorabschluss fertig und dann den Master erst mal nicht weiter.

01:04:01.001 --> 01:04:04.700
<v Carolin Bock>Weil er sagt, er widmet sich erst mal dem Vorantreiben der Idee.

01:04:04.701 --> 01:04:11.700
<v Carolin Bock>Was sich dann immer anbietet ist, wirklich zu unserem Gründungszentrum zu gehen, in die Gründungsberatung.

01:04:11.701 --> 01:04:21.100
<v Carolin Bock>Weil wir hier auch ein Konzept entwickelt haben, das konkret dann mit den Gründern bespricht, was sie von der Idee halten.

01:04:21.101 --> 01:04:24.100
<v Carolin Bock>Die müssen dann auch genau durchgehen, gibt es das wirklich noch nicht?

01:04:24.101 --> 01:04:29.300
<v Carolin Bock>Wenn ja, wo gibt es das, in welcher Form, wie möchte ich das umsetzen?

01:04:29.301 --> 01:04:35.200
<v Carolin Bock>Auch quasi selbst dann sich klarmachen, will ich das nebenbei vorantreiben oder möchte ich das hauptberuflich machen?

01:04:35.201 --> 01:04:39.100
<v Carolin Bock>Was sind die Vor- und Nachteile von beiden Optionen?

01:04:39.101 --> 01:04:45.300
<v Carolin Bock>Was auch damit zusammenhängt, wie sehe ich mein Leben in 5-10 Jahren.

01:04:45.301 --> 01:04:56.600
<v Carolin Bock>Will ich da vielleicht ein sicheres Einkommen haben, weil ich schon zwei Kinder und Familie habe und die auch irgendwie durchbringen muss und nicht 80 Stunden die Woche arbeiten möchte an meiner Gründungsidee und nicht weiß, ob die je floriert.

01:04:56.601 --> 01:05:04.000
<v Carolin Bock>All das sind da so Sachen, wo es auch ganz gut ist, mal mit einem Berater darauf zu blicken.

01:05:04.001 --> 01:05:08.300
<v Carolin Bock>Ich sage es, weil unser Gründungszentrum bietet dieses Anlaufstelle, bietet die auch kostenfrei.

01:05:08.301 --> 01:05:16.900
<v Carolin Bock>Aber es ist immer eine gute Möglichkeit das durchzusprechen mit einer externen Partei.

01:05:16.901 --> 01:05:24.400
<v Carolin Bock>Weil jemand einen anderen Blickwinkel drauf wirft, vielleicht Fragen stellt, die man sich selbst so noch nicht gestellt hat.

01:05:24.401 --> 01:05:34.200
<v Carolin Bock>Und es soll nicht unbedingt die Oma sein, die eh schon ihr ganzes Erspartes in die Idee gesteckt hat, weil sie an den Enkel oder die Enkelin glaubt, sondern die ist natürlich vielleicht voreingenommen.

01:05:34.201 --> 01:05:38.200
<v Carolin Bock>Jemanden der mit kritischen Fragen rangeht oder eine möglichst neutrale Position hat.

01:05:38.201 --> 01:05:42.900
<v Carolin Bock>Oder sich Beratung holen mit anderen Parteien, sich auch vielleicht bewerben.

01:05:42.901 --> 01:05:46.300
<v Carolin Bock>Es gibt zahlreiche Gründungswettbewerbe, auch hier bekommt man Feedback.

01:05:46.301 --> 01:05:51.400
<v Carolin Bock>Sich das einzuholen ist immer wichtig.

01:05:51.401 --> 01:06:08.200
<v Carolin Bock>Und jetzt abgesehen vom Gründungsprozess selbst, dass ich sage, ich versuche Anlaufstellen, die mir Hilfestellung geben bei dem Vorantreiben meiner Geschäftsidee, die mir hier helfen, ist es immer auch wichtig und eins der wesentlichen Sachen, dass man zuerst versucht was ich da vorantreiben will, gibt es dafür einen Markt?

01:06:08.201 --> 01:06:15.000
<v Carolin Bock>Also gibt es potenzielle Kunden oder Nutzer, die das brauchen und die auch bereit dafür sind, Geld zu zahlen.

01:06:15.001 --> 01:06:16.300
<v Carolin Bock>So dass ich vielleicht irgendwann …

01:06:16.301 --> 01:06:17.400
<v Tim Pritlove>Woher weiß man das?

01:06:17.401 --> 01:06:25.000
<v Carolin Bock>Ja indem man mit potenziellen Kunden spricht und indem man sagt, okay das ist jetzt eine Entwicklung, die habe ich gemacht, für wen könnte die interessant sein?

01:06:25.001 --> 01:06:52.800
<v Carolin Bock>Und das so frühzeitig wie möglich zu machen ist unter anderem deshalb entscheidend, weil ganz oft und gerade im universitären Bereich und vielleicht auch sehr häufig bei Wissenschaftlern tüfteln die an den ausgefeiltesten Perfektionierungen ihrer Entwicklung, die aber vielleicht ein Kunde erstens vielleicht gar nicht braucht, vielleicht auch gar nicht sieht, oder vielleicht weil es das nanomillionste Verfeinerung der mikroskopischen Darstellung ist, sagt, das brauche ich auch gar nicht.

01:06:52.801 --> 01:06:58.400
<v Carolin Bock>Weil mit der, die derzeit zehnmal schlechter ist, mit der komme ich auch schon gut zurecht.

01:06:58.401 --> 01:06:59.700
<v Tim Pritlove>Oder vielleicht auch einfach noch nicht versteht.

01:06:59.701 --> 01:07:05.200
<v Carolin Bock>Auch das, natürlich braucht es vielleicht auch … vielleicht ist es eine Entwicklung, die auch erst in 10 Jahren bahnbrechend sein wird.

01:07:05.201 --> 01:07:10.000
<v Carolin Bock>Dann ist die Frage, ob man das überdauern kann, ob es jeder erkennt, aber dennoch …

01:07:10.001 --> 01:07:15.800
<v Tim Pritlove>Aber wie sagte Henry Ford so schön, wenn ich meine Kunden gefragt hätte, dann hätten sie gesagt, schnellere Pferde.

01:07:15.801 --> 01:07:19.200
<v Carolin Bock>Schnellere Pferde genau.

01:07:19.201 --> 01:07:22.700
<v Tim Pritlove>Dem muss man sich sozusagen auch ein bisschen Stück weit auch drüber hinaus setzen.

01:07:22.701 --> 01:07:24.800
<v Carolin Bock>Exakt hier eine Vision zu haben und auch einen Weitblick ist sehr wichtig.

01:07:24.801 --> 01:07:39.800
<v Carolin Bock>Aber sobald man sagt, das ist eine Anwendung, wo ich auch finde, oder es weiß da draußen vielleicht noch niemand, dass er da braucht, aber wenn ich es ihm vor die Nase setze und sage, jetzt benutz das mal oder du willst von A nach B kommen, hier ist aber kein Pferd, sondern was anderes, nutz das mal.

01:07:39.801 --> 01:07:46.800
<v Carolin Bock>Dann sagt der vielleicht ja, aber ich kann da noch nicht gut einsteigen, weil das ist viel zu hoch die Treppe, dass ich da hochkomme.

01:07:46.801 --> 01:07:53.400
<v Carolin Bock>Oder wie auch immer, die Räder das federt ja noch gar nicht genug, ich hätte gerne, dass es mich nicht bei jedem Steinschlag durchschüttelt, kann man da nicht was einbauen?

01:07:53.401 --> 01:08:06.700
<v Carolin Bock>Und so kriegt man dann zumindest eine Rückmeldung von der bahnbrechenden Neuheit, die man entwickelt hat als Geschäftsidee, was möchte denn der Kunde jetzt tatsächlich?

01:08:06.701 --> 01:08:08.300
<v Carolin Bock>Oder in welche Richtung sollte ich es weiterentwickeln.

01:08:08.301 --> 01:08:22.800
<v Carolin Bock>Und wenn man nicht nur mit einem Kunden redet, sondern mit einer größeren Bandbreite, bekommt man da schon ein Gespür dafür, ah jetzt sagen mir von den 20 Leuten 19 alle was in die Richtung, hätte ich jetzt nicht unbedingt dahin entwickelt, aber werde ich dann vielleicht doch mal machen.

01:08:22.801 --> 01:08:25.100
<v Tim Pritlove>Klingt jetzt aber schon wieder so ein bisschen zurückhaltend.

01:08:25.101 --> 01:08:33.600
<v Tim Pritlove>Ich meine wenn ich mich so voll mal in dieses Gründungsmoment reinsetze, dann muss man ja auch ein bisschen die Kraft haben, das was die anderen sagen auch ein Stück weit zu ignorieren.

01:08:33.601 --> 01:08:40.500
<v Tim Pritlove>Weil wenn die alle schon meiner Meinung wären, dann hätten sie ja vielleicht selber schon in diesem Bereich Aktivitäten entwickelt.

01:08:40.501 --> 01:08:47.700
<v Carolin Bock>Ja. Bin ich völlig bei Ihnen. Wenn es darum geht zu sagen, ich möchte was visionäres voranbringen.

01:08:47.701 --> 01:08:57.700
<v Carolin Bock>Aber sobald ich mal eine Art Prototyp habe oder eine Grundlage der Entwicklung, dann mit potenziellen Nutzern zu sprechen, ist schon entscheidend.

01:08:57.701 --> 01:09:19.400
<v Carolin Bock>Weil ganz häufig ist es bei Gründungen, das zeigen auch Forschungsergebnisse, dass diese Kundennähe oder die Bereitschaft sozusagen das Produkt anzubieten für das, was der Kunde auch wertschätzt, wofür er auch vielleicht am Ende bereit ist, wirklich Geld zu zahlen, dass das sehr sehr gering ausgeprägt ist.

01:09:19.401 --> 01:09:43.000
<v Carolin Bock>Und ich glaube auch, dass das, wenn wir nochmal auf unsere Kultur in Deutschland zu sprechen kommen, auch was ist, wo wir an uns arbeiten können, weil diese technische Perfektionierung, das haben wir auch historisch gesehen sehr sehr gut drauf, dann aber zu sagen, ich gehe her, wie es oft in den USA der Fall ist und sage einfach mal, was braucht mein Kunde eigentlich?

01:09:43.001 --> 01:09:55.300
<v Carolin Bock>Oder wie es jetzt von diesen Social Network oder auch den E-Commerce Unternehmen zur Exessivität betreiben, dass die schon was nutzt der Kunde, was ist für den bequem, wann kriegt der sein Produkt geliefert, wie schnell?

01:09:55.301 --> 01:09:59.600
<v Carolin Bock>Er muss vielleicht nichts zusätzlich zahlen und trotzdem hat er folgende Dinge on top.

01:09:59.601 --> 01:10:04.700
<v Carolin Bock>Die funktioniert aber noch nicht perfekt, der hat es vielleicht, obwohl ich versichert habe, er kriegt es noch am selben Tag, doch erst einen Tag später bekommen.

01:10:04.701 --> 01:10:16.700
<v Carolin Bock>10% der Fälle, dann würden wir das in der Tendenz her in Deutschland eher nie veröffentlichen oder noch gar nicht umsetzen, sondern erst wenn vielleicht 1% es nicht am gleichen Tag bekommt, sondern erst einen Tag später.

01:10:16.701 --> 01:10:27.000
<v Carolin Bock>Und in den USA probiert man es erst mal aus, merkt dann, ach aber viele sind gar nicht böse, wenn sie es da noch gar nicht haben, das müssen wir gar nicht unbedingt ausbauen als Feature.

01:10:27.001 --> 01:10:35.900
<v Tim Pritlove>Der Stifterverband nimmt sich ja des Gründungsthemas auch an durch das Gründungsradar, das kennen Sie ja sicherlich.

01:10:35.901 --> 01:10:47.900
<v Tim Pritlove>Was schon mal auch versucht, so ein bisschen die Qualität der Unterstützung, ich glaube auch teilweise der Forschung, zu quantifizieren und vergleichbar zu machen.

01:10:47.901 --> 01:10:53.700
<v Tim Pritlove>Ist das ein hilfreiches Instrument für das Thema?

01:10:53.701 --> 01:10:54.100
<v Carolin Bock>Ja auf jeden Fall.

01:10:54.101 --> 01:11:06.700
<v Carolin Bock>Also da wird ja beleuchtet auch in der deutschen Hochschullandschaft, wie gut sind hier die Gründungsaktivitäten in unterschiedlichen Teilbereichen umgesetzt und auch ausgebaut?

01:11:06.701 --> 01:11:13.200
<v Carolin Bock>Und es ist ja schon sehr sehr interessant dahingehend, dass unterschiedliche Stellhebel betrachtet werden.

01:11:13.201 --> 01:11:25.700
<v Carolin Bock>Also wie gut ist beispielsweise die Strategie umgesetzt in der Universität, dass Gründungen gefördert werden?

01:11:25.701 --> 01:11:31.100
<v Carolin Bock>Wie gut ist beispielsweise die finanzielle Ausstattung, was gibt es hier auch für eine Heterogenität innerhalb von deutschen Hochschulen?

01:11:31.101 --> 01:11:32.600
<v Carolin Bock>Was setzen die denn auch um?

01:11:32.601 --> 01:11:42.100
<v Carolin Bock>Also hat vielleicht eine Hochschule sehr sehr wenig finanzielle Mittel zur Verfügung, ist aber trotzdem super stark an der Anzahl an Ausgründungen, die aus der Hochschule hervorgehen.

01:11:42.101 --> 01:11:45.800
<v Carolin Bock>Und das liefert schon interessante Indikatoren.

01:11:45.801 --> 01:11:52.300
<v Carolin Bock>Erstens was hier möglich ist, auch im Vergleich der Hochschulen untereinander, was haben andere, was haben wir?

01:11:52.301 --> 01:11:56.800
<v Carolin Bock>Auch eine Art Messbarkeit.

01:11:56.801 --> 01:12:10.000
<v Carolin Bock>Und hier zeigt sich ja zum einen auch, dass beispielsweise viele der Universitäten, die ausgewählt wurden, also eine dieser Exist-4 geförderten Gründerhochschulen, dass die sehr starke Aktivitäten haben.

01:12:10.001 --> 01:12:14.700
<v Carolin Bock>Jetzt müsste man das natürlich genauer untersuchen als einzelnes Förderprogramm.

01:12:14.701 --> 01:12:23.200
<v Carolin Bock>Aber was einen Indikator zumindest liefert, dass diese öffentlich vom Ministerium geförderte Initiative doch auch Früchte trägt.

01:12:23.201 --> 01:12:34.500
<v Carolin Bock>Darüber hinaus gibt es dann gewisse Maßzahlen und Indikatoren, die ja auch angeben, wie wird diese Gründungsförderung gelebt und umgesetzt in den Universitäten?

01:12:34.501 --> 01:12:41.500
<v Carolin Bock>Also ganz wichtig ist hier häufig genannt, dass es auch in der Hochschulzeitung verankert ist.

01:12:41.501 --> 01:12:44.300
<v Carolin Bock>Das kann aber immer noch auf vielfältige Art und Weise geschehen.

01:12:44.301 --> 01:12:53.800
<v Carolin Bock>Das kann in einem Programm stehen, das kann an zentraler Stelle, gleich wenn man die Hauptseite der Homepage ansurft, gleich hier irgendwo verankert sein.

01:12:53.801 --> 01:12:59.200
<v Carolin Bock>Es kann auch jemand zuständigen explizit in der Hochschulleitung geben, der mit dem Thema vertraut ist.

01:12:59.201 --> 01:13:05.700
<v Carolin Bock>Was natürlich auch nochmal die Verbindlichkeit fördert in der Regel.

01:13:05.701 --> 01:13:08.000
<v Carolin Bock>Ja und ganz unterschiedliche Aktivitäten.

01:13:08.001 --> 01:13:12.900
<v Carolin Bock>Es ist hier auch sehr interessant, und deswegen …

01:13:12.901 --> 01:13:24.100
<v Carolin Bock>Oder ein wesentliches Element, wo ich immer glaube, was entscheidend sein kann, jetzt in unterschiedlichen Settings sind ja die Anreizstrukturen, in denen wir tätig sind.

01:13:24.101 --> 01:13:39.300
<v Carolin Bock>Und hier ist zum Beispiel sehr oft an Universitäten in den Anreizstrukturen, die auch Institutsleiter, Professoren oder wissenschaftliche Mitarbeiter haben, die Forschung oft hochgehalten.

01:13:39.301 --> 01:13:44.300
<v Carolin Bock>Es ist selten der Fall, dass es wirklich einen Anreiz gibt.

01:13:44.301 --> 01:13:46.500
<v Carolin Bock>Jetzt in unterschiedlicher Hinsicht.

01:13:46.501 --> 01:13:58.900
<v Carolin Bock>Dass jemand sagt als Professor oder wissenschaftlicher Mitarbeiter, mir ist auch dran gelegen, ich habe einen Anreiz, Gründungen aus meinem Institut oder aus meinem Fachbereich hervorzubringen.

01:13:58.901 --> 01:14:01.900
<v Carolin Bock>Und solche Anreizstrukturen zu schaffen ist nicht einfach.

01:14:01.901 --> 01:14:10.500
<v Carolin Bock>Aber wenn man auch diesen Gründungsradar anschaut, gibt es doch unterschiedliche Maßnahmen, die anscheinend praktiziert werden.

01:14:10.501 --> 01:14:15.800
<v Carolin Bock>Und das kann jetzt sein, dass es auch finanzielle Anreize für den einzelnen Forscher gibt.

01:14:15.801 --> 01:14:19.400
<v Carolin Bock>Dass es eher ich sage mal kreative Möglichkeiten sind, wie dass man auch eine Art …

01:14:19.401 --> 01:14:34.200
<v Carolin Bock>Man hat ja oft an der Universität, auch wenn man spezielle Forschungsvorhaben hat, beispielsweise ein Forschungsfreisemester, wo man in dem Semester keine Lehre erbringen muss, aber sich explizit dann für das Voranbringen des Forschungsvorhabens einsetzt.

01:14:34.201 --> 01:14:43.100
<v Carolin Bock>Und was ähnliches könnte es beispielsweise auch umgesetzt kriegen, wenn man sagt, man macht das eben für eine Ausgründung, die man vorantreiben möchte und hat deshalb eine Reduzierung der Lehrbelastung.

01:14:43.101 --> 01:14:44.500
<v Tim Pritlove>Also für eine eigene Ausgründung?

01:14:44.501 --> 01:14:50.000
<v Carolin Bock>Genau zum Beispiel. Oder auch finanzielle Anreizstrukturen, dass man sagt, man bekommt eine Erhöhung auch.

01:14:50.001 --> 01:14:54.700
<v Carolin Bock>Es gibt ja Budgets, die zugewiesen werden, wird es da berücksichtigt oder ist das überhaupt nicht erfasst?

01:14:54.701 --> 01:15:05.700
<v Carolin Bock>Und in vielen Systemen ist es überhaupt nicht erfasst, dass Institute als Ziel haben, Gründungen hervorzubringen und warum sollten die sich dann auch in der Hinsicht engagieren?

01:15:05.701 --> 01:15:10.300
<v Carolin Bock>Und das ist glaube ich was, wo man sehr viel auch tun könnte.

01:15:10.301 --> 01:15:22.800
<v Carolin Bock>Wo glaube ich noch nicht genug getan wird und wo man auch unterschiedliche Modelle, also best practise auch mal genauer als eigene Hochschule unter die Lupe nehmen kann und schauen kann, kann man das nicht umsetzen?

01:15:22.801 --> 01:15:35.100
<v Tim Pritlove>Und das Radar liefert sozusagen Material für eine Vergleichbarkeit und vielleicht auch für neue Ansätze an anderen Standorten, die ja sicherlich auch alle von unterschiedlichen Grundlagen ausgehen.

01:15:35.101 --> 01:15:42.900
<v Tim Pritlove>Mit anderen Studiengängen aufgestellt sind, andere Förderungsoptionen haben in ihren Ländern etc.

01:15:42.901 --> 01:15:52.300
<v Tim Pritlove>Ich finde das ganz interessant, hier wird ja auch sehr detailliert unterschieden zwischen den Bereichen, wie wir sie im Prinzip auch schon aufgeschlüsselt haben, wenngleich auch nicht unbedingt so benannt.

01:15:52.301 --> 01:15:55.800
<v Tim Pritlove>Also es wird von einer Sensibilisierung gesprochen.

01:15:55.801 --> 01:16:07.100
<v Tim Pritlove>Also welche Motivation bringt man überhaupt erst mal ins Feld dann eben über die konkrete Unterstützung und dann wird auch noch betrachtet, wie die konkreten Aktivitäten denn aussehen.

01:16:07.101 --> 01:16:12.800
<v Tim Pritlove>Und was letzten Endes auch an den Universitäten herausfällt.

01:16:12.801 --> 01:16:21.900
<v Tim Pritlove>Ja Frau Bock, Gründungsmanagement ist ein weiteres Metathema.

01:16:21.901 --> 01:16:35.000
<v Tim Pritlove>Ich finde das immer ganz interessant, wenn so Studiengänge quasi Fachgebiete mit Angeboten bekommen, die irgendwie gar nicht dazu passen, aber dann doch eben doch.

01:16:35.001 --> 01:16:40.200
<v Tim Pritlove>Anderes Extrem, was wir hier auch schon behandelt haben, ist so, zum Beispiel Wissenschaftshistorie.

01:16:40.201 --> 01:16:49.400
<v Tim Pritlove>Dass man sozusagen einfach auch mal mehr lernt über das, wie hat sich denn Wissenschaft überhaupt so entwickelt über die Jahrhunderte auch.

01:16:49.401 --> 01:16:53.200
<v Tim Pritlove>Woraus man eben sehr viel ziehen kann für die grundlegende Arbeit.

01:16:53.201 --> 01:17:10.900
<v Tim Pritlove>Und hier haben wir so ein anderes Extrem, wo man sagt, okay ja Wissenschaft für sich, Forschung, Lehre, alles schön und gut, aber es gibt halt auch noch eine wirtschaftliche Realität, die wird euch früher oder später ohnehin betreffen, wir legen jetzt hier mal so ein Besteck an den Tisch, kannst ja mal gucken, wie du damit klarkommst.

01:17:10.901 --> 01:17:20.000
<v Tim Pritlove>Wir bieten auf jeden Fall die Möglichkeit einerseits eben Handlungsoptionen zu erkennen vielleicht, die dann eben auf dem Tisch liegen.

01:17:20.001 --> 01:17:27.500
<v Tim Pritlove>Oder eben am Ende auch ein neues Forschungsfeld, was einem vielleicht auch selber am Herzen liegt, um das dann zu verfolgen.

01:17:27.501 --> 01:17:29.700
<v Tim Pritlove>Insofern bedanke ich mich schön für das Gespräch.

01:17:29.701 --> 01:17:32.100
<v Carolin Bock>Ich danke auch Herr Pritlove.

01:17:32.101 --> 01:17:35.400
<v Tim Pritlove>Und vielen Dank an alle wieder hier bei Forschergeist.

01:17:35.401 --> 01:17:39.000
<v Tim Pritlove>Wir machen bald weiter, ich sage, tschüss und bis bald.
