Forschergeist
Horizonte für Bildung und Forschung
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Ein Blick auf das akademische System in England
Das akademische System in Deutschland unterscheidet sich in Anspruch und Umfang teilweise deutlich von der universitären Realität in Großbritannien. An den Eliteuniversitäten in Cambridge und Oxford herrschen deutlich andere Kulturen. Doch was lässt sich aus einem Vergleich lernen? Während das auf ein breites Bildungsangebot ausgelegte deutsche System auch Empfehlungen für Großbritannien bereithält, lassen sich auch einige interessante Aspekte aus Cambridge auf Deutschland übertragen.
Wir sprechen mit Ulinka Rublack, Professorin für frühneuzeitliche Geschichte Europas im St. John's College an der Universität Cambridge. Sie hat früh in ihrem Studium bereits einen Blick nach England gewagt und ist nach Abschluss des Studiums komplett nach Cambdrige gewechselt.
https://forschergeist.de/podcast/fg017-forschen-und-lehren-in-cambridge/
Veröffentlicht am: 31. August 2015
Dauer: 1:17:21
Vielleicht ist das so. also ich höre es immer wieder, dass das so der Fall ist. Vor allen dingen in Amerika, da habe ich jetzt gerade wieder ein Gespräch gehabt, dass es Studenten ganz unmöglich ist, sich vorzustellen, dass es eine Welt gab, in der 80% der Bevölkerung auf dem Land lebten und Eliterat waren, wie sagt man, also eben nicht lesen und nicht schreiben konnten. Also Analphabeten waren und Bauern. Dass sie sich das schlichtweg nicht vorstellen können. Aber mich hat natürlich schon als Kind gerade das fasziniert. Also was historisch war, was anders war. Gerade um immer wieder auszuloten, inwiefern waren diese Gesellschaften eben anders, aber auch was verbindet sie denn mit unserer eigenen? Und da muss man natürlich sagen, dass Ängste auch immer wieder verbinden. Dass Hoffnungen verbinden. Dass bestimmte, also Sie haben die Naturwissenschaften angesprochen, mit dieser Vorstellung, dass sie eben immer das Neue sind und das Zukünftige und dann schaut man sich im Buch, was ich gerade abgeschlossen habe, über Johannes Keppler, den deutschen Astronom, dann schaut man sich eben so eine Figur des frühen 17. Jahrhunderts an. Also der Scientific Revolution und dann merkt man, dass genau das natürlich da schon die tragende Idee ist. Dass das das Zukünftige bringt. Und gleichzeitig ist er dann natürlich aus der heutigen Warte jemand, der uns extrem fremd vorkommt. Glauben an die Astrologie, hat Horoskope gesammelt und so weiter und so fort. Hat daran geglaubt, dass die erde belebt ist und so relativiert sich auch viel von den Claims, also den Ansprüchen, die heute gemacht werden.
Nein, also ich meine natürlich habe ich verschiedene Karrierewege angedacht und als ich Geschichte dann ausgewählt habe und studiert habe, da wusste ich, also dass ich eigentlich überhaupt nicht in die Richtung will, die mein Vater gewählt hatte. Also ich wollte, mich hat vor allem Technikgeschichte interessiert und eher das 19. Jahrhundert. Und das hat sich dann aber relativ schnell geändert, und zwar, und das sagt auch viel darüber aus, warum ich dann nach England gegangen bin, und zwar war es die Zeit in den späten 80er und 90er Jahren, als eine ganz neue Richtung in der Geschichte aufkam. Das nannte sich methodisch-historische Anthropologie und es ging eben vor allem um die Wahrnehmungsweisen und die Möglichkeiten, Handlungsmöglichkeiten von allen Gruppen in er Geschichte. Also eben weg von der Geschichte der Eliten, hin zu der Frage nach der Geschichte der Bauern, der Frauen und so weiter.
Das war glaube ich im 87. Das war in Deutschland ja. Also ich habe ganz normal angefangen. Also ich habe in Hamburg Abitur gemacht und habe dann da angefangen, zu studieren. Auch Kunstgeschichte, für mich ist visuelle Geschichte dann auch sehr wichtig geworden. Da gab es wunderbare Professoren zu der Zeit. Und Soziologie. Und dann war es natürlich so, dass es in Hamburg zu der Zeit wirklich eine Massenuni war. Also die Seminare waren überfüllt, es war noch sehr schwierig, zu kommunizieren untereinander und sinnvoll Unterricht zu gestalten und dann wurde ich sehr früh ab dem 3. Semester gefördert vom evangelischen Studienwerk Villigst und hatte ein Stipendium, mit dem klar war, ich könnte eben studieren, wo ich wollte. Und da habe ich überlegt, was will ich eigentlich am meisten. Ich überlegte Paris, in dieser Zeit waren Foucault und waren andere Denker, die mich auch sehr inspirierten. Aber ich dachte in Cambridge gibt es eben Figuren wie Peter Burke, Bob Scribner, aber es gibt vor allem auch eine ganz andere Art der lehre.
Ja also natürlich habe ich mich auch erst mal einfinden müssen. In den ersten zwei Semestern. Und ich wusste auch nicht, wie man ein Referat schreibt und dass da Fußnoten rein gehören usw. und so fort. Mein erstes Referat habe ich auch zurück gekriegt, weil ich gedacht hatte, das ist nicht so wichtig, dass da Fußnoten drin sind und so weiter. Aber dann war es natürlich zunehmend so, dass ich immer wieder merkte, da sind eben auch grenzen dieses Systems, eben dann dass man so viel Zeit in Arbeitsgruppen verbrachte. Und die fanden dann vor allem über frühstücke statt, die man zusammen einnahm. Also das war wirklich eine Universitätskultur, die sich glaube ich auch inzwischen wirklich geändert hat. Und das war dann eigentlich schon im dritten Semester, deshalb wollte ich dann eben auch weggehen. Andererseits hatte ich eben vor allem, ich glaube es kam auch tatsächlich durch meine Förderung des Studienwerk Villigst, weil wir da eben dann auch Seminare hatten. Und ich merkte, das ist eine ganz andere Intensität, also da haben wir dann wirklich intensiv Lesegruppen gehabt, wo wir auf einem völlig anderen Niveau reden konnten über schwierige texte. Also Levinas, das war wirklich damals die Zeit der Postmoderne, wo man sich intensiv mit Theoretikern auch sehr interdisziplinär auseinandergesetzt hat. Und all das konnte ich da tun, aber ich konnte es eben nicht an der Universität umsetzen.
Also die Zahlen für die Studiengänge habe ich nicht mehr im Kopf, aber ich denke mir einfach, so ein typisches Seminar da waren einfach 40-50 Leute drin. Und es war ja eben ganz stark auf Mitarbeit orientiert und auf die Diskussionen. Wie gesagt, diese Referate, und das war dann, als ich hier war einfach unglaublich. Dann habe tatsächlich sozusagen einen internationalen Star, wie Peter Burke gehört, der eine Vorlesung gemacht hat über die Annales-Schule und da saßen eben 12 Leute drin oder ich habe einen anderen Kurs bei ihm gemacht, der eben auch sehr interaktiv war, da waren wir 7 Leute. Und das ist eben eine Elitenuniversität hier. Das ist dann auch, ich will das sozusagen mein Argument für die deutsche Universität ist auch nach wie vor, dass es absolut richtig ist, dass die deutsche Universität keine Elitenuniversität ist, so wie Cambridge hier. Aber dass sie nach wie vor so viel wie möglich in genug Lehrpersonal investieren muss und gut ausgestattete Bibliotheken.
Also und was ist das Problem? Also das geht ja sehr tief in England. Also da muss man eben bei den Schulsystemen anfangen. Man muss anfangen mit dem großen Traum für schon viele Mittelschichtsfamilien, dass ihr Kind es schafft, in Cambridge oder Oxford aufgenommen zu werden. Und das gilt nach wie vor eben als das beste oft und ist natürlich eben ganz konkret mit sehr guten Berufschancen und einfach höherem Einkommen dann verbunden. Das heißt es geht letztendlich natürlich um den Traum von der entweder Reproduktion oder Produktion von sozialen Privilegien. Und diesen Traum haben eben dann viele, weil sie denken, das ist dann das beste für ihr Kind und deshalb wird schon in die Schulkarrieren entsprechend investiert. Es gibt ja hier sehr viele Privatschulen und nach wie vor ist es so, dass dann durch die kleineren Klassen und den besseren Unterricht mehr Leute von Privatschulen dann auch nach Oxford und Cambridge kommen. Das heißt mit Kosten von ungefähr 20.000 Pfund im Jahr ist dann entsprechend investiert. Wir versuchen natürlich, in Cambridge und Oxford so gut wir es können das auch umzudrehen und es wird ganz viel mit staatlichen schulen kooperiert, aber es ist so, dass viele Schüler in staatlichen schulen einfach denken Oxford und Cambridge ist nicht für sie da, ist nicht für sie gemacht, dass sie da gar nicht hingehören und das ist das was so schrecklich ist. Und wir versuchen das zu ändern, aber es ist immer noch so, dass so um die Hälfte oder sogar ein bisschen drüber der Leute, die wir auswählen, kommen eben aus den Privatschulen.
Ja das es gibt natürlich noch ein paar weitere, die auch sehr gut sind, aber trotzdem würde ich sagen, sie ist sehr weit. Und dann gibt es natürlich noch innerhalb von England noch dieses Gefälle zwischen dem Süden und dem norden. Also die Leute aus dem norden kommen noch viel weniger hierher, fühlen sich noch viel weniger dazugehörig. Und auch da versuchen wir sehr stark, daran zu arbeiten, dass die sich hier überhaupt bewerben. Und dann heißt Elite natürlich ganz handfest, dass man sich hier eben überhaupt nur bewerben kann, wenn man für die A-Labels, was dem Abitur entspricht, also ein A-Star und zwei As hat, also ein ganz super Abi vorzuweisen hat, sonst kann man sich hier nicht bewerben. Und dann werden also die Leute, die bewerben sich am College und da werden sie dann meistens interviewt und dann wird eben persönlich ausgewählt. Das hießt sie müssen dann einfach nochmal eine reihe von Tests und Gesprächen durchlaufen und danach wird dann eben gesagt, ob sie hier studieren können.
Das heißt, gut es mag sicherlich jetzt auch die Leute geben, die einfach für sich ohnehin schon verinnerlicht haben, ich will forschen, ich will in die Wissenschaft, ich will irgendwie das maximale leisten, was es da gibt. Das ist ja dann sicherlich auch nochmal eine kleine Gruppe innerhalb der Gesamtbildung. Für die ist sagen wir mal Cambridge und Oxford allein schon deshalb interessant, weil es halt auch einfach der Ort ist, wo einfach die besten zu finden sind und wo man dann auch einfach sein will, wenn man irgendwie ganz vorne mitlaufen will. Der Rest ist, wie wir jetzt schon angedeutet haben, sozusagen dieser soziale Sog wäre ja toll, wenn man dahin kommt, weil dann geht es mir ja irgendwie gut und dann habe ich sagen wir mal auch den Status in der Gesellschaft, der hier ja auch noch sehr hoch geschätzt wird. Der vielleicht überall hoch geschätzt wird, aber der finde ich hier noch mal eine besondere Rolle spielt. Mich erinnert das jetzt gerade, ich hatte hier in der Serie bei Forschergeist vor ein paar Ausgaben haben wir uns hier über Talentförderung explizit unterhalten mit Suhat Yilmaz von der Hochschule Gelsenkirchen, wo so ein Projekt stattfindet, wo explizit Schüler schon in den schulen früh angesprochen werden, damit sie sich das überhaupt vorstellen können. Wo diese Lücke, diese mentale Lücke geschlossen werden soll, dass die sich das überhaupt vorstellen können, dass eine Universität selbstverständlich auch ein teil des Weges sein kann. Wo man also frühzeitig Schüler anspricht und versucht, herauszufinden, können die was. Ja also auch in Zusammenarbeit mit den Lehrern. Gibt es so was ähnliches hier auch jetzt? Also ist das sozusagen ein teil dieses Versuchs, sich zu öffnen in diese Richtung vielleicht?
Ja. Also ich habe das gestartet. Das gibt es also nur in Anfängen und ich habe das selber gestartet. Eine outreach Kampagne für die Histroy Faculty. Seit vier Jahren mach ich das jetzt hier. Das Cambridge History for Schools und da laden wir meistens, also jetzt fangen wir auch an, in die schulen zu gehen. Also vor allem eben in schulen in unterprivilegierten gebieten von Cambridge und der ganzen Region. Aber sonst laden wir eben Schüler ein, also gerade die jünger sind, im alter von 7-14, dass sie zu uns kommen zu einer thematischen, themengebundenen Veranstaltung, die aber auch Spaß macht, wo sie eben mit Doktoranden oder Unidozenten eben ein Thema anschauen. Und das ist genau, da geht es genau darum, dass sie überhaupt mal den Weg finden in eine uni und merken, wie es da aussieht und dass sie da ernst genommen werden. Und dass es vorstellbar wird. Das sind kleine schritte, aber mir ist es ein wichtiger schritt, dass wir das machen. Ich wollte noch zurückkommen darauf, was Sie vorher gesagt haben und sozusagen das darstellen, was meiner Meinung nach so fatal ist an diesem System. Sie müssen sich ja vorstellen, die meisten, die hier studieren, die werden ja nicht Wissenschaftler und die wollen das auch nicht werden, selbst wenn sie Geschichte studieren. Die machen danach so Umschulungskurse und die werden dann in der Regel Juristen. Viele gehen auch in den Medienbereich, aber im Grunde genommen gehen die entweder ins Consulting oder zu den Banken und Businesses oder eben werden Juristen. im weiteren sinne. Und das machen sie natürlich auch, weil sie da dann entsprechend Geld verdienen. Warum müssen sie entsprechend Geld verdienen? Weil sie genau das wiederholen wollen, was sie selber bekommen haben. Das heißt sie müssen genug Geld verdienen, damit sie diesen immensen Schulgebühren für ihre eigenen Kinder bezahlen können, damit sie im Süden Englands wohnen können, möglichst in London, damit sie sich da ein Haus kaufen können. Und das wiederholt sich von Generation zu Generation. Das ist unheimlich statisch und man kann auch kein Ende sehen. Weil wiederum die Eliten sich selber ändern müssten. Warum sollen sie sich was ändern, wovon sie selber so immens profitiert haben?
Wenig, also sozusagen es ist auch immer mehr so, da muss man eben dann noch dazu sagen, dass sich die Bildungslandschaft hier, seit ich angekommen bin, auch nochmal sehr verändert hat. Also es gibt zum Beispiel, als ich hier studiert habe, da konnte man direkt anschließen einen Doktor. Das geht inzwischen nicht mehr, da muss man ein Jahr ein Programm machen, das heißt M-Phil bevor man eine Doktorarbeit anfangen kann. Inzwischen gibt es sozusagen keinen, also das ist natürlich hier immer mit hohen gebühren verbunden und es gibt eigentlich überhaupt keine Stipendien mehr für dieses eine M-Phil Jahr. Und mir sagen die Studenten mehr und mehr, also auch die gut sind, wir haben jetzt schon, also nach der Einführung auch dieser gebühren für das Studium selber, wir haben unsere Eltern schon um so viel Geld gebeten und wir können ihnen einfach nicht zumuten noch mehr zu bezahlen und gleichzeitig oder sie wollen eben keine eigenen schulden. Das ist natürlich in Amerika anders, wo schon klar ist, dass man viele schulden selber macht und die dann abbezahlt. Das heißt also, Wissenschaftler zu werden ist schon aus diesen gründen was, was tatsächlich eher eine Berufung ist. Also man muss schon sozusagen nicht anders können. Und eben im besten Fall muss man eben auch noch Eltern haben, die das bezahlen können. Also ab der Doktorarbeit ist es dann. Also wenn man herausragend ist, dann wird man sicherlich auch von den bekommen als Doktorandin oder Doktorand, aber es ist tatsächlich sehr viel schwieriger geworden, Wissenschaftlerin zu werden oder Wissenschaftler.
Eben also letzteres auf jeden Fall, aber natürlich kommt das auch mit rein, dass denke ich ist schon dann wiederum ein großer Vorteil von der englischen Vorstellung von Gespräch als was was Zeit braucht, wo eben auch von dass man nicht unbedingt Experte sein muss, um auf originelle Ideen zu kommen, das denke ich ist sehr charakteristisch. Ist sehr viel weniger hierarchisch. Also das ist das entscheidende. Also in Deutschland geht natürlich alles sehr stark auch immer noch, hat sich ein bisschen verbessert und ist kollegialer geworden, aber die Hierarchien sind nach wie vor extrem prägend und auch Altershierarchien und das ist in England sehr viel weniger ausgeprägt. Ja naja nicht so richtig. Also das kann man so nicht sagen. Also die sind sehr viel flacher die Hierarchien.
Doch schon einige. Also die Welle kam glaube ich auch so ein bisschen eher nach mir dann. Ist ja auch immer wieder Thema in den deutschen Medien, warum gehen die Leute weg? Ist natürlich so, also das trifft auch da wieder zu, dass also die stellen werden natürlich also sagen wir mal, in meinem Fall war es so, dass mein Professor dann eben, Robert Scribna, der ging dann nach Harvard und seine stelle wurde dann aber eben auf einem niedrigsten Niveau eben ausgeschrieben. Es gibt hier einfach so das was wir Mittelbau nennen in Deutschland, der ist hier eben sehr sehr breit und das sind dann aber schon Stellen auf Lebenszeit. Und die werden auch nicht und das sind während in Deutschland eben die Mittelbauer eben auch in so eine Hierarchie eingebaut sind, wo sie eben sehr niedrig rangieren, ist man hier wiederum also das fängt dann eben an, was dann University electra heißt wird einem schon wiederum auch alles Vertrauen gegeben. Also mir wurden sofort fünf Doktoranden angeboten, obwohl ich gerade erst mit meiner eigenen Doktorarbeit fertig war. Also ich bin sehr jung in dieses System reingekommen. Ich war erst 29 als ich meine erste feste Universitätsstelle hier bekam und hatte mir das vorher nie vorgestellt und dachte, ich gehe nach Deutschland zurück, um da eine Habilitation zu machen. Ich war nicht an so viel. Und dann war es einfach so, dass diese Stelle ausgeschrieben wurde, ich hatte hier am College vorher eine Forschungsstelle für zwei Jahre und dann habe ich die angenommen. Und seitdem bin ich nicht weggegangen, eben weil dann doch die Forschungsbedingungen hier attraktiver sind.
Ja also es ist natürlich auch immer ein riesiger Konflikt für alle, das so hinzukriegen. Also alle Leute, die hier arbeiten sind natürlich hier, weil sie aus Leidenschaft forschen. Und aus Leidenschaft lehre machen. Also das ist hier ein extremes Ethos, wie ich sagte, weil Studenten so ernst genommen werden. Also man verbringt wirklich sehr viel Zeit mit denen, auch mit Doktoranden, also die dinge, die man eben immer noch aus Deutschland hört, dass Doktoranden, also dass da nicht jedes Kapitel gelesen wird, das ist hier unvorstellbar. All das nimmt sehr großen Raum ein. Dann ist es so, wie auch in meinem eigenen Fall, dass man eben oft sehr früh anfängt. Das heißt man überhaupt nicht diese Zeit wie in Deutschland, wo die Leute im Grunde genommen frühestens mit 35 eine Professur haben und davor eben dann eine lange Forschungszeit haben. Das fällt hier auch weg. Und das macht es auch schwierig. Dann gibt es noch bestimmte Stipendien, auf die man sich bewerben kann, da gibt es sehr wenig. Das heißt im Grunde genommen ist es hier auch so, dass man auf einerseits die Forschungsfreisemester oder Trimester vielmehr, hier ist ja nach Trimestern alles eingeteilt, das heißt das ist auch kürzer, auf diese angewiesen ist. Und die gibt es hier also alle sechs Trimester bekommt man ein Trimester, das muss man sich dann ein bisschen aufsparen, damit es länger wird, aber was ich jetzt doch zunehmend als den Hauptunterschied sehe ist, dass die Trimester gerade in Cambridge sind sie wirklich sehr kurz, das heißt es sind acht Wochen, also von Oktober bis Anfang Dezember, dann nochmal acht Wochen von Mitte Januar bis Mitte März und dann das dritte Trimester ist eigentlich dieses Examenssemester, wo wenig Lehre gemacht wird, eher so Revision. also wo Wissen wiederholt wird mit den Studenten und dann eben die Examenskorrekturen laufen. Und dazwischen sind eben diese vorlesungsfreien Zeiten länger als in Deutschland und die werden auch weitgehend respektiert. Das heißt man hat im Grunde genommen schon drei Monate im Jahr, die man wirklich für Forschung aufwenden kann, so kann man das sehen, wenn man alles andere abzieht, was sonst noch so ist, bleiben im Grunde genommen schon drei Monate irgendwie über. Kommt drauf an, wie lange man Urlaub macht. Und dafür leben wir natürlich für diese Zeit. Aber es ist schon, natürlich ist es für alle ein riesiges Problem und natürlich auch deswegen, weil wiederum seit ich nach England gekommen bin hat sich das auch extrem geändert. Also wir werden eben inzwischen alle sieben Jahre evaluiert und da muss man eben nachweisen, was man geforscht hat und das spielt inzwischen eine immense Rolle auch eben für den Status der Universität, aber auch für das eigene Ansehen. Dass man da eben gut abschneidet. Also im unterschied zu Deutschland, wo ich eben merke, das ist tatsächlich für viele Professoren ist es ganz schwierig, noch Forschungsmonografien zu schreiben. Müssen wir das hier quasi. Also alle sieben Jahre ist schon das ideal, dass es eine Forschungsmonografie gibt und zwei Artikel in führenden Zeitschriften. Dann ist wichtig geworden, dass man nachweisen kann, dass die eigene Forschung auch was bewegt hat, dass sie Leute erreicht, also was Impact genannt wird. Und es ist zunehmend wichtig auch da, dass man Forschungsgelder angeworben hat und Stellen geschaffen hat für Doktoranden und Postdoktoranden, das ist hier auch.
Oder in welchem Maße?[00:49:21.5 @ulinkarublak>Also ich möchte nur sagen, dass ist auch in anderen Universitäten in England war das schon früher stärker, aber hier ist es inzwischen würde ich sagen, so in den letzten vier Jahren ist es doch sehr sehr klar gemacht worden, also vor allem so in der nächsten Generation, dass man zum Beispiel auch darüber dann die Promotion, also wie sagt man das, die Beförderungen auch daran gekoppelt sind und das ist wiederum sehr ähnlich wie in Deutschland. Dass man Forschungsgelder einwirbt und das ist natürlich sehr sehr zwiespältig und sehr problematisch. Evaluation der Forschung basiert dann auf was? Paper?[00:50:04.7 @ulinkarublak>Nein, das sind eben Monografien in der Geschichte nach wie vor. Okay, das ist jetzt geschichtsspezifisch.
Was kann man sich darunter vorstellen?[00:50:18.0 @ulinkarublak>Also ein Buch. Und dann eben noch zwei Artikel in führenden, also die wiederum auf nicht synthetisierend sind, also keine überblicksartige, sondern wirklich auf Forschung beruhen und wirklich was neues sagen. Also die werden dann eben danach evaluiert, die sind sollen eben international führend sein auch. Oder sie sind dann nur von nationaler Bedeutung. In Ihrem Fall war das jetzt die Geschichte von Keppler, die vorhin schon zur Sprache kam?
Die Geschichte ist sehr spannend. Im Jahr 1615 also genau vor 400 Jahren bekommt Keppler, der gerade auf der Höhe seines Ruhmes steht als Astronom und dabei ist, sein Hauptwerk die Harmonie der Welt, abzuschließen, bekommt er einen Brief der Schwester und in dem steht eben, dass die Mutter wegen Hexerei angeklagt ist. Und daraus entwickelt sich ein Hexereiprozess, der sechs Jahre dann dauert und in dem Keppler selber die Verteidigung rechtlich übernimmt. Das ist der einzige Fall, in dem ein intellektueller sich je so involviert hat für verwandte und die Dokumentation ist herausragend. Also wir haben sowohl die ganzen Prozessakten. Keppler schreibt auch sehr viel über sich. Ist psychologisch also hochinteressant als Mensch und natürlich als Wissenschaftler sehr komplex. Und das spielt alles in Leonberg bei Stuttgart. Und auch da ist die Archivlage herausragend, also wir können sehr viel über diesen Ort raus finden. Also Gerichtsakten usw. und so fort. Die Beziehungen der Menschen untereinander lassen sich sehr gut rekonstruieren und das habe ich eben für diese Publikation aufgearbeitet.
Wie kommen Sie drauf?[00:54:03.2 @timpritlove>Weiß nicht, weil ich meine, es ist schwer, sich vorzustellen, dass Leute das wirklich geglaubt haben, weil irgendwelche Anhaltspunkte müssten sie ja dann erst mal haben und ich bezweifele halt einfach mal stark, dass irgendjemand hat irgendjemand anders hat hexen sehen. Also muss ja der Vorwurf irgendwo herkommen und nicht selten war das natürlich auch ein mittel, um Leute zu diskreditieren, indem man das halt einfach erst mal auf den Tisch geworfen hat und dann mussten die sich damit rumschlagen. Ja aber die haben das ja selber erfahren. Also muss man ja ernst nehmen, dass deren Erfahrungsweise tatsächlich war, dass sie nicht mehr gehen konnten. Die Logik ist ja immer die, es war ja nicht so, als ob die Leute leichter Hand zu diesem Vorwurf gegriffen haben und sie wussten ja auch, dass man krank werden kann, aus natürlichen Ursachen. Und das war aber jeweils dann so, also sagen wir mal, ein Baby starb, das war völlig normal, 99% der fälle hat niemand an Hexerei gedacht, aber wenn es dreimal vorkam, dass ein Baby starb und noch dazu lief es blau an in einer Art und weise, in der das nie geschah. Und dann war es noch so gewesen, dass eine Frau das Baby angeguckt hatte und sehr merkwürdig gesagt hat, oh das ist aber ein hübsches Baby usw. und so fort. Da wurde eben da dann die Ansammlung von Beweisstücken als doch Verdachtsmoment gesehen.
Die haben nicht geglaubt, dass die tatsächlich, also das war die eigentliche Lehre dann er Theologen und Juristen, also die sagten offiziell, also dass sie nicht glauben, dass sie wirklich diesen Schaden ausführen können, sondern dass der Teufel ihnen diese Illusion eingibt. Andere haben gesagt, ja also auf jeden Fall, die können wirklich Kinder töten und wenn der Teufel ihnen diese salbe gibt, da stimmt alles und können diesen schrecklichen Schaden anrichten. Man muss sich vorstellen, das war eine Zeit, die auch die kleine Eiszeit genannt wird. Also Missernten, schreckliches Wetter oft, und es kam den Leuten so vor, diese schrecklichen Hagelwetter, als ob die wirklich von den hexen verursacht worden wären. Die Schäden waren immens. Die Hungerjahre und so haben die das auch versucht, zu erklären. Wie gesagt nicht alle und nicht gleich, aber doch immer wieder kam die Frage auf, wenn also die Schäden sind so schrecklich, was wir erleben, wenn es auch nur die Möglichkeit gibt, dass es an den hexen liegt, dann müssen wir auch dagegen was unternehmen. Und dann kamen natürlich wieder die zweifel auf, also deshalb hat man oft so Wellenbewegungen von anklagen. Also eben in den Jahren, wo man eher denkt, ja wenn es sein könnte, dann müssen wir jetzt handeln. Und dann wieder die Jahre, in der viel Kritik geäußert wurde am verfahren, in der gesagt wurde, wie wurde da jetzt eigentlich genau ermittelt? Wer war denn jetzt genau zeuge? Gibt es genug rechtlichen Schutz für diese Frauen meistens. Also 70% der angeklagten waren eben Frauen, die anderen waren auch Männer. Deshalb hatte Keppler auch mit so angst, selber angeklagt zu werden als Sohn. So gestaltete sich das.
Um nochmal so ein bisschen zurückzukommen auf, was man so ein bisschen ableiten kann aus den Erfahrungen hier in England und auch jetzt gerade so in der Mischung auch den Erfahrungen in Deutschland. Denken ja alle immer so ein bisschen darüber nach. Was muss man jetzt eigentlich ändern? Also ich meine, so eine allgemeine Unzufriedenheit herrscht ja immer vor, das ist ja auch gut so, weil wenn es das nicht gäbe, dann würde sich ja gar nichts ändern können. Und so oder so finden Änderungen statt, weil ja dann letztlich auch das akademische System ein Spiegel dieser Gesellschaft ist und die Prioritäten sich am laufenden Meter ändern. Also auf der einen Seite ändert sich eigentlich ganz schön viel, auf der anderen Seite ändert sich nicht genug, oder vielleicht nicht das richtige. Jetzt hat man hier, wenn ich das richtig rauslese so ein bisschen den Vorteil des privilegierten Ortes. Der durch seinen aufgeladenen Status auch über die entsprechenden finanziellen mittel verfügt, um sagen wir mal eine Lehre auch so zu machen, wie man das eben für richtig hält. Oder wo man eben auch gesehen hat, ah das funktioniert ja alles viel besser und alle sind glücklicher und froher, wenn man das irgendwie so macht. Das heißt man hier den Raum zu experimentieren mit dem verfahren. Auf der anderen Seite hat man jetzt in Deutschland dann wiederum zwar den Nachteil, dass man eben nicht im selben Maße über solche mittel verfügt, weil der Anspruch ein anderer ist, weil man eben sehr viel breiter abdecken will, weil man eben eine Bildung für alle Systeme durchziehen will, was eben explizit sich nicht auf solche Eliten beschränkt. Frage ich mich natürlich, wie kann man diese Erfahrungen zusammenbringen? Also was ist sozusagen das, was man jetzt hier aus diesem wie es eigentlich laufen sollte, so dass es gut ist auch für die Forschung und das Studium als solche, mit dem anderen Anspruch, das möglichst breit in die Gesellschaft zu tragen. Gibt es da bei Ihnen irgendwelche Erkenntnisse, was man da vielleicht mal beherzigen sollte?
Also überhaupt die Lehre. Man möchte ja sozusagen große Teile der Gesellschaft mit maximal guter Bildung versorgen, aber irgendwann reichen dann halt eben die Ressourcen dafür nicht. Und klar jetzt kann man natürlich immer nach mehr Geld, mehr Geld, mehr Geld schreien, aber das ist natürlich auch nur begrenzt vorhanden. Beziehungsweise weil man nicht die richtigen Argumente ins Feld führt, dann ist es natürlich auch schwierig, so was freizueisen. Aber wenn man jetzt auf der anderen Seite ein bisschen hier in diesem kleinen Paradies ich überhöhe das jetzt etwas sozusagen sieht, okay wenn man jetzt solche Voraussetzungen hat, was macht man denn dann eigentlich besser und anders? Vielleicht ließe sich das eine oder andere auch im deutschen Kontext umsetzen, man sieht es bloß derzeit noch nicht, weil man sich irgendwie mit anderen Sachen beschäftigt. Also ich sage mal diese Hierarchiearmut oder das weniger starke Durchdringen von Hierarchie ist ja nicht so, dass sich so was nicht auf ein anderes System übertragen ließe, selbst wenn, es ist ja nicht so sehr vom Geld abhängig.
Also das denke ich auf jeden Fall. Also stärke ... Kollegialsystem heißt das glaube ich. Also das auch interdisziplinär und insgesamt einfach klar ist, Status ist nicht so wichtig, gerade junge Leute haben sehr oft sehr extrem kreative Ideen, aber die müssen sich natürlich entfalten können, da gehört ja auch Mut dazu. Und dass man dem Raum schafft, also dass man sozusagen gar nicht so anfängt mit der Vorstellung, dass man alles weiß oder überhaupt schon das wichtigste weiß, also eher so auf die Studenten zugeht mit dem Eindruck, die können mehr wissen als man selber. Die können auf Ideen kommen, auf die man selber eben gar nicht kommt. Und dass man das zum tragen bringt und dafür auch die entsprechende Atmosphäre schafft. Aber ich glaube, was auch oft nicht gesehen wird ist, den doch nach wie vor sehr eigenen Status, den Universitäten brauchen, wenn sie tatsächlich dem Kreativen Raum geben wollen. Also sowohl hier als auch in Deutschland, also es braucht diese akademische Freiheit, die immer mehr beschränkt worden ist, sowohl hier als auch dort. Und die nährt sich eben nicht davon, dass sie Anträge schreibt auf diese Drittmittelförderung, sondern sie macht sie immer kleiner, und das tut den Menschen nicht gut und das hat ja vor allem die Konsequenz, dass man weiß, man wird auch von Kollegen immer weiter evaluiert. Also das ist meiner Meinung nach das ausschlaggebende, dass es wesentlich weniger Risikofreude und wesentlich weniger Debatten gibt. Weil wenn ich mich auf diese Drittmittellogik einlasse, hier wie dort, dann ist ja klar, eben bis ich meine Karriere abschließe mache ich immer wieder Anträge und ich weiß ja nie, von wem die evaluiert werden. Oder wenn auch mit dieser Forschungsevaluierung, ich weiß ja, das werden immer irgendwelche Kollegen sein, also ist die beste Strategie natürlich, dass ich so wenig kontrovers wie möglich bin, weil es könnte ja dann immer jemand sein, der dann sofort meine Anträge blockiert.
Genau. Und also diese Situation haben wir jetzt. Das merkt man immer, wenn man schon in dem, was man den Studenten dann zu lesen gibt, also in den 70er und 80er Jahren da gab es nur diese riesigen kontroversen, Marxismus und ganz andere Debatten, die dann sehr spannend waren. Was sind denn jetzt eigentlich die großen Debatten. Keiner traut sich mehr aus diesen Gründen. Und wie gesagt, solange auch das Einkommen immer dran gekoppelt wird, dass man immer mehr von diesen Anträgen durchkriegt, wird das keiner tun. Also das muss meiner Meinung nach alles zurückgefahren werden und auf eine ganz andere Vorstellung von akademischer Freiheit rekurriert werden. Die eben auch viel von dem beinhaltet, was wir früher hier ganz stark hatten, was wir noch ein bisschen haben, also was man eben Serendipity nennen könnte. Also es gibt ja tatsächlich eben, wir haben unseren Garten, wo wir Cricket spielen, macht keiner mehr. So das war teil der Kultur früher und die Idee wiederum, dass eben da die Ideen kommen und die Gespräche entstehen.
Oder Croquet vielmehr. Croquet Garden, aber es gibt eben Gärten. Also es ist auch eine sehr ästhetische Lebensweise hier. Wir haben einen Garten, wir essen sehr gepflegt zusammen, nehmen uns dafür Zeit. Das ist wiederum sehr spezifisch für Cambridge. Und genau da ist es eben so, dass was neues entstehen kann. Ich gebe Ihnen ein Beispiel jetzt hier am College ist es auch so, jedes College hat eine Kirche, wobei es absolut nicht verpflichtend ist, zu dem Service hinzugehen. Aber in unserem Fall haben wir eben auch einen eigenen Chor, also einen Knabenchor, der mitfinanziert wird, der sehr berühmt ist, sankt Johns Choir. Und was ich mir jetzt überlegt habe und wofür ich 25.000 Pfund bekommen habe vom College ist, es gibt zwei Opern über Keppler, eine von Philip Glas und eine von Hindemith. Und Hindemith. Im besonderen stellt die Geschichte der Mutter sehr problematisch dar und ich habe mir gedacht, ich möchte eigentlich ein Gegenstück komponieren lassen und arbeite am College, haben wir auch, dadurch dass wir Musiker haben, haben wir einen sehr guten Komponisten, Timothy Watts und der hat eben Geld bekommen für 14 Minuten zu komponieren, aber das wird entstehen auch in Gesprächen mit mir und Kollegen, die Keplerexperten sind, die zu anderen Musiktheorie der Zeit, wo wir wirklich ganz neue Art von Wissen kreieren können, was dann musisch umgesetzt wird und wir werden auch mit einer Videokünstlerin zusammen arbeiten und das kann hier entstehen, das wird dann natürlich auch meine wissenschaftliche Einsicht wiederum befruchten auch. Also sich wirklich durch diese Gespräche nochmal anders damit auseinanderzusetzen. Was können wir eigentlich über die stimme zum Beispiel von Katharina Keppler sagen? Wie können wir uns der historisch nähern?
Und auch Kultur schafft natürlich. Denn woher soll sonst .. - also wiederum auch deshalb macht für mich natürlich diese Trennung zwischen Gegenwart und Geschichte so wenig Sinn, wenn wir Kultur anschauen, rekurriert sie also stark auf historisches Wissen. Also sagen wie Philip Glas, der Einstein als Oper gemacht hat, wird eben gefragt, wenn Linz Kulturhauptstadt wird, wird der eben angefragt, würden Sie eine Oper machen über Keppler? Ja, auf was soll er denn zurückgreifen. Es gibt eine extreme Spezialforschung, die wirklich zu komplex ist. Überall sind wir umgeben von Kulturschaffenden, die natürlich dann auf, was soll er sich Wikipedia angucken, da sind eben nur Teile drin und deshalb ist es ja so wichtig. Und es gibt natürlich ein immenses Publikum, was von Keppler fasziniert ist. Figuren wie Galileo und so weiter. Leute wollen ja darüber Bescheid wissen, wie sie das einordnen sollen. Und Städte sind stolz auf jemanden wie Keppler, der in ihnen gelebt hat. Und in dem sinne ist eben meiner Meinung nach ganz extrem darauf zu bestehen, dass wir nie eine Logik im engeren sinne von Wirtschaftlichkeit folgen sollten. Sondern die akademische Freiheit brauchen, um zu überleben. Und das muss verstanden werden.
Das schafft natürlich eine gewisse Nähe. Ist das etwas, was sich, wenn ich das jetzt nochmal ganz ketzerisch versuche, auf die wie soll man das denn überhaupt nennen Massenuniversität trifft es ja jetzt auch nicht, größer breiter angelegten Universitäten Deutschlands übertragen. Fehlt denen Universitäten dort diese Nähe? Oder ist das etwas, in was man in irgendeiner Form investieren könnte? Aber ich meine jetzt auch so die Wohnsituation.
Die Wohnsituation. Also ich meine das ist also, ob man solche Kollegstrukturen in Deutschland möchte. Also ich meine es muss ja nun auch nicht, also es hat bestimmte Vorteile, aber also ehrlich gesagt, das finde ich nun in Deutschland auch sehr angenehm an dieser Lebensphase, dass man da dann eigenständig leben kann und also auch Erfahrungen macht ganz anderer Art. die nicht nur im College sind. Also das hat natürlich dieses sehr gemeinschaftsorientierte, aber ob man das nun unbedingt oder ob das überhaupt übersetzungsfähig wäre, das weiß ich jetzt nicht. Aber daran liegt es auch nicht. Ich glaube das liegt wirklich wesentlich daran an diesen, dass man sich auch als teil der Tutorengruppe, dass man merkt, da ist eben wirklich jemand, der ist an einem interessiert. Und der guckt nicht auf einen runter oder der denkt nicht, man weiß gar nichts. Sondern der nimmt einen ernst, die nimmt einen ernst und wird das Studium begleiten. Das ist das Grundprinzip hier. Und glaube wer braucht das wirklich, wenn die Motivationslagen eben bei den Studentinnen und Studenten selber stimmt.
Das heißt am Ende lese ich schon so ein wenig ein Plädoyer eigentlich für den Mittelbau heraus. Also das ist nicht das, was sich jetzt hier immer wieder abzeichnet, dass es gar nicht so sehr eine Frage von Professorenstellen ist, sicherlich teilweise auch, aber auch wahrscheinlich nur deshalb, weil das eben der traditionelle Ort ist, wo die Doktoranden andocken, wo es sich sozusagen organisiert, während es sich hier schon auf einer niedrigeren ebene sehr viel selbstständiger organisiert, auf einem ganz anderen Hierarchielevel schon breit, auch in die Studentenschaft hineinwirken kann.
Ja. Ja auf jeden Fall. Und dass man wirklich nochmal diese ziele überprüft. Also was will man denn eigentlich? Also nicht so diesen Trend fördern von Internationalisierung verfällt. Also gerade war ja in der Zeit diese sehr schöne Diskussion, die Elisabeth von Taten angeregt hat, mit einem Beitrag über die deutschen Universitäten, wo dann verschiedene Leute zu Wort kamen und eben sagten, ich will diesen Text neu interpretieren und das geschieht nicht unbedingt, wenn ich nachweisen kann, dass ich auf zehn Tagungen in Rio und sonst wo war. Also sich tatsächlich genau zu fragen, welcher Kultur bedarf es und was schafft neues, was schafft Originalität. Und diesen Freiraum wertzuschätzen. Und dieses Gespräch zwischen den Disziplinen und vor allem eben das, also Hierarchien machen ja immer angst. Wettbewerb macht immer angst und das blockiert eigentlich immer denken oder lenkt es in falsche bahnen. Während Kooperation und Offenheit fördert. Das ist in den deutschen Unis schon durch diese Kollegstrukturen oft mehr. Das ist schon befördert worden und da sind auch Hierarchien schon flacher geworden und ist mehr Interdisziplinarität, aber das Problem an diesen Kollegs ist natürlich, dass sie auch immer nur eine geringere Laufzeit haben und immer schon sehr früh dann auf diese Begehung gewartet wird. Dann ist klar, dann will man das nochmal. Auch da entstehen einfach sehr viele Ängste, sehr viel druck, das ist ein unheimlicher aufwand, und das führt uns alles nicht weiter. Und gleichzeitig denke ich eben, dass Bildung als Gut in der Hinsicht, dass es natürlich was anderes ist einfach als Wissen, doch das ist, was unsere Kulturen wirklich auszeichnen kann in der Welt des 21. Jahrhunderts. Wenn man denkt, wie viele Kulturen es schon gibt in der Welt, in denen nicht so sehr das eigenständige Denken gefördert worden ist, in denen Bildung noch sehr stark verschult ist, tatsächlich als eine sehr reglementierte Wissensaneignung vermittelt wird. Dann können wir doch bauen genau auf diese Ansätze, dass die Hoffnung immer besteht, dass aus dem Querdenken eigentlich die Innovation entsteht, und das gilt es weiter zu stärken.